SCHIMMER DER HOFFNUNG, Kap. 4, Teil 4 - BOCK UND REITSTUNDE   9

Kurzgeschichten · Amüsantes/Satirisches

Von:    Ingrid Alias I      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 14. August 2026
Bei Webstories eingestellt: 14. August 2026
Anzahl gesehen: 60
Seiten: 6

Der weiße gehörnte Dämon mit den wütenden blutunterlaufenen Augen entpuppte sich beim Näherstürmen als ein weißer Ziegenbock, aber das machte ihn nicht sympathischer.

Buffy sprang flink zur Seite, um dem Angriff zu entgehen und der Bock rannte geradeaus ins Leere. Allerdings war er durch die geöffnete Tür nach draußen gelangt, tobte dort herum und stürmte auf die Hühner zu, die laut gackernd vor ihm aufflogen. Es herrschte ein ziemliches Chaos im Hof.

„Was zum Teufel war das?“, fragte Buffy Andy, die ihr eilig entgegenkam. „Er ist mir ausgerissen, dieser verfluchte Kalybos“, entschuldigte sich Andy mit verzweifeltem Gesichtsausdruck. „Ich dachte, er schläft, und dann ist er an mir vorbeigaloppiert.“ „Dann war das also eben Bockalarm“, sagte Buffy und musste lachen. „Im Gegensatz zum Zickenalarm ...“

Andy musste auch lachen. „Dieses weiße Miststück hält sich für den Herrscher der Welt. Und er hätte dir bestimmt nichts getan, er liebt Frauen. Er mag nur keine Männer.“

„Der hat Geschmack, dieser geile Bock!“ Buffy konnte sich gar nicht beruhigen. Es war so herrlich, mal wieder begehrt zu werden und sei es auch nur von einem Ziegenbock. „Er versteht sich auch nicht mit Alfonso. Alfonso ist ja schließlich auch so 'ne Art Mann“, sagte Andy, „wenn auch nur ein kleiner ...“ Sie musste nun auch lachen, als sie Buffys amüsierten Gesichtsausdruck sah.

„Oh jaa Männer!“, sagte Buffy verachtungsvoll. „Dieser weiße Blitz, wie heißt er noch mal?“ „Kalybos heißt er.“ „Der hält uns bestimmt für seinen Harem. Ist ja irre!“ Kalybos hatte seinen Namen aus dem Munde einer Frau ausgesprochen gehört und trottete jetzt elegant wieder in den Stall hinein, er positioniert sich vor Buffy und stupste mit seiner langen Ziegenschnauze in ihren Bauch. „Was für ein Ferkel“, sagte Buffy und schob Kalybos ein wenig von sich weg. Kalybos starrte sie wie verzaubert aus seinen braunen Augen an. Irgendwie erinnerten sie diese Augen an Angels Augen, die waren auch so tierhaft braun ...

„Da hast du jetzt einen Freier fürs Leben“, meinte Andy lächelnd. „Muss ich etwa eifersüchtig sein?“ „Um Himmels Willen nein“, sagte Buffy beschwichtigend. „Du kannst diesen Verehrer ruhig behalten.“

„Ist was passiert?“, fragte eine angenehm tiefe Stimme. Es war Ricky, der Verwalter des Gutes.

„Alles in Ordnung, Ricky“, sagte Andy zu dem gutaussehenden dunkelhaarigen Mann, der wohl an die dreißig war, wie Buffy schätzte.
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Seine Blicke waren einzig und allein auf Andy gerichtet. Er ist in Andy verknallt, dachte Buffy überrascht. War schon seltsam, dass ein Mann so gar nicht auf sie reagierte. War sie alt geworden? Nein, es musste Andy sein, in die er verknallt war. Wirklich seltsam, ein Mann an die dreißig und in die Stieftochter seiner Cousine verliebt – das mit der Cousine hatte Andy ihr erzählt. Ricky war eindeutig zu alt für Andy, obwohl sie objektiv gesehen ein schönes Paar abgeben würden. Aber hier in den Staaten wäre so eine Verbindung absolut unrealistisch: Die Teenies blieben unter sich, und schon in der High School waren Verhältnisse zwischen verschiedenaltrigen verpönt. Das hatte zur Folge, dass die Mädels sich immer mit gleichaltrigen und eventuell unreifen Jungs abgeben mussten ...

