Wer sich in dieser dunklen und kalten Jahreszeit darüber Gedanken macht, wohin man mal einen Ausflug machen könnte, der landet im Kloster Kamp (GPS 51.502668° , 6.515759°; Abteiplatz 47475 Kamp-Lintfort) gerade richtig.
Darum möchte ich Euch heute einmal das barocke „Kloster Kamp“ vorstellen, welches so eine Art Schmalspur-Versailles des Ruhrpotts ist.
Ruhrpott?
Was ist Ruhrpott, werden nun einige fragen.
Also das Ruhrgebiet (Ruhrpott) liegt da, wo Heinrich Heine, würde er heute noch leben, wie folgt dichten würde:
„Im düstern Auge keine Träne,
Sie sitzen im Stau und fletschen die Zähne!“
In einer Gegend, wo sich manchmal ein Stürmer im Fußballmatch, während er aufs gegnerische Tor gemächlich zu trottet, mehr auf seine Work-Life-Balance konzentriert als auf den finalen Torschuss, ist man im Ruhrgebiet angekommen.
Die megalomanische Forderung drittklassiger Revier-Fußballvereine nach staatlichen Hilfen (financed by the taxpayer) zum weiteren Ausbau ihrer Sportstadien, welche regelmäßig Relegationsspiele in einer Art Brauchtumspflege vermasseln, ist ein weiteres Indiz dafür, dass es nach Ruhrpott riecht. Die Zeiten, wo eine Fußball-Koryphäe für ein „Ich danke Sie“ an den Schiedsrichter vom Platz flog, sind vorbei. Vor vierzig Jahren war es im Pott so, dass man erst einmal Leistung zeigen musste, bevor man sich mit seinem Verein über das Gehalt unterhalten durfte. Heute ist es gefühlter Weise umgekehrt und das Motto lautet:
"Trainer fahr den Ferrari vor,
erst danach pöhl ich ein Tor!"
Was waren das noch für Zeiten, als ein Spitzenfußballer vielleicht maximal 10.000 DEM im Monat verdiente. Dafür riskiert heute keiner seine Füße mehr!
Als Nordgrenze des Ruhrgebiets könnte man Münster bezeichnen und als Südgrenze das Bergische Land. Im Osten grenzt das Ruhrgebiet an das Sauerland und im Westen ist das Rheinland (Düsseldorf, Duisburg) die Grenze. Sieht man nach oben, grenzt es an einen Wolken-Himmel, der nun oft tatsächlich hellblau erstrahlt, da sich die Prophezeiung eines inzwischen verstorbenen Bundeskanzlers ("Der Himmel über dem Ruhrgebiet muss wieder blau werden!") anscheinend dank zahlreicher Zechen- und Kokerei-Schließungen erfüllt hat.
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Und? Wie sieht es aus, wenn man dort nach unten blickt? Dann sieht man immer noch Kohle in den Flözen, wenn man sich durch das Gebirge in Richtung Erdmittelpunkt hindurchgräbt. Doch in den Stollen und Schächten arbeitet kaum noch ein Kumpel. Die Zeit der Kohle ist vorbei. In den Bergwerken stehen die Bergbaumaschinen still und rosten im steigendem Grundwasser vor sich hin. Maschinen einer Bergbautechnik, welche einst zu den besten der Welt zählte.
Aber zurück zum Kloster Kamp.
Es liegt nur ca. 435 Kilometer Luftlinie vom Original „Palace of Versailles“ (GPS 48.804744° , 2.120551°) entfernt.
Mon dieu!
Wer hätte das gedacht?
Mit dem Fahrrad schafft man das angeblich in 30 Stunden und zu Fuß, im pausenlosen Dauerlauf, soll man insgesamt nur ca. 107 Stunden unterwegs sein. Ergo: An sich liegt der Palace of Versailles also praktisch „gleich um die Ecke“ in der Nachbarschaft. Ein drahtiger römischer Legionär hätte für diese Strecke mit 40 Kilogramm Marschgepäck im „magnum iter“ (Eilmarsch mit Sandalen, welche eisen-genagelte Sohlen (Caligae) hatten) vielleicht 2 Wochen gebraucht.
