Spannendes · Kurzgeschichten · Zum Weiterschreiben

Von:    Julia D.      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 16. November 2002
Bei Webstories eingestellt: 16. November 2002
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Beiträge: 25

Diese Story ist eine Fortsetzungsgeschichte.

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Jason stieg vom Pferd. "Da seit Ihr ja!" rief man ihm entgegen.

Es war ein herrlicher Tag. Die Luft war mild und seit Wochen gab es keine Verbrechen mehr. Die Drachen hatten seit Monaten kein Dorf mehr angegriffen und die Gausun vom anderen Ufer, hatten noch nicht versucht einen Krieg zu provozieren. Alles im Allen schien die Welt fast in Ordnung. Jason hatte sich ein paar ruhige Tage am See gemacht und heimlich gehofft eine von den wunderschönen Nixen zu sehen. Aber auch diese waren ruhig und hatten sich in der letzten Zeit kein neues männliches Opfer gesucht, es mit ihren Gesang betört und in die Tiefe gerissen. Die Zeiten schienen einfach nur gemütlich vor sich hin zu laufen und die Menschen waren endlich mal für einige Zeit nicht im Stress gewesen. Sogar die Felder waren gut gewesen, der Regen war im gesunden Maße vom Himmel gekommen und die Sonne schien lau warm und kitzelte die Blumen wach.

"Was für ein herrlicher Morgen, Brabus. Was für ein herrlicher Morgen." Jason lief ein paar Schritte und atmete schließlich tief durch. "Ist es nicht seltsam? Noch nicht einmal die Drachen haben angegriffen. Endlich weiß ich was Leben ist." Er warf seinen Umhang über seine Schulter und betrachtete den umgestürzten Wagen. "Habt Ihr mich wegen diesem umgefallen Karren vom See geholt? Ich dachte immer das Ihr es von alleine verstündet so etwas zu erledigen. Ich werde allein für besondere Dinge gerufen. Falls Ihr es vergessen haben solltet, ruft man mich damit ich mit den Drachen rede, Kriegsverhandlungen führe oder Morde aufkläre. Ich habe nichts gegen den momentanen Frieden hier im Letus-Tal. Seid Ihr schon so verzweifelt das Ihr eine Katastrophe in einem umgestürzten Wagen seht?"

Jason sah Brabus an. Er sah bleich aus und für einen Moment dachte Jason sogar er würde umfallen. Sein massiger Körper würde ebenso wie der Wagen auf die Straße kippen und den Weg versperren. "Mein Herr, es ist etwas anderes weswegen ich Sie rief. Ein Mord. Und ?" Brabus schluckte schwer und wischte sich etwas Schweiß von der Stirn.

"Was?" fragte Jason nun etwas unsicherer. "War es ein Überfall? Waren es die Gausun? Oder hat ein Drache eine Familie verbrannt und gefressen?" Er hob die Augenbrauen und wartete ab. "Was beunruhigt euch so mein alter Freund?",fragte er schließlich.
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Brabus war niemand der schnell zu verschrecken war. Sein dicker Bauch und die starken Oberarme, hatten schon viele Verbrecher in die Flucht geschlagen. Obwohl er so schwer war, war er dennoch flink; im Kopfe so wie körperlich. Er tat seinen Job als Feldherr gut und zog Jason wirklich nur selten zu rate. Sein dicker Bart verdeckte sein halbes Gesicht und eine lange Narbe zog sich quer über das Auge bis hin zum Mund. Seine einseitige Erblindung hatte ihn allerdings nie gestört oder behindert. Im Ganzen, war er das perfekte Bild eines guten Kriegers mit einer großen Autorität und eine riesigen Anzahl an Respekt.

"Seht selber mein Herr. Es ist unbeschreiblich.",sagte er fast heiser zu Jason.

Jason drehte sich um und trat sehr selbstsicher zu dem Karren. Einige an Brabus Soldaten starrte in das hohe Gras. Andere wiederum hielten sich kreidebleich an einem Baum fest und wieder andere hatten sich mehrere Meter entfernt und redeten leise mit einander. Viele von ihnen sprangen zur Seite als Jason kam. Jason wurde von vielen gefürchtet, da er mit Drachen sprach, von anderen bewundert, wegen seines Mutes und von wieder anderen gehasst und als eingebildet abgestempelt. Wahrscheinlich war er auch von allem ein wenig.

Er trat hinter den Karren und ging zu dem hohen Gras am Weges Rand. "Was zum...?" sagte er leise und verstand das Entsetzen seines Freundes und der Soldaten. Plötzlich schien der Tag zu leise. Die Stille dröhnte ihm in den Ohren und sein Kopf schien zu platzen. Angewidert starrte er in das Gras wo er eine Familie erkannte. Oder zumindest erahnte.
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Mes Calinum am: 17. November 2002

Der süßliche Geruch von Blut wurde bereits von einem fauligen Dunst abgelöst, der tief in Jasons Atemgänge drang und seinen Magen zusammenkrampfen ließ. Seine Augen wanderten über die Gräser, deren saftige, grüne Farbe von einer dunklen klebrigen Masse überzogen wurde.
Er hatte seit seiner Zeit im Letus-Tal schon viele Morde bearbeitet, und er hatte auch zahlreiche Kriegsverletzungen nach Auseinandersetzungen mit den Gausun gesehen. Auch ein Drache war sicherlich in der Lage schweren Schäden zu verursachen. Aber in seiner gesamten Laufbahn hatte er so etwas noch nie gesehen und an der Reaktion von Brabus und seinen Soldaten folgerte er, dass es ihnen dabei ähnlich erging.
Wie so oft setzte Jason jetzt seine professionelle Miene auf und tat so, als würde ihn der Anblick nicht berühren. Er fühlte die Blicke der anderen auf sich liegen, während Brabus jetzt direkt neben ihn trat.
?Wer würde es wagen eine solch scheußliche Tat zu vollbringen, mein Herr? Ein Drache vielleicht??
Jason schüttelte den Kopf und sein Blick wanderte über die Reste der Leichen. Er war sich nicht sicher, wie viele Personen hier den Tod gefunden haben mochten.
Er kniete sich behutsam neben einen aufgerissenen Oberkörper und inspizierte das Gewebe eingehend. Es sah nicht aus, als wären ein Messer oder eine andere ihm bekannte Waffe benutzt worden. Auch mit einer Bisswunde oder Krallenspuren bestanden nur entfernte Ähnlichkeiten. Es kam vielleicht noch am Ehesten den Verletzungen nahe, die entstanden, wenn ein Opfer durch die schlagenden Kopfbewegungen im Maul eines Drachen zerrissen wurde. Aber eigentlich erinnerte es mehr an einen auseinander gebrochenen Brotleib.
?Diese Verletzungen erinnern nur sehr entfernt an den Angriff eines Drachen?, wandte er sich an den Feldherrn, ?selbst für einen Einzelgänger sind sie zu ungewöhnlich. Und ein Bär wäre sicher zu klein, um so ein Massaker zu verüben.?
Er stand auf und ging zu dem umgefallenen Wagen. Ein Rad war gebrochen und die komplette linke Seite des Fuhrwerks war zersplittert, als wäre etwas Großes dagegen gerammt worden.
?Es gibt keine Brandspuren?, sagte Jason mehr zu sich selbst.
?Und die Gausun waren es auch nicht, mein Herr??, wollte Brabus wissen.
?Kein mir bekanntes Wesen dieses Landes besitzt für solch eine Tat genügend Kraft.? Jason starrte jetzt nach Spuren suchend auf den Boden hinab. Es musste Fußabdrücke geben. Aber auf dem Weg ragte an einigen Stellen der granitische Untergrund hindurch, der nur dürftig mit Moosen bedeckt war. Der Hauptangriff fand wahrscheinlich gerade dort statt, so dass keine großen Spuren hinterlassen werden konnten. Allerdings wollte er nicht wirklich wissen wie die Körper in das hohe Grass gelangt waren.
Er richtete sich auf und seine kühlen blauen Augen wanderten jetzt über das Feld hinweg zur Anhöhe, wo der Wald begann. Die Familie musste auf der Durchreise gewesen sein, was in diesem Landstrich nicht ungefährlich war. Sein Blick blieb an einer kleinen Schneise im Gelände hängen - entweder ein Wildpfad oder von einem der Soldaten verursacht. Er war fast kaum sichtbar und konnte eigentlich nur von jemandem stammen, der kleiner als ein Soldat war.
?Habt Ihr einen Eurer Soldaten zum Wald hinauf geschickt??, wollte Jason wissen und drehte sich zu Brabus um.
?Nein, niemanden. Alle meiner Männer sind anwesend. Habt Ihr etwas entdeckt??
?Nehmt zwei Eurer Männer und folgt mir. Ich möchte den Waldrand eingehender betrachten.?

Jason fühlte sich in seiner Vorahnung bestätigt, als er die ersten Spuren von Blut an den Gräsern fand. Das Gras war eindeutig von einem menschlichen Wesen heruntergedrückt worden. Die Männer liefen hintereinander den Pfad entlang, bis sie an den Waldrand gelangten.
Ein lautes Knacken war im Unterholz zu vernehmen und die Männer zogen ihre Breitschwerter und stürmten durch die dichten Büsche.
?Da versucht jemand zu flüchten!? Jason presste die Zweige auseinander und stolperte noch vor den anderen auf einen Wildpfad. Vor ihnen lag ein kleiner Junge auf dem Weg und versuchte sich von einer Ranke zu befreien, an der er hängen geblieben war. Jason ergriff ihn und zog den Jungen mit einer schnellen Bewegung auf die Beine. Aber noch bevor er reagieren konnte, rammte ihm der Kleine mit viel Geschickt einen Dolch in den Oberschenkel.
?Ahh, du kleiner Dämon!?, schrie Jason auf und ließ los.
Der Junge versuchte davonzulaufen, prallte aber beim Umdrehen gegen Brabus, der ihn jetzt festhielt. Er zappelte, konnte sich aber gegen den kräftigen Feldherrn nicht wehren.
Dieser setze den Jungen auf dem Boden ab, hielt ihn aber an den Schultern fest, so dass Jason sich vor ihn knien konnte. Und obwohl die Wunde bei dieser Bewegung brannte, ließ er sich nichts davon anmerken.
Er hielt den Dolch in den Händen und musterte ihn, danach blickte er den Jungen eindringlich an. Er konnte sehen, dass er eine frische Narbe im Gesicht hatte und sein rechtes Hosenbein war aufgerissen und mit Blut durchtränkt.
?Du bist ganz schön flink, das muss man dir lassen. Wie ist dein Name??
Die dunklen Augen des Jungen blinkten ihn scheu an. Es sah so aus als würde er es vorziehen zu schweigen, dann versuchte er aber in einem lallenden Tonfall einige Worte zu formen. Jason blickte Brabus an. Es war unverkennbar, dass der Junge keine Zunge mehr hatte.

Drachenlord am: 19. November 2002

?Las mich sehen? bat Jason und deutete dabei auf seinen Mund.
Die dunklen Augen sahen Jason ängstlich an.
?Hab keine Angst, wir werden dir nichts tun.? Vorsichtig strich er ihm durch das krause Haar.
Zögerlich öffnete der Junge die Lippen.
?Das ist keine frische Wunde. Es sieht so aus, als ob man ihm die Zunge schon vor Monaten herausgeschnitten hat.?
?Wer tut so etwas einem Kind an, mein Herr? Und Warum?? Barbus Gesicht spiegelte den Unglauben und die Abscheu für diese Tat wieder.
?Das wüsste ich auch gern. Leider wird der Kleine hier es uns kaum erzählen können und wohl auch nicht, wo er das hier her hat.? Jason hielt den Dolch des Jungen hoch.
Barbus Augen weiteten sich, als er die eingeprägten Symbole auf der schimmernden Klinge entdeckte.
Es waren eindeutig Schriftzeichen der Gausun.
?Wie ist er den daran gekommen? Ich denke, die Gausun handeln mit niemanden außerhalb ihres Volkes und er sieht nicht wie einer von ihnen aus.?
?Ganz recht, mein guter Barbus. Aber dieser Dolch gibt noch mehr Rätsel auf. Schau dir die Klinge genau an.? Er drehte die Waffe so, das Barbus den Drachenkopf auf der anderen Seite sehen konnte.
?Mein Herr, jetzt verstehe ich gar nichts mehr. Die Gausun fürchten die Drachen doch noch mehr als wir.?
?Sie hassen sie abgrundtief. Ich habe noch nie gehört, das sich einer von ihnen mit einem Drachensymbol schmücken würde. Diese ganze Sache wird immer seltsamer.?
Jason sah den Jungen nachdenklich an.
?Waren die Menschen deine Familie??
Der Junge starrte ihn an als ob er die Frage nicht verstehen würde.
?Die Menschen. Bei dem Wagen. Hast du zu ihnen gehört??
Keine Reaktion.
Welche Geheimnisse dieses Kind auch in seiner Seele bewahrte, im Moment würden sie so nicht weiter kommen.
?Barbus, bring den Kleinen ins Lager und sorge für seine Wunden. Gebt ihm etwas zu Essen und frische Kleider. Dann benachrichtige Meister Anthros das wir seine Übersetzungskünste brauchen. Wir werden schon sehen was es mit diesem Jungen und dem Dolch ...?
Er hörte das sirren der Bogensehne im letzten Augenblick.
Mit den antrainierten Reflexen des Kriegers warf er sich zur Seite und riss gleichzeitig sein Schwert hoch.
Mit einem widerlich schmatzenden Geräusch durchschlug der Pfeil die Kehle des Jungen.

Julia D. am: 19. November 2002

?Brabus!? sagte Jason halb laut und gab ihn ein Zeichen damit er sich hinhockte. Jason sah zu den Jungen und erkannte mit einem abschätzenden Blick, dass er tot war. Er griff nach dem Dolch und steckte ihn an seinen Gürtel. Dann lief er ein paar vorsichtige Schritte in der Hockstellung zu einem Baum.
Er sah zu der Richtung aus der der Angriff stammte. Er kniff seine Augen zusammen und versuchte gegen die Sonne zu blinzeln. Er gab ein Handzeichen, dass Brabus warten sollte. Brabus wiederum gab seinen Männern ein Zeichen und lauerte leise im hohen Gras.
Jason versuchte irgendwelche Bewegungen auswendig zu machen, als er aus dem Augenwinkel etwas zu sehen glaubte. Schnell sah er in die Richtung und erkannte in einem Baumwipfel eine Gestalt. Mehr als den Umriss ließ die Sonne nicht zu etwas zu sehen.
Noch ein Pfeil sauste herab und traf einen der Soldaten in der Schulter. Dieser schrie kurz auf und kippte dann um. Sofort kümmerte sich einer der anderen Soldaten um ihn und ein weiterer Pfeil schlug knapp neben ihn ein. ?Unten bleiben, ihr Narren!? rief Brabus. Der Soldat zuckte zusammen, gehorchte und ließ sich neben seinem verletzten Kameraden nieder.
Die Pfeile kamen aus einer anderen Richtung. Also mehrere Angreifer. Oder der Gegner wechselte verdammt schnell seinen Standort. ?Brabus!? flüsterte Jason.
?Mein Herr?? kam zurück.
?Schaut ob der Junge noch was bei sich hatte. Dann renn mit deinen Männern gleichzeitig los und jeder Zick zack in eine andere Richtung. So verwirren wir die Gegner. Deine Männer sollen bis zum Wald rennen und sich Deckung hinter einem Baum suchen. Und sie sollen sich hinhocken!? Jason erwartete keine Bestätigung. ?Wartet noch ein wenig?.auf mein Zeichen.? Flüsterte er und hob seine Hand. Er beobachtete die Bäume und wartete geduldig ab. Bis er schließlich wieder eine Regung wahrnahm. Dann ließ er die Hand herab sausen und spurtete los, ohne die Stelle außer Augen zu lassen wo er zuvor noch die Regung gesehen hatte.
Er rannte hastig und schnell geradewegs auf den Baum zu. Er konnte es zwar nicht sehen, wusste aber das Brabus ebenfalls mit seinem Gefolge ihm es gleich tat und über die Wiese rannte.
Jason kam dem Baum näher und schon bald verschwand die Sonne hinter den Blätterdach. Kaum hatte er den Bereich der Sonne überschritten und trat in den Schatten, als sich seine Sicht auch schon besserte. Da! Er konnte jemanden sehen. Er setzte zum endgültigen Spurt an um die letzten Äste aus der Sicht zu bringen die ihm den Blick versperrten.
Seine Augen folgten der Gestalt die einen Sprung nach oben machte und in einem hell blauen Nebel verschwand. Allein einen kurzen Blick auf einen großen reich mit Federn verzierten Bogen, konnte er erhaschen. Jason hielt an und sah sich suchend zwischen den Zweigen und Blättern um. Seine Ausdauer war gut und sein Atem beruhigte sich schnell. Er sah nach oben drehte sich im Kreis und versuchte den neuen Standort des Angreifers auszumachen. Ohne Erfolg.
?Verdammt!? sagte er laut. ?Hey!? rief er einen der Soldaten zu der hinter einem Baum nicht weit von ihm kauerte. ?Komm her!? Befahl er ihn. Zögernd tat der Soldat wie ihm geheißen. Er trat an Jason heran und sah ihn fragend an. ?Hilf mir rauf.? Sagte Jason und warf seinen Umhang ab.
Der Soldat faltete seine Hände und hielt sie ihm als Stufe hin, direkt neben dem Stamm. Jason trat fest rein und zog sich an einem Ast hoch. Er hielt sich sicher fest und kletterte immer weiter hoch, bis hin zu der Stelle, wo zuvor sein Gegner war. Er hockte sich auf den dicken Zweig und sah zu der Stelle rüber, wo der Leichnam des Jungen lag. ?Freie Bahn.? Murmelte er. Dann begann er die Rinde zu untersuchen. Sie war frisch aufgekratzt, als ob jemand mit Spitzen hinein gerammt hätte.
Jason legte seinen Fuß an die aufgeraute Stelle und kniete sich mit dem anderen Bein hin. Dann spannte er einen unsichtbaren Bogen und ließ los. ?Perfekt.? Er fühlte wieder über die Rinde.
?Seht ihr was, mein Herr?? fragte Brabus laut. ?Ein Mann berichtete er habe eine Gestalt gesehen die in einem blauen Nebel verschwand.? Rief er Jason zu.
?Sie hatten Spitzen an den Schuhen. Sie haben sie in den Ast gerammt, um so einen besseren Halt zu haben. So konnte nichts verwackeln.? Erzählte er Brabus. Dieser nickte nur, ohne wahrscheinlich auch nur ein bisschen von dem zu verstehen was Jason da von sich gab. Dieser hockte weiter auf den Ast und sah sich um. ?Na los?hoffentlich hast du mir was hinterlassen, mein Freund. Irgendetwas.?

Mes Calinum am: 22. November 2002

Aber alles, was ihnen an diesem Tag hinterlassen wurde, waren der Dolch mit den widersprüchlichen Eingravierungen, der Pfeil mit dem der Junge getötet worden war und eine Menge unbeantworteter Fragen.

Das Kaminfeuer knisterte angenehm und Jason drehte den Dolch nachdenklich in seinen Händen, während Maja, eine Heilerin aus dem Dorf, seine Stichwunde versorgte.
Jemand klopfte gegen die Türe, wobei Jason so sehr aus seinen Gedanken gerissen wurde, dass er unbewusst zusammen zuckte.
?Es tut mir Leid, mein Herr?, sagte Maja und legte das Tuch beiseite, mit dem sie die Wunde gereinigt hatte.
?Es ist nicht ihre Schuld.? Er stand auf und ging vorsichtig zur Tür.
Draußen standen Brabos und ein älterer Mann mit schneeweißem Haar. Jason nickte Brabos kurz anerkennend zu und wandte sich dann an den alten Mann.
?Seid gegrüßt Anthros?. Es handelte sich um einen der Gelehrten, den sie immer zu Rate zogen, wenn es um Schriften der Gausun ging.
Er ließ die beiden Männer eintreten und bot ihnen einen Platz am Tisch an.
?Brabos erzählte mir, Sie hätten einen ungewöhnlichen Dolch entdeckt??, begann Anthros.
?Ja, der Junge, den wir heute im Wald gefunden hatten, trug ihn bei sich.? Er reichte den Dolch über den Tisch. ?Und er wurde mit diesem Pfeil getötet?, setzte Jason fort und legte ihn vor sich, wartete allerdings Anthros Reaktion auf den Dolch ab. Dieser drehte den Dolch aufmerksam in den Händen und runzelte die Stirn, als er das Symbol des Drachens entdeckte.
?Nun??, sagte Jason.
?Es handelt sich bei der Schrift tatsächlich um Worte aus der Sprache der Gausun, allerdings sind sie in einem Dialekt geschrieben, der heute nicht mehr gebräuchlich ist. Ich erkenne einige einzelne Worte wieder. Dieses hier könnte Feuer heißen, möglicherweise aber auch Dunkelheit. Es ist schwer eine sinnvolle Übersetzung zu finden ohne den Dialekt genauer studiert zu haben.
?Aber welche Bedeutung hat dann dieser Drachen, wenn er den Gausun doch so verhasst ist, Meister Anthros??, wollte Brabos wissen.
?Sie müssen wissen, dass die Gausun und die Drachen nicht immer in Feindschaft gelebt haben, wenn man den alten Schriften Glauben schenken darf.?
?Und wie kam es dann dazu, dass zu unserer heutigen Zeit alle in Feindschaft mit den Drachen leben??, fragte Brabus weiter.
?Leider fehlen uns die Aufzeichnungen eines ganzen Jahrhunderts. Wir vermuten, dass es einen schlimmen Krieg gegeben haben muss, aber wer oder was der Auslöser dafür war, ist keinem bekannt.?
?Der Dolch macht auf mich allerdings nicht den Eindruck, als sei er ungewöhnlich alt?, bemerkte Jason.
?Das haben Sie richtig beobachtet. Er ist viel leichter als die Waffen der damaligen Zeit oder denen, die bei uns hier im Letus-Tal benutzt werden und stammt mit sehr großer Wahrscheinlichkeit aus der Schmiede eines Aisaken im Süden des Landes.?
?Stammt dorther auch dieser Pfeil?? Jason schob ihm jetzt auch den Pfeil zu.
Der Blick von Anthros verdunkelte sich kurz und fast unbemerkbar, als er den Pfeil entgegennahm. Er fuhr mit der Hand über die Spitze und betrachtete einige Federn am Ende des Pfeils, die eine deutliche, blaue Färbung hatten. Der Gelehrte roch daran und blickte dann auf.
?Kein mir bekannter Vogel hat blaue Federn?, meinte er nur und legte den Pfeil auf den Tisch.
?Also stammt der Pfeil nicht von den Aisaken??, fragte Jason.
?Nein, mir sind sowohl die Federn, als auch das Material aus dem die Spitze angefertigt wurde völlig unbekannt.?

Drachenlord am: 22. November 2002

Jason starrte nachdenklich auf den Pfeil. Mit den Fingerspitzen strich er sich über die Stirn, versuchte so die dunklen Wolken, die sich in seinem Kopf zu bilden schienen zu vertreiben.
?Rätsel über Rätsel? sinnierte er vor sich hin ?Erst dieses grausame Massaker, dann ein zungenloser Junge mit einem merkwürdigen Dolch und zu guter letzt noch seltsame Bogenschützen die mit unbekannten Pfeilen schießen und sich offenbar in blauen Rauch auflösen können. Dieses Mosaik wird immer bunter.?
Meister Anthros zuckte bei dieser Schilderung des Geschehenen kurz zusammen, hatte sich aber sofort wieder in der Gewalt.
?Blauer Rauch sagt ihr? Das ist seltsam. Habt ihr oder einer eurer Männer die Angreifer genauer gesehen? Ist euch vielleicht etwas an ihrer Kleidung aufgefallen??
Der Gelehrte war sichtlich darum bemüht nicht zu interessiert zu klingen, aber Jason hatte den lauernden Unterton in der Stimme wohl bemerkt.
Als er antwortete beobachtete er seinen alten Lehrmeister genau.
?Wir konnten sie nicht genau sehen, aber wir fanden deutliche Spuren an einem Baum, Sie müssen Spitzen an den Schuhen gehabt haben, mit denen sie sich besseren Halt an ihrer Schussposition verschafft haben. Wieso fragt ihr danach??
Anthros fühlte sich unter den scharfen Blicken Jasons sichtlich unwohl.
?Es ... es ist ... wahrscheinlich nichts.? Begann der Gelehrte unsicher zu erklären. ?Ich möchte erst noch etwas überprüfen, ehe ich mich festlege. Man sollte nie versuchen Eier zu braten, ehe das ...?
?... Huhn sie nicht gelegt hat.? Beendete Jason den Satz seines alten Lehrers. Schon damals hatte er diesen Ausspruch gern benutzt, wenn eine Frage noch eine genauere Abklärung bedurfte. Unwillkürlich musste Jason lächeln.
?Anthros, ich kenne euch seit ich ein Knabe war. Ich weis das ihr euch immer erst mehrfach absichert, bevor ihr mit Vermutungen um euch werft aber diese Geschichte beginnt in meinem Geist zu rumoren wie ein wütender Bienenschwarm auf einer Bärennase. Wenn ihr also einen Verdacht habt und sei er noch so wild, dann sagt es. Gent mir irgendetwas womit ich arbeiten kann.?
?Ich verstehe euch ja Jason, aber zuerst noch muss ich...?
?Anthros, ich bitte euch als Freund nur dieses eine Mal mit euren Gewohnheiten zu brechen.? Fiel Jason ihm ins Wort. ?Lasst mich nicht so völlig im dunkeln tappen.?
Unter dem fast flehenden, verzweifelten Blick seines Schülers begann der Meister zögerlich zu erzählen.
?Es ... gibt, glaube ich, eine alte Mär die von solchen Kriegern berichtet. Sie sollen einer Art Kult angehört haben, der einen riesigen Vogel als Gott verehrte und waren angeblich genauso geschickte Krieger wie Schwarzmagier.
Ihr wisst das ich mich nie sonderlich für die Schauermärchen der Bauern interessiert habe, also bin ich mir nicht ganz sicher
Es gibt darüber aber einige Aufzeichnungen in der Halle der Weisheit zu Grauburg. Ich möchte mir diese lieber noch einmal ansehen, bevor ich mehr erzähle.?
?Ein Kult schwarzmagischer Krieger? Das würde zu unseren Erlebnissen passen. Meister Anthros, ihr solltet schnellstens nach Grauburg reisen und mehr darüber herausfinden. Barbus, du wirst ihn mit zwei unserer besten Männer begleiten.?
Barbus nickte gehorsam und verlies augenblicklich die Hütte um die nötigen Vorbereitungen zu treffen.
Jason stemmte sich umständlich hoch und erklärte weiter: ?Ich werde in der Zwischenzeit...?
?...euch wieder hinsetzen und Ausruhen? bestimmte Maja und drückte ihn mit sanfter Gewalt zurück auf den Stuhl.
?Eure Wunde sieht vielleicht harmlos aus, aber sie blutet noch immer. Ihr seid als Krieger sicher schlimmeres gewohnt, aber ihr solltet diese Verletzung nicht auf die leichte Schulter nehmen. Ich bin zwar nur eine kleine Dorfheilerin, aber mir erscheint diese Wunde doch irgendwie seltsam.?
Jason sah sie stirnrunzelnd an. Grade wollte er die Heilerin fragen was sie mit seltsam meint, als Barbus aufgeregt wieder in die Hütte stürmte.
?Mein Herr, kommt schnell! Das müsst ihr mit eigenen Augen sehen!? Polterte er los.

Julia D. am: 23. November 2002

Jasons Herz machte einen kleinen Sprung, als Brabus reingestürmt kam. Zum einen weil er sich selbstverständlich erschrak und zum anderen weil er solche Aussagen wie ?Das müsst ihr mit eigenen Augen sehen? oder ?Es ist unbeschreiblich? einfach liebte. Es ist die Abenteuerlust die ihn dann immer den neuen Nervenkitzel gab. Dieses kribbeln vom Adrenalin was einen durchzog und einen fast schwindelig werden ließ. Wenn man alle seine Muskeln anspannte und die kleinen Haare am Körper sich aufrichteten, dass war wohl der größte unausgesprochene Grund warum er diesen Berufszweig gewählt hatte.
Er überschlug sich fast als er vom Stuhl aufsprang und zum Ausgang hastete. Er merkte einen kurzen stechenden Schmerz. So machten sich Wunden aufmerksam, die nicht richtig verheilt waren. Brabus war inzwischen wieder raus gegangen und stand mit einem gezogenen Schwert auf dem Hof.
Jason war noch nicht ganz draußen als er sah, was Brabus so aufgeregt hatte. Ein etwa zwanzig Meter lange Drache, der wohl sieben Meter dem Himmel entgegen ragte, stand geduckt auf dem großen Platz. Seine schuppige Haut schimmerte in einem tiefen rot und seine schwarzen Augen starrten aufmerksam umher. Ein tiefes Grollen ertönte und er öffnete eine Spalt sein riesiges Maul. Ein modriger Geruch kam aus seinem Rachen. Die Soldaten die umher standen, hatten lange Lanzen in der Hand oder hielten ein Schwert vor sich. Der acht Meter lange Schwanz, war mit weißen Stacheln bestückt. Er holte einmal Schwung und schlug drei Soldaten weg. Sie schrieen laut auf und wurden einige Meter weiter geschleudert, wo sie regungslos und nur leise stöhnend liegen blieben.
Brabus hob sein Schwert und wollte den Angriff andeuten, indem er es nieder sausen ließ. Jason hielt seinen Arm fest und sagte. ?Haltet ein, mein Freund. Wenn er wollte hätte diese Prachtexemplar uns bereits alle den Erdboden gleich gemacht.? Jason trat näher an den Drachen ran, welcher laut knurrend seinen gigantischen Kopf in seine Richtung bewegte. Jason hob seine Hände und drehte sich einmal im Kreis, um seine ?Wehrlosigkeit? zu demonstrieren. Dann kniete er nieder und verbeugte sich tief. Der Drache beobachtete ihn misstrauisch.
Er ging noch einen Schritt näher ran. Einer der Soldaten rannte los und hob seine Lanze. Jason hob die Hand und versuchte den Soldaten zurück zu rufen, schwieg aber. Der Drache gab einen tiefen Laut von sich und spie einen Feuerstrahl auf ihn. Der Soldat schrie laut auf und allein die Spitze der Lanze und sein Helm blieb übrig.
?Brabus!? schrie Jason. Der Drache zuckte. Ihr Gehör war sehr empfindlich und sie kommunizierten über eine andere Ebene. Eine Ebene die Jason betreten konnte. Dort konnte er mit ihnen reden. ?Sorg dafür dass deine Männer alle verschwinden!?
Jason drehte sich wieder um und sah den Drachen tief in die Augen. ?Was kann ich für Euch tun, Drache?? fragte er lautlos.
?Ich suche jemanden, Unwürdiger.? Erklang eine tiefe Stimme in seinem Kopf.
?Und wen sucht Ihr?? Jason trat noch einen Schritt näher.
Der Drache hob seinen Kopf etwa zwei Meter und sah ihn an. ?Einen Menschen.?
Jason sah sich um. ?Es gibt hier einige Menschen, wie Ihr seht. Es gibt Frauen und Männer, Alte und Junge. Wen also sucht Ihr??
?Ich suche einen Menschen, der das Mahl an sich trägt.?
?Was für ein Mahl?? Jason Neugierde stieg.
Der Drache richtete sich zu seiner vollständigen Größe auf und warf einen Blick umher.
?Was für ein Mahl?? fragte er erneut.
Der rote Drache schwang seine und flog los. Staub wurde aufgewirbelte und Heu flog umher. Dann verschwand der Drache laut grollend im Himmel. ?Verdammt.? Fluchte Jason.
Der Platz war leer. Allein Brabus und Anthros standen am Rand. Jason sah zu den riesigen Fußabdrücken und versuchte seine Gedanken zu ordnen. Er hockte sich hin und hielt seinen Kopf fest. Er seufzte tief und starrte auf den Boden.
?Mein Herr?? fragte Brabus. Anthros fasste Brabus an der Schulter. ?Ich werde gleich losziehen um die Aufzeichnungen studieren.? Dann ließ er Jason allein zurück.