„Wenn Ricky Kalybos einsperrt, können wir vielleicht mit der Reitstunde anfangen.“ Andy zwinkerte Buffy zu. Und die stellte fest: Für Andy ist es selbstverständlich, dass Onkel Ricky alles für sie tun würde, aber sie ist sich dessen nicht bewusst und machte sich keinerlei Gedanken darüber, WARUM Onkel Ricky das alles für sie tut. Aber auch das hatte sie nicht zu interessieren. Sie wollte das Reiten lernen und zwar so schnell wie möglich.

Aber so schnell ging das wohl nicht. Andy führte sie in eine Pferdebox, in der ein nicht sehr großes Pferd stand. Von weitem gesehen jedenfalls. „Das ist dein Pferd“, sagte Andy munter. Es sieht ziemlich klein aus, dachte Buffy.

„Wir gehen jetzt ganz vorsichtig in die Box. Sag irgendwas zu ihm, damit er sich nicht erschreckt. Er heißt Conny. Normalerweise geht man von der linken Seite an die Pferde heran, das sind sie so gewohnt.“

„Hallo Conny“, sagte Buffy zaghaft, woraufhin Conny seinen Kopf nach hinten drehte und abcheckte, wer da seine Ruhe störte. „Du darfst nie ohne Vorwarnung von hinten einem Pferd zu nahe kommen“. Buffy hörte Andys Ermahnung und trat unwillkürlich einen Schritt zur Seite, von Conny weg und an den Rand der Box. „Und auch keine heftigen Bewegungen machen. Pferde sind Fluchttiere. Sie erschrecken sich leicht.“

Buffy verlangsamte ihre Bewegungen und ihren Herzschlag, um ja nicht dieses kleine Pferdchen zu erschrecken, das ihr Gewicht bestimmt nicht tragen konnte. „Geh ganz langsam an ihn heran.
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Von der Seite, so dass er dich sieht. Und dann sprich mit ihm.“

Buffy tat, wie Andy ihr geheißen hatte, näherte sich dem Pferdchen - das jetzt auf einmal gar nicht mehr so klein aussah - von der Seite, so dass das Pferdchen sie voll ansehen konnte und stammelte die Worte: „Hallo, Conny, du bist ja echt ein Süßer.“

Conny wandte ihr rehbraune, nein, pferdebraune Augen zu und stupste sie leicht mit seinem Kopf an, woraufhin Buffy sich am Rand der Pferdebox wiederfand. „Er ist ein Lieber“, sagte Andy. „Findest du?“, sagte Buffy zweifelnd. „Er ist wirklich lieb und er bläht sich nicht auf wie andere Pferde.“ „Häääh? Bläht sich nicht auf?“, fragte Buffy, der nun schwante, dass das Reitenlernen wohl doch nicht so einfach war.

„Wenn man sie sattelt, holen die meisten Pferde noch mal tief Luft und haben dann einen dicken Bauch“, erklärte Andy ihr, „aber das hält nicht lange vor ... Irgendwann wird der Bauch wieder dünner, der Sattel lockert sich, und der Reiter hängt mit seinem Kopf nach unten zwischen den Beinen des Pferdes ...“

„Das, äääh....“, Buffy musste lachen, „stelle ich mir sehr lustig vor...“ „Klar. Wenn Bill das sehen würde, fände er es bestimmt auch sehr lustig“, wandte Andy ein. Sie wusste schon, wie man Buffys Ehrgeiz kitzeln konnte, denn Buffy machte irgendwie einen verliebten Eindruck in Bill. Na ja, sie war die Mutter seiner Tochter und sein Kindermädchen. Oder war sie mehr? Andy spürte etwas zwischen den beiden, das die beiden vielleicht gar nicht spürten, aber es war unzweifelhaft da. „Gut, zieh den Sattelgurt nach. Sicher ist sicher!“

Buffy machte sich zaghaft daran, den Bauch des auf einmal gar nicht mehr so kleinen Pferdchens mit dem Sattelgut abzuschnüren, bis es wahrscheinlich an Luftmangel krepieren würde. Aber anscheinend störte der enge Sattelgurt Conny nicht besonders.

