Das Licht der Hajeps Band 4 / Entscheidungen Kapitel 12   377

Fantastisches · Romane/Serien

Von:    Palifin      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 2. Januar 2019
Bei Webstories eingestellt: 2. Januar 2019
Anzahl gesehen: 670
Seiten: 29

Diese Story ist Teil einer Reihe.

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   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


Wenig später sträubte sich Margrit vergeblich, wach zu werden, aber der eigenartige Geruch, welcher ihr plötzlich in die Nase gestiegen war, forderte sie brutal dazu auf. Sie hörte ein seltsames Fingerschnippen und dann einen schmerzvollen Laut. In einiger Entfernung begann etwas zu summen.

Sie spürte zwei Hände, die sie packten. Man hatte ihr vermutlich etwas Aufmunterndes in die Nase gesprayt, dennoch hielt sie die Lider krampfhaft geschlossen. Während ihre Sinne ganz allmählich zurückkehrten, merkte sie, dass sie wohl nicht mehr irgendwo lag, sondern inzwischen von etwas starkem, festen umgeben war. He, das fühlte sich ja fast wie ein warmer Körper an! Ihre Arme baumelten kraftlos hinab und ihr Kopf wankte leicht hin und her, während sie fortgetragen wurde.

„Bist wach!“, hörte sie die raue Stimme des Feindes dicht an ihrem Ohr. „Nischt hummeln! Augen auf!“

Wind wehte irgendwie um Margrit herum, also waren sie noch immer im Freien, und dann hörte sie nicht nur dieses ihr inzwischen recht vertraute Surren und Summen ganz in der Nähe, sondern auch das hässliche Quaken des komischen Flugdings, das wohl gerade ganz in der Nähe gelandet war.

„Schummeln!“, verbesserte sie ihn schläfrig und riskierte zunächst nur ein Auge. Es war dunkel und sie sah Äste von schwachem Lampenlicht bestrahlt über sich schaukeln.

„Andere auch!“

„Naaa gut!“ Sie schaute ihn mit beiden Augen an. Sein Gesicht, die nackten Arme, ja sogar seine Schultern leuchteten in einem sanften Hellblau, da diese noch immer vom Lämpchen an seiner Stirn bestrahlt wurden.

Sie atmete tief durch, versuchte sich zurechtzufinden, denn wieso war der Hajep eigentlich - sie schluckte - nackt? Was war passiert? Hatte er, als sie ohnmächtig gewesen war, mit ihr ...? Oh Gott, schrecklich, grausig, einfach nicht auszudenken!

Sie betrachtete daher den Hajep so gut, wie es von seinen Armen aus ging, von oben bis unten, denn vielleicht irrte sie sich ja auch!

Und er beobachtete sie seinerseits, wenn auch ausgesprochen vorsichtig, unter diesen seltsamen, leicht gesenkten Lidern.

Puh, Gott sei Dank hatte er ein Unterhemd an! Wie beruhigend! Aber wo hatte er das her? Ziemlich tief ausgeschnitten das Hemdchen! Und völlig verrückt diese Farben! Quietschgrün mit neongelben und schockorangenen Blümchen drauf.
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Na ja! Wird er wohl im Auto gehabt haben. Und wie stand es nun mit dem Rest seines Körpers? Der konnte nämlich – sie errö¬tete bei diesem Gedanken – trotzdem unbekleidet sein. Wirklich eine reichlich groteske Vorstellung, aber man konnte ja nie wissen! Ihr Herz pochte abermals wild, während sie einen langen Hals machte, um hinab zu schauen. Sehen konnte sie bei dieser Dunkelheit leider kaum etwas und außerdem war die Frage, weshalb er sein weißes, langärmeliges Hemd nicht mehr trug.

So zog sie nachdenklich den Kopf zwischen ihren Schultern ein, lehnte sich an die breite Brust des Hajeps und beleckte sich dabei angespannt ihre Lippen. Was zum Kuckuck war inzwischen passiert? Die schmalen Augenbrauen über ihrer Nasenwurzel schoben sich zu einer kleinen Falte zusammen, und nebenbei fiel ihr auf, dass sie keinen Schaum mehr auf ihrer Zunge schmeckte! Sie fuhr deshalb sofort wieder hoch und betastete eingehend mit beiden Händen ihr Gesicht. Das ganze Zeugs war wirklich weg! Die Haut fühlte sich zwar ein bisschen klebrig und ähnlich wie Pergament an, aber trotzdem, das war schon mal recht tröstlich.

Sie seufzte und wollte sich die Brille auf ihrer Nase zurecht schieben, aber die klebte ja fest! Furchtbar, grässlich ... wutsch! Doch noch abgekriegt - puh! Der eingehaltene Atem verließ keuchend ihre Lungen. Doch dann fiel ihr plötzlich etwas anderes siedendheiß ein. War sie selbst eigentlich immer noch nackt?

Margrit zog daher das Kinn etwas fester an den Hals und betrachtete sich selbst. Da war ja etwas, hauchdünn zwar, aber immerhin! Es schien aus einem spinnwebenartigen, elastischen, seidenweichen Material zu bestehen und die unwahrscheinlich weiten Ärmel wehten um sie herum. Verdammt, das war ja sein Hemd? Warum trug sie plötzlich seins?

„Naah? Richtick nurrfi das Hemdschinn, chesso?“ Die roten Augen funkelten stolz. „Das is würgelisch serr, serr nett von mir, chesso?“

Sie nickte verstört. „Ja, richtig nett!“

„Und das ist auch würgelisch serr, serr romatschig!“, setzte er, weiterhin von sich selbst begeistert, hinzu, während er Margrit immer schneller vorwärts schleppte. „Siehst du, ich weiß, was das ist! Habe nur wenig Zeitick, um zu dir noch viiiel romatschiger zu sein! Xorr, Zarakuma wartet bereits!“, setzte er etwas knurrig hinzu.
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„So schnell schon? W .. wollen wir wirklich von hier weg?“, ächzte sie entsetzt.

Er nickte gleich zwei Mal.

„Also nein“, schwatzte sie schnell drauflos. „Also, wollen wir beide nicht lieber ein kleines bisschen ...“, sie brach ab, denn ihr fiel bei dieser Eile eigentlich nichts ein, womit sie ihn noch ein wenig aufhalten konnte. Hatte er Margrit erst mal nach Zarakuma geschafft, war die Möglichkeit doch noch zu entkommen, für immer vorbei. „Na, du weißt schon!“

„Was weiß ich schon?“ Er blickte iriirtiert auf sie hinab.

„Äh“, sagte sie jetzt und ihre langen Wimpern flatterten dabei bettelnd auf und nieder. „So miteinander was machen, meine ich!“

„Ich soll was mit dir machen?“

„Na nicht nur du, ich auch so ein bisschen! Wir haben doch noch gar nicht …“, sie schaute ihm tief in die Augen, „... nichts geklärt, zum Beispiel ...“ sie beleckte sich wieder aufgeregt ihre Lippen, „... äh, philosophisch oder so!“

„Kommt alles noch, Ninschinn!“, knurrte er und wollte die Lumanti nun über die Tür des Molkats heben, da er diese wohl nicht mehr aufbekam, und in den Beifahrersitz bugsieren. „Daaas kommt bestimmt noch, versprecher ich dir!“

„Super, aber so warte doch nur noch einen winzigen Moment!“ Sie strampelte dabei so heftig, dass es ihm nur zur Hälfte gelang, sie in den Sitz zu bekommen. Breitbeinig, ihre nackten Beine baumelten dabei über der Tür, und nach hinten gelehnt, zwinkerte sie ihn weiterhin freundlich an. „Du, ich glaube, wir zwei haben da etwas ganz Wichtiges vergessen!“

Aber komischerweise war dieser hirnrissige Satz wohl gerade das Richtige für den Hajep gewesen, denn er sagte plötzlich. „Stimmt, Ninschinn! Du hast ja so Rischtick ... hm ... Recht!“ Und dabei war sein Blick kurz zwischen ihre Schenkel geglitten. Automatisch zupfte sie deshalb einen der langen Zipfel des Hemdes zwischen ihre Beine und keuchte entsetzt: „Womit habe ich Recht?“ Ihr Herz pochte irgendwie alarmiert!

Sie lag so komisch in diesem tiefen und mit weichem Fell gepolsterten oder eher bewachsenen Sitz, dass es ihr gar nicht so schnell gelingen wollte, die langen Beine von dieser grässlichen Tür herunter zu bekommen.
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„Damit!“, brummte er und nun sah sie zu ihrem Schrecken, dass der Hajep nicht nur seinen verrückten Lendenschurz von sich geworfen, sondern auch seine noch viel seltsamere Pumphose geöffnet hatte. Er wackelte gerade mit den schmalen Hüften ziemlich sexy das merkwürdige Bekleidungsstück seine wohlgestalteten Schenkel hinunter.

Rein reflexmäßig war Margrits Blick dabei zu jener Stelle gewandert, die auch er bei ihr betrachtet hatte. „Äh, bist du dir sicher, dass wir uns beide richtig verstanden haben?“, schnaufte sie mit hochrotem Kopf.

Puh, in dieser Hinsicht waren Hajeps wohl den Menschen geradezu verblüffend ähnlich und außerdem nicht gerade unterentwickelt, denn dieser Fetzen einer hochelastischen, quietschgrünen Unterhose mit grellen, dunkelgrünen Pünktchen, natürlich passend zu dem Unterhemd, zeigte wirklich alles sehr detailliert. Margrit schob sich die Brille auf ihrer Nase zurecht und keuchte anschließend noch lauter.

„Ninschinn, ich bin mir sogar vollkommen sicher!“, hörte sie seine dunkle, heisere Stimme etwas angespannt, da er nun bemüht war, sich auch noch die Stiefel von seinen Füßen zu streifen, während sie sich weiterhin abrackerte, ihren anscheinend viel zu langen Körper endlich in eine vernünftigere Position zu bringen.

„Nein“, brüllte der Feind gebieterisch, während sie so strampelte und sie verharrte schreckensstarr.

