Kurzgeschichten · Fantastisches

Von:    Frank Bao Carter      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 14. Februar 2026
Bei Webstories eingestellt: 14. Februar 2026
Anzahl gesehen: 329
Seiten: 6

Aus dem Hühnerstall trat eine Henne auf das schräg nach unten führende Leiterbrett. Sie hielt nach zwei Schritt inne. Nicht wegen des Regens. Sie nahm wahr, das ganze Fährhaus war mit einem unsichtbaren Grauen umflort. Gackernd rannte sie zurück in ihren Bau. Sich in eine Ecke kauernd, hoffte sie, den üblen Handlungen entkommen zu können.



Die Orks rieben sich die Hände, als sie das Fährhaus umstellten. Sie zügelten ihr Ungetüm und steckten die Waffen ein. Gerne wären sie im Blutrausch über die armen Menschlein hergefallen und hätten alles Fleischige zerhackt. Doch heute galt es, Nachschub für das Fest zu organisieren. So könnten sie die Scharte auswetzen, die ihnen die Flucht der Nixen beigebracht hatte.

Jaskina ließ es sich nicht nehmen, den Messingklopfer der Tür zu betätigen. Mit zuckersüßer Stimme klagte sie über das Unwetter sowie ihre nasse Kleidung und bat um Einlass. Die Kapuze ihres Umhangs hatte sie über beide Ohren gezogen, die Reißzähne versteckte sie unter ihrer Oberlippe.

Innen wurde eine kleine Türklappe geöffnet. Der rüstige Fährmann schaute heraus. Die junge Frau machte einen bejammernswerten Eindruck. Von ihr erwartete er keine Bedrohung. Ihre grünliche Haut ließ auf eine Elbin deuten. Eine Anhängerin der stolzen Carlinga, die dem Tyrannen Nortax zu trotzen wagte. Von Carlingas Gefangennahme hatte er noch nichts vernommen.



Die Türklappe fiel wieder zu. Gleich darauf hörte Jaskina hinter der Tür einen Riegel schaben. Hinterlistig grinste sie den Anführer an, der sich neben ihr gestellt hatte.

Kaum bewegte sich die Tür, trat er kraftvoll dagegen. Der Hausherr wurde nach hinten geschleudert und stürzte über einen Stuhl. Die Erkenntnis kam brutal über ihn, dass das Elbenmädchen nichts weiter als Lug und Trug war.

Zeitgleich barsten die Fensterläden mitsamt den Butzenscheiben. Grauhäutige Monster brachen ins Innere ein. Den Insassen wurde keine Fluchtmöglichkeit gewährt.

Die Henne schoss einen Meter in die Höhe. Sie kreischte hysterisch und schlackerte wild mit den Flügeln. Das Splittern der Fensterläden und Butzenscheiben hätte fast ihr kleines Herz zum Stehen gebracht. Neben ihr bibberten neun andere Hennen und der Hahn. Keine und keiner wagte es, den Kopf durch das Eingangsloch zu stecken, um zuzuschauen, was im Stall der Menschen vor sich ginge. Sie wollten nur eines, unerkannt bleiben.
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Ja nicht in den Focus dieser großen grauen Wesen mit den gefährlichen Reißzähnen geraten. Diese Monster hätten sie bestimmt bei lebendigem Leibe gefressen.

Die beiden Söhne griffen je einen Holzstuhl und stürzten auf die Muskelberge zu. Den großen Orks entlockte es ein mitleidiges Lächeln, als das Holz auf ihren Körpern splitterte. Dann langten sie zu. Die Backpfeifen fegten die Jungen durch den Raum. Sie krachten an die Wand und sanken benommen nach unten.



