Kurzgeschichten · Nachdenkliches

Von:    Martin Guido Becker      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 16. Juli 2026
Bei Webstories eingestellt: 16. Juli 2026
Anzahl gesehen: 55
Seiten: 8

Verkehrte Welt! Nun soll der Egoismus plötzlich eine Tugend sein? Also dieses ewige Ich, Ich und wieder Ich. Wo wir doch unser ganzes Leben beständig das Gegenteil gehört haben, dass man sein Ich zurückstellen, ja, dass man es gar verleugnen muss.

Heißt es doch in der Bibel: Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach… (Mt 16/24) Und im bei uns in Mode gekommenen Buddhismus hören wir, dass man sein Ich loslassen muss, um ins Nirwana eingehen zu können. Die Welt ist voll von Predigern, die auf die eine oder auf die andere Weise das Glück der Selbstaufgabe preisen, die das Glück der Unterwerfung predigen. Das Ich als die Quelle des Unglücks, an jeder Straßenecke hören wir es wieder und wieder, im Neuen Testament, im Buddhismus, bei Schopenhauer, wie auch in der Esoterik, wozu also noch zweifeln?

Doch Selbstverständlichkeiten, an denen niemals gerüttelt wird, diese verdienen es womöglich am Meisten, hinterfragt zu werden.

Also stellen wir uns der Frage, ob Selbstlosigkeit tatsächlich die Tugend ist, als die sie uns dargestellt wird. Oder ob die Aufgabe des Ichs womöglich eine Sache ist, die mit beträchtlichen Risiken und Nebenwirkungen verbunden ist.

Was ist Egoismus überhaupt? Egoismus bedeutet die Beschäftigung mit den eigenen Interessen. Im Gegensatz zum Altruismus, zu Gunsten der Interessen Anderer, des Gesamten auf das Eigeninteresse zu verzichten, im Extremfall sogar die Verleugnung jeglichen Eigeninteresses. Von Ayn Rand stammt folgende Definition des Egoismus aus einem Fernsehinterview:



„Lassen Sie uns ein anderes Wort dafür benutzen: Selbstachtung. Sinn und Nutzen von Egoismus oder Selbstachtung ist, dass man sich selbst wert schätzt, dass man gemäß seiner eigenen Veranlagung lebt. Was bedeutet, dass man nach dem Urteilsvermögen des eigenen Verstandes handelt, den eigenen Verstand respektiert, sowie die eigene Fähigkeit, das Richtige zu tun. Demnach respektiert man die Möglichkeit, eine moralisch tugendhafte Person sein zu können, während man sich selbst wert schätzt.“

Auf den Einwand: „Freude kommt daher, dass man Andere glücklich macht“, kontert sie:

„Oh ja, natürlich. Wer hat das noch nicht gehört? Und das ist genau das Problem. Stellen wir uns den Tag vor, an dem die Leute das einfach nicht mehr hören wollen. Denn es ist einfach nicht wahr.
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Es ist nicht zu rechtfertigen, und die erste Frage, die man sich stellen sollte, ist: Warum? Warum sollte es gut sein, zu wollen, dass andere glücklich sind und man selbst nicht? Und ich nehme an, dass Ihnen auch erzählt wurde, dass Andere für Ihr Wohlergehen sorgen werden, nicht aber für ihr eigenes. Es ist, als würde man Weihnachtsgeschenke austauschen, die man eigentlich nicht austauschen möchte, aber man hat es nun mal zu tun, während es einem moralisch untersagt ist, etwas für sich selbst zu tun. Während ich sage, man kann Andere ruhig glücklich machen, falls und wenn Andere Dir auf eigennützige Weise etwas bedeuten. Wenn Du andere Leute liebst, kannst Du sie natürlich glücklich machen. Fein!

Wenn Du sie nicht liebst, ist es hingegen kein moralisches Verbrechen. Man muss nicht jeden lieben und mögen, nein, es ist sogar nicht möglich, jeden zu lieben, ansonsten wäre die Liebe ein bedeutungsloses Gefühl. Du kannst nur jene lieben, die Du wert schätzt. Und wenn sie dazu beitragen, dass Du glücklich bist, tust Du das Gleiche für sie. Das ist vollkommen in Ordnung.

