Amüsantes/Satirisches · Kurzgeschichten

Von:    Robert Zobel      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 15. März 2007
Bei Webstories eingestellt: 15. März 2007
Anzahl gesehen: 2069
Seiten: 3

Sehr geehrte Leute von der Wirtschaftskammer,



ich schreibe Ihnen heute (na ja gestern, weil der Brief ja ein wenig zu Ihnen braucht) aus dem wunderschönen Schwerin. Da kommen Sie ja auch her und eigentlich könnte ich Ihnen den Brief ja auch vorbeibringen, aber ich gehe lieber den ultimativ richtigeren Weg.



Am Stadtrand besitzt meine Familie eine große Scheune, die zum alljährlichen Osterfeuer jedes Jahr einmal in Brand gesteckt und dann wieder aufgebaut wird.

Wir haben deshalb immer die neueste Scheune in ganz Mecklenburghauptstadthausen, aber so langsam macht das gar nicht mehr so richtig stolz und ich, mein Bruder Frank und die beiden Katrin-Emma-Zwillinge sind jetzt Hartz-4-Emprfänger. Weil wir mit dem Geld nicht so klar kommen und sowieso nichts anderes besser können als feiern machen wir in zwei Monaten eine Disco auf. Natürlich in der Scheune. Wo sonst?



Als Ersatz für das Osterfeuer haben wir einen Spielplatz in unserem Stadtteil favorisiert. Der ist größtenteils aus Holz und nur wenig plastebelastet. Auch wird er abends nie benutzt und so ein Osterfeuer startet ja bekanntlich so 19 Uhr und geht bis 23 Uhr. Am nächsten Morgen ist dann nichts mehr zu sehen. Vielleicht müssen die Eltern dann ein wenig Kippen beseitigen oder Feierer aufwecken, aber ansonsten geht alles weiter seinen Gang. Die verkohlten Spielgeräte muss man natürlich entsorgen und neue hinstellen. Wir als „Diskothek Flachleg“ würden da natürlich einige Mittel locker machen.



Das Konzept sieht wie folgt aus:



Geile Mucke, gut umstrukturierte Scheunenbude, deftiges Programm und servicegeschulte Familienmitglieder.



Die Musik macht der Heiner. Ist unser Nachbar und der hat eine hervorragende Plattensammlung und vor kurzem auch mit Compactdisks angefangen. Sein Schwerpunkt liegt bei Rockn Roll und Jazz, aber wenn er die Platte schneller dreht hört es sich an wie Techno. Wir haben das bei einer unserer Feten auch am eigenen Gehörgang getestet und selbst die Polizei die wegen Ruhestörung kam, meinte; „Nu machen Sie aber mal das Gedudel aus“. Gedudel übersetze ich mal frei als „Elektronischer Funk“. Heiner will sich entweder „DJ Seebestatter“ oder „Compactdiskjockey irrelevant“ nennen.

Bis übermorgen müssen wir das für die Flyer wissen.
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Die macht uns die Kindergartentruppe. Dafür dürfen die Eltern der Kinder dann einen Abend umsonst bei uns abfeiern. In der Disco, neben der Bar wollen wir so einen Bereich umzäunen wo die Babys dann von Jemandem beaufsichtigt werden und damit sie schlafen können gibt es Ohropax. Also wir haben echt an alles gedacht und welche Disco kann schon einen eigenen Kinderhort anbieten?



Im Moment sind wir mit dem gesamten Innenausbau fertig. Es ist alles in der Farbe rot gehalten, weil wir unserem Motto „Geh ins Flachleg und leg flach“ treu bleiben wollen und an den Wänden hängen Filmplakate von indischen Blockbustern. Das hebt die Stimmung und zaubert eine romantische Fickaura. Außen müssen wir noch unsere Werbetafel installieren aber die Bolzen fehlen. Wir haben uns richtig gute Bolzen gekauft und dann hinter die Scheune gelegt oder vielleicht verlegt oder man hat sie gestohlen. Folgendes wird auf der Tafel stehen:



„Alles mit Beine herkommen zum Tanzen und wer was zwischen die Stelzen hat kann hier auch flachlegen. Hier bei Discothek Flachleg“



Sehr viel Gewicht haben wir auf das Programm gelegt. Es gibt ja bei der Kankurenz immer wieder die gleichen lausigen Themenabende. Flirtparty, Saufparty, Misswahlparty, Länderangehauchte Sombreroabende und Schaumpartys. Gibt es da noch mehr? Ja, bei uns.