„Bleib so wie du bist!“

Alles Blut wanderte aus Margrits Gesicht, denn sie sah, dass dieser halbnackte und total verrückte Hajep nun auf sie zu kam.

„Xorr, Ninschinn“, knurrte er. „Jetzt wird es noch romatschiger!“ Und seine seltsamen Hände krallten sich in ihren beiden Fußgelenken, die sie ihm sofort wieder entriss.

„Aber ich denke, wir haben keine Zeit!“, nuschelte sie undeutlich und sehr hastig und schlug dabei mit ihren Füßen nach seinen Händen.

„Kippt altiss Sprichwörd bei euch ... Unsinn ... es gibt ein altes Sprichwort, das geht so ...“, schnaufte er und schon hatte er ihre Beine wieder gepackt und einfach wieder über die Tür geworfen.

„Ach ja“, krächzte sie, „unterhalten wir uns doch ruhig noch ein bisschen über Sprichwörter, das ist das Richtige.
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Ich kenne zum Beispiel auch eins, das ...“

„Du lässt mich ja gar nicht ausreden!“, brüllte er und riss dabei ihre Beine auseinander. Gott sei Dank hatte sie sich vorher das Hemd unten an beiden Zipfeln zusammen gebunden, aber sie schaute sich trotzdem in diesem komischen Flugdings nach allen Seiten um, ob da nicht irgendetwas hartes und möglichst schweres in der Nähe lag.

„Na, dann leg los!“ Was sagte sie eigentlich? „Schieß los! Quatsch ... äh ... rede, meinte ich doch!“

Er hob den Kopf und sagte nun sehr langsam. „Soviel Zeitick ... hm ... muss rein!“

„Soviel Zeit muss sein und nicht rein!“, keuchte sie und versuchte, ihn dabei in den Bauch zu treten.

„Hich?“, ächzte er.

Hatte sie ihn etwa getroffen? „Wieso hich?“, erkundigte sie sich.

Der verrückte Kerl antwortete nicht sondern trat nur einen Schritt von ihr zurück. Wollte er etwa einen Anlauf nehmen um ...? Leider behielt er mit einer Hand den Griff um ihre Beine bei, aber er zupfte nun so an diesem grellen Fetzen von Unterhose, als habe er vor, sich auch dieses merkwürdige Stück vom Körper zu streifen. Was, zum Donnerwetter, kam jetzt? Sie war wieder völlig fertig!

„Xorr, ich sollte dir besser diesen Pluno ...?“ Er brach ab und blickte sie dabei fragend an.

„Och, nicht nötig!“, beeilte sie sich ihm zu sagen. „Behalt ihn ruhig drin ... äh ... behalt diesen Pluno ruhig an, meinte ich natürlich!“, japste sie, nochmals knallrot im Gesicht geworden.

„Aber vielleicht ist es so einfacher“, überlegte er trotzdem, zäh wie er nun mal war, und hatte den komischen Fetzen auch schon ein bisschen hinunter.

Klar ging es ohne Unterhose einfacher! Du meine Güte, so hacke konnte der Mann doch gar nicht sein! „Nö, nö!“, schnaufte sie und schaute schnell zur Seite. „Lass nur ... äh ... geht schon so!“

„Zai?“ Er hielt fragend den Kopf schief und der Haarkamm fiel ihm dabei in die Stirn.

„Wirklich, das geht!“ Sie versuchte, ihm ein möglichst Mut machendes Gesicht zu präsentieren. „Versuch es einfach mal, aber eile dich nicht!“, setzte sie schnell hinzu. „Lass dir Zeit!“

„Na, wenn du meinst?“, knurrte er, immer noch ein bisschen skeptisch.
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„Du musst ja damit klar kommen!“ Und dann sah sie mit großen Augen, dass er ihr seine viel zu lange Pumphose erst über das eine und dann über das andere ihrer nackten Beine streifte.

Als der Hajep den Saum mit besonderen Handgriffen von unten nach oben krempelte, um die Hosenbeine der Pumphose zu verkürzen, schien plötzlich Leben in dieses sonderbare Material gekommen zu sein. Es knisterte leise, schob sich über Margrits Haut hin und her wie ein kriechendes Reptil und wurde dabei so weich wie hauchdünner Gummi. Die verschiedenen seltsamen Faserbahnen, die der Hajep immer wieder gegeneinander gedrückt hatte, verbanden sich schließlich, wurden zu einer Masse und schließlich dehnte und streckte sich der sonderbare Stoff wieder, glich wohl auf diese Weise die frisch entstandenen Unebenheiten aus.

Obwohl die Hose eigentlich auch viel zu weit hätte sein müssen, zog sie sich ebenfalls nach bestimmten Berührungen des Hajeps eng an Margrits Körper und wurde schließlich passgenau.

Der Hajep war dies wohl gewohnt, korrigierte auch das Hemd auf diese Weise noch hier und da, fragte schließlich höflich, ob es Margrit vielleicht so oder so besser gefallen würde, und dann saß die Lumanti wirklich sehr ordentlich angezogen im Sitz neben dem Feind und nur wenig später erhob sich der Molkat leise surrend mit ihnen in die Lüfte.

Sie flogen diesmal mit halb geöffnetem Verdeck, weil Zuita trotz des zwar kurzen aber heftigen Wutanfalls des Hajeps und dreier Faustschläge nicht mehr in der Lage gewesen war, sich zu schließen.

„Und was erwartet mich in Zarakuma?“, fragte Margrit den Feind, der gerade auch noch den Bildschirm traktierte, dabei völlig Unverständliches in sich hinein grummelnd.

„Ulbanatoro, Godurbodamaun“, zählte er einfach auf, „Rafangagawa, Gowinpatra, Bukurnuva ... hm … willst du würgelisch die Namen sämtlicher Wissenschaftler Zarakumas wissen?“

„Nein, eigentlich nicht!“, krächzte sie und schaute dabei zu, wie sie über die bunten Baumwipfel des Parks dahin segelten. Nun war es zu spät für sie, doch noch zu entkommen. Das grässliche Zarakuma würde bestimmt bald erreicht sein und was hatten die Leute immer gesagt: Kein Mensch konnte bisher lebend Zarakuma wieder verlassen!

„Bei Ubeka und Anthsorr“, brüllte der Hajep, während sich Margrit betrübt ihren Gedanken hingab.
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„Warum spielt jetzt auch der Niniti ver ... verrockt? Nosje!“, fauchte er. „Kos to atti? Was ist passiert? Kor wan dus? Kor wan?“ Er brach ab, schnaufte nur noch, schüttelte wild mit dem Kopf und berührte nun ziemlich hektisch dieses und jenes Sensorenfeld.

„Ach, ich meinte doch ganz etwas anderes, ich meinte ...“, Margrits zittrige Finger suchten leider vergeblich nach einem Taschentuch in diesem Hemd. „Ist ja doch alles egal!“ Sie wischte nun an ihren Augen herum. Ob sie ihm wohl diesen kleinen Schraubenzieher oder was es auch immer war, über den Haarkamm ziehen konnte, aber dann stürzten sie womöglich ab!

„Xorr, tes wan ganli! Ich ahne, was du meinst!“, stellte er nach kurzem Nachdenken fest, und dann nahm er ihr einfach das schwarze Ding aus der Hand und legte es in ein Fach neben sich, das sich nach einer kurzen Berührung an der Seitenwand des Molkats gebildet hatte. „Aber keine Fuischt, es wird schon nicht allzu schlimm für dich werden, chesso?“ Das Fach verschloss wieder sich von selbst.

„Ja, das sagt sich so einfach“, schniefte sie, „wenn man nicht selbst dran ist!“ Margrits rot geweinte Augen musterten nun das flache, eckige Ding, das auf dem Rücksitz lag. Vielleicht konnte man das ihm ja mal ... „Warum hat der Molkat eigentlich außen diese ... äh ... seltsamen Schuppen?“, schwatzte sie deshalb ablenkenderweise drauf los.

„Diese Pacobis, Schuppen, wie du sie nennst?“, fragte er angespannt, während er das Bild im Niniti mit der Landschaft unter sich verglich. „Unn ... urujak!“, knurrte er.

„Richtig, richtig!“ Sie nickte eifrig und lehnte sich dabei ein bisschen nach hinten.

„Sie bestehen aus janadan“, der Hajep reckte nun einfach den langen Arm über die weich gepolsterte Lehne und gab dem Kasten einen kleinen Schupps, so dass Margrit an den nun auch nicht mehr heran kommen konnte. „Es ist ein ähnliches Material wie das Hemd und die Hose, die du gerade trägst, welches zum Beispiel die Sonneneinstrahlung aufnehmen und speichern kann, etwa wie eine Echse, und in diesem Fall in kiridin, jenen für die Natur völlig unschädlichen Kraftstoff verwandelt, welchen wir hier gerade brauchen um fortzufliegen.
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„Aha“, sagte sie. „Nun bin ich beruhigt!“ Das war sie natürlich überhaupt nicht, denn sonst sah sie hier nichts, womit sie den Feind unschädlich machen konnte. Ach, das war ja so schrecklich! Margrit kämpfte wieder mit den Tränen. Bald würden sie in Zarakuma sein und dann?

‚Nur als Leiche kannst du Zarakuma wieder verlassen!’, hatte sie die Worte noch im Ohr.

„Nicht weininn.“ Der Hajep holte ein kleines Tüchlein aus einem Fach in der Seitenwand und reichte es Margrit.

Im Nu war es mit Tränen durchtränkt. Angeekelt schaute der Hajep der Lumanti dabei zu, wie die nun auch noch mehrmals hineinschnäuzte. Er kannte so etwas nicht und hielt sich die Hand über Nase und Mund. „Wirf es weg!“, schnaufte er.

„Einfach so aus dem ... äh ... Fenster?“

„Warum nicht? Ihr seid ohnehin eine Wegwurfgesellschaft!“

„Tschüß!“, sagte sie zu dem Taschentuch als es hinunter zum Park segelte. „Du darfst wenigstens frei sein!“

Und schon brach sie erneut in Tränen aus.