Dennoch muss jeder für sich selbst eigennützig sein. Stellen wir uns mal vor, jemand ist in eine andere Person verliebt und sagt: Ich liebe Dich, weil Du in jeder Beziehung schlecht bist, ich opfere mich für Dich auf, um Dich überhaupt lieben zu können. Würden Sie das akzeptieren?

Das ist das Beleidigendste, was man Ihnen überhaupt je sagen könnte, und doch ist es das, was wir Altruismus nennen. Und es existiert ein großer russischer Schriftsteller, der genau das versuchte, zu praktizieren, nämlich Dostojewski, welcher eine arme dumme kleine Spinnerin heiratete, welche er überhaupt nicht liebte. Er tat es aus dem einfachen Grund, um sie glücklich zu machen. Das Ende der Geschichte war, dass sie Selbstmord beging. Nun, das nenne ich altruistisch. Dazu führt Altruismus schließlich.“



Jeder kann sich die Frage stellen, was befriedigender für Ihn sein wird, selbst zu entscheiden, womit er seine Zeit verbringt oder diese Entscheidung Anderen zu überlassen? Wer mit sich und seiner Zeit etwas anzufangen weiß, wer Themen hat, für die er sich interessiert, wird wohl wissen, wie diese Frage zu beantworten ist. Und wer aus eigener Entscheidung, aus Interesse sich für ein Betätigungsfeld entschieden hat, wird eine ungleich größere Leistungsfähigkeit entwickeln als derjenige, der lustlos einen Dienst verrichtet, zu dem er keinerlei innere Verbindung hat.
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Das Gleiche gilt auch für sämtliche anderen Ressourcen, ich gebe mein Geld lieber für Dinge aus, die mir etwas wert sind, als dass mir irgendeine Instanz vorschreibt, Dinge zu erwerben, an denen ich keinerlei Interesse habe. Freunde sucht man sich aus, man bekommt sie nicht von einem ominösen „Freundschaftsministerium“ zugeteilt. Man geht also bei dem, was man tut, davon aus, dass das Tun in irgendeiner Weise sich als lohnend erweist, dass der materielle oder immaterielle Gewinn die eingesetzte Anstrengung übersteigt.

Es gibt kaum Schöneres, als mit geschätzten Mitmenschen einige Zeit verbringen zu dürfen, gerade dann, wenn Zuneigung und Gemeinsamkeiten bestehen. Andererseits gehört es zu den unangenehmsten Erfahrungen, mit Leuten zusammengepfercht zu sein, mit denen einen allenfalls eine heftige Abneigung verbindet. Vielleicht wird man ein gewisser Eigenbrötler durch den Egoismus, manchmal ist auch eine gewisse Einsamkeit das geringere Übel als die Selbstaufgabe um einer fragwürdigen Gemeinsamkeit willen. Man kann und soll sich nicht an jede Umgebung anpassen, es spricht wohl nichts dagegen, sich von Menschen fernzuhalten, die einen auf schiefe Bahnen bringen, nur um nicht alleine sein zu müssen. Hat man ein Umfeld gefunden, das einem bei der Entwicklung behilflich ist, so ist es richtig, sich damit zu verbinden, von einem destruktiven Umfeld grenzt man sich lieber ab.

Würde ein Gesetz mir verbieten, bei der Auswahl meines Umganges den Neigungen zu folgen, und würde es anderen Menschen vorschreiben, mir deren Zuwendung zu schenken, würde es also einen Zuneigungszwang geben, so bräuchte ich mir im Gegenzug keinerlei Mühe geben, mir die Sympathie und Solidarität anderer Menschen zu erhalten, es wäre ein Programm zur Heranzüchtung hässlicher Eigenschaften. Das Korrektiv menschlichen Verhaltens sind die Grenzen, die Andere einem setzen, jeder weiß, dass Unverschämtheiten auf Dauer nicht verziehen werden, dass man sich um Respekt und Teilhabe bemühen muss. Verhalten im Eigeninteresse bedeutet beim Denken in längerfristigen Zeiträumen soziales Verhalten. Jeder weiß, dass man sich mehrmals sieht im Leben und dass ein schlechter Ruf einem Steine in den Weg legt. Deswegen liegt es im reinen Eigeninteresse, sich als nützliches und geschätzten Mitglied einer Gesellschaft zu erweisen.



