Warsteiner und kleiner Salat   92

Aktuelles und Alltägliches · Kurzgeschichten

Von:    ThiloS      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 14. Dezember 2005
Bei Webstories eingestellt: 14. Dezember 2005
Anzahl gesehen: 2034
Seiten: 2

Ob Essen, Magdeburg oder Pinneberg. Es gibt sie in jeder Stadt. Die Szenekneipe, die beim ersten Sonnenstrählchen ihre Plastikmöbel auf die Fußgängerzone pflanzt und ihres Stammpublikums harrt. Und das lässt meist auch nicht lange auf sich warten.



Sobald der erste Sonnenschirm aufgeht, ist auch schon Mister 5er-Cabrio-im-Halterverbot-vor-der-Kneipe-Absteller wie von Zauberhand zugegen und setzt sich mit Sonnenbrille Marke "Frauenschänder" und seinen Freizeitklamotten "made by HUGO BOSS" breitarmig und -beinig vor den Esskulturtempel, baut Häändy, Marlboro-Päckchen und Autoschlüssel vor sich auf, wirft sonnend den Kopf in den Nacken und sieht einfach guuut aus.



Der umtriebige Kellner italienischer Herkunft oder die blonde Supermaus mit schwarzer Strumpfhose kommt angedackelt und bringt ihm nicht ohne ein verbindliches "Hallo Dieter" sein obligatorisches Warsteiner und dann guckt James diCabrio Dean, ob jemand guckt.



Peinlich berührt hasten Rentner im hellblauen Polohemd und genervte Mütter mit plärrenden Kindern vorbei und werfen scheue Blicke auf Mister

Erfolg-hat-einen-Namen-nämlich-meinen, der betont desinteressiert und lässig auf seinem Plastikstühlchen sitzt.



Gelegentlich klingelt das Häändy. Natürlich ist es ein wichtiger Kunde, der sich bei Ich-hab-frei-und-kanns-mir-leisten für die hervorragende Anlageberatung gestern Abend bedankt, hehe gernegeschehen und alle sind natürlich neidisch und schwer beeindruckt.



Es dauert dann auch nicht lange, da kommt die blonde, gutaussehende, selbständige Endzwanzigerin im hautengen weißen Oberteil und der Pflichtsonnenbrille und begrüßt "Diddi", wie sie ihn liebevoll nennt, begeistert mit ein-/zwei Bussis auf die Wange und setzt sich zu ihm. Luigi oder Strumpfhosensonja bringen ihr ein Wasser und einen kleinen Salat

bitte.



Während Gaby Fastnochjungundknackig auf ihren kleinen Salat wartet, könnte

sie sich nun mit "Diddi" unterhalten. Tut sie aber nicht. Nach der herzlichen Begrüßung haben sich plötzlich beide so viel zu sagen wie Bohlen und Naddel und gucken in verschiedene Richtungen. Aber sie sehen dabei guuut aus...
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.....



Nach zehn Minuten Gucken und guuut dabei Aussehen treffen nun auch Birte und Klausi ein, die sind zusammen seit der Party im "Downtown" letzte Woche und wieder Bussi hier und Bussi da und was macht die Kunst und jetzt geben Birte und Klausi den beiden schönen Menschen ein Gespräch.



Ob Diddis Händy immer noch gesperrt wäre und wie hoch seine Unterhaltszahlungen jetzt eigentlich seien und wie es Gaby gelungen sei, die Pleite ihrer Modeboutique gerade noch abzuwenden und das in einer Lautstärke, daß es die halbe Fußgängerzone mitkriegt.



Diddi und Gaby schrumpeln merklich in sich zusammen, verstecken sich hinter dem halbvollen Warsteiner-Glas und hinter dem mittlerweile eingetroffenen kleinen Salat, der dazu natürlich viel zu klein ist und sehen jetzt nur noch alt aus. Die schönen Menschen an den Nachbartischen grinsen hin und wieder dreckig in Richtung Mister und Misses Erfolgsverwöhntundschöndabei und denken sich ihren Teil. Und sind froh, daß sie Birte und Klausi nicht kennen und es sie nicht erwischt hat.



Alle Ablenkungsversuche wie über-die-neue-Kneipe-am-Eck reden und Diddis nicht unerhebliches Aktiendepot und die zwohundertfünfer Schlappen am BiEmmDabbelju nutzen nichts, Klausi und Birte bleiben stringent beim Thema. Und so kommt es, daß Diddi plötzlich noch einen ganz wichtigen Termin bei seinem hehe Steuerberater hat und dringend bezahlen muß und Gaby nochmalkurz in die Stadt will (weil sie ja nicht schon drinnen ist ....),

weil sie braucht noch neue Schuhe passend zum neuen Cocktailkleid, war teuer und soll ja alles zusammenpassen gell und Ciao und isch-ruf-Disch-an und Bussi hier und Bussi dort und Birte und Klausi sitzen plötzlich alleine am Tisch.



Klausi und Birte setzen ihre Sonnenbrillen auf, bestellen sich ein Warsteiner und einen kleinen Salat, gucken in verschiedene Richtungen und sehen dabei guuut aus.
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Punktestand der Geschichte:   92
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Kommentare zur Story:

  Herrlich... ;-) Gefällt mir gut. Da habe ich wohl einen neuen Lieblingsautoren ;-) Gruß Sabine  
Sabine Müller  -  09.05.06 16:08

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  Lustige Darstellung von Stereotypen. Das sind auch nur Menschen.
----------------------------------------------
Nein, dass sind Armleuchter !!!!!  
Jean Paul Marat  -  28.12.05 23:29

   Zustimmungen: 5     Zustimmen

  Ich glaube man kann sich gar keinen großen Salat bestellen. Darüber rätsel ich schon so einige Zeit man hat ja sonst nix zu tun. Lustige Darstellung von Stereotypen. Das sind auch nur Menschen.  
PoetySmurf  -  15.12.05 22:07

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Interessante Kommentare

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