Mes Calinum am: 24. November 2002

Brabus schloss sich dem alten Gelehrten an.
Als Jason nach einiger Zeit wieder aufstand, durchflutete ihn ein merkwürdiges Schwindelgefühl. Er wankte und seine Umgebung begann für einen kurzen Moment vor seinen Augen zu verschwimmen. Auf der Suche nach Halt griff er ins Leere und machte dabei einen unbeholfenen Schritt nach vorne. So schlagartig wie der kurze Anfall gekommen war, verschwand er auch wieder, und Jason schaute sich nun leicht benommen nach den anderen um.
Brabus und Anthros saßen bereits auf ihren Pferden, als Jason zu ihnen hinüber ging.
?Wie lange habt Ihr vor euch auf Grauburg aufzuhalten??, fragte er.
?Grauburg ist mindestens zwei Tagesritte von eurem Gut entfernt, wenn das Wetter nicht plötzlich umschlagen sollte. Selbst wenn wir gut vorankommen, werden wir kaum vor acht Tagen wieder zurückkehren können?, antwortete Anthros.
?Was gedenkt Ihr wegen des Drachen zu unternehmen??, wendete sich jetzt Brabus an Jason.
Dieser kratzte sich nachdenklich am Kinn. ?Ich werde selbst eine kleine Reise unternehmen. Der Drache war auf der Suche nach jemandem. Und ich habe bereits eine Person im Sinn, die uns behilflich sein könnte.?
Anthros wurde bei diesen Worten hellhörig.
?Der Drache war auf der Suche nach einem Menschen? Aus welchem Interesse heraus, sollte ein Drache so handeln??
?Er erwähnte ein besonderes Mal, aber bevor ich genaueres erfragen konnte, wurde er offensichtlich von etwas gestört und zog sich zurück.?
?Und wen beabsichtig Ihr zu kontaktieren, um diese Person ausfindig zu machen??
Jason fühlte einen Hauch von Verlegenheit in sich aufsteigen, versuchte sich aber nichts davon anmerken zu lassen.
?Ich werde zu den schwarzen Felsen von Kor reiten.?
Anthros Augen weiteten sich in Unglauben.
?Sie wollen ohne Begleitung die alte Geweihte aufsuchen??
?Es wäre nicht das erste Mal. Ihre Dienste waren mir immer eine gute Hilfe.? Jason zuckte gleichgültig mit den Schultern.
?Man erzählt sich, dass die alte Abaris ihren letzten Verehrer in eine Ratte verwandelt hat?, sagte Brabus.
?In Anbetracht unserer Situation, ist es notwendig jeden zu Rate zu ziehen, der sich mit der Geschichte unseres Landes auskennt, unabhängig davon wie viel Magie im Spiel sein mag.? Jason fühlte sich leicht gereizt, dass seine Erfahrungen hier offensichtlich unnötig auf die Probe gestellt wurden.
?Nun gut. Ihr müsst wissen was notwendig ist. Soll Brabus euch einen seiner Soldaten zur Sicherheit mitschicken??
?Ihr werdet auf Grauburg jeden Mann benötigen, der euch zur Hand gehen kann.? Jason wusste, dass es eigentlich falsch war jetzt seinem Stolz nachzugeben.
?Passt auf euch auf.? Sie nickten Jason zu und gaben ihren Pferden die Fersen.
Jason gab einem seiner Knechte mit einem kurzen Handzeichen zu verstehen, dass er sein Pferd vorbereiten sollte. Er selbst ging zurück in das Haus, um sein Schwert und etwas Reiseproviant zu holen.

Trotz Majas strenger Warnung sich zu schonen, hatte er sich auf den Weg zu den schwarzen Felsen begeben. Das Wohl des Letus-Tals war im Moment die höchste Priorität, und er war wahrlich schon mit schlimmeren Verletzungen unterwegs gewesen. Im Notfall konnte er sich noch immer auf den Instinkt seines Pferdes verlassen, wenn seiner versagte. Die Worte des Drachen gingen ihm nicht mehr aus dem Kopf, und er brannte darauf zu erfahren, welches Geheimnis sich hinter der Person mit dem Mal verstecken mochte. Ihn beschlich eine leise Vorahnung, dass nicht nur das Letus-Tal in Gefahr war, sondern das auch die Drachen wussten, dass ein neuer oder ein alter Feind auf der Lauer lag.
Die Sonne stand mittlerweile tief am Himmel, als er den letzten Waldabschnitt, der vor dem Felsenmeer lag, passierte. Jason war mittlerweile erschöpft und schläfrig und im Kopfe bereits damit beschäftigt nach einem Platz für sein Nachtlager zu suchen, als sein Pferd plötzlich stehen blieb. Er spürte wie die Muskeln des Tieres sich unter seinen Beinen verspannten, dann tänzelte es einige Schritte zurück und schnaubte dabei ängstlich.
Er blickte sich jetzt ebenfalls nach allen Seiten um. Die Bäume des Waldes warfen lange Schatten auf den Weg, aber er konnte nichts Verdächtiges sehen oder hören. Überhaupt war es ungewöhnlich still im Wald. Nicht einmal die Vögel sangen.
Ohne Vorwarnung setzte ein hoher, schriller Schrei ein. Jason schlug sich die Hände auf die Ohren, und noch bevor er weiter reagieren konnte, stieg sein Pferd auf die Hinterbeine, und er verlor das Gleichgewicht. Der Aufprall presste ihm die Luft aus dem Körper, sein Kopf schlug hart gegen einen Stein, und ihm wurde schwarz vor Augen.

Drachenlord am: 25. November 2002

Der herbe Duft getrockneter Kräuter stieg Jason in die Nase und schien die Schwärze in seinem Kopf beständig zurück zu drängen.
Obwohl ihn ein angenehm warmes Halbdunkel empfing als er träge die schweren Augenlieder öffnete, fröstelte er.
Was war geschehen?
Ruckartig versuchte er sich aufzurichten, bereute dies aber sofort als sein schmerzender Kopf drohte in zurück in die Dunkelheit zu reißen.
?Gemach, gemach mein hoher Herr. Ihr solltet sparsam mit euren Kräften umgehen, ihr werdet sie noch nötig brauchen.? Die kratzige Stimme erklang aus dem Schatten vor ihm. Jason erkannte sie sofort, dennoch fragte er: ?Abaris? Seid ihr es?? Die Worte schmerzten in seiner trockenen Kehle.
Verschwommen sah er wie sich die gebückte Gestallt der alten Geweihten langsam aus dem Schatten der Höhle löste und schwer auf ihrem Stock gestützt auf in zu schlurfte.
Wesentlich langsamer als zuvor richtete er sich nun vollends von seinem Lager auf und schob das Bärenfell, mit dem er zugedeckt war, von sich fort.
Angestrengt versuchte er das Gesicht der Alten zu erkennen, doch obwohl sie mittlerweile genau vor ihm stand, konnte er durch den schleimigen Schleier vor seinen Augen kaum Einzelheiten erkennen.
Mehr als er es sah spürte er wie ihm die Alte eine hölzerne Schale an die Lippen hielt.
?Trinkt dies? befahl Abaris.
Ohne Gegenwehr lies Jason die bitter schmeckende, ölige Flüssigkeit seine Kehle hinunter gleiten. Schlagartig breitete sich ein seltsam kribbelndes Gefühl in ihm aus, kroch an seinem Rücken hinauf, wärmte ihn und vertrieb die Benommenheit aus seinem Geist. Sein Blick klärte sich, lies die Dunkelheit der Höhle zurückweichen, selbst die Finsternis der Schatten lichtete sich ein wenig und gewährte ihm einen Blick auf das bleiche Gesicht der Geweihten.
?Euer Glücksstern scheint hell zu leuchten, in diesen Zeiten der aufziehenden Finsternis. Das ist gut. Sehr gut sogar. Denn für das was euch bevorsteht werdet ihr alles Glück gebrauchen, dessen ihr habhaft werden könnt.? Sie sprach mit ruhiger Stimme und doch glaubte Jason etwas undeutbares in ihren wässrigen Augen aufblitzen zu sehen, dass die Alte wohl nicht offen zeigen wollte.
War es Besorgnis oder Hoffnung?
?Mein Pferd scheute vor etwas. Ein Geräusch. Ein schrilles Kreischen.? Erinnerte er sich schwach ?Dann wurde es schwarz um mich. Wie lange ...?
?Drei Tage.? Beantwortete Abaris seine unvollendete Frage ? Solange liegt ihr schon hier. Wie lange ihr bereits neben dem Kadaver eures Pferdes gelegen habt, kann ich nicht sagen.. Glück im Unglück für euch. Der Himmelsschatten fürchtete den Fluch, sonst wäre von euch nicht viel mehr übrig geblieben als von eurem Pferd.?
Jason betastete vorsichtig die riesige Beule an seinem Hinterkopf. War er stärker aufgeschlagen als er dachte, oder sprach die Geweihte absichtlich in rätseln?
?Was ist ein Himmelsschatten und von welchem Fluch sprecht ihr?? fragte er sie verwirrt.
Abaris blickte ihn ungläubig an.
?Ihr wisst es wirklich nicht.? Stellte sie erstaunt fest. Ein keuchendes Keckern entfleuchte ihr, das wohl Ihre Art eines Lachen darstellen sollte.
?Er hat tatsächlich keine Ahnung was dieser Welt droht und wahrscheinlich ist er doch der einzige, der es noch verhindern kann. Das beinhaltet eine gewisse Ironie, findest du nicht mein Liebster??
Die letzten Worte waren an die Ratte auf ihrer Schulter gerichtet, die sie nun zärtlich mit ihren knochigen Fingern streichelte. Schaudernd musste Jason an Brabus Worte über den letzten Verehrer der Alten denken.
Wieder bemerkte er das merkwürdige aufblitzen in ihren Augen und diesmal war er sich fast sicher das es der Wahnsinn war, der dort funkelte. Er würde aufpassen müssen, was er sagt.
?Erhabene Geweihte des Waldes, ich bitte euch unterwürfigst mich an eurer unendlichen Weisheit teilhaben zu lassen. Sagt mir bitte was ihr mit euren Worten meint.? Begann er vorsichtig nachzuhaken.
Abaris schien über seine wohl gewählte Sprache gleichermaßen erfreut wie belustigt zu sein.
Ein kaltes Lächeln huschte über ihre schmalen Lippen als sie antwortete.
?Ihr erhofft euch eine schnelle Lösung von einer alten Frau. Doch als Geweihte des Waldes steht es mir nicht zu, zu sehr in das große Spiel einzugreifen. Die Rollen in diesem Spiel wurden schon zu Anbeginn der Zeit festgelegt. Ich darf nur für das Gleichgewicht der Kräfte sorgen bis die Zeit der Entscheidung gekommen ist. Eure Aufgabe jedoch geht über diesen Punkt hinaus. Habt ihr euch nie gefragt warum ihr mit der Gabe der Drachenzunge geboren wurdet??
Jason hatte sich dies schon sehr oft gefragt, doch eine Antwort hatte er nie gefunden. Noch bevor er die Geweihte fragen konnte was sie mit dem großen Spiel meinte, fuhr sie fort zu sprechen.
?Ich kann und will euch dies nicht erklären, ihr müsst die Antworten selbst finden. Doch da der Himmelsschatten durch seine üblen Machenschaften vor der vorherbestimmten Zeit wieder erstarkt ist, will ich euch auch zu etwas mehr Zeit verhelfen. So höret, der Fluch der sich euer durch den Dolch der Spyra ermächtigt hat kann euch zum Sieg verhelfen oder euch vorher töten. Ihr werdet die Wahl selbst treffen müssen.? Sie griff unter ihren Umhang und holte eine kleine Phiole mit einer grünlichen Flüssigkeit hervor.
?Ihr habt bereits von dem Trank gekostet, der den Fluch verlangsamen kann. Hier drin ist der letzte Rest des Tranks, mehr werdet ihr nicht bekommen. Verwendet ihn also klug.?
Sie drückte ihm die Phiole in die Hand.
?Einen Rat will ich euch noch auf den Weg geben. Erforscht das Vergangene, seht tief in eure Seele. Dort werdet ihr einen Teil des Rätsels lösen. Nun sind der Worte genug vergossen worden, lasst nun Taten folgen.?
Noch ehe Jason etwas sagen konnte, legte sie ihre kalte Hand auf seine Stirn.
Ein goldenes Leuchten schien ihn von innen heraus zu umhüllen, trug ihn wie eine gewaltige Woge mit sich.
Abaris Hand, die Höhle, alles schien in einem Meer aus funkelnden Sternen und grünlichem Nebel zu versinken.
Dann hob sich der Nebel und gab die Sicht auf die gewaltigen Mauern frei.
Erst jetzt begriff Jason das er nicht mehr in der Höhle der Geweihten lag, sondern nackt vor den Mauern Grauburgs stand.
Schwindlig stolperte er einen Schritt nach vor und fiel hart auf die Knie.
Das letzte was er wahrnahm war die blutende Wunde an seinem Bein, dann verlor erneut er das Bewusstsein.

Julia D. am: 25. November 2002

Als erneut erwachte, brummte ihn der Schädel schmerzhaft. Dieses ständige ohnmächtig werden sollte er nicht zur Gewohnheit werden lassen. Er hielt mit einer Hand seinen Kopf, während er mit der anderen Hand nach einer Möglichkeit zum abstützen suchte.
Es war nicht sonderlich hell und von warm war gar nicht erst die Rede. Als er die Augen öffnete und einige Sekunden warten musste, bis sich die unförmigen Umrisse zu Gegenständen verwandelten, erkannte er seine unglückliche Situation.
Er lag auf einem kargen Haufen an Heu und war an seinem Fuß angekettet. An den Wänden tropfte unaufhörlich Wasser herab, was die Zelle sehr feucht machte. ?Das würde wohl auch den guten Wachstums des Schimmels erklären.? Sagte Jason zu sich selbst. Er war in Lumpen gehüllt und ein paar, mehr aus Löchern als aus Leder bestehende Schuhe zierten seine Füße.
Neben ihm stand eine kleine Schüssel mit irgendeinem undefinierbaren Matsch drin, den wohl selbst die Ratten nicht anrührten. Jason erhob sich und die Kette rasselte laut, als er einen wackligen Schritt zu den Gitterstäben tat. ?Entschuldigung!? rief er laut, dem Bein der Wache zu, welches ausgestreckt in den Gang hinein ragte.
Der Soldat lehnte sich vor und sah verwundert in den Gang rein. ?Ja?? fragte er etwas verwirrt.
?Sagen Sie,? begann Jason schon etwas erzürnt über diese herablassende Art des Mannes. ?wie komme ich hier her? Und wo befinde ich mich? Gibt es einen Grund warum ich hier sitze??
Der Soldat grinste breit und eine Reihe brauner Zähne sprangen Jason entgegen. Angewidert drehte dieser den Kopf ein wenig weg. ?Ihr seid gefunden worden. Nackt vor den Toren. Bettler haben nur in den Kerker Zutritt.? Dann drehte sich die Wache wieder weg und lehnte sich laut in den Stuhl zurück.
Jason wurde sauer. Wie konnten sie es wagen ihn als Bettler abzustempeln? Wo er doch frisch gewaschen und rasiert ist! Mit was für Leuten musste er sich hier abgebe, die noch nicht einmal einen nackten Bettler von einem nackten Edelmann unterscheiden konnten! ?Ich denke da liegt ein Irrtum vor! Mein Name ist Jason Castelborgh, ich bin ein Gelehrter und ein Soldat! Ihr solltet mich raus lassen, wenn Euch euer Leben teuer ist!?
Der Soldat reagierte zunächst nicht, dann lachte er laut schallend auf und stand auf. Schweren Schrittes ging er auf Jason zu, welcher etwas verkrampft an den Gitterstäben stand. Die Wache war größer als er ihn zunächst vermutet hatte. Knappe 1,95m schätzte er ihn und mindestens halb so breit. Er roch unangenehm nach Schweiß und der Geruch von Schweineblut und Tot klebte an ihm. ?Du solltest dein loses Mundwerk halten, ansonsten komme ich zu dir in die Zelle und dann weißt du wem hier wessen Leben lieb ist.?
?Ihr stinkt erbärmlich! Und dumm seid ihr auch noch!? Langsam kochte er über. ?Mein Freund Anthros ist zur Zeit hier in Grauburg. Holt ihn und er wird Euch bestätigen, dass ich kein dreckiger Bettler von der Straße bin. Ich kann lesen und schreiben und wenn euch mein Name schon nichts sagt, dann gehört Ihr hier in die Zelle!? Er warf dem Riesen einen erbosten Blick zu und forderte ich quasi auf sich mit ihm zu prügeln.
Der Soldat schnaubte schwer und ballte seine Fäuste. ?Ich kenne sehr wohl diesen Namen. Aber täglich kommen hier fünf Leute rein und behaupten sie seien Jason Castelbourgh. Warum sollte ich dann dir glauben, Abschaum!?
?Weil ich es bin, du jämmerlicher Abfall! Nun lasst mich also raus, damit ich meiner Aufgabe weiter nachgehen kann. Ich will meine Zeit nicht mit so einem Bauertrampel vom Lande verschwenden, der nicht mehr in seinen Leben erreicht hat, außer die halbe Schweinezucht zu fressen!? Wütend schlug Jason gegen die Stangen und wartete darauf, dass die Wache ihn endlich befreite. Zur Not würde er ihn einfach durch die Gitter packen und k.o. schlagen, um so an die Schlüssel unter seinem fetten Wanst zu kommen. Wenn er doch nur ein Stückchen näher käme.
Aber der Soldat verharrte, ließ die Zähne knirschen und starrte ihn an. ?Leg dich wieder zu Ratten schlafen, wo du hingehörst!? Dann drehte er sich um und lief langsam wieder zu seinem alten Platz, wo er sich laut stöhnend nieder ließ.
Jasons Augen glühten. Wie sollte er so einem Dummkopf nur klar machen wer er war? Er lief ungeduldig auf und ab und rief schließlich: ?Ich verlange, dass Ihr meinen Freund Anthros sucht! Er wird Euch alles bestätigen!?
Der Soldat regte sich nicht. Jason blieb nichts anderes übrig, als auf die Vernumpft der Ablösung zu hoffen. Das war wohl seine einzige Chance hier noch vor Einbruch er Dunkelheit wieder raus zu kommen.
Seine Gedanken wurden von lauten und hektischen Schritten unterbrochen, die geradewegs auf dem Weg zu ihm runter in den Kerker waren.

Mes Calinum am: 27. November 2002

Es stellte sich heraus, dass die hektischen Schritte zu einem jungen Burschen gehörten, der äußerst aufgeregt war. Er blieb neben dem Soldaten stehen und rang nach Luft.
?Ihr?, Ihr müsst sofort mit nach oben kommen. Befehl des Feldherren.?
Der Soldat sprang ohne zu zögern auf, warf Jason beim Vorübergehen einen warnenden Blick zu und verschwand dann aus dem Verlies.
Jason blieb alleine zurück, und lauschte für einen kurzen Moment dem Geräusch der Fackeln und dem Tropfen von Wasser. Er war sauer - darin bestand gar keine Frage, aber eher darüber, dass er nicht verstand wie er in diese missliche Situation geraten war.
In einem Moment tat ihm noch der Kopf weh und er konnte sich kaum bewegen, im nächsten wachte er in einem Kerker auf, weit entfernt von dem Ort an dem er eigentlich noch sein sollte. Nebenbei bemerkte er, dass es ihm immer noch nicht wirklich gut ging, aber er fühlte sich ausgeruht genug, um das Rätsel endlich zu lösen. Nur konnte er sich kaum noch an die Worte der alten Adaris erinnern.
Er trat an die vergitterte Tür und lugte in den Gang hinaus. Der Soldat hatte den Schlüssel mitgenommen. Es gab keine weitere Möglichkeit für Jason aus dem Kerker zu entkommen.
?Hallo? Ist da wer??, fragte er in den Gang hinein, aber niemand antwortete ihm, wenn man das Fiepen einiger Ratten nicht mitzählte.
Er seufzte und atmete tief durch, dann zog er sich zurück und setzte sich niedergeschlagen in eine Ecke. Er war in seinem Leben selten so verzweifelt gewesen, aber jetzt hatte er einen triftigen Grund dafür, wenn er es nicht einmal schaffte einen Soldaten davon zu überzeugen, wer er war. Hinzukommend empfand er es als frustrierend, dass Brabus und Anthros wahrscheinlich in unmittelbarer Nähe waren und nichts von seiner Misere wussten.
Ein Stein störte ihn auf seinem lauschigen Strohbett. Bei dem Versuch ihn zu beseitigen, fiel ihm auf, dass es sich dabei nicht um einen Stein handelte, sondern um die Phiole, die ihm die Geweihte gegeben hatte. Er musste sie noch umklammert haben, als sie ihn ins Verlies getragen hatten.
Er lehnte sich zurück gegen die feuchte Wand und spielte unbewusst mit der Phiole, während er einige Staubteilchen, die im einfallenden Licht eines vergitterten Fensters tanzten, beobachtete.
Der Lichtstrahl verblasste von einer Sekunde zur nächsten und tauchte den Raum in komplette Dunkelheit. Nur ein schwacher roter Schein, drang aus dem Gang hinein. In der Annahme, dass es sich nur um einen Wolke handeln konnte, ignorierte er das Phänomen und achtete auch nicht auf die unheimlich, niederdrückende Stille, die ihm folgte.
Erst das leichte Vibrieren der Wände und das seltsame Grollen unter dem Kerker, rissen Jason aus seinen Gedanken. Was am Anfang noch recht harmlos bebte, veranlasste Jason letztendlich dazu erschrocken aufzuspringen. Der ganze Raum wankte gefährlich und einzelne Brocken fielen von den Wänden. Er wusste nicht, wo er Schutz suchen sollte und presste sich noch mehr in die Ecke. Es gab ein entsetzliches Geräusch, als die Wand zu einer Seite einstürzte und die Gittertüre mit sich riss. Dann war alles still und es herrschte absolute Finsternis. Zumindest merkte Jason, dass er noch am Leben war und diesmal offensichtlich unversehrt. Langsam tastete er sich an der Wand entlang.

Drachenlord am: 30. November 2002

Der Staub in der Luft brannte in seinen Augen und nahm ihm beinahe den Atem, trotzdem schaffte er es sich bis zu der eingestürzten Wand vorzuarbeiten.
Er verstaute die Phiole sorgfältig in seinem Hosenbund und kroch vorsichtig auf allen vieren über die Trümmer in den Gang.
Langsam legte sich der Staub ein wenig und ein schwacher, rötlicher Lichtschein drang von der Treppe her zu ihm durch, erlaubte ihm seine Umgebung zumindest schemenhaft wahrzunehmen.
Hustend taumelte er auf den Ausgang zu.
Je näher er kam, um so deutlicher hörte er die Schreie.
Endlich, nach Stunden wie es ihm vorkam, erreichte Jason die Treppe und eilte nach oben.
Als er sich mit dem Ärmel den Staub aus den tränenden Augen wischte, wäre er fast über den Hünenhaften Kerkerwächter gestolpert, dessen toter Leib verkrümmt an der Tür zum Burghof lag.
In seiner Brust steckte ein blaugefiederter Pfeil.
Jason nahm das Schwert aus der Hand des Wächters, trat durch die Tür in Freie und stand plötzlich inmitten des Wahnsinns.
Der Geruch von Rauch und Blut hing in der Luft.
Die Mägde, Knechte und Soldaten der Burg rannten wild durcheinander, schrieen.
Offiziere bellten verzweifelt Befehle in die Menge, vergebens bemüht Ordnung in das Chaos zu bringen und immer wieder sirrten blaugefiederte Pfeile auf alle nieder, eine blutige Ernte haltend.
Das unglaublichste aber spielte sich über dem Ganzen ab.
Tiefschwarze Wolken rasten aus allen Himmelsrichtungen gleichzeitig heran, bildeten über dem Burghof einen gigantischen Wirbel in dessen Mitte ein bedrohliches, rotes Leuchten wie das Auge eines Zyklopen die schreckliche Szene erhellte.
So etwas hatte Jason noch nie gesehen.
Entsetzt und fasziniert zugleich starrte er mit offenem Mund nach oben, erst der Todesschrei einer Frau, die mit zwei Pfeilen im Rücken neben ihm zusammenbrach, rief ihn in die Realität zurück.
Hastig machte er einen Schritt zur Seite und duckte sich im Schatten eines Mauervorsprungs.
Nervös suchten seine Augen nach dem Schützen, konnten aber nichts ausmachen.
Die Pfeile schienen aus allen Richtungen auf die panischen Menschen einzuschlagen, aber wenn Jason in die geschätzte Richtung eines Schützen blickte, sah er höchstens noch ein bläuliches Wölkchen verschwinden.
Endlich gelang es ihm einen der Schützen auszumachen.
Sein schwarzer Umhang flatterte im Wind, das Gesicht tief im Schatten der Kapuze verborgen
Stand er mit gespanntem Bogen keine zwanzig Schritt von Jason entfernt auf dem Wehrgang und zielte in die Menge.
Doch bevor er seinen Pfeil freilassen konnte, versank die Welt in einem schrillen Schrei.
Jason lies das Schwert fallen und presste sich die Hände auf die Ohren.
Er hatte diesen Schrei schon einmal in den schwarzen Bergen gehört, kurz bevor sein Pferd scheute, aber diesmal klang er näher, viel näher.
Der Schütze senkte seinen Bogen und schaute nach oben, offenbar vergaß er völlig sein Vorhaben.
Dies war Jasons Chance.
Er schnappte sich das Schwert, stürmte aus seiner Deckung und rannte die Stufen zum Wehrgang hinauf.
Noch ehe der Schütze sich in Nebel auflösen konnte war Jason bei ihm und rammte Jason ihm das Schwert in die Brust.
Mit einem ungläubigen Röcheln ging der Schütze in die Knie, versuchte noch nach dem Schwert zu greifen und fiel dann wie ein nasser Sack zu Seite um.
Grade als er sein Schwert mit einem Ruck von dem Toten befreien wollt, ertönte wieder der schrille Schrei.
Der Lärm war diesmal ohrenbetäubend, so das Jason das Schwert stecken lies und schnell die Hände auf die Ohren drückte.
Aus dem Augenwinkel bemerkte er eine Bewegung am Himmel und hob den Kopf.
Er erstarrte in der Bewegung.
Dort oben kämpfte ein titanisch großer Vogel gleich mit zwei ausgewachsenen Drachen!
Die Flügelspannweite des Vogels übertraf die der Drachen um gut das anderthalbfache.
Sein Federkleid strahlten vor dem rot leuchtenden Zyklopenauge am Himmel in einem satten violett, aber Jason war sich sicher das die Federn eigentlich blau waren.
In einem rasanten Manöver legte er die mächtigen Schwingen an den und stürzte sich auf einen der Drachen.
Dieser drehte im letzten Moment zu Seite ab.
Der riesige Hakenschnabel verfehlte den schuppigen Drachenkörper nur um wenige Meter.
Etwa fünfzig Meter über dem Boden breitete der Vogel seine Flügel aus und fing so seinen Sturz schlagartig ab.
Der zweite Drache nutzte die Gelegenheit und attackierte den Gefiederten nun selber im Sturzflug, doch darauf war er wohl gefasst.
Mit einigen schnell Flügelschlägen stieg er fast senkrecht wieder nach oben, drehte sich in der Luft um seine eigene Achse und flog knapp an dem Angreifer vorbei.
Seine monströsen krallen schlugen in den rechten Flügel des Drachen und zerfetzten die ledernen Flughäute wie Papier.
Schon wollte der Schnabel den Kopf seines Gegners zertrümmern, da erhellte der Feueratem des anderen Drachen den Himmel.
Mit voller Wucht traf die Flammenlanze den Vogel zwischen den Flügel, doch anstatt zu Asche zu zerfallen stieß dieser nur einen weiteren taubmachenden Schrei aus.
Der Gefiederte lies sein Opfer aus den Krallen und begann mit schnellen Flügelschlägen wieder an Höhe zu gewinnen.
Der verwundete Drache konnte sich mit dem zerfetzten Flügel nicht in der Luft halten und schlug ungebremst auf dem Boden vor der Burg auf.
Er überschlug sich, verwandelte sich in ein Gewirr aus Flügel, Schuppen und umherspritzendes Blut bevor er mit einem bizarr verdrehten Kopf am Boden liegen blieb.
Jason hatte das kacken des brechenden Genicks gehört, obwohl er die Hände immer noch auf seine Ohren presste.
Plötzlich hörte er verhaltene Jubelschrei und sah sich um.
Die unheimlichen Bogenschützen hatten mit ihrem blutigen Werk innegehalten und jubelten über den besiegten Drachen.
Sie waren überall, auf den Wehrgängen, den Türmen und im Burghof, der mittlerweile von sterbenden und Leichen übersäht war.
In Jason brodelte der Zorn.
Ohne weiter zu überlegen nahm er den Bogen des toten Bogenschützen hoch, riss die Pfeile aus dessen Köcher und schoss auf die umherstehenden Mörder.
Dem ersten fuhr der Pfeil in die Brust, dem zweiten in den Rücken, ein weiter fing ihn mit seinem Gesicht auf.
Immer weiter, immer schneller schickte Jason den Tod gegen die Verhüllten, die so gespannt in den Himmel starrten das sie gar nicht merkten wie sich ihre Reihen lichteten.
Etwas geschah.
Jason spürte wie ein seltsames Kribbeln von der Wund an seinem Bein ausstrahlte und sich stetig über seinen ganzen Körper ausbreitete.
Eine eisige Kälte kroch ihm durch die Knochen, lies ihn erschaudern.
Die Schatten um ihn herum breiteten sich aus, schienen tiefer, dunkler zu werden.
Er fühlte wie sein Herz zu rasen begann als der schrille, jetzt fast panische Schrei des Vogels dumpf in sein Bewusstsein drang.
Wie durch einen schmutzigen Schleier sah er wie die langen Schwanzfedern des Vogel mit berauschender Geschwindigkeit nach Süden verschwand während das unheimliche Auge am Himmel sich auflöste.
Mit einem bleiernen Desinteresse beobachtete er wie drei der verhüllten Bogenschützen mit ihren Pfeilen auf ihn anlegten.
Es war ihm egal ob er jetzt sterben würde, er wünschte sich sogar nichts sehnlicher und machte sich bereit die blaugefiederten Pfeile willkommen zu heißen.
Er bedauerte es regelrecht als drei gezielte Feuersäulen die Schützen zu Asche verbrannten.
?Wehre dich dagegen, Mensch.? Die Stimme des Drachen hallte in seinem Geist wieder, erinnerte ihn dunkel an das Leben.
Träge drehte er sich zu dem Drachen um, der vor der Burg gelandet war.
Sein Kopf reichte über die Mauern bis zu Jason hinauf, die breiten Nüstern beschnüffelten den Krieger. interessiert
?Du hast die Gabe.? stellte er fest.
Die Worte in seinem Kopf waren für Jason wie ein Donnerhall aber ihre Bedeutung erreichte ihn nicht.
Die schwarzen Drachenaugen verengten sich zu einem Schlitz und Jason hatte das Gefühl das ein Sturm durch seinen Kopf jagte.
?Der Trank, nutze ihn!? hämmerte die Drachenstimme in seinem Kopf und als wenn seine Hände plötzlich einen eigenen Willen hätten, holten sie mir fahrigen Bewegungen die Phiole aus seinem Hosenbund hervor, öffneten das Fläschchen und führten es zu seinem Mund.
Der bittere Geschmack des Tranks vertrieb die Kälte aus Jason und befreiten seinen Kopf von allen düsteren Gedanken.
Er spürte wie er wieder er selbst wurde.
Mit geklärtem Blick sah er verwundert auf den riesigen Drachenkopf genau vor ihm.
Noch ehe er seinen Geist auf die ebene der Drachenkommunikation bringen konnte, ertönte die Stimme des Drachen erneut in seinem Kopf.
?Ich will mit dir sprechen, Mensch. Komm in die Ruinen von Bramar, aber komme allein.?
Der Drache drehte sich zu dem Kadaver seines Artgenossen um und machte zwei Schritte auf ihn zu. Kurz betrachtete er den toten Körper, dann breitete er seine Schwingen aus, machte er einen kräftigen Satz in die Luft und flog nach Westen in Richtung Bramar.

