Das Licht der Hajeps Band 6 / Zarakuma - Kapitel 3, 4, 5, 6 u.7   150

Fantastisches · Romane/Serien

Von:    Palifin      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 10. Juli 2019
Bei Webstories eingestellt: 10. Juli 2019
Anzahl gesehen: 206
Seiten: 17

Diese Story ist Teil einer Reihe.

Verfügbarkeit:    Die Einzelteile der Reihe werden nach und nach bei Webstories veröffentlicht.

   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


Kapitel 3



Lediglich Günther Arendt lief durch die Gänge. Er hatte inzwischen genug von Erkans Sexorgien gehört. Nun wollte er endlich nach Hause, zu den "Ratten", als er Gesine in einem der Tunnelgewölbe entdeckte.

Die war noch auf der Toilette gewesen und holte gerade ein Teil von Danox mit ziemlich verekelter Miene hervor, da sie gemeint hatte, dass es in ihrer Hosentasche plötzlich komisch krabbeln würde.

„Iiiihgitt?“, quiekte sie leise, denn das Stückchen zuckte so merkwürdig in der Hand als würde es leben. Jetzt glaubte sie sogar, ein haariges Käferbein aus dem Teil hervorlugen zu sehen! Entsetzt blieb sie stehen, verspürte das dringende Bedürfnis, dieses zappelige Stück von sich zu werfen. Würde doch wohl nicht schaden, wenn sie das zur Betäubung mal kurz auf den Steinboden pfefferte, oder? Gedacht ... getan!

In diesem Moment geschah etwas, womit Gesine nicht gerechnet hatte. Günther Arendt, der Gesine gut versteckt beobachtet hatte, schoss plötzlich hervor und griff sich das zappelnde Stück.

„Ahaaah“, schnaufte er mit gierig blitzenden Augen. „Da haben wir ja endlich etwas Feines, auch wenn es nur ein Stückchen davon ist. Danox, sei mir gegrüßt! Sämtliche Außerirdische sind rein verrückt nach dir!“

Es nutzte dem Stückchen nichts, dass es noch weiter zappelte. Es kam einfach in eine Plastiktüte, die Günther glücklicherweise dabei gehabt hatte und die er gut verschloss. Ohne Sauerstoff gab das Stück auch alsbald Ruhe.

Nur Gesine nicht, die konnte sich vor lauter Empörung und Verzweiflung einfach nicht mehr beruhigen. „Das sollte doch Munjafkurin bekommen!“, schluchzte sie lauthals los und dann sprang sie einfach das Oberhaupt an, um diesem die Tüte mit dem Stück zu entreißen. Ein wilder Kampf entbrannte um das kostbare Gut, denn Gesine war dank ihrer harten Kindheit eine recht gute Kämpferin. Waffen konnten dabei nicht gezogen werden, denn die bei sich zu haben, war unter der Erde nur im äu-ßersten Notfall erlaubt. Doch gelang es Gesine nicht, Günther zu besiegen, da dieser äußerst brutal und rücksichtslos zuschlug. Letztendlich hatte er sie im ´Schwitzkasten´ gepackt und so lief er mit ihr bis zu ihrem Zimmer zurück.

In der Zwischenzeit hatte Rita die Tür für Margrit längst aufgeschlossen und Margrit aus ihrer Gefangenschaft befreit. Darum war Gesine sehr erstaunt, die hier nicht mehr vorzufinden.
Seite 1 von 18       


„Das gibt Stubenarrest!“, kreischte Günther zornig, denn er blutete aus mehreren kleinen Wunden, als er Gesine auf die Matratze warf. „Und du kannst von Glück reden, dass du noch so jung bist! Sonst gäbe es mehr, viel mehr, denn heute hast du gleich mehrere unserer Gesetze übertreten!“ Er machte eine kleine Pause und fügte dann recht leise hinzu: „Ich könnte allerdings die Tage deiner Gefangenschaft ein wenig verkürzen, wenn du nichts über Danox ausplapperst! Na, wie sieht es damit aus?“

„Ich werde ganz bestimmt nicht darüber reden!“, schwor Gesine hoch und heilig und tastete dabei vorsichtig ihr geschwollenes Gesicht ab.

Und dann schloss Günther Arendt hinter sich zu und stapfte zornig davon. In Wahrheit freute er sich aber, dass er heute so einen prächtigen Fang gemacht hatte, denn er hatte schon eine Idee, was er damit tun wollte.

Indes tröstete sich Gesine damit, dass sie ja wenigstens den anderen Teil von Danox durch diesen Kampf mit Günther Arendt hatte retten können, denn dadurch war er zu abgelenkt gewesen, nach weiteren Stücken von Danox zu fragen. Es würde sich schon ein Weg finden lassen, von hier zu türmen, um Munjafkurin wenigstens einen Teil seines größten Wunsches zu erfüllen! Und ein tolles Versteck für dieses kleine Stück, sie hatte es jetzt ebenfalls in eine Plastiktüte gepackt, würde sich schon finden lassen. Nur plagte sie eine Sorge, würde man Margrits fürchterlichem Geplärre, dass Gesine sie beklaut hätte, glauben schenken?“



#



Gesine wäre sehr zufrieden gewesen, hätte sie gesehen, wie ungläubig und verdrießlich Rita gerade den Kopf über Margrit schüttelte.

„Also wirklich, Margrit, warum spielst du dich mit allem, was dir passiert, immer so entsetzlich auf? Ausgerechnet du sollst ein paar Teile von Danox besessen haben?“

Margrit zögerte mit der Antwort, weil sie eben Günther Arendt durch die Gänge hatte flitzen sehen. Also war der völlig überraschend gekommen! Wenn der jetzt die Kinder entdeckte! Sie musste so schnell wie möglich zu ihnen, sie irgendwie vor ihm verstecken. Außerdem hatte sie keine Lust, ausgerechnet jetzt über Danox zu sprechen. Sie wusste, wenn es glücken würde, die Stücke Gesine wieder abzunehmen, würde letztendlich nur einer etwas davon haben und das wäre Günther Arendt und das fand sie nicht gerade gut! Also machte sie ein reuiges Gesicht und hauchte: „Du hast ja so Recht, Rita! Manchmal neige ich wirklich zu Übertreibungen!“

„Na, endlich mal ein vernünftiges Wort von dir!“, seufzte Rita erleichtert.
Seite 2 von 18       
„Dachte schon, du kämst überhaupt nicht mehr zu Verstande! Aber was ist denn mit deinem rechten Auge?“

„Habe mich wohl irgendwo gestoßen, Rita!“

„Weißt du noch nicht mal, wo du dich gestoßen hast?“, quiekste Rita kichernd los.