Egoismus bedeutet in erster Linie die Anerkennung der Prinzipien des Lebens, welches in erster Linie auf den Selbsterhalt ausgerichtet ist, und dieser erst ermöglicht die Existenz moralischer Werte, die Annahme von Herausforderungen und ein respektvolles Zusammenleben in Freiheit.
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Nur wer ein Ego hat, der ist auch in der Lage, das Ego seines Gegenüber anzuerkennen.

Im Gegensatz zum demjenigen, der meint, sein Ego aufgelöst zu haben, der davon überzeugt ist, er benötige keine Grenze zwischen sich und dem Gegenüber. Bei diesem existiert das Ego nach wie vor, allerdings als Partisan im Untergrund, es wird eine Virtuosität entwickeln auf dem Gebiet der Subversion, der Vereinnahmung, der moralischen Erpressung. So jemand wird, weil er seine eigene Person nicht wertschätzt, den Selbstwert des Gegenüber zu unterminieren versuchen, sich selbst aufwerten, indem er den Anderen moralisch abwertet. Gerade Letzteres ist besonders perfide, denn im Umgang mit dem Altruisten ist man geneigt, ein schlechtes Gewissen zu entwickeln, weil man nicht ebenso selbstlos ist wie dieser. Dieser bringt schließlich sein eigenes Glück als Opfer für die höheren Zwecke, für die Allgemeinheit dar, und was tue ich?



Die Frage von Egoismus oder Selbstopferung ist eine Frage der Ethik. Das eine wird voreilig verurteilt, das andere ebenso unhinterfragt glorifiziert. Man verhält sich „ethisch“, wenn man sich selbstlos verhält. Ein selbstloser Charakter gilt als „wertvoll“. Und immer sind Handlungen und Entscheidungen von dem Wertekanon bestimmt, der sich „Ethik“ nennt, doch muss man sich beim Wert von Charakteren immer auch fragen: „Wertvoll für wen und wozu?“ Was ist Ziel und Zweck von Handlungen? Wer soll der Nutznießer sein? Soll der Mensch als primäres Ziel die Erlangung des eigenen Glücks im Auge haben, oder sollte sein primärer moralischer Zweck darin bestehen, den Wünschen und Bedürfnissen Anderer zu dienen? (Nataniel Branden)

Doch wer bin ich, um zu wissen, was sind die Wünsche Anderer? Dazu müsste das Gegenüber Egoist genug sein, solcherlei Wünsche verständlich zu äußern, oder ich bin gezwungen, in den trüben Nebel des Nichtwissens, der Mutmaßungen hinein zu handeln. Analog zu den Geschenken zur Weihnachtszeit, in einer Gesellschaft von egobefreiten Menschen würde sich jeder ruinieren für Geschenke, für die der Beschenkte keinerlei Verwendung hätte, da diese nichts mit den tatsächlichen Bedürfnissen der betroffenen Personen zu tun hätten.
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Das, wofür ich dann allzu große Anstrengungen auf mich nehmen würde, das hätte für den Beschenkten keinerlei Wert, es würde im nächsten Straßengraben entsorgt werden.

Der Konflikt zwischen Egoismus und Altruismus besteht aus ihren gegensätzlichen Antworten auf solche Fragen. Egoismus bedeutet, dass jeder Mensch ein Selbstzweck ist. Altruismus dagegen meint, der Mensch sei ein Mittel für die Zwecke Anderer.

Egoismus besagt, dass der Handelnde der Nutznießer seiner Handlung sein soll, Altruismus, dass der Nutznießer einer Handlung jemand Anderes als der Handelnde sein soll.



