Amüsantes/Satirisches · Kurzgeschichten

Von:    Robert Zobel      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 20. Dezember 2003
Bei Webstories eingestellt: 20. Dezember 2003
Anzahl gesehen: 2307
Seiten: 2

Nach Big Brother gibt es nun eine neue Wohncontainersendung. Im August 2004 werden die ersten Folgen ausgestrahlt. Endemol lieferte das Format und RTL produzierte. Man rechnet mit einer überdurchschnittlichen Zuschauerzahl.

Acht Halbtote mit gleichem fortgeschrittenem Stadium von Krebs oder sonst einer anderen gefährlichen Krankheit zogen im November 2003 in einen Container. Genaue Angaben über die Krankheiten wurden uns nicht mitgeteilt. Es wurde aber versichert, dass alle die gleiche Zeit zu leben hätten. Ungefähr.

Man will dem Zuschauer Spannung bieten und das Ziel jedes Bewohners liegt darin, als erster zu sterben. Das bringt den Nachkommen 250 000 Euro. Selbstmord wird übrigens nicht akzeptiert und verstößt gegen die Regeln. Wer es so versucht, landet sofort im Krankenhaus.

Das Publikum wird immer wieder sehen wollen, ob der oder der noch lebt. Wer vielleicht schon Blut spuckt oder nur noch im Bett liegt. Lieblinge werden geboren und sterben schnell wieder und wenn sie sterben, dann freut sich das Publikum. Der Tod als Fernsehstar. Die Familienangehörigen schreiben Briefe in den Container, schreiben, dass sie sich schon auf das Geld freuen würden und man mal hinmachen solle.

In lustigen containerinternen Spielen, kann man Morphium oder einen Sarg gewinnen.

Einmal pro Tag muss jeder Halbtote in einen kleinen Raum und vor der Kamera erzählen, wie er sich gesundheitlich fühlt.

„Mir geht es ganz gut, denn es geht mir schlecht. Mein Unterkörper brennt und hoffentlich schaffe ich es früh zu sterben. Ich hab das Geld für meine Familie echt verdient.“

Der Nächste kommt rein.

„Wäre doch meine Migräne bloß weg, dann könnte ich mich auf meine anderen Schmerzen besser konzentrieren und wüsste auf welcher Skala ich mich einordnen kann. Im Moment auf einer Skala von 1 - 10. 1 ist putzmunter und 10 mausetot, würde ich mir die 7 geben, aber vielleicht bin ich ja schon schlimmer dran. Mal schauen was der Arzt sagt.“



Besagter Arzt betritt einmal pro Woche das Reich der Kranken. Dazu sitzen dann alle auf einer riesigen Couch, schlürfen Bier und schauen sich abschätzend an. Es gibt die ersten Sticheleien, denn der Jörg hat Wasser in der Lunge und steht nun besser da. Andrea wird beschuldigt, dass sie Domestos getrunken hat.
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Die Gruppenbildung ist längst wieder auseinandergefallen, denn jetzt geht es nur noch darum, wer zuerst stirbt. Tim würde auch gerne die Luise umbringen, aber das geht ja nicht, denn dann hätte sie gewonnen. Sie bekommt Nachts immer Krämpfe, das Bett rüttelt und er kann nicht schlafen. Wobei massiver Schlafentzug die ganze Sache beschleunigt. Das weiß er aber nicht. Die, die das wissen, tun so als wenn sie schlafen würden. Keiner soll diesen Trick herausbekommen.

Der Arzt geht sie alle ab. Horcht an ihrer Brust, lässt sich die Zunge zeigen und vergibt dann die Tage. Hans Peter 3 Tage, Anja 5,4 Tage, Jörg 2,75 Tage, Tim 8 Tage (er bricht zusammen) und so weiter. Bei Andrea raunen alle, sie hat noch 10 Stunden zu leben. Damit liegt sie deutlich vorne. Ein Streit bricht aus.

