Das Licht der Hajeps Band 6 / Zarakuma - Kapitel 24,25 u. 26 ENDE des sechsten Bandes    251

Spannendes · Romane/Serien

Von:    Palifin      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 25. Oktober 2019
Bei Webstories eingestellt: 25. Oktober 2019
Anzahl gesehen: 469
Seiten: 21

Diese Story ist Teil einer Reihe.

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Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


Kapitel 24



„Der arme Chauffeur! Irgendwie tut er mir echt Leid!“, jammerte Margrit. „Aber ich glaube nicht, dass die Trowes auch uns etwas angetan hätten.“ Sie band sich die Zipfel des Kopftuches noch etwas straffer, denn die Sonne war inzwischen fast untergegangen und der Abendwind war ziemlich frisch.

„Aber es war doch gut, dass wir die lieben, kleinen Trowes sicherheitshalber hinter uns gelassen haben, nicht wahr?“ George grinste Margrit breit an.

Sie nickte verstohlen. „Weißt du, ich wollte ja nur mit denen reden, weil ich solche Angst um Muttsch und die Kinder hatte.“ Und dann setzte sie etwas lauter hinzu: „Und finde es übrigens lieb von dir, dass du dieser Spur die ganze Zeit folgst.“

„Aber ich bin mir nicht sicher, dass das tatsächlich die Reifenspuren von Mikes Jambo sind.“

„Ach ja? Du hast doch erst gesagt, du erkennst sie an den Profilen, weil er stets die besten Reifen drauf hat.“

„Ja, habe ich behauptet. Was sagt man nicht alles und außerdem hat dieser Jambo jetzt die Straße und keine Abkürzung mehr über die Wiesen und Äcker genommen. Also, aus ist es mit der Spurensuche!“

„Ist es gar nicht!“, knurrte sie aufgeregt. „Weil ...“

„Doch, doch!“, fiel er ihr ins Wort. „Und dann wird es auch noch zunehmend dunkler. Außerdem, woher willst du wissen, dass Mike tatsächlich deine Muttsch und die Kinder entführt hatte, bevor die Trowes kamen.“

„Ganz einfach, was ist zum Beispiel das hier?“ Margrit hielt eine kleine Faltarbeit aus einer alten Zeitung in die Höhe.

Er warf einen kurzen Blick darauf. „Ein Papierpferdchen, ja und?“

„Das war Jule!“ Margrits Augen leuchteten hoffnungsfroh. „Hat sie aus Mikes Jambo geworfen. Ich habe das Pferdchen direkt neben der Spur gefunden, als wir angehalten haben, weil du dir die Profile neben dem ehemaligen Hühnerhof gründlicher begucken wolltest.“ Ihre Miene wirkte jetzt richtig stolz. „Julchen kann ganz schön listig sein!“

„Ach, komm.“ Er winkte ab. „Sowas könnte auch sonst wer gefaltet haben und der ... oh Mann!“ George bremste plötzlich scharf und starrte wie gebannt in die Ferne. Er schnaufte aufgeregt und seine Kinnlade zuckte dabei merkwürdig.

„Bist du verrückt?“, fauchte sie und starrte ihn fassungslos an. „Immer deine blöde Bremserei.
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Ich bin fast vom Sitz geflogen! Was ist denn los?“

Er erwiderte nichts, holte nur mit zitternden Fingern sein Fernrohr hervor. „D ... das ist ja unglaublich!“, stammelte er endlich.

„Was ist hier unglaublich? Nun sag doch mal, was passiert ist!“, murrte sie und schaute in die selbe Richtung wie er, konnte aber nichts besonderes am Horizont entdecken. Sie machte die Augen ganz schmal und da sah sie, zwar nur schemenhaft, irgendwelche Schatten über die Äcker und Wiesen staksen!

„Verdammt!“, brummte George und seine Augen suchten immer weiter mit dem Jawubani den Horizont ab. „Es sind wohl Quafune, die sich durch die Wälder geschlichen haben und nun in der Dämmerung auf Kitzingen zu bewegen.“

„Auf Kitzingen? Meinst du etwa, die Stadt wird plötzlich angegriffen? Warum? Oder wollen die komischen Qua ... Dinger nur daran vorbei?“

„Das weiß ich nicht! Es könnte sein, dass sie jemanden ver-folgen. Aber sie sind sehr langsam.“

„Kann man nicht die Stadt warnen?“

„So weit reichen die alten Handys leider nicht. Die restlichen Bodenstationen, welche die Hajeps noch nicht zerstört haben, haben nicht die Reichweite wie damals die Satteliten“, bemerkte er traurig.

„Dann sollten wir vielleicht diesen Dingern einfach hinterher, nur um zu gucken, was die überhaupt machen!“

„Bist du lebensmüde? Quafune sind hochgefährlich und außerdem viel größer als sie von hier aus erscheinen!“

„Brrr!“ Sie schüttelte sich. „Hoffentlich sind die nicht Mike und meiner Familie begegnet. Ich habe plötzlich solche Angst, dass sie erwischt worden sind!“

„Glaube ich nicht. Mike ist doch pfiffig. Vielleicht befinden sich deine Lieben schon längst in den unterirdischen Tunneln der Spinnen.“

„Hoffen wir es! Und was kannst du noch durch deinen Jawu-dings sehen?“

„Jawubani bitte! Ich suche nach Chilkis!“

„Chilkis? Sind das nicht die Winzroboter?“ Sie streckte die Hand zu ihm aus. „Über die hat mich Günther Arendt auch aufgeklärt und die waren auch damals in Oworloteps Fluggerät versteckt. Sie haben ihn verteidigt. Gib mir mal auch den Jawubani rüber!“

„Hier bitte. Ja, Chilki ist eigentlich ein Sammelbegriff für alle Roboter, die nicht größer als ein Meter sind.“

„Und in diese Rubrik gehörte wohl auch Danox, der nur etwa handgroß war?“ Sie blinzelte angespannt durch die Linse.
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„Merkwürdig, ich kann gar nichts entdecken!“

„Du schaust ja auch in die falsche Richtung. Die Erkundung-schilkis sind vom Aussehen her dem kleinen Danox tatsächlich ziemlich ähnlich, haben aber wohl andere Fähigkeiten.“

„Und auf welche Weise arbeiten sie? Ich sehe immer noch keine Quafune und auch keine Chilkis!“

„Du musst eben weiter nach rechts. Erkundungschilkis sind ja auch viel kleiner und daher nicht mit diesem Jawubani auszumachen. Diese Chilkis können mit ihren langen Fühlern die Spuren der Feinde erschnüffeln. Sie sind fähig, zu fliegen.“

„Das konnte Danox auch!“, erklärte sie stolz. „Das gibt es doch nicht!“, fauchte sie. „Ich sehe viele Bäume und sonst nichts!“

„Sie sind fähig zu klettern, zu schwimmen ...“

„Konnte er auch!“ Sie senkte entnervt den Jawubani und rieb sich erst einmal die Augen.