Die grauen Kraftpakete hatten die sechs Menschen in wenigen Sekunden überwältigt. Freudetrunken zogen sie die Menschlein bis auf die Haut aus. Dem Vater und dem Jüngeren der Söhne wurden die Füße zusammengebunden und die Hände vor dem Bauch gefesselt. Den Älteren legte sich Jaskina mit dem Rücken auf den Holzdielenboden. Ihm spreizte sie Arme und Beine ab, dass er an einen Hampelmann erinnerte. Hände und Füße fesselte sie, indem sie dem armen Burschen dicke Nägel durch das Fleisch trieb. Dann zog sie sich aus und ritt auf dessen Gesicht und Schoß, bis sie zu einer orgiastischen Erfüllung kam. Anschließend blieb sie auf ihm sitzen, sein Glied in ihrem Inneren, und schaute heißhungrig auf das hübschere der beiden Mädchen. Sie freute sich, dass die Not in Kürze ein Ende hätte, nur das Fleisch der Tiere des Waldes verzehren zu können. Jetzt gab es endlich mal wieder leckeres Menschenfleisch. Und sie aß nun mal vom Herzen gerne hübsche und delikate Mädchen. Das war für sie, als würde ein Bär einem Bienenschwarm den Honig stibitzen.



Außerdem genoss sie es, wie diese drei nackten Frauen jetzt von ihren Orkbrüdern genommen wurden. Sie sonnte sich im Leid der anderen, nährte sich geistig von deren Erniedrigung. Zwei Orks hatten die hochattraktive Mutter über den Küchentisch gelegt und rammelten sie mit ihren dicken Keulen. Die Jüngere der Töchter hatte sich der Hauptmann erkoren. Sie lag mit dem Rücken auf dem Boden und schrie sich die Seele heraus, als er sie nagelte.

Erst nachdem er sich in ihr entladen hatte, durfte der nächste dran. Zeitgleich hatte sich ein anderer Wütender die ältere Tochter seitlich auf die Erde gelegt und ihr die Knie zu deren Busen geschoben. Gnadenlos fetzte er ihr den After auf. Jaskina ging zu der Schreienden hin und stellte ihr den Fuß auf die Wange, um das Weibstück gegen den Boden zu pressen. Nebenbei achtete sie darauf, dass ihre Brüder das Spielzeug nicht kaputt machten.
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Sich selber den Kitzler zupfend, dirigierte sie die Jungs in die Vagina und den After des Mädchens.



Im Hühnerstall legte sich die Henne ihre Flügel auf die Ohren. Sie konnte nicht länger das Schreien der Menschfrauen und das um Gnade Winseln der Männer hören.

Irgendwann hatte jeder Orkmann jedes Menschenweib missbraucht. Nun bekamen sie die Hände vor dem Bauch zusammengebunden. Ein Stück des Taus wurde lang gelassen. An dieser Schnur zogen die Orks die Weibchen und die Männchen liegend aus der Hütte und über den Vorplatz des Fährhauses. Erbarmungslos über die raue Erde. Es war ein weiteres Moment der Demütigung. Den Menschen wurde gezeigt, wessen Besitz sie sind und welche Achtung ihnen entgegengebracht wurde – nämlich keine. Hätte die Henne jetzt aus ihrem Bau gelugt, hätte sie sich gefragt, warum die Menschen von den grauen Bestien gerupft worden wären. So ganz ohne Federkleid sahen der Fährmann und die Familienmitglieder ganz anders aus.

Von der Vorliebe der Orks, Menschen zu fressen, wussten die Überrumpelten. Alls sechs machten sich nichts vor. Aus den Klauen dieser muskelbepackten grauen Monster mit den großen Reißzähnen und den spitzen Ohren würden sie nicht mehr herauskommen. Ihr Schicksal war besiegelt, nur der Zeitpunkt stand noch nicht fest. Morgen, in zwei Tagen, oder in drei. Aber was machte das noch für einen Unterschied.

Der größeren Tochter schauderte, als sie auf ihre Füße gestellt wurde. So wie ihre Eltern und ihre Geschwister. Damit sie aufrecht hinter ihren Sklaventreibern hergehen durften – um ja nicht ihre schöne Haut aufzuschürfen. Wer äße schon gerne entstellte Menschen.



*



Die Henne merkte, irgendetwas war anders am nächsten Morgen. Das kleine Mädchen kam nicht, um die Eier zu klauen. Außerdem war es so ruhig in dem großen Stall, wo der Fährmann mit seiner Sippe wohnte. Was hatten die großen grauen Fleischberge mit den Reißzähnen angestellt? Kurzentschlossen ging die Henne auf Erkundung. Sie wunderte sich über die offenstehenden und kaputten Fenster sowie Türen. Vor einem der Fenster blieb sie stehen, holte tief Luft und sprang hoch. Ihre gestutzten Flügel brachten sie bis auf dem Sims. Mit dem Kopf hin und her wackelnd, äugte sie vorsichtig in das Innere des Baus. Von den Menschen gab es keine Spur. Auf dem Tisch stand ein Laib Brot.
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Sein Duft zog die Henne an. Freudig gackerte sie zu ihren Artgenossen. Diese kamen wie eine Flutwelle zum Haus gelaufen. Den Festschmaus wollten sie sich nicht entgehen lassen.