Nach einem kurzen oberflächlichen Wortwechsel eilte Margrit dann endlich zu ihren Kindern. Die waren schon schlau genug gewesen, sich mitsamt Munk in Margrits Zimmer zu verstecken und keinen Laut von sich zu geben.

„Du, die ... also ... diiie haben sich ganz doll gekloppt!“, verriet Julchen sofort Margrit mit ängstlichem Stimmchen.

„Aber so richtig, ganz ohne Sch ... also in echt!“, setzte Tobias etwas nuschelig hinzu, da er dabei in all der Aufregung seine Lippe eingesaugt hatte.

„Und wer?“, fragte Margrit verdutzt.

„Naah, diiie doch!“, keuchte Julchen.

„Die mit den gelben ... äh ... blonden Zöpfen!“, erklärte Tobias und ließ die Unterlippe endlich hervor schnellen.

„Also Gesine!“, bemerkte Margrit. „Und wer war der andere?“

„Na, deeer doch!“, berichtete Julchen leise schnaufend.

„War so ein Dünner mit Brille“, half ihr Tobias.

„Mit ohne viel Haar auf dem Kopf!“, fügte Julchen noch hinzu.

„Und der hat der so ein Stück von meinem Flutschi weggenommen!“, setzte Tobias noch hinzu. „Warum is Flutschi jetzt kaputt, Mamms?“

„Ja, der aaarme Flutschi!“, jammerte Julchen. „Aber der war trotzdem noch immer ganz schön ekelig!“

„War er nich! Der Flutschi is immer noch hübsch! Das sagst nur, weil der jetzt kaputt ist!“

„Kinder, beruhigt euch. Aber, was ist daraufhin mit Gesine passiert?“

„Na, diiie bekam Stubenfliegenrest oder so ...“

„Heißt Stubenarrst, Jule!“ Tobias saugte zwar schon wieder die Unterlippe ein, aber Margrit war trotzdem ob dieser Nachricht ziemlich erleichtert. Immerhin konnte sie ja noch zu dem zweiten Stück von Danox kommen, wenn sie das nur geschickt genug anstellte.



Kapitel 4



Gulmur fuhr aus dem Schlaf hoch.
Seite 3 von 18       
War da nicht ein Rauschen und Knistern zu hören gewesen? Er richtete sich auf, warf die dicke Baumwolldecke von sich und lauschte. Akir, draußen konnte er wirklich einige verschiedene Geräusche ausmachen, die er nicht so recht einzuordnen vermochte. Ob er seine neu gewonnenen Freunde deswegen wecken sollte?

Remtekiha, Gordenato und Natrinada schliefen noch immer tief und fest neben ihm auf dem Fußboden im großen Wohnzimmer des alten Bauernhauses, welches sie heute Abend unter der Führung Chiunatras aufgesucht hatten, um erst einmal zu nächtigen, bevor sie Richtung Zarakuma weiter fahren wollten.

Gulmur atmete beruhigt aus. Nichts, rein gar nichts war mehr zu hören! Wahrscheinlich hatten ihm seine Nerven nur einen Streich gespielt. Er war ja auch ein wenig überreizt in letzter Zeit.

Freilich hätte Gulmurs lotekische Einheit auch bis Zarakuma fliegen können, doch die Peilstationen und Abwehrmechanismen Zarakumas waren seit kurzem in solch einer perfekten Weise auf Flugobjekte ausgerichtet, dass es trotz Tarnnebel nicht ange-bracht schien, sich Zarakuma von oben zu nähern. Es war er-staunlich, dass die Hajeps bisher kaum darauf reagierten, dass lotekische Soldaten mit der Besetzung ihrer Gebiete begonnen hatten. Drei Dörfer hatten sie bereits von hajeptreuen Menschen entvölkert und Gulmur war immer dabei gewesen.

Wo hätte er auch sonst hingehen sollen? Die Menschen hatten damals versagt, waren viel zu vorsichtig dabei gewesen, ihm und seiner Familie weiterzuhelfen, aus Angst, selber dabei entdeckt zu werden. Da war es sein gutes Recht, wenigstens einen kleinen Teil von Danox inzwischen zurück erhalten zu haben.

Zu viel Wert legten die Loteken allerdings nicht darauf. Sie glaubten nicht mehr an diese Geschichte, dass Danox in Wahrheit eine hochgefährliche Waffe sein sollte, denn schließlich war der einfach in Stücke zersprungen und daher konnte es mit des-sen Verteidigungskraft nicht weit her sein. Gulmur hatte zwar auch so seine Zweifel, vor allem war ihm unklar, was man nur mit einem einzigen Teil von Danox anfangen sollte, doch Chiu-natra bereitete das wohl weniger Kopfzerbrechen. Dieser hatte sich nämlich einverstanden erklärt, dieses Teil als Lohn für die Befreiung von Gulmurs Familie anzunehmen, da er ohnehin plante, mit seinen Truppen Zarakuma anzugreifen, um endgültig die Macht Scolos zu brechen, zumal ihm Gulmur auch noch dabei behilflich sein wollte, sich mit seinen Truppen in Zarakuma zurecht zu finden.
Seite 4 von 18       


Es wunderte Gulmur inzwischen wenig, dass die Loteken ihr früheres Regierungssystem hassten, nach alledem, was er inzwischen von ihnen gehört hatte. Diese ehemalige Eliteeinheit wurde von Pasua und Scolo nur für regelrechte Todeskommandos ein-gesetzt. Attentate gehörten nicht selten dazu und die Loteken hatten schließlich gelernt, hinterhältig zu sein, sich zusammen zu rotten und nur im Untergrund zu kämpfen. Als dann diese Einsätze mehr und mehr von Robotern gemacht werden konnten, brauchte man sie kaum noch. Aber die Loteken, inzwischen ein riesiges Heer, hatten nun mal nichts anderes gelernt und wollten auch nichts anderes tun. Sie rebellierten, und als sie dann einige Schwächen im hajeptischen System entdeckten, wollten sie die Macht an sich reißen.