Der Hajep schüttelte ziemlich unwirsch den Kopf und dann riss er ihr – hatte er etwa wieder einen Wutanfall? – einfach ein kleines Eckchen vom Fell des Sitzes ab und drückte es in Margrits entsetzte Finger. „Wir haben nichts zum Auffangen so füller Körperflüssigkeiten“, erklärte er zähneknirschend. „Darum nimm dies! Is sooo nurrfi, würgelisch!“, fügte er etwas sanfter hinzu.

Sich die Nase in diesem Fell auszuschnäuzen war noch gar nichts gegenüber dem was nun kam, denn die fehlende Stelle im Sitz wuchs von alleine in aller Ruhe wieder nach. Margrits Tränenfluss versiegte deshalb urplötzlich, denn dieser Anblick konnte einem das Blut in den Adern gefrieren lassen. Ach, wie schrecklich mochte erst die Technik in Zarakuma sein. Margrit war sich sicher, dass sie schon allein deswegen bald verrückt werden würde. Sie hielt den Atem an und lauschte, denn komischerweise glaubte sie plötzlich noch zusätzlich zu dem ungleichmäßigen Summen und Rauschen des Molkats ein Brummen von Motorrädern zu vernehmen! Aber das hatte er doch wohl auch bereits gehört oder? Sein Gesicht wirkte momentan ziemlich grünlich, da es vom Licht des Bildschirms angestrahlt wurde und er schien immer noch nervös über irgendetwas zu sein.
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„Motorräder knattern wohl dort unten“, nuschelte sie darum wie beiläufig hinter ihrem Fellbüschel hervor. Das kleine Stückchen war wirklich irgendwie knuddelig für die Nase!

Er zuckte mit den Schultern. „Es können durchaus noch einige Lumantis in der Stadt leben, Ninschinn! Das stört uns Hajeps kaum! Hauptsache ihr werdet endlich weniger!“

„Hach, du süßer, kleiner Zyniker! Aber diese Motorräder kommen näher!“

„Warum nischt? To pin mai fidiako!“, murrte er schon wieder und runzelte die Stirn.

Tatsächlich taumelte Zuita plötzlich und die vier hauchdünnen Flügelchen zitterten dabei. „Wollen wir nicht notlanden?“, fragte Margrit daher freudevoll, aber dann hatte er das Ding, indem er hier und da einige Felder berührte, leider wieder in der Gewalt.

„A molkat juk uko silfanon!“, zischelte der Hajep schon etwas zufriedener hinter den zusammengepressten Zähnen hervor.

‚Also doch nach Zarakuma, puh!’ Ein wirklich fürchterlicher Gedanke blitzte plötzlich in ihr auf. Würde dieser Hajep sie etwa in Zarakuma sofort diesen Wissenschaftlern übergeben, ähnlich wie eine Labormaus? Sah sie diesen Verrückten dann etwa nie wieder? Nein, das durfte auf keinen Fall passieren! Denn irgendwie hatte sie das Gefühl, trotz allem, was sie mit ihm durchgemacht hatte, dass es gut für sie war, in seiner Nähe zu bleiben und darum fragte sie ihn auch sofort: „Wenn wir in Zarakuma sind, wirst du mich doch nicht einfach abgeben, nicht wahr?“

„Doch wahr!“, knurrte er und dann horchte er, immer noch ziemlich nervös, auf das Fluggeräusch des Molkats. Selbst Margrit meinte, mit einem Male ein merkwürdiges Rattern im Heck zu hören, aber das war ihr jetzt egal.

„Dann bist du nicht mein Freund!“, sagte sie leise.

Er schaute sie überrascht an. „Ich denke, ich kann keines Menschen Feund sein?“, knurrte er böse. „Xorr, du konntest mir doch aus diesem Grund noch nicht mal deinen Namen nennen! Und du hast richtick, denn wie sollte ein Versuchskaninschinn der Freud eines Hajeps sein!“

„Ich heiße Margrit Schramm!“, sagte sie sehr, sehr leise.

„So, so“, brummte er immer noch missmutig.
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„Das ist ein aufgesprechlichter ... hm ... ausgesprochen hässlicher Name, aber der richtige für so ein Ninnschinn!“ Er warf ihr dabei einen ziemlich geringschätzigen Blick zu.

Oho, der konnte aber Körbe sehr schwer vertragen, war ja direkt nachtragend! „Und wie heißt du?“, fragte sie eben so leise und vorsichtig wie vorhin.

Er warf sich richtig eingebildet, wie Margrit fand, in die ohnehin ziemlich aufgeblähte Brust. „Oworlotep!“, sagte er so langsam, als würde er dabei jeden Buchstaben auf der Zunge zergehen lassen.

„Aha“, sie kratzte sich in ihrem arg verwühlten und leider auch recht klebrigen Haar. „Irgendwie ägyptisch, was? Aber nicht sonderlich schön! Richtig hässlich ist vor allem dieses ´tep´ hinten dran. Was wollt ihr denn mit euren Versuchen überhaupt herausfinden?“, kam sie einfach wieder auf dieses Thema zu sprechen. „Etwa, wie man friedfertig sein, wie man lachen, wie man weinen kann?“

„Akir! Ja, all das!“, rief er begeistert. „Und wie man gültig ... gückisch?“

„Glücklich werden kann?“

„Rischtick!“ Er nickte. „Makitt Schwamm, darum brauchen wir die Gene eurer Spezies. Wenn nicht für uns ... ach, wie oft schon haben wir uns eure Botenstoffe, die euch gückicht ...“

„Glücklich!“, verbesserte sie ihn wieder und musste dabei lachen.

„... glücklich machen“, sprach er sehr langsam und deutlich aus, „in unsere Körper gespritzt, doch sofort waren sie wieder verbraucht, und unzählige Male haben wir Organe von euch in unsere Körper verpflanzt, Teile eurer Gehirne, aber nichts davon fuchsionierte so gut wie bei euch. Und wenn wir schon nicht ... hm ... glücklich sein können, so wollen wir doch wenigstens zufiedden sein.“

„Zufrieden!“, sagte sie jetzt.

„Ja, zufrieden“, wiederholte er plötzlich mit der Bettelstimme eines Kindes, „aber nicht einmal das will uns gelingen!“ Er atmete tief durch, ehe er weiter sprach. „Und so habe ich gedacht, dass es zumindest für die nach uns kommenden Generationen gut wäre, wenn sie“, er schaute dabei sehnsuchtsvoll auf ihren Mund, „wenn sie lächeln könnten ... so wie Lumantis!“



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„Das ist ja gut, dass der Agol sämtliche Lichter am Bug und am Heck des Molkats leuchten lässt!“, jubelte Boktafton, während er und Xuraduton auf ihren Motorrädern dem dicht über den Baumwipfeln dahin segelnden Flugschiff hinterher bretterten.
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Gulmur hatte ihnen ziemlich schnell beibringen können, auf welche Weise diese altertümlichen Fortbewegungsmittel zu handhaben waren.

Dieser nickte nun dazu flüchtig, denn er hatte große Mühe, den Jisken mit dem alten Rennrad zu folgen. Gott sein Dank war er stark und die Jisken konnten mit den Motorrädern nicht richtig umgehen, weil er ihnen die Gangschaltung nicht erklärt hatte.

„Kontriglusia, du sagst es, so können wir diesen Molkat trotz der Finsternis schön sehen!“, überbrüllte stattdessen Nobajapal ebenso freudevoll das laute Geknatter der beiden Maschinen. Er kauerte im Beiwa¬gen von Xuraduton und hatte seine Waffen genau wie alle anderen bereits feuerbereit.

„Schade, dass wir noch so weit entfernt sind, sonst könnte ich den Molkat mit diesem Jolbata herunter holen.“ Er winkte dabei Oktikilta, der in einem kleinen Anhänger hinter Boktafton schaukelte, mit seinem Gewehr zu.

„Bezähme deine Ungeduld, Kamerad“, knurrte Boktafton, „denn ich habe den Molkat vorhin im Baum mit meiner Akramar getroffen. „Ihr habt es ja gesehen. Erst dachte ich, dass ich es nicht genügend beschädigt hätte, aber, bei Ubeka, der zweite Flug wird diesem kleinen Flugschiffchen nicht mehr so gut bekommen! Das verspreche ich euch!“

„Xorr, du hast ja so Recht!“, ächzte Gulmur verwundert. „Seht nur wie es taumelt!“

„Bei sämtlichen Göttern des Alls“, kreischte nun auch Xuraduton begeistert und seine weite Jacke knatterte im Fahrtwind, „der verliert ja bereits an Höhe!“

„Kontriglusia, hervorragend, das geht viel schneller als gedacht!“, bestätigte Boktafton ebenso aufgeregt. „Lasst uns ranklotzen, Kameraden!“

„Poko, poko!“, brüllte auch Nobajapal und suchte mit seinem Jolbata den nachtschwarzen Himmel ab. „Lasst uns aus diesen alten Kisten heraus holen, was wir nur können, damit wir schnell genug da sind!“

„Xorr, damit wir sehen können, wohin dieser Molkat stürzen wird“, setzte Gulmur ziemlich knurrig hinzu und dann trat er heftig schnaufend noch schneller in die Pedalen, um doch noch der Erste bei dieser wilden Hatz zu sein und den Agol alleine zu fangen.
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„Uuuarrrk! Wona hirem!“, brüllte der Hajep entsetzt und seine roten Augen weiteten sich. „Halt dich fest, Markt Stamm, wir stürzen ab! Pekon!“

„Wirklich?“, kreischte Margrit entsetzt, aber sie sah ja auch, wie sich der Bug des Flugschiffes plötzlich senkte. Ein heftiges Ruckeln und Zittern ging dabei durch die ganze Maschine. „Wo gibt es hier Fallschirme?“, wisperte sie reichlich undeutlich, da sie wieder das kleine Fellstückchen zur Beruhigung vor der Nase hatte.

