Das Licht der Hajeps Band 5 / Unglaubliches / Runa    295

Fantastisches · Romane/Serien

Von:    Palifin      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 17. Februar 2019
Bei Webstories eingestellt: 17. Februar 2019
Anzahl gesehen: 436
Kapitel: 2, Seiten: 41

Diese Story ist die Beschreibung und Inhaltsverzeichnis einer Reihe.

Verfügbarkeit:    Die Einzelteile der Reihe werden nach und nach bei Webstories veröffentlicht.

RUNA V. TEIL



Natürlich kam keine Antwort und Gabamon wollte weiter. Wieder zur Tür hinaus oder erst durch das nächste angrenzende Zimmer? Die Neugierde beantwortete seine Fragen, denn der nächste Raum erschien ihm wesentlich größer und schien ein kleiner Speisesaal gewesen zu sein. Links war eine gemütliche Theke und an der rechten Wandseite über einem der Tische befand sich ein großes Bild. Es schmückte mittig die bunte Wand.

Er schob sich an den Stühlen vorbei. Wieder machte er dabei Krach, aber er fühlte sich von dem alten Gemälde in sonderbarer Weise angezogen. Das Wenige, was von der Bildfläche zu sehen war, faszinierte ihn dermaßen, dass er den dicken Staub von der Bildfläche streichen musste. Je mehr er freilegte desto stärker zitterten ihm die Hände. Tränen schossen ihm in die Augen, als er erkannt hatte, was dort mit großer Zärtlichkeit in Öl gemalt worden war.

Irgendetwas würgte ihn tief im Hals und er sah das Gemälde schließlich nur noch verschwommen. „Cheche?“, stieß er zu seiner eigenen Überraschung gepresst hervor. Erschrocken hielt er sich die Hand vor den Mund. Verdammt, was konnte dieses Wort nur bedeuten, dass es ihn dermaßen aufregte? Was mochte heißen? Ein Gegenstand, ein Name?

Angst vor diesem Bild, fast Panik umklammerte ihn, dennoch konnte er nicht dagegen an, es immer wieder anzustarren. Gabamon hatte keine Spucke mehr im Mund, versuchte völlig ruhig zu sein - vergebens. Er schloss die Augen, trommelte schließlich wild gegen die Brust, dort, wo sein Herz saß, dort, wo nun ein großes Feuer emporzüngelte, und presste beide Hände gegen den Schädel, um sich endlich seines Verstandes zu bemächtigen!

Doch dann wisperte er: „Miko!“, und war wieder völlig von sich überrascht und plötzlich war ihm so, als hätten seine ungelenken Lippen gerade diese beiden Worte dereinst sehr häufig gebraucht, zuletzt sogar hinausgeschrien!

Und da geschah es, wenngleich er sich immer noch heftig zur Wehr setzte, die dunklen Bilder stiegen in ihm auf.

Er sah sich selbst, entdeckte sich als kleines Kind, in Lumpen gehüllt, in irgendeiner Straße eines verkommenen Wohnviertels. Mit weit aufgerissenen Augen schaute der Junge umher, unsicher vorwärtsstolpernd.
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Mesobitschkas Soldaten waren also wieder hier gewesen, und diesmal hatten sie viel schlimmer gewütet als bisher. Überall reckten sich die primitiven Behausungen dachlos, ähnlich leerer Mäuler, anklagend zum grauen Himmel. Schnee rieselte dennoch sanft hinab, legte sich, als wolle er das zerstörte Ghetto damit trösten, darüber wie ein dünnes, weißes Tuch.

Doch Gabamons Welt war nicht weiß, sie blieb grau und trostlos und es war ihm kalt und der Schutt äußerst glitschig! Gabamon musste über Trümmern klettern und dabei aufpassen, dass sein kleiner Fuß nicht abrutschte, sich nicht verhakte, dass er nicht einen seiner warmen und deshalb kostbaren Stiefel verlor.

Er hatte wieder mal die kratzige und daher unliebsame Mütze auf dem Kopf, den viel zu langen Schal um den mageren Hals gewickelt, welchen er über die Schulter zurück werfen musste, damit er nicht darüber stolperte und in die Steine stürzte. Es half kaum, dass die kurzen Finger sich mühten, die Augen trocken zu halten, um besser zu sehen und nach ihnen zu suchen zwischen all diesem Geröll.