Doch zurück zum Kloster.
Das Kloster Kamp hat zwei Zwiebeltürme und einen sehr schönen Terrassengarten. Gleich vorneweg kann man feststellen, dass diese bautechnische und gärtnerische Großanlage völlig untypisch für das Ruhrgebiet ist. Irgendwie passt diese nicht in eine Region, wo gefühlt in jeder zweiten Straße eine Kneipe ist und jeder dritte Garten einen Fahnenmast mit der flatternden Flagge einer zweitklassigen regionalen Fußballmannschaft hat.
Im Stadtgebiet von (47475) Kamp-Lintfort – auf dem Kamper Berg gelegen - gibt es ein Zisterzienserkloster welches 1123 nC (laut Stiftungsurkunde des Erzbischofs von Köln Friedrich I.) als angeblich erstes Zisterzienserkloster Deutschlands (im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen) gegründet wurde und welches nahe dem Fossa Eugeniana Kanal (siehe hierzu Exkurs unten (*1)) erbaut liegt.
Wer zurzeit (05.02.2026) in der Nähe wohnt und die winterlichen Temperaturen in kulturell, garten- und bautechnisch anspruchsvoller Umgebung genießen will, sollte dorthin vielleicht einmal einen Abstecher machen. Natürlich ist ein Besuch in der Sommerzeit noch viel mehr zu empfehlen.
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Das es Nepotismus nicht nur in unserer heutigen Zeit gibt, sondern auch in den Jahrhunderten davor, zeigt die damalige Beauftragung eines gewissen Heinrich (Bruder vom Auftraggeber Friedrich I. (s.o.) aus Frankreich) das Kloster Kamp zu gründen.
Dieser machte sich sogleich gehorsam mit 12 Aposteln ..... äh ... bzw. 12 Mönchen und der Reliquien-Schädeldecke der Heiligen Agatha auf die Socken und führte den Klosterbau, damals noch rundherum von sumpfiger Landschaft umgeben, vor Ort auf einem Hügel (Kamper Berg) durch.
Aus dieser Gründung gingen in der historischen Folgezeit angeblich die Etablierungen von 14 bis 15 Tochterklöstern hervor und da sich auch diese nicht damit zufriedengaben, waren es am Ende ca. 80 Filialklöster, welcher dieser Klosterlinie zuzurechnen sind.
Nebenbei angemerkt.
Der o.g. Schädelteil der Heiligen Agatha, oder etwas was man dafür hält, wird heute noch in der Klosterkirche gelagert.
Natürlich sorgten im Laufe der Zeit zahlreiche Schenkungen dafür, dass das Kloster überlebensfähig blieb, da keine Klosteranlage vom Frohlocken allein überlebensfähig war/ist.
Da die Ordensleute damals durchaus bodenständig waren, lag es auf der Hand, dass diese vom Glauben allein nicht beseelt wurden, sondern dass zur wahren Spiritualität auch Weinberge bzw. Wein-Anpflanzungen dazu gehörten. Zunächst versuchte man es mit einem externen Weinberg, irgendwo bei Koblenz. Wobei jedem klar sein sollte, dass von 100 Liter Wein, welcher zur damaligen Zeit mühsam und zeitaufwendig von Koblenz nach Kamp-Lintfort transportiert wurde, in Kamp-Lintfort angekommen, nicht mehr viel übrig war. Dies kann durchaus verwundern, da historische Quellen die bescheidene Qualität des damaligen alkoholischen Getränks betonen.
Gab es wirklich damals zu viele unehrliche und durstige Seelen auf dieser Reise?
Man weiß es nicht genau.
Man kann es nur vermuten!