„... und sogar in geheime Gänge zu krabbeln und sie ...“

„Oh Gott“, unterbrach ihn Margrit, „wenn diese seltsamen Er-kundungsviecher nun in die Gänge der Spinnen gekrochen sind!“

Auch George schluckte, ehe er Margrits Satz vollenden konnte. „Dann haben diese Chilkis auch ganz gewiss unsere Guerillas entdeckt und mit ihren sonderbaren Augen gefilmt und zu den Quafunen gesendet. Manchmal erhalten Chilkis auch den Befehl, sich selbst zu sprengen und somit das Versteck des Feindes und alles, was sich dort befindet.“

„Grässlich!“, keuchte Margrit. Beide starrten sich jetzt, erheb-lich blasser geworden, fragend an. „Meinst du, die Gänge der Spinnen sind bereits“, Margrit holte tief Atem, „ge ... gesprengt, George? Aber dann hätten wir das doch gehört?“

Er schüttelte sein gesenktes Haupt. „Unterirdische Sprengungen müssen nicht unbedingt oben zu hören sein!“

„Aber woher willst du denn wissen, dass diese komischen Qua ... Dinger solche Viecher losgeschickt haben? Hast du denn welche gesehen?“

„Weil die Hajeps das nach unseren Beobachtungen immer so machen, damit der Weg für die langbeinigen Quafune frei ist.“

„Es sind also Hajeps gewesen, die diese Dinger losgeschickt haben?“

„Ich vermute es!“

„Aber es können auch Jisken oder Loteken gewesen sein?“

„Loteken wohl kaum, da sie inzwischen nicht mehr von Gisterupa unterstützt werden!“

„Das hat Gisterupa getan? Günther Arendt erzählte mir heute ganz etwas anderes!“

„Dann wird das auch stimmen.
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Gisterupa hat so manches gegen sein eigenes System unternommen. Da könnte man eine ganze Liste schreiben.“

„Und was machen diese fürchterlichen Quafune?“

„Hast du noch nie die sonderbaren Geräte gesehen, mit welchen die Hajeps immer die … verdammt!“ Erschrocken brach er ab. „Hörst du das auch?“

„Ja, sind zwar ein bisschen merkwürdig, die Geräusche, aber es kommt wohl ein Gewitter auf!“

„Nein, Margrit, ich meine damit dieses seltsame Knistern direkt über uns.“

Sie blickte stirnrunzelnd zum Himmel. „George, du hast Recht, das ist kein normales Gewitter!“, ächzte sie entsetzt. „Das knackst und knirscht ja immer lauter!“

„So ein Mist, was könnte das sein?“ Er suchte den Himmel mit dem Jawubani ab. „Es hört sich an, als ob plötzlich über uns enorm viel Elektrizität in Wellen durch die Luft schwirrt und weiter in die Ferne wandern würde.“

„Das Gefühl habe ich auch“, keuchte sie mit hochgezogenen Schultern. „Wir müssen hier schnellstens weg, George!“

„Aber wohin?“, knurrte er.

Beide zitterten, während sie ihre Ohren spitzten und in der Dämmerung verzweifelt irgendetwas zu erkennen suchten. „Es scheint überall zu sein ... furchtbar!“, wisperte Margrit kaum hörbar.

Er hatte zwar nichts verstanden, nickte aber trotzdem. „Ich setze den Jambo jetzt einfach ein Stück zurück unter einen Baum.“

„Und warum?“

„Weiß ich auch nicht!“, entfuhr es ihm nicht gerade geistvoll

Gerade als er den Motor anlassen wollte, kreischte Margrit: „Jetzt verwandelt sich das Knistern auch noch in ein dröhnendes Rumpeln!“

„Egal wir fahren einfach zurück!“, brüllte er so laut wie sie.

„Nein George, brauchst du nicht mehr. Es rumpelt nicht mehr in unserer Nähe, nur in der Ferne!“, keuchte sie erleichtert. „Hörst du es? Dort poltert es, als wenn sich da irgendetwas ganz Gewaltiges zusammenbrauen würde!“

„Dann sind wenigstens wir erst mal gerettet!“, krächzte er und ließ sich mit einem lauten Seufzer etwas entspannter in den Sitz zurück fallen.
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„Aber es wird bestimmt irgendetwas Furchtbares direkt über Kitzingen losgehen!“

„Die armen Menschen!“, jammerte Margrit jetzt, kaum dass sie sich von dem ersten Schock erholt hatte. „Ich drücke die Daumen, dass die Leute noch genügend Zeit haben, die Stadt zu verlassen! Hoffentlich haben sie die Gefahr überhaupt bemerkt!“

„War nicht zu überhören. Bestimmt werden sie Hals über Kopf durch die Straßen jagen.“

„Aber die Gänge der Spinnen verlaufen doch in der Nähe von Kitzingen!“

George setzte sich wieder aufrecht hin, um weiter durch den Jawubani Richtung Horizont zu schauen.

„Wir können leider nirgendwo helfen, Margrit!“

„Sind es nun Jisken, welche die Stadt angreifen, oder Hajeps?“

„Das kann ich dir immer noch nicht sagen, es ist absolut nichts zu sehen. Die Angreifer haben sich getarnt. Auch von den Quafunen ist plötzlich nichts mehr zu sehen. Ist schon ein merkwürdiges Gefühl, überhaupt nichts mit den Augen wahrzunehmen und trotzdem zu wissen, dass da jemand ist! Das ist ja verrückt, siehst du das auch? Ach, kannst du ja nicht ohne Jawubani!“

„Doch kann ich, ist auch ohne Fernglas erkennbar! Lauter glühende Funken über Kitzingen!“

Das Knirschen in den plötzlich erleuchteten Wolken war, auch wenn es aus weiter Ferne kam, inzwischen derart unerträglich geworden, dass die beiden meinten, ihr Trommelfell würde platzen und dann ergossen sich mit einem berstendem Knall Ströme aus rotglühender Flüssigkeit wie lange Feuerzungen über Kitzingen, wo Margrit noch heute Mittag war. Das seltsame Zeug sah so ähnlich wie Lava aus und schien aus den Wolken hervor zu sprudeln.

Feuer loderte von unten auf, einige Häuser brannten lichterloh, während sich die gelbroten, breiigen Flüsse wie aus dem Nichts weiter über die Stadt ergossen. Schließlich ließ das Poltern am Himmel nach und es regnete nur noch etwas hinab, das wie kleine, glühende Kohlestückchen aussah.

„Das ist eine furchtbare Katastrophe!“, murmelte George, senkte wieder den Feldstecher und Margrit nahm die Hände von ihren Ohren. „So etwas habe ich noch nie gesehen!“, ächzte er.

„Warum sind immer wir Menschen dran?“ Margrit traten Tränen in die Augen. „Wir haben doch gar nichts getan?“

Ehe George noch etwas dazu sagen konnte, hörten sie ein leichtes Rauschen über sich am dunklen Abendhimmel und dabei auch die Geräusche leiser Motoren, Düsen und dazu das Flattern gewaltiger Schwingen.
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„Djetanos!“, wisperte George.

Margrit und er schauten zunächst nach oben, aber da war wieder nichts zu sehen. Sie duckten sich schließlich instinktiv, machten sich möglichst klein in ihrem Jambo. Sie wussten zwar, dass ihnen das kaum nützen würde, aber sie waren wie ängstli-che Tierchen, kauerten sich dicht aneinander.

Wenig später hörten sie außerirdische Bordkanonen in der Nähe von Kitzingen knattern und zischeln und dann sah George, wie sich eine der dunklen Wolken auflöste und den Blick auf ein hajeptisches Djetano freigab. Es zischelte abermals und schon war auch der lotekische Verteidiger von Kitzingen, der leider viel zu spät gekommen war, zu sehen. Scheinbar ziellos segelten beide nun mit ihren riesigen Flügeln umher, wohl um eine möglichst gute Angriffsposition zu finden und dann tauchte ein weiteres lotekisches Kriegsschiff plötzlich ebenfalls wie aus dem Nichts auf.

Unwahrscheinlich viel Staub wirbelte dabei durch die Luft und inzwischen brannten viele Teile der Stadt. Noch mehr dieser eleganten Flugzeuge wurden nach und nach sichtbar und ein gewaltiges Gefecht hoch am Himmel nahm seinen Anfang.