Von den ständigen Schwierigkeiten mit den Loteken genervt, bot Pasua schließlich den Loteken die Erde zur Besiedlung an, die sie gerade gemeinschaftlich mit den Loteken erobert hatte. Doch sie behielten sich die Besiedlung einiger Gebiete der Erde vor, für den Fall, dass sie eines Tages selber auf der Erde leben wollten, denn der Planet eignete sich dafür recht gut. Dieses alte Abkommen missachteten nun die Loteken, weil sie der Meinung waren, dass sie selbst die meisten Gebiete von Menschen gesäubert hätten.

„Jedes Gebiet hier haben wir erkämpft, wir, die Loteken!“ Das betonte Chiunatra fast jeden Tag, um den Kampfesmut seiner Männer zu steigern.

Gerade, als Gulmur wieder daran dachte und sich dabei auf sein Lager hatte fallen lassen, hörte er abermals diese sonderbaren Geräusche. Erneut fuhr er hoch. Bei Ubeka, was konnte das nur sein? Sein Herz klopfte, denn das merkwürdige Zischeln war diesmal lauter gewesen als beim ersten Mal. Sogar Remptekiha war wach geworden.

„Bei Ubeka!“, knurrte der verwirrt und schaute sich nach allen Seiten um. „Was ist das?“ Er stupste seine Kameraden in die Seite. „Habt ihr das auch gehört Gordenato, Natrinada?“

„Wieso, was ist los?“, riefen die beiden zunächst schlaftrunken, doch dann horchten auch sie in die Dunkelheit.

„Xorr, was könnte das sein?“, ächzten die ebenso verdutzt.

„Hört sich reichlich seltsam an!“, bemerkte Gulmur. Richtige Freunde waren die drei anscheinend kaum, denn sie gingen wieder mal nicht auf Gulmurs Bemerkung ein, wohl, weil der nur ein Trowe war.
Seite 5 von 18       


„Aber wir haben doch überall Wachen postiert“, erklärte nun Gordenato, an seine Kameraden gewandt, „die würden doch Alarm geben!“

„Das stimmt, doch leider bin ich eine skeptische Natur!“, bemerkte Gulmur und erneut antwortete ihm niemand.

So brummte der Trowe schließlich vor sich hin: „Dann werde ich eben aufstehen und nachschauen, weshalb die Wachen keinen Alarm geschlagen haben.“

Die drei Loteken schauten ihm kopfschüttelnd hinterher, aber der Trowe tappte trotzdem weiter, griff sich dabei sein Gewehr, welches er von Remptekiha geliehen bekommen hatte.

„Bist du dumm?“, fauchte ihn jetzt Gordenato an. „Die Wachen sitzen im Tarnnebel und werden sich über dich lustig machen, dass du bei ihnen aufkreuzt!“

Auf einmal konnten sie mit ihm reden! „Interessiert mich nicht!“, beharrte Gulmur. „Ich will wissen, was draußen los ist!“ Und schon war er zur Tür hinaus.

Um das ganze Haus herum flimmerte tatsächlich noch immer der Tarnnebel und deshalb war es auch draußen ziemlich feucht. Doch wo waren die Wachen? Zumindest innerhalb dieser Dunstglocke müsste Gulmur sie doch gleich sehen! Gulmur hatte leider keinen eigenen Blunaska, womit er nur für sich selbst einen Tarnnebel erzeugen konnte. Darum fragte er sich ein wenig beklommen, ob er überhaupt dieses Haus verlassen sollte und somit auch den so lebenswichtigen Schutz!

Da sah er auch schon die erste Wache unter dem Fenster des Hauses zusammen gekrümmt am Boden liegen. Bei Ubeka und Anthsorr, was war hier passiert? War die Wache tot?

Vorsichtig schlich er näher, immer noch vom Nebel des Hauses umgeben und acht gebend, möglichst kein Geräusch zu machen. Entsetzt starrte er ins Gesicht des zusammen gekrümmten Loteken, denn dessen gesamte Haut war dicht bei dicht mit weißen, daumennagelgroßen, schuppenähnlichen Hautlappen übersät. Offensichtlich war auf diesen Soldaten mit einer völlig neuartigen Substanz gefeuert worden, die wohl nicht nur dessen Haut auf solch merkwürdige Weise zersetzt hatte, sondern auch irgendetwas in seinem Inneren, an dem er dann gestorben war. Immerhin konnte Gulmur sich ziemlich sicher sein, dass es kaum Menschen gewesen waren, die so etwas Raffiniertes auf diesen Loteken geschossen hatten, sondern Außerirdische wie er und seine Kameraden.

Dieser Soldat dürfte wohl ein wenig laut gewesen sein und nicht nur der, etwa einen Meter von diesem entdeckte Gulmur gleich zwei weitere auf diese Weise getötete Wachen.
Seite 6 von 18       
Auch deren Lärm war ihr Todesurteil gewesen, denn nur dadurch hatte man sie trotz des Tarnnebels ausfindig machen können.

Gulmur beschloss, lautlos ins Haus zurück zu schleichen um die anderen zu warnen. Aber kaum wieder an der Tür angelangt, meinte er auch schon, im Inneren des Hauses das gleiche Zischeln gehört zu haben wie vordem draußen.

´Bei Ubeka´, dachte er entsetzt, ´der Feind ist wohl schon ins Haus eingedrungen.´

Noch zwei- dreimal rauschte und zischte es drinnen merkwürdig. Das Herz klopfte Gulmur bis zum Hals, denn er ahnte, dass man gerade seine drei Kameraden auf die gleiche schreckliche Weise umbrachte.

Xorr, wo sollte er hin, was jetzt am besten tun? Diesen neuartigen Waffen war er als Trowe nicht gewachsen. Die anderen Loteken über sein Kontaktgerät warnen konnte er nicht, denn er war sich sicher, dass er dann auch vom Feind gehört werden würde. Also musste er von hier weg und zwar schnell. Blitzartig, aber doch möglichst leise, huschte er an der Mauer des Hauses entlang, noch immer verborgen vom schützenden Tarnnebel. Dann biss er die Zähne fest zusammen und durchbrach die flir-rende Dunstwand. Als nichts geschah, schlich er, lediglich von Buschwerk und Bäumen verborgen, zu seinem kleinen Gleiter, den er abseits von den übrigen Lais und Molkats hinter dem breiten Stamm einer alten Eiche geparkt hatte.

Kaum hatte er die Gleitertür geöffnet und sich in den Sitz ge-worfen, da feuerten auch schon die Hajeps aus allen Rohren und von sämtlichen Seiten. Doch sie hatten nicht den Trowe im Visier, sondern die Flotte lotekischer Lais, die sich auch gerade wie Gulmur in die Lüfte erheben wollten. Das sah Gulmur erst jetzt, da die anderen ja Blunaskas besaßen, die aber wegen dem vielen Staub, der nun in der Luft herum schwirrte, trotzdem gut erkennbar waren. Schreiend fielen sie in die Tiefe, oft wie glühende Fackeln am ganzen Körper brennend.