„Die Trense habe ich schon angelegt“, sagte Andy. „Nimm jetzt die beiden losen Enden“, sie deutete auf die Lederbänder, „und dirigiere ihn vorsichtig nach hinten aus der Box. Und sprich mit ihm.“

„Äää, du süßer kleiner Conny, du wirst doch nicht deinen Bauch aufblähen“, stammelte Buffy, während sie vorsichtig versuchte, Conny zum Rückwärtsgehen zu bewegen. Conny war aber ein liebes Tier und ging einfach rückwärts mit. „Lieb, lieb“, flüsterte Buffy. „Und jetzt um die Kurve, rückwärts natürlich, und schon stehen wir startbereit.
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„Du bist gut“, sagte Andy. „Du willst mich wohl veräppeln. Ich mach mir fast in die Hose“, sagte Buffy. Diese Buffy, die es schon mit den widerlichsten und gefährlichsten Keaturen aufgenommen hatte, von den Vampiren ganz zu schweigen.

Mittlerweile waren sie in der Reithalle angelangt. „Stehenbleiben“, sagte Andy leise.

Alle drei standen still. Vor allem Buffy, die fühlte, jetzt würde es ernst werden.

„Kommst du alleine rauf?“, fragte Andy. „Ich weiß nicht. Wie macht man’s denn?“ „Setz deinen linken Fuß in den Steigbügel.“ Buffy tat, wie geheißen. „Jetzt schwing dein rechtes Bein über den Pferdehintern. Ja, du musste ein bisschen Schwung holen, sonst kriegst du deine Kiste nicht hoch“, lachte Andy.

Buffy kriegte zu ihrem Erstaunen ihre Kiste hoch, und fand sich auf einmal sitzend auf einem Pferd wieder. Das war wirklich irre! „Findest du den rechten Steigbügel?“, fragte Andy. „Hab ihn“, sagte Buffy. Das war wirklich nicht schwer. Sie saß auf einem Pferd. Und hatte beide Füße in den Steigbügeln ... Und es war verdammt hoch. Buffy hatte das Gefühl, im zweiten Stock eines Hauses zu sitzen. Obwohl sie doch nur auf einem Winzling von Pferd saß.

„Conny ist ein sogenanntes Doppelpony“, erklärte Andy. „Dann ist es doppelt so groß wie ein Pony?“, fragte Buffy zaghaft. „Jetzt nimm die Zügel in die Hände. Es ist natürlich größer als ein Pony, aber nicht doppelt so groß“, sagte Andy, die angefangen hatte, das Pferd am Halfter zu führen, so dass es langsam vorwärts ging.

„Aber nicht so groß wie ein richtiges Pferd“, plapperte Buffy, die es gar nicht so unangenehm fand, auf einem Pferd... äääh Doppelpony zu sitzen, das sich dazu auch noch bewegte. Wahnsinn!

„Ein Pferd ist natürlich noch viel größer“, sagte Andy lächelnd. „Da hat man manchmal das Gefühl, auf einem dicken Fass zu sitzen.“ „Auweia“, sagte Buffy.

„Lass deine Beine einfach mal locker baumeln, dann wirst du merken, dass sie immer abwechselnd auf seine Flanken drücken. Diesen Druck kannst du ein bisschen verstärken. Dann läuft Conny weiter.“

Buffy versuchte es und war erstaunt, wie leicht es ging. Bis sie dann einen gehörigen Schreck bekam, als sie merkte, dass Andy Conny nicht mehr führte, sondern dass sie ganz allein mit dem Doppelpony daher ritt.
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„Einfach gesagt, ist es wie Autofahren. Allerdings mit einem sensiblen Auto, wo die Bremse manchmal nicht funktioniert und die Gänge knirschen.“ Andy hatte ziemlich Ahnung von Autos, denn Ricky besaß einen Lister-Jaguar aus den 60er Jahren, an dem er an den Wochenenden herumschraubte, und Andy durfte ihm manchmal gewisse Werkzeuge anreichen ...