Doch lange konnten Margrit und George nicht Zuschauer dieses unheimlichen Spektakels sein, denn nun ereignete sich wieder etwas am Boden, was ihre ganze Aufmerksamkeit auf sich zog. Ebenfalls vom Tarnnebel befreit, gewahrte George wieder die acht riesigen, Linsenförmigen Quafune, welche auf ihren langen, giraffenartigen Beinen noch immer Richtung Kitzingen wanderten. Unterhalb der Linsen saßen in Drahtstühlen kleine, grauhäutige, halbnackte Wesen mit großen Facettenaugen im birnenförmigen Gesicht, welche die Quafune lenkten. Er gab Margrit das Fernrohr.

„Jetzt kannst du sie sehen!“, sagte George tonlos.

„Oh Gott!“, stöhnte Margrit. „Die Männlein schauen ja nicht gerade hübsch aus und was soll das?“

„Hast du noch nie erlebt, wie künstliche Erdbeben verursacht werden?“, flüsterte George traurig. „Die Quafune wollen Kitzin-gen den Rest geben!“

Margrit schüttelte mit zusammen gebissenen Zähnen den Kopf. „Furchtbar! Aber zu wem gehören nun diese entsetzlichen Maschinen und die Roboter? Ich bring sie bald alle durcheinan-der!“

„Das ist zu erkennen, Margrit.
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Ich denke, du hast keine Seh-schwäche mehr!“

„Schon wieder Hajeps!“, krächzte sie zornig und verzweifelt nach einem weiteren Blick durch den Jawubani, denn sie hatte den weißen Drachen in der Mitte der silbernen Linsen deutlich erkannt. „Warum tun Hajeps das? Verdammt, da kann man ja Günther Arendt fast verstehen!“

„Sag ich doch!“ George versuchte zu Grinsen, aber das wollte ihm nicht mehr so recht gelingen, denn schon begann die Erde zu beben. Das furchtbare Krachen und Bersten zog sich über Wiesen und Äcker dahin, bis das Erdreich in der Nähe von Kitzingen plötzlich mit aller Gewalt aufsprang, als würde dessen Inneres kochen. Riesige Erklumpen und Gesteinsbocken wirbelten dabei mit viel schwarzem Staub durch die Luft. Grasballen flogen durch die Gegend, Büsche und Bäume krachten reihenweise zu Boden und vieles davon stürzte in klaffende, tiefe Spalten. Nun begannen auch die restlichen Häuser und prächtigen Bauten von Kitzingen zu wanken, schienen in einzelne Teile zerrissen zu werden. Während Steine herabprasselten, Dächer einstürzten und die Erde mit grässlichem Knarren auch dort aufsprang, wölbten sich gleichzeitig Strassen nach oben, wurden kleine Gässchen zu hässlichen Bergen und überall breitete sich ungehemmt weiter das Feuer aus.

Schon wendeten sich die tödlichen Maschinen in entgegen ge-setzter Richtung, leider dorthin, wo sich Margrit und George be-fanden. Entsetzt schrien die beiden auf, die das alles durch das Jawubani hatten beobachten können. Doch ehe die Quafune mit ihren sonderbaren magnetischen Schwingungen die Erde erneut zum Zittern bringen konnten, nahmen zwei lotekische Djetanos diese schrecklichen Linsen endlich unter Beschuss und immer, wenn sie getroffen hatten, wirbelten funkelnde Trümmer durch die Luft wie glitzernde Scherben.

Nun rauschten drei hajeptische Kriegsschiffe heran, aber ein lotekischer Djetano traf den ersten Angreifer sofort und dieser segelte als glühende Fackel hinab. Die anderen beiden hajepti-schen Jäger ließen währenddessen flache, etwa unterarmlange, insektenartige Metallwesen aus einer Luke an ihrem Heck her-vorsausen.

„Scheiße! Fliegende Chilkis!“, krächzte George, kaum dass er das gesehen hatte. „Genau in unsere Richtung! Was machen wir jetzt nur?“

„Einfach ganz ruhig bleiben, George!“, bemerkte Margrit ziemlich einfallslos und kuschelte sich noch enger an ihn.
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„Wir haben Glück!“, brummelte er wenig später hinter seinem Jawubani. „Die schrecklichen Viecher sollen sich wohl nur in den Flügeln der lotekischen Jäger festhaken.“

Nun kamen vier weitere lotekische Flugzeuge aus der Richtung des zerstörten Kitzingen und nahmen die käferartigen Roboter unter Beschuss. Gleichzeitig feuerten die Zwergwesen Puktis ab, die in die Triebwerke der Gegner hineinsummten.

Das furchtbare Gemetzel fand nicht nur am Himmel statt, sondern auch auf der Erde, denn inzwischen waren sowohl hajeptische als auch lotekische Bodentruppen angekommen. Trotz der dichten Wälder waren für Margrit und George die Schüsse der sonderbaren außerirdischen Waffen auch aus weiter Ferne hörbar.

Nach endlos erscheinender Zeit sah es so aus, als würden die restlichen hajeptischen Jäger fortfliegen. Die Loteken jagten ihnen hinterher, um sie abzuschießen. Zerstörte Quafune und Wrackteile der abgeschossenen hajeptischen Djetanos blieben zurück und immer noch waren die Bodentruppen am kämpfen.

Als auch das vorbei zu sein schien und der Lärm am Boden nur noch in der Ferne zu erahnen war, fielen sich George und Margrit erst einmal schluchzend in die Arme, glücklich darüber, dass sie das alles unverletzt überstanden hatten. Als sie umher schauten, blickten sie über eine Landschaft, welche nicht nur völlig verwüstet aussah, sondern wo auch das Erdreich tiefe Schrunden bekommen hatte.

Sie brauchten daher lange, bis sie endlich wieder völlig zu sich kamen.

„Also hat der schreckliche Krieg viel früher begonnen als es Munjafkurin vorausgesagt hatte“, fand Margrit als erste die Wor-te wieder, nachdem sie einen großen Schluck aus der Feldflasche genommen hatte. „Günther Arendts Plan, Menschen nach Zara-kuma zu schicken ist damit geplatzt, oder?“

Er nahm ihr die Flasche ab und trank ebenfalls einen Schluck. „Ich weiß nicht, womöglich konnte Günther Arendt auch recht-zeitig entkommen und alles Wichtige mitnehmen.“ Er wischte sich mit dem Handrücken nachdenklich den Mund trocken.

„Meinst du etwa mit wichtig das Refenin?“ Ihre Augen funkelten ihn zornig an. „Weißt du, dass er damit zwanzig Menschen infizieren wollte?“

„Das finde ich auch nicht in Ordnung, sofern es denn stimmen sollte.“ Er grinste Margrit dabei freundlich an, aber ärgerte sich doch.
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Warum konnte Margrit nicht glauben, dass er die bes-sere Menschenkenntnis hatte und sie oft überreagierte und daher vieles missverstand! „Nun guck nicht so böse. Wir werden jetzt nach deiner Familie suchen, okay?“

Nachdem sie ihm das ganze Gesicht abgeküsst hatte und er dabei vor Verlegenheit fürchterlich hatte lachen müssen, startete er den Jambo. Er fuhr nicht schnell, weil er dabei Acht gab, ob eine Spur von der Straße hinunter führte. Aber überall lag dieser entsetzliche Staub und die Straße wies Risse und Sprünge auf, so dass sie oft selbst vom Asphalt hinunter mussten. Als sie etwa eine halbe Stunde mit dem Jambo unterwegs waren, entdeckte Margrit eine leicht taumelnde Gestalt am Straßenrand, die ihr irgendwie bekannt vorkam. Diese hatte sich auf einen Stock gestützt, hielt sich nur mühsam auf den Beinen, aber nun hatte sie den Jambo gesehen, riss sich zusammen und winkte ihnen mit großer Kraftanstrengung zu.