Julia D. am: 7. Januar 2003

Jason sah dem mächtigen Wesen noch nach, bis es ganz verschwand. Dann drehte er sich um und betrachtete erneut das Schrecken. Überall lagen Leichen rum, Trümmerteile waren verstreut und ein dicker Staub war aufgewirbelt worde. Die meisten Toten wurden von den Pfeilen getroffen, nur wenige hatten die schweren Steinbrocken abbekommen. Tot lag in der Luft, überall. Man hörte leises Jammern und Klagelaute, weinen und schmerzhafte Schrei. Auch Hilferufe und Bitten vernahm er. Eine Frau kniete mit einem Pfeil in der Schulter, welcher noch auf der anderen Seite rausragte, vor einem der gefallen Männer und weinte jämmerlich. Noch nicht einmal die Kinder waren verschont geblieben. Ihre kleinen leblosen Körper lagen vereinzelt, in bizarren Formen, auf dem dreckigen Boden.
Jason lief auf wackligen Beinen den Hof entlang. Er beobachtete wie die überlebenden Soldaten Trümmer beiseite räumten oder Verletzten aufhalfen. Frauen, die schnell genug waren einen Unterschlupf zu finden, traten ins Freie und suchten nach ihren Männern, Kindern oder Schwestern.
Jasons Augen suchten systematisch die Leichen ab. Die Zeit hatte ihn abgehärtet. Vielleicht sogar etwas zu sehr. Er steuerte auf einen Toten der namenlosen Gegner zu. Seine Augen schweiften zu den riesigen Drachen, dessen Augen ihn anstarrten. Ein kleiner Junge rannte an Jason vorbei und trat ihn dabei unsanft auf den Fuß. Er sah schmierig und arm aus. Sein dunkles Haar lag eng an seinem Kopf und ein Geruch von Urin zog sich hinter ihm her. Der Junge kniete neben dem riesigen Maul des Drachen nieder und zog ein kleines Messer aus der Tasche. Sofort begann er eilig an dem Zahnfleisch des Wesens zu schnitzen. Dickes Blut lief seine Hand runter, aber der Junge war nur erpicht auf den Zahn.
Keine vier Meter von dem jungen, ragten ein Arm und ein Kopf unter dem massigen Körper des Tieres hervor. Ein Mann wurde von dem riesigen Drachen zerquetscht und seine Augen quellten unnatürlich aus ihren Höhlen heraus.
Erst packte Jason die Wut. Dieser Drache war im Kampf gestorben, im Kampf für diese Menschen und sie hatten nichts Besseres zu tun, als seinen Leichnam zu schänden. Aber konnte man es dem Knaben überhaupt verübeln? Zähne von Drachen waren wertvoll und sehr selten. Wahrscheinlich würde es diesen Jungen und seine fünft jüngeren Geschwister ein Jahr mehr das Leben retten. Sie würden wahrscheinlich den Winter überstehen. Eigentlich könnte der Junge mehr bekommen für einen Zahn. Aber welcher Geschäftsmann wäre so dumm einen kleinen Burschen, der kaum Ahnung hatte, weder lesen noch schreiben konnte, mehr als zehn Prozent zu geben, von dem was der Zahn wert war?
Jason verwarf seine Gedanken, als er an dem Leichnam angekommen war. Er hockte sich und betrachtete vorerst den Körper. Die Schuhe hatten spitze Stachel unter der Sohle und ein wenig an getrockneten Blut klebte an ihnen. Vielleicht waren die Schuhe mehr als nur eine sicherer Halt? Vielleicht war das nur ein erwünschter Nebeneffekt. Diese Schuhe konnten getrost auch als Waffe dienen. Ein kräftiger Tritt, wenn man am Boden liegt und die Chancen zu überleben sind erheblich gestiegen. ?Keine schlechte Idee.? Sagte Jason zu sich selbst.
Plötzlich wurde er aus seinen Gedanken gerissen. Anthros und Brabus! Sie hatten sich in der Stadt aufgehalten! Er drehte sich um und seine Augen schnellten über die schlaffen Körper am Boden. Dann sah er wieder zu der Leiche. ?Warte hier, mein Freund. Ich bin noch nicht fertig. Noch weiß ich nicht wer du bist.? Er brauchte Hilfe. Er musste die Leiche hier wegschaffen und sie an einem ruhigeren Ort untersuchen.
Jason stand auf und sah ein Mädchen in der Ecke stehen. Sie war vielleicht zwölf oder dreizehn, aber man sah ihr an das sie nicht weit weg von dem Jungen am Drachen zu leben schien. ?Hey! Komm her!? rief er. Das Mädchen gehorchte sofort. Jason sah sie an und sagte streng: ?Pass auf diese Leiche auf, dann werde ich dich bezahlen. Aber erst wenn ich wieder komme, verstanden?? er wartete nicht ab, sondern begann sich schnurstracks zur Halle der Weißheit, die, wie er hoffte, unbeschädigt geblieben war.

Mes Calinum am: 21. Januar 2003

Noch während er die Stufen zur Halle der Weisheit empor rannte, kamen ihm Anthros und Brabus entgegen.
Er sah die Verwunderung in ihren Gesichtern, als sie ihn erblickten. Keuchend kam er zum Stehen und rang nach Luft.
?Jason??, begann Anthros, während er an ihm herabblickte. ?Wie seid ihr hierher gelangt? Was ist mit euch geschehen??
Brabus mustere Jasons Kleidung ebenfalls eingehend.
?Warum habt ihr euch als Bettler verkleidet??, fragte jetzt auch er.
?Ich wurde im Kerker gefangen gehalten, aber dafür ist jetzt keine Zeit?, sagte Jason, nachdem er wieder einigermaßen zu Atem gekommen war. Und er konnte sehen, dass Anthros und Brabus aufgrund seiner Worte bereits zu neuen Fragen ansetzen wollten. Deswegen ließ er sie nicht zu Worte kommen.
?Ich muss so schnell wie möglich zu den Ruinen von Bramar. Einer der Drachen bat mich um ein Treffen.?
?Ein Drache?? Brabus blickte ihn entsetzt an. ?Aber..., aber die Drachen haben die Stadt angegriffen, zusammen mit den Kriegern.?
?Sie haben den Angriff dieses blauen Ungeheuers abgewehrt. Sie sind auf unserer Seite. Ich möchte euch vorher noch etwas zeigen.?
?Vielleicht hat Jason Recht?, sagte Anthros. ?Mir kam es ebenfalls so vor, als würden die Drachen versuchen Grauburg vor den Kriegern zu beschützen. Bei einem Angriff hätte selbst die Halle der Weisheit nicht standgehalten.?
Brabus sah sich skeptisch um. Grauburg war nahezu verwüstet worden, als die Drachen versucht hatten, die Krieger zu vernichten.

Gemeinsam liefen sie zu der Leiche des Kriegers. Anthros kniete sich neben dem Toten nieder und betrachtete ihn eingehend, während Jason Brabus bat das Mädchen zu bezahlen.
Jason sah wie Anthros die Stirn runzelte, als er das Kinn des Leichnams nach unten drückte.
?Er hat keine Zunge?, stellte der Gelehrte fest.
?So wie der Junge, den wir gefunden haben??, fragte Jason.
?Irgendetwas versuchen sie zurückzuhalten.? Anthros richtete sich auf und zog ein Stück zusammengefaltetes Pergament aus seinem Gewand.
?Dies ist die Inschrift des Dolches.?
Er reichte es Jason und dieser faltete das Pergament auseinander und las die Übersetzung laut vor.
?Die Lebensgeister ich dir raube, drum fürchte meinen Schmerz oder verweile in ewiger Dunkelheit.? Er blickte auf. ?Was hat das zu bedeuten??
?Ich bin mir nicht sicher, aber es ist möglich, dass der Dolch noch gefährlicher ist, als wir bisher angenommen haben. Wie geht es eurer Verletzung??
Jason griff sich bei den Worten instinktiv an die Stelle, wo der Junge ihm den Dolch ins Bein gerammt hatte. Aber im Moment schmerzte die Wunde nicht. Er zog die Phiole aus dem Hosenbund und hielt sie Anthros entgegen.
?Dies stammt von Abaris. Sie sprach von einem Fluch, den der Dolch über mich gebracht hat. Ich kann mich leider nur an wenige ihrer Worte erinnern.?
Anthros Blick verfinsterte sich.
?Ihr solltet euch nicht allein nach Bramar begeben, Jason. Nicht solange wir nicht wissen, welches Ausmaß der Fluch des Dolches hat.?
Jason schüttelte den Kopf.
?Ich muss nach Bramar reiten. Es gibt einige Fragen, zu denen ich mir eine Antwort erhoffe. Vielleicht könnt ihr etwas über die Krieger herausfinden?? In Jasons Augen lag ein Ernst, der zeigte, dass er sich nicht von seinem Vorhaben würde abbringen lassen.

Drachenlord am: 26. Januar 2003

?Nun gut, mein Herr. Aber ihr solltet erwägen vorher vielleicht ein Bad zu nehmen und euch frische Kleider genehmigen. Mit Verlaub, ihr riecht wie ein totes Wildschwein in einer Jauchegrube?, sagte Brabus mit gerümpfter Nase.
Jason strich sich über die Bartstoppeln in seinem Gesicht und sah der untergehenden Sonne entgegen.
Heute würde er sowieso nicht mehr sehr weit kommen und ein Bad und eine Nacht Ruhe konnten ihm nicht schaden.
?Na schön?, willigte er ein, ?wir haben auch noch einiges zu bereden. Brabus, du sorgst dafür, dass ich morgen mit dem Sonnenaufgang losreiten kann.?

Frisch gebadet und rasiert saß Jason in frischer Reisekleidung am Kamin und wartete auf den Sonnenaufgang.
Obwohl er todmüde war, an Schlaf war nicht zu denken gewesen.
Zuviel ging ihm im Kopf herum.
Nachdenklich betrachtete er den Dolch und die Phiole mit dem bitteren Trank in seinen Händen.
Mit Schaudern dachte er daran, wie qualvoll ihm das Leben noch vor wenigen Stunden schien, als er sich wirklich wünschte, dass die Bogenschützen ihn aus diesem Jammertal erlösten.
Noch nie zuvor hatte er sich ernsthaft gewünscht zu sterben.
Die Lebensgeister ich dir raube, das stand auf dem Dolch.
War dies der Fluch, von dem die alte Abaris gesprochen hatte?
Besorgt schaute er die halbvolle Phiole an.
Wenn dies der Saft ist, der ihn vor den furchtbaren Auswirkungen des Fluchs schützte, dann musste er sich beeilen diesen Fluch schnellstens wieder loszuwerden.
Selbst wenn er sparsam mit dem Elixier umging, mehr als drei oder vier Portionen waren nicht mehr da.
Was würde dann geschehen?
Wäre er des Lebens dann so überdrüssig, dass er sich selbst in sein Schwert stürzte?
Vorsichtig legte er Dolch und Fläschchen auf den Tisch und ging zum Fenster hinüber.
Der Mond war schon untergegangen, hatte Platz am Himmel gemacht für das baldige Morgengrauen.
Unten, in der fackelerleuchteten Burg, waren die Überlebenden des Angriffs noch immer damit beschäftigt alle Leichen zusammenzutragen und aufzubahren.
Brabus hatte ihm erzählt, dass der Angriff ohne Vorwarnung erfolgt war.
Die fremden Krieger tauchten einfach aus dem Nichts auf und begannen ihre blutige Ernte zu halten, die fast die Hälfte der Burgbewohner ihr Leben gekostet hatte.
Kurz darauf verfinsterte sich der Himmel und die Panik unter den Verteidigern wurde unkontrollierbar.
Was hatte das alles nur zu bedeuten?
Was wollten die Krieger hier, was konnte so ein sinnloses Blutbad rechtfertigen?
Und was war das für ein blaues Ungetüm, das Drachenfeuer begegnen konnte ohne zu vergehen?
Jason strich sich erschöpft über die Stirn.
Er erhoffte sich inständig einige Antworten von dem Drachen.
Das erste Glühen über den Bergen kündigte den neuen Tag an, der vielleicht auch Licht auf die Rätsel, die sie umgaben, werfen würde.
Jason legte sich den braunen Kapuzenumhang um die Schultern und verstaute den Dolch sorgfältig in einer Tasche an seinem Gürtel.
Die Phiole mit dem Trank band er sich mit einer Kordel um den Hals und versteckte sie unter seinen Wams, dann machte er sich auf den Weg hinunter in die Ställe.

Es war eine Wohltat, statt dem Dunst von Feuer und Tod in der Burg den frischen Duft der Wälder in der Nase zu haben, dennoch wünschte er sich beinahe in die Mauern der Grauburg zurück.
Jason hatte sein Pferd am Waldrand zurückgelassen, bevor es der Drachen spürte und nervös wurde, nun war er es, der langsam nervös wurde.
Aber es war nicht das Treffen mit dem Drachen, das ihn in Unruhe versetzte, es war der Wald.
Jason war noch nie hier im Schlachtenwald gewesen, der die Ruinen von Bramar wie einen grünen Schutzwall umgab.
Er hatte immer über die Spukgeschichten geschmunzelt, die sich die Bauern über diesen Forst erzählten, aber langsam verstand er, was diese Geschichten meinten, wenn sie den Wald als unheimlich beschrieben.
Außer dem Rascheln des Laubes und dem vereinzelten Knacken der Äste unter seinen Schritten, war kein Laut zu hören.
Kein Vogelgezwitscher, nicht einmal das Rauschen der Blätter im Wind.
Die Kronen der merkwürdig knorrigen Bäume wuchsen so dicht zusammen, dass kaum ein Sonnenstrahl den Boden erreichte, selbst jetzt am Mittag war alles in einem düsteren Zwielicht getaucht.
Aber es war nicht das Halbdunkel oder die Stille, die diesen Ort so beängstigend wirken ließen, es war etwas anderes.
Etwas, das er nicht beschreiben konnte, als ob die Erde selbst etwas Abweisendes ausatmete, das alles mit einer bleiernen Schwermut belegte.
Endlich konnte Jason vor sich Licht durch die Bäume schimmern sehen.
Fast unwillentlich ging er schneller darauf zu und trat erleichtert hinaus auf die Lichtung.
Ein bizarres Bild bot sich ihm.
Wie mahnende Finger erhoben sich die moosbewachsenen Mauerreste aus dem hohen Gras.
Vereinzelt standen noch ganze Wände, an denen sich dornige Rankengewächse empor zogen.
Links von ihm stand eine breite Steintreppe, deren ausgetretene Stufen in der Luft endeten.
Zu seiner rechten konnte er zwischen den zusammengesunkenen und überwucherten Überresten eines steinernen Torbogens das halbzerfallene Skelett eines Drachen erkennen.
Direkt vor ihm ragte die Ruine eines viereckigen Turms wie ein fauliger Titanenzahn in die Höhe und davor lag der Drache, der ihm in Grauburg das Leben gerettet hatte.
Zusammengerollt wie eine Katze vor dem Kamin, lag er in der warmen Mittagssonne und schien zu dösen, nur die offenen Augen, die Jason musterten, bewiesen das Gegenteil.
?Tritt näher, Mensch, und habe Erfurcht vor dem Ort, an dem dereinst der Wahnsinn seinen Höhepunkt fand.?
Die Stimme des Drachen dröhnte in Jasons Kopf.
Vorsichtig machte er einen Schritt auf den Drachen zu und brachte seinen Geist auf eine höhere Ebene, die es ihm erlaubte mit dem Drachen zu kommunizieren.
Sorgfältig wählte er seine Worte, denn ein verstimmter Drache würde nicht nur keine Antworten geben, sondern konnte durchaus zu einer echten Gefahr werden.
?Ihr wolltet mit mir reden, wie komme ich zu dieser Ehre??
Anstatt zu antworten, hob der Drache fast gemächlich seinen Kopf, reckte ihn ein wenig in Jasons Richtung und sah in durchdringend an.
Als der Drache auch nach Minuten nicht antwortete, sondern ihn nur anstarrte, wagte Jason einen zweiten Versuch.
?Ihr habt mich an diesen Ort gebeten, um mit mir zu sprechen. Ich bin gekommen und bitte euch nun mit mir zu sprechen.?
Ein dumpfes, rhythmisches Grollen kam aus der Drachenkehle hervor.
Für Jason klang es beinahe wie ? Lachen?
?Ich sehe du hast Mut, Mensch. Vielleicht bist du wirklich geeignet.?
?Geeignet? Wofür geeignet??
?Eine Aufgabe von großer Bedeutung. Doch ehe du davon erfährst, gibt es Dinge, die du vorher wissen sollst.?
Wieder machte der Drache eine lange Pause, so als ob er sich selbst an etwas erinnern musste.
Dann begann er zu erzählen:
?Vor zahllosen Jahren, als dieser Ort noch eine wachsende Menschensiedlung war, hatten sich die mächtigsten Magier aus allen Ländern zu einer Gemeinschaft zusammen gefunden, die sich Sypra nannte.?
Jason griff automatisch zu dem Dolch in seiner Tasche.
Hatte Abaris nicht gesagt, dass dies ein Dolch der Sypra ist?
Aufmerksam beobachtete der Drache Jasons Bewegung.
?Du hast ihn also bei dir?, stellte der Drache ohne merkliche Verwunderung fest.
?Nun gut, Mensch. Vielleicht ist es im Moment am besten so, doch hüte ihn gut.
Dieser Dolch wurde erschaffen, damit der Malträger mit ihm den Himmelsschatten vernichtet, bevor das Tor vollends geöffnet wird.?
?Vergebt mir meine Kühnheit euch zu unterbrechen, aber ich verstehe nicht ganz wovon ihr mir da erzählt, erhabener Drache.?
Die Augen des Drachen verengten sich schlagartig.
Böse funkelte er Jason an.
?Du Unwürdiger wagst es mich zu unterbrechen??, donnerte seine Stimme durch Jasons Geist.
Obwohl ihm unter dem Blick des Drachen unwohl war, hielt er ihm stand.
Er hatte oft genug mit Drachen geredet und wusste, dass es bei ihnen nicht gern gesehen war Angst zu zeigen.
Langsam entspannte sich der Drache wieder und ließ erneut das dumpfe Grollen aus seiner Kehle vernehmen.
Diesmal war sich Jason sicher, dass der Drache tatsächlich lachte.
?Du hast wirklich Mut, Mensch, aber wenn du dies noch einmal wagst, wird der Wind deine Asche über das Land verteilen.?
Der Tonfall, in dem er sprach, ließ keine Zweifel daran, dass dies keine leeren Worte waren.
Mit einer tiefen Verbeugung bestätigte Jason wortlos, dass er die Drohung ernstnahm.
?Nun höre, ich will versuchen es so zu erklären, dass selbst du es verstehst.
Dieser Dolch wurde von den Sypra als einzig wirksame Waffe gegen den Himmelsschatten erschaffen.
Er überträgt auf jeden, der durch seine Klinge verletzt wird den Todesfluch.
Du selbst trägst den Fluch in dir, er wird dir bei deiner Aufgabe dienlich sein.
Doch musst du dich beeilen, denn der Fluch wird deinen Lebenswillen immer mehr auslöschen bis du dich unwiderstehlich nach dem Tod sehnst.
Der Trank der Geweihten wird dich eine Zeit lang vor dem Fluch schützen, doch nutze ihn sparsam.
Die Pflanze, die für diesen Trank nötig ist, blüht nur alle achtzig Jahre einmal. Wenn du also den letzten Tropfen des Tranks aufgebraucht hast, kann dich niemand mehr vor dem Fluch schützen.?
Erschreckt taste Jason nach der kleinen Phiole unter seinem Hemd.
?Fürchte dich nicht, Mensch. Der Fluch war nicht für dich gedacht und wirkt so langsam.
Du kannst seine Wirkung noch mehr verlangsamen, wenn du selbst nicht tötest, und wenn der Malträger seine Bestimmung erfüllt hat, besteht auch für dich Hoffnung endgültig von dem Fluch befreit zu werden.
Wir Drachen haben überall nach dem Malträger gesucht und haben seine Aura auf einer Insel erspäht, die ihr Menschen Faurin nennt.
Für einen Drachen ist es nicht gut auf dieser Insel zu landen, deshalb wirst du gehen und den Auserwählten für uns finden.?
Jetzt hätte Jason gern einen Stuhl zum Hinsetzen und einen Krug starken Biers gehabt.
Nicht nur, dass er einen tödlichen Fluch in sich trug, nun verlangte der Drache auch noch, dass er nach Faurin ging.
Natürlich war es für einen Drachen nicht gut dort zu landen, aber auch für jeden anderen war es reiner Selbstmord.
Auf Faurin wurden die besten Krieger der Gausun, die Drachenjäger, ausgebildet.
?Du bist der einzige außer einem Drachen, der den Malträger finden kann.
Der Fluch in dir wird dir seine Aura offenbaren, so wie der Verfluchte sich dem Himmelsschatten offenbart.
Wenn du ihn gefunden hast, wirst du ihn hierher nach Bramar bringen.
Da die Zeit uns drängt, werde ich dir eine Hilfe zur Seite stellen.?
Wie auf Kommando trat eine gebückte Gestalt auf einen Stock gestützt aus dem Schatten des Turms hervor.
Jason erkannte die alte Abaris sofort.
?Ihr werdet den Malträger finden und ihn zu mir bringen. Ich erwarte euch morgen zur selben Stunde wieder hier.?
Mit diesen Worten richtete sich der Drache sich mit erstaunlicher Gewandtheit auf, breitete seine Flügel aus und erhob sich mit einem kräftigen Sprung in die Luft.
Jason sah noch wie der stachelbestückte Schwanz dicht über den Baumwipfeln verschwand, dann war er allein mit der alten Geweihten.

Julia D. am: 3. Februar 2003

Jason sah zu der Alten rüber. Sie klammerte sich fest an ihren Stock und trat langsam an ihn heran. Die Falten in ihrem Gesicht warfen tiefe Schatten und ein leicht modriger Geruch ging von ihr aus, wie Jason fand.
?Kommt.? Sagte sie leise und tat ein paar wacklige Schritte in die Richtung des Gestrüpps. Wieso hatte der Drache ihr nur so ein altes Weib an die Seite gestellt? Wahrlich, sie war weise und verstand sich im brauen von längst vergessenen Tränken und beherrschte die Schwarze Magie mindestens so gut wie die Weiße, aber sie war alt und gebrechlich. Nach jedem Schritt hörte er sie laut schnaufen und zwischendurch seufzte sie heißer. Zudem war sie vollkommen irre!
Jason lief hinter ihr und beobachtete jeden ihrer Schritte sorgfältig. Plötzlich blieb sie stehen und fragte mit heißerer Stimme: ?Was starrt ihr mich so an?? Dann drehte sie sich schnell um und warf Jason einen irren Blick aus dem der Wahnsinn sprach zu.
Der Mann schüttelte den Kopf und schaute auf den Boden, sah schließlich auf und warf ihr einen finsteren Blick zu. ?Was wisst ihr über den Malträger und dem Mal??
Das Weib kicherte leise. ?Nur der Malträger kann mit dem Dolch verhindern dass das Tor geöffnet wird.? Sie kicherte noch mehr; wie ein Kind, dass ein kleines Geheimnis hütete. Abaris warf ihre Hände hoch in die Luft und kreischte: ?Der Auserwählte! Er wird kommen und uns alle retten!? Dann lachte sie mit einem schäbigen Lachen auf und verstummte. Sie warf Jason einen verwirrten Blick zu und ging ihres Weges.
?Verrücktes altes Weib.? Nuschelte Jason leise und folgte ihr. ?Arabis, sagt, wieso trauen euch die Drachen so? Was wisst ihr? Was könnt ihr??
Die Alte drehte sich um und schlug Jason zweimal kräftig mit der flachen Hand gegen die Schläfe. Aus Reflex hob er schnell seinen Arm und wollte es abwähren, hielt sich allerdings zurück. Sie war eine alte Frau, kein starker Jüngling! Trotzdem versetzte ihn die Kraft hinter den kurzen Schlägen in Erstaunen.
?Ihr seit dumm! Dumm wie ein Stück Brot!? sagte sie streng. ?Eure Arroganz übertüncht euer Wissen.? Sie schüttelte den Kopf und lief zwei Schritte weiter.
Jason grinste breit. ?Ihr glaubt ich habe die Dinge die ich sah und die Rätsel die ich gelöst habe mehr mit Glück als mit Verstand überlebt.?
?Ihr stellt nicht die richtigen Fragen!? fauchte sie.
Er machte eine kurze Pause und fragte schließlich: ?Was ist die Sypra??
Arabis blieb stehen und malte einen Kreis mit ihrem Stock in den Sand. ?Die Zeit formt die Geschichte; die Geschichte formt das Schicksal; das Schicksal formt die Zeit. Entfällt etwas davon, dann zerbricht alles.?
Jason trat an die Zeichnung und betrachtete sie. Arabis wirkte plötzlich nicht mehr so alt und zerbrechlich. Es war als wäre neues Leben in sie gekehrt. Als hätte der Wahnsinn in ihr, ihr Zeit zum atmen gelassen. ?Die Sypra ist in der Mitte.? Sie zeichnete ein Kreuz in den Kreis. ?Sie hält alles zusammen. Mit ihrer Erschaffung, waren die Zeit, die Geschichte und das Schicksal auf einmal verletzbar. Ein fataler Fehler.? Kurzeitig flammte der Wahnsinn in Arabis Augen wieder auf, jedoch schien sie dagegen anzukämpfen.
?Wie eine Achse.? Sagte Jason leise.
Sie fuhr fort. ?Bricht die Sypra aus und befreit sich, wenn sie nichts mehr zusammen hält, dann gerät alles außer Kontrolle. Alles geht durcheinander, Chaos, Zerstörung, Qual, Hass, Tot!?
?Ihr sprecht von der Sypra wie von einer Seuche.? Bemerkte er.
Arabis strich ihre Zeichnung durch und sah mit blitzenden Augen auf. ?Wir müssen weiter, du Krötendreck.?
Jason lief ihr nach. ?Aber der Dolch! Was ist die Sypra nun? Eine Macht oder eine Verbindung oder vielleicht diese geheimnisvollen Zungenlosen??
?Schnick schanck!? schrie sie auf und warf ihren Arm in die Luft. Der Wahnsinn hatte sie wieder gefunden.

Mes Calinum am: 18. Februar 2003

Mittlerweile begann die einsetzende Dämmerung das unheimliche Licht des Waldes noch zu verstärken und die alte Abaris blieb auf ihren Stock gestützt einfach stehen und starrte geistesabwesend vor sich auf den Boden. Jason fragte sich instinktiv, was diese Geste nun wieder zu bedeuten hatte, blieb aber ebenfalls stehen. Vielleicht war es nur ihre Art und Weise zu sich selbst zurückzufinden, falls ihr Geisteszustand so etwas überhaupt zuließ. Aber es fehlte Jason einfach an Geduld, um die bizarren Eigenheiten dieser alten Frau zu hinterfragen. Das einzige was er sich fragte, war, weshalb er diese Angelegenheit nicht alleine in die Hand nehmen konnte, so wie er es sonst auch getan hatte. Er war Jason Castelborgh und er war ein Mann, der sich Anerkennung und Respekt dadurch erworben hatte, dass er in den schwierigsten Situationen als Einzelkämpfer brillierte.
?Wir haben nicht ewig Zeit?, murmelte er vor sich hin und zuckte zusammen, als sich die alte Abaris, schneller als erwartet zu ihm umwandte.
?Narr?, begann sie, ?seit Stunden schreitet Ihr hinter mir, regt euch in Gedanken darüber auf, welch große Last ich sei, und ihr fragt euch wieso die Drachen mich auserwählt haben. Ihr wollt das große Geheimnis lüften und ihr seid um euer Leben besorgt. Ihr wollt wissen, welche Rolle ihr spielt??
Jason war von diesem plötzlichen Ausbruch zwar nicht unbedingt überrascht, wusste aber trotzdem nicht, welche Reaktion jetzt angebrachter war. Die Wut loderte in ihm, dennoch hielt er sich zurück, auch wenn es ihm schwer fiel.
?Abaris, wir sollten zusammenarbeiten und uns nicht gegenseitig behindern. Wir müssen den Malträger bis morgen zur 15. Stunde nach Bramar bringen und wir sind einfach nicht schnell genug. Und wenn euer kryptisches Gerede nicht wäre, hätten wir vielleicht eine bessere Chance unser aller Leben vor einem Unglück zu bewahren.?
?Lauscht?, sagte die Abaris, seine Worte ignorierend.
?Wir haben für solche Kindereien keine Zeit!? Jason drohte jetzt doch die Fassung zu verlieren.
Die Alte lachte, verstummte aber sogleich wieder. ?Tut was ich euch sage. Was hört Ihr??
Jason atmete tief durch und zwang sich zur Ruhe, dann tat er als würde er angestrengt den Geräuschen der Umgebung lauschen.
?Ich höre den Wind, der die Baumwipfel bewegt und ich höre das Rauschen von Flusswasser.? Er riss die Augen auf und starrte die alte Abaris an, dann blickte er auf das Buschwerk, das schon seit einigen Stunden den Blick zu ihrer linken Seite versperrt hatte und ging zielstrebig darauf zu. Er drückte die Zweige auseinander. Es dauerte eine Weile bis er sich durch das dichte Gestrüpp gekämpft hatte, aber es lohnte sich, denn er stand am Ufer des Iatarch. Im Schilf gut versteckt, schaukelte ein altes Fischerboot, das an einem Pflock befestigt worden war. Er schüttelte ungläubig den Kopf. Ja, er war ein Tor, der zu sehr damit beschäftigt war, alles auf einmal zu erreichen, anstatt Stück für Stück einen Plan auszuarbeiten.
Die alte Abaris war ihm gefolgt und er drehte sich zu ihr um. Beide schwiegen, aber ihre Gedanken offenbarten sich ihnen in ihren Blicken.
Jason sprang in das Wasser und kämpfte sich durch den kniehohen Ufermorast, um das Boot an das Ufer zu ziehen, so dass die alte Abaris ohne Probleme einsteigen konnte.
Er wollte gar nicht wissen, wem das Boot überhaupt gehörte, oder wieso sie wusste, dass es genau an dieser Stelle sein würde. Stattdessen schob er das Boot ein Stück hinaus auf den Fluss, bevor er hinein kletterte und sich mit einem im Boot liegenden Paddel vom Ufer abstieß.
Die Strömung des Flusses war stark und trieb sie schnell voran. Jason wusste, dass der Iatarch in das Meer münden würde, an dessen Küste Faurin lag. Ihm war bewusst, dass sie erst bei Nacht übersetzen konnte, um unentdeckt zu bleiben. Aber er wusste nicht, wie sie den Malträger finden sollten oder ihn gar überreden konnten ihnen zu folgen. Für einen Krieger der Gausun, der die Ausbildung zu einem Drachenjäger genossen hatte, waren sie der Feind, genauso wie die Drachen selbst. Aber er wollte Abaris nicht um Rat fragen, vielleicht weil sein Stolz verletzt war, oder vielleicht, weil er die Antworten auf die Fragen selbst herausfinden wollte. So schwiegen sie für den Rest der Fahrt bis Jason durch das rhythmische Schaukeln der Wellen einschlief.

Rauchwolken zogen über die Trümmer der Grauburg hinweg, als Jason sich neben dem Leichnam des zungenlosen Kriegers aufrichtete. Die Schäden, die der Kampf zwischen den Kriegern und den Drachen hinterlassen hatten, waren gravierender als er sie in Erinnerung hatte. Ein Schatten bewegte sich durch die Rauchschwaden auf ihn zu. Die Bewegungen kamen ihm seltsam vertraut vor, wenn auch er diese Person seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hatte.
?Vater??, fragte Jason sanft und ging ein paar Schritte auf den Mann zu, der jetzt schweigend vor ihm stand.
?Aber wie ist das möglich?? Er drehte sich nur für einen kurzen Moment nach der Grauburg um. Diese war verschwunden und stattdessen befand er sich vor der Burg seiner Eltern. Als er sich erneut seinem Vater zuwenden wollte, war dieser verschwunden, stattdessen holte ihn sein schlimmstes Kindheitserlebnis ein. Der Kopf seines Vaters aufgespießt auf einer der Burgzinnen. Er musste nicht in die Stallungen rennen, um zu wissen, was ihn dort erwarten würde. Er stolperte einige Schritte zurück und wurde dann von einer seltsamen Erschütterung des Untergrundes zu Boden geworfen.