Gabamon suchte schon seit mehreren Stunden in den Straßen des Bukighettos - unermüdlich, unerschrocken! Aber er hatte bisher nur Lumpen und fort gewirbelte Möbelteile zwischen den Trümmern und hohen Mauerresten entdecken können.

Warum nur war er vorhin in seinem Zorn heimlich fortgeschlichen? Er war weit fort gelaufen, zum ersten Male in seinem Leben aus dem Ghetto hinaus und das alles nur wegen eines dummen kleinen Streites. Gewiss hatten sie später nach ihm gesucht, bei Freunden und Verwandten nach ihm gefragt. Nun war er zwar zurück, ganz von alleine wiedergekommen und machte sich trotzdem heftige Vorwürfe, nicht Zuhause, nicht bei ihnen gewesen zu sein in diesem schrecklichen Moment. Er hatte sie im Stich gelassen und darum schob er mit der ganzen Macht seines kleinen Körpers selbst schwerstes Gestein beiseite, denn vielleicht lagen sie ja darunter?

Wohin konnten sie nur gelaufen sein? Der Rücken tat ihm schon lange weh, auch dass die Hände brannten, störte ihn nicht, aber schließlich suchten seine Lippen doch nach Worten, an denen seine Seele Halt finden konnte.

Er wisperte sie zunächst vorsichtig hinaus, gerade als er wieder mal einen schweren Klumpen zur Seite schaffte, obschon er ihnen versprochen hatte, sich dieser Sprache nicht mehr zu bedienen.
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Aber es war doch nur dieses einzige Mal!

„Miko ... Cheche?“, tönte seine zaghafte Stimme durch den rieselnden Schnee.

Niemand antwortete, niemand kam. Da vergaß er seine guten Vorsätze und wurde lauter. Schließlich wendete er sich nach allen Seiten des zerbombten Ghettos um. Erst klang seine Stimme fragend, dann zornig und zuletzt fassungslos! Er schrie die beiden Worte mit allen Kräften aus sich heraus - wieder und immer wieder! So lange, bis er nicht mehr konnte, bis die Tränen ihn fast erstickten, bis er plötzlich doch Stimmen aus der Ferne wahrzunehmen glaubte.

Er hielt inne. Es wurde ihm fast schwarz vor Augen, so bang war ihm, als er sich fragte, ob das denn wirklich der Klang ihrer Stimmen sein konnte. Doch, es schienen die beiden zu sein, schließlich waren sie ihm so vertraut wie seine eigene, seltsame Stimme. Dann erkannte er mit Entsetzen, dass ihre Rufe nicht mehr ihm galten, dass daraus Schreie der Überraschung, des höchsten Entsetzens geworden waren. Sie hatten sich wohl vor diesen Bombenanschlägen in Sicherheit bringen können, doch indem sie ihm antworteten, waren sie gefunden worden. Er wusste, wie sehr sie gehasst wurden, aber warum? Er kannte keinen Grund, weshalb man ausgerechnet sie derart verachten musste?

Seine entsetzliche Vermutung wurde durch das Knattern von Gewehren und die Schmerzensschreie seiner Lieben bestätigt. Das eben Gehörte ließ Gabamons Lippen zu einem schmalen, kleinen Strich werden.

„Miko ... Cheche?“, stieß seine raue Kehle noch ein letztes, hoffnungsvolles Mal hervor, denn er konnte sich ja auch geirrt haben. Doch er vernahm nichts mehr, nur das höhnische, triumphierende Gebrüll der Soldaten und da wusste er, dass es keine Hoffnung mehr gab. Er blinzelte durch die rieselnden Schneeflocken hindurch. Sie tauten in seinen Augenwinkeln, vermischten sich mit heißen Tränen. Nie ... niemals mehr würde eine hohe Gestalt mit ausgebreiteten Armen zu ihm kommen, würde eine zierliche Person mit wehendem, langen Haar ihm entgegenlaufen. Keine sanften Männeraugen würden ihm zuzwinkern, keine weichen Frauenarme ihn aufheben, keine Lippen sich tröstend gegen seine Wange drücken und nie wieder eine kräftige Hand ihm durch das Haar wuscheln.
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Da ließ er den letzten Stein kraftlos fallen, den er vorhin noch empor gewuchtet hatte, um diesen notfalls als Waffe zu ihrer Verteidigung einzusetzen. Dumpfe Schwärze umnebelte seine kleine Stirn, und er fiel, als hätte man auch ihn erschossen, warf sich einfach mitten hinein ins spitze Gestein und blieb dort liegen!