Die Henne fragte sich, wo sie hingeraten wäre. Seitdem die Menschen fort waren, entwickelte sich der Ort schnell zu einer Ödnis. Die Nahrungsreste im Stall des Fährmanns waren vertilgt, die Erde war wieder trocken, so dass es kaum noch Regenwürmer zu ergattern gab und die Käfer, die hier herumflitzten, hingen ihr zum Halse raus. Sehnsuchtsvoll dachte sie an das Korn, welches die Eierdiebin jeden Tag unter das Federvieh gestreut hatte. So ganz schlecht war es ihrem Volk unter der Knechtschaft der Menschen nicht gegangen. Sie musste zwar ihre schwer gelegten Eier abgeben, dafür litt sie aber keinem Hunger und Fressfeinde wurden von den Menschen erschossen. Aus den Fellen der Füchse und Marder machten die Zweibeiner etwas, das sie auf den Kopf trugen oder sich um den Hals legten.



Der Hahn und die anderen neun Hennen darben wie sie selbst. Alle vermissten das leckere Korn. Wie sie so über den Hof schlurfte und lustlos die Erde mit den Krallen aufkratzte, sah sie in der Ferne einen Trapper das Fährhaus ansteuern. Sie stieß einen Warnschrei aus und versteckte sich hinter dem Ziehbrunnen. Die anderen flitzten zurück in den Hühnerstall.

Vorsichtig linste die Henne um den Brunnenrand. Näher und näher kam der Mensch mit diesem ockerbraunen Federkleid, an dem viele Fransen hingen. Irgendwann meinte die Henne, nicht richtig sehen zu können. Sie kniff die Augen zu, um den Traum zu verscheuchen. Vielleicht spielte das Sonnenlicht ihr ja einen Streich.

Die Sehorgane wieder geöffnet, hatte sich das Bild nicht geändert. In der Tat hatte der Trapper verdammt langes schwarzes Haar. Kein männlicher Mensch trug seine Haarpracht bis über die Mitte des Rückens. Unzweifelhaft kam dort eine Frau. Und die menschlichen Weibchen, so hatte die Henne gelernt, waren ausschließlich liebevoll.



So fasste die hinter dem Brunnen versteckte Henne Zutrauen zu der Ankommenden. Vielleicht könnte die Fremde sie und ihre Sippe füttern. Mit dem leckeren Korn.

Ohne weiter nachzudenken, kam die Henne um den Brunnen geschossen und rannte flügelschlagend und gackernd der Trapperin entgegen.

Diese hing in die Knie und sprach der Henne freundlich zu. Jene wurde immer aufgeregter.
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Das Glück stand ihr zur Seite. Doch anfassen lassen wollte sie sich nicht. Kurz vor der Fremden schlug sie einen Haken und nahm Kurs auf den Schuppen, wo der Fährmann das Körnerfutter gelagert hatte.

Nach einigen Metern blieb sie stehen, schaute über die Schulter und gackerte verzweifelt.

Das Menschweib verstand und setzte sich in Bewegung. Es folgte der Henne. Diese fragte sich, ob sie je in ihrem Leben schon mal blaue Menschen gesehen hätte. Am Ende musste sie diese Frage verneinen. Doch letztendlich war das nicht von Belang.



Die blaue Frau schien zu verstehen. Sie öffnete die Tür des Schuppens. Zwischen deren langen Beinen huschte die Henne mit in den Raum. Sie roch sofort, in welchem der Säcke das Körnerfutter war. Gegen diesen pickte sie mit ihrem Schnabel.

Varinda verstand. Sie schippte mit einer kleinen Holzschütte Korn aus dem Sack in die große hölzerne Futterschale. Diese mit einem Arm eingeklemmt und gegen ihren Bauch drückend, trat sie nach draußen.

Der Rest des Federviehs hatte das Knarzen der Schuppentür erkannt und kam gackernd und mit den Flügeln schlagend zu ihr her gestürmt.