„Fallschirme?“ Oworlotep verzog erneut sein markantes Gesicht. „Zuita ist mehrfach preisgekrönt, er hat hervorragende Qualitäten! Es gibt keinen Molkat, der derart zuverlässig funktioniert wie Zuita“, begann er zu schwärmen. „Nichts, was derart nurrfi gebaut ist, dass so schadstoffarm ... hich ... bei Ubeka!“ Er unterbrach sich endlich zu Margrits Erleichterung, indem er die vordere Wand des kleinen Flugzeugs hektisch berührte, woraufhin etwas wabbeliges, eckiges und dann auch noch etwas ovales Festes hervor kroch, allerdings ziemlich langsam und mühselig, das man mit sehr gutem Willen vielleicht für ein Steuersystem halten konnte und welches er auch tatsächlich gleich von Hand betätigte. „Uru¬jak!“, fauchte er dabei. „Buni, to sunchon boldona!“

„Soll das heißen, es gibt hier gar keine Fallschirme?“, ächzte sie trotzdem wieder völlig entgeistert.

„Markt Stramm, das heißt nicht so, es ist so!“, erklärte er stirnrunzelnd und dann brüllte er den Molkat wieder an: „Lobi, kor wan dus, to hadoro xabir molkat? Xerr, to kos dendo noan!“ Und dann riss er den Molkat mit aller Macht wieder empor. Gott, war Margrit schlecht, als es wieder steil aufwärts ging. Blätter, Zweige, manchmal sogar Äste, streiften das kleine Flugzeug, krallten sich fast in den Fenstern fest und auch mit dem verrückten Verdeck gab es Schwierigkeiten, weil das ja nur zur Hälfte geschlossen war.

Doch gerade das sollte schließlich kein weiteres Problem bleiben, denn durch das ständige Gerüttel und die vielen Schlangenbewegungen, die das Flugzeug nun machen musste, klappte das Oberteil plötzlich herunter und schnappte dabei ganz normal in den unteren Teil des Molkats ein.
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„Puh, wenigstens wäre das schon mal erledigt!“, stöhnte Margrit hinter dem kleinen Fellstückchen hervor, dann hob sie überrascht die Augenbrauen, denn der Hajep begann plötzlich, beinahe zärtlich und einfühlsam wieder auf sein sonderbares Flugzeug einzureden. „Xerr, utscha ka mai!“, wisperte er. „To jati dalunos to millik! Ulo kamto to tonkos? To zattu!“, knurrte er zuletzt.

Nun war Margrit ja inzwischen so einiges von diesem Hajep gewöhnt, auch dass er jetzt wieder fürchterlich zornig wurde. Das machte sie direkt ein wenig schläfrig. Sie wollte es sich in diesem schönen Fellsitz gerade gemütlicher machen, als der Molkat wieder drastisch an Höhe verlor.

Uuups! Ab ging es! Der Wind knatterte dabei sowohl durch Margrits verklebtes Haar als auch durch Oworloteps prächtigen Haarkamm.

Wieder Blätter, wieder Zweige, dann die Baumstämme! Oworlotep kurvte, irrsinnig laut dabei kreischend, mit allergrößter Mühe mit einem Affentempo um die vielen Baumstämme herum und dabei berührte der Molkat holpernd und polternd immer wieder den Boden. Dabei spritzten ihnen schwarze Erde und bergeweise Blätter entgegen und dann mittendrin wieder ein Stamm, diesmal ein riesengroßer, sehr breiter Baumstamm. Der gehörte wohl einer uralten Eiche, und auf diese bretterte der Molkat jetzt unausweichlich zu.

„Geh weg da!“, brüllte Oworlotep ziemlich hirnrissig im Befehlston und dann knallte es laut, es gab einen furchtbaren Ruck, knirschte entsetzlich und die beiden fühlten sich aus ihren Sitzen gehoben, aber dann rissen die Haltegurte sie wie zwei Puppen in die Sitze zurück.

Margrits Augen tränten, wie betäubt hing sie in ihrem Sitz. Das Verdeck des Molkats war durch die Erschütterung wieder mal aufgesprungen und das kleine Flugzeug ähnelte erneut einer weit geöffneten Auster. Oworlotep hatte sich nach heftigem Kopfschütteln wieder abgeschnallt und da seine Tür nun auch klemmte, wollte er einfach darüber hechten. Doch die sprang gerade in diesem Moment auf. Seine langen Beine verhedderten sich in der darin und er flog kopfüber in einen der Laubhaufen, die der Molkat eben aufgewirbelt hatte.

Doch schon war er, wenn auch prustend und schnaufend, wieder auf den Beinen, bunte Blätter wirbelten aus seinem Haarkamm, flatterten von seinen Schultern, während er nach vorne zum Bug des Molkats trabte um den Schaden zu begutachten.
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„Tes wan dendo chimalto!“, jammerte Oworlotep bedauernd und warf den Kopf dabei fragend hin und her. „Zai, ke, to moi bjolkoro tabano molkat! Omteri rufin silfanon! Kontriglus a uduane runon!”

Margrit machte ein verdutztes Gesicht, denn der bedauerte ja seinen seltsamen Molkat fast wie ein Haustier!

„Zuita füllig hin! Tes wan ganli!“, schüttete Oworlotep schließlich sein volles Herz bei Margrit aus. „Wie ... wie konnte das alles nur passieren? Pekon! Xorr!“

Plötzlich meinte Margrit, ein Rascheln von der einen Seite des Waldes, in welchem sie gelandet waren, bis hierher zu hören.

„Owortep, ich glaube hier rechts hat sich jemand versteckt!“, zischelte sie daher aufgeregt zu ihm hinüber.

Er krauste die Stirn. „Wenn, dann Oworlotep!“ Er warf sich wieder in die Brust, duckte sich aber rechtzeitig, denn ein feiner, weißer Feuerstahl sauste plötzlich von rechts knapp an seinem prächtigen Haarkamm vorbei. „Hich? Kor wan dus?“, rief er verdutzt und flitzte auch schon Richtung Molkat. „Orrf! Urujak!“ Schüsse fuhren knatternd in den Boden, wieder sehr knapp neben ihm. Laub spritzte auf, fing teilweise an zu glimmen. „Kos to atti?“, zischelte Oworlotep wütend. „Utscha ka ti, to millik!“ Mit der einen Hand riss er sein Gewehr von der Schulter und feuerte in jene Richtung, woher die Schüsse gekommen waren. „Ti ... to zattu!“, brüllte er fast gleichzeitig.

Ein überraschter Schmerzenschrei zeigte ihm an, dass er getroffen hatte. Darum öffnete er mit der anderen Hand einfach das Heck des Molkats, vor welchem er gerade stoppte.

„Is jetzt hochmodern!“, erklärte er Margrit eilig, aber trotzdem mit einigem Stolz, während er sich hinter dem Molkat duckte. „Brauche keine Chilkis mehr zu meinem Schutz im Molkat!“

Vor Margrits weit aufgerissenen Augen kletterten etwa 25 Zentimeter große, unbekleidete und geschlechtslose Wesen flink aus dem Heck. Und es wurden immer mehr grauhäutige, zierliche Gestalten mit riesengroßen, spaltförmigen Augen, einem zahnlosen Mund und nur drei schmalen Löchern ähnlich einer Kieme mitten im beinahe dreieckigen Gesicht.
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„Enne juki tagarona! Enne jat dalunos!“, feuerte er die kleine Meute an. „Die Zukunft gehört den Chilkis!“

Es war eine richtige kleine Einheit mit gewehrähnlichen Winzwaffen ausgerüsteter Bioroboterchen geworden, und die marschierte jetzt, wenn auch leicht taumelnd, Richtung jenes Gebüsches, aus welchem die Schüsse gekommen waren.

Oworlotep hatte voller Stolz erst einmal auf die einschüchternde Wirkung gehofft, die sich jedoch bei den gut versteckten Angreifern irgendwie nicht zeigen wollte, denn weitere knatternde und zischelnde Schüsse nach seiner Person veranlassten ihn, sich hinter dem Molkat in das Laub zu werfen, zumal einer nach dem anderen seiner eigenartigen Chilkieinheit von allein auf halbem Wege umkippte oder irgendwie in sich zusammen fiel, wohl weil ihnen der Absturz des Molkats nicht so ganz bekommen war.

„Neiiin! Urujak! Tes wan pekon!“, kreischte Oworlotep deshalb entsetzt, aber dann fiel ihm auf, dass die Lumanti noch immer angeschnallt im Sitz geblieben war, dabei erstaunt auf das blickte, was sich plötzlich um sie herum tat.

Ein schneller Griff und schon hatte er nicht nur den Gürtel von ihren Schultern gelöst sondern sie auch neben sich hinter das Flugzeug gerissen. Margrit keuchte und rieb sich ihr Hinterteil, wie heute schon oft, aber es war offensichtlich keine Sekunde zu früh gewesen.

Schon ratterte und zischelte es von allen Seiten und Margrits Sitz hatte sich inzwischen in lauter Fransen aufgelöst. Oworlotep fummelte inzwischen an seinen seltsamen Ohrkapseln herum. Waren das etwa Kontaktgeräte? Setzte er sich auf diese Weise mit seinen Kameraden in Verbindung? Wie dem auch war, Margrit hatte keine Zeit darüber nachzudenken und dann feuerte Oworlotep auch schon nach allen Seiten zurück.

Doch die Angreifer schienen in der Überzahl zu sein. Damit nicht genug. Von oben war plötzlich das eigenartige Gebrumm eines außerirdischen Militärfliegers zu hören. Oworlotep und Margrit schauten stirnrunzelnd hoch. Hinter den schwarzen Wipfeln der wunderschönen, uralten Bäume zeigte sich plötzlich ein hochelegantes Kontrestin.

„Hiat Ubeka, ta hi Jisk!“, fluchte Oworlotep zu Tode erschrocken und dann warf er Margrit einfach die beiden alten Pistolen zu.