„Das ist ja Renate?“, ächzte Margrit betroffen. „George du musst unbedingt anhalten.“

George nickte mit zusammen gebissenen Zähnen.

Renate konnte zwar noch lächeln, denn sie war sehr erleichtert, den beiden begegnet zu sein, aber George erkannte sofort, dass Renates Verletzungen so furchtbar waren, dass die sie das Leben kosten würden, käme sie nicht sofort zu einem Arzt.

Einen Teil der Strecke fuhr Margrit noch mit und hörte Renate zu, die ihnen noch schildern konnte, was Schreckliches passiert war. Mike hatte Margrits Familie tatsächlich entführt, um sie zu Günther Arendt zu bringen, aber die Loteken wurden von einer Überzahl Robotern in den Wäldern entdeckt und flüchteten zu den Menschen. Mike hatte mit den Loteken verhandelt und sie gebeten, diese Gebiete wieder zu verlassen, doch die Loteken hatten in ihrer Verzweiflung nicht auf Mike gehört und waren aggressiv geworden. Schließlich war er gemeinsam mit Margrits Familie vor den Angriffen der Loteken geflüchtet und hatte sich in die Gänge seiner Organisation verzogen, wo er erst einmal abwarten wollte. Renate hatte ihn gerade in dem Moment aufgesucht, als er die Kinder und Margrits Mutter in einer Kammer einschloss.

Währendessen waren von den Chilkis die Eingänge zu den unterirdischen Behausungen der Spinnen entdeckt worden. Die Chilkis stießen dabei auch auf die unterirdischen Waffenarsena-le, welche bei den Spinnen besonders umfangreich waren. Das Ergebnis hatten dann Margrit und George miterleben müssen.
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Renate war wenig später bei einer Selbstsprengung zweier Chilkis gemeinsam mit weiteren sechs Guerillas schwer verletzt worden. Zwei waren in Stücke gerissen worden, drei langsam verblutet und der Letzte nicht mehr zum Laufen fähig.

George musste Renate zu Werner, dem Chirurgen der Organi-sationen, bringen, weil er sie notfalls auch eine etwas längere Strecke tragen konnte und so las¬tete die Suche nach Margrits Familie allein auf ihren Schultern.



Kapitel 25



Kaum war der Jambo davon gebraust, war Margrit auch schon losgelaufen. Im Gürtel trug sie, außer einer Handfeuerwaffe, Georges Jawubani und hielt ihr Funkgerät kontaktbereit. Sie hatte eine Taschenlampe und jene Karte bekommen, in welche sämtli-che Eingänge der Spinnen verzeichnet waren.

Weil sie den Weg abkürzen wollte, hastete sie oft quer über die Felder und Äcker. Doch das war manchmal kompliziert, da die frisch entstandenen und oft metertief klaffenden Risse im Erdreich Margrit dazu zwangen, im weiten Bogen um diese her-um zu laufen. Selten waren die Spalten so schmal und der Boden einigermaßen fest, dass sie es wagen konnte, darüber zu sprin-gen.

Endlich angekommen, musste sie feststellen, dass sie nicht mehr in die Gänge hinein konnte, da diese durch die Sprengun-gen der Chilkis meist völlig in sich zusammen gefallen waren. Oft war es aber auch so, dass die Eingänge noch unbeschädigt aussahen, dahinter jedoch alles eingestürzt war.

Ein Eingang war noch in Ordnung und so kletterte sie tiefer hinein, doch dann schien es plötzlich unten sonderbar zu ra-scheln und schon war Margrit wieder die Leiter hinauf. Oben angekommen schalt sie sich für ihre Feigheit aus, doch als das Rascheln aus dem Gang zunahm und immer hastiger hinauf tön-te, jagte Margrit doch davon.

Erst nachdem sie auf einen Baum geklettert war und dabei im Stillen ihre neu gewonnene Jugend pries, schaute sie zurück und gewahrte tatsächlich einen Erkundungschilki, welcher ihr hinter-her galoppiert war.

Das Geschöpf, halb Tier halb Roboter, war wesentlich plum-per als Danox gebaut und erheblich größer. Unten an Margrits Baumstamm angekommen, verharrte er erst einmal. Seine Me-tallstirn hatte er dabei gegen die Rinde des Stammes gepresst und schien auf diese Weise die Bewegungen in der Baumkrone wahrnehmen zu wollen.

Margrit entdeckte, dass er beschädigt war.
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Einige Kabel hin-gen aus seinem zerbeulten Unterleib heraus, weswegen er ver-mutlich dort zurückgelassen worden war. Selbst jetzt schien er nicht richtig zu funktionieren, denn unten am Baum, zwischen den schönen langen Grashalmen, döste er nach etwa zehn Minu-ten ein. War es nur ein leichter Schlaf? Ewig wollte Margrit je-denfalls nicht hier oben bleiben. Deshalb kletterte sie äußerst vorsichtig hinab und entfernte sich schnellstens.

Manchmal hatte Margrit auch Glück und fand weitere Gänge der Spinnen, die noch völlig in Ordnung waren, aber sie schienen menschenleer zu sein. In solchen Fällen wagte Margrit dann, die Namen von Spinnenmitglieder zu rufen, trotz ihrer Angst, weite-re Chilkis auf sich aufmerksam zu machen, doch antwortete niemand. Schon ein simples öffnen von Türen konnte sich zu einem wahren Albtraum entwickeln, wenn Margrit dahinter die Leichen von ihr vertrauten Person entdecken musste.

Je näher Margrit Kitzingen kam, umso intensiver nahm sie nicht nur den sonderbaren Brandgeruch wahr, auch die Umge-bung wurde heller, weil die lodernden Flammen der Stadt die Dunkelheit wie eine riesige Fackel beleuchtete. So konnte sie die Wrackteile der zerschossenen Quafune recht gut ausmachen und meinte, oft halb zerfetzte Leichen im hohen Gras zu erkennen.

Als sie in etwa zwei Meter Entfernung von einer zum Teil zerbröselten Scheibe vorbei schlich, glaubte sie plötzlich, aus dem Augenwinkel eine Bewegung zu sehen. Sie lief schneller, um sich von der Scheibe zu entfernen und warf dabei einen Blick zurück über die Schulter, und so schaute sie zum ersten Male einem Chilki direkt in die großen, schwarzen Facettenaugen.

Das etwa dreißig Zentimeter große Wesen mit dem birnenförmigen Kopf kauerte hinter seiner zertrümmerten Scheibe, hatte sein seltsames, spitzes Gewehr auf Margrit gerichtet und die scharfen, gelben Zähnchen in dem winzigen Mäulchen klapperten ihm.

Und wieder dankte Margrit im stillen Oworlotep, denn mit der Reaktionsschnelligkeit eines jungen Mädchens hatte sie sich auch schon zu Boden geworfen und der rot glühende Feuerstrahl sauste über sie hinweg. Nach dem Schuss flitzte sie los und verbarg sich hinter einer der seltsamen, großen Scherben.