Es gibt eine Hierarchie der Werte. Es besteht die Möglichkeit, dass für jemanden der Wert „Wahrhaftigkeit“ höher steht als irgendwelche Privilegien, im Extremfall nach der Devise: „lieber mit der Wahrheit fallen, als mit der Lüge erfolgreich sein“. Der Schaden, der durch den Verlust an Selbstachtung entstünde, der wäre größer als der Gewinn an materiellen Gütern und gesellschaftlichem Status. Einen gewissen Status zu besitzen innerhalb einer gesellschaftlichen Hierarchie, das ist ein Wert, frühmorgens in den Spiegel schauen zu können, ohne im Spiegel ein Schwein zu sehen, das ist ein anderer, die Güterabwägung zwischen diesen beiden Werten ist eine individuelle Entscheidung. Wer über ein wenig Intelligenz verfügt, der wird auch sich schnell darüber klar werden, dass bei der Entscheidung, sich zu prostituieren, auf lange Sicht der Selbsthass die Privilegien vergiften werden, das Eigeninteresse wird einen eher davon abhalten, sich als destruktives Element zu erweisen. So können aus dem egoistischen Motiv, vor sich selbst bestehen zu können, auch gehörige Nachteile in Kauf genommen werden. Je längerfristiger man denkt, desto mehr wird man aus eigennützigen Motiven eine Situation bevorzugen, in der beide Seiten gewinnen. In diesem Falle kann sich der Egoismus sogar als der bessere Altruismus herausstellen.



Man kann einwenden, dass Egoismus „unsozial“ sei. Manchmal ist er es in der Tat, vor allem, wenn es sich um die Sorte Egoismus handelt, die das kurzfristige Interesse in den Vordergrund stellt. Man kann auf Kosten Anderer Vorteile erringen, und dann nach einiger Zeit feststellen, dass man einen Pyrrhussieg errungen hat. Die Kosten für einen solchen Gewinn, eine beschädigte Selbstachtung, zerstörte soziale Beziehungen, unauflösbare Gewissenskonflikte, die übersteigen den Nutzen bei weitem.
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Der Maxime: „Tu, was Du willst!“ steht das „Finde heraus, was Du wirklich willst!“ zur Seite. Im Laufe des gelebten Daseins findet ohnehin eine Werteverschiebung statt, Ideale entpuppen sich manchmal als Illusion, oder der Blick weitet sich, das Ziel der persönlichen Bereicherung tritt zurück gegenüber dem Wunsch nach Erkenntnis, oder auch dem Bedürfnis, in einem intakten Umfeld zu leben.

Auch stellt sich die Frage, wer kann sich sozialer verhalten, derjenige, der auf festem Boden steht oder derjenige, der gerade am Ertrinken ist? Ist es verwerflich, sich zunächst einmal um die eigene Standfestigkeit, um den eigenen Platz im Leben zu kümmern, und dann aus der Position der Stärke heraus auch Anderen helfen zu können, falls dies nötig ist? Die psychologische Literatur ist voll mit Beispielen von Ich-schwachen Menschen, die das Gefühl der Existenzberechtigung daraus ziehen, Anderen helfen zu wollen und ihr eigenes Elend damit zu bewältigen versuchen. Was ihnen selbst zumeist schadet und den Objekten ihrer Nächstenliebe selten nützt. Auch ist es eine Binsenweisheit, dass es nicht gelingt, wenn man meint, sich die Zuneigung anderer Menschen durch Willfährigkeit und sich Unentbehrlichmachen erkaufen zu können. Wer sich selbst nicht respektiert, der wird es schwer haben, anderswo Respekt zu finden.



Egoismus und Solidarität schließen einander keineswegs aus, denn der Mensch ist von Natur aus ein soziales Wesen, das auf Kooperation angewiesen ist. In Gesellschaften, in denen jeder jeden kennt, da ist es kaum möglich, sich antisozial zu verhalten, denn der darauf folgende Entzug der Solidarität hätte schmerzhafte Folgen, läge also nicht im Eigeninteresse. Anders verhält es sich in anonymen Massengesellschaften, die von einer Bürokratie verwaltet werden, in der das eigene Verhalten oftmals folgenlos bleibt. Man kann sich also der Illusion hingeben, man bräuchte den Anderen nicht. Was natürlich nicht stimmen kann, selbst die Kapitaleinkünfte oder die Sozialleistungen werden ja von irgendjemandem erarbeitet, man ist also immer auch Nutznießer der Bemühungen Anderer. In einer anonymen Gesellschaft ist der Andere unsichtbar, ist die Grenze der persönlichen Scham nicht vorhanden, man sieht denjenigen nicht, den man als Mittel zum Zweck benutzt, eine unauffällige Bürokratie ersetzt das Gegenüber.