„Und wie leg ich jetzt den zweiten Gang ein?“, fragte Buffy, mutig geworden durch die bisher problemlose Reiterei. „Der... äääh zweite Gang“, sagte Andy warnend, „ist der schwierigste. Hör erst mal zu: Hast du die Zügel in der Hand?“ Buffy bejahte das. „Nicht dran reißen. Nicht durchhängen lassen, aber auch nicht zu hart anziehen. Dein Hintern muss ihn jetzt vorwärts treiben.“

„Mein Hintern? Wie das?“ „Das geht nur durch dein Eigengewicht und nur durch deinen Hintern.“

„Ooh, ich merke wie er schneller wird“, sagte Buffy, und das war nicht gelogen, man konnte sein Gewicht in die Waagschale legen, und das Doppelpony wurde dadurch tatsächlich schneller. „Man nennt das Heranreiten“, sagte Andy. „Und man muss da sehr behutsam vorgehen. Die meisten Männer können es nicht. Haben eine zu harte Hand.“

„Aber Sp... äääh Bill kann es?“ „Bill kann es“, bestätigte Andy und wurde ein wenig rot, aber da sie hinter Buffy und Conny herging, sah es niemand. „Bill reitet anders als die meisten Männer. Manchmal denke ich, er reitet wie jemand aus einer vergangenen Zeit. Wie ein Edelmann ...“

„Oh. Ja wirklich?“, fragte Buffy ungläubig, denn sie hatte die leisen Worte gehört.

„Weiter: Wenn du jetzt gleichzeitig mit beiden Beinen an seine Flanken klopfst, dann wird er in einen Trab fallen“, sagte Andy. „Aber pass auf, du musst dich schon mit den Oberschenkeln fest an ihn pressen, sonst fällst du runter. Trab ist ... nun jaaa, ziemlich rappelig. Und das Leicht-Traben lernen wir später.“

Buffy versuchte es trotzdem. Nachdem ihre Schenkel Conny fest umschlossen hatten, versuchte sie ein zaghaftes gleichzeitiges Klopfen mit den Unterschenkeln, und siehe da, Conny fiel kurzfristig in einen rappeligen Trab und Buffy war froh, dass ihre Oberschenkel so fest an Connys Körper anlagen, dass sie nicht hinunterfallen konnte.

„Kommst du klar?“ Andys Stimme drang durch Buffys Konzentration hindurch. „Wenn du weitertraben willst, musst du ihn immer wieder dazu antreiben.
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Nicht zu feste. Und denk an die Trense. Nicht zu straff. Nicht zu locker. Und denk an deinen Hintern. Und nicht runterfallen!“

„Hey, das ist einfach zu viel, um an alles zu denken.“ Buffy hörte auf, das Doppelpony mit ihrem Hintern anzutreiben, denn es war ein mörderisches Getrappel, man wurde so durchgerüttelt von diesem Getrappel, dass einem das Kreuz wehtat. Sie hörte auch mit ihren anderen Bemühungen auf, und das Doppelpony fiel wieder in den Schritt.

„Das war die Königsdisziplin. Wenn du die kannst, dann ist alles andere einfach. Galoppieren sowieso“, meinte Andy ermutigend. „Du legst ein Bein nach hinten, das andere Bein bleibt in der Mitte und du klopfst ...ja du klopfst auf den Hintern des Pferdes. Damit kann man bestimmen, je nachdem, mit welchen Bein man hinten anklopft, ob es in den Links- oder in den Rechtsgalopp fallen soll.

„Wenn der Postmann zweimal anklopft...“, sagte Buffy verzweifelt und überlegte, ob sie nicht schon zu alt wäre, um die Reiterei zu erlernen. Das hörte sich alles so wahnsinnig kompliziert an. Das Klopfen links hinten oder in der Mitte oder sonst wo. Abgesehen vom Hintern ...

Aber sie würde es lernen. Koste es was es wolle!
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