Gulmur ließ seinen Gleiter in dem Wipfel einer gewaltigen Tanne erst einmal landen und hielt sich mit beiden Armen mitsamt Gleiter am Baumstamm fest.

Die Hajeps segelten alle an ihm vorbei. Er hatte noch einmal Glück gehabt, rechtzeitig zwischen diesen biegsamen Ästen und Zweigen verschwunden zu sein. Um ihn herum fand eine entsetzliche Schlacht statt, und er fürchtete, dass man ihn noch versehentlich vom Baum herunterholen könnte.
Seite 7 von 18       


Sämtliche Häuser Reichenbergs wurden dabei ihres Tarnnebels beraubt. Das ganze Dorf schien wie aus dem nichts plötzlich neu erstanden zu sein. Obwohl sich die Loteken verzweifelt zur Wehr setzten, war den Hajeps die Überrumpelung so gut geglückt, dass die Loteken keinen großen Widerstand leisten konnten.

Die Hajeps wollten anscheinend diesmal Gefangene machen, vielleicht, um den Loteken mit drastischen Bestrafungen an den Gefangenen zu drohen, wenn sie sich nicht aus den besetzten Gebieten zurückzögen.

Soweit es Gulmur von seiner Tanne aus beurteilen konnte, hatten die Hajeps in dieser Nacht wirklich sehr viele lotekische Gefangene gemacht, obwohl es den fanatischsten unter ihnen noch auf dem Weg zu den hajeptischen Militärfliegern gelingen konnte, sich selbst umzubringen. Gulmur hoffte inständig, dass es wenigstens Chiunatra gelungen war, dem Feind zu entkommen.



Kapitel 5



Am nächsten Morgen waren Julchen, Tobias, Margrit und sogar Munk sehr überrascht, plötzlich Gesine vor der Tür ihres Zimmers vorzufinden. Die war sehr verschämt, hielt sogar in der Hand einen kleinen, sehr hübschen Blumenstrauß und war auch derart verschüchtert, dass sie nicht einmal an Margrits Tür zu klopfen gewagt hatte.

„Also, es tut mir echt Leid, dass ich dich gestern so scheiße behandelt habe“, krächzte Gesine mit rotem, gesenkten Kopf. „Tut dein Auge noch sehr weh?“

„Gut durchblutet ist es jetzt auf jeden Fall!“, grinste Margrit und sie nahm Gesine verzeihend in die Arme und ihr dabei auch den Strauß ab, schließlich wusste sie ja, wo sie diesen anschließend wieder hinbringen konnte.

Gesine schniefte noch ein Weilchen vor sich hin und eine erzählte der anderen, was sie inzwischen durchgemacht hatte. Margrit bedauerte Gesine schließlich sehr, als die ihr die vielen Blutergüsse zeigte, welche sie bei der wilden Schlägerei mit Günther Arendt erhalten hatte, doch insgeheim konnte sie sich nur schwer ein Grinsen verkneifen.

„Und für das alles habe ich jetzt Stubenarrest bekommen, wie ein kleines Kind!“, beschwerte sich Gesine bei Margrit weiter. „Ach, der Günther, der spinnt doch völlig!“

„Na, ich finde, deine Strafe ist eigentlich noch recht milde ausgefallen!“, erklärte Margrit ehrlich überrascht. „Vor allem, wo du ihn tätlich angegriffen hast.
Seite 8 von 18       
Da ist er ansonsten immer sehr penibel! Doch nun beginne ich mich zu fragen, weshalb du dann hier frei herum laufen darfst!“

„Brauchst du nicht! Weißt du, Rita fand diese Strafe völlig unmöglich!“

„Hast du nette Freundinnen!“, brummte Margrit anerkennend.

„Ja, und die hat mich heute Morgen einfach rausgelassen! Es genügt doch, wenn du unsere unterirdischen Wohnungen nicht verlassen darfst, hat sie gesagt. Da brauchst du doch nicht immer auf deinem Zimmer zu hocken! Und dann sind wir beide erst mal zu Martin hin! Du weißt doch, Adrian, der von Arendt als Oberhaupt bestimmt wurde, kümmert sich eigentlich um nichts.“

Margrit nickte eifrig.

„Na, und darum sind wir eben zu Martin rübergegangen und der hat Rita Recht gegeben!“

„Das ist aber schön, denn Adrian hört meistens auf Martin!“ Nun mussten beide Frauen darüber lachen.

Als Gesine wieder gehen wollte, kam Margrit dann doch noch auf eine wichtige Frage zu sprechen, die ihr eigentlich schon die halbe Nacht durch den Kopf gegangen war. „Wo ist der zweite Teil von Danox, Gesine?“, fragte sie unvermittelt und ihr Herz klopfte dabei.

„Wo sollte der sein?“, erwiderte Gesine mit gespielter Überraschung im Gesicht. „Natürlich bei dem anderen Teil“, fügte sie atemlos hinzu. „Guck nicht so. Ja, glaub es mir! Günther Arendt hat jetzt beide Stücke von Danox! Was sollte ich da machen?“, schluchzte sie wie auf Kommando los. „Er hat sie mir doch einfach weggenommen!“

„Wirklich beide?“, fragte Margrit jetzt noch mal und etwas Drohendes schwang dabei in ihrer Stimme mit.

„Ja!“, erwiderte Gesine ängstlich mit treuherzigem Augenauf-schlag. Und wieder begann sie zu schluchzen und wollte dabei von Margrit getröstet werden.

Es hatte keinen Zweck, sich wegen dieses Stückes abermals mit Gesine zu prügeln, obwohl die beiden Frauen etwa gleich-stark waren, da Gesine bestimmt sehr viel Lärm dabei machen und ihre Beschützer herbei rufen und sich bei denen über Marg-rit beschweren würde. Womöglich wäre dann auch Günther Arendt auf das zweite Stück aufmerksam gemacht geworden, denn er hatte unter den Maden einige engere Vertraute.

Margrit nahm Gesine diesmal nicht in die Arme. ‚Du falsche Schlange’, dachte sie nur, ‚weißt ja nicht, dass dich meine Kinder gestern beobachtet haben.
Seite 9 von 18       
Du hast das eine Teil ganz sicher irgendwo versteckt, natürlich nicht in deinem Zimmer, denn dazu bist du schlau! Künftig werde ich dich eben heimlich beobachten und herausfinden, wo du es versteckt hast!’