Diese Anonymisierung hat auch eine Entsolidarisierung zur Folge, und auch das Gedeihen bizarrer Verhaltensweisen, da das Korrektiv gelebter Gemeinsamkeit fehlt.
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Definiert man Egoismus als Selbstachtung, so wird diese schwerlich damit vereinbar sein, lediglich Empfänger von Solidarität zu sein, man wird nur dann sich als vollwertiges Mitglied einer Gemeinschaft fühlen, wenn man selbst auch seinen Beitrag zum Gelingen derselben leisten kann.

Mal entspricht es dem eigenen Interesse, sich für eine andere Person einzusetzen, solidarisch zu sein, ein andermal ist es vergebliche Liebesmüh`. Egoismus bedeutet, eine Grenze zu ziehen zwischen dem, was unterstützenswert ist und dem, was nicht. Manchmal auch, hässlichen Charaktereigenschaften die Subventionen zu entziehen, was eine erzieherische Wirkung auf das Gegenüber haben kann.

In manchen Fällen kann es sogar äußerst sozial sein, Grenzen aufzuzeigen. Kinder probieren gerne aus, wie weit sie gehen können, auf diese Weise lernen sie, wie man sich benimmt und wie besser nicht. Die Grenze wird durch die Eigeninteressen, durch die Auseinandersetzung mit dem Ego des Gegenüber bestimmt. Doch wo es solche Grenzen nicht gibt, wo die Grenze zwischen Du und Ich nicht klar bestimmt ist, da entsteht Orientierungslosigkeit und das oftmals anmaßende Verhalten desorientierter Menschen.

Rationaler Egoismus ist das Gegenteil davon. Man sucht das langfristige Eigeninteresse, was auch stabile Beziehungen zu den Mitmenschen voraussetzt. In diesem Falle ist das Nachgehen rauschhafter Impulse eher kontraproduktiv, das Nichtwahrnehmen der Realität, das Verharren im Wunschdenken, ist eher selbstzerstörerisch und Selbstzerstörung ist das Gegenteil von Eigeninteresse.

„Zu denken liegt im Eigeninteresse des Menschen, sein Bewusstsein auszusetzen, tut es nicht. (Nathaniel Branden)



Manchmal also kann das Ego die Instanz sein, die immun ist gegen die Verführungskraft zweifelhafter Ideen, vor allem derjenigen, die kollektive Emotionen kanalisieren und in eine bestimmte Richtung zu lenken versuchen. Totalitarismus funktioniert lediglich mit Menschen, die bereit sind, sich zu opfern für Ideen, die sich zumeist als Luftschloss entpuppen. Der Egoist fragt sich, was er davon hat und der Buchhalter in seinem Kopf hält ihn von Dummheiten ab.

Aber der Realismus des Egoisten ist eine ziemlich langweilige Angelegenheit, es fehlt die Erotik visionärer Ideen, wie auch die Ratio nicht besonders attraktiv ist, sie bedeutet Arbeit bei oftmals dürftigen Ergebnissen, das sich Aufreiben im alltäglichen Klein-Klein.
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Wie aufregend dagegen die Träume von einer Welt, in der es das böse Ich nicht mehr gibt, mal nostalgisch verklärt bei Rousseau, die Rückkehr in die heile Welt der edlen Wilden, mal die Abschaffung sämtlicher Unterschiede oder die Vereinigung aller Menschen im Einheitsdenken.

Doch der Realismus des Alltagsgeschäftes lädt nicht zum Träumen ein. Wie Blaise Pascal sagte: „Alles Unglück der Welt kommt nur daher, dass der Mensch nicht ruhig auf seinem Zimmer bleiben kann.“
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Punktestand der Geschichte:   9
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Interessante Kommentare

Kommentar von "Kleine Meerjungfrau" zu "Bah, Ekelattacke"

Muahhhh, bah, widerlich, ekelhaft... Wie kommt man denn auf soetwas?? Da hast du dich aber geekelt an dem Tag, oder? Und du steckst die anderen damit an. Auch wenn der Inhalt fies ist, ein gelungener ...

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