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„Komisch, weshalb uns wohl Pommi nicht mehr aufgemacht hat?“, fragte Gesine.
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„Ja, sehr seltsam das Ganze!“, brummte George, während er neben ihr, auf einen kräftigen Ast gestützt, einher hinkte. „Schließlich haben wir bei ihm Sturm geklingelt! Aber immerhin konnten wir wieder ordentlich Luft nachfüllen! Der Jambuto wird uns also keine weiteren Schwierigkeiten mehr machen!“

„Aber es hing ja auch ein Schild in der Tür.“ Gesines Augen blinzelten dorthin, wo sie den Jambuto versteckt hatten. „Bin verzogen ... tzzz ... so ein Quatsch!“ Sie schüttelte verwirrt den Kopf mit den langen, blonden Zöpfen. „Dabei haben wir ihn noch ganz deutlich rumpeln gehört!“

„Ja, aber erst, als wir gegangen sind“, knurrte George. Verdammt, der Fuß schmerzte immer noch ganz schön. Er verlagerte sein Gewicht deshalb noch mehr auf den Ast.

„Stimmt, da hat er wohl einen Tisch oder so etwas ähnlich vor die Tür geschoben. Verrückt so was, wirklich! Soll ich dir vielleicht helfen, George?“

„Nein, komme schon klar! Wer weiß, wer zuletzt bei ihm gewesen ist! Womöglich diese vier Jisken!“

„Und dieser Trowe? Nee, George, wie denn? Zu Fuß kommt man nicht so schnell bis hierher!“

„Aber ich meine, ich hätte Motorgeräusche gehört, als wir uns gerade durch Pommis dunklen Flur getastet haben! Verdammt tut das weh, aber gleich wir ja wieder bei unserem Jambuto!“

„Motorgeräusche? Was für Motorgeräusche hast du denn gehört, George?“

„Vielleicht von Motorrädern? Ja, ich glaube es sind Motorräder gewesen!“, fügte er jetzt ziemlich überzeugt hinzu.

„Du meinst doch nicht im Ernst, dass diese vier Jisken ...“

„... und der eine Trowe!“, knurrte George.

„Also, dass die jetzt auf solchen Dingern durch die Gegend düsen?“

„Doch, meine ich!“

„Und dann willst du noch weiter nach deiner Margrit suchen?“

Er nickte.

„Du hast sie wohl nicht alle! Haaach, muss Liebe schön sein!“, zischelte sie erbost.

„Lästere nicht, sondern hilf mir lieber, in den Jambuto zu steigen!“, sagte er matt.

„He, was steht denn da vorne?“ Gesine war verwundert stehen geblieben, nachdem sie einen kleinen Blick Richtung Park geworfen hatte.
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„Siehst du auch, was ich dort sehe? Ist ja kaum glaubhaft!“

„Meinst du die vielen unbeschädigte Bänke dort? Das ist wirklich eine Seltenheit!“

„Quatsch, bist du blind? Schau mal da.“ Sie wies mit dem Finger zum freien Platz zwischen den Bäumen. „Da stehen doch rechts und links diese Bänke, und an der in der Mitte, da lehnen Beutel. Ich glaube es sind vier Stück. Alle sind wohl gefüllt! Warte, ich muss hinlaufen und mir das mal anschauen.“

„He, hallo? Du wirst mir doch wohl nicht davon laufen?“, schnaufte er.

„Sei artig, George, du hast Schmerzen!“

„Denke nicht daran!“, knurrte er, und dann hinkte er Gesine einfach hinter drein.

„Mensch ... was ist denn das jetzt?“ Sie war wieder stehen geblieben und lauschte.

„Meinst du dieses feine Summen? Ja, das höre ich auch!“

„Kommt wohl von ganz weit hinten und dröhnt bis hierher.“

„Verdammt, das ist doch so ein komisches ... hm ... wie hieß das doch?“ Er kratzte sich mit der freien Hand nachdenklich im Haar. „Molkat! Jetzt hab ich es! Ein Molkat erhebt sich gerade in die Lüfte! Müssten wir eigentlich von hier aus sogar sehen!“

„Das kann mir keine Angst machen, George!“ Und schon lief Gesine weiter Richtung Park.

Es dauerte ein Weilchen, bis er sie endlich erreicht hatte und währenddessen hatte sich das eigenartige Summen des Molkats immer weiter entfernt. Er konnte, obwohl es zunehmend finsterer wurde, spüren, wie Gesines Augen vor Freude funkelten, während sie mit flinken Fingern die Beutel und Tüten durchstöberte.

„Es sind nicht nur Nahrungsmittel drin, George, auch Medikamente. Oh Gott, welche Kostbarkeiten, ist das schön!“, jubelte sie, dann wurde sie wieder etwas ernster. „Verrückt eigentlich, dass die hier jemand einfach abgestellt hat! Diese Sachen können doch jederzeit geklaut werden!“ Sie schaute sich dabei suchend nach allen Seiten um, um den Besitzer dieser Dinge in der Nähe auszumachen, und dabei sah sie am Himmel als kleinen, funkelnden Punkt den Molkat in die Ferne entschweben.

„Wer da jetzt wohl drin sitzt?“, fragte sie leise und gedankenverloren.
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„Na ja, Hauptsache, das komische Ding kommt nicht zu uns!“ Und dann durchstöberte sie weiterhin neugierig die nächste Tasche. „Da ist ja auch ein Zettel!“, rief sie verdutzt.

„Das sind Margrits Sachen“, schnaufte George plötzlich aufgeregt, „die sie für die Spinnen haben wollte, da hängt ja auch ihre Weste!“ Und er nahm sie sich beinahe ehrfürchtig von der Lehne der Bank.

„Woher willst du wissen, dass das ausgerechnet Margrits Weste ist George? Ziemlich kleine Schrift auf dem Zettel!“

„Siehst du diesen roten Flicken an der Seite?“, knurrte er.

„Nee, bei dieser Dunkelheit ist der für mich grau, George! Ach komm, lass uns von diesem leckeren Brot mal ein Häppchen kosten, ja?“

„Kommt überhaupt nicht in Frage! Man, man, wenigstens haben wir schon mal Margrits Sachen gefunden! Das ist doch schon mal was!“ George legte sich Margrits Weste ordentlich über den Arm. „Warum sie die wohl ausgezogen hat? Ich finde es gar nicht so warm!“ Er schüttelte sich dabei fröstelnd und dann horchte er wieder in die Stille hinein. „Verdammt, Motorräder ... die Jisken!“, krächzte er aufgeregt.

„Quatsch, das sind keine Jisken!“ Dennoch kauerte sich Gesine genau wie George erst einmal hinter die Bänke.

Und da brausten sie tatsächlich an ihnen vorbei. Vier schwer bewaffnete Jisken auf Motorrädern und in Beiwagen und ein Trowe auf einem Fahrrad, der sehr kräftig in die Pedalen treten musste. George atmete erleichtert aus. Es war gut, dass sie den Jambuto so geschickt versteckt hatten, aber diese Außerirdischen hätten den viel¬leicht ohnehin nicht gesehen. Viel zu sehr waren sie damit beschäftigt, den Molkat nicht aus den Augen zu verlieren, der immer noch wie ein kleiner Leuchtkäfer am nachtschwarzen Himmel zu sehen war und mit einem Male zu taumeln begonnnen hatte.

Die seltsame Meute auf den Motorrädern kreischte deshalb freudevoll und dann holten sie noch das Letzte aus den alten Maschinen und aus dem Fahrrad heraus.

„Uff! Endlich sind sie weg!“, keuchte George und wischte sich mit seinem kleinen, parfümierten Taschentuch den Schweiß von der Stirn.

„Ja, ja, und wir werden hier noch Kopf und Kragen riskieren, nur weil du unbedingt noch heute Nacht deine Margrit finden musst!“ Gesine war aufgesprungen und hatte sich ihre langen, blonden Zöpfe ärgerlich über die Schultern geworfen.
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Aber dann war sie schon wieder etwas zufriedener, denn ihr Blick wanderte wieder zu den Nahrungsmitteln. „George, dieses halbe Brot ist doch schon so zerfleddert, das können wir beide ruhig verspeisen!“ Sie hielt es ihm jetzt entgegen. „Deine Margrit wird ganz bestimmt auch etwas davon genommen haben! Hatte aber einen ganz schönen Hunger!“

„Nein, Gesine!“, sträubte sich George tapfer. „Margrit braucht das, um damit ihre Kinder frei zu bekommen und es muss einen sehr wichtigen Grund gegeben haben, dass sie diese kostbaren Dinge hier stehen gelassen hat!“ Und dabei schaute er sich nun nach allen Seiten um, als ob er Margrit vielleicht doch noch finden könnte. Dann streckte er die Hand zu Gesine aus. „Reich mir mal diesen Zettel rüber!“

Gerade als Gesine ihm das Schriftstück geben wollte hörten sie es in der Ferne mit einem Male furchtbar Knallen.

„Du lieber Himmel ... der ... der komische Mol ...“, Gesine hatte vor Schreck einige Krümel in den Hals bekommen und musste grässlich husten, „also, wie nennst du den doch gleich?“

„Molkat, aber so nennen die Hajeps ihn und ... ja, du hast Recht! Mit dem ist todsicher gerade etwas passiert!“

„He ... und jetzt ... Schüsse!“, keuchte Gesine,

„Verdammt, ja! Aber es wird auch zurück gefeuert, also sind die Insassen des Molkats wohl noch verteidigungsfähig!“

„Du, das sind bestimmt diese Jisken ...“

„... und der Trowe!“, setzte George ebenso aufgeregt hinzu.

„Und die hatten es schon die ganze Zeit auf diesen kleinen Molkat abgesehen! Aber warum?“

George zuckte mit den Schultern und dann erstarrte er. „Hörst du das jetzt auch? Wird ja immer schlimmer! Ein Militärflieger ...“

Sie nickte. „Sieh nur“, wisperte sie erschrocken, „dort hinten am Himmel ist er schon zu sehen. Sind das nun Jisken oder Hajeps?“

„Kann man von hier aus nicht erkennen, Gesine! Aber komm, wir nehmen jeder zwei Beutel. Damit geht es so schnell wie möglich zurück zum Jambuto und dann fahren wir dort hin und schauen mal, was dort los ist!“,

„Dort hinfahren ... pfft ... George, du bist wirklich echt verrückt!“



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Margrit starrte auf die beiden Pistolen.
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Was sollte das jetzt? Mit diesen Dingern war sie dem Hajep doch wohl kaum eine Hilfe, oder? Aus dem Augenwinkel sah sie, dass Oworlotep in Sekundenbruchteilen den Lauf seines Gewehrs mit mehreren rohrähnlichen Aufsätzen extrem verlängert hatte – es ähnelte jetzt irgendwie einer kleinen, eleganten Kanone – und dieses mit nach oben weisenden Lauf zwischen seine Knie geklemmt hielt. Er drehte den Reif an seinem Arm, öffnete das Medaillon an seiner Kette, entnahm einen kleinen Chip und legte sich den in seinen Mund. Blitzartig streckte er die linke Hand Richtung Himmel, als würde er das feindliche Flugzeug auf diese Weise grüßen wollen.