Margrit lächelte nun Gesine freundlich zu und sagte dann: „Gut, dann ist ja alles klar!“

„Wirklich?“, keuchte Gesine total erleichtert und begab sich dann, leise ein Liedchen vor sich hin summend, durch den großen Flur Richtung Speisesaal, denn sie hatte mächtigen Hunger.



Kapitel 6



Tage vergingen, reihten sich zu Wochen, doch so häufig, wie sich das Margrit gedacht hatte, konnte sie Gesine nicht hinterher schleichen, denn es gab gerade im Frühling besonders viel für die Maden zu tun. Da es den Bauern an Tauschmitteln fehlte, um für die anfallenden Arbeiten Knechte und Mägde zu bezahlen, übernahmen die Guerillas unentgeltlich deren Arbeiten, denn dass Nahrung auf den Feldern gedieh, war auch für sie das Al-lerwichtigste.

Weil Gesine noch immer Hausarrest hatte, musste sie unten Arbeiten verrichten. Zwar hatte man sie schon öfter heimlich an die Erdoberfläche mitgenommen, ihrem Betteln nachgeben und sie sogar in der Nähe von Zarakuma abgesetzt, denn niemand wusste etwas von Danox. Selbst Günther Arendts Vertraute hatten die Suche nach weiteren Teilen inzwischen aufgegeben.

Jedes Mal hatten dann die Freunde Gesines das traurige Mädchen wieder nach Hause zurück mitnehmen müssen, das stun-denlang vergeblich vor Radonk, dem großen Haupttor der mächtigen Mauer, die Zarakuma umfasste, auf Munjafkurin gewartet hatte.

Schließlich war Gesine sehr still und in sich gekehrt geworden, so ganz anders als früher, was die Maden doch irgendwie bedauerten, denn es fehlte ihnen ihr heiteres Lachen. Aber diese Veränderung hatte auch Vorteile, denn niemand vermisste mehr seine Uhr, sein Taschenmesser, die Taschenlampe oder gar sei-nen Pullover. Man konnte jetzt ungestört seine Sachen neben sich ablegen, musste sie nicht mehr in der Hand behalten oder gar an sich drücken, nur weil Gesine erschien.

Aus diesem Grunde sprach Margrit George eines Abends an. Sie waren gerade auf dem Weg zu ihren Zimmern und Margrit hatte ein altes Märchenbuch unter dem Arm, aus welchem sie den Kindern vorlesen wollte, als sie sagte: „George, Gesine ist zwar eine ziemliche Zicke, aber irgendwie tut sie mir doch Leid, dir nicht?“

„Doch, sehr!“, sagte er ebenso nachdenklich.
Seite 10 von 18       


„Du warst ihr ja fast ein Vater“, berichtete Margrit weiter. „Hast sie von der Straße aufgelesen.“

Er nickte und seine Augen schimmerten dabei feucht. „Ich habe mich immer um sie gekümmert!“

Margrit druckste vor ihrer nächsten Frage ein bisschen herum, bis sie die doch endlich hinaus gebracht hatte: „Liebst du sie?“, hörte sie ihre eigene Stimme merkwürdig klingen und wurde deshalb verlegen. „Ich weiß, es ist nicht richtig, so etwas Privates zu fragen. Aber das ist mir sehr wichtig!“, setzte sie rasch hinzu und die Hitze stieg ihr dabei ins Gesicht.

Zunächst schwieg er entgeistert und seine grünen Augen wan-derten dabei Margrits schlanken, mädchenhaften Körper hinauf und hinunter. „Wieso ist dir das wichtig?“

„Weil ... äh ... ach, vielleicht ist es gar nicht so gut, wenn ich mich da einmische. Aber Gesine scheint dich zu lieben!“

„Ach so!“, sagte er immer noch verdattert. „Das meinst du! Nein, ich glaube, das war nur kindliche Verehrung. Sie ist noch sehr jung, weißt du, und da bringt sie wohl einiges durcheinander!“

Jetzt wurde Margrit ärgerlich. „Warum sollte nicht auch ein junger Mensch lieben können, George! Ich meine damit nur, wie stehst du eigentlich zu ihr? Vielleicht könnte ihr das helfen, wenn sie das etwas genauer von dir wüsste!“

„Tja, äh“, er zuckte nun mit den breiten Schultern und hob dabei ratlos die Hände. „Ich weiß nicht, also eigentlich habe ich die Beziehung zu Gesine eher als eine Vater-Tochter Geschichte angesehen.“

„Mann, George, du sollst nicht darüber nachdenken, als was du das früher angesehen hast, sondern wie das heute zwischen euch beiden ist!“ Sie zwinkerte ihn ermunternd dabei an.

„Heute?“

„Sehr richtig!“

„Du meine Güte, Gesine ist wesentlich jünger als ich und ...“

„Aber das macht doch nichts, George, Hauptsache man ver-steht sich!“

„He, Margrit“, entrüstete er sich jetzt, „wen willst du denn hier unbedingt zusammen packen? Gesine ist mir viel zu kindisch! Weißt du, was mir Günther Arendt neulich über Gesine erzählt hat?“, fügte er sorgenvoll hinzu. „Gesine hätte ihn im Streit kör-perlich angegriffen. Ich will zu Munjafkurin! Ich will wieder zurück, soll sie dabei in einem fort geschrien haben.
Seite 11 von 18       
Nur mit Mühe hat er sie bändigen und auf ihrem Zimmer einschließen können. Das ist schon ziemlich heftig!“ George schob sich das dichte Haar zurück, welches ihm in die Stirn gefallen war.

„Meinst du nicht, dass es auch etwas anders gewesen sein könnte, was sie da herum geschrien hat?“, fragte ihn Margrit.

„Nö, der lügt nicht! Das glaube mir mal!“ Er funkelte sie är-gerlich an. „Schließlich kenne ich den Günther schon etliche Jahre!“

„So, so!“, sagte sie und senkte dabei ihren Kopf.