„Ke, Chilki“, krächzte sie hinter dieser hervor. „Wenn du noch mal schießt, dann ich auch! Ault to da tista skunza far noi rir!“, raffte sie mühselig ihre Vorkabelkenntnisse zusammen.
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„Ich habe eine gefährliche Waffe bei mir. Noi jato ae jakuno tlebio hiat me, sehr gefährlich, tumi jakuna! “ fügte sie laut hin-zu. Und dann schob sie den Lauf ihres altertümlichen Revolvers hervor.

Sie musste sich große Mühe geben, dass ihre Hand dabei nicht zitterte und spürte, wie der kleine Chilki hinter seiner Scheibe überrascht war, dass Margrit seine Sprache beherrschte und da-her überlegte. Mit zitternden Knien erhob Margrit in möglichst stolzer Haltung aus ihrem Versteck und lief einfach weiter.

Immer noch zögerte der Chilki. Bestimmt fragte er seine Pro-gramme dabei ab und dann zischelte es wieder durch die Nacht. Diesmal sauste der Strahl nur sehr knapp an ihr vorbei.

Da fuhr sie herum und feuerte zurück. Ein überraschtes Quarren war hinter der Scheibe zu hören und dann ein leises Schnaufen. Anscheinend hatte sie getroffen. Margrit schaute sich jedoch nicht lange um, sondern rannte los, so schnell sie die Beine tra-gen konnten. Gott sei Dank war sie ausgeruht und war im Nu nicht mehr in Schussweite des Chilkis, den seine Verletzung zwang, weiterhin in seinem Versteck zu bleiben.

Margrit gönnte sich auch danach keine Ruhe und kam Kitzin-gen immer näher. Der Rauch stieg ihr, immer unangenehmer werdend, in die Nase. Sie sah die nachtschwarzen Schatten der zerstörten Häuser deutlich vor sich. Scherenschnitten gleich hielten sich einige von ihnen inmitten prasselnder, hellroter und gelber Feuerzungen und unablässig wanderten graue Schwaden zum Himmel hinauf.

Dort an einem Hügel war ein weiterer Eingang der Spinnen, den Margrit noch aufzusuchen hatte, doch sie musste schon von weitem erkennen, dass kein Leben in diesen unterirdischen Tunneln mehr vorhanden sein konnte, weil daraus noch immer Flammen empor züngelten. Also waren die Lavamassen von Kitzingen bereits in diese Gänge gelangt.

Die kleine Waldschenke, einst beliebter Treff der Maden und Spinnen, war ebenfalls ein Opfer der gierigen Flammen geworden. Nachdem Margrit halb verkohlte Spinnenmitglieder, darunter auch zwei kleine Körper von Kindern und einer alten Frau, in diesen zum Teil eingestürzten Gängen gefunden hatte, warf sie sich in ihrer Verzweiflung mitten ins Ackerfeld zwischen die Salatpflanzen, weinte laut und schrie und beklagte den Tod ihrer Familie, denn sie meinte, dass nun alles umsonst gewesen sei.

Sie trommelte mit ihren Fäusten und Füßen auf den Boden und riss einige Salatpflanzen aus, wobei sie sich vorstellte, es wären die steilen Haarkämme der Hajeps, denn sie konnte nicht begreifen, weshalb die Hajeps den Menschen immer wieder sol-che furchtbaren Dinge antaten.
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Erst nach einer Weile kam sie zu sich und sprang wieder auf, hatte wieder Mut gefasst. Sie wusste zwar, dass kaum jemand von den Spinnen dieses Massaker hatte überleben können, aber dennoch blieb ein Funken Hoffnung, denn hatte Mike nicht auch andere Menschen, auch Kinder, versklavt? Es war also nicht sicher, dass die verkohlten Überreste dieser Menschen ausgerechnet ihre Familienmitglieder waren! Womöglich war Mike früher zu Günther Arendt in die Stadt gefahren, um ihm Margrits Familie zu übergeben.

Margrit hatte sich vorgenommen, weiter nach ihrer Familie zu suchen und zwar so lange, bis sie erschöpft zu Boden fallen würde.



Kapitel 26



Etwa eine Stunde später taumelte Margrit durch die Trümmer von Kitzingen. Sie war vom vielen Schreien und Rufen nach ihrer Familie heiser geworden, brachte kaum noch einen Ton heraus. Beißender Rauch schlug ihr ins Gesicht. Sie hustete ständig und ihre Augen tränten. Einige Häuser brannten noch immer.

Wo war das Ratshaus? Der zähe Feuerbrei hatte sich mit ra-sender Schnelligkeit durch Straßen und Gässchen gezwängt und fast alles war hier in leuchtende Fackeln aufgegangen, hatte wohl kaum Leben übriggelassen. Wer versucht hatte sich zu retten, war dann vom Erdbeben begraben worden.

Die Welt, durch welche Margrit nun mit weit aufgerissenen Augen stolperte, war eher, wie man sich eine Hölle vorstellt. Sah es etwa in den anderen Städten in der Nähe auch so aus?

Ihre Kehle war ausgedörrt und die Haare klebten an ihrem Kopf, das Hemd war ihr zum Teil aus der Hose und von der Schulter gerutscht, doch das bemerkte sie nicht. Sie bewegte sich über die vielen Steine, Balken und Ziegel, welche im Wege lagen, wie ein verlorenes Kind. Die teilweise holprige und dann wieder sehr glatte, lavaähnliche Masse, über die sie in ihren zerrissenen Turnschuhen schlurfte, konnte man wohl als erkaltet bezeichnen, aber sie war immer noch so warm, dass ihr die Fußsohlen schmerzten.

Margrit war schon mehrmals ausgerutscht, gestürzt, und hatte sich dabei das Knie, den Ellenbogen und bestimmt noch einiges mehr wund geschlagen.
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Oft musste sie Bretter und Stangen zur Seite räumen, damit sie überhaupt vorwärts kam. Margrit schwitzte, als befände sie sich in den Tropen, doch der Rauch und die heiße Luft trockneten sie sofort wieder.

Bisweilen hatte Margrit gemeint, menschliche Stimmen in den Straßen gehört zu haben oder halberstickte Schreie, ein jämmer-liches Weinen gar, und sie hatte innegehalten und angespannt gelauscht. Sie hatte sich bemüht, jene gedämpften Stimmen aus den beklemmenden Geräuschen knatternder Flammen und berstender Holzbalken, die manchmal in Margrits Nähe herabdonnerten, herauszufiltern, zu identifizieren, hatte aber schließlich ge-meint, dass sie wohl nur das eigenartige Geprassel hajeptischer und lotekischer Gewehrsalven in der Ferne, das Getöse mächtiger Geschütze und die dazu gehörigen, sonderbaren Stimmen der Feinde mit menschlichen Lauten verwechselte.

Schließlich aber sah sie doch einige Schatten, welche genau wie sie durch die Straßen taumelten und dabei in einem fort Namen riefen. Sie versuchte, mit diesen Leuten Kontakt aufzunehmen, konnte ihnen aber nicht nahe genug kommen und schon waren sie wieder weg.

Margrit ahnte, dass inzwischen die halbe Nacht vergangen sein musste, denn sie war erschöpft, beinahe apathisch. Sie fühlte nur noch eines, dass es kaum zu ertragen ist, ohne die Menschen zu leben, die man liebt und noch schlimmer, sie in großer Not zu vermuten. Sie hatte keine Tränen mehr und mit einem Mal erschien ihr das viele Suchen völlig sinnlos, denn was war, wenn sie Muttsch und die Kinder fand, diese jedoch verschüttet waren? Wie sollte sie die dann ohne Unterstützung freibekommen?

Nein, sie durfte nicht an solche Dinge denken! So riss sie sich also wieder zusammen und bald gingen ihre Augen wie immer suchend in den grellen Flammen hin und her, um nach einem vertrauten Schatten, vielleicht nur einer Bewegung Ausschau zu halten.