Aber dem war nicht so. Vielmehr geschah jetzt etwas so sonderbares, dass Margrit meinte, dies alles nur zu träumen, denn der Militärflieger kam kaum mehr von der Stelle, wenngleich das Motorengeräusch zunahm und er sich immer mehr anzustrengen schien. Es schien so, als ob eine unsichtbare Wand ihn aufhielt.

Schließlich feuerte das jiskische Flugschiff wie wild aus allen Rohren, aber es war nicht nahe genug, um den Hajep oder Margrit zu treffen. Xagamastrahlen sausten prasselnd von oben herab in das Laub, flitzten durch Äste hindurch, sengten Blätter an, ließen das Erdreich bei jedem Aufprall erzittern.

Zudem sah man immer wieder, wie kleine, helle Blitze aus den Gebüschen in der Nähe hervorzuckten. Also waren auch diese Angreifer noch nicht besiegt worden, wenngleich ihre Feuerkraft nachgelassen hatte.

Sonderbare Munition fraß sich von allen Seiten in den Molkat oder sauste zwitschernd knapp über ihre Köpfe hinweg. Die rechte Hand hielt Oworlotep trotzdem weiterhin Richtung Erde gesenkt, während er die andere noch immer erhoben hatte. Er schien sich dabei so sehr zu konzentrieren, dass er in Schweiß ausbrach. Er schien genau zu wissen, dass er diese höchst anstrengende Form von Telekinese nicht lange durchhalten würde.

„Dies is mein Tod Marktstamm“, wisperte er schließlich leise Margrit zu, „einmal musste es ja so kommen! Xorr, seit ich geboren wurde, trachtet man mir nach dem Leben! Ich bin ein Olatau und noch vieles andere mehr, jeder wäre stolz darauf, wenn er meinen Kopf schrumpfen und als Schmuckstück am Gürtel tragen könnte.
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Aber bevor sie mich töten, möchte ich, dass zumindest du ihnen nicht in die Hände fällst! Du hast mir die letzten Stunden meines Lebens versüßt, dass ich dir deswegen den Weg freischießen werde. Das letzte Stuck ... hm ... Stüück wirst du allerdings alleine und nur mit diesen beiden Pistolen bewaffnet bewältigen müssen. Wirst du auch mutig genug dazu sein?“

Margrit nickte mit einem Klos im Halse. Und wieder meinte sie, ein warmes Funkeln in diesen seltsamen Augen zu erkennen

„Faisan, das Gück ... hm ... Glück möge auf deiner Seite sein Marktstramm!“, brummte er heiser, während sich wieder ein etwa faustgroßer Ball in den Molkat einbohrte. „Fengi tes salfara!“

In diesem Moment senkte er blitzartig die Hand, der ganze Schub der auf vollen Touren laufenden Triebwerke ließ das Flugzeug mit einem gewaltigen Satz nach vorne schießen. Fast gleichzeitig sauste aus Oworloteps kanonenähnlichem Gewehr ein breiter, roter Feuerstrahl. Er schien aus unzähligen glühenden Splittern zu bestehen, welche zitternd und sich um die eigene Achse drehend mit einer Wahnsinnsgeschwindigkeit Richtung Flugzeug sausten. Sie donnerten mit solch einer Wucht in den Militärflieger, dass dabei der Rumpf des Trestins mit einem gewaltigen Bersten in zwei Hälften geteilt wurde, die nun beide zur Erde hinab trudelten.

Nur ein Teil der Besatzung hatten sich in kleine Gleiter retten können oder segelten jetzt an einer Art Fallschirm der Erde entgegen, aber sie waren den zwei Angegriffenen noch immer zahlenmäßig weit überlegen. Schon waren sie in einer Tarnwolke verschwunden. Oworlotep griff sich eine Art Gewehr und schoss damit auf diese Wolke. Es musste spezielle Munition gewesen sein, denn die Tarnung löste sich dadurch auf und schon hatte er zwei der zehn Gleiter mit Hilfe seiner ´Kanone´ abgeschossen, kaum, dass sie sich ihnen genähert hatten.

Dann begann er, einen etwa drei Zentimeter großen, grünen Stein, der an der linken Seite seines Gürtels befestigt war, rhythmisch zu berühren und in sekunden¬schnelle war vor Margrits verwunderten Augen ebenfalls ein Tarnnebel entstanden, der sie beide einhüllte.

Auch die Angreifer am Boden verfügten auch über diese Geräte, sodass keiner den anderen sah.
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Die Jisken wurden darüber so wütend, dass sie zunächst wahllos in den seltsam flirrenden Dunst feuerten, der ähnlich wie eine Spiegelglasbrille funkti¬onierte, denn nach draußen konnte man schauen, war selber jedoch nicht zu sehen.

Oworlotep hatte Margrit dazu angehalten sich auf keinen Fall zu bewegen, nicht das geringste Geräusch zu verursachen und nur sehr flach zu atmen. Seine Ohrkapseln waren nämlich inzwischen auf feinste Geräusche eingestellt, die noch nicht einmal Margrit wahrnehmen konnte. Nach einer kurzen Feuerpause feuerte Oworlotep mit einem Mal scheinbar ziellos durch die schützende Nebelwand. Das war so überraschend, dass Margrit große Mühe hatte, weiterhin ruhig und flach zu atmen. Nicht nur ein verblüffter Schmerzensschrei verkündete Margrit, dass Oworlotep getroffen hatte, sondern es klatschte auch Sekunden später etwas recht Schweres ins Laub. Über ihnen segelte indes der führerlose und daher für sie gut sichtbare Gleiter ziemlich irritiert dahin.

Und weiter schoss Oworlotep mit seiner Kanone, die er immer noch zwischen den Knien hatte, ganz nach seinem Gehör scheinbar ins Leere hinein. Er war dabei ruhig und konzentriert, schien dies alles gewohnt zu sein. Auf die Dauer konnte er es allerdings nicht verhindern, dass es einem der vielen Angreifer glückte, mit Staubmunition auf Oworloteps Tarnnebel zu feuern. Wie eine weiße, riesengroße Käseglocke brach der wundersame Dunst in Stücke, und es sah ziemlich grotesk aus, wie die durch den Staub hart gewordenen Teile gleich riesiger Scherben nun zwischen den Bäumen im Laub herum lagen.

Einen weiteren Nebelschleier konnten offensichtlich weder Oworlotep noch seine Angreifer so schnell erzeugen, weil wohl inzwischen viel zu viel Staub in der Luft schwebte. Da Oworloteps Nase und die Lunge sehr empfindlich waren, musste er plötzlich husten und niesen und das Zielen und Feuern nach den bemannten Gleitern wollte ihm deshalb nicht mehr so gut gelingen.

Jubel brach deshalb unter den Jisken aus. Einer von ihnen war dermaßen gierig, als erster Oworlotep lebend zu bekommen, dass er ziemlich nahe herankam und aus seinem rohrförmigen Gewehr Puktis abfeuerte, wie Oworlotep die winzig kleinen Käferchen bezeichnete, die nun schwarmartig in ihre Richtung sausten, wohl nach Körperwärme suchend.
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Margrit kreischte angsterfüllt auf, Oworlotep hingegen schwieg wie immer, denn er bastelte schon wieder an einem rohrförmigen Ding.

„Ich habe bereits mit sechs Jahren als Xaburi, Kindersoldat, wie ihr das nennt, sehr gute Leistungen in der Kriegsführung vollbracht!“, hatte er Margrit flüchtig, jedoch nicht ohne Stolz erklärt, während seine eigenen Puktis plötzlich pfeilartig auf die feindlichen Käfer lossausten. Die winzigen, fliegenden Roboter führten zu Margrits Überraschung nun gegeneinander einen eigenständigen Krieg. „Xorr, mein Programm ist bessererer!“, schnurrte Oworlotep dabei fast wonniglich.

„Furchtbar!“, entglitt es trotzdem Margrits Lippen.

„Das ist nicht fuischtbar!“, protestierte er, „Das ist Tama, die Gene, unser Spiel mit dem Tod!“

„Blödes Spiel!“, fauchte Margrit trotzdem.

Wütend musste der Jisk mit ansehen, wie seine Puktis den geschickten Ausweichmanövern und Attacken von Oworloteps Minirobotern kaum folgen konnten. Nach einem kurzen Schusswechsel mit Oworlotep wurde auch er schwer getroffen. Nicht nur seine Puktis sondern auch er stürzte lautlos von seinem Gleiter in die Tiefe.

Als Oworlotep wieder seine telekinetischen Kräfte einsetzte, um sich einen der unbemannten Gleiter zu ergattern, die in der Nähe ziemlich hilflos umherflatterten, wurde er von dem nächsten Jisken in den Arm geschossen, dennoch holte er auch diesen herunter. Bevor er die restlichen Lais mit seiner Kanone zerstören konnte, trafen ihn die letzten beiden fliegenden Jisken in die Schulter und in die Brust.

Stöhnend vor Schmerzen tötete er auch diese und brach dann an Margrits Seite zusammen. Sie sah, dass er stark blutete. Auch aus den oberen zwei Rippen quoll immer mehr dunkles, lilafarbenes Blut hervor. Oworloteps Lippen zitterten, waren grau und sein Atem ging rasselnd.