„Na ja“, räumte er jetzt ein, „in letzter Zeit gefällt mir unser Skorpion auch nicht mehr so ganz! Über den kann man geteilter Meinung sein!“ George rieb sich seinen verspannten Nacken. „Paul ist ja ständig misstrauisch, Martin hingegen vertraut ihm nach wie vor, Eberhardt und Heiko bewundern ihn sogar!“

„Und wie steht es nun mit dir?“, fragte sie ihn hoffnungsvoll, schaute ihn dabei an und ihr Herz begann schneller zu schlagen, denn für einen Moment überlegte Margrit, ob sie George nicht endlich doch alles erzählen sollte.

„Donnerwetter, du stellst mir heute vielleicht Fragen!“, keuchte er verdutzt. „Was ist mit dir los?“

Sie schwiegen für ein Weilchen, während sie gedankenversunken weiter durch den nur spärlich beleuchteten Flur liefen. „Einiges an Günther Arendts Planungen gefällt mir halt überhaupt nicht!“, sagte er endlich. „Wollten wir nicht eigentlich wei-ter über Gesine reden?“

Also verwarf Margrit ihren letzten Gedanken lieber und sagte stattdessen: „Stell dir vor, in Zarakuma ist Gesine nichts weiter passiert, als dass sie sich in diesen Hajep verliebt hat! Das hat sie so umgehauen! Kannst du das verstehen?“

„Verstehen?“, wiederholte er und dabei erschien ihm das sonderbare Bild dieser wunderschönen Frau mit den vollen Lip-pen und den schrägen, katzenhaften Augen.

Er hörte ihre heisere, sanfte Stimme fragen: ´Jelso ir me, Georgo.´

„Ja!“, sagte er jetzt einfach.

„Was ... ja!“, knurrte sie.

„Liebe Margrit, ich habe deine Frage beantwortet und gesagt, dass ich Gesine verstehen kann und zwar sogar sehr!“

„Wirklich?“, erwiderte sie verwirrt.

„Verstehst du sie etwa nicht?“, fragte George zurück.

Margrit schüttelte wild, fast trotzig ihren Kopf.
Seite 12 von 18       


„Komm“, sagte er, „erkläre mir hier nicht, Hajeps würden keinerlei Faszination auf dich ausüben!“

„Sie sind grässlich!“, entgegnete sie tonlos, wendete sich ziemlich abrupt von ihm ab und wollte an ihm vorbei auf ihr Zimmer eilen. Da fühlte sie sich plötzlich von zwei großen Händen von hinten gepackt und herum gerissen.

Erschrocken fühlte sie die Muskeln der starken Arme, die sie festhielten, spürte den heißen Atem, der über ihr Gesicht hauchte und nun schaute sie hinauf in diese glitzernden Augen. George beugte sein Gesicht zu ihr hinab. „Sage mir nicht, du kannst Ge-sine nicht begreifen“, hörte sie seine dunkele Stimme dicht an ihrem Ohr, „denn das wäre wirklich nicht ehrlich!“

Margrit schluckte. „Sie sind schon geheimnisvoll!“, gab sie leise schnaufend zu. „Meinst du vielleicht das?“

George ließ Margrit los. „Verdammt!“, stammelte er. „Was ist nur mit mir? Für einen Moment dachte ich, du wärest ...“ Er brach erschrocken ab.

„Diese Hajepa?“, vollendete Margrit mit großen Augen seinen Satz, musterte dabei seine breiten Schultern und keuchte immer noch ein bisschen.

Er nickte und schaute dabei verstohlen auf Margrits herrliche lange Beine.

„Jetzt werde ich dir mal was sagen“, wisperte sie ebenso eindringlich wie er, „etwas ähnliches dachte ich gerade von dir!“

Da brachen sie beide in erleichtertes Lachen aus.

„Diese Hajeps können einen aber auch rein um den Verstand bringen!“, sagte sie gedankenvoll. „Wohl, weil man nie so richtig weiß, woran man bei ihnen ist!“

„Du sagst es!“ Er nickte wieder sehr ernst. „Und Gesine will nun an diesen einen Hajep unbedingt glauben! Was meinst du, wie könnten wir ihr am besten helfen?“

Etwa eine Stunde redeten sie sich dann darüber ihre Köpfe heiß.



Kapitel 7



„Also Margrit, so gedulde dich doch. Wir machen ja gleich den Fernseher an!“, knurrte Martin verdrießlich. „Aber vielleicht dürfen wir ihn erst mal in Ruhe aufstellen?“

„Ich wollte euch doch nur helfen!“, murrte sie ungeduldig.

„Ja, das kannst du, indem du aus dieser Ecke verschwindest!“, ächzte Paul genervt, der das uralte Ding gerade gemeinsam mit Martin auf das kleine Schränkchen stellen wollte, wel-ches sie sich erst neulich von Pommi erhandelt hatten.
Seite 13 von 18       


„Ich gehe ja schon!“, maulte Margrit und trollte sich zu den anderen, denn sie war nicht die Einzige, die hier im Weg stand. Auch Gesine, Erkan, George, Karl, Chan-Jao, Renate, Heiko und Rita hatten sich im Salon zu dem Aufsehen erregenden Ereignis eingefunden.

Natürlich existierten keine Sender mehr und der kleine Strom-generator in einem der tiefer gelegenen Räume wurde mit Diesel angetrieben.

Es war außerdem altes und damit auch ziemlich schlechtes Filmmaterial auf Speicherkarten, das aus ebenso veralteten Kameras stammte, mit denen zwei Mitglieder der Ratten vor einigen Tagen wichtige Geschehnisse aufgenommen hatten, die sich nun jede der Organisation ansehen sollte, um informiert zu sein.

Aufgeregt nahm die kleine Gruppe schließlich Platz rings um die Tische herum und während der alte Kasten mit einer fast feierlichen Geste eingestellt wurde, kamen noch mehr Maden aus den Tunnelgewölben herbei gelaufen.

Licht flackerte im recht großen Bildschirm zuckend auf und dann sahen sie die ersten Bilder. Loteken schlichen durchs Gebüsch, umkreisten ein Dorf in der Nähe eines Waldes. Die Menschen hatten keine Ahnung, arbeiteten weiter auf ihren Höfen, als plötzlich sämtliche Loteken wie auf Kommando kehrt machten und zu ihren Lais zurück liefen.

War es schon wegen dieser Bilder ziemlich laut gewesen, denn man hatte Angst um die Dörfler gehabt, so jetzt umso mehr. Verdutzte Ausrufe wurden laut und jetzt hörte man Sätze wie: „Diese lotekischen Schisser sind wohl von irgendwas mächtig überrascht worden!“

Im Hintergrund der Bilder entdeckte Margrit eine ältere Dame, die wohl gerade einen Beutel Kartoffeln bei einem der Bauern gegen irgendetwas eingetauscht hatte und die nun verdutzt zum Himmel schaute, wo die Loteken zu ihrem Mutterschiff zurück flogen.