Jason erwachte durch die abrupte Bewegung des Bootes. Benommen richtete er sich auf, nur um festzustellen, dass sie in der Dunkelheit auf einer Sandbank aufgelaufen waren. Er konnte hören, wie sich die Wellen hinter ihnen in der Brandungszone des Meeres brachen.
Die Augen der alten Abaris funkelten ihn amüsiert an und er fragte sich, wie es kam, dass er sich in ihrer Anwesenheit immer wieder wie ein unfähiger Trottel fühlte. Er hatte auch mit ihrer Hilfe in früheren Zeiten viel erreicht. Dass er ausgerechnet jetzt eingeschlafen war, demütigte ihn unnötig. Zum Glück ersparte sich die Alte jeglichen Kommentar.
Im schwachen Licht der Sterne konnte er einen Schatten hinter ihnen ausmachen, der nur Faurin sein konnte. Die Insel war vielleicht einen oder zwei Kilometer von der Küste entfernt. Der Wellengang schien stark zu sein, so dass es mühsam sein würde überzusetzen. Von Abaris konnte er sich keine Hilfe erwarten.
?Wollt Ihr vielleicht die ganze Nacht damit verbringen mich anzustarren??
Jason gab einen knurrenden Ton von sich, während er versuchte das Boot von der Sandbank zu stoßen, wobei er sich fragte, wieso Abaris ihn nicht geweckt hatte.
Nachdem sie erneut die tieferen Bereiche des Flusses erreicht hatten, versuchte Jason sie aus dem Delta herauszurudern; und als ob der hohe Wellengang nicht schon Strafe genug war, musste er auch noch gegen die parallel verlaufende Küstenströmung kämpfen.

?Falls wir den Malträger lebend finden, welche Möglichkeiten haben wir überhaupt, ihn rechtzeitig zurück nach Bramars zu bringen??, fragte Jason schließlich keuchend.
?Wenn die Sonne aufgeht, wird sich uns eine Antwort offenbaren?, antwortete Abaris, während sie auf ihren Stock gestützt die Sterne beobachtete.
Jason rollte bei dieser Antwort mit den Augen, zog es allerdings vor sich darauf zu konzentrieren das Ufer zu erreichen.
Seine Arme schienen bereits taub zu sein, als das Boot endlich auf dem Strand von Faurin auflief. Während er herauskletterte, fühlte er sich mindestens genauso alt und zerbrechlich wie Abaris.
Sie wartete noch bis er das Boot hinter einigen Büschen am Ufer versteckte, dann ging sie ohne etwas zu erwidern in den Wald von Faurin. Jason eilte ihr hinterher bis er sie eingeholt hatte.
?Ist es nicht Selbstmord ohne einen Plan einfach durch den Wald zu gehen? Das ist das Gebiet der Gausun.?
Abaris drehte sich zu ihm. ?Habt ihr denn nichts gelernt. Weshalb seid ihr hier??
?Um den Malträger zu finden und nach Bramar zu bringen, aber deswegen ist es kaum weniger gefährlich, sich ohne weitere Absprache auf Faurin zu bewegen. Die Sonne wird bald aufg ?.?
Das Bersten von Holz und ein lautes Grollen ließen Jason verstummen. Abaris trat hinter den Schutz eines Baumes. Der Boden bebte und Jason starrte angestrengt in die Dunkelheit vor sich.
Vor ihm brach ein junger Drache durch das Unterholz, der in einer wilden Bewegung herumwirbelte, wobei Jason von seinem Schwanz getroffen und zu Boden geschleudert wurde.
Der Drache riss sein Maul auf und Jason hatte das Gefühl, das sein Trommelfell jeden Moment platzen würde. Feuer erhellte die ersten Anzeichen der Morgendämmerung und Jason kniff die Augen zusammen, als er glaubte eine Gestalt zu sehen, die sich mit einer gewandten Bewegung unter den Drachen rollte und ihm ein Schwert in die Brust stieß. Ein letzter markerschütternder Schrei entrann der Kehle des Drachen, dann brach er schnaubend zusammen.
Jason konnte die Silhouette des Kriegers neben dem Körper des Drachen erkennen. Was würde passieren, wenn er entdeckt wurde. Er versuchte so still wie möglich auf dem Boden zu liegen, aber das beklemmende Gefühl, das seine Brust zusammenzudrücken schien, wurde mit jeder Sekunde stärker. Er hatte den Eindruck, dass er so laut atmete, dass er selbst den Drachen damit übertroffen hätte.
Der Krieger wandte sich nun langsam zu ihm um. Jason konnte seinen Blick spüren. Adrenalin schoss durch seinen Körper, seine Beine begannen zu zittern. Ein Hauch von Logik versuchte ihn zur Besinnung zu rufen, dass er ja einen Dolch bei sich trug, und dass er schon viele Krieger der Gausun bekämpft hatte. ?Nicht diesen?, schoss es ihm durch den Kopf.
Der Krieger kam jetzt direkt auf ihn zu; seine Bewegungen so geschmeidig und so geräuschlos, als wäre er nur ein Schatten, der über den Boden huschte. Dann stand der Krieger vor ihm und es dauerte einen Moment bis Jason im frühen Licht des Morgens realisierte, dass es sich bei dem Gausun eigentlich um eine Kriegerin handelte.

Drachenlord am: 19. Februar 2003

Zwar konnte er die leichten, aber eindeutig weiblichen Wölbungen des Lederharnischs im Dämmerlicht nur schemenhaft erkennen, aber seine jahrelange Arbeit als kaiserlicher Ermittler hatten seinen Blick und seinen Verstand geschult auch solche kaum wahrnehmbaren Details schnell zu verarbeiten.
Dies war eine der Grundvoraussetzungen um ein erfolgreicher Ermittler wie er einer war zu sein.
Doch all Erfahrung, alle Routine halfen ihm in diesem Augenblick nichts.
Sein Körper und sein Geist waren in einem merkwürdigen Zwiespalt.
Während sein Geist im riet sich endlich zu verteidigen, wegzulaufen, irgendetwas zu tun, war sein Körper beinahe wie gelähmt.
Sein Herz raste schmerzhaft schnell in seiner Brust, kalter Schweiß bedeckte seine Stirn, das zittern aus seinen Beinen hatte sich über seinen ganzen Körper ausgebreitet.
Unfähig zu handeln starrte er sie mit weit aufgerissenen Augen an.
Sah wie sie in einer einzigen, fließenden Bewegung das Heft ihres zerbrochenen Zweihänders wegwarf, eine kleine Axt von ihrem Gürtel riss und diese zum Schlag gegen ihn erhob.
Plötzlich veränderte sich etwas.
Die Luft um sie herum schien zu flimmern wie über einem Feuer und ihre Bewegungen wurden unbeschreiblich langsam, schienen fast gänzlich zu erstarren.
?Ich sehe, ihr habt euren Teil der Aufgabe bereits erfüllt. Sehr gut, sehr gut.?
Die krächzende Stimme Abaris drang nur schwach in sein, vor Angst getrübtes Bewusstsein.
?Wollt ihr nun noch ein wenig hier liegen bleiben und auf die Freunde unserer hübschen Axtschwingerin warten, oder gedenkt ihr sie bei Zeiten endlich zu entwaffnen.
Der Lähmungszauber hält nicht lange vor.?
Er sollte dieses Monster entwaffnen?
Jason wäre schon froh gewesen, wenn er genug Kontrolle über seine Muskeln bekommen hätte um wegzulaufen.
Die alte Geweihte war nun ganz dicht neben die Kriegerin getreten und betrachtete amüsiert den zitternden Jason am Boden.
?Nehmt einen Schluck vom Trank den ich euch gab, bevor sich unser großer Gausunschlächter noch wie ein Kleinkind das Beinkleid bepinkelt.?, kicherte die Alte höhnisch.
Als hätte jemand anderes die Steuerung über seinen Körper übernommen, tastete er mit bebenden Händen nach der Phiole.
Mühsam zogen seine zitternden Finger das Fläschchen unter seinem Wams hervor, entkorkten es und führten es fast von allein zu seinen Lippen.
?Denkt an meine Worte und seid sparsam damit. Einige Tropfen genügen.?, ermahnte ihn Abaris.
Kaum hatte der Trank seine Kehle passiert, wich das beklemmende Gefühl in seiner Brust zurück, wurde kleiner, bis es nur noch ein leichtes Unbehagen war das Jason kontrollieren konnte.
?Nun entwaffnet und fesselt sie. Ich denke unsere Freundin hier wird vorläufig wenig Lust verspüren freiwillig mit uns zu gehen.?
Jason wusste nicht woher die alte Geweihte das Seil hatte, das sie ihm zuwarf, aber er fragte nicht weiter sondern tat wie sie ihm geheißen hatte.
Es war ein seltsames Gefühl als er der Kriegerin die Axt aus der Hand nahm, fast so als ob man etwas aus einer zähen Masse ziehen wollte.
Auch als er ihre Arme auf ihren Rücken bog um sie dort zu fesseln glaubte er mit zähen Baumharz zu arbeiten und nicht mit einer lebendigen Frau.
Schließlich hatte er Arme und Beine gut verschnürt und warf sich das lebende Packet über die Schulter.
?Und nun??, fragte er Abaris ?Wir können nicht bei Tag mit dem Boot fliehen ohne das wir gesehen werden. Ihr sagtet bei Sonnenaufgang würde sich uns eine Lösung zeigen. Also wo ist nun euer geheimnisvoller Weg der sich uns offenbaren sollte? Und wieso seid ihr euch sicher das wir schon gefunden haben, wonach wir suchen sollten? Der Drache sprach von einem Malträger und nicht von einer Malträgerin.?
?Ihr seid nicht nur ein Narr, ihr seid auch Blind für die Wege der Magie.?, fauchte ihn die Alte an.
?Der Malträger kann Mann oder Frau sein, das spielt keine Rolle.
Ihr habt in eurem Leben schon genug Gausunblut vergossen um ein kleines Meer damit zu füllen, aber hat euer Herz jemals solche Furcht beim Anblick eines Gegners gespürt?
Wohl kaum.
Der Fluch in euch hat das Mal in ihr gespürt und euch aussehen lassen wie das Kaninchen vor der Schlange.
Und nun fragt nicht weiter, wir müssen uns eilen.
Ich kümmere mich schon um den Rückweg, aber zuerst müssen wir hier fort bevor uns ihre Freunde finden. Folgt mir?
Ohne weiter auf ihn zu achten bewegte sich die Geweihte plötzlich mit einer Gewandtheit durch das Dickicht des Waldes, die Jason ihr nie zugetraut hätte.
Er hatte Mühe ihr mit seiner lebenden Last auf der Schulter zu folgen.

Abaris hatte für Jason sinnlose Haken durch unwegsames Unterholz geschlagen, war mehrmals wieder von einem eingeschlagenen Weg umgekehrt und hatte sie schließlich zu der kleinen Grotte mit dem unterirdischen See geführt.
?Ich habe noch etwas zu erledigen. Ihr bleibt hier und achtet mir gut auf unseren Schatz.?, sagte sie trocken und verschwand.
Nun saß Jason schon eine halbe Stund hier und betrachtete nachdenklich und mit einem seltsamen Gefühl in der Brust die gefesselte Kriegerin im spärlichen Licht, das vom Eingang her in die Höhle fiel.
Ihren Topfhelm hatte sie irgendwann auf ihrer Flucht verloren, so das ihr kurzgeschnittenes, braunes Haar ihr ein wenig ins schmutzige Gesicht hing.
Der mit Drachenblut bespritze Lederpanzer schien sich wie eine zweite, wehrhafte Haut an ihren wohlgeformten und muskulösen Körper zu schmiegen.
Die nietenbeschlagenen Wildlederhosen waren beim Drachenkampf am linken Bein aufgerissen.
Hier im Halbdunkel der Grotte konnte man keine weiteren Details ausmachen, aber Jason wusste das eine große, hässliche Narbe auf dem Oberschenkel prangte.
Er hatte sie bei ihrem Marsch durch den Wald bemerkt und er war genug Krieger um eine alte Schwertwund zu erkennen, wenn er eine sah.
Alles in allem wirkte sie nicht stärker bedrohlich wie jeder Gausun auf Jason und dennoch hatte der Fluch in ihm in ihrer Gegenwart sein zweites Gesicht offenbart.
Die Todessehnsucht hatte er bereits zu spüren bekommen, aber im Vergleich zu der panischen Angst die er ihr gegenüber empfunden hatte war diese beinahe angenehm gewesen.
Besorgt tatstete er nach dem Fläschchen das an seinem Hals hing.
Wieder hatte er einen, wenn auch kleinen Schluck daraus nehmen müssen.
Wie lange würde das Mittelchen noch reichen, wenn er länger in ihrer Nähe bleiben sollte?
Er konnte sich nicht erinnern jemals solche lähmende Furcht verspürt zu haben, weder als er damals zum ersten mal einem Drachen gegenüberstand, noch als er kurz danach die dahingemetzelten Überreste seiner Eltern fand.
Er hatte lange gebraucht diese furchtbaren Bilder aus seinem Geist zu verbannen.
Eine kleine Ewigkeit zu verdrängen wie er den Kopf seines Vaters, aufgespießt auf den Zinnen seiner eigenen Burg fand und den geschändeten Leib seiner Mutter, von einer Mistgabel durchbohrt im Pferdestall.
Nun hatten die Bilder wieder einen Weg in sein Gedächtnis gefunden, eingelassen durch einen dummen Traum.
Es war schon seltsam wie sich die Bilder ähnelten.
Die von den rätselhaften Zauberkriegern sinnlos abgeschlachteten in der Grauburg und die Toten seiner Kindheit, die von den Gausun ebenso sinnlos ermordet wurden.
Und nun war er hier, auf der Insel wo diese Tiere ihre Elitekämpfer ausbilden und vor ihm am Boden lag eine gefesselte Gausun.
Noch vor zehn Jahren hätte er ihr ohne zu zögern die Kehle durchgeschnitten, Fluch hin oder her, aber heute saß er einfach nur da und wartete darauf das eine alte Frau ihm half mit einer lebenden Gausun rechtzeitig wieder in einer Ruinenstadt zu sein.
Warum?
Nur weil ein Drache es ihm befohlen hatte?
Hatten die Jahre im Dienst des Kaisers in so verändert, dass er schon jeden Befehl gehorchte, egal von wem er kam und wie unsinnig er auch war?
Ein Geräusch aus dem Wasser lies in aus seinen Gedanken aufschrecken.
Von einem Augenblick zum nächsten war aus dem nachdenklichen Jason wieder der kampfbereite Krieger geworden.
In einer schnellen Bewegung wirbelte er herum und riss die erbeutete Axt seiner Gefangenen in die Höhe, jederzeit zu einem Kampf bereit.
Angespannt lies er seinen Blick durch das Zwielicht über den See wandern.
Kleine, sanfte Wellen kräuselten die Oberfläche, ein Beweis dafür, dass er sich nicht geirrt hatte.
Dort war etwas, etwas das nicht gesehen werden wollte.
In geduckter Haltung schlich er sich bis an das Wasser heran, immer darauf gefasst einen Gegner zu erspähen.
Schließlich stand er direkt am Rand des kleinen Sees und spähte angestrengt aufs Wasser.
Er glaubte unter der Wasseroberfläche einen großen Schatten ausgemacht zu haben, groß genug für einen Menschen, aber weiter kam er in seinen Überlegungen nicht.
?Graparanus expandera magendatica!?
Die Worte der hellen Frauenstimme hallten durch die Grotte.
Noch ehe Jason begriff was mit ihm geschah, schossen Wurzeln von der niedrigen Höhlendecke herab, umschlangen seine Handgelenke felsenfest und rissen ihn vom Boden in die Luft.
Die Axt aus seiner Hand fiel scheppernd auf den Boden.
?Ich weiß nicht wie du mich überwältigt habt, kaiserlicher Lakai, aber ein zweites mal wird es dir nicht gelingen. Reklus maretata terrare!?, ein merkwürdiges schleifen, so wie Metall auf Stein war kurz zu hören.
Jason verstand einige Brocken Gausun, aber die Worte waren nicht in Gausun gesprochen worden sondern, bis auf die letzten Worte, in akzentfreiem Balam, der offiziellen Sprache des Kaiserreichs.
Er versuchte über seine Schulter auf die Gausunkriegerin zu sehen, konnte aber aus seiner momentanen Position nichts erkennen.
Er hatte keine Ahnung wieso er nun an der Decke hing, aber allem Anschein nach hatte die Kriegerin mehr Eigenschaften als er dachte.
?Fürchtet die mutige Drachentöterin einen gefesselten Mann so sehr, dass sie sich ihm nicht einmal zeigt??, Jason hoffte sie mit diesem Spruch zu reizen, damit sie ihn wenigstens umdrehte.
Seine Rechnung ging auf.
?Graparanus konvexia!?, hallte die Frauenstimme erneut durch die Grotte und die Wurzeln, die ihn hielten, begannen sich so zu verdrehen das sein Gesicht in ihre Richtung zeigte.
Sie saß aufrecht am Boden, damit beschäftigt ihre Fesseln an der verlorenen Axt aufzuschneiden, die von einer fasrigen Wurzel vor ihr gehalten wurde.
So etwas hatte Jason noch nicht gesehen, die Kriegerin hatte offenbar Macht über die Pflanzen.
?Ich fürchte mich vor niemanden, Lakai, und schon gar nicht vor einem kaiserlichen!?, fauchte sie Jason an.
Endlich hatte sie ihre fesseln durchschnitten, nahm die Axt aus der Wurzel und erhob sich.
Mit der selben lautlosen Eleganz wie nach dem Drachenkampf ging sie auf Jason zu.
?Nun werden wir uns unterhalten, Lakai. Was suchst du auf Faurin? Was willst du ausspionieren??, ihre Stimme strahlte eine gefährliche Ruhe aus.
?Wenn ich euch sage, dass ich nur ein harmloser Pilzsucher bin, werdet ihr mir nicht glauben, nicht wahr??
Mit einem schnellen Schritt war sie bei ihm und drückte die scharfe schneide der Axt gegen seine Kehle.
?Du wagst es mich zu verspotten? Hast du überhaupt eine Ahnung mit wem du sprichst??, die Worte waren mehr gezischt als gesprochen.
Zum ersten mal konnte Jason direkt in ihre dunklen Augen sehen, trotz des wenigen Lichts konnte er die blanke Wut darin erkennen.
Wut, aber auch Unsicherheit.
Vielleicht konnte er diese Unsicherheit ausnutzen.
?Vergebt mir:?, begann er unterwürfig.
?Vergebt einem Narren, der sein Herz an die Schönheit einer Kriegerprinzessin verloren hat.
Ich kam nur nach Faurin, weil ich von eurer unsagbaren Schönheit gehört habe und nun da ich euch gesehen habe ist es mir gleich ob ich sterbe. Was kann mir die Welt nun noch an Schönheit bieten??, Jason gab sich Mühe seine Stimme möglichst nach verliebten Jüngling klingen zu lassen.
Sie hatte wohl mit allem gerechnet, nur nicht damit.
Erstaunt verringerte sie den Druck gegen seine Kehle und sah ihn erstaunt an.
Darauf hatte Jason gewartet.
Mit aller Kraft zog er sich an seinen Fesseln hoch und trat mit beiden Beinen gegen ihre Brust.
Die Wucht des Aufpralls schleuderte sie gut vier Schritte zurück, die Axt fiel scheppernd zu Boden.
Doch anstatt gegen den Fels zu prallen wie Jason gehofft hatte, warf sie sich zur Seite und rollte mit einer unglaublichen Geschmeidigkeit über die Schulter ab.
Kaum war sie wieder auf den Füßen sprang sie sofort nach der Axt am Boden, riss sie hoch und holte zum vernichtenden Wurf aus.
Ein dunkler Schatten flog an Jason vorbei und traf ihre Schläfe mir einem dumpfen NOCK.
Wie vom Blitz getroffen zuckte die Kriegerin kurz und fiel dann wie ein gefällter Baum Kerzengerade nach vorne um.
Der flache Stein der sie getroffen hatte, landete polternd irgendwo weiter hinten in der Dunkelheit.
Jason hing immer noch in seinen Wurzelfesseln an der Decke, so stark er auch zog, das einzige Ergebnis waren aufgescheuerte Handgelenke.
Er versuchte über seine Schulter den fremden Steinwerfer auszumachen, aber wieder war er in einer Position die ihm wenig Sicht nach hinten bot.
Er konnte deutlich das Plätschern hören, so als ob sich etwas aus dem See erhob.
Er hatte ihm zwar das Leben gerettet, aber ob dies eine Uneigennützige Tat war würde sich noch zeigen müssen.
?Ich... Ich danke euch, Fremder.?, rief Jason.
Keine Antwort.
Nur ein schlurfendes Geräusch war zu vernehmen, als ob ein nasser Lappen über den rauen Grottenboden geschleift würde.
?Mein Name ist Jason Castelborgh, wem darf ich für meine Rettung danken??
Keine Antwort, nur das schlurfende Geräusch schien näher zu kommen.
Langsam wurde Jason unheimlich.
Er verstärkte seine Bemühungen sich zu befreien, aber mehr als etwas Staub von der Decke bekam er nicht frei.
Plötzlich berührte ich etwas an seinem Fuß.
Reflexartig zog er seine Beine nach oben an und die Berührung lies nach.
Ein helles, kindliches Kichern war hinter ihm zu hören.
Ein Kind an diesem Ort?
Noch einmal zog Jason sich mit aller Kraft nach oben, schaffte es seinen Oberkörper auf eine fast schmerzhafte weise zu verdrehen und konnte endlich einen Blick nach hinten gewinnen.
Das was er sah, war eindeutig kein Kind mehr.
Er konnte den Oberkörper einer etwa zwanzigjährigen Frau ausmachen.
Den nackten Oberkörper.
Der restliche Körper blieb Jason aufgrund seiner unglücklichen Lage verborgen.
Ihr blondes, langes Haar klebte nass an ihrem Kopf und ihren Schultern.
Ihre hellen Augen in dem blassen Gesicht schienen beinahe zu leuchten, die vollen Lippen umspielte ein amüsiertes Lächeln.
Die kleinen, festen Brüste reckten sich wie aus Alabaster geformt in die Höhe.
Jason konnte sich nicht länger halten und sackte wieder in seine alte Position zurück.
Er spürte wie ihm die Schamesröte ins Gesicht stieg.
?Ich... ähm, ihr... äh... seid unbekleidet.?, hörte er sich selbst stammeln.
Er war sicher einer der geachtetsten und gefurchtesten Männer des Kaiserreichs, aber er war nie ein Frauenheld gewesen.
?Ich... ich werde meine Augen fest schließen wenn ihr mich befreit.?, sprachs und kniff die Augen so fest zu wie er konnte.
Ein weiteres Kichern war die Antwort.
Er spürte wie eine zarte Hand langsam an seinen Beinen nach oben glitt, genau dorthin, wo ein Mann seine Männlichkeit definiert.
?Wohu... äh... hallo? Ich glaube nicht das ihr das...hu?, stotterte Jason. Er spürte wie langsam Blut in seine Lenden gepumpt wurde.
?Genug jetzt!?
Abaris Stimme wirkte wie ein kaltes Bad auf ihn.
Die zarte Hand wurde hastig zurückgerissen.
Schnell riss er die Augen auf und erkannte die alte Geweihte am Grotteneingang stehen.
?Da lässt man euch nur kurz allein und schon finde ich euch in dieser Lage wieder. Ich frage mich langsam, wie ihr zwei Jahre lang als Albtraum der Gausun ihr Land durchstreifen konntet, ohne euren hohlen Kopf zu verlieren.?
Jason fühlte wie ihm alles Blut aus den Lenden zurück ins Gesicht schoss.
?Ich... ähmm sie hat... sie ist...?
?Schnick- schnack.! Ich sehe was geschehen ist!?, ihre Stimme knallte wie eine Peitsche durch das Gewölbe.
?Unsere Malträgerin scheint sich ein wenig auf die Naturmagie zu verstehen und ihr habt euch von ihr einwickeln lassen. Einwickel. Ja, das ist gut. Einwickeln.?, offenbar fand die Alte seine missliche Lage höchst amüsant.
?Aber wenigstens habt ihr die letzte Zutat die ich benötige angelockt. Nicht so schnell, mein kleines.?
Sie machte eine Geste mit der rechten Hand und hinter Jason erklang ein erschrecktes, ängstliches Quieken das stark an ein Schwein erinnerte.
?Die... die junge Dame hat mir geholfen und ich denke sie wollte mich eben befreien.?, es klang selbst in seinen eigenen Ohren wie eine dürftige Ausrede.
?Befreien? Ich schätze eher, sie wollte ihren Hunger stillen und hat vorher einen eventuellen Futterkonkurrenten ausgeschaltet. Kommt, seht euch eure Retterin an, mit der ihr eben noch soviel Spaß hattet. Graparanus minimalis!?
Kaum hatte sie die letzten Worte ausgesprochen, ließen die Wurzel Jason frei und er fiel höchst unsanft auf den Boden.
Mit einer weiteren Geste erschien ein helles Licht n der Hand der Alten und sie deutete hinter Jason.
?Nun seht, seht was euch dort Gerettet hat.?
Schnell drehte er sich zu dem Mädchen um und bereute es im selben Augenblick.
Sie hatte noch immer den Oberkörper einer schönen, jungen Frau, aber nun konnte er auch den Rest von ihr erkennen.
Anstelle von Beinen erkannte er schleimige Tentakel, zu viele um sie zählen zu können.
Der zuvor lächelnde Mund war zu einem stummen Schrei geöffnet und entblößte eine wahre Armee an kleinen, scharfen Zähnen zwischen denen sich eine gespaltene Zunge zischelte.
Die Finger, die ihn eben noch an seinem Familienschatz berührt hatten, waren scharfe Klauen, über und über mit eine Art Fischschuppen bedeckt.
Jason wurde übel.
?Das ist eure Retterin. Gefällt sie euch noch immer??
?Bei allen Göttern, was ist das??, er hatte mühe das Würgen in seinem Hals zu unterdrücken.
?Eine Nixe. Ihr Oberkörper ist für die meisten Männer sehr verlockend und wenn sie zu dumm sind und ihnen zu nahe kommen, sehen sie meistens auch noch den Rest bevor ihr bestes Stück zu einem Nixenleckerbissen wird.
Sie verschlingen ausschließlich nur die Geschlechtsteile, die Drüsen dort sind für sie eine echte Delikatesse.
Möchtet ihr noch immer mit ihr nähere Bekanntschaft machen??
Ohne zu antworten drehte Jason sich zur Seite und beförderte eine erstaunliche Menge halbverdautes lautstark wieder zu Tage.

Es dauerte lange, bis Jason sich und seinen Magen wieder unter Kontrolle hatte.
Die Tatsache das Abaris der Nixe unter einem merkwürdigen Singsang einige Tentakel abgeschnitten hatte, wobei diese unter einem unmenschlichen Quieken und der Absonderung diverser Körperflüssigkeiten letztlich verstarb, trug nicht unbedingt zu seinem Wohlbefinden bei.
Nun saß die Alte vor einem kleinen Kupferkessel, mögen die Götter ahnen wo der nun wieder herkam, und köchelte einen merkwürdigen Trank aus Kräutern, verschiedenen Insekten, Nixenteilen und etwas, das frappierende Ähnlichkeit mit einem Drachenauge hatte, zusammen.
Der Gestank raubte ihm fast den Atem, aber Abaris schien den schwarzen Qualm fast genussvoll einzuatmen.
Ihre Augen hatten wieder zu diesem wahnsinnigen Funkeln gefunden.
?Ah, bald ist es fertig. Wir werden rechtzeitig in Bramar sein.?, stellte sie trocken fest.
Jason wagte nicht sie zu fragen wie dieser Eintopf der Niederhölle ihnen helfen sollte rechtzeitig zum Treffpunkt zu kommen, er hoffte nur inständig das sie ihn dafür nicht essen brauchten.
Allein beim Gedanken daran zog sich schon wieder sein Magen zusammen.
Um sich abzulenken betrachtete er intensiv die Gausunkriegerin.
Sie lag wieder gefesselt und diesmal auch geknebelt am Boden und funkelte Jason böse an.
Wie hatte sie nur Macht über die Pflanzen bekommen.
War sie so etwas wie die Zauberkrieger, die sie jagten?
Machte sie diese Macht so außergewöhnlich?
?Nicht jeder Malträger hat solche Macht. Diese ist stark, aber wir müssen sie noch von unserer Sache überzeugen.?
Hatte die alte Geweihte seine Gedanken gelesen?
Fragend sah Jason sie an.
Doch Abaris war mit ihrem Gebräu beschäftigt, wahrscheinlich sabbelte sie nur so vor sich hin.
?Ich bin nicht so verrückt wie ihr meint.?
Las sie wirklich seine Gedanken?
?Der erste, der das Mal trug hatte große Macht und die Sypra hatten viel gegeben um diese Macht noch zu verstärken. Nach seinem Tod sprang das Mal weiter und weiter, doch nachdem Himmelsschatten verschwunden war wurde nie ein Malträger benötigt.
Nun da wir wieder einen brauchen hat das Mal eine, die den Weg der Magie UND des Schwertes kennt. Vielleicht ist das ein gutes Zeichen.?
Jason sah sie durchdringend an.
Das war ja fast eine Erklärung gewesen, das erste mal das er fast verstand worum es ging.
Steckte er inzwischen schon so tief in der Geschichte das man ihm endlich einige Erklärungen gab, oder wurde er nur langsam verrückt genug das Geschwafel der Alten zu verstehen?
Vielleicht hätte er in diesem Moment eine Erklärung bekommen, wenn er nur gefragt hätte, doch der Augenblick ging vorbei und Abaris hatte wieder den irren Blick bekommen.
?Es ist fertig. Nun sollten wir uns eilen, es sind nur noch zwei Stunden bis zu unserem Treffen und wir werden gleich unliebsamen Besuch erhalten.?
Ohne weitere Erklärung stand sie auf, griff in den Topf und holte eine zähe, ölige Masse hervor.
Sie murmelte einige unverständliche Worte und die Masse zerfiel zu einem feinen, grünlich schimmernden Pulver in ihren Händen.
Hastig streute sie sich das Pulver über ihren Kopf, legte der Kriegerin eine Hand und Jason die andere auf die Stirn.
Jason glaubte wieder das goldenes Leuchten in seinem inneren zu spüren, das in wie eine Woge fortzutragen schien.
Vor seinen Augen begannen funkelnde Sterne zu tanzen und ein grünlicher Nebel stieg auf.
Das letzte was er sah bevor die Grotte im Nebel versank, war wie ein halbes Duzend Gausunkrieger mit gezogenen Waffen durch den Eingang stürmten, dann lichtete sich der Nebel und gaben den Blick auf die Ruinen von Bramar frei.