„Lebe wohl Marktschwamm!“, keuchte er, während er sich ermattet ins Gras sinken ließ. „Dieses Spiel ist nun zu Gunsten der Jisken ausgefallen. Siehst du, da kommen jetzt die Fallschirmspringer angelaufen! Die Zeit mit dir war kurz, aber sie hat mir ... wie heißt das doch ... Fäule? Feude ...?“

„Freude?“, schniefte sie und mühte sich, dabei seinen Kopf in ihren Schoß zu betten. „Oh, was bist du schwer!“, ächzte sie dabei.
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„Akir, Freude bereitet!“ Und wieder rang er nach Atem. „Pass gut auf dich Marktschwamm, chesso?“, krächzte er und dann weiteten sich seine Augen entsetzt. „Hinter dir!“

Erschrocken schaute sie sich um. Zwei Jisken auf Motorrädern knatterten nun laut johlend und kreischend aus ihren Verstecken hervor. Begeistert wurde ihnen von den anderen Soldaten zugejubelt. Schon zielte der eine im Anhänger auf Margrit. Ihr stockte der Atem. Die Spinnen hatten zwar Margrit das Schießen beigebracht, aber es war viel schwieriger, wenn sich etwas bewegte. Außerdem trugen diese Jisken Helme und Uniformen, von denen es hieß, dass sie für menschliche Waffen unzerstörbar seien, und die besondere Stelle am Hals zu erkennen und auch noch zu treffen, war sehr schwierig, zumal Margrits Brille noch immer ein bisschen von dem verrückten Schaum verklebt zu sein schien. Oder was war plötzlich mit ihren Augen los?

Sie feuerte zwar tapfer, doch sie kam sich angesichts der phantastischen Waffen des Feindes so vor, als schieße sie wie ein Kind wild mit Knallplätzchen um sich.

Das amüsierte nicht nur die Jisken sondern auch den Trowe, welcher auf einem Rennrad angedüst kam. Das klobige Wesen sah zwar etwas grotesk aus, wie es so zusammen gekrümmt auf dem kleinen Lumantirad kauerte, aber keineswegs lächerlich, da es sein ohnehin nicht gerade schönes Gesicht wie eine brutale Fratze verzerrt hatte.

„Wurf ti Waffinn robarr, lumanti!“, fauchte nun einer der Jisken Margrit zu.

„Welche?“, fragte sie jetzt einfach, um etwas Zeit zu gewinnen.

„Aller Waffinn, Lumanti ... auch deiner!“

„Okay!“ Sie schlenkerte die eine bereits leer geschossene Pistole etwas unsicher in der Hand und dann schmetterte sie die einfach jenem Jisken, der mit seinem Motorrad am Nächsten war, mit voller Wucht gegen dessen Knie.

Schmerzerfüllt jaulte der auf. Da kamen alle ganz dicht zu Margrit herangefahren und auch die Fallschirmspringer näherten sich ihr im Kreis. Sie johlten und grölten dabei so laut und wild, als wenn sie ein Rudel gieriger Wölfe wären.

„Lumanti!“, brüllte schon wieder derjenige, welchen sie mit der Pistole beworfen hatte. „Du willigst wohlig kleiniss Spielschinn mitte ons machern, chesso? Xorr, wir lieben dieses Spiiel!“

Zu allem Übel hörte Margrit jetzt auch noch ein erneutes Dröhnen aus kräftigen Düsen am Himmel.
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Und da sah sie auch schon ein weiteres jiskisches Militärflugzeug hinter den kohlschwarzen Baumwipfeln auftauchen. Es hatte die Flügel flatternd ausgebreitet wie ein riesiger Drache.

„Xerr, Jisk!“, rief einer der Angreifer zufrieden, nachdem dieser das typische eiförmige Zeichen am Bauch des Fliegers erkannt hatte. Und dann erschien noch ein lederartiges, geschupptes Trestin am nachtschwarzen, inzwischen wolkenlosen Himmel. Kleine rote und gelbe Lichter blinkten auf.

Margrit war am Verzweifeln. Sie schaute sich um. Völlig Leblos und blutverschmiert lag Oworlotep inzwischen hinter ihr im Gras, atmete er überhaupt noch?

Der Trowe auf dem Fahrrad näherte sich ihm gerade von hinten, ein Messer funkelte dabei in dessen haariger Faust.

Ohne richtig zu denken hatte Margrit auf ihn geschossen. Sie hatte zu ihrer Überraschung nur diesen typischen Knall aus ihrer Pistole gehört und leise keuchend festgestellt, dass sie den Trowe tatsächlich in die Pranke getroffen hatte, denn das Messer fiel zu Boden und das gewaltige Wesen hielt sich heftig stöhnend die schmerzende Hand. Margrit hatte aber keine Zeit, sich großartig darüber zu freuen, denn schon sprang sie jemand von hinten an. Sie spürte einen starken Arm um ihren Hals, dann, dass sich ihr schmerzhaft ein Knie ins Kreuz bohrte. Sie bekam kaum noch Luft, trotzdem wand sie sich wie ein Wurm.

Währenddessen war der erste jiskische Militärflieger hinter ihnen gelandet, denn sie hörte Stimmen, also sprangen vermutlich weitere jiskische Soldaten gerade ins Freie. Jubelnd wurden sie von ihren Kameraden begrüßt, welche den Kreis um Margrit und Oworlotep noch enger gezogen hatten.

„Xerr, kor pin to?“, fragte einer der soeben Gelandeten jenen Jisken, der gerade ziemlich lustvoll mit Margrit rangelte.

„Noi pine pir rug tai Lumanti a xaburai sunto!“, erklärte der feixend.

Margrits nächster Schuss ging ins Leere und dann hatte der Jisk ihr auch noch diese Waffe entwunden, sie ihrer letzten Chance beraubt.

Alle schauten dabei seelenruhig zu und die Insassen des Flugzeugs verteilten sich derweil, leise miteinander wispernd, rings um den Kreis.
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„Xorr, Lumanti“, hörte sie den Jisk dicht an ihrer Wange durch den Helm dröhnen. „Jitzt holle isch mirr deininn Kopf und zwarr soforrta!“

Tränen verschleierten Margrits Blick, während sie noch sah, wie sich die frisch gelandeten Flugzeuginsassen zwischen die Jisken schoben, die Waffen dabei feuerbereit in den Händen haltend. Einer von ihnen stand jetzt hinter dem Trowe, der wohl große Schmerzen hatte und sich deswegen erst jetzt nach dem Messer bücken wollte, das immer noch am Boden lag.

„Kor pin to ti?“, fragte der Soldat nun auch den Trowe freundlich.

Dieser schaute verärgert über die wuchtige Schulter auf den seltsamen Jisken.

Margrit fühlte indes, wie ihr Widersacher sie bei ihren verklebten Haaren packte. Er zog ebenfalls ein langes Messer. ‚Wie beim Schlachter!’, dachte sie. Hell blitzte es dicht an ihrem Hals auf.

„Gehrrt ganse schnell!“, wisperte ihr der Jisk zähnefletschend ins Ohr.

Margrit schluckte, komischer Trost, hilflos schloss sie die Augen. In diesem Moment hörte sie erst ein kurzes Zischeln knapp an ihrem Ohr vorbei und dann ein überraschtes, schmerzerfülltes Keuchen. Sie riss sie Augen weit auf, denn der Jisk stürzte, das Messer in der Hand, mit einem verdutzten Ächzen auf den Lippen, wie ein gefällter Baum zu Boden. Dabei hätte er Margrit beinahe mit sich gerissen und unter seinem leblosen Körper begraben, doch die hatte vor Schreck eine heftige Seit¬wärtsbewegung machen können. Nicht nur der Helm des Jisken war zertrümmert sondern auch das blaue, ein wenig gescheckte Gesicht. Das erkannte Margrit erst jetzt, als der Jisk lang ausgestreckt vor ihr im Laub lag, den Arm mit dem Messer dabei über Margrits Fuß geworfen, den sie nun voller Ekel und Entsetzen einfach von sich stieß.

Während dessen hatte die Angreifer Panik erfasst. Voller Entsetzen stoben sie auseinander, denn Schüsse knallten von überall her, aber einer nach dem anderen wurde unbarmherzig niedergestreckt.

Auch der Trowe versuchte den als Jisken verkleideten Hajeps zu entkommen. Aber es war dem Trowe nicht einmal gelungen, sich auf Oworlotep zu werfen und diesen als Schild gegen die Hajeps zu nutzen. Schnell hatte ein Hajep ihn gefangen, schlug ziemlich brutal auf ihn ein und beschimpfte ihn dabei in seiner Sprache.
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Es war so furchtbar, wie sie den Trowe misshandelten, dass er Margrit schon wieder Leid zu tun begann. Jedoch war die Angst um ihr eigenes Leben so groß, dass sie sich nicht länger damit aufhalten konnte. Sie musste schnellstens von hier weg, aber wie sollte ihr das gelingen, wenn überall noch geschossen wurde, wenn sie förmlich von allen Seiten von Feinden umgeben war?

Diese Soldaten, inzwischen waren auch noch die anderen zwei Militärflieger gelandet, deren hajeptischen Zeichen nun recht gut zu erkennen waren und es sprangen noch mehr Hajeps ins Freie, waren Margrit gar nicht sympathisch, aber seltsamerweise tat ihr niemand von ihnen etwas.

Man ließ Margrit einfach dort stehen, wo sie war, als würde man sie gar nicht bemerken. Es sah hier inzwischen noch schrecklicher aus als vorher, denn überall lagen die Leichen der getöteten Jisken im Laub. Restliche Überlebende hatten sich in die Büsche geflüchtet oder hinter Bäumen versteckt und nur wenigen war es gelungen, in den Wald zu kommen, wo sie natürlich auch verfolgt wurden.

Jener Soldat, welcher vorhin Margrits Widersacher erschossen hatte, schien eine alte Verletzung zu haben, denn Margrit merkte erst jetzt, dass er die eine Schulter kaum bewegte und wenn er es doch tat, leise dabei stöhnte. Er war sofort, nachdem er geschossen hatte, an Margrit vorbei zu Oworlotep gelaufen und schien nun sehr besorgt um ihn zu sein.