Varinda griff in das Korn und streute es wie ein Sämann über den Hof. Wieder und wieder. An ihren Beinen stürmte die Henne vorbei, welche sie so witzig begrüßt hatte. Alle pickten das Korn mit einer Geschwindigkeit, als käme morgen der Weltuntergang. Die Pfadfinderin erkannte die Not der Tiere. Den Hunger – und das Fehlen einer Betreuung.

Dass dem Fährmann und seiner Sippe ein böses Schicksal ereilt haben mochte, hatte sie an den geborstenen Fenstern und Türen schon erkannt. Was aber war geschehen?



Nach der Fütterung wandte sie sich zum Haus. Ihre neue Anhängerschaft folgte ihr glucksend. So wie die Fenster war auch das Innere des Hauses verwüstet. Leichen oder Blut indessen fand Varinda nicht. Die Art, wie hier drinnen gewütet wurde, ließ sie auf Orks schließen. Wie lange mochte der Überfall her sein?

Sie ging nach draußen, inspizierte die Spuren auf dem Hof. Es gab ein paar riesige Fußabdrücke und Schleifspuren. Demnach musste der Überfall am Tag nach dem letzten Regen stattgefunden haben. Da war der Boden noch weich und nahm Abdrücke auf. Wäre der Angriff früher erfolgt, hätte der Regen die Fährte verwischt. Wäre er zwei Tage später gewesen, hätte sich nichts mehr so tief in die trockene Erde eingraben können und der Wind hätte die undeutlichen Spuren verweht.
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Tief seufzte sie auf. Den Verschleppten war nicht mehr zu helfen. Die Orks hatten sie bestimmt schon gegrillt und aufgefressen. Ob diese Fährmannfamilie der Ersatz war, weil sie und ihre Gefährten aus der Speisekammer der Monster hatten flüchten können?

Gewissensbisse nagten an Varinda, bis ein Schnabel in ihre Wade pickte. Es war die Henne, die sie so aufgeregt begrüßt hatte.

„Nun, hier könnt ihr aber nicht bleiben“, sprach die Kriegerin liebevoll, ging in die Hocke, nahm die Henne auf ihre Arme und strich ihr über den Rücken.

Eine viertel Stunde später hatte sie alle Hühner und den einen Hahn jeweils zu zweit in kleine Holzkäfige verfrachtet, mit denen der Fährmann oder seine Gattin auf dem Bauernmarkt Kleinvieh erwarb oder verkaufte.

Nur die Henne, ihre neue Freundin, blieb uneingesperrt. Sie hockte auf der vorderen Bordwand des großen Handkarrens, den Varinda hinter sich herzog. Beladen mit den Käfigen und allen Futtersäcken, die sie im Schuppen gefunden hatte.

Die Deichsel quietschte in ihren Kugellagern, die einsenbeschlagenen Holzräder kratzten über im Feldweg liegenden Steinen und das Federvieh gackerte unsicher. Bis auf eine.



Die Henne war stolz, sich als Freundin des Menschweibchens verstehen zu dürfen. Wohin die Reise gehen sollte, wusste sie zwar nicht, aber sie war felsenfest sicher, gerettet worden zu sein.

Am Abend kam dann die Gewissheit. Mensch und Fuhrwerk erreichten einen Bauernhof. Das zugereiste Hühnervolk vermischte sich sofort mit dem alt eingesessenen. Alle waren froh, eine neue Heimstatt gefunden zu haben. Lediglich die Henne schob Trübsal. Der Abschied von der blauen Frau tat etwas weh. Ein letztes Mal strich diese ihr über den Kopf und den Rücken und sagte etwas, das wie kicke-grurr-glucks-kick-e-kiri-gurr-gurr klang. Oder so ähnlich. Es war wohl ein zärtlicher Abschiedsgruß, sagte sich die Henne.



(Auszüge aus meinem Fantasy-Roman „Dein Kopf soll rollen, Sarah“, veröffentlicht unter dem Pseudonym Mikka Tornesch)
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Kommentar von "Sabine Müller" zu "Die Lebenswippe"

Hallo, sehr schöne, wahre Gedankengänge! 5 Punkte von mir. lg Sabine

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Da kriegt man ja richtig Lust auch mal dorthin zu verreisen.

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