Julia D. am: 28. Februar 2003

?Bramar!? rief Jason aus und stand auf. Kurz knickten seine Knie weg und er musste feststellen, dass er zu voreilig war. Die plötzliche Reise und das vorherige Übergeben hatte ihm mehr zugesetzt als er zuerst vermutet hatte.
Jason drehte sich um und warf einen herablassenden Blick auf die Kriegerin. Sie lag auf dem Bauch in einer äußerst unbequemen Stellung, was sie mit lauten, aber dumpfen, Schreien ausdrückte. Jason lief langsam zu ihr hin und drehte sie mit einem kräftigen Schwung um. Er sah in ihre braunen Augen und konnte die Panik und Verwirrung erkennen. Er hätte ihr gerne den Knebel abgenommen, aber noch mal von einem Haufen Wurzeln gefesselt zu werden hielt ihn dann doch zurück. ?Bramar.? Erklärte er ihr aufgeregt.
?Wie hat sie das gemacht?? fragte Jason ungläubig und starrte in Richtung Ruinen. ?Wie hat sie das gemacht?? Er lachte kurz auf. Er drehte sich um, packte die Frau unsanft am Arm und zog sie hoch. ?Komm.? Sagte er zu ihr.
Die Frau stolperte sofort unsanft nach vorne und schlug ungehalten von Jason auf den harten Boden auf. Er sah auf sie herunter und blickte auf die gefesselten Füße. Er hockte sich hin und begann die Fesseln am Fuß zu lockern. Gerade so, dass sie kleine Schritte machen konnte, um ihm zu folgen, aber nicht um ihm zu entkommen. Jason griff fest an ihrem Unterarm und zog sie schnell wieder auf die Füße. Gefesselt wirkte sie nicht so schlimm. Wie hatte er sich nur so ängstlich ihr gegenüber verhalten können? Sie war eine Frau. Nicht mehr. Eine kaltblütige Killerin ohne Hirn. Wie sollte sie nur die Auserwählte sein können? Er konnte und wollte es noch immer nicht glauben. Ein Guasun war für ihr aller Schicksal verantwortlich. Dabei wusste doch jedes Kind, dass diese ?Menschen? ? wie sie sich titelten ? nur abschlachten konnten!
Jason wandte sich angewidert ab und zwang sie mit ihn zu gehen.
Die bedrückende Stille die er gespürt hatte, welche er als er das erste Mal hier war bemerkt hatte, schien wie weg geblasen. Obwohl es immer noch finster und düster war, füllte Jason sich keinesfalls bedroht oder gefährdet. Er steuerte direkt auf den Titanzahn zu.
Seine Augen schweiften wild umher. Wo war der Drache? Er zog die Kriegerin mehr als dass sie mitging. Jason drehte sich um und sah sie finster an.
Ihre Augen sprangen hektisch hin und her und Jason musste feststellen, dass das Wohlgefühl das er hier empfand keinesfalls auf sie zutraf. Natürlich nicht. Die Frau wurde gerade überfallen, gefesselt und geknebelt und in eine Höhle verschleppt. Dann bei dem Versuch abzuhauen von einem Stein nieder geschlagen und befindet sich auf einmal mitten im feindlichen Gebiet wieder, wo sie von einem Unbekannten durch einen sehr düsteren und beängstigten Ort geschleppt wurde. Für einen kurzen Moment blitze Mitleid in ihm auf. Ihre großen braunen Augen sagten so viel mehr als Mord. Sie wirkten fast so als ob in ihnen Wärme steckte. Er verwarf den Gedanken so schnell wie er gekommen war mit einem leisen ?Tz.?
Jason runzelte kurz die Stirn. ?So geht das nicht. Du musst mitgehen. Keine Sorge, ich weiß was ich tue.? Wahrscheinlich war das ihr Problem! Er wusste was er tat. Aber sie? Ihr gingen wahrscheinlich blutige Rituale durch den Kopf oder brutale Folterungen und eigentlich hatte Jason von ihm erwartet, dies auch im Kopf zu haben. So wie früher. Früher hatte er nur abgrundtiefen Hass gespürt den Gausun gegenüber. Warum konnte er es bei ihr nicht? Es musste daran liegen, dass sie die Auserwählte war. Anders konnte er es sich nicht erklären.
Jason verschränkte die Arme und sah sie nachdenklich an. Die Frau sah ihn zögerlich an, entschied dann aber nicht feige zu sein und richtete sich stolz auf. Jason betrachtete sie nachdenklich von unten nach oben und fragte sie schließlich: ?Wie schwer bist du??
Sie war sichtlich verwirrt. Bevor sie reagieren konnte, packte er sie und warf sie unsanft über seine Schulter. Jason hatte mit heftigen Schlägen und Attacken ihrerseits gerechnet. Aber stattdessen ließ sie sich hängen. Sie ließ sich sogar so locker, dass sie nach ein paar Meter zu einer richtigen Last für ihn wurde. Er begann zu schnaufen und seine Schulter schmerzte. ?Verdammt!? fluchte er. Seine Kräfte waren fast am Ende.
Als er den Titanzahn erreicht blieb er stehen. Der alte Torbogen, welcher zu den Ruinen gehörte, stand noch immer da und das grüne Moos wucherte auch noch ungehindert über die einst kunstvollen Verzierungen. Plötzlich kehrte die Stille und die Enge die er beim ersten Mal gespürt hatte zurück. Der Ort wirkte Tod. Mehr als tot. Er war schon in de Endphase der Verwesung, wenn überhaupt noch was übrig war.
Er ließ die Kriegerin unsanft von seiner Schulter gleiten und nahm allein ein leises Schnaufen war, als sie auf den Rücken knallte. Jason legte seine Hand auf den Steinbogen und zog die Linien nach die wohl einst ein Bild oder ein Muster ergeben hatten. Allerdings fehlten jetzt Bruchstücke und der Stein begann abzubröckeln.
Was war hier geschehen? Und wo war der Drache? War er zu früh zurück? Er sah zum Himmel hoch und hoffte den Drachen dort oben zu entdecken. Allerdings erkannte er nicht mehr als die grelle Sonne. Kurzzeitig flammte das Bild des großen Auges vor ihm auf. Jason zuckte zusammen und griff instinktiv nach der Axt von der Kriegerin an seiner Hüfte.
Jason trat durch den Torbogen und sog den modrigen Geruch ein. Seine Blicke schweiften über die Ruinen. Erst als seine Augen einen kleinen Durchgang ins Innere des Gewölbes fanden, hielt er an. ?Was haben wir denn da?? nuschelte er leise.
Er ging zu der Frau, zog sie hoch und warf sie erneut über seine Schulter. Wieder ließ sie sich vollkommen hängen und erschwerte ihm den Weg zum Durchgang.
Wahrscheinlich trieb ihn seine unbezähmbare Neugierde zu dem kleinen schwarzen Loch, welches halb zugewuchert, halb zugeschüttet war.
Es schien sich die Sicht zu verschlechtern, als er in den Überresten eines riesigen Hofes stand. Er nahm leise das Tropfen auf von Wasser auf Stein war. Die Luft würde merkbar kühler und Jasons Hand nahm die Gänsehaut an dem Bein der Kriegerin war.
Ein riesiger Baum ragte aus der Mitte der Ruinen raus. Wie konnte er ihm vorher nicht auffallen? Seine Wurzeln hatten den wohl einstigen Steinboden ? von dem allerdings nur wenige Steinplatten übrig geblieben waren - aufgerissen und stellten sich schon recht bald als Problem raus, mit der Last die er trug. Sie hatten teilweise Durchmesser von zwei Meter und sobald Jason mit seinem Fuß an einer Wurzel stieß oder auf sie trat, kam es ihn vor als wenn es Stein wäre.
Er hatte noch nicht mal die Hälfte des Weges zurückgelegt, als er wieder eine Pause brauchte. Diesmal jedoch ließ er die Frau sanfter zu Boden sinken. Er sah zurück und stutze. Der Bogen schien nicht sehr weit weg zu sein. ?Das kann doch nicht sein?? Er sah nach vorn und wieder zurück. ?Oder?? sagte er laut. Er sah sich um. ?Natürlich!? Jason sah den Boden an. Er hockte sich hin und wischte den Dreck und die Pflanzen von einer der Platten. Dann blickte er zurück und sah erneut den Bogen an.
?Wie gerissen! Diese raffinierten Hunde!? Er lachte kurz auf. Er sah die Frau an. ?Optische Täuschung! Natürlich! Sie haben einfach alles viel größer gebaut. Zu groß für meinen Geschmack!? Er sah sie ernst an. Sein Witz schien nicht anzukommen. ?Deswegen glaubt man nicht voran zu kommen. Es ist, als ob man eine Ameise durch ein Schloss schickt. Nur ist der kleine Unterschied, dass hier alles so groß ist. Die Bäume, die Wurzeln, sogar die Blumen!? Er lief ein paar Schritte und blieb an einem Farn stehen. ?Hier!? Er riss ein Blatt am unteren Ende ab und hielt es an seinen Arm. ?Da! Er ist einfach? einfach gigantisch!?
Es war so einfach und doch ist er kurzzeitig selber auf diesen simplen Trick reingefallen. Dadurch dass die Bäume und die Blumen größer als normal waren, konnte einem die Größe der Ruinen gar nicht auffallen. Kurios war nur, dass alle Pflanzen um die Ruinen rum eine normale Größe hatten. Achtete man nicht drauf, fiel es auch nicht auf. Es war ein seltsamer Wald mit seltsamen Dingen. Eine Sache mehr oder weniger nahm schon gar nicht mehr war. Vielleicht erhoffte man sich so Angreifer zu verwirren? Jason wusste es nicht genau.
Er lachte vergnügt auf. ?Na los! Weiter geht?s!? Er fasste sie, hievte sie erneut auf die Schulter und strebte weiter auf den Durchgang zu.
Vergessen war sein Auftrag, Warten? Nein, dass konnte er nicht. Er musste einfach wissen wie es von Innen aussah! Und vielleicht war der Drache auch da drin?
Bramar hatte Jason mit all seiner Magie, mit all seinem Rätseln, mit all seinen Gefahren gepackt und verlangte nach ihm! Verlangte gelöst zu werden, um die Geheimnisse der Welt zu zeigen!
Er verharrte sofort, als er eine Bewegung in dem Durchgang war nahm. Er trat hinter eine der großen Wurzeln, legte die Frau weich und fast lautlos ab und hockte sich neben sie. ?Pssst.? Sagte er leise zu ihr und legte seinen Zeigefinger auf seinen Mund.
Das musste der Fehler gewesen sein. Diese Aufforderung leise zu sein veranlasste die Kriegerin nach einem Bruchteil an Sekunden wie wild zu strampeln und so laut zu schreien, wie der Knebel es zuließ. Sie versuchte los zu robben und zappelte wie ein Fisch am Land.
Jason griff nach ihren Beinen und versuchte sie fest zuhalten. ?Sei doch ruhig, du Hexe!? fluchte er leise. Er bekam zwei harte Tritte ab, konnte aber schließlich ihre Beine fassen und sie festhalten. Dann schmiss er sich vor und legte sein gesamtes Gewicht auf ihren Körper. Seine Hand drückte er fest auf ihren geknebelten Mund und drückte die andere Hand oben drauf. Er hatte ihre Beine soweit es ging gespreizt und klemmte seine Füße fest von Außen unter ihre Beinknöchel. So hatte er sie fest im Griff.
Ihr Gesicht war dicht vor ihrem und für wenige Sekunden starrte er ihr in die Augen. Alles was er sah war Hass. Er konnte den Geruch ihres Schweißes einatmen und versuchte ihn als abstoßend und wiederwertig einzustufen, anstatt für bezaubernd und sehr anziehend.
Er zwang sich sie nicht mehr anzusehen. Er sah hoch und löste vorsichtig die obere Hand um sich damit abzustützen.
Als er seinen Kopf langsam hob und versuchte über die Wurze hinweg zu schauen hielt er die Luft an. Sogar die Kriegerin schien still zu liegen. Er schrie kurz auf als er eine Gestalt vielleicht zwei Meter hinter er Wurzel sah, die ihn anstarrte.
?Krötendreck!? schrie sie ihn an! ?Kann man euch nicht einmal eine Sekunde alleine lassen, ohne dass ihr anfangt die Auserwählte zu umgarnen? Erst finde ich euch an der Decke wieder und nun liegt ihr auf ihr! Ihr seid dumm! Dumm wie Krötendreck!? Abaris hob ihren Stock und schlug Jason einmal kräftig damit auf den Oberarm. ?Steht auf!? brüllte sie ihn an und trat an die Wurzel ran.
Jason rieb seinen Oberarm und gehorchte etwas schmollend. Es war peinlich. Sehr peinlich. ? Ich habe doch nur?? begann er.
?Schnick schanck!? rief sie. ?Und nun kommt! Ihr seid Krötendreck!? wiederholte sie. Ihr Blick schweifte zu der Kriegerin am Boden, die sie mit großen Augen anstarrte. Abaris reagierte nicht, sonder lief langsam um die Wurzel herum. Jason half der Frau am Boden hoch und folgte Abaris vorsichtig. Wenn diese Irre nicht so alt wäre, hätte er ihr schon längst eine gelangt, da war Jason sich sicher.

Mes Calinum am: 13. März 2003

Die alte Abaris führte sie zurück auf die Lichtung hinaus, wo sie am Tag zuvor die Absprache mit dem Drachen getroffen hatten. Aus der Ferne trug der Wind aufgeregte Stimmen mit sich heran. Als sie gen Himmel sahen, zogen hauchdünne Rauschwaden über sie hinweg.
?Unsere Welt wird untergehen?, flüsterte Abaris.
Jason versetzte der Kriegerin einen unangenehmen Stoss, der mehr Versehen, als gewollt war, und sie landete unsanft auf dem Boden.
Die Gelehrte kniete sich abwesen neben die Gausun-Kriegerin und flüsterte ihr einige Worte ins Ohr. Dann nahm sie ihr den Knebel aus dem Mund.
?Ein kleiner Zauber gegen die überflüssige Magie der Gausun?, murmelte sie vor sich hin.
?Woher kommt der Rauch??, fragte Jason jetzt und trat neben Abaris. Er musterte nervös den Himmel.
?Von Grauburg, ... und bald von allen Orten, die von den Kikorangi angegriffen und im Rückangriff der Drachen verwüstet werden.?
?Die Kikorangi? Ihr meint die zungenlosen Krieger??, fragte Jason.
?In ihrer Sprache nennen sie sich Kikorangi?, erklärte Abaris. ?Sie werden das Land ohne Rücksicht auf seine Bewohner erobern, denn sie sind nur an ihrem eigenen Überleben interessiert.?
Jason war überrascht, dass die alte Gelehrte einmal nicht in Rätseln sprach.
?Woher stammen sie??
?Das wird euch der Drache besser erklären können?, war alles was sie antwortete.
?Wenn der Wind den Rauch bereits bis nach Bramar trägt, dann müsste Grauburg vollkommen in Schutt und Asche liegen?, setzte er fort und schaute dabei betroffen auf den Boden. ?Die Drachen versuchen uns zu helfen, aber sie verwüsten alles.?
?Ein Grund mehr sie zu vernichten?, unterbrach ihn die Kriegerin, die bisher geschwiegen hatte.
Jasons Blick verfinsterte sich bei ihren Worten. ?Ihr solltet lieber schweigen; was wisst ihr schon??, antwortete Jason patzig.
Um die Mundwinkel der alten Gelehrten zuckte der Ansatz eines Schmunzelns.
?Von Castleborg, wo habt Ihr den Dolch??, fragte sie schließlich.
Jason deutete auf eine kleine Hülle, die an seinem Gürtel hing, in der er den Dolch aufbewahrte.
?Gebt ihn mir.?
Jason kniff die Augenbrauen zusammen.
?Warum??
?Weil ich mir die Inschrift noch einmal genauer ansehen will.?
?Aber Anthros hat sie bereits entschlüsselt.?
?Auch ein Gelehrter versteht es Fehler bei den Übersetzungen zu machen. Habt Ihr immer noch nichts gelernt oder wollt ihr die Zeit weiter mit euren Kindereien verbringen??
Er schnappte nach Luft, reichte ihr aber den Dolch ohne ein weiteres Wort zu verlieren.
Abaris tat als würde sie ihn genau studieren. Dann begann sie in einer merkwürdigen meditativen Haltung mit dem Kopf zu schwingen und zu summen.
?Und ihr beschuldigt mich der Kindereien?? Jason verschränkte die Arme und warf der Kriegerin, die breit lächelte einen eisigen Blick zu.
?Die Lebensgeister ich dir raube....? Abaris sang die Worte beinahe in einer hohen, dennoch brüchigen Stimme.
?... darum fürchte meinen Schmerz oder verweile in ewiger Dunkelheit.?
?Das ist die Inschrift des Dolches, wie Anthros sie übersetzt hat. Was soll das??
Abaris schien mit einem Mal wieder bei vollem Bewusstsein.
?Ihr versteht immer noch nicht? Der Dolch trägt einen Fluch auf sich. Er wurde vor langer Zeit von den Sypra geschmiedet, als Waffe gegen einen großen Dämon - dem Himmelsschatten, der euch als blauer Vogel bekannt ist. Nur ein besonderer Auserwählter war in der Lage mit dieser Waffe, den großen Dämon zu besiegen. Denn eine Verletzung durch den Doch der Sypra treibt sowohl Mensch als auch Tier über kurz oder länger in den Tod. Der Lebenswille wird schwinden, von Tag zu Tag, wenn der Dämon nicht getötet und der Dolch nicht zerstört wird.?
Jason trat einige Schritte nach hinten, um sich gegen eine Wand zu stützen, sein Blick viel auf die Kriegerin.
?Und sie ist die Auserwählte??, flüsterte er.
?Nur sie kann mit Hilfe des Dolches den Dämon töten. Versagt sie, so wird unsere Welt untergehen. Sie ist die rechtmäßige Trägerin des Dolches.?
Abaris trat auf die Kriegerin zu und es sah so aus, als wollte sie die Fesseln der Gausun-Kriegerin lösen und ihr den Dolch überreichen. Stattdessen schwang sie die Waffe in einer eleganten Bewegung. Die Kriegerin folgte ihr wie gebannt. Die Klinge schnitt leicht durch die Haut ihres Unterarms und Blut quoll hervor. Ihre Augen weiteten sich entsetzt vor Schmerz.
?Was tut ihr da??, schrie Jason und wollte die Alte beiseite schlagen. Dennoch hielt er inne.
?Palaris devodat hinguis, an cadal!?, sagte sie und ein nebeliger Schleier zog über die Augen der Kriegerin hinweg ? versetzten sie in eine Art Trance.
?Ich werde euch ein Geheimnis verraten, Jason. Eines, das nur Ihr wissen solltet. Nur die Person, die den Dolch zerstört, wird vom Fluch befreit werden. Jeder andere muss sterben.?
?Aber...?, begann Jason, doch seine Worte wurden von dem Lärm zahlreicher Stimmen verschluckt. Er drehte sich um und sah das Heer von Brabus auf die Lichtung stürmen. Allen voran Brabus und Anthros. Man sah ihnen deutlich an, dass sie einen langen Weg hinter sich hatten.
?Grauburg ist gefallen?, stieß Brabus vollkommen außer Atem hervor.
Jason wusste nicht, was er antworten sollte.
?Die Drachen haben alles vernichtet bei dem Versuch den Bewohnern zu helfen. Die Anzahl der zungenlosen Krieger ist bereits zu groß, als das wir ihnen hätten standhalten können.
?Dann wird es Zeit zu handeln?, sagte Abaris.
?Ohne den Rat des Drachen??, wandte Jason ein. Doch ein weiteres Geräusch ließ sie gen Himmel blicken.
In einer taumelnden Bewegung kam der Drache auf sie zugerast. Die Krieger des Heeres versuchten sich in Sicherheit zu bringen. Jason blickte wie gelähmt auf den Drachen, wurde aber rechtzeitig von Brabus beiseite gerissen.
Mit einem mächtigen Donnern schlug der Drache auf der Lichtung auf. Staub und Gesteinsstücke wurden nach oben gewirbelt. Dann war für einen Moment alles still.

Drachenlord am: 20. März 2003

Geschockt starrten alle auf den abgestürzten Giganten.
Noch nie hatte Jason einen Drachen in einem so bemitleidenswerten Zustand gesehen.
Aus drei armlangen, tiefen Wunden auf seinem Rücken quoll bei jedem der unregelmäßigen Atemzüge dunkles Blut hervor.
Der linke Flügel, dessen zerrissene Flughaut wie ein loses Segel im Wind flatterte, lag kraftlos am Boden ausgestreckt, der rechte auf eine unnatürliche Weise verdreht halb unter dem schuppigen Leib begraben.
Jason wusste, ein gebrochener Flügel kam für diese mächtigen Geschöpfe einem Todesurteil gleich.
Mühsam hob der Drache sein Haupt und sah Jason an, der noch immer von Brabus rettenden Griff gehalten wurde.
?Finde das Auge, bevor er es erreicht.?
Die stimme des Drachen hallte in Jasons Geist, war so eindringlich und gefasst wie er es von diesen Geschöpfen gewohnt war, doch in der Stimme schwang noch etwas mit.
Etwas das Jason nur einmal bei einem Drachen vernommen hatte, damals als er in jungen Jahren zum erstenmal mit einem Drachen sprach.
Es war die Gewissheit des baldigen Todes.
Er löste sich aus Brabus Griff, gab den Männern, die verstreut zwischen den Ruinen Schutz suchten ein Zeichen zurück zu bleiben und ging auf den sterbenden Drachen zu.
Er versuchte seine Gedanken sammeln, wollte dem todgeweihten Giganten Fragen stellen oder ihm wenigstens Trost zusprechen, aber diesmal war es anders.
Als sein Geist die höhere Ebene, die dazu nötig war erreichte, hörte er dort nur ein seltsames, in Höhen und Tiefen schwankendes Quieken und Piepen.
Es schien sich wie eine unsichtbare Welle zu bewegen, direkt vom Drachen weg auf- auf Abaris zu!
Die alte Geweihte stand regungslos da, schien den merkwürdigen Tönen zu lauschen.
Schließlich nickte sie zustimmend und sah sich suchend auf der Lichtung um.
In diesem Moment erschallte die Stimme des Drachen mit einer so unglaublichen Wucht in Jasons Geist, das dieser glaubte sein Schädel würde zerspringen.
?Such das Auge! Finde es... bevor...?
Dann brach die Stimme ab und der riesige Drachenkopf stürzte mit starren Augen zu Boden.
Jason spürte eine eisige Woge durch sein Blut jagen, glaubte von einem gewaltigen Sog ergriffen zu sein, der ihn in einen bodenlosen Abgrund reißen wollte.
Mit einem kräftigen Kopfschütteln löste er die geistige Verbindung im letzten Augenblick, bevor er in die absolute schwärze mitgerissen wurde.
Benommen sah er wie Abaris mit einem der Männer auf ihn zukam, der in seinem schlecht sitzenden Kettenhemd und dem viel zu großen Helm sehr verloren aussah.
Es dauerte einen Moment bis Jason seinen alten Lehrmeister unter der ungewohnten Verkleidung erkannte.
?Anthros? Wieso tragt ihr eine Rüstung? Was ist denn...?
?Stellt eure Fragen später, von Castelborgh! Wir müssen schnell handeln!?, zischte sie Jason an.
?Lasst die Soldaten sich verstreut zwischen die Ruinen platzieren. So können sie den Gegner vielleicht noch lang genug beschäftigen. Wir haben wichtigeres zu tun.?
?Meine Männer können nicht gegen diesen Feind bestehen. Es hat keinen Sinn sie so zu Opfern. Wir sollten lieber fliehen und uns...?
?Deine Rolle und die deiner Männer spielen für die große Sache keine Rolle, Feldherr! Einzig etwas Zeit könnt ihr uns verschaffen, also tut das Wenige, das ihr tun könnt und verschafft uns diese Zeit!?
Abaris Stimme und ihr Blick ließen Brabus verstummen.
Unsicher sah er Jason an, dessen Gesichtsausdruck allerdings verriet, das er selbst nicht wusste was zu tun war.
Sichtlich genervt verdrehte die Geweihte die Augen.
?Wir verschwenden unnötig wertvolle Zeit!
Krötendreck und Rattenfurz!
Du wirst diese Schlacht nicht allein schlagen, Feldherr. Ich werde persönlich deinen fetten Hintern beschützen, aber nun hört auf mich und tut was ich sage!?
Die letzten Worte hatte sie mit einem eindrücklichen Ton an Jason gerichtet, der zwar noch immer nicht verstand was genau sie meinte, aber schließlich zögernd Brabus zunickte.
?Ich weiß nicht was genau hier los ist, mein Freund.
Die Geweihte scheint die Einzige zu sein, die es im Augenblick versteht, also werden wir ihr vertrauen müssen.?
Die Worte überzeugten ihn selbst kaum, aber Brabus folgte seinem Befehl, auch wenn ihm sichtlich Unwohl dabei war, und machte sich daran die kärglichen Überreste seines Heers die nötigen Anweisungen zu geben.
?Gut so! Und nun bringt die Auserwählte in den Turm, die Kikorangi werden schon bald hier sein.? mit diesen Worten drehte sie sich um und führte den verwirrten Anthros mit sich zu dem zerfallenden Titanenzahn.
Jason hob sich die Kriegerin, die immer noch in ihrer Trance gefangen schien, auf die Schulter und folgte den Beiden schnaufend.
Umständlich zerrte er seine lebende Last durch die schmale Öffnung und war wieder in dem rätselhaften Innenhof des Turms, wo Abaris gerade begonnen hatte mit roter Kreide eigenartige Zeichen auf den Boden zu malen.
Anthros stand einige Schritte abseits von ihr und wusste anscheinend nicht was er zuerst bestaunen sollte, das Gehabe der alten Geweihten, den riesigen Baum im Hof oder die Ruine selbst.
In seiner schlecht sitzenden Rüstung und mit den vor Staunen geweiteten Augen wirkte er auf Jason wie ein kleiner Junge, der beim Spielen zufällig die Wunder der Welt entdeckte.
Wenn die Situation nicht so Bizarr gewesen wäre, Jason hätte losgelacht.
Er ließ die Kriegerin am Eingang liegen und machte einen Schritt auf Abaris zu.
Ein unmissverständlicher Blick von ihr brachte ihn zum stehen.
Was auch immer sie dort machte, sie wollte oder durfte dabei nicht gestört werden.
?Jason! Jason, seht euch das hier nur an!?
Anthros kam aufgeregt auf ihn zugestürmt.
?Wie konnte ich nur so dumm sein!
Da habe ich so lange Jahre in Grauburg gelebt, habe die halbe Welt auf der Suche nach Wissen bereist und bin nie auf die Idee gekommen diesen Ort hier zu besuchen.
Bei allen Göttern, was mögen hier nur für ungehobene Schätze an Wissen und Weisheit verborgen sein.?
In all den Jahren, die Jason nun schon seinen Lehrmeister kannte, hatte er ihn nie so aufgeregt erlebt.
Wenn Jason selbst von der geschickten Bauweise des Turms beeindruckt gewesen war, für Anthros musste es eine wahre Offenbarung sein dies zu sehen.
Nur ungern brachte er ihn wieder auf den Boden der Realität zurück, aber jetzt gab es wichtigeres zu klären.
?Anthros, ich verstehe eure Begeisterung, aber bitte bewundert dieses Bauwerk später und beantwortet mir meine Fragen.
Was genau ist in Grauburg geschehen und warum tragt ihr diese lächerliche Verkleidung??
Es dauerte einen Augenblick bis der alte Gelehrte seine gewohnte, selbstsicher Haltung wiederfand und so zu seinem Schüler sprechen konnte, wie dieser es von ihm gewohnt war.
?Ja, natürlich. Ihr habt völlig Recht, jetzt ist nicht die Zeit für Theorien.
Vergebt mir.
Also, nachdem ihr euch nach Bramar aufgemacht hattet, habe ich meine Forschungen in der Halle der Weisheit fortgesetzt und etwas aufschlussreiches gefunden.
Ein Manuskript, das zu den ältesten Aufzeichnungen in der Halle zählt.
Es ist leider nur zur Hälfte erhalten und in einem sehr schlechten Zustand, aber ich erinnerte mich einmal in diesen Aufzeichnungen etwas gelesen zu haben.
Etwas das diesen seltsamen Dolch betrifft.?
Er machte eine bedeutungsschwere Pause, so wie er es gern tat wenn er etwas Wichtiges zu verkünden hatte.
?Der Verfasser dieser Schrift, er bezeichnet sich selbst als Wächter, muss zu den Gründern der Halle gehört haben.
Er beschreibt den Dolch flüchtig, aber noch genau genug um ihn wiederzuerkennen.
Nach seinen Worten ist diese Waffe die größte Gefahr für die neue Ordnung, wie er es nannte, aber auch gleichzeitig eine Möglichkeit diese zu garantieren.
Es hat irgendetwas mit dem Schutz eines Artefakts zu tun.
Fragt mich nicht was dies zu bedeuten hat, dazu habe ich nichts mehr herausfinden können bevor diese Zauberkrieger erneut über Graubug herfielen.
Sie tauchten wie beim ersten mal aus dem Nichts auf und setzten ihr sinnloses Morden fort.
Letztlich haben sich die letzten Überlebenden in den Hallen verbarrikadiert und Brabus gab den Befehl Grauburg aufzugeben und die Überlebenden zu euch zu führen.
Tja, und obwohl er gesehen hat wie wenig eine Rüstung vor den Pfeilen des Feindes schützt, bestand er darauf das ich dieses hier anziehe.?
Anthros zog mit zwei Fingern an den Gliedern seines Kettenhemds und machte dabei ein höchst missbilligendes Gesicht.
?Ich mag diesen verrückten Feldherrn ja irgendwie, aber das einzige, das sein stumpfsinniges Vertrauen in stinkende und unbequeme Rüstungen noch übertrifft, ist das blinde Vertrauen, das er euch gegenüber empfindet.
Er hält große Stücke auf euch und nach seiner Meinung seid ihr der Einzige, der jetzt bestimmt weiß was zu tun ist.
Ich hoffe für uns alle, das er recht hat.
Aber nun erzählt ihr, wieso ist plötzlich die alte Geweihte bei euch und wo kommt diese Gausun her?
Haben sie etwas mit diesen Zauberkriegern zu tun??
Jason schüttelte den Kopf und begann eine schnelle Zusammenfassung seines Zusammentreffens mit dem Drachen und seines Abstechers nach Faurin zu erzählen.
Als er geendet hatte, blickte der Gelehrte in mit offenen Mund an.
?Ihr habt sie von der Insel der Drachenjäger entführt? Jason Castelborgh, mir war klar, das ihr eine Ausgeburt von Wahnsinn und Wagemut seid, aber dies übertrifft alles was ich bisher von...?
Ein greller Lichtblitz am Eingang zum Hof und der plötzliche Geruch von verbranntem Fleisch ließ Anthros seine Rede vergessen.
Als er und Jason sich hastig zu der Öffnung umdrehten, sahen sie nur noch wie eine unförmige, zerrissene Masse schwerfällig zu Boden stürzte.
Nur der Federgeschmückte Bogen neben ihm ließ erahnen, dass dieser Klumpen verbrannten Fleischs einmal einer der zungenlosen Krieger war.
Doch so furchtbar auch der Anblick der verunstalteten Leiche war, es war nichts im Vergleich zu dem wabernden Gebilde das über der Leiche schwebte.
Jasons Sinne arbeiteten schlagartig mit der Schärfe, die ihn als kaiserlichen Ermittler auszeichnete.
Er registrierte im Augenwinkel wie Anthros einen Schritt zurückwich, hörte jetzt die gedämpften Kampfgeräusche schwach durch die dicken Mauern des Turms dringen und sah wie aus der ausgestreckten Faust der alten Abaris schwarze Schlieren krochen und wie eine Hundeleine zu dem wabernden Gebilde führten.
Mit einem Ruck öffnete die Alte ihre Hand und die Schlieren verschwanden genauso wie das schwebende Ding mit einem trockenen Knistern.
?Kommt nun, die Zeit drängt!?
Jason erschauderte beim tiefen Klang der Stimme.
Es war Abaris die gesprochen hatte, aber es war nicht ihre Stimme mit der sie sprach.
Entsetzt starrte er die Geweihte an.
Die Falten in ihrem Gesicht schienen tiefer geworden zu sein, die Augen, bisher milchig- grau, waren nun komplett tiefschwarz.
Während sie Jason mit diesen unheimlichen Augen ansah, schien die Schwärze langsam wie Öl an einem Stein an ihnen herabzufließen.
Schließlich verschwand die Schwärze gänzlich und gab wieder die ursprüngliche trübe Augenfarbe frei.
?Ich sehe, ich habe euch erschreckt von Castelborgh.
Es ist ein mächtiger Zauber jemandem die Seele zu entreißen, aber für einen Außenstehenden sicher kein schöner Anblick.?
Ein kaltes Lächeln umspielte ihre Lippen als sie die Worte wieder mit ihrer gewohnten Stimme sprach.
?Doch jetzt ist nicht der Moment um über Fragen von Ethik und Essenz zu sprechen.
Der Feind ist bereits da wie ihr seht und ich muss euch auf den Weg schicken.
Nehmt die Malträgerin und stellt euch in den Kreis.?
Sie deutete auf die Stelle an der sie die Symbole aufgezeichnet hatte.
Die verschlungenen Linien waren in einem unüberschaubaren Muster zu einem Kreis geformt.
?Ich werde euch auf dieser Reise nicht begleiten können.? fuhr sie fort.
?Nur ein mächtiger Dämon kann die Barriere zwischen den Zeiten selbstständig überwinden.
Meine Macht reicht nur, um euch zu schicken, nicht jedoch selbst den Weg zu betreten.
Deshalb hört mir genau zu.
Es ist zu gefährlich die Auserwählte oder den Dolch hier zu lassen, ein Sieg über die Kikorangi ist mehr als ungewiss und wenn sie eins von beiden zerstören, dann kann sie nichts mehr aufhalten.
Versteht ihr mich??
Jason nickte automatisch, aber er verstand mal wieder kein Wort wovon die Alte redete.
?Ich dachte mir schon, dass ihr es nicht begreift, aber das wird sich ändern.
Euer Lehrmeister wird euch begleiten, damit auch er seine Rolle in dem großen Spiel antreten kann.?
Ein ersticktes Glucksen hinter ihm verriet Jason, das Anthros von diesem Plan wenig begeistert war.
Ohne weiter darauf einzugehen sprach die Geweihtre weiter.
?Er kann euch helfen, damit ihr euch dort zurechtfindet wo ihr hingeht.
Jetzt passt genau auf.
Egal was euch dort begegnen wird, ihr dürft die Linie nicht verändern.
Tötet niemanden und passt auf, dass die Auserwählte auf keinen Fall dort ihren Auftrag erfüllt!
Dies würde alles ins Chaos stürzen!
Also achtet gut darauf, dass sie das hier niemals in Händen hält solange ihr nicht wieder zurück seid.?
Während sie sprach, war sie auf Jason zugekommen und reichte ihm den Dolch.
?Findet nur heraus, wo genau das Dämonenauge versteckt ist und kehrt schnellstens zurück.
Nehmt es auf keinen Fall schon dort an euch!
Auch dies würde die Linie auf unvorhersehbare Weise verändern.
Nun sputet euch!?
Sie schob Jason auf die Kriegerin zu.
Fast mechanisch hob er sie sich wieder auf die Schulter und stellte sich in den Kreis.
Das Gewicht der Gausun machte ihm immer weniger aus, ob er sich langsam daran gewöhnte immer eine lebende Last mit sich herum zu tragen?
Als ob Abaris wieder in seinen Gedanken gelesen hatte sagte sie: ?Wenn ihr angekommen seid, wird sie aus ihrer Trance erwachen.
Ich habe ihr ihre gesamte Magie entzogen, aber das wird nur für ein oder zwei Tage anhalten.
Seid also vorsichtig, sie hat mehr Macht als ihr bisher gesehen habt.
Ihr müsst auf jeden Fall mit ihr und dem Dolch zurückkehren, sonst war alles vergebens!?
?Wartet. Ich werde mich auf keinen Fall so einer leichtsinnigen Sache wie der Magie ausliefern.? protestierte Anthros.
Aber das Beben in seiner Stimme ließen die Worte nicht so bestimmt klingen wie er es gern gehabt hätte.
In diesem Moment erschien hinter ihm in einer blauen Rauchwolke einer der zungenlosen Bogenschützen und hatte seinen Pfeil schon auf ihn angelegt.
Abaris riss die Faust hoch und schon jagten daraus die bereits bekannten schwarzen Schlieren wie gesteuerte Rauchschwaden auf den Kikorangi zu.
Im Bruchteil einer Sekunde hatten sie den Zungenlosen erreicht und krochen ihm in Mund und Nase.
Sein ganzer Köper schien in einer Explosion aus Licht zu zerbersten.
Die Haut platzte an verschiedenen Stellen wie eine zu lang gekochte Wurst auf, begleitet von einem übelerregenden Gestank von verkohlendem Fleisch.
Aus den Hautrissen kroch ein schwärzlicher Rauch, der sich über den schon leblosen Körper wie eine dunkle Wolke formierte.
Eine Sekunde blieb das wabernde Gebilde über der Leiche schweben, dann öffnete Abaris ihre Faust schlagartig und der ganze Spuk verschwand mit einem trockenen Knistern.
?Wollt ihr es euch nicht lieber noch einmal überlegen, Gelehrter??
Wieder sprach Abaris mit der fremden Stimme und ihre schwarzen Augen fixierten Anthros, der mit einem sehr bleichen Gesicht ohne Antwort schleunigst in den Kreis zu Jason trat.
?Nun möge die Reise beginnen.
Wenn eure Aufgabe erfüllt ist, sucht Hilfe bei den Anlon Dubh in Kor.
Doch denkt auch dort daran, die Linie darf nicht verändert werden.
Denkt an meine Worte, ein Fehler von euch kann die Arbeit von drei Jahrhunderten Vernichten.?
Jason hörte die letzten Worte kaum.
Sein Blick war an den toten Zauberkrieger geheftet und endlich wurde ihm klar, wo er schon ähnliches gesehen hatte.
So waren die Toten zugerichtet gewesen, die er vor einigen Tagen am See bei dem umgestürzten Karren gesehen hatte.
Dort wo diese ganze verrückte Geschichte begonnen hatte.
Doch bevor er seine Gedanken richtig greifen konnte, spürte er schon wie der Boden unter seinen Füßen verschwand und er mit seinen Gefährten in einen roten Tunnel gesogen wurde.