Ich glaube, ich schweife nicht zu sehr vom Thema ab, wenn ich in diesem alkoholischen Zusammenhang einen Bekannten (geboren und aufgewachsen im Ruhrpott) zitiere, welcher mir dringend riet, niemals einen vollen Kasten Bier unbewacht im Freien vor einer Haustür im Ruhrgebiet abzustellen. Spätestens nach 10 Minuten wäre dieser weg. Das gleiche gälte für nicht angekettete Fahrräder und Mofas.
- Geschichte -
Nach 1355 nC entschied man sich deswegen (u.
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a. wunderhafter Weinschwund), diesen Wein dann doch besser in der Nähe des Klosters, nämlich südlich der Abteikirche Kloster Kamp (GPS Breite 51°30'10.16"N Länge 6°30'57.20"E) ortsnah anzubauen. Andere Info-Quellen positionieren den Weinberg und die Obstwiese am Osthang des Klosterberges und weisen darauf hin, dass der Flaschenwein, welcher im Klosterladen heutzutage verkauft wird, jedoch nicht von Reben aus der weitläufigen Anlage stammen soll. Der Hauptgrund der o.g. Produktionsverlagerung soll aber ein Zwangsverkauf des Koblenzer Weinguts infolge wirtschaftlicher Probleme gewesen sein.
1504 nC sorgte ein Erdbeben für schwere Beschädigungen an der Anlage. Die Stärke des Bebens wird heute auf die Magnitude 4.9 geschätzt. Es war damals u.a. in Dortmund, Aachen, Brüssel, der Niederrheinischen Bucht und Maria Laach deutlich zu spüren. Es sei in diesem Zusammenhang darauf verwiesen, dass natürliche Erdbeben im Ruhrpott relativ selten sind. Erdbeben als Folge des Kohle-Untertage-Abbaus kommen aber durchaus häufiger, wenn auch mit weitaus geringeren Magnituden, bis in unsere heutige Zeit unregelmäßig vor.
1585 nC wurde das Kloster von den Mönchen aufgegeben.
1586 nC sorgte ein gewisser Graf Adolf von Neuenahr für weitere Zerstörungen.
1640 nC versuchte man einen Wiederaufbau, der aber erst ab ca. 1683 nC realisiert wurde.
1733 nC bis 1749 nC war eine gute Zeit für die Gesamtanlage, in der viele botanische Installationen, wie z.B. der Terrassengarten, erfolgten und in der sich die Gartenbauer an französischen Vorbildern orientierten. Das war kein Wunder, denn die Franzosen hatten damals das Talent wunderschöne protzige Märchen-Schlösser und Gärten bauen zu können. Das Baugeld holte sich (L'État, c'est moi) der jeweils herrschende Bauherr vom Volk und wenn dieses verarmt nach nicht mehr vorhandenem Brot schrie, riet man diesem „dann doch einfach Kuchen zu essen“ („Qu’ils mangent de la brioche“). Das historische Resultat eines solchen Zynismus waren später dann die allseits bekannten kopflosen innenpolitischen Zustände.
1760 nC : Sieg der Franzosen in der Kloster Kampen Schlacht gegen englische und preußische Truppen.
1802 nC wurde die o.
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g. Kampsche Anlage von Napoleon verstaatlicht (Säkularisierung; Trennung der Kirche/Religion vom Staatswesen) und teilweise verkauft. Fast alles was nicht Niet- und Nagelfest war, wurde damals von Napoleons Leuten weggeschleppt.
1807 nC ersteigerten 6 Kaufleute das Anwesen.
Erst im Zeitraum 1954 nC bis 2010 nC -
(andere Quellen nennen jedoch eine Aufgabe des Klosters im Jahre 2002 nC durch die Karmeliter)
- erfolgte wieder eine Bewirtschaftung durch Kameliter-Mönche.
2020 nC gab sich dort die Landesgartenschau im Klostergarten die Ehre.