#



Gabamon kam dem Bild ganz nahe, lehnte heftig atmend die Stirn dagegen. Er fühlte den feuchten Staub, roch die alten Farben, hielt sich schließlich die Hände über die Augen und drehte sich herum.

Er ließ die Finger sein Gesicht hinab gleiten und tappte benommen zu einem der Tische. Das brachte ihn langsam in die Wirklichkeit zurück. Ermattet nahm er auf einem der Stühle Platz.

Wer mochten wohl diese zwei gewesen sein, die er einst so geliebt hatte, dass er am liebsten sein Leben für sie gelassen hätte? Sie waren so sanft und gut zu ihm gewesen, hatten ihn beschützt, so lange sie dazu in der Lage gewesen waren. Konnten sie liebevolle Bekannte oder Verwandte gewesen sein, die sich für ihn verantwortlich gefühlt hatten? Wie dem auch war, man hatte sie ihm fort genommen und man hätte ihn in eines der Heime gesperrt, wenn es ihm nicht gelungen wäre, rechtzeitig zu entkommen.

Von da an war er auf sich allein gestellt gewesen. Erst fristete er als bettelnder Straßenjunge sein Leben, später hielt er sich mit kleinen Diebereien über Wasser und übernachtete auf Müllhalden oder in Parkanlagen, denn arbeiten konnte er nicht, weil dann herauskommen konnte, welch eine ´Kreatur´ er war.

Alles beherrschte der große Diktator Mesobitchka und nur ein kleiner Kreis Auserwählter durfte Macht und Reichtum mit ihm teilen. Die breite Masse des Volkes war bettelarm. Damit niemand aufsässig wurde, kontrollierte das Staatssystem praktisch jeden Bewohner der Erde. Die Jugend nahm Drogen, die schöne Träume hervorriefen. Das war erlaubt und man konnte diese für wenige Clontis an jedem Automaten erhalten. Die Älteren hatten sich schon früh mit sonderbaren Krankheiten herumzuplagen, und es gingen Gerüchte um, dass Mesobitchtkas Leute für die Verbreitung seltsamer Viren gesorgt hätte, denn er wollte Ruhe auf der Erde haben, brauchte nur wenige Menschen für anspruchsvolle Arbeiten, alles übrige verrichtete ein spezielles Robotersystem.
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So beschäftigten sich die meisten Menschen nur noch mit Zerstreuung.

Doch es gab einige wenige, die waren so wie Gabamon, die tief in ihrem Inneren wussten, dass hier etwas nicht in Ordnung war. Man konnte das diktatorische System verändern, vielleicht sogar stürzen. Die Frage war nur: Wie besiegt man einen Überwachungsstaat? Wer erwischt wurde, bekam grausame Strafen, von denen er sich sein ganzes Leben lang nicht mehr erholte, und bisher hatten sie noch jeden in ihre Fänge bekommen. Darum verstand Gabamon nicht, weshalb Mesobitchka ausgerechnet für die Ergreifung der sogenannten ´letzten Bunkis´ höchste Belohnungen aussetzte, denn was konnten solche Wesen denn schon gegen den allmächtigen Mesobitchka tun?





Fortsetzung von RUNA folgt mit dem nächsten Band
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Punktestand der Geschichte:   295
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Kommentare zur Story:

  Auch ich bin begeistert und warte auf den nächsten Teil.  
   Marco Polo  -  19.02.19 22:03

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  So, das hat sich wieder rasch durchgelesen und wir wissen jetzt was mit mit Gabamon passiert ist, aber nun ...wie geht es mit Margrit, Munk und allen anderen weiter?  
   Evi Apfel  -  18.02.19 19:43

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Interessante Kommentare

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