Plötzlich meinte sie, jemanden ganz in ihrer Nähe um Hilfe schreien zu hören. Es war eine etwas heisere Männerstimme und sie hatte zunächst Angst, dass es der Feind sein könnte, welcher sie womöglich nur anlocken wollte. Doch dann lief sie trotz be-bender Knie einfach dort hin und war erstaunt, dass es gar nicht so schwierig wie gedacht war zu helfen. Eine Tür war von dem herabgestürzten Gestein eingeklemmt. Der Eingesperrte war bald befreit. Er war ein kräftiger, dunkelhaariger Mann, der sich, da er seine Frau vermisste, Margrit anschloss.
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Er hieß Sebastian.

So streiften sie zu zweit durch die zerstörte Stadt, und dann hatten sich noch weitere Leute gefunden, die sich zu einem klei-nen Suchtrupp zusammentaten. Schließlich bewaffnete man sich mit einigen Schaufeln, Äxten, Hacken und sogar Decken, welche einige von ihnen aus den Häusern geholt hatten.

Man gehorchte Margrit und Sebastian, machte sie auf diese Weise zu Anführern. Man trennte sich nur auf Befehl und traf sich an vereinbarter Stelle wieder und nur die Angst vor neuerlichen Angriffen der Hajeps und die Gewissheit, alleine kaum einen Verwandten oder Bekannten ausfindig machen zu können und ihn zu befreien, machte diesen sonderbaren Gehorsam möglich.

Je mehr Menschen hinzukamen, umso verbissener hielt man zusammen. Abstimmungen gingen kurz und knapp vonstatten. Bald waren es sechsundzwanzig Menschen, die durch die Stadt schlichen. Sogar ein ehemaliger Spinnenguerillero war darunter, der Margrit leider keine Auskunft über den Verbleib ihrer Kinder hatte geben können.

Die wagemutigen Suchaktionen sollten letztendlich von Erfolg gekrönt sein. Acht von den inzwischen vierunddreißig Leuten fanden Freunde und Verwandten wieder. Manche von denen waren ebenfalls auf der Suche nach ihnen gewesen und hatten sich in den Straßen wieder getroffen.

Margrit hatte mitgeweint, weil sich diese Menschen schluchzend vor Erleichterung und Freude in die Arme gefallen waren. Bei manchen war es sehr viel schwieriger, denn diese Leute waren in den Häusern eingesperrt und einige von ihnen verschüttet, etliche so fürchterlich eingeklemmt gewesen, dass sie nicht ohne schlimme Verletzungen hatten geborgen werden konnten.

Es gab in dem kleinen Suchtrupp bald Menschen mit erheblichen Verbrennungen, die in notdürftig hergestellten Bahren getragen oder an sicherer Stelle niedergelegt, bewacht und versorgt werden mussten.

Oft lagen Menschen unter den Trümmern, die niemand von ihnen kannte und einige dachten überhaupt nicht daran, bei den Versuchen, diese Personen zu bergen, mitzuhelfen, weil sie meinten, dass man dadurch nur unnötig viel Zeit vertun würde und die eigenen Vermissten wären wichtiger! Margrit konnte sich dann sehr hart zeigen und diese Menschen kurzerhand aus ihrer Gruppe verbannen, was wiederum laute Proteste auslöste. Schließlich ord¬neten sich doch die meisten der Gruppe ihr unter. Nur Einzelne trennten sich von ihr und gingen ihre eigenen Wege.
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Der größte Teil derjenigen, die wiedergefunden hatten, was sie liebten, zeichnete sich gerade dadurch aus, dass sie am eif-rigsten halfen, andere zu bergen.

Schlimm wurde es, wenn man den Verschütteten zwar entdeckt, sich sogar mit ihm verständigt und ihn beruhigt hatte, es aber nicht gelingen wollte, ihn von dem oft zentnerschwerem Schutt und Geröll zu befreien. Noch entsetzlicher wurde es, wenn einer aus der Gruppe mit diesem verwandt oder befreundet war und verzweifelt um dessen Befreiung bangte. Doch manchmal war es einfach nicht möglich, den Verschütten zu befreien. Niemand konnte es dann über das Herz bringen und die furchtbare Situation eingestehen, sagen, dass alles vergeblich gewesen war und dass sie jetzt endlich weiter müssten - bis auf Margrit. Mit versteinerter Miene war sie es, die den Befehl zum Weiterziehen gab und dann folgte ihr alles, stumm und widerspruchslos!

Manchmal blieb ein schluchzender Verwandter am Ort zurück und bemühte sich, alleine den Eingeschlossenen zu befreien und warf nicht selten, hasserfüllt und wilde Flüche von sich gebend, die Schaufel in die Richtung, in die Margrit und die anderen ge-gangen waren. Er konnte ja nicht wissen, wie bitter es dieser sen-siblen Frau aufstieß, einen eingesperrten, halb erstickten, hem-mungslos schluchzenden Menschen zu verlassen. Margrit war in dieser furchtbaren Nacht innerlich gereift, hart geworden, denn noch einmal wollte sie nicht wie damals auf der Flucht fast den Verstand verlieren. Aber ihr Herz macht doch klammheimlich mit, besonders wenn es dabei um Kinder ging. In solchen Fällen verlor Margrit doch die Beherrschung. Die Maske fiel herunter und sie begann unter Tränen fürchterlich zu schreien und zu toben und hob dabei in ohnmächtiger Wut die Faust gen Himmel und tröstete mit ihrem wilden Kampfgebrüll die kleine Schar, die dumpf und mit gesenkten Häuptern einen Kreis um Margrit gebildet hatte. Es war seltsamerweise eine gewaltige Kraft, die von dieser dünnen, verschmutzten Frau ausging und die gab allen den Lebensmut und den Willen, welchen sie unbedingt brauchten, wenn sie weiterwollten.

Danach fühlte man sich soweit gestärkt, dass man wortlos nach seiner Hacke oder Spaten greifen, sich alles, was man brauchte, über die Schulter legen und mit zusammengebissenen Zähnen weitersuchen konnte, immer weiter, auch wenn man vor Müdigkeit kaum zu stehen in der Lage war.

Darum war es eine große Erleichterung, als plötzlich zwei Jambas, uralte Feuerwehren, und drei Jimbas, notdürftig zusam-men gebastelte Krankenwagen, und noch sechs weitere Jambutos durch die Straßen holperten.
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Margrit konnte es kaum fassen, und ihre Überraschung wurde noch größer, als sie unter den Rettern, die nun aus den Wagen sprangen und sie jubelnd begrüßten, Paul, George, Erkan, Martin, San Chao, Karl, Gesine, Rita und sogar Günther Arendt und Mike entdeckte. Besonders beim Anblick von Mike blieb Margrits Herz fast stehen vor Aufregung. Sie hoffte, dass Mike trotz aller Katastrophen Muttsch und die Kinder noch immer als Gefangenen bei sich hatte. Selbst dem verhassten Günther Arendt hätte Margrit in diesem Moment ihre Familie gegönnt, denn die Gueril-las kannten gewiss Verstecke, in denen man sich vor dem Feind in Sicherheit bringen konnte.

„Mike!“, brüllte Margrit deshalb. „Wo ist meine Familie? Wo hast du sie gelassen?“ Doch ihr Rufen ging zwischen all den gel-lenden Stimmen einfach unter. Margrit vernahm sogar aufgeregtes Hundegebell.

