Das Licht der Hajeps Band 3 - Erster Kontakt / Kapitel 3 u. 4   303

Romane/Serien · Spannendes

Von:    Palifin      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 24. Juli 2018
Bei Webstories eingestellt: 24. Juli 2018
Anzahl gesehen: 760
Kapitel: 2, Seiten: 55

Diese Story ist die Beschreibung und Inhaltsverzeichnis einer Reihe.

Verfügbarkeit:    Die Einzelteile der Reihe werden nach und nach bei Webstories veröffentlicht.

Am nächsten Tag blickte Paul sich in dem Haus, deren untere Räume einst als kleine Dorfkneipe gedient hatten, vorsichtig nach allen Seiten um, während Margrit ihn stützte und er die ersten Schritte machte.

„Hier wäre eigentlich genügend Platz auch für zwei.“

„Paul, versuch es nicht, du weißt ja, ich habe schon ein Dach über dem Kopf.“

„Und dort, wo du bist, geht es dir gut, nicht wahr?“, fragte er leise.

„Ja!“, wisperte sie ebenso tonlos wie er.

„Ich weiß nicht, was du jetzt noch mit diesem Kerl willst!“, hörte sie wenig später Georges energische Stimme neben sich. „Der kann doch nur nicht darüber hinwegkommen, dass er seine Ilona verloren hat.“

„Aber George, meinst du denn, ich will mit dem noch etwas anfangen?“, konterte sie ebenso energisch wie er. Komisch, Georges Bemerkung hatte ihr doch einen kleinen Stich ins Herz versetzt. Hatte er das beabsichtigt? Sie blickte zu ihm hinüber, forschte in seinem Gesicht. Es war völlig ausdruckslos.



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Eines Tages, als George wieder einmal Margrit abgeholt hatte und die Mittagsonne ihnen warm ins Genick brannte, sagte George langsam aber sachlich: „So geht das nicht weiter, Margrit. Was glaubst du wohl, wie teuer uns Maden dieser Paul inzwischen kommt?“

„Wieso, ich denke, einige von uns speisen ohnehin immer in dieser Kneipe, wenn sie in der Nähe zu tun haben?“

„Ja, meinst du denn, das ist umsonst?“

„Ich denke, der Wirt gehört zu den Maden?“

„Gehört er auch, wie fast das halbe Dorf. Die meisten von uns gehen doch ihren angestammten Berufen nach, solange in diesem Gebiet alles einigermaßen in Takt bleibt. Die Hajeps haben zwar schon vieles davon zerstört, aber Einiges steht und funktioniert hier immer noch. Deshalb nutzen wir das aus. Zum Beispiel lenken wir den Rauch, welchen unsere Wohnungen unter der Erde produzieren, über lange Rohre in einige Häuser der letzten Städte, Fabriken und Dörfer. Rottenburg hat auch ein paar Leute, die in diesen Häuschen leben, Hühner züchten und Kühe haben. Auf den Wiesen stehen Zelte und Wohnwagen. Wir haben dort unsere Entlüftungsschächte und auch Radiowellen werden dort empfangen.“

„Das ist wirklich listig, George!“

„Nur ist es nicht für die Ewigkeit, Margrit. Immer wieder müssen wir unsere Stützpunkte abbauen und umziehen.
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Die Lebensqualität lässt merklich nach und ...“

„Aber im Gegensatz zu den übrigen Menschen habt ihr es doch gut!“, warf sie ein.

„Das ist richtig. Aber wir sind viele und die Lebensmittel werden immer knapper. Du musst für Paul endlich bezahlen, doch ich frage mich die ganze Zeit, womit? Du hast ja nichts, was du für ihn hergeben könntest, außer deiner Arbeitskraft, und die reicht nur für dein Essen und deine Kleidung, also für dich selber aus. Darum muss“, er hob die Schultern hilflos an, konnte aber dabei kaum ein ziemlich gemeines Lächeln unterdrücken, wie Margrit fand, „dein Paul von hier endlich weg! Besonders Martin hat etwas gegen unnötige Schmarotzer einzuwenden!“



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„Dies wird Pauls letzter Tag bei uns!“, behauptete tatsächlich Martin wenig später ebenso bärbeißig.

„Sehr richtig!“, bestätigte Erkan und sogar Renate meinte: „Wir sind lange genug ungewöhnlich mitleidig gewesen, Margrit, das musst du schon zugeben!“

„Und das nur aus dem Grunde, weil du bereits gute Dienste geleistet hast!“, verkündete nun auch Martin.

„Paul könnte aber einen guten Guerillero abgeben, wenn er wieder gesund ist“, schlug Margrit einfach vor.

„Mag sein, jedoch ist er zu alt!“, widersprach Martin.

„Und wir sind genug Leute!“, meldete sich wieder Renate.

„Er ist aber sehr vital“, klärte Margrit, hartnäckig, wie sie nun einmal war, trotzdem alle auf, „schießt gut, ist sehr kämpferisch, kann hervorragende Geschäfte mit Leuten machen und besitzt ein recht passables technisches Geschick!“

„Wir können nicht alle Menschen durchfüttern, Margrit!“, protestierte George. „Der soll froh sein, dass er mit dem Leben davon gekommen ist!“

„Ich werde für Pauls Platz in dieser Gemeinschaft bezahlen!“, sagte Margrit jetzt und ihr Herz pochte vor lauter Aufregung.

„Ach, und womit?“, riefen alle neugierig, beinahe feixend.