Julia D. am: 22. April 2003

Ein Tanz aus Farben, Formen und Lichtblitzen umschloss ihn. Für einen kurzen Augenblick fühlte Jason sich, als ob er auf dem Kopf stehen würde. Das Blut schoss in seinen Kopf und sein Magen schien sich umzudrehen. Eine Brise die unerwartet eiskalt wurde durchzog seinen Körper. Dann zog es ihn kräftig nach unten, als ob man ihn am Hosenbein gepackt hätte und hinunter riss. Plötzlich wurden die ganzen Eindrücke von grellem Licht verdrängt und klare weiche Luft ersetze den schweren Raum, in dem er zuvor war.
Die Landung war diesmal nicht ganz so unsanft wie die letzte Reise die er so angetreten war. Jason landete auf dem Bauch und starrte auf weiches Moos. Er hörte ein kurzes Aufstöhnen, als die Kriegerin neben ihm landete.
Als Jason hoch sah starrte er in eine grelle Mittagssonne. Er nahm das Plätschern von Wasser wahr und ein monotones Geräusch, das wie Kies klang. Es wurde langsam aber offensichtlich lauter.
Die Kriegerin blieb erst regungslos, richtete sich dann fast zeitlupengleich auf. Es war als würde sie aus einem langen Schlaf erwachen und die Welt um sich neu kennen lernen. Ihr Haar lag strähnig an ihrem Kopf und schimmert feucht in der Sonne.
Marix sah ihn mit großen Augen an. Sie wurde kreidebleich und der Schweiß stand ihr auf der Stirn. Jason kniete neben ihr nieder und sah sie etwas kritisch an. ?Ist alles in Ordnung??, fragte er etwas unsicher. Er griff nach ihren Fesseln und löste sie vorsichtig. Ihre Hände und Beine zitterten und es dauerte nicht lang bis ihr ganzer Körper von einer Welle erpackt wurde, als wenn sie ein Erbeben durchziehen würde. Sie verkrampfte sich und er erkannte in ihren Augen den Wunsch nach dem Tod. So deutlich, wie er sie sah, so genau stand es in ihren Augen geschrieben. Jason griff nach ihr und legte sie vorsichtig auf den Rücken. Die Kriegerin hatte ihre Zähne fest zusammen gebissen. Ihr Haar klebte an ihrer Stirn und Jason meinte eine Träne zu sehen, die ihre Wange herunter lief.
?Ich??, stotterte er und sah verzweifelt umher. Wo war Anthros? Er wusste, dass sie nicht sterben durfte, auch wenn sie weniger wert war als eine Fliege. Und er wusste, dass es seine Aufgabe was sie zu schützen. Sie war die Auserwählte. Aber er brauchte sein kostbares Geschenk. Wer weiß, wie lange und wie viel er davon benötigte? Wer weiß, wie lang seine Reise war und wie oft der Fluch ihn einnehmen würde? Und seit wann wurde das Leben eines guten Mannes, wie er es war, über das Leben eines wertlosen Gausun gestellt? Sie tötete mit vergnügen Drachen und schien den Ernst der Lage überhaupt nicht zu verstehen.
Jason sah sie an. Ein unwohles Gefühl suchte ihn heim. Hatte er sich nicht schon mal gefragt, wann er alles um sich rum so abgeschottet hatte? Gausun hin oder her. Sie war immer noch ein Lebewesen. Er hasste sie und ihr Volk über alles und seinen Drang diese zu töten, lag noch weiterhin in ihm, aber dies war was anderes. Diesmal musste er einstecken. Auch wenn es ihm widerstrebte.
Er beobachtete wie ihre Lippen sich langsam öffneten und ein leiser Hauch an warmer Luft sanft seine Wange streichelte. Er hasste sie mit jeder Faser seines Körpers!
?Mist??, murmelte er und griff nach seiner kleinen Karaffe. Er schüttete ihr vorsichtig etwas in den Mund. ?Trink das? es wird dir gut tun. Nichts verschütten? alles trinken.? Er hob etwas ihren Kopf an und konzentrierte sich darauf nicht zuviel abzugeben.
Sie trank. Nachdem sie auch den letzten Tropfen von ihrer Lippe abgeleckt hatte, entspannte sich ihr Körper. Sie holte tief Luft und schloss die Augen. Dann sagte sie leise: ?Seit ihr ebenfalls der Magie mächtig??
?Ich??, fragte Jason verwirrt und ließ ihren Kopf unsanft fallen. Er setzte gerade an, um aufzuklären, als ein Lächeln seine Lippen umspielte. ?Ja, ich verstehe mich in der Kunst des Heilens? ich kann Zaubermixturen bereiten, die jedes menschliche Wesen heilen. Ich kann aber auch Gifte brauen, die einem die Augäpfel rausquellen lassen!? Er fand langsam gefallen daran. ?Ein Tropfen davon auf die Haut und ihr werdet mit riesigen, schmerzhaften Pusteln überseht?? Seine Stimme wurde lauter und Marix Blick ängstlicher. ?Nehmt euch in Acht? ich bin nicht immer in guter Stimmung.?
Schließlich richtete er sich auf. Beide schwiegen und Jasons Aufmerksamkeit galt wieder diesem Geräusch, das stetig näher kam. Marix lag bereits auf der Seite und horchte, wie er, auf das Geräusch. ?Pferde??, flüsterte sie. In dem Moment, wo sich ihre Blicke trafen, kam auch Anthros an. Er landete laut ein, zwei Meter von ihnen weg. Sein Helm rollte über die weiche Wiese und wurde von einem kleinen Stein mit einem leisen Geräusch gestoppt.
Endlich hatte Jason Zeit sich richtig umzusehen. Eine Lichtung. Nicht sonderlich groß. Durch die Bäume schimmerte ein kleiner Bach, in dem sich in tausend kleinen Sternchen das Licht brach. Die Sonne stand im Zenit und nicht ein Lüftchen wehte. Auf der anderen Seite wurden die Bäume lichter und Jason stellte fest, dass sie sich an einem Waldrand befanden. Deutlich konnte er den Weg erkennen, der sich durch den lichten Wald schlängelte.
Anthros stand fluchend auf und sein Kettenhemd klimperte ununterbrochen. ?Verdammte Magie! Ich weiß, warum ich der Wissenschaft verfallen bin! Ich hätte mir was brechen können?? Er schwieg und horchte ebenfalls. Jason drehte sich zu Anthros um und sah ihn, mit den Armen in der Hüfte gestützt, an. Sein Blick glitt zu Marix, die sich fast lautlos aufgerichtet hatte. ?Pferde?, wiederholte sie. ?Aber wer seit ihr??, fragte sie kritisch in Anthros Richtung.
?Ein Freund?, antwortete Anthros abwinkend und fummelte an seinem Hemd herum.
Sie sah Jason an, der wiederum ihren Blick erwiderte. Anthros hatte sich von dem Kettenhemd befreit und zog es unachtsam hinter sich her. ?Wir müssen uns verstecken! Entdeckt man uns, verändern wir die Geschichte. Wir wissen noch nicht viel über diesen Ort. Ich weiß nicht, wie frei wir uns bewegen können! Ich weiß nicht, wie ihre Kleidung ist! Ob wir uns abheben von den anderen.? Er sah zwischen den beiden hin und her und drehte sich schließlich aufgeregt um. ?Da!?, sagte er und zeigte auf ein Gestrüpp. ?Wir verstecken uns da!? Er hob seine Robe etwas an und lief schnell zu dem Gestrüpp herüber. Jason lief auf die Kriegerin zu und packte sie am Oberarm. Er zerrte sie unsanft zu dem Gestrüpp und schupste sie Anthros entgegen.
Bereitwilliger, als er vermutete hatte, legte sie sich neben den Gelehrten und schwieg. Jason tat es ihnen gleich und starrte wie gebannt auf den Pfad. Sie lauschten dem Geräusch, das sich immer mehr als Pferdehufen heraus kristallisierte. Jasons Blick schweifte ein letztes Mal über die Wiese und plötzlich machte sein Herz einen Sprung. Der Helm.
Anthros Helm lag keine fünf Meter von dem Weg entfernt. Jason dachte nicht nach, als er aufsprang und zu dem Helm hinsprintete. ?Jason!?, rief der Gelehrte ihm aufgeregt hinterher und streckte aus Reaktion seine Hand aus. ?Jason! Du Narr! Komm zurück!?
Er hörte nicht. Er griff nach dem Helm und das Unglück geschah. Er nahm wahr, wie nah die Pferde waren und er konnte sogar das leise Klirren der Reiter hören, das wohl von Kettenhemden ausging, sowie das Schnaufen eines der Tiere. Sein Atem stockte, als er nach dem Helm griff. Als er die Kurve nahm, rutschte er aus und fiel unsanft auf seine Hüfte und schlug ausgerechnet mit der Wunde am Bein auf den Helm auf.
Jason war kurz benommen, als er den Schmerz spürte und starrte auf das saftige Gras. Als er sich aufrichtete, sah er zu Anthros herüber, dessen Gesicht kaum durch das Gestrüpp zu erkennen war. Allerdings konnte Jason sehen, dass das Gesicht seines alten Freundes nicht zu ihm gewandt, sondern wie gebannt auf den Weg starrte. Jason wusste, dass es zu spät war. Er würde sie verraten. Also tat er das einzige Vernünftige. Er warf den Helm so weit er konnte in die kleine Ansammlung an Bäumen, wo er wie durch ein Wunder fast lautlos liegen blieb.
Schließlich drehte er sich um und zuckte zusammen, als er den braunen Kopfes eines Pferdes sah. Wieder einmal blieb er wie angewurzelt stehen und wartete ab. Sein Puls beschleunigte und das Blut wurde in seinen Kopf gepumpt.
Dann ritt laut ein Trupp Soldaten an ihm vorbei. Jasons Augen folgten den Reitern. Einer nach dem anderen ritt ohne ihn wahr zunehmen an ihm vorbei. Sie starrten wie gebannt auf den Weg vor ihnen. Nur der letzte drehte seinen Kopf kurz zur Seite und sah Jason an, aber er ritt ungehindert weiter. Er schien sich nicht für ihn zu interessieren. Dann waren sie verschwunden.
Jason atmete aus und drehte sich zu dem Gestrüpp um. Anthros richtete sich auf und kam auf ihn zu. Sein Schritt war fest und zügig und sein Blick verriet Jason den Zorn, der in ihm brodelte. ?Welcher Teufel hat euch geritten, ihr Idiot??, begann er in einem schrecklich ruhigen Ton.
Jason Holte Luft und sagte: ?Ich dachte der Helm, wenn sie den Helm gesehen hätten, dann??
?Wie konntet ihr so leichtsinnig sein? Was ist auffälliger? Ein kleiner Helm im Gras oder ein merkwürdiger Mann im Gras?? Diesmal schrie er. Jason stütze seine Hände in seine Hüfte und sah zu Boden. Ja, er war ein Narr gewesen.
?Ihr habt Glück, dass eure Kleidung nicht sehr auffällig ist. Wenn der Reiter, der euch gesehen ha,t nicht Verdacht geschöpft hat! Vielleicht haben wir schon die ganze Geschichte geändert!?, fluchte Anthros und klopfte fest gegen Jasons Brust. ?Und nun kommt! Wir folgen dem Bach? Wenn mich nicht alles täuscht und diese Magie mir nicht mein Hirn zerbröselt hat, dann sind wir ganz in der Nähe von Bramar.? Er lief voran. Jason fasste Marix, die inzwischen bei ihnen stand, wieder unsanft am Oberarm und folgte ihm.
?Bramar??, fragte er.
Anthros lief erst ein paar Schritte, bevor er antwortete. ?Ja? dieser Bach wird später nach einer Überschwemmung zu einer Moorlandschaft und außerdem?? Er blieb am Bachufer stehen und zeigte auf die andere Seite. ??ist da vorne die alte Ruine. Sie ist mir vorhin aufgefallen, als ich mich ins Gestrüpp gelegt hatte.?
Jasons Griff lockerte sich, als er voller Staunen die ganze Pracht der Ruinen sah. Anthros? Zorn über Jasons Aktion ließen ihn die vollkommene Schönheit vor ihm vergessen. Er hob wieder seine Robe an und stapfte ungehindert durch den kleinen Bach.
Marix befreite sich von Jasons Griff und lief zwei schnelle Schritte. Jason erschrak, griff nach ihr, verpasste sie aber und wäre beinnahe vorne über in den Bach gefallen, wenn er nicht einen Ausfallschritt hinein ins Wasser getan hätte. Ein kurzer Schmerz durchzog sein Bein. Er sah der Kriegerin nach, die ungehindert hinter Anthros her ging. Schließlich folgte er den beiden auf den riesigen Bau zu. Er musste aufmerksamer sein. Wenn die Auserwählte in der Vergangenheit verloren ging, ging auch die ganze Welt, so wie er sie kannte, verloren.

?Fantastisch?, schwärmte Anthros leise. Der Weg über den kleinen Bach, hatte ihn den Zorn vergessen lassen. Nun stand der Gelehrte wie ein kleines Kind, keine hundert Meter vor den riesigen Titanzahn, den Jason nur als alten Steinklotz in Erinnerung hatte.
Die Magie und Faszination, die von diesem Ort ausging, zog Jason förmlich an. Am liebsten wäre er ungehindert in den gigantischen Hof gerannt, hätte die einzelnen Muster und Zeichen untersucht und versucht zu deuten. Es war wie ein Sog, der ihn mit riss.
Jason lief weiter und starrte mit großen Augen auf die Bauten, die in nächster Zukunft zu vergessenen Ruinen zerfallen würde. Nun aber war es eine lebende Stadt. Die Gebäude waren wunderschön und gepflegt, der Steinboden bestand aus verzierten Platten und man konnte förmlich die Arbeit und das Treiben riechen. Bramar lag in voller Pracht und zum greifen Nahe vor ihnen und empfing sie mit offenen Armen.
Die harte knochige Hand seines Lehrers packte ihn an den Schultern und zog ihn ruckartig zurück. Jason drehte sich um und warf Anthros einen bösen Blick zu. Als er jedoch das tief in Falten liegende Gesicht sah, beruhigte er sich schnell. Er zog die Augenbrauen hoch und wartete ab, was er ihm zu sagen hatte.
?Es mag sein, dass eure Kleidung nicht sehr auffällt. Aber ein Gelehrter in einer Robe und eine Frau in Kriegskleidung aus Leder, dürften schnell für Aufmerksamkeit sorgen. Also lasst es uns langsam angehen. Zuerst brauchen wir Kleidung. Und wir brauchen sie, ohne die Geschichte dabei zu ändern. Also keine Überfälle oder ähnliches!? Er warf Jason sowie Marix einen strengen Blick zu. ?Und nun folgt mir. Wir werden schon was finden.?
Sie gehorchten. Anthros lief auf die Bauten zu, mit diesem ruhigen und erforschenden Schritt. Schließlich hielt er an und hob seine Hand. Seine Finger zuckten etwas und Jason musste zum ersten Mal feststellen, dass das Alter nicht spurlos an seinen Freund vorbei gezogen war.
Er sah zu dem riesigen Hof und trat einen Stück weiter vor. Die Kriegerin wollte ihm folgen, aber Jason hielt sie diesmal sanft am Arm fest. Sie drehte sich um, sah erst auf Jasons Hand und dann ihn an. Sie nahm seine Aufforderung wortlos hin und verharrte.
Anthros beobachtete etwas, was für Jason und Marix nicht zu erkennen war. Dann trat er auf sie zu und begann sofort mit seinen Erklärungen. ?So wie es aussieht, existiert nur der eine Weg nach Bramar. Und der führt die Strasse lang. Nun, da die Strasse noch genutzt wird denke ich nicht, dass es besonders schlau wäre da lang zu gehen. Der andere Weg führt durch den Titanzahn. Es ist so eine Art unterirdischer Tunnel.? Er holte kurz Luft und fuhr fort. ?Allerdings ist er bewacht? und ich habe keine Möglichkeit gesehen, wo wir neue Anziehsachen herbekommen könnten. Wir müssen bis Bramar warten, bevor ich uns was zum bekleiden besorgen kann.?
Jason überlegte kurz. ?Aber wie sollen wir dann an den Wachen vorbei kommen??
?Wir schlagen sie ko.? Marix zuckte mit den Schultern, als die beiden sie überrascht ansahen.
?Damit erregen wir viel zu viel Aufmerksamkeit?, sagte Anthros ruhig und legte seine Stirn in Falten. ?Wir brauchen eine Ablenkung. Oder ich versuche mit ihnen zu reden.? Der Gelehrte fiel in eine Art lautes Denken und setzte einen starren Blick auf. ?Und vor allem müssen wir euren Namen wissen! Wenn etwas ist dann müssen wir sie rufen oder vorstellen können.? Anthros sah Marix an uns wartete geduldig.
Sie verschränkte die Arme und sah nervös zwischen den beiden hin und her. ?Marix?, sagte sie vorsichtig. Anthros nahm die neue Information mit einem Nicken wahr, während Jasons Lippen ein Lächeln umspielte.
?Ein typischer Gausun Name? Niemand würde sein Kind so nennen?, sagte er leise zu dem Gelehrten. Dieser warf Jason einen kleinen desinteressierten Blick zu und verfiel wieder in einen Gedankenschwall. ?Mein Name ist Anthros. Und der stramme junge Mann dort heißt Jason. Mehr braucht ihr vorerst nicht wissen?, stellte der Mann vor. Marix nahm es schweigend hin.
Nach kurzer Zeit des Schweigens sagte Jason: ?Wir könnten uns als eine Art Marktdarsteller ausgeben. Wir sagen, wir kommen von weit her, haben uns verlaufen. Das würde die Kleidung klären und man würde sich nicht für einen eventuellen Akzent interessieren.? Er sah in die Runde und wartete ab bis Anthros nickte. ?Ein Versuch ist es wert?, sagte er knapp und lief zielstrebig auf den Eingang im Titanzahn zu.
Jasons Schritt war fest und er versuchte so gut wie möglich unauffällig zu sein. Kein leichtes Unterfangen, wenn man bedenkt, dass er mit einer Frau in Lederkluft und einem alten Mann in einer Robe begleitet wurde. Zudem war Anthros Haar von dem Helm zerzaust und das Kettenhemd hatte seine Robe etwas zerknittert.
Die Soldaten sahen den dreien nach, schwiegen und warfen ihnen argwöhnische Blicke zu. Es mochten vielleicht sieben oder acht Stück sein. Auch die Reiter waren dabei. Die Pferde grasten weiter weg und vereinzelt war ein leises Schnaufen zu hören. Besonders der Blick des Reiters, der ihn zuvor gesehen hatte, setzte Jason zu. Anthros setzte ein Lächeln auf und hob grüßend die Hand, als er auf die Wache am Eingang zuging.
?Ich grüße Euch, meine Herren!? Er kam etwa ein Meter vor den Wachen stehen, die ihn ohne eine Miene zu verziehen ansahen. ?Meine Freunde und ich wollten nach Bramar. Wir sind vom Weg abgekommen.? Bevor er weiter sprechen konnte, hob eine der Wachen seine Hand und befahl ihm so wortlos still zu sein. Er sah zu seinem Kollegen und besprach sich chnell und undeutlich mit ihm. Dann sagte er etwas in einem für Jason fast gar nicht verständlichen Akzent. Es klang wie eine Mischung aus Nuscheln, mit vollem Mund sprechen und Räuspern. Die Betonungen schienen eine besondere Rolle zu spielen in dieser Zeit. Der Soldat wurde oft lauter und dann wieder leiser. Jason hatte das Gefühl, das der Soldat gar nicht seine Lippen auseinander bekommen würde. Anthros hörte zu und lächelte.
?Was hat er gesagt??, fragte Jason ihn und beugte sich etwas vor.
?Nun, er spricht untypisch undeutlich. So eine Art Armenaussprache. Also?, begann der alte Mann, ?ich bin mir nicht sicher. Entweder hat er gefragt was wir in Bramar wollen oder ob wir ein Huhn kaufen wollen?? Jason zog eine Augenbraue hoch und sagte: ?Sagen sie, wir nehmen zwei.? Ein breites Grinsen legte sich auf sein Gesicht nieder und sein Magen schien den Witz gar nicht zu verstehen und meldet sich laut.

Mes Calinum am: 25. April 2003

Selbst die Soldaten nahmen das gurgelnde Geräusch von Jasons Magen wahr. Marix hielt sich die Hand vor den Mund und kicherte, was dazu führte, dass sie sich tadelnde Blicke von Jason und Anthros einfing, die ihr damit zu verstehen gaben, augenblicklich still zu sein.
Der Gelehrte atmete tief durch und wandte sich dann an die Soldaten.
Aus seiner Kehle formten sich Laute, die denen des Soldaten nicht annährend nahe kamen, dennoch hörte dieser aufmerksam zu und schwieg bis Anthros zu Ende gesprochen hatte. Erst dann beriet er sich mit den anderen und antwortete.
Jason lauschte den Worten ungeduldig.
?Und??, platze er heraus, nachdem der Soldat geendet hatte.
?Ich vermute, dass sie uns soeben zu einem Fest in Bramar eingeladen haben.?
Jason hob überrascht die Augenbrauen.
?Seit Ihr Euch auch sicher, dass sie ein Fest meinen und nicht eine Hinrichtung, ...zum Beispiel unsere??
?Nun, ich hoffe, dass Schausteller in diesen Tagen nicht sofort hingerichtet werden. Ich habe mir erlaubt zu erwähnen, dass wir gerne in Bramar bei den Festlichkeiten auftreten würden, um unsere Tasche aufzufüllen und Euer knurrender Magen scheint ihr Mitleid erweckt zu haben.?
Der Gesichtsausdruck von Jason verdunkelte sich, aber er verzichtete auf eine unangebrachte Bemerkung.
?Habt Ihr auch daran gedacht, dass keiner von uns dreien je das Handwerk eines Schaustellers erlernt hat? Jason warf Marix einen fragenden Blick zu und sie bestätigte seine Vermutung mit einem Nicken.
?Und woher wollt Ihr eigentlich wissen, dass es Festlichkeiten in Bramar gibt??
?Lieber Jason, Ihr enttäuscht mich. Habt ihr die rote Schleife nicht bemerkt, welche die Soldaten an ihren Schultern zu Ehren des Baldurfeuers tragen??
Jason warf einen flüchtigen Blick auf den Soldaten, der ihm mit einem besonnen Lächeln beantwortet wurde. Er nickte flüchtig zurück.
?Mir ist bei dem Gedanken nicht wohl?, sagte er dann.
?Ich schließe mich Anthros an, auch wenn ich nicht im geringsten Sinne weiß, was hier vor sich geht, aber ich habe Hunger...?, mischte Marix sich jetzt ein, ?und wir sind erschöpft. Auf diesem Wege würden wir uns nicht nur Geld für ein gutes Essen beschaffen, sondern hätten auch ein angenehmes Nachtlager. In unserem Zustand wären wir dumm, wenn wir das Angebot ausschlagen.?
?Marix ist im Recht Jason.? Anthros wandte sich ohne Jasons Antwort abzuwarten an die Soldaten.

?Ich habe Gausun schon in einem weitaus schlimmeren Zustand überwältigt?, sagte Jason, während sie den Reitern auf dem direkten Weg nach Bramar folgten. Marix Blick fixierte ihn eingehend bei diesen Worten.
?Ich fühle mich großartig?, protzte er weiter.
?Jason Ihr ward jung, verbittert und von Rache getrieben. Man entwickelt zu solch tragischen Zeiten einige äußerst beachtliche Fähigkeiten. Aber vergesst nicht, dass einige Jahre seitdem vergangen sind. Ihr tragt eine Verletzung, die nicht nur Euch, sondern auch mir und Marix, das Leben nehmen kann, wenn Ihr nicht gewissenhaft handelt.?
Jason betrachtete bei diesen Worten besorgt die Wunde, welche die alte Abaris der Gausunkriegerin zugefügt hatte.
?Versucht Euch daran zu erinnern, wer ihr in den letzen Jahren gewesen seid und welche Verantwortung auf Euch ruht. Ihr scheint mir in letzter Zeit ein wenig voreilig zu handeln.?
Dann wurde die Aufmerksamkeit des Gelehrten auf Bramar gelenkt, als sie letztendlich die Stadttore passierten.
?Wer hätte je erahnen können wie wunderschön diese Stadt einst war?, sagte Anthros voller Bewunderung, und es schien, als hätte er Jasons Gerede bereits vergessen.
Und wartet nur bis das Volk uns mir Eiern bewirft, wenn sie erkennen, dass wir keine Schausteller sind, dachte Jason sich, während sein Blick dem von Marix und Anthros folgte, die mit Staunen auf den majestätischen Turm der Stadt empor blickten.

Auf den Straßen der Stadt herrschte emsiges Treiben. Es gab zahlreiche Stände, auf denen frisches Gemüse, Getreide und Obst angeboten wurden. Die Bewohner schienen guter Dinge zu sein - das nahm Jason zumindest an. Diesem fiel das ein oder andere besorgte Gesicht nicht auf und ebenso entging ihm, dass einige Greise ihre Köpfe zusammen steckten und aufgeregt tuschelten.
Kaum einer schien sich für die ungewöhnliche Kleidung der Neuankömmlinge zu interessieren, so liefen doch einige weitere Schausteller ebenfalls in auffälligen Trachten umher.
Nachdem Marix und Jason Anthros dazu überreden konnten seine Aufmerksamkeit von dem Titanzahn auf ihre eigentliche Aufgabe zu lenken, zog es sie weiter die Straße entlang und noch tiefer in die Stadt hinein.

Aus der Nähe einer Bühne drang schallendes Gelächter.
Anthros trat selbstbewusst auf einen alten Mann zu und unterhielt sich stockend mit ihm. Ganz offensichtlich organisierte er den unterhaltenden Teil des Festes.
Nach einiger Zeit kam er zu Jason und Marix zurück, die gebannt einem Bühnenstück folgten, obwohl sie kaum ein Wort verstanden. Doch dass der Tod nach wie vor die größte Belustigung der Völker zu sein schien, war unübersehbar.
?Wir werden nach unserem Auftritt drei Silberlinge erhalten. Das sollte uns nicht nur mit Proviant versorgen, sondern uns auch ermöglichen neue Kleidung zu erwerben.?
?Und was genau gedenkt ihr vorzuführen??, fragte Jason noch immer misstrauisch.
?Einen unsterblichen Klassiker der Geschichte unseres Landes natürlich.?
Ein unangenehmes Gefühl breitete sich in Jasons Magengrube aus.
?Nicht die Tragödie vom Henker und der Prinzessin??
?Aber Ihr kennt dieses Stück auswendig! Jeder im Letus-Tal kann sie rezitieren wie im Schlafe.?
?Und Ihr gedenkt natürlich den König zu spielen??, antwortete Jason spitz.
?Ich bin ein alter Mann, Jason. Mit gesteht eine Rolle zu, die meiner würdig ist.? Er richtete amüsiert seinen Hemdkragen auf.
?Es tut mir leid, wenn ich Eure Unterredung unterbrechen muss, aber ich bin mit diesem Stück in keiner Weise vertraut?, sagte Matrix.
?Das verwundert mich nicht?, antwortete Jason und verschränkte die Arme.
?Es wird Euch gefallen. Es geht um die wunderschöne Prinzessin Larka. Sie wurde beschuldigt ihre Mutter getötet zu haben, die grausame Königin Tirania. Der König erzählt das Stück aus seiner Sicht, so braucht Ihr nur nach seinen Worten zu agieren. Tut nichts weiter, als einige Male auffällig in Ohnmacht zu fallen. Jason wird Euch auffangen.?
?Nur vergesst Ihr dabei nicht eine Winzigkeit? Die Kleidung unserer Marix sieht keineswegs wie die einer Prinzessin aus.? Jason blickte dabei ironisch auf ihren mit Blut bespritzen Lederharnisch. ?Und Eure nicht wie die eines Königs?, bemerkte er weiter.
?Oh, lasst das nur meine Sorge sein?, sagte Anthros und verschwand.
Marix und Jason blickten sich kurz an und wandten sich dann, ihren eigenen Gedanken nachhängend, den Schaustellern zu.

Nach wenigen Minuten kam Anthros mit einigen Kleidungsstücken zurück.
?Von wem habt Ihr die Sachen gestohlen??, fragte Jason entsetzt.
?Doch nicht gestohlen, geborgt!? Anthros war offensichtlich stolz auf seine Tat und reichte Marix ein simples Gewandt aus Leinen, das die Kriegerin mit einem fassungslosen Blick betrachtete.
?Ich bin keine Edeldame, sondern eine Gausunkriegerin. Ich werde solche Kleider in meinem ganzen Leben nie wieder tragen?, zischte sie laut.
?Wollt Ihr Euch wohl zurückhalten?, fauchte Jason warnend, warf ihr aber einen überraschten Blick zu. Dann beäugte er allerdings die Henkerskapuze, die er sich über den Kopf ziehen sollte, ebenso abfällig.