„Die fliegen ja wirklich weg!“, hörte man jetzt. Einige Guerillas johlten übermütig und wieder wurde dabei gepfiffen und in die Hände geklatscht.

„Muttsch ... Muuutsch!“, kreischte Margrit dazwischen „Haaalt, Stopp ... da war doch meine Muttsch!“

„Wer ist hier Muttsch?“, fragte Martin und die anderen schauten auch nicht viel klüger drein.

„Aber das war sie doch“, schniefte Margrit und hielt sich das Herz, weil es plötzlich wieder wie rasend schlug, „sie lebt also doch! Martin, den Film noch einmal zurückspielen, bitte!“

Obwohl alles protestierte, weil es noch einen ganzen Stapel kurzer, jedoch wichtiger Filme gab, tat Martin ihr diesen Gefallen.
Seite 14 von 18       


Alles maulte, nachdem man den Film zum zweiten Male ge-sehen hatte, besonders Rita, die fand, dass sich Margrit mächtig in den Vordergrund spielte.

Die war aber tief befriedigt, wusste sie doch dadurch, dass sie sich wirklich nicht geirrt hatte. Die Meute war gleich wieder ruhig, da Martin gleich den nächsten Film zeigte.

Zwei ziemlich dumm vor sich hin kichernde junge Frauen wa-ren zu sehen. Die begannen gerade über Zarakuma zu erzählen, als sich Margrit mit entschlossener Miene an George vorbei schieben wollte, doch dieser hielt sie fest.

„He, wo willst so schnell hin?“, fragte er leise und setzte noch schnell hinzu: „Ich gestehe, dieser Film, der zeigt, wie die Menschen für ihre Dienste von den Hajeps reich beschenkt worden sind, hat schon etwas Langweiliges! Aber der nächste müsste dich doch sehr interessieren!“

„George“, Margrit schob seine Hand energisch von ihrer Hüf-te, „mich interessiert jetzt nichts anderes als meine Mutter. Da können Martin und Paul sonst was für Filme vorführen. Ich wer-de nach ihr suchen, denn ich muss sie heute noch finden!“

„Heute noch?“, echote George irritiert. „Warum?“

„Kannst du dir das nicht denken?“ Sie nahm jetzt neben ihm Platz, weil einige geschimpft hatten, dass sie nichts sehen könnten. „Muttsch ist alt und schwach, alleine kommt sie nicht mehr klar.“

„So, findest du?“, fragte George mit einem verständnislosen Unterton in der Stimme.

Automatisch blickte Margrit dabei wie er in den Fernseher. Ein recht hübscher, junger Kerl war gerade zu sehen, der von den schönen, geschmeidigen Leibern liebeswilliger Hajepas zu schwärmen begonnen hatte.

„Das finde ich nicht, sondern so ist es, George!“, knurrte Margrit als Erwiderung, schaute aber zu ihrer eigenen Überraschung trotzdem weiter zu. Hinter dem schönen Mann hatten seine Verwandten voller Stolz auf einem kleinen Tischchen die Geschenke gestapelt, zu denen wohl auch Nahrungsmittel gehörten. „Weißt du, ich werde Eberhardt einfach bitten, dass er mich mitnimmt!“

Der Mann griff sich von dem Haufen eine besondere Frucht, die eine ziemlich ulkige Form hatte, hielt diese in die Kamera und erklärte lachend etwas dazu, was Margrit leider nicht mehr verstehen konnte, denn George murrte zurück: „Ich frage mich nur, wie deine Mutter hilflos sein sollte, wenn sie sogar einen schweren Beutel Kartoffeln wegschleppen kann! Auch kommt es mir so vor, als hätte sie zugenommen.
Seite 15 von 18       


„Meinst du?“, fragte Margrit unsicher. Insgeheim musste sie zugeben, dass Muttsch nicht gerade unterernährt ausgesehen hatte.

„Deine Muttsch wird wohl irgendwo in der Nähe eine Bleibe gefunden haben! Also brauchst du dich nicht zu hetzen. Übrigens, jetzt kommt gerade Filmmaterial unserer Organisationen aus Schweden ... oder eher aus Dänemark?“ George kratzte sich dabei nachdenklich in seiner dichten Mähne.

„Ist doch Wurst!“ Margrit war trotzdem wieder aufgestanden. „Jedenfalls haben sie Gesine und Erkan damals nicht so reichlich bezahlt und ...“

„Doch, doch!“

„Wie?“ Margrit musste wieder Platz nehmen, da nochmals hinter ihr gemeckert worden war.

„Sogar sehr reichlich!“, vollendete George seinen Satz. „Hajeps sind wirklich sehr nobel gegenüber uns Menschen geworden, aber dich hat das ja in all diesen Wochen nie interessiert!“

„Ach?“, keuchte Margrit verdutzt.

„Das Unglaubliche daran ist, dass sie nun überall auf der Welt nach Versuchspersonen suchen, um sich vermehren zu können und gesunde Nachfahren zu bekommen!“

„Das ist wirklich echt erstaunlich!“, sagte Margrit jetzt sehr leise, denn man hatte eben auch über ihre ungebührliche Lautstärke gemeckert. „Ich habe den Eindruck, Hajeps könnten unter einer sonderbaren Krankheit leiden, denn deren Hände, ich glau-be auch die Füße scheinen davon besonders befallen zu sein.“

„Ja, das stimmt! Die höchsten Kasten scheinen am schlimmsten davon betroffen zu sein“, erwiderte George ebenso nachdenklich. Im Film waren gerade zwei dunkelhäutige, junge Frauen zu sehen, die erzählten, dass die Hajeps nicht einmal die geläufigsten Zärtlichkeiten kennen würden.