„Tanzflächenshocker“



Hierzu haben wir extra in jede Fliesennaht Stromschocker eingebaut und bei manchen Abenden heißt es, aufpassen. Denn der DJ drückt den Zufallsbutton und wen es dann trifft der muss lustig tanzen. Macht er ja eh. Alle anderen Gäste dürfen lachen.



„No Fun No Alk“



Das gab es noch nie! Eine Party ohne jeglichen Alkohol. Gereicht werden Pfefferminzpastillen und chinesischer Magenumdrehjoghurt. Vielleicht erreicht man da eine ganz geldschwangere Zielgruppe.



„Musaoke“



Hierzu bringe jeder ein Musikinstrument mit oder spiele mit Mund und Nase Beatbox. Dann gibt es eine Stimme die ein Lied singt du auf dem Monitor sieht man die dazugehörigen Noten. Das wird sicher viel Spaß machen.



„Faust sucht Auge“



Der Presse konnte man jetzt immer wieder entnehmen, dass so genannten Hooligans einfach unschuldige Polizisten und Fußballfans zu Fußbällen zusammenschlagen und dabei sehr brutal vorgehen.
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Wir bieten diesen Haudraufs jetzt eine Plattform auf der sie sich austoben können. Läuft ein wenig ab wie „Fisch sucht Fahrrad“ aber irgendwie auch nicht:

Am Eingang bekommt jeder Gast einen Sack mit 20 Billardkugeln. Gefällt ihm ein anderer Gast und er würde ihm gerne eins in die Fresse geben, wirft er eine Kugel nach diesem und wenn so ein Wurf erwidert wird dann kann es zur Schlägerei gehen. Natürlich draußen.



Und wir haben unser Ideensäcklein noch gar nicht abgeschöpft. Man kann also noch gespannt sein. Wir wollen auf jeden Fall, dass unsere Gäste all das bekommen was sie wollen.

Selbst auf der Toilette haben wier so ein paar andere Gimmicks die es woanders so nicht gibt.

Es gibt eine Kotleserin, die aus dem Kot des Gastes seine Zukunft lesen kann. Ein Urinschauer schaut bei Wunsch nach Krankheiten und ob noch ein paar Pillen mehr reinpassen.

Das gesamte Team der Diskothek wird aus unserer Familie bestehen. Ich bin Manager und Besitzer und ehernamtliche geile Rampensau. Letzteres kann man ja ruhig mal aufschreiben. Sonst glauben Sie das am Ende nicht.



Von Ihnen möchten wir jetzt kurz mal eine kleine Finanzspritze. Nur für den Anfang und dann nie wieder. Es kränkelt auch nichts, aber diese ganze Werbung und so weiter und sie müssen da auch mal an meine arme Frau Mutter denken. Die hat schon seit Wochen nichts warmes mehr im Bauch gehabt. Sie ist viel zu aufgeregt. Jetzt ist sie noch aufgeregter ob das mit Ihnen klappt und wenn wir die Spritze bekommen, dann klappt alles andere ja auch.



Haben Sie Interesse?



Ach na klar doch.





Mit freundlichen Grüßen

Die Familie

Briron

Und ich Bodo Briron
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Kommentare zur Story:

  geile geschichte komm auch aus der nähe schwerin.....ist iemlich hart dagestellt aber echt hut ab vor dir....  
Maximilian Conrad  -  10.04.07 21:45

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Kommentar von "Sabine Müller" zu "verkaufte Seele"

Hallo, sehr berührend. Gefällt mir gut, auch wenn es sehr traurig ist. Gruß Sabine

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