Der Mann, mit dem Anthros sich zuvor unterhalten hatte, kam zu ihnen und wandte sich an den Gelehrten.
?Es sieht so aus, als wären es Zeit unser Debüt zu geben?, sagte Anthros, dem der Gedanke sichtlich Spaß zu machen schien.
?Versucht einfach nach meiner Erzählung zu handeln.?
Anthros trat auf die Bühne und hielt eine kurze Ansprache und Jason überkam der Gedanke, wie der Gelehrte die unterschiedlichen Dialekte überbrücken wollte. Doch seine Besorgnis war unbegründet, denn der Gelehrte gab sich große Mühe zwischen beiden Dialekten in regelmäßigen Abständen zu wechseln.
?Es war das zweite Zeitalter unserer Geschichte, als Prinzessin Larka, die Tochter der Königin Tirania, eine grausame Tat begann.?
Anthros winkte Marix zu, die seine Geste missverstand, so dass Jason ihr einen Stoß versetzen musste. Die Gausunkriegerin stolperte auf die Bühne hinaus und verneigte sich kurz.
Einige Bramaraner tuschelten hinter vorgehaltenen Händen, andere lachten leise.
?Im Schlafe tötete sie ihre Mutter aus Rache über ihre Vermählung mit einem hässlichen, alten Edelmann von 63 Jahren.?
Marix zuckte mit den Schultern und sah sich hilflos um. Anthros griff nach einem Sack, der ihm eigentlich als Thron dienen sollte, jetzt aber eine Leiche darstellen musste und warf ihn Marix vor die Füße. Staub wirbelte auf und die Kriegerin musste laut husten.
Von der Menge waren einige missbilligende Rufe zuhören, als Marix sich endlich niederkniete und mit einigen geschickten Handbewegungen so tat, als würde sie immer wieder auf die Leiche einstechen.
?Als die Prinzessin die Leiche ihrer Mutter beseitigen wollte, wurde sie von ihrem Vater dem König überrascht - ein gerechter, ehrenhaft Mann, der das Verhalten seiner Tochter nicht billigte und augenblicklich die Wachen rief, um sie abführen zu lassen.?
Jason übernahm kurzerhand die Rolle der Wache, die er bereits seit seinem Besuch in Faurin perfekt beherrschte und schubste Marix vor sich her.
?Schließlich kam der Tag, an dem die Verurteilung der jungen Prinzessin durch ihren eigenen Vater erfolgte. Sie gab einen Anblick des Jammers ab und flehte ihren Vater auf Knien an, er möge doch barmherzig zu ihr sein. Doch sie eroberte nur das Herz des jungen Henkers, der Mitgefühl mit der leidenden Prinzessin zeigte. Als der Vater das Todesurteil verkündete, war es der Henker, der die ohnmächtig werdende Prinzessin auffing und sich rührend um sie kümmerte.?
Marix ließ sich steif in Jasons Arme fallen und musterte ihn dabei mit einem Blick, der ausdrückte, dass sie ihn töten würde, wenn er sie fallen ließ.
Doch Jason sank sanft mit ihr zu Boden und vergaß beinahe, dass ihnen zahlreiche Bürger aufmerksam zusahen, wenn ihn nicht plötzlich etwas Hartes am Kopf getroffen hätte.
Ein Raunen ging durch die Menge und als Jason sich in sein Haar fasste, blieb eine klebrige Masse aus Eigelb und Eierschalen an seinen Fingern zurück.
Er drehte sich wütend um und stellte überrascht fest, dass keiner der Bewohner von Bramar dem Geschehen auf der Bühne mehr folgte.
Alle starrten gebannt auf einen Wirbel von Wolken, der sich in rasender Geschwindigkeit über der Stadt zu bilden begann. Ohne es recht zu bemerken, zog Jason Marix in die Höhe und warf ihr einen besorgten Blick zu.

Drachenlord am: 6. Mai 2003

Durch den groben Leinenstoff spürte er, wie jeder Muskel ihres Körpers sich spannte.
Mit weit aufgerissenen Augen fixierte sie das Spektakel am Himmel, aus ihrem Mund kroch ein kaum hörbares Wort: „Habiradis!“
Jason reagierte eine Sekunde zu spät.
Die Kriegerin riss sich los, sprang von der Bühne und rannte mit hochgezogenem Kleid auf das rotglühende Zentrum des Wirbels zu, der sich außerhalb der Stadt befand.
„Verdammt!“, entfuhr es Jason.
Schnell sprang er ebenfalls von dem Holzgestell, um ihr hinterher zu jagen.
Er rutschte auf den Überresten eines geworfenen Eies aus und schlug mit den Beinen unsanft gegen die Deichsel eines Karren, der vor der Bühne stand.
Ein scharfes Brennen jagte durch sein Bein und ließ ihn in die Knie gehen.
Seine Hand fuhr zu der schmerzenden Stelle an seinem Oberschenkel, der Stoff seiner Hose fühlte sich feucht an.
Als er die Hand wieder hob, sah er den dunklen Fleck, der sich dort ausbreitete.
Die Dolchwunde war wieder aufgerissen.
Sie hatte ihm solange keine Schwierigkeiten gemacht, dass er sie fast vergessen hatte.
Fluchend rappelte er sich auf und versuchte Marix einzuholen, aber unter den Schaulustigen, die bisher wie gelähmt nach oben gegafft hatten, brach in diesem Moment die Hölle los.
Panisch schreiend stürmte die Menschenmenge durcheinander, rempelte und riss alles nieder, was ihnen in den Weg kam.
Verzweifelt kämpfte Jason gegen die wilde Menge an, wurde von ihnen mal in diese, mal in jene Richtung gedrängt.
Er wurde geschupst, gestoßen, ziellose Fausthiebe trafen ihn.
Sein Bein fühlte sich an, als hätte sich ein zorniges Tier darin festgebissen, machte jeden Schritt zur Qual.
Schnell wurde aus der versuchten Verfolgung ein Kampf ums Überleben.
Jason wusste, wenn er stürzte und unter die trampelnden Füße der Bramaraner kam, würde dies das letzte sein, dass er in dieser Welt zu sehen bekam.
Mühsam drängte er sich zu einem der Marktstände durch und suchte hinter dem umgeworfenen Tisch Schutz.
Das zerbrochene Tongeschirr des Händlers knirschte unter seinen Stiefeln, als er dort sicheren Halt suchte und über den Rand seiner wackligen Barrikade hinüber zur Bühne spähte.
Anthros war verschwunden.
Hatten sich denn alle Götter und Dämonen gegen ihn verschworen?
Erst die Gausun und nun auch noch Anthros, der Wahnsinn in dieser Stadt schien vor seinem Leben und seiner Aufgabe nicht Halt zu machen.
Hatte der Drache dies gemeint, als er sagte, das sei der Ort, an dem der Wahnsinn begann?
Er musste seinen Lehrmeister finden und hier rausholen, schnellstens!
Er spannte sich und machte sich bereit, bei der nächst günstigen Gelegenheit aus seinem Versteck zurück zur Bühne zu stürmen, als aus dieser Richtung ein Fuhrgespann durch die Menge toste.
Der Rappe jagte in heller Panik durch die Menschen, die wie aufgewirbelte Kiesel vor den donnernden Hufen kreischend auseinander fegten.
Der kleine Karren hinter dem Pferd hüpfte und schwankte über den holprigen Boden wie ein Schiff in einem Orkan und auf der nach hinten offenen Plattform des Karren lag Anthros, krampfhaft halt an den glatten Holzwänden des Gefährts suchend.
Jason verlor keine unnötige Sekunde.
Sein schmerzendes Bein missachtend stürzte er hinter dem Tisch vor und rannte so schnell er konnte auf den Wagen zu.
Einem Bramaraner, der ihn in seiner hektischen Flucht fast umgerissen hätte, rammte er seine Faust gegen die Schläfe, einen zweiten blockte er mit einem schnell hochgerissenen Ellenbogen ab.
Die Angst um das Leben seines ältesten Freundes verlieh ihm neue Kräfte, ließ ihn alle Vorsicht und Skrupel vergessen.
Er hielt genau auf das durchgedrehte Tier zu, machte im letzten Moment einen Schritt zur Seite und sprang.
Seine Hände verfehlten das Zaumzeug knapp und krallten sich in der Mähne fest.
Der Rappe quittierte dies nur mit einem wütenden Wiehern und wurde durch diese plötzliche Zusatzlast nur noch wilder.
Jason hing an der Seite des Pferdes, seine Beine gefährlich nah an den wirbelnden Hufen.
Mit einem schmerzhaften Aufstöhnen schaffte er es sich endgültig auf den Rücken des Tiers zu schwingen, riss die Henkerskapuze, die bisher locker um seinen Hals gelegen hatte, runter und hielt damit die Augen des Pferdes zu.
„Hooo, ganz ruhig!“, sprach Jason mit beruhigender Stimme auf das tobende Tier ein.
Ängstlich schnaubend versuchte es seinen Kopf zu schütteln, wurde langsamer und kam schließlich zum Stehen.
Jason glitt von dem schweißnassen Rücken herunter und humpelte nach hinten zu dem Karren.
„Anthros! Anthros, ist alles in Ordnung?“
„Bei den Göttern!“
Anthros bleiches Antlitz tauchte über der Wagenwand auf, das schulterlange, weiße Haar klebte zerzaust auf der schweißnassen Stirn.
„Ich dachte schon, dieser verrückte Gaul will mich direkt in die Niederhölle verschleppen!“
Viele kleine Kratzer zogen sich kreuz und quer durch sein Gesicht.
„Ist euch etwas passiert?“
„Ich bin von der Bühne auf diesen Höllenwagen gestürzt, habe mir beinahe alle Finger abgerissen, als ich mich hier festhalten wollte und wahrscheinlich mehr blaue Flecken am Körper, als der Himmel Sterne hat, aber ansonsten könnte ich glatt zum Tanzen gehen.“
Jason konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen.
Wenn sein alter Lehrer schon wieder scherzen konnte, dann war es wohl nur halb so schlimm wie es aussah.
Umständlich krabbelte der Gelehrte von dem Wagen herunter und fuhr sich mit der Hand durch die Haare.
„Wo ist die Gausun? Ist sie euch etwa entwischt?“
Anstatt zu antworten, sah sich Jason fluchend um.
Sie standen auf einem Waldweg, ihre wilde Fahrt hatte sie vor die Tore Bramars gebracht.
Von Marix war keine Spur zu entdecken.
„Ihr habt sie wirklich entkommen lassen?“, fragte Anthros noch einmal mit Nachdruck.
„Ich war leider zu beschäftigt, um sie zu verfolgen!“, knurrte Jason mürrisch.
„Dann haben wir ein Problem.
Warum ist sie eigentlich wie von der Tollspinne gebissen davongerannt? Sie schien doch anfangs recht kooperativ zu sein.“
„Woher soll ich denn wissen, was im Kopf einer Gausun vorgeht? Sie murmelte was von Halbebiss oder Hausabriss oder so und rannte plötzlich los.“
Auf Anthros Stirn stieg eine steile Falte auf.
Nachdenklich sah er zu dem Wolkenwirbel hoch, dann weiteten sich seine Augen in plötzlicher Erkenntnis.
„Habiradis! War es Habiradis was sie sagte?“, die Stimme des Lehrmeisters überschlug sich fast, als er seinen alten Schüler an den Schultern packte und eindringlich schüttelte.
Jetzt war es Jason, der die Stirn runzelte.
„Ja, gut möglich. Warum? Was bedeutet das?“
„Habiradis ist in der Vorstellung der Gausun der letzte Tag der Menschheit, die allerletzte Schlacht vor dem Weltuntergang!
Die mächtigsten Krieger werden durch ein Zeichen am Himmel zu einem Ort gerufen, an dem sie die Götter mit ihrer Kampfkunst beeindrucken müssen.
Nur die mutigsten werden nach dem Weltuntergang wieder auferstehen.
Wenn sie das da oben für das Zeichen hält, dann ist sie darauf aus jeden zu töten, den sie dort findet.
Erinnert euch an die Warnung der alten Geweihten, wir dürfen hier niemanden töten.
Wir müssen sie finden, bevor sie die Geschichte verändert!
Schnell!“
Er ließ Jason los und wollte schon auf den Wagen klettern, als ein unglaublicher schriller Schrei ertönte.
Das Pferd bäumte sich in panischer Angst auf, die Henkerskapuze vor seinen Augen fiel herunter und mit einem ängstlichen Wiehern jagte das Tier davon.
Erschreckt sah Anthros hinter dem Wagen her.
„Ich hab’s gewusst, du dummes Vieh bist von Dämonen besessen!“, fluchte der Gelehrte hinter dem flüchtenden Tier her.
Jason nahm seinen alten Lehrmeister am Arm
„Dämonen ist wahrscheinlich nicht mal falsch, aber ich denke eher, dass es vor diesem dort flieht!“
Er deutete zum Himmel.
Anthros folgte seinem Wink und erstarrte.
Vor den wirbelnden Wolken war ein riesiger Vogel zu erkennen, der gleich von drei Drachen verfolgt wurde.
„Bei den Göttern! Was soll das...“
„Keine Zeit für Fragen“, unterbrach in Jason, „wir müssen Marix finden und unseren Auftrag erfüllen. Ich glaube, bis jetzt haben wir nur einen kleinen Vorgeschmack auf das Kommende erhalten“
Anthros nickte mit offenem Mund, drehte sich schwerfällig von dem Himmelsspektakel ab und sah Jason an.
„Vorsicht!“
Im selben Augenblick, in dem der Gelehrte den Ruf ausstieß, riss er Jason mit sich zu Boden.
Zischend durchschnitt der Pfeil die Luft an der Stelle, wo die beiden eine Sekunde zuvor noch gestanden hatten und blieb mit einem dumpfen Geräusch in einem Baum hinter ihnen stecken.
Reflexartig fuhr Jasons Hand zu der Stelle, wo sonst sein Schwert hing und griff ins Leere.
Er hatte keine Waffen, schon seit er den Drachen im zerstörten Bramar getroffen hatte, war er unbewaffnet unterwegs gewesen.
Hastig tastete er nach der einzigen Waffe, die er hatte, dem verfluchten Dolch, doch bevor er diesen aus der Tasche an seinem Gürtel ziehen konnte, krachte eine dunkle Gestalt aus den Bäumen über ihnen herunter und blieb leblos auf dem Waldweg liegen.
Jason starrte den Toten an, ein eisiger Lufthauch ging von ihm aus, der den kaiserlichen Ermittler frösteln ließ.
Eine dünne Eisschicht glitzerte auf dem schwarzen Umhang des Gefallenen, in seiner steifgefrorenen Hand hielt er einen blaugefiederten Bogen.
Keine zwei Schritte von ihm entfernt, lag offensichtlich ein erfrorener Kikorangi, wie Abaris die zungenlosen Zauberkrieger genannt hatte, und das an einem warmen Sommerabend.
Ehe Jasons Verstand diesen höchst merkwürdigen Umstand richtig einordnen konnte, hörte er hinter sich Schritte.
Er wirbelte herum und sah, wie drei Männer in blutroten Roben aus dem Wald direkt auf in zukamen.
Einer presste ein Bündel fest an seine Brust, ein anderer mit kahlem Kopf taumelte neben dem ersten und schaute sich angespannt um, der dritte und größte von ihnen trug ein lebloses Bündel in einem zerrissenen Leinenkleid über der Schulter, alle drei waren sichtlich erschöpft.
Obwohl Jason nur die Beine der leblosen Last sehen konnte, erkannte er die auffällige Narbe am Oberschenkel sofort wieder, es war Marix.
Die drei Robenträger blieben vor Jason und Anthros stehen und besahen sich die beiden genau, dann wechselten sie einen vielsagenden Blick.
„Weh dahmt ahr? Da newke Ardnang ol de aldde?“
Der mit dem Bündel hatte gesprochen, aber Jason verstand kein Wort.
Fragend sah er seinen Lehrmeister an.
Anthros schien fieberhaft eine Antwort zu suchen, sagte aber nichts.
Schließlich hob der mit dem angespannten Blick beide Hände und deutete beschwörend auf die am Boden liegenden.
„We dahmen da newke Ardnang!“, presste Anthros mit heiserer Stimme hervor.
„Drums halp ans! Drug da Vattel an felks ans, flawig!“, antwortete der Marixträger und warf die Gausun höchst unliebsam vor die Beiden auf den Boden.
„Stellt jetzt keine Fragen. Helft mir die Auserwählte zu tragen“, flüsterte Anthros seinem Schüler zu, als er sich umständlich aufrappelte.
Jason verstand nicht worum es ging, aber er hatte gelernt seinem Lehrer zu vertrauen und so stand er auf und hakte zusammen mit Anthros die Kriegerin unter.
Die Robenträger scharrten sich im Kreis um die drei, und so schnell es ging verschwand der kleine Trupp wieder im Dickicht des Waldes.

Jason wusste nicht, wie lange sie schon durch den Wald gestolpert waren, sein Bein wollte ihn kaum noch tragen und auch wenn Anthros sein möglichstes tat, um einen Großteil des Gewichts der Kriegerin zu tragen, schien sie doch bei jedem Schritt schwerer zu werden.
Ein seltsames Gefühl hatte von Jason besitz ergriffen.
Einerseits war er ungewöhnlich glücklich darüber gewesen, als er feststellte, dass Marix nicht tot, sondern nur Besinnungslos war, aber gleichzeitig spürte er wieder diese unerklärbare Furcht vor ihr.
Vielleicht lag es nur an dem Wahnsinn, der die Welt um ihn zu verschlucken schien.
Auf ihrer Flucht durch den Wald waren ihnen noch zwei Kikorangi begegnet, die kaum die Zeit fanden diese Begegnung zu bereuen.
Die Robenträger waren Magier, soviel war klar, denn gewöhnliche Menschen verschießen höchst selten Feuer- und Eisblitze, um ihre Gegner zu vernichten, doch für diese drei hier schien es das normalste von der Welt zu sein.
Jason war inzwischen einiges gewohnt, aber es kann selbst einen kaiserlichen Ermittler nervös machen, wenn seine Begleiter Gegner mit einer müden Handbewegung erst an einen Baum festfrieren und diesen dann auch noch in Flammen aufgehen lassen.
Fast beneidete Jason die toten Krieger, sie hatten alles Leid schon hinter sich, während er durch eine Welt humpelte, die er nicht verstand.
Einer Welt, deren Himmel von wilden Wolkenwirbeln verdunkelt war und ein riesiger Vogel mit zahllosen Drachen kämpfte.
Am Anfang waren es nur wenige Drachen gewesen, die Jason immer wieder gesehen hatte, aber inzwischen schwirrten mehr von ihnen am Himmel herum, als Bienen um einen Honigtopf.
Auch wenn er noch niemals so viele Drachen auf einmal gesehen hatte, die Magier ließen ihm keine Zeit das Spektakel lange zu bewundern.
Immer weiter hatten sie die kleine Gruppe durch den Wald getrieben, keine Rast war ihnen vergönnt gewesen.
Endlich hatten sie den Waldrand erreicht und selbst die Magier schienen keine Kraft mehr zum Weiterlaufen zu haben.
Der mit dem Bündel hob die Hand als Zeichen zum Halten, dann sprach er leise mit seinen beiden Kameraden.
Jason nutzte die Gelegenheit, um heimlich einige Worte mit Anthros zu wechseln.
„Was soll das alles? Warum folgen wir diesen Hexenmeistern anstatt unserer Aufgabe nachzugehen?“
Anthros sah sich verschwörerisch um, bevor er leise antwortete.
„Junge, nun sei nicht so blind. Ich glaube, wir sind unserer Aufgabe näher, als du denkst.“
„Wie meint ihr das?“
„Die alte Geweihte hat uns aufgetragen ein Dämonenauge zu finden, leider hat sie vergessen uns zu sagen, was das überhaupt ist.
Oder wisst ihr in diesem Zusammenhang mehr als ich?“
Jason schüttelte den Kopf.
„Habt ihr euch noch nicht gefragt, was in dem Bündel ist, das die drei offensichtlich mit ihrem und unserem Leben verteidigen wollen?
Als die drei uns gefunden haben, fragten sie uns welcher Ordnung wir folgen, der neuen oder der alten.
Die Gründerschrift, die ich in Grauburg fand, sagte auch etwas von einer neuen Ordnung.
Also riskierte ich eine Antwort und sagte einfach, wir sind Anhänger der neuen Ordnung und da wir weder als Eiszapfen noch als Aschehäufchen im Wald liegen, war meine Wahl wohl die Richtige gewesen.
Nun zählt zwei und zwei zusammen, dann wisst ihr warum wir ihnen folgen.
Diese drei SIND unsere Aufgabe, sie werden uns zum Versteck führen, wo dieses Artefakt wohl noch in unserer Zeit...“
“We habs packer!”
Der überraschte Ausruf der Magier unterbrach Anthros in seinen Erläuterungen.
Jason sah zu den Magiern hinüber, die mit sehr erleichterten Gesichtern zum Himmel hinaufschauten.
Die Wolkenwirbel waren verschwunden und gaben die Sicht auf ein sternenklares Firmament frei.
„Was ist denn jetzt passiert?“, raunte Jason seinem Lehrer zu.
„Ich habe keine Ahnung, aber ihrer Reaktion nach, ist es etwas Gutes.“
Mit einem heiseren Aufschrei stürzte der Magier mit dem Bündel nach vorn, in seinem Rücken steckte ein blaugefiederter Pfeil.
Hastig stoben die beiden anderen auseinander, aus ihren hochgerissenen Händen fegte ein wahres Blitzgewitter durch den nächtlichen Wald, zerschlug gleich ein Dutzend Bäume zu brennholzgroßen Stücken, dann erstarben die Blitze und nur das leise Knacken, der herunterfallenden Holzstücke war zu hören.
Zwischen dem Geruch von schwelendem Holz und glimmendem Laub roch Jason noch etwas anderes, den eindringliche Dunst von verbranntem Fleisch.
„Da max kar Grumm ma! We marsgen wader!“, krächzte der Kahlköpfige zu Anthros rüber, nahm mit einem traurigen Gesichtsausdruck das Bündel seines gefallenden Kameraden auf und machte sich mit einem wachsamen Blick wieder auf den Weg.
„Wir marschieren weiter“, übersetzte der Gelehrte trocken und obwohl Jason noch hundert Fragen auf der Zunge brannten, packten die beiden die bewusstlose Kriegerin wieder fester und folgten den Magiern entlang des Waldrandes, ohne ein weiteres Wort zu verlieren.

Müde lehnte Jason gegen die Höhlenwand und betrachtete durch die leere Phiole den Sonnenaufgang vor der Höhle.
Der letzte Tropfen der Essenz schimmerte rötlich in den ersten Sonnenstrahlen.
Das Angstgefühl vor Marix war stärker geworden, der Wunsch zu sterben hatte ihm jeden Schritt zur Tortur werden lassen.
Er hatte es nicht länger ertragen können und sich entschlossen den letzten Schluck von dem Gegenmittel zu nehmen.
Die Furcht, die er in ihrer Gegenwart verspürte, stammte vom Fluch, soviel war ihm inzwischen klar.
Nun war der Fluch wieder unter Kontrolle, aber mehr als dieser letzte Tropfen war von dem Gegenmittel nicht mehr übrig.
Was sollte nun werden, wenn der Fluch wieder stärker würde?
Obwohl es ziemlich sinnlos war, das Fläschchen aufzuheben verstaute er es wieder sorgfältig unter seinem Hemd und sah zu der Gausunkriegerin hinüber.
Sie war eines der Rätsel, die seinen Verstand beschäftigten.
Warum hatte die alte Geweihte ihr ebenfalls den Fluch angehängt, und warum wirkte er bei ihr so schnell?
Er hatte einen wertvollen Schluck des Tranks an ihr verschwenden müssen, nachdem sie in dieser verrückten Zeit gelandet waren, einen Schluck, der ihm noch etwas Zeit gegen den Fluch verschafft hätte.
Nun würden sie beide ohne Mittel dagegen stehen, aber das war nicht was ihn am meisten beschäftigte.
Jason fand es viel merkwürdiger, dass es ihm um diesen Schluck nicht wirklich Leid tat.
Die Geweihte hatte ihm eingebläut, wie wichtig diese Gausun für die Welt war, aber das war nicht der Grund weshalb er seine Tat nicht bedauerte.
Es war merkwürdig.
Diese Hexe vom Volk der schlimmsten Mörder unter der Sonne hatte ihm nur Schwierigkeiten gemacht, seit dem er ihr begegnet war.
Sie hatte ihn zu töten versucht, hatte ihn mit ihrer Hexerei an eine Höhlendecke gehangen, wodurch sein bestes Stück beinahe zu Nixenfutter wurde und sie war Schuld daran, dass seine Wunde am Bein nun wieder schmerzte.
Dennoch empfand er jetzt, wo der Fluch seine Sinne nicht mehr trübte, keinen Groll gegen sie.
Er tastete nach dem frischen Verband an seinem Bein und sah zu den Magiern hinüber, die sich angeregt mit Anthros unterhielten.
Der Gelehrte redete jetzt schon seit guten zwei Stunden mit den Robenträgern und seinem Gesicht nach war er mehr als interessiert an dem, was diese in ihrer merkwürdigen Sprache zu erzählen hatten.
Ein Wunder, dass er vorher noch die Zeit gefunden hatte, seinem Schüler einen Verband um die Wunde zu legen.
Ein leises Stöhnen lenkte seine Aufmerksamkeit wieder auf die Kriegerin, die sich schwerfällig vom Boden aufrappelte und sich mit verzehrtem Gesicht den Kopf hielt.
„Haben euer Gnaden nun genug geruht?“
Jason versuchte seiner Stimme einen möglichst spöttischen Tonfall zu geben.
Sie funkelte ihn grimmig an.
„Das letzte, was ich in der Nachwelt zu sehen hoffte, war die Visage eines kaiserlichen Lakaien“
„Auch wenn ich ungern das Glaubensbild einer Mörderin zerstöre, aber wir befinden uns noch immer in dieser Welt.“
Als Jason den fragenden Blick der Kriegerin auffing, tat ihm die Schärfe, seiner letzten Worte gleich wieder leid.
Verwirrt sah sie sich um.
„Was... was ist geschehen? Ich habe das Zeichen gesehen und dann...“
„Bleib ruhig. Was du am Himmel gesehen hast, war nicht dein Habiradis, auch wenn es nicht weit davon entfernt liegen mag.“
Sie hatte es geschafft ihren Rücken an den Fels zu drücken und sah Jason aus dieser sitzenden Position ungläubig an.
„Was weiß ein kaiserlicher von Habiradis? Wo sind wir überhaupt?“
„Zu deiner ersten Frage, eigentlich nichts. Anthros hat mir von eurem Aberglauben an den letzten Tag auf Erden erzählt und zu deiner zweiten Frage...“
„Aberglaube?“, fiel sie ihm wütend ins Wort.
„Wage es nicht den einzig wahren Glauben als Abergl...“
„... sind wir in einer Höhle, etwa einen Tagesmarsch von Bramar entfernt“, beendete er seinen Satz ungerührt.
„Und das war ein sehr anstrengender Marsch, denn ich musste dich den größten Teil des Weges mal wieder tragen.
Wenn alle Krieger der Gausun so lauffaul sind, dann sollten wenigstens ihre Frauen etwas an Gewicht reduzieren, sonst hebe ich mir noch mal einen Bruch an dir.“
Beleidigt sah sie ihn an und wollte schon zu einer gemeinen Erwiderung ausholen, als ihr die drei Männer im hinteren Teil der Höhle auffielen.
Hastig versuchte sie aufzuspringen, verlor dabei das Gleichgewicht und wäre beinahe vornüber gestürzt, wenn Jason sie nicht mit einer schnellen Bewegung gehalten hätte.
Mit sanfter Gewalt drückte er sie wieder nach unten.
„Bleib lieber sitzen, du hast da eine gewaltige Beule am Schädel.“
Er deutete auf ihre Stirn.
Sie tastete danach und ließ ihre Finger im gleichen Zug zu über ihre Schläfe wandern, wo noch immer eine kleine Wulst von dem Stein zu erkennen war, den ihr die Nixe an den Kopf geworfen hatte.
„Wenn ich noch länger in eurer Nähe bleibe, dann muss ich mich wohl an Kopfschmerzen gewöhnen.“
Jason stutzte, war das ein zaghafter Versuch eines Scherzes gewesen?
Doch bevor er sich darüber im Klaren war, sprach die Kriegerin mit sachlicher Stimme weiter.
„Wer sind diese Kerle? Ich glaube, ich habe sie gesehen bevor ich das Bewusstsein verlor.“
Jason setzte sich neben sie und begann zu berichten, was sich zugetragen hatte, nachdem Marix wie besessen in Bramar davon gelaufen war.
Aus irgendeinem Grund hörte er nicht auf, berichtete ihr von der ganzen Geschichte.
Er erzählte ihr in groben Zügen von den seltsamen Begebenheiten, die schon vor seinem Besuch auf Faurin begonnen hatten und ihn erst dorthin führten.
Er erklärte ihr, was es mit dem Vogel und ihr, der Auserwählten, auf sich hatte und wo, oder besser in welcher Zeit sie sich befanden.
Als er geendet hatte, war Marix Gesicht aschfahl.
„Ich... ich glaube, ich habe so einen Vogel gesehen, ehe ich... und da waren Drachen. Unmengen von ihnen...dieser Himmel... und ihr könnt mit Drachen... ich soll... ich bin doch nicht...“
„Bleib ruhig“
Jason legte vorsichtig die Hand auf ihre Schulter, als er ihre Verwirrung bemerkte.
„Vielleicht war das ein weinig viel auf einmal, aber ich dachte du solltest wissen worum es hier geht.
Auch wenn es dir nicht gefällt, du scheinst ein Teil dieser Geschichte zu sein, genauso wie ich.“
Marix sah ihn an, wie ein Kind einen Märchenerzähler ansah.
Dann lachte sie laut los.