„Tja, Margrit“, grinste George, „das hast du nun davon, wenn du dich immer ausschließt! Sonst hätte dir Erkan vielleicht etwas von den seltsamen Früchten abgeben, die er extra für uns mitge-nommen hatte.“

„Eines wundert mich aber doch“, sagte Margrit, als wieder junge Männer zu sehen waren, die ebenfalls über das Experiment zu erzählen hatten.
Seite 16 von 18       
„Warum haben die Hajeps erst jetzt damit begonnen und nicht schon, als sie die Erde erobert hatten?“

„Irgendetwas muss ihre schlechte Meinung über uns geändert haben!“

„Und hatten sie endlich Erfolg?“

„Noch nie! Es scheint so, als würde das Genmaterial der Hajeps mit dem unsrigen nicht kombinierbar sein!“

„Und warum machen sie trotzdem weiter?“

„Das ist eben Ausdauer! Die Ausdauer der Hajeps!“ Er grinste nervös. „Aber mal wird es auch damit vorbei sein! Günther Arendt schätzt sogar ziemlich bald. Hast du gehört? Hajeps können noch nicht einmal einander umarmen! Dann kriegen die Platzangst! Verrückt so was, echt!“

„Aber wie soll das dann mit dem Sex gehen?“, entfuhr es Margrit verdutzt.

„Na ja, an einer Stelle geht es dann schon!“, hörte man Erkan, der Margrits Frage gehört hatte und alles lachte laut.

„Gott, ist das wieder peinlich!“ Margrit erhob sich, um nun wirklich zu gehen. Außerdem hatte sie richtige Sehnsucht, end-lich ihre Mutter wiederzusehen.

„Du willst doch jetzt nicht los?“, fragte George abermals. „Kommt nämlich gleich so ein Filmchen, bei dem es um die schrecklich nette Beziehung zwischen Loteken und Hajeps geht. Mein lieber Freund“, George lachte sarkastisch, „bei denen geht es jetzt aber mächtig rund!“

„Meinst du wegen der vielen lotekischen Gefangenen, welche die Hajeps gemacht haben?“

„Na klar, die wollen sie doch in einer Woche gemeinsam mit irgendwelchen Trowes erschießen, wenn die Loteken sich bis dahin nicht aus den besetzten Gebieten wieder zurück gezogen haben. Es werden immer mehr Loteken und Hajeps, die auf unserer guten alten Erde landen und sich hier ansiedeln wollen! Wo soll das Ganze noch hinführen?“ George schüttelte den Kopf.

„Das begreife ich auch nicht!“, ächzte Margrit.

Wieder einmal suchte ihr Auge gewohnheitsmäßig nach Gesine. George und Margrit war es zwar inzwischen geglückt, das Mädchen ein wenig heiterer zu stimmen, indem sie sich viel mit ihr unterhielten, aber ihr sonderbares, in sich gekehrtes Gehabe hatte sich nur wenig geändert, und so war Margrit auch nicht besonders erstaunt, als sie Gesine zur Tür des Salons hinaus schleichen sah.

Margrit ging ihr unauffällig hinterher. Gesine war so tief in Gedanken, dass sie keinen Verdacht schöpfte.
Seite 17 von 18       
Zudem schien sie in großer Eile zu sein, denn sie schaute sich noch nicht einmal um und Margrit war sehr geschickt, machte beim Laufen kaum Geräusche.

Margrits Herz klopfte, denn Eberhardt kam Gesine von der anderen Seite winkend entgegen.

„Na, kommst du?“, rief er ungeduldig. „Wir müssen heute etwas schneller machen als sonst. Nölke hat doch mehr Samen von Pommi erhandeln können als gedacht. Daher muss ein weiteres Feld gepflügt und noch heute gesät werden.“

„Diesmal werde ich Glück haben!“, jubelte Gesine.

„Meinst du wirklich?“, erwiderte Eberhardt schief grinsend. „Bis jetzt hast du jedes Mal vergeblich gewartet!“

„Diesmal erwische ich ihn aber!“ Gesines Stimme klang trotzig aber auch hoffnungsfroh.

Margrit blieb gut versteckt in einem der kleineren Tunnel, als sie sah, wie Gesine mit Eberhardt Richtung Ausgang davon flitzte.





Fortsetzung folgt:
Seite 18 von 18       
Punktestand der Geschichte:   150
Dir hat die Geschichte gefallen? Unterstütze diese Story auf Webstories:      Wozu?
  Weitere Optionen stehen dir hier als angemeldeter Benutzer zur Verfügung.
Ich möchte diese Geschichte auf anderen Netzwerken bekannt machen (Social Bookmark's):
      Was ist das alles?

Kommentare zur Story:

  Ich drücke Gesine die Daumen, dass sie endlich ihren Munjafkurin wiedersieht. Spannend und lebensnah wie immer.  
   Marco Polo  -  22.07.19 11:45

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  Man denkt wunderwieviele Seiten man da zu lesen bekommt, weil es soviele Kapitel sind, dabei sind die nur ganz kurz. Trotzdem toll. Ich liebe deine Akteure - die Fieslinge mit eingeschlossen - und bin gespannt wie die diebische Gesine sich nun weiter verhalten wird. Hat sich wieder sehr schön gelesen.  
   Evi Apfel  -  15.07.19 22:35

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

Stories finden

   Hörbücher  

   Stichworte suchen:

Freunde Online

Leider noch in Arbeit.

Hier siehst du demnächst, wenn Freunde von dir Online sind.

Interessante Kommentare

Kommentar von "Sabine Müller" zu "finn"

Schön, echt wunderschön. Wundert mich, dass noch Niemand einen Kommentar abgegeben hat.

Zur Story  

Aktuell gelesen

  In Arbeit

Funktion zur Zeit noch inaktiv. Über ein Konzept zur sicheren und möglichst Bandbreite schonenden Speicherung von aktuell gelesenen Geschichten und Bewertungen, etc. machen die Entwickler sich zur Zeit noch Gedanken.

Tag Cloud

  In Arbeit

Funktion zur Zeit noch inaktiv. In der Tag Cloud wollen wir verschiedene Suchbegriffe, Kategorien und ähnliches vereinen, die euch dann direkt auf eine Geschichte Rubrik, etc. von Webstories weiterleiten.

Dein Webstories

Noch nicht registriert?

Jetzt Registrieren  

Webstories zu Gast

Du kannst unsere Profile bei Google+ und Facebook bewerten:

Letzte Kommentare

Kommentar von "Dieter Halle" zu "Blutmond - Karm´s Reise beginnt --- Kap 2. Blaustein"

Hallo Tis-anariel, eine wunderschöne Geschichte. Ich wünsche dir viel Erfolg.

Zur Story  

Letzte Forenbeiträge

Beitrag von "Redaktion", erstellte den neuen Thread: ???

Richtig, jetzt geht`s wieder los mit der Tauscherei unserer Texte in der Jahreszeitenkategorie. Die Frühlingsrubrik verschwindet und wird durch die Sommerrubrik ersetzt. Zuvor aber - so wie immer ...

Zum Beitrag