Heute gibt es dort im touristischen Angebot u.a. Gastronomie, Spenden Café, Kräutergarten, 5-stufiger botanischer Terrassengarten (zahlreiche Pyramiden förmig geschnittene Eiben), Kräutergarten, Orangerien, Vogelvoliere , Museum mit Schatzkammer (Abteipl. 24, 47475 Kamp-Lintfort; GPS 51.503880° , 6.516254°), Museumsladen bzw. Klosterverkaufsladen und Kunstausstellungen. Das Kloster und der nahe befindliche Zechenpark (Gelände der ehemaligen Zeche Friedrich Heinrich) wird durch einen Wander- und Radweg (Wandelweg) verbunden. Dieser Weg ist ca. 2000 Meter lang und verläuft parallel zum Bach „Große Goorley (Große Gohrley)“, welcher am Kloster in die Fossa Eugeniana mündet. Zu Beginn des 20ten Jahrhunderts wurde dieser Bach noch als Abwasserkanal verwendet. Ab ca. 1990 wurde dies geändert.
- Lage -
Die gesamte Kloster-/ Abteianlage belegt ein Gebiet, welches einem Dreieck ähnlich ist.
Von Süd nach West sind es ca. 700 Meter. Von Ost nach West ca. 600 Meter und von Nord nach Süd ca. 550 Meter.
GPS-Position der „Große Fontäne Kloster Kamp„ im botanischen Garten Bereich: Breite 51°30'5.56"N Länge 6°30'56.69"E.
Wenn man das Klosteranwesen besuchen will, kann man am Wanderparkplatz (GPS Breite 51°30'20.67"N Länge 6°30'58.36"E) gut parken, oder direkt am Parkplatz des Klosterfriedhofs (GPS Breite 51°30'17.85"N Länge 6°30'59.62"E).
Östlich ca. 200 Meter Luftlinie vom o.g. Wanderparkplatz entfernt wurde ein großer Golfplatz angelegt (1.200 Meter * 400 bis 500 Meter).
In einer Entfernung von ca. 600 Metern vom Wanderparkplatz des Kamper Wald sollen in nördlicher Richtung Hügelgräber aus der Bronzezeit zu finden sein.
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Deren völlig unverbindliche GPS-Position könnte 51.511477° , 6.515293° sein. Diese Hügelgräber sollen aus der Eisen- und/oder Bronzezeit stammen (Ca. 1200 vC bis ca. 450 vC.) Sie gelten heutzutage als Bodendenkmäler und waren wohl Grabhügel. Dieses Grabfeld und die dazugehörigen archäologischen Funde weisen darauf hin, dass das heutige Kamp-Lintfort schon vor Jahrtausenden besiedelt wurde.
############## *1) Beginn Exkurs ################
Der Fossa Eugeniana-Kanal -
(GPS-Breite 51°30'2.91"N Länge 6°30'59.89"E . Ca. 50 km langer Kanal zwischen der Maas und dem Rhein aus dem 17ten Jahrhundert. Baubeginn 1626 nC und glückloser Schutzwall der Spanier gegen die Niederländer.)
- ist in süd-östlicher Richtung nur ca. 100 Meter von der o.g. „Großen Fontäne Kloster Kamp“ entfernt. 1626 nC bis 1629 nC versuchte die Statthalterin der spanischen Krone in den Niederlanden, die ehrwürdige aber auch manchmal gemeine Isabella Clara Eugenia, einen Kanal zwischen Maas (Venlo) und Rhein (Rheinberg) bauen zu lassen, um die Niederländer damit beim damals gewinnträchtigen Rheinhandel zu behindern. Das Umweltproblem mit dieser Fossa Eugeniana ist heute, dass Grubenabwässer in diese eingeleitet wurden/werden(?), welche chemisch bedenkliche Stoffe enthalten wie z.B. Sulfate, Schwermetalle, natürliche Radionuklide (z.B. Radium) und Chloride. Die zusätzliche Umweltstrahlenbelastung dadurch, soll dabei keine Bagatelle sein und vom Wesen eines alpinen, munter talwärts gluckernden Gebirgsbachs mit frischem Felsenwasser ist dieser Kanal wohl weit entfernt (Faktencheck zum oben Gesagten wird empfohlen).
######### Ende Exkurs ############
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