Ein etwas anderes Liebesgedicht ...   41

Poetisches · Romantisches

Von:    Andreas Kretschmann      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 25. April 2014
Bei Webstories eingestellt: 25. April 2014
Anzahl gesehen: 2144
Seiten: 2

Es war an einem Abend vor einigen Jahren,

da ist mir im Untergrund Berlins was besonderes widerfahren.

Ich schaute auf die Anzeige für die nächsten Abfahrten,

einige Minuten mußte ich auf meinen Zug noch warten.



Auf dem Bahnsteig herrschte das spät- abendliche Schweigen,

zwei Scheinwerfer taten im Schwarz des Tunnels sich zeigen.

Das leise Rattern eines sich nähernden Zuges war zu hören,

es klang anders als die normalen Züge so konnte ich schwören.



Dazu wehte ein leichter Windhauch aus dem Dunkeln,

im Licht des Bahnsteiges taten silbrige Zierleisten funkeln.

Dann endlich fuhr der Zug aus dem Dunkel ins Licht,

die runden Scheinwerfer und die Scharfenbergkupplung bildeten fast ein Gesicht.



Dieser Zug war nicht wie die normalen Züge,

ihn als normal zu bezeichnen wäre eine böswillige Lüge.

Unter den Fenstern und der Dachkante waren silberne Zierleisten zu sehen,

fast lautlos fuhr er ein und kam schließlich zum Stehen.



Das Signal am Ende des Bahnsteiges stand auf Hp0 – also Halt,

so konnte ich betrachten des Zuges herrliche Gestalt.

In der Stille des Bahnsteiges war ein leises Brummeln zu hören,

auf meinem Körper war eine Gänsehaut zu spüren.



Was ich da hörte war der Umformer für die Fahrgastraumbeleuchtung,

in meinen Augen sorgten ein paar Tränen für die Befeuchtung.

Die Besonderheit dieses Zuges konnte ich spüren,

kein anderer Zug konnte mich jemals zu Tränen rühren.



Der Triebfahrzeugführer verließ seine Kabine und ging zum anderen Ende seiner stolzen Maschine,

dort betrat er den anderen Führerstand um zu ändern die Fahrtrichtung kurzerhand.

Das Signal am Anfang des Bahnsteigs wechselte auf Hp1 – das heißt Fahrt,

der Triebfahrzeugführer traf die Vorbereitungen für den Start.



Der Zug setzte sich in Bewegung und etwas später zeigten die Widerstandslüfter erste Regung,

ein leises Hauchen wie Wind unter einer geschlossenen Tür erweckte wieder die Gänsehaut in mir.
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So verschwand der Zug aus dem Bahnhof und meinem Blick,

ich dachte noch lange an diese Begegnung zurück.



Ich konnte diesen seltsamen Zug nicht vergessen und war von ihm fast wie besessen,

das war tatsächlich real und ist kein Traum gewesen.

So begann ich im Internet nach diesem Zug zu recherchieren,

bei so vielen Informationen war es nicht leicht sich zu orientieren.



1956 war das Jahr als die Indienststellung dieses Zuges war,

in der Euphorie der Nachkriegszeit stellte man eine neue U-bahn-Baureihe bereit.

Der Prototyp dieser Baureihe war genau dieser von mir gesehene Zug,

ich las wie gebannt und bekam nicht genug.



Das Wissen über diesen Zug wurde in mir groß,

doch was dann geschah war wirklich kurios.

Durch das Wissen tat die Faszination nicht verschwinden,

plötzlich begann ich für diesen Zug etwas zu empfinden.



Mir geschah etwas wovon man oft in Seemannsliedern hört,

wo davon gesungen wird daß ein Seemann sein Schiff voller Treue verehrt.

Wenn ein Seemann für sein Schiff soviel empfindet,

endet das erst wenn der Tod oder die See sie für immer scheidet oder verbindet.



Ich hielt diese Erzählungen immer für Seemannsgarn,

doch dann ist dieser Zug in mein Leben, mein Herz und meine Seele gefahr´n.

Seit dem bin ich meiner stählernen Liebe treu,

bei jeder ihrer Sonderfahrten bin ich dabei.
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Punktestand der Geschichte:   41
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Kommentare zur Story:

  Wahrlich nicht alltäglich. Hat mir gefallen.  
   Gerald W.  -  26.04.14 11:02

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Interessante Kommentare

Kommentar von "Sebastian Krebs" zu "Ein Wort zum Valentinstag"

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