Jason vermutete, dass sie nur die Hälfte von dem eben Gehörten wirklich verstand, und dass die andere Hälfte zu unglaubwürdig klang, um sie für wahr zu halten.
„Ihr hättet diese Geschichte auf dem Fest erzählen sollen, damit hätten wir eher Geld verdient, als mit diesem seltsamen Schauspiel.“
Sie lachte so laut, dass die drei Männer auf sie aufmerksam wurden.
Anthros sagte etwas zu den Magiern und kam zu der belustigten Kriegerin hinüber.
„Schön, dass ihr euch so amüsiert, aber wir haben da ein Problem.
Die Magier wollen die Frau hier behalten, die durch ihre bloße Anwesenheit den Dämon vertreiben kann.“
Marix lachen erstarb.
„Sie wollen was?“, fragte sie ungläubig.
„Einen Schutz vor dem Dämon“, bestätigte Anthros.
„Jason, hat sich Marix mit dem Dolch verletzt?“
Jason nickte.
„Abaris hat sie mit dem Dolch verletzt. Was hat das...“, in diesem Moment begann Jason zu verstehen.
Was hatte der Drache in den Ruinen gesagt?
Der Fluch in dir wird dir die Aura des Auserwählten offenbaren, so wie der Verfluchte sich dem Himmelsschatten offenbart?
Jason hatte Angst vor Marix, wenn der Fluch zu stark wurde.
War der Vogel nicht in Grauburg geflohen, kurz nachdem er dort in den Kampf eingegriffen hatte?
Er war nicht vor den Drachen geflohen, es waren nur drei gewesen und hier hatte er gegen unzählige länger bestanden.
Es war Jason, der ihn vertrieben hatte.
Der Fluch in ihm, der eigentlich für den Dämon bestimmt war.
Deshalb hatte Abaris der Kriegerin den Fluch übergeben, sie sollte nicht an den Vogel herankommen.
Aber wenn dem so war, wie sollte Marix dann jemals ihrer Bestimmung als Auserwählte folgen?
Nun war es Jason, dessen Gesicht alle Farbe verloren hatte.
„Dann wird mir so einiges klar“, unterbrach Anthros ihn in seinen Gedanken.
„Hört mir zu.
Die beiden Magier vertrauen mir und haben mir einiges erzählt, was wohl Licht in so manche dunkle Ecke wirft.
Die beiden gehören zu einer Vereinigung der mächtigsten Magier, die sich Sypra nennen.
Diese Vereinigung hat sich gespalten, die Gründe spielen jetzt keine Rolle.
Diese hier wollen den Dämon beherrschen und haben dafür ein Artefakt erschaffen, das sie Dämonenauge nennen.
Die anderen wollen den Dämon vernichten und haben dafür eine fluchbeladene Waffe entwickelt.“
„Den Dolch“, entfuhr es Jason.
„Richtig. Allerdings wissen diese hier noch nicht, dass es ein Dolch ist und wie er wirkt. Sie haben nur gesehen, wie der Dämon abdrehte, als er versuchte Marix anzugreifen.
Sie wissen im Moment nur, dass der Dämon sie fürchtet und deshalb soll sie hier bleiben, bis sie einen magischen Schutzwall gegen den Dämon errichtet haben.
Ich bin der Meinung, wir sollten da ruhig mitspielen, so können wir sicher an einige interessante Informationen kommen.“

Julia D. am: 31. Mai 2003

„Wie schön, das ihr hier neue Freunde gefunden habt“ meldete sich Marix mit einem sehr beleidigtem Unterton zu Worte,“ aber ich habe keine Lust als Schutzwall gegen ein übergroßes Brathuhn in blau zu dienen. Ich will einfach nur diesen Blödsinn hinter mich bringen und zu meinen Leuten zurück“
Anthros bedachte sie mit einem fast bösen Blick,
„Ihr seht nur eure winzigen Belange, aber hier geht es um wesentlich mehr. Wahrscheinlich könnte diese Geschichte die Welt vollkommen umkrempeln“, seiner Stimme war die mühsam erhaltene Selbstbeherrschung anzumerken.
„Umkrempeln? Was erzählt ihr da, alter Mann. Wollt ihr mir jetzt das selbe Märchen erzählen, das euer Freund mir schon aufgetischt hat?
Vergesst es, ich bleibe keine Sekunde länger als nötig hier.“
Diese Worte hatten bei weitem nicht so sicher geklungen, wie die Kriegerin es gern gehabt hätte.
Anthros Gesichtsfarbe wechselte schlagartig ins Leichenblasse.
„Alter Mann?“, keuchte er,“ vielleicht bin ich alt, aber wenigstens bin ich kein Ignorant wie ihr es seid, meine Dame.“
„Das ist typisch für einen kaiserlichen Lakaien. Wenn ihr nicht mehr weiter wisst, dann spielt ihr euch als große allwissende auf. Tut nur nicht so, als ob ihr alles versteht was um euch geschieht!“
Jason versuchte gar nicht erst den Streit seiner Begleiter zu schlichten, es wäre sinnlos gewesen.
Müde rieb er sich über die Stirn, lehnte den Kopf an die Wand und hörte den Streithähnen mit geschlossenen Augen zu.
Innerlich bewunderte er Anthros, der nach dieser Nacht noch genug Kraft hatte, um sich zu streiten.
Er selbst war so erschöpft, das er kaum noch einen Satz des Streits mitbekam, bevor er einschlief.

Jason erwachte von einem kleinen Druck in seiner Blase. Er blinzelte verschlafen in die Finsternis und musste sich erst ins Gedächtnis rufen, wo er war. Es war hell geworden, als er in der Höhle angekommen war. Nun war tiefste Nacht. Er hatte einen ganzen Tag verschlafen.
Er richtete sich lautlos auf und sah umher. Um ihn rum schliefen alle seelenruhig. Jason stand auf, warf Marix einen kurzen abschätzenden Blick zu und schlich aus der Höhle.
Einige Meter weiter kam er zum Stehen. Er öffnete seine Hose ein Stück und ließ der Natur ihren Lauf. Er starrte im Dunkeln auf den kleinen Strahl, der sich im Mondlicht spiegelte und musste über diese ironische Romantik lächeln.
Seine Schulter schmerzte von dem harten Höhlenboden und sein Kopf tat schrecklich weh. Die Wunde am Bein hatte er zwischenzeitlich vollkommen vergessen. Doch wo er jetzt mitten in der Nacht an einen Strauch pinkelte, spürte er das leichte Pochen seines Fleisches.
Er war gestern irgendwann einfach eingeschlafen. Er konnte sich nicht daran erinnern wie lange er nach dem letzten Gespräch mit Anthros noch versucht hatte den Dialog zu verfolgen. Er wusste nur noch wie sein Körper sein recht auf Ruhe verlangte. Er hatte tief und fest geschlafen und war vollkommen weggetreten.
Jason hatte ein mulmiges Gefühl im Magen. Seit sie in diese Höhle gegangen waren, fühlte er sich beobachtet. Er hatte vermutet, dass die Fremden ihn nur verdächtig vorkamen, aber im Laufe des Abends war sein Blick immer öfters raus in den Wald gewandert. Allerdings war sein Körper auch erschöpft und sein Verstand sehnte sich ebenfalls mal nach ein wenig Pause.
Ein leiser Knack hinter ihm ließ seinen Kopf herum schnellen. Er sah in Marix Gesicht, die keine vier Meter hinter ihm stand und ihn beobachtete.
Er drehte sich lächelnd wieder um und nuschelte: „Es ist unhöflich einen Mann beim Erleichtern seiner Blase zu beobachten.“ Er schaute starr auf den Busch während sein Kopf rot anlief.
„Es ist auch unhöflich weiter zu pinkeln, wenn eine Dame dabei steht“, hörte er sie verärgert sagen, meinte aber auch einen Hauch an Sympathie für ihn in der Stimme zu hören.
„Ich verspreche sobald eine Dame auftaucht aufzuhören.“ Er musste kurz selber über seinen Scherz lachen. „Was sucht ihr hier?“ Der Druck auf seiner Blase war nun fast weg, aber es schien so, als ob er Reserven im Körper gehabt hatte, die er niemals vermutet hätte.
Er hörte wie sie kurz seufzte. „Ich hatte einen schlechten Traum. Und als ich aufwachte und ihr verschwunden wart, wollte ich nachsehen, ob ihr euch davon geschlichen habt.“
Endlich. Der Strahl war nun zu einem dünnen Faden und dann zu vereinzelten Tropfen geworden. Ein Wind zog auf. Jason schüttelte sein bestes Stück sorgfältig ab „Selbst wenn ich wollte könnte ich in dieser Welt nicht weit allein kommen.“ Er verstaute ihn in seiner Hose, als er Marix fragen hörte.
„Was? Wer ist…“ Dann war ein dumpfer Schlag zu hören.
Jason drehte sich fragend um: „Wie bitte?“ Marix lag am Boden. Der Wind zog wieder auf, während Jason gerade zu ihr gehen wollte.
„Schlafe“, flüsterte eine leise Stimme. Das letzte was Jason sah bevor er umkippte, war Marix wie sie ohnmächtig am Boden lag und tiefe Schwärze alles einhüllte.

Er erwachte von dem stechenden Schmerz in seinem Kopf und dem Geruch von Wald in der Nase. Bevor sich der graue Schleier vor seinen Augen verzog, vernahm er nur das leise Knistern von Feuer und leise Brodeln köchelnder Flüssigkeit.
Er griff sich an die Schläfe und kniff die Augen zusammen. „Was ist passiert?“, fragte er leise sich selbst.
Als er die Augen schließlich wieder öffnete, war sein Blickfeld um einiges besser. Er konnte, wenn auch unscharf, schwach einen Dachstuhl erkennen, der etwa drei Meter über ihm war. Als Jason sich näher konzentrierte, sah er auch verschiedene getrocknete Pflanzen und Kräuter in langen Strängen von der Decke hängen.
Er drehte seinen Kopf zur Seite und sah in einen Kamin über dem ein Topf mit kochenden Wasser hang und einen Tisch mit vier Stühlen davor. Die Wände waren mit Holzregalen mit vielen kleinen und großen, langen und dünnen, kleinen und dicken Behältern zugestellt. Bis auf ein paar Kisten und einen Ablage mit zerriebenen Kräuter, gab es nichts weiter Interessantes. Der Raum war einfach quadratisch gehalten, und er konnte bis jetzt noch keine Tür oder Fenster erkennen.
Jason richtete sich auf und schwang die Beine von dem provisorischen Holzbett, bestehend aus ein paar Gräsern und getrocknetem Stroh.
Er sah an sich herunter und musste erschrocken feststellen, dass er vollkommen nackt war. Nur eine kleine Stoffdecke, die sehr ausgefranst war, bedeckte das nötigste. Er zog die Decke mehr auf sich und legte sie stramm um seine Hüften.
Er sah weiter durch den Raum, als sein Blick auf Marix fiel. Sie lag ebenfalls in einem Bett, welches an der linken Wand stand. Sein Blick haftete ungewollt auf ihr und das bisschen Stoff, das ihre Decke war. Er wünschte, er hätte wegschauen können, aber wie er, war auch Marix nackt. Und wie bei ihm, hatte man die Decke nur unachtsam über ihre Hüften geschwungen.
Jason lief sofort knallrot an und merkte, wie er aufhörte zu atmen. Sie lag auf dem Rücken, den Kopf leicht in seine Richtung geneigt und die rechte Hand an die Schläfe gelegt. Er sah, wie ihre Brust sich leicht auf und ab bewegte und was sicherlich nicht seine Absicht war zu bemerken, dass ihre Brustwarzen sich aufgerichtet hatten.
Er spürte das Verlangen sich in seinem Unterleib ausbreiten, als er schwer schluckend ihren Körper mit seinem Blick erforschte. Als sie sich regte, sah er sofort weg und starrte auf den Tisch. Er sprang auf und lief langsam auf den Tisch zu, während er die Decke mit einer Hand fest um seine Hüften geschlungen hielt.
Er vernahm das schnelle Rascheln von ihr. „Wo sind wir?“, fragte sie heiser. Jason drehte sich um und sah, dass sie die Decke um ihren Oberkörper geschwungen hatte und ebenfalls im Raum stand. Ihr Blick glitt kurz an Jasons Körper herunter. Im gleichen Augenblick, wo es Jason peinlich auffiel, sah sie auch schon verlegen auf den Boden.
„Ich weiß es nicht“, nuschelte er und sah durch den Raum. Marix trat näher an ihn heran, hielt aber eine Art Sicherheitsabstand, der es Jason nicht erlaubte ihren Duft einzuatmen. Er versuchte die Errötung in seinem Gesicht zu erklären, in dem er schnell ein „Mein Kopf scheint gleich zu platzen“ anfügte.
„Wo ist der Ausgang? Ich sehe keine Tür“, ergänzte die Kriegerin leise.
Er zuckte mit den Achseln. Jason drehte sich um und ging ein paar Schritte auf sie zu. Ihre Blicken trafen sich. Er drehte vor ihr ab und trat an das Feuer ran. „Das Wasser kocht jedenfalls.“
Sie sahen beide stumm und hilflos umher. Marix lief durch den Raum auf die Holzkisten zu und öffnete eine. „Vielleicht finden wir ja was Interessantes“, sagte sie halb laut. Jason trat hinter sie und beobachtet, was Marix aus den Kisten räumte. Die erste Kiste brachte ein paar alte Bücher und Gläser mit undefinierbarem Inhalt hervor. Die zweite Kiste versprach schon mehr. Die Kriegerin zog ein paar Kleidungsstücke heraus.
Jason begann sofort sie genauer zu betrachten. In der nächsten Kiste fand sich noch mehr von den Anziehsachen. Beide durchwühlten die gefundene Ware und wurden schnell fündig.
Die Kriegerin zog eine Hose und ein Oberteil aus dem Haufen und stand auf. Jason sah ihr nach. Sie warf ihn einem Blick zu und fauchte. „Umdrehen!“ Er verdrehte die Augen und tat es.
„Ich habe schon mehrere Frauen entblößt gesehen“, versuchte er sich hervor zu tun.
„Wissen die Frauen auch, dass ihr sie bespannt habt?“, antwortete sie hämisch.
Jasons angefangene Zuneigung war nun ganz erloschen. Er ballte die Hände und drehte sich wütend um. „Die Frauen im Letus-Tal lecken sich die Finger danach mich…“ Er verstummte. Er sah Marix, wie sie sich gerade das Oberteil überzog. Die Arme waren oben, das Oberteil noch über ihrem Gesicht, und die Hose, sowie die Decke, lagen auf dem Boden.
Sofort schoss Jason die Röte ins Gesicht als er Marix so sah. Er drehte sich sofort um und starrte wie hypnotisiert an die Wand. Sein Herz raste und wieder einmal bemerkte er, dass das Blut in seine Lenden schoss.
Er hörte Marix leise fluchen. „Alles klar?“, fragte er sehr leise.
„Nein!“, hörte er ihre Stimme durch den Stoff. „Ich stecke fest!“, sagte sie laut. „Das Oberteil ist nicht ganz aufgeschnürt gewesen. Und nun“, Sie holte Luft, „..und nun stecke ich fest.“
Jason stockte der Atem. Unter normalen Umständen hätte er lachen müssen, aber das waren keine normalen Umstände. Das waren nackte Umstände! „Was soll ich tun?“ Jasons Stimme zitterte.
Die Kriegerin ließ ein „Ahhh!“ erklingen. „Mir helfen ihr Idiot! Und wenn ich merken sollte, dass ihr auch nur ein Blick riskiert, … dann werde ich euch umbringen!“
Jason nickte, auch wenn ihm klar, war dass sie das Nicken nicht sehen konnte. Er drehte sich vorsichtig um und betrachtete ihre missliche Lage. Er trat auf sie zu und begann die Schnüre an der Vorderseite zu lockern. Er konnte ihren warmen Atem an dem Stoff spüren und wusste, dass ihr es wesentlich unangenehmer war als ihm.
Als er es so gut es ging gelockert hatte, zog er sanft das Oberteil über ihren Kopf. Seine Augen suchten automatisch nach ihren und fanden sie auch. Ihr Kopf war hochrot und ihre Haare klebten an ihrer Stirn.
Sein Herz raste, seine Fingerspitzen berührten leicht ihre Hüften und ihr Geruch verursachte ihm eine Gänsehaut. Er beugte sich leicht vor, legte seinen Kopf schräg und sah ihr in die Augen. Ihr Kopf strebte seinen langsam entgegen, als sie ausholte und ihm eine knallte.
Er sah erst verwirrt, dann böse auf. „Ihr habt geschaut!“, sagte sie wütend und drehte sich um, griff nach der Hose und zog sie an.
Jason rieb sich seine Wange und erwiderte: „Und es war noch nicht mal sonderlich aufregend!“ Jason lief zügig ans andere Ende des Hauses, passte auf dass Marix nicht zusah und ließ seine Decke fallen und zog sich die Hose an.

InvisibleGod am: 17. Juni 2003

Jason wendete sich gründlicher dem Raum zu. Es musste doch einen Weg hinaus geben, dachte er sich und tigerte in dem relativ geräumigen Zimmer herum, taste die Wände ab und untersuchte das Inventar gründlich, alles ungeachtet Marix', die sich auf ihr Bett gesetzt hatte und unentwegt in das Feuer des Kamins blickte, als ob sie dort etwas ihr vertrautes erblickte.
Auch nach eingehendem Erforschen ihrer mutmaßlichen Zelle konnte er keinen Weg zur Außenwelt finden, außer den Kamin. So ging Jason zu dem Topf, in dem das Wasser brodelte und schaute neugierig hinein. Er konnte einige grüne Fetzen erkennen, die auch noch in Kessel kochten. Sie stammten wahrscheinlich von dem Zerriebenen, das einen leicht süßlichen Duft im Raum verteilte.
Jason wunderte sich, wie lange man das Wasser noch kochen lassen sollte und beschloss den Kessel von der Flamme auf die steinerne Erhöhung, die sich vor dem Kamin befand, zu bringen. Jedoch hatte er nicht daran gedacht, dass ihm ein entsprechendes Werkzeug dazu fehlte, da der Topf wohl ziemlich heiß und mit dem Wasser auch schwer war.
Dann erhob sich Marix, ging zu der Ablage und roch an der Pflanze, die dort zermahlen wurde. Jason blickte auch und beobachtete sie eine Weile, dachte darüber nach, wie sie sich fühlte und wurde dann wieder von der Erinnerung aus seinen überschwenglichen Gedanken zurückgeholt. Eigentlich hasste er sie ja, auf jeden Fall hatte er noch vor kurzem den Willen dazu. Doch so wie er nun mit ihr hier in diesem Zimmer eingesperrt war, überlegte er sich, ob es überhaupt wert war sie zu hassen.
Verwirrt von seinen Gedanken nahm er sich ablenkend ein Behältnis aus einer der Kisten. Als er es sich näher anschaute erfasste ihn plötzlich ein Erstaunen. Der Flacon, den er in der Hand hielt, also besser gesagt der Inhalt dieses, hatte verblüffende Ähnlichkeit mit dem Mittel gegen den Fluch. Es konnte auch Gift sein, dachte er sich, aber wollte es dennoch einstecken, damit er es später gegebenfalls gebrauchen konnte. Da merkte er erst, dass die neue Kleidung gar keine Taschen oder ähnliches hatte, auch keinen Gürtel oder so etwas in der Art. So packte er das Fläschen enttäuscht wieder an seinen ursprünglichen Platz.

Marix hatte sich inzwischen wieder gesetzt, diesmal mit einem unbestimmten Blick ins Nichts. Jason wurde nervös und er bekam wieder das Gefühl, dass er immer bei dem Einbrechen der Wirkung des Fluches empfunden hatte. Doch diesmal schien es ihm nicht den Willen zu leben zu rauben, sondern eher seine Wertvorstellungen und Denkensweise.
Benommen torkelte er einige Schritte auf das Bett von Marix zu, hielt inne und verspürte einen unheimlichen Drang sich seinen innersten Gelüsten hinzugeben, die zuvor noch unter der Maske des Hasses und der Wut versteckt waren.
Ihm wurde schwummrig und er wäre umgekippt, hätte ihn nicht jemand unerwartetes unsanft aufrecht erhalten. Das holte ihn auch wieder zurück aus seiner Trance und er blickte sich verwundert nach der neuen Person um, die Marix ebenfalls nicht bemerkt hatte, bevor diese Jason aufhielt.
Es war eine geheimnisvoll aussehende Dame, die er auf dreißig Jahre oder etwas jünger schätzte. In ihren Händen hielt sie einen langen, reich verzierten Holzstab, der ungefähr so groß war wie sie und auf dessen Spitze ein faustgroßer, bläulich funkelnder Edelstein steckte. Damit hatte sie Jason vor dem Fall bewahrt. Sie trug eine rote Robe, die zusätzlich mit einem Gürtel befestigt war, so dass die obere Hälfte etwas spannte, was wahrscheinlich absichtlich gemacht wurde, um ihre Weiblichkeit auszudrücken. Farblich dazu passend gingen rubinrote Haare leicht gelockt bis zu ihren Schultern, frei von jeder Halterung.
Sie schaute die beiden Gefangenen mit einem leichten Lächeln an, bevor sie ihren kleinen Mund öffnete.
„Wie ich sehe habt ihr euch schon bedient“, sprach sie mit einer ruhigen, klaren Stimme, die Kleidung der Beiden musternd. Dann wendete sie sich von den verwundert dreinblickenden Beiden ab und ging zu dem Topf, der fast am überkochen war.
Jason sah seine Begleiterin fragend an und bekam eine Unwissenheit ausdrückende Geste zurück.
„Wer seid Ihr und warum werden wir hier festgehalten?“, fragte er aufbrausend. Doch die Frau blieb ruhig und ging weiter ihrer Dinge nach. Sie führte ihre Hände langsam an den Kessel heran und packte ihn dann in einer gemächlichen Bewegung, trug ihn einige Schritte und stellte ihn neben den Platz auf dem immer noch die duftende Pflanze, wenn auch zerrieben, lag.
Er wurde noch konsternierter, da er selbst den Kessel aufgrund von Hitze und Schwere nicht gewagt hatte zu berühren, geschweige denn ihn noch zwei Meter weit langsam zu tragen.
Unbeirrt von dem erstaunten Gesichtsausdruck Jasons holte die Dame einen Holzlöffel und eines der Behältnisse aus dem Regal und rührte in dem großen Topf herum, goss ab und zu einige Tropfen der Flüßigkeit aus dem Gefäß hinzu.
„Es steht euch jederzeit frei zu gehen“, sagte sie nach kurzem Schweigen. Jason wollte gerade ein erzürntes „Wie denn?“ einwerfen als er plötzlich die Luke erblickte, die nach unten führte.
„Aber...“ Er blickte zu Marix, die ebenso konfus den Ausgang anschaute, der vorher nicht dort war, wie es ihr und ihm schien. Sie stand von dem Bett auf und stellte sich neben Jason, einen halben Meter Abstand zu diesem.
„Wo sind wir?“, fragte sie die Dame, die immer noch konsequent am Mixen war, wobei die Flasche, aus der sie das Liquidum in den Topf schüttete, fast leer war.
„Ihr seid in Sicherheit“, antwortete man ihr.
„Vor was in Sicherheit“, fragte Jason. Die Dame drehte sich um und blickte ihn mit ihren funkelnd grünen Augen in Jasons
„Einer Monster, dessen Schrecken allen Wesen der Welt Angst einjagt. Keiner kann sich dem Erwehren, keiner.“ Sie schöpfte mit der gleichen Behältnis aus dem Topf eine gelbliche Flüssigkeit, mit dem sie auch gegossen hatte, verkorkte diese schnell und schüttelte sie kräftig. Dann ging sie auf Jason zu, der aus irgend einem Grund Angst vor dieser Frau verspürte, und gab ihm das Fläschen. Da sah er eine Wunde an ihrer rechten Hand, die ziemlich frisch aussah.
„Trink es zur Hälfte aus und gib es dann deiner Begleiterin“, wies sie ihn an.
„Aber was ist das?“
„Ein Trank, der die heilenden Kräfte des Körpers erweckt.“
Misstrauisch öffnete er und nippte kurz an dem Gebräu, das seltsamer weise eiskalt war. Es schmeckte säuerlich süß, doch er trank die Hälfte davon, wie ihm geheißen. Dann gab er die Flasche an Marix weiter.
Sie nahm sie nur zögerlich entgegen und trank alles mit einem Schluck aus. Mit ihrer Hand wischte sie sich ihren Mund ab und gab die Flasche der Frau zurück.
„Oh, ich habe ganz vergessen mich vorzustellen. Mein Name ist Zanthia. Und wie lautet Euer Name?“
„Jason“, antwortete er, „und das ist Marix.“ Er zeigte auf seine Begleiterin, die ihm einen bösen Blick zuwarf, wahrscheinlich weil er sie vorgestellt hatte.
„Von welchem Monster habt ihr gesprochen?“, fragte Marix.
„Ihr kennt das Monster, es ist euch sehr vertraut. Schon oft seid ihr seinem Schrecken begegnet.“
„Was ist es denn nun?“, zischte Jason ungeduldig, was mit einem warnenden Blick Zanthias bestraft wurde.
„Es war ein Mensch.“
Und so verwirrter er auch wurde, vermochte er jetzt nicht über die Dame zu urteilen. Marix jedoch blieb gelassen, was wieder den Hass auf sie weckte, weil sie immer noch ihre verachtende Einstellung gegenüber ihm hatte.
„Ihr wundert euch. Das hatte ich erwartet. Aber es gibt dazu keinen Grund. Seht euch doch an“, sagte sie ebenso ruhig wie zuvor, „ihr mordet tausende Geschöpfe täglich, ihr führt Kriege und vermehrt euch mit euer dunklen Saat noch weiter, um weiter die Welt mit euch zu vergiften.“
„Ich zähle mich nicht als Mensch“, warf Marix nebensächlich ein, worauf Jason wütend seine Faust hinter seinem Rücken ballte.
„Ihr seid aber einer, ein noch furchtbarerer als seines Gleichen.“
Darauf hin wurde sie erzürnt und wollte Zanthia packen, als diese ihre linke Hand leicht bewegt, worauf Marix wie gelähmt stehen blieb.
„Ich hatte es gewusst. Aber dennoch habe ich euch gerettet.“
„Sagt, wenn ihr die Menschen so verachtet, wie könnt ihr euch selbst am Leben erhalten?“, fragte Jason etwas abgeregter als zuvor.
„Zum Glück bin ich keines von diesen Monstern“, sprach Zanthia leise, „falls ihr darauf hinaus wollt. Ich bin ein Geschöpf der Unterwelt, welche ihr als Ort der Verdammnis anseht.“
Ein Succubus, dachte Jason sich.
„Ihr habt nur Angst, weil wir euch in magischen Kräften erhabener sind. Doch es ist keine Zeit zum Streiten, meint ihr nicht auch?“
Jason erinnerte sich an seinen Auftrag und nickte stumm. Marix wurde erlöst von ihrer Starre und warf Zanthia einen machtlosen, aber totwünschenden Blick zu, den sie ignorierte.

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Kommentare zur Story:

  Nette Story, wenn auch ein wenig hektisch erzählt. Es gibt ebenso einige Unklarheiten und massig Rechtschreibfehler. Aber an sich ziemlich gut.

Ich hoffe mein Beitrag dazu ist akzeptabel.  
InvisibleGod  -  17.06.03 14:39

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  Das Foto ist den Drachenprinz-Romanen entnommen, nicht wahr? Es passt gut zur Geschichte!  
Nyneave  -  17.02.03 15:50

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  Eigentlich reizen mich ja Fortsetzungsgeschichten, aber - ohne jemandem zu nahe treten zu wollen - scheint mir dieser Fantasy-Plot doch etwas altbacken (= Euphemismus für 08/15); solche Geschichten haben die Angewohnheit, sich lediglich im allseits Bekannten festzufahren. Man erwartet ja schon gar keine gänzlich neuen Strickmuster, aber ein paar überraschende Ideen im Detail wären sehr zu begrüßen.

Es ist natürlich schwer, in einer Fortsetzungsgeschichte, bei der jeder auch ohne viel Hintergrundwissen schreiben und jederzeit einsteigen können soll, ohne stereotype Elemente auszukommen, aber trotzdem ... Irgendwo ist es schade.

Grüße,  
Martin Hoyer  -  02.01.03 14:51

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  Es juckt mir in den Fingern... "Vor ihm erhoben sich die hohen, hellen Mauern, die - zusammen mit der völlig farblosen Einrichtung - der Halle der Weißheit ihren Namen gegeben hatten. Niemand wußte, wieso die Erbauer vor Hunderten von Jahren dieses Gebäude unter völligem Verzicht auf belebende Farbtupfer gebaut hatten. War es, weil sie dachten, die Kleidung der Menschen würde den Räumen schon genug Abwechslung verleihen? Oder, Jason kicherte in Gedanken trotz der ernsten Lage, waren die Baumeister vielleicht Putzteufel gewesen, die jeden Dreckfleck sofort sehen wollten, um ihn umgehend zu entfernen?"
Wären die vielen, zum Teil sinnentstellenden Tippfehler nicht, wäre es mir glatt ein "gut" wert.

Gruß,
dlfa  
dlfa  -  01.01.03 19:14

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  Ich erwarte mit Spannung die nächste Fortsetzung  
Stephan Cemetery  -  20.12.02 18:19

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  Mist! Feler gemachd! Es mus "Genick" heisen, nischd "Genickt".
Scheisse,,,da s das ausgerächnet mir pasiehren mus. Wie peinlig! Wo ich doch sonsd kaine Feler machen tue. Höchsdens manschmall...*g*  
Stefan Steinmetz  -  03.12.02 18:02

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  Das „Kacken des brechenden Genicks“ war echt supi! Noch nie zuvor gesehen! Ein Genick, das gleichzeitig einen abkackt und noch dazu bricht(kotzt). Muss sich ja toll anhören: „Ööörgll-jöörrrrrg-prrrz-puups-würrrglglll-speiiii-fuuurz!“
*Loooooool*
Ach ja, Teppfihler und Dreckfuhler sind doch immer wieder erheiternd...

Zur Geschichte:
Es war gut, dass ich so lange mit Lesen gewartet habe, denn ein kurzer Teil von zwei Seiten genügt nicht als Lesefutter. Da passt keine vollständige Handlung rein. Ich will ja wissen, wies weitergeht und nicht dauernd hängen bleiben. Aber nach fetten 16 Seiten bot sich das interessante Bild einer Fantasywelt, in der es ganz schön abgeht. Ich werde auch mit dem Lesen weiterer Teile warten, bis wieder mehr Lesestoff zusammen ist.

Einmal mehr zeigt sich, dass die Schreiberlingkombination ein Herr und zwei Weibsen gut klappt. (*Chauvigrinsen*).
Habt ihr bis jetzt gut hingekriegt. Das ist mir 5 Punkte wert.

Und jetzt kommts:
MOTZ!
Ihr scheint euch gegenseitig zu hetzen. Genau wie damals, als Julia, Heike und ich zusammen schrieben. Tagtäglich kam: Du musst jetzt aber auch schreiben, Stefan! Hetz! Antreib!
Diese Hetze merkt man deutlich! Leider!
Ihr solltet eine feste Reihenfolge abmachen und einhalten (tut ihr bis jetzt) und jeder Schreiber sollte MINDESTENS drei Tage (besser SIEBEN) Zeit haben, seinen Teil zu schreiben. (Dann werden die einzelnen Teile auch nicht so kurz.) Bei der Raserei hämmert man einfach in die Tastatur und produziert (zu) viele Rechtschreibfehler. Teilweise fehlen sogar ganze Wörter. Noch schlimmer aber sind die zusammengekloppten, geschraubten Formulierungen, wenn euch nicht sofort was Passendes einfällt. Beispiele:
„hörte das sirren der Bogensehne“ – nee Leute, der Pfeil sirrt durch die Luft...
„sah zu der Richtung aus der der Angriff stammte“ – ähh...echt eh? Äähh...geht das auch in Deutsch? Etwa so: sah in die Richtung, aus der der Angriff erfolgte (klingt aber auch unausgegoren! Besser: das Ganze in zwei oder drei Sätze verpacken
„er merkte einen kurzen stechenden Schmerz“- nöö, wenn schon BEmerkte bitte. Aber das holpert. Denn Schmerz merkt man nicht und bemerkt man nicht. Schmerz SPÜRT man. Warum nicht so: „Ein stechender Schmerz schoss durch sein verwundetes Bein.“
„die Worte schmerzten in seiner Kehle“ – hmmm...Worte können wirklich wehtun, aber in der Kehle schmerzt höchstens das SPRECHEN...
Das sind nur einige wenige...es gibt viele davon. Ihr Name ist Legion...*g*

Hie und da so ein Holperer ist halb so wild, aber zu viele Hunde sind des Hasen Tod. Lest mal Nina Scheplers Parapel der verwackelten Sympathie der Welt! Total voll mit solchen Stilblüten. Ich verhackstücke ja sonst nicht online aber DA konnte ich es mir nicht verkneifen...Ich habe beim Lesen gebrüllt vor Lachen. Na ja...ein kackendes und kotzendes Genickt ist ja auch nicht übel...*ggg*
Tja, da merkt man mal wieder, dass uns auf webstories die (erbarmungslosen) Betaleser fehlen...(so wie der Herr der Schwiegermütter, als er sich meine Waldfahrer vorknöpfte. Solche Leute BRAUCHT man als Schreiber!)
Nehmts nicht so schwer. Aller Anfang ist es! (schwer natürlich!)
Wenn man sich als AutorIn die Zeit nehmen kann, nach einigen Tagen seine Schreibe Korrektur zu lesen, fallen einem seltsame Formulierungen meistens auf.
Tipp: Wenn euch nicht SOFORT eine bessere Formulierung einfällt: Aufsplitten! Mehrere Sätze daraus machen! Nicht alles in einen einzigen Satz drängen!
Wenn alle Stricke reißen: Streichen! Ja! Eiskalt!
Nichts ist an einer guten Geschichte wichtiger, als das Wegstreichen störender Sachen.
So, genug gemeckert! Jetzt macht mal schön weiter. Die ist gut, die Geschichte. Aus der könnt ihr, wennse fertich iss, n Buch bei www.ubooks.de machen lassen. Würd ich sofort kaufenderweise erwerben, um es als mein Eigentum zu besitzen.

So und jetzt könnt ihr mich n büschn hassen...  
Stefan Steinmetz  -  03.12.02 17:59

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  Das fängt ja sehr vielversprechend an...
Bin gespannt.  
Stefan Steinmetz  -  16.11.02 21:09

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Kommentar von "weltuntergang" zu "Abschied nehmen"

Schweres und schönes Gedicht. Gefällt mir sehr total. Ganz liebe Grüße

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