Die Kameraleute zoomen auf die Gesichter und geballten Fäuste. Eine Psychologin greift ein:

„Keine Aufregung, wir werden Andrea den Magen auspumpen, damit Klarheit herrscht“.

Das gefällt allen und es stellt sich heraus, dass man sie disqualifizieren muss. Nun ist Jörg der Arsch. Heimlich mischen ihm die Anderen Vitamine ins Bier und rufen „Alarm, Alarm“, wenn er im Bett liegt. Dann springt er auf und bewegt sich. Das bringt ihn in Form. Jörg zwinkert in die Kameras. Draußen schaut seine ganze Familie zu und sie klatschen, wenn er vor Schmerzen sein Gesicht verzieht. Zu seinem Geburtstag im Container, hat man ihm eine Torte hineingeschickt. Ein Schriftzug mit Schokolade „Dein letztes Jahr“.

Jetzt, wenn sie sehen, dass ihm Vitamine und Mineralstoffe heimlich gegeben werden, bekommen sie Angst, werden wütend und rufen beim Sender an.



Das wird ein Riesenerfolg!! Endemol hat schon andere Containerideen vorgelegt.

Big Crazy: Die Nervenklinik.

Big Toleranz: Skinhead, Punk, Iraner, ein Polizist und eine Professionelle in einem Haus. Ziel: Mit besonders wenig Verletzungen 80 Tage ausharren.

Big Gen: Fünf Wissenschaftler bekommen ein Labor, acht verschiedene Tiere und dürfen daraus ein neues Tier entwickeln. Am Schluss stimmen die Zuschauer über die Resultate ab.

Big Big: Kandidaten gehen mit einem Gleichgewicht von 75 Kilo in das Haus. Wer bis zu einem gewissen Stichtag am meisten zugenommen hat, gewinnt. Dieser Stichtag ist den Kandidaten nicht bekannt.
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RTL will alle Ideen produzieren und wird damit Erfolg haben.
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Kommentare zur Story:

  Und noch etwas zum Lachen. Klasse Parodie.  
   doska  -  26.06.09 21:13

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  Eine krasse Parodie des heutigen Zeitgeistes, unserer kränkelden Medienwelt, in der guter Geschmack zwecks Gewinn mit Füßen getreten wird. Schck das ja nicht an RTL oder Endemol, die würden das sofort machen. Wir stehen am Anfang einer Fernsehwelt, deren Ende nicht abzusehen ist. Realty Soaps überschwemmen weil billig herzustellen immer mehr die Spalten unserer Programmhefte. Schauen wir nur einmal rüber nach amerika, sehen wir uns doch mal Sendungen wie die "Jerry Springer Show" an, gegen die unsere Deutschen Talkshows sich noch wie Waisenknaben ausmachen. Highlights dieser Sendung kann man auf Deutsch Synchronisiert auf Pro7 in der Sendung Talk talk Talk bestaunen.  
Benjamin Reuter  -  24.12.03 03:03

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  Danke Robert, dass ich mich mal wieder an einer deiner Geschichten totlachen konnte!!!
Die Welt ist krank, das steht fest. Und deine chaotischen Sendeideen am Ende der Story können vielleicht schon nächstes Jahr bittere Realität sein. Es gibt zu viele perverse Röhrenglotzer.
Ich würd auch meinen, schick das Ding zum RTL!
Gruß  
Dolly Buster  -  23.12.03 12:56

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  Und wieder einmal hat er sich selbst übertroffen.
Hut ab, Robert!
Diese Geschichte solltest Du schnellstens an RTL und alle anderen kranken Sender schicken. Vielleicht bringts ja wider Erwarten mal was ...
Voyeure werden nie aussterben, aber man sollte dies nicht noch künstlich pushen bzw. fördern.
Wie anders als mit bitterbösem Zynismus sollte man dem aber begegnen?
Weiter so!

Gruß & Kuss
Pontius  
Pontius  -  21.12.03 15:35

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Interessante Kommentare

Kommentar von "Jonatan Schenk" zu "Eine Rose wird blühen"

ein sehr schönes gedicht!

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