Paul kam mit einigen Männern herbeigehetzt. „Wie hast du dich nur retten können, meine Kleine?“, übertönte Paul den all-gemeinen Stimmenwirrwarr und riss Margrit derart heftig an sich, dass sie gleich einen Schuh verlor.

„Und all diese Leute dahinten?“, mischte sich George ein, der sich endlich durch das Menschenknäuel einen Weg zu Margrit hatte bahnen können. „Wie bist du denn auf diese Mannschaft gestoßen?“ Er blickte verwundert auf das erbärmlich anzuschauende Häuflein des Suchtrupps, das sich schüchtern hinter ihr versammelt hatte.

Margrit konnte kaum antworten, denn schon hörte sie eine laute Jungmädchenstimme direkt in ihrer Nähe.

„Mann, Gluggi! Ich fasse es nicht. Jetzt sag bloß, du hast die da hinten alle gerettet, weil du deine Kinder gesucht hast!“, ver-nahm sie Gesine durch das ungebändigte Getöse. Sie hatte sich Margrits Fingerspitzen ergriffen, die an der Seite hinter Pauls Bauch hervorragten und versuchte ihre Hand zu schütteln. „Schöne Grüße von Munjafkurin!“, brabbelte sie nervös. „Er fliegt übrigens da oben.“ Sie schaute sehnsuchtsvoll zum nacht-schwarzen Himmel, wo sich tatsächlich gerade ein einsamer, hajeptischer Jäger zeigte, der, scheinbar an allem desinteressiert, gemächlich über der Stadt dahin segelte.

Jetzt bahnten sich zwei Männer einen Weg durch die Menge.
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Aufgeregt richteten sie an Margrit einige Fragen. Besonders inte-ressierten sie die Straßen und Häuser, in denen Margrit bereits mit ihrem Trupp nach Menschen gesucht hatte.

Die anderen Retter stellten den Stadtbewohnern Fragen. Da nur langsam und apathisch geantwortet wurde, hetzte manch einer voller Ungeduld los, denn sie waren gut ausgerüstet mit Bergungsgeräten. Wieder erscholl ekstatisches Gebell aus ein paar rauen Hundekehlen.

„Immer mit der Ruhe! Immer mit der Ruhe!“, hörte Margrit nun Günther Arendt vom Dach des Jambas nach allen Seiten schreien. „Es hat doch gar keinen Sinn, wenn wir hier alle bunt durcheinander schwirren!“ Und er fuchtelte dabei mit beiden Armen herum.

„Wenn er nun dabei herunterfällt und ...“ Margrit musste bei dieser Vorstellung lachen, aber Günther Arendt war recht sport-lich. So schlank und drahtig, wie er war, behielt er geschickt die Balance und hatte durch sein auffälliges Gehabe das Trupp auf sich aufmerksam gemacht und zur Ruhe gebracht.

Nachdem sich alle um seinen Wagen geschart hatten, erteilte er mit fester Stimme Instruktionen. Jeder bekam eine Aufgabe, danach durften kurz und knapp Fragen gestellt und Bedenken oder Ideen vorgetragen werden.

Margrit wandte sich an George. „Wie geht es Renate?“

George machte ein trauriges Gesicht. „Gar nicht gut! Werner konnte sie nur notdürftig zusammenflicken. Sie hat sehr viel Blut verloren.“

„Schrecklich“, keuchte Margrit. „Hoffentlich wird Irmchen nicht Waise! Dort hinten ist Mike. Wie kann ich nur durch dieses fürchterliche Gewühle zu ihm kommen? Oder weißt du inzwischen, wie es um meine Familie steht? “

„Leider keine gute Nachricht, Margrit, denn ...“

„Es macht mir wirklich nichts“, unterbrach Margrit ihn hastig und hatte dabei Tränen in den Augen, „wenn Mike Muttsch und die Kinder immer noch gefangen hält, denn das ist besser als wenn ...“ Margrit hielt plötzlich inne und schluckte. „Oder sind sie etwa bereits tot, George?“, brüllte sie überlaut, am ganzen Körper zitternd.

„Nein, so schlimm sieht es auch wieder nicht aus!“ George legte beruhigend seinen Arm um ihre Schulter, den Margrit sofort abschüttelte.

„Und warum machst du mir erst solch eine Angst?“, fauchte sie.

„Ich erkläre ihr das!“ Paul stieß George mit dem Ellenbogen in die Rippen, der sich leise brummelnd fügte.
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„Deine Familie ist während all dieser Wirren in einem günstigen Moment geflüchtet. Mike hat weder Muttsch noch die Kinder wiedergefunden.“

„Und das habt ihr ihm geglaubt?“, brüllte Margrit, noch immer am ganzen Körper flatternd. „Bestimmt hat Günther Arendt meine Mutter und die Kinder irgendwo eingesperrt und will es bloß nicht verraten! Der lügt doch wie gedruckt! Glaubt dem doch nicht immer! Der schmiert uns alle an, dieser Verbrecher!“

„Schscht, Margrit, so beruhige dich doch!“, versuchte nun auch Paul, Margrit zu besänftigen und schaute sich dabei unsicher nach allen Seiten um. „Was hast du denn mit einem Mal?“

Die umstehenden Guerillas warfen ihr trotzdem wütende Blicke zu.

Doch Margrits Leute aus der Stadt hatten ebenfalls zugehört und musterten nun Günther Arendt skeptisch und manch einer von ihnen flüsterte dem anderen etwas zu.

George spürte genau wie Paul die angespannte Situation und begann sofort, Margrits absonderliches Verhalten lautstark zu entschuldigen.

„Die ist nur völlig fertig!“, rief er den Guerillas zu. „Die lange Sucherei, und sie kommt halt nicht mit Günthers rauer Art klar, und mit Mike hat sie schon so einiges erlebt!“

Er schien irgendwie die richtigen Worte gefunden zu haben, denn schon trollten sich einige, zumal es wesentlich Aufregenderes gab, um das sie sich kümmern mussten. Sie kletterten in die Fahrzeuge, weil es gleich losgehen sollte.

Einer der Spinnenmitglieder drückte Margrit sogar einen Becher mit Trinkwasser in die Hand und zwinkerte ihr dabei zu. Margrit schaute überrascht auf das kühle Nass und erst jetzt wurde ihr bewusst, wie durstig sie im Grunde genommen war. Gierig nahm sie einen großen Schluck und dankte ihm freundlich.

„Weißt du, Margrit“, raunte ihr George zu, nachdem sie den Becher geleert hatte. „Du musst vorsichtiger werden, deine Zun-ge mehr im Zaum halten, selbst wenn du noch so wütend und verzweifelt bist, denn für die meisten unserer Organisationen sind sowohl Günther als auch Mike Helden, also richtige Vorbil-der.“

„Da hat er Recht!“, bemerkte auch Paul leise.

George grinste dankbar, fuhr dann aber energisch weiter fort. „Margrit, bedenke mal, was haben wir Menschen schon außer unseren Idealen. Du kannst doch auch später Erkundigungen über deine Familie einholen.
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Nimm allen doch nicht den Schwung, wenigstens ein paar Leute aus dieser Stadt noch retten zu können.“

Margrit holte sich mit den Fingern die letzten Tröpfchen aus dem Napf und träufelte sich die über ihre aufgesprungenen Lippen. „Na gut!“, sagte sie endlich.

„Das ist schön“, bemerkte George erleichtert, „dann können Paul und ich an der Rettungsaktion teilnehmen, ohne uns sorgen zu müssen, dass du Streit anzettelst.“

„Als ob gerade ich ein Zankenbold wäre!“, murrte sie.

„Na ja!“, erklärten Paul und George wie aus einem Munde.