„Owor!“, hörte Margrit zu ihrer Überraschung eine dunkle, samtene Frauenstimme aus dem Helm des Soldaten klingen. „Weti to mai utchor?” Die Hajepa kauerte sich nun mit einer eleganten, geschmeidigen Bewegung dicht neben ihn. „Kor wan rug tor?” Sie beugte sich über Oworlotep, ungeachtet des immer noch recht wilden Gemetzels um sie herum und ungeachtet auch, dass ein Mensch so dicht in ihrer Nähe war. „Pekon!“, fuhr die Hajepa einfach weiter fort. „Xerr, to moi tabano kadobai! A kontriglus uduane runon!“ Sie hielt Oworlotep nun eine grüne Feder oder etwas in der Art über die drei Nasenlöcher. „Jelso ir tor!“, flehte sie. „Noi alhuma tos el!“ Die Feder zitterte plötzlich und schon wurde die junge Soldatin aufgeregt. „Oworlotep, imo wan budendo jima!“, rief sie erleichtert ihren Kameraden zu und schob sich dabei wieder dicht an Margrit vorbei, würdigte sie aber keines Blickes, als wäre sie nicht vorhanden.
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„Udil! Wona jukon ejo nenzo jetaware!“, brüllte sie aus Leibeskräften aufs Höchste erregt.

Zu Margrits Entsetzen näherte sich ihr nun von allen Seiten eine ganze Meute Hajeps und schob sich vorsichtig, fast respektvoll an Margrit vorbei.

„Pina chirja!“, verlangte einer von ihnen. Er trug ein schlichtes Gewand und schien wohl ein Arzt zu sein, denn alles machte für ihn Platz. Er öffnete einen kleinen Koffer, das heißt, dieser sprang eigentlich wie von selbst auf und dann versorgte er Oworlotep wohl erst einmal mit frischem Blut oder Ähnlichem und legte ihm gleich so etwas wie einen festen Verband an.

Es waren alles fremdartige Geräte und zwischen diesen vielen Hajeps, die sich so dicht wie eine Traube um Oworlotep drängten, waren sie für Margrit nicht gut erkennbar. Sie staunte, wie beliebt dieser Hajep anscheinend bei seinen Kameraden war, denn sie machten sehr viel Aufheben um ihn.

„Jelson palte!“, riefen einige.

„Edan pajon!“, erwiderten die anderen und so strömten noch weitere Soldaten herbei. Nur noch wenige kämpften mit den restlichen Jisken.

Plötzlich rollte etwas Hartes und Rundes aus dem Molkat zu Margrit hinüber, als ob sich dort irgendwie ein Stein gelöst hatte, und versank raschelnd im Laub. Margrit hatte trotz ihrer verklebten Brille erkannt, was es war und erstarrte vor Schreck und Überraschung.

‚Danox? Wieso ist der jetzt hier?’, zuckte es durch ihr Gehirn. Klar, der hatte sich die ganze Zeit in diesem Molkat versteckt gehalten. Aber was konnte der denn bei Oworlotep gesucht haben? Egal, er durfte auf keinen Fall entdeckt werden. Sie konnte ihm keine Befehle erteilen, nicht einmal leise, denn auch das hätten die Hajeps gehört, aber würde man darauf achten, wenn sie sich plötzlich bückte? Die Hajeps waren alle sehr angespannt, jeder der Handgriffe des Arztes wurde scharf beobachtet.

Sie hielt den Atem an und wagte es, bückte sich und wie der Blitz hatte sie Danox im Ausschnitt ihres Hemdes verschwinden lassen. Sie richtete sich wieder auf. Kalt und unangenehm rutschte Danox, verborgen unter dem dünnen, seltsamen Stoff, ihre nackte Haut entlang und kam dann knapp über dem Hosenbund zum Stoppen. Gott sei dank war das Hemd an dieser Stelle schön bauschig, weil Oworlotep das wohl als schick empfunden hatte.
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Trotzdem gelang es Margrit nur mit Mühe, ihren vor lauter Aufregung heftigen Atem zu bändigen.

„Godur, ichta jetawaran?“, fragte indes die Hajepa mit besorgt klingender Stimme den Arzt.

„Ziet!“, fauchte der die Hajepa an. „Wona guongan ejo clerte jetaware!“, fügte er dann doch beruhigend hinzu.

Nach einer weiteren kurzen Untersuchung sagte er an alle umstehenden Hajeps gewandt: „Pina udil! Jewolo ejo kot trestine!“

Er holte ein kleines, nur etwa einen halben Meter großes Brettchen aus dem Koffer, dass sich in nur wenigen Sekunden in eine stabile, etwa einen Meter breite und über zwei Meter lange Bahre verwandelte, auf welche man Oworlotep nun behutsam bettete.

Margrit traute ihren Augen nicht, denn schon erhob sich die Bahre vom Boden, nachdem der Arzt, Godur war also auch ein Olatau, den linken Arm ausgestreckt hatte, und wanderte an allen vorbei Richtung Flugzeug. Im Nu war wieder Leben in den Soldaten, alles lief ebenfalls zu den Flugzeugen zurück. Der Trowe wurde vom Boden hoch gerissen und Richtung Trestin gestoßen.

Nur Margrit ließ man zu ihrer Verwunderung noch immer völlig ungeschoren zurück. Die junge Hajepa war die Einzige, die noch bei Margrit verweilte. Sie schlich nun irgendwie unsicher näher zu ihr heran.

„Sahi, Lumanti! Du darfst gehen!“, sagte sie der überraschten Margrit in klarem und akzentfreiem Deutsch. „Denn wir haben gesehen, wie du Oworlotep verteidigt hast! Du hast dem Trowe das Messer aus der Hand geschossen! Wefiana Lumanti!“, knurrte sie anerkennend. „Darum werden wir dir heute nichts tun. Aber begegne uns nicht noch einmal! Nenelonto? Denn wir hassen die Menschen!“

„Aber warum?“, ächzte Margrit. „Warum hasst ihr uns?“

Die Hajepa beantwortete diese Frage nicht, legte nur ihre Hand auf Margrits Schulter. „Twacha usom!“, sagte sie leise, kreuzte dann ihre Arme vor der Brust und neigte sich ein wenig vor. „Fengi tes salfara!“ Dann wendete sie sich auf dem Absatz um, wollte wieder Richtung Flugzeug laufen, blieb aber auf halbem Weg plötzlich stehen. Sie drehte sich sehr langsam und nachdenklich wieder nach Margrit um. „Du trägst Oworloteps Kleidung und sie passt dir. Also hat er sie dir passend gemacht.
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Kein Mensch weiß, wie das geht, da jeder Hajep einen eigenen Code für seine Kleidung hat.“ Sie machte eine kleine, fast feierliche Pause, ehe sie wei¬ter sprach. „Unter uns Hajeps ist es darum eine besondere Auszeichnung, wenn einer dem anderen seine Kleidung gibt. Es ist fast so wie eine ... wie sagt man dazu bei euch?“

„Freundschaft?“, wisperte Margrit verwirrt.

„Akir!“ Die Hajepa nickte kaum merklich und dann lief sie, ja rannte sie fast zu den Militärfliegern, wo die Kameraden schon auf sie warteten.

Gerade als sich das erste der drei Trestine, in welches man Oworlotep gebracht hatte, erheben wollte, wurde es unruhig in der Menge jener Hajeps, die in die zwei anderen Trestine einsteigen wollten, als ob sie plötzlich einen überraschenden Befehl erhalten hätten. Die Soldaten schienen über diesen Befehl völlig irritiert, denn sie schauten sich nacheinander nach Margrit um.

Margrit wusste zwar nicht, was soeben durchgesagt worden war, aber an der Art, wie die Köpfe plötzlich in ihre Richtung herum gefahren waren, erkannte sie, dass irgendetwas für sie nicht Gutes beschlossen worden war.

Rein instinktiv ergriff sie also die Flucht, fragte sich nicht, wer oder was wohl diesen Gesinnungswandel herbei geführt haben könnte. Sie rannte nur so schnell, wie sie konnte, den schmalen Waldweg entlang. Dann nahm sie eine Abkürzung, einfach durchs Laub, denn sie meinte, in der Nähe den riesigen Schatten des Deichs vom Main zu erkennen. Dieser Fluss hatte zwar eine starke Strömung, aber Margrit traute sich zu, trotzdem darin entkommen zu können. Hinter sich hörte sie inzwischen die außerirdischen Stimmen ihrer Verfolger.

„Udil! Wona jukon tan dakanor! Tan wan udil! Kon wan tan?“ Sie klangen verblüfft. Offensichtlich hatten es sich die Hajeps einfacher vorgestellt, die Lumanti in ihre Fingerchen zu bekommen. Ein Flugzeug erhob sich inzwischen in die dunkle Nacht. Margrit hatte dabei nur kurz über ihre Schulter zurück geblickt.

Die anderen blieben aber noch am Boden. Verdammt, weshalb blieben sie dort? Margrits Herz pochte, denn die Verfolger kamen jetzt noch näher.

„Hiat Ubeka, bleib stehen Lumanti!“, hörte Margrit nun in ziemlich perfektem Deutsch. „Denn hier spricht Diguindi!“

‚Diguindi!’, durchfuhr es Margrit und irgendwie wurde sie dabei doch ein wenig langsamer.
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Donnerwetter, dann hatte er aber inzwischen seine sprachlichen Kenntnisse erheblich verbessert. Er schien es wirklich zu sein, denn diese Stimme hatte seinen typischen geschmeidigen, katzenhaften Klang. ‚Der gute Diguindi!’, pochte es aufgeregt durch Margrits Gehirn. ‚Vor dem brauche ich mich doch wirklich nicht zu fürchten oder?’

Sie spürte, wie Danox plötzlich unruhig in ihrem Hemd herum krabbelte, kaum dass Diguindis Stimme erklungen war und dann drang ein hoher, alarmierender Pfeifton in ihre Ohren.



Fortsetzung folgt:
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Kommentare zur Story:

  Obwohl ich dieses Kap. längst gelesen habe, muss ich hier doch wieder einen Kommi hinterlassen. Meine Anerkennung, ich staune immer wieder, was du für Ideen hast, wie du für überraschende Wendungen sorgen kannst.  
   Evi Apfel  -  12.01.19 21:50

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