Kurzgeschichten · Nachdenkliches

Von:    Siebensteins Traum      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 17. Juli 2026
Bei Webstories eingestellt: 17. Juli 2026
Anzahl gesehen: 67
Seiten: 2

Manchmal ist es Zeit, einzusehen, wie es tatsächlich ist. Insbesondere dann, wenn man ein ganz

normaler Typ ist, der im Grunde nichts Besonderes sein will und der dazu passend von niemandem

als etwas Besonderes angesehen wird. Das einzusehen, ist manchmal gar nicht so einfach. Denn es

bedingt einerseits, ein Bewusstsein davon zu haben, wie die Dinge sind und andererseits, diese dann

auch anzuerkennen.



Verdammt, wie wird man denn überhaupt zu etwas Besonderem? Verdammt noch mal, wer will

denn überhaupt etwas Besonderes sein? Und wozu auch? Weshalb sollte man sich von den anderen,

von diesem ganzen Durchschnitt, überhaupt unterscheiden wollen? Weshalb sollte man sich von den

ganz normalen Typen, die eben nicht auffallen wollen, oder können, überhaupt abgrenzen wollen?

Wozu denn überhaupt? Man kann doch auch ganz normal sein, oder etwa nicht? Einfach so, und das

ohne sich dafür vor irgendjemandem rechtfertigen zu müssen. Ein Durchschnittstyp eben. Einer, dem

egal ist, wie es ist oder wie es sein sollte. Oder wen man wählen sollte. Einer also, der völlig

gleichgültig den Dingen gegenübersteht; der nichts will; der nichts kann und der im Grunde auch

nichts davon braucht. Ein regelrechtes Neutrum. Jemand, der sich in die Masse einfügt und damit

völlig zufrieden ist.



Ist doch Okay, oder etwa nicht? Weshalb fällt denn überhaupt irgendjemand auf? Weshalb sticht

denn überhaupt irgendwer aus der Masse heraus? Was passiert da überhaupt? Und was hat diese

Person dazu veranlasst?



Wahrscheinlich handelt es sich dabei um Persönlichkeiten, die etwas zu sagen haben; die die

Menschen in irgendeiner Weise aufklären wollen; ihnen etwas beibringen wollen; wohl auch eine

Idee davon haben, wie es sein sollte.



Keine Vorstellung davon zu haben, wie die Dinge sein sollten, ist doch eigentlich auch Okay. Die

Dinge einfach geschehen lassen, das geht doch eigentlich auch in Ordnung, oder etwa nicht? Die

Dinge so sein lassen, wie sie sind. Easy. Nervt doch einfach mal nicht die Welt mit euren

Vorstellungen, mit euren Meinungen oder mit euren Ansichten. Die Welt dreht sich weiter, selbst

dann noch, wenn ihr diese nicht kund getan habt.
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Wirklich. Glaubt es mir. Versucht es doch einfach

mal. Einfach mal Ruhig sein und – zuhören. Und Verständnis aufbringen. Für andere. Für die ganzen

anderen Menschen, die es da draußen so gibt. Und überhaupt: handelt es sich dabei nicht um die viel

schwierigere Aufgabe?



Also wenden wir uns doch einfach mal den anderen zu.



Jeder Mensch lebt in seinem eigenen Kosmos. Jeder Mensch ist ein Universum für sich ganz alleine.

Jeder Mensch ist in gewisser Weise auch darin gefangen. Und kein Mensch kann dem entkommen.



Nehmen wir einen anderen Menschen wahr, ist dieser nichts anderes, als ein Phänomen in unserem

Bewusstsein. Ein Phänomen, das man ergründen kann, wenn man denn möchte. Aber ein Phänomen,

das schlussendlich nicht zu ergründen ist; das nur verstanden werden kann, wenn wir selbst etwas

hinzutun.



Denn, wenn überhaupt, können wir nur uns selbst verstehen, und nichts anderes. Nur unsere

eigenen Anteile. Unsere eigenen Geschichten. Den von uns selbst generierten Sinn.



Fremdes hingegen ist viel zu komplex, um es in seiner Gänze erfassen zu können. Wir können uns mit

Teilen davon beschäftigen. Wir können uns mit Teilen davon sogar verbinden, wenn möglich. Und

nur dann, wenn diese fremden Teile zu unseren schon vorhandenen eigenen passen, und sei es nur

zum Schein; wenn sie sich darin irgendwie einfügen können. Nur dann entsteht Verständnis, und das

von Fall zu Fall in höchst unterschiedlichen Graden. Den Rest aber, den wir brauchen, damit ein Bild

in unserem Bewusstsein entsteht mit dem wir gedanklich arbeiten können, den müssen wir

zwangsläufig selbst hinzugeben. Und dieser Rest hat vollständig nichts mit dem Gegenüber zu tun,

sondern ausschließlich mit uns selbst.



Der Mensch ist ein eigener Kosmos. Und alles, was sich darin befindet, hat mit ihm selbst zu tun.

Vor allem auch das Fremde.
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Punktestand der Geschichte:   7
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Kommentar von "Sabine Müller" zu "verkaufte Seele"

Hallo, sehr berührend. Gefällt mir gut, auch wenn es sehr traurig ist. Gruß Sabine

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