„Außerdem komme ich mit“, Margrit warf dabei einen traurigen Blick auf die Reste der einstmals so prächtigen, alten Häuser Kitzingens, die immer noch vor sich hin kokelten, „denn falls Mike und Günther ausnahmsweise mal die Wahrheit gesagt haben sollten, könnte meine Familie dort noch irgendwo festsitzen und ...“

„Du schleichst auf keinen Fall wieder tiefer in diese Stadt hinein!“, rief George unmissverständlich beim Weggehen.

„Da hat er aber Recht!“, stimmte ihm Paul abermals leise zu.

„Wer kann mir das bestimmen!“, schnaufte sie empört. „Wer ...“

„Zum Bespiel ich, meine liebe Margrit!“, hörte sie plötzlich hinter sich, und einige der Guerillas, die noch hier herumstanden, machten für ihn Platz. Günther Arendt trug einen großen Was-serkanister auf der Schulter und grinste Margrit ziemlich schief an. Hinter ihm fuhren bereits die ersten Jambutos los und auch einer der beiden Jambas. „Ich habe Sie nicht gezwungen, dem Bund der Maden beizutreten, und ich sagte Ihnen damals auch, dass es dann kein Zurück mehr für Sie gäbe und so haben Sie mir auch heute zu gehorchen. Ich befehle ihnen einfach hier zu bleiben“, er machte in Richtung der restlichen Guerillas ein Handzeichen und die machten sich daraufhin ebenfalls auf den Weg, „denn wenn sie mitkämen, würde das gar nichts bringen. Sie sind viel zu müde und erschöpft und“, er hob dabei den Kanister von seiner Schulter, „Sie scheinen auch Durst zu haben.“

Margrit zögerte, sah dabei, dass George, Gesine, Paul und Erkan inzwischen nach hinten in den zweiten Jamba geklettert waren und jetzt, da es los ging, ihr zuwinkten. Sie winkte nicht zurück, hob auch nicht den leeren Krug, denn sie war sich nicht sicher, ob sie ein Getränk von Günther Arendt annehmen sollte, denn immer noch hatte sie das grässliche kleine Fläschchen Refenin vor Augen.
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Konnte man womöglich diese fürchterlichen Viren jetzt auch trinken?

„Woher haben Sie eigentlich diese vielen Wagen bekommen?“, fragte sie daher ablenkenderweise.

„Die Maden sind nicht von den Hajeps angegriffen worden, Margrit und auch nicht die übrigen Städte, und daher konnten wir unsere Jambutos, die Jambas und Jimbas aus diesen Städten her-beiholen!“

„Aha“, sagte sie und setzte dann etwas hölzern hinzu. „Das ist aber schön!“ Verdammt, hier wurden das immer weniger Guerillas von den Maden und nur noch Mitglieder der Spinnen waren übrig geblieben, die Günther Arendt anscheinend Gesellschaft leisten wollten. Warum ließen denn George und Paul Margrit mit denen alleine zurück? Warum glaubte ihr denn keiner? „Haben sich die meisten der Spinnen noch aus den Gängen retten können?“, begann sie von neuem mit ziemlich kläglichem Stimmchen. Eigentlich wusste sie es ja, denn anhand der vielen Leichen, die sie bei ihrer Suche hatte entdecken können, müsste mindestens die Hälfte von ihnen getötet worden sein, aber sie schaute den Kanzler trotzdem mit ihren großen Augen fragend an.

„Margrit, Sie wissen es doch bereits!“, erwiderte er zu ihrer Überraschung.

Nun war sie wieder an der Reihe, diesen umständlichen Dialog weiter zu führen. Es beruhigte sie aber, dass Mike inzwischen mit dem nächsten Jambuto weggefahren war, und dann entdeckte sie, dass noch einige ihres Suchtrupps hier geblieben waren und machte deshalb einen tiefen, erleichterten Atemzug.

Zu diesen schritt plötzlich Günther Arendt hinüber, vielleicht hatte er Margrits Blick gesehen, gab jedem einen Becher und goss ihnen ein. Dann kam er zu Margrit zurück.

„Wollen Sie denn gar kein Wasser von mir haben, Margrit?“

Sie zögerte, überlegte und beobachte dabei, wie im roten Feu-erschein weitere zwei Jambutos und zwei Jimbas davon fuhren.

Konnte sie das wirklich machen? Sie hatte noch immer ziemlichen Durst, und dann fiel ihr ein, dass sie ja schon vorhin ge-trunken hatte, als ihr eines der Spinnenmitglieder Wasser angebo-ten hatte. Das hätte auch von Günther Arendt angeordnet sein können und dann wären ihre Bedenken längst zu spät. „Doch“, wisperte sie, „will ich!“ Und sie hob, wenn auch ein wenig zitterig, ihren Krug und er goss ihr, dabei bei übers ganze Gesicht grinsend, ein.
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Als ihr Durst gelöscht war, befreite sie sich endlich auch von dem psychischen Druck, der die ganze Zeit auf ihr gelastet hatte, indem sie ihn spontan fragte: „Wo ist meine Familie! Ich weiß, dass Sie es wissen!“, setzte noch hinzu.

Er erwiderte zunächst nichts und ergriff stattdessen behutsam Margrits Arm und sagte dann sanft. „Sie werden es vielleicht nicht glauben, aber ich weiß es wirklich nicht! Mir ist Ihr Schimpfen vorhin nicht entgangen, doch wenn ich vielleicht sonst ein Schweinhund sein sollte, in solch einer Situation würde ich Sie nie belügen, glauben Sie mir! Mike war viel zu sehr be-schäftigt gewesen, sein eigenes Leben zu retten, sodass er seinen Auftrag, mir die Kinder zu bringen, schlichtweg“, Günther Arendt schaute jetzt verärgert drein, „vergessen hatte!“

Nun mussten beide doch lachen.

„Nicht mal Bösewichte funktionieren heutzutage richtig! Wie kann Mike nur so unzuverlässig sein!“, krächzte Margrit und wischte sich dabei die Lachtränen von den Wangen.

„Das sagte ich ihm auch!“, krächzte er und musste ebenfalls ein Taschentuch hervor holen.

„Aber nun?“, wisperte Margrit, schon wieder ernst geworden. „Es wäre wohl doch besser gewesen, ich wäre wieder in die Stadt zurückgekehrt, um ...“

„Aber Margrit, was wollen Sie denn dabei! Sie können meinen Männern ja doch nicht helfen. Sie wissen doch nicht einmal, in welche Richtung ihre Mutter mit den Kindern geflüchtet sein mag. Meine Männer finden sie oder sie finden sie nicht, auch ohne Sie!“

Das leuchtete Margrit ein. „Na gut!“, murmelte sie mit gesenk-tem Kopf und winkte die restlichen Leute ihres Suchtrupps zu sich, welche die ganze Zeit leise miteinander tuschelnd auf sie gewartet hatten. Man bestieg den letzten Jambuto, und dann wurden sie alle zum Ausruhen an den Stadtrand gebracht.



Ende

des sechsten Bandes
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Kommentare zur Story:

  Und wann geht`s nun hier weiter?  
   Marco Polo  -  20.01.20 20:09

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  Und hier ist noch einer, der sich meldet. Eine wirklich spannende Fantasiereihe und darum weiter bitte.  
   axel  -  23.12.19 20:30

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  Margrit beweist, dass sie zäh und kämpferisch sein kann. Sie gibt einfach nicht auf. Ein toller vorläufiger Schluss und nun?  
   Evi Apfel  -  23.12.19 19:11

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Kommentar von "Aya" zu "Der kleine Vogel"

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