Margrit holte mit feierlicher Miene aber ein wenig beklommen das kleine Pfeifstäbchen aus ihrer Gürteltasche hervor.

„Oh, ein Tulpont!“, entfuhr es allen verdutzt.

„Woher hast du das?“

Margrit legte es in Renates geöffnete Hand.

„Seit damals, als die Hajeps mich zu fangen versuchten!“, verriet ihnen Margrit fester Stimme.
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„Nun, wir werden sehen, ob Günther damit einverstanden sein wird!“, meinte Martin trotzdem ziemlich kühl.

George sagte dazu gar nichts. Er wendete sich nur ab.



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Günther Arendt war gerade in der Nähe gewesen und so hatte Margrit Glück, gleich mit ihm darüber sprechen zu können. Sie war sehr ehrlich und hatte, als sie ihm das Tulpont zeigte, auch ihre Bedenken mitgeteilt.

„Nein“, befand er, während er ihr in die großen, verängstigten Augen schaute. „Das ist kein geheimer Sender, über welchen die Hajeps Spuren verfolgen.“ Er grinste bei diesem Gedanken. „Diese Außerirdischen sind sehr mit sich selbst beschäftigt und rechnen uns keine besondere Gefährlichkeit zu. Deshalb lassen sie sich wohl mit unserer Ausrottung sehr viel Zeit, auch aus dem Grunde, da sie Seuchen durch die vielen Toten fürchten. Es ist schwer, wirklich jeden Menschen einzeln zu Humus zu verarbeiten, vor allem, wenn er sich verkrochen hat oder in irgendeinem Gewässer versunken ist, und ein besseres Verfahren als die Kompostierung von einzelnen Leichen kennen sie nicht. Dennoch werden wir das Stäbchen sehr genau untersuchen und“, er blickte Margrit respektvoll an, „Schramm, das war wirklich sehr mutig, solch ein Ding einfach aufzuheben und einzupacken. Ich glaube, das hätten in solch einer Situation nur wenige getan.“ Sein herbes Gesicht leuchtete jetzt richtig freundlich. „Ich muss sagen, Ihre ganze furchtlose Art gefällt mir, können wir gebrau-chen, denn Sie glauben ja gar nicht, was für hysterische Profiler uns schon begegnet sind. Aus jeder Kleinigkeit machen die etwas Gefährliches. So etwas kann völlig falsche Reaktionen auslösen und dann sind wir futsch!“ Er schaute nun sehr traurig drein, dann aber gab er sich wieder einen Ruck. „Es ist also ein Bekannter von Ihnen ... hm ... soso! Sie haben Glück. Wir sind gerade mit einem Forschungsprojekt beschäftigt, welche das hochempfindliche Sendesystem dieser Stäbchen stören soll und somit können wir es ganz gut gebrauchen.“ Er schmunzelte abermals. „Ihr Paul darf zu uns gehören, aber nur unter zwei Bedingungen. Die erste dabei ist: Er muss auch irgendwelche Gaben haben, die wir für unsere Organisation nutzen können. Die zweite: Er findet selbst heraus, wer wir sind, denn ganz blöde darf er einfach nicht sein, verstehen Sie? Allerdings würden wir Sie einen Kopf kürzer machen, wenn Sie ihm dabei helfen sollten!”



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„Paul, Paul, immer nur Paul!“, murrte George.
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„Ich verstehe nicht, dass du nicht mitfreuen kannst, George. Du hast keinen Grund, Paul dermaßen zu hassen, denn er hat sich bei dir schon zigmal entschuldigt. Was soll er noch tun, George? Etwa dir die Zehen einzeln abküssen?“

„Vielleicht?“ Schon wieder grinste George so richtig gehässig. „Nein, die Wahrheit ist, dass du darüber deine Arbeit vernachlässigst.“

„Ach, ist ja gar nicht wahr!“, schimpfte Margrit zurück.

„Doch, doch, du kannst von Glück reden, dass unser lieber Günther das noch nicht bemerkt hat.“

„Ach, spinn doch nicht 'rum. Was soll ich denn hier großartig vernachlässigt haben. Na los, sag mir was!“, brüllte Margrit, nun erst recht wütend und daher sehr laut.

George war genauso zornig und darum fiel ihm das Denken irgendwie schwer. „Na, zum Beispiel gestern“, meinte er nach einiger Überlegung. „Weißt du noch, was uns da überhaupt mitgeteilt worden ist? Es war etwas sehr Wichtiges und es hat dich überhaupt nicht bewegt!“

„Meinst du etwa die seltsamen Botschaften aus den hajeptischen Sendern?“

„Siehst du, du findest solch eine Nachricht nur seltsam, das ist es!“

„Was soll denn daran schon so Aufregendes sein, George?“

„Na, vielleicht könnte so etwas wichtig werden, wichtig für die gesamte Menschheit?“

„Mein Gott, du immer mit deiner Menschheit!“ Sie seufzte genervt. „Da wurden vor etwa vierzehn Tagen über Zarakuma etwa zwölf Gepäckstücke, an kleinen ´Bagnuis`, einer Art Fallschirm, baumelnd, von einem Trestin aus abgeworfen, welches von fünfzehn Lais begleitet wird, eigentlich wie sonst immer, wenn die Hajeps es eilig haben. Das Trestine wird nur einen Se-kundenbruchteil nach diesem Abwurf praktisch wie aus dem Nichts heraus beschossen. Noch während das Trestine schwer getroffen das Weite sucht und schließlich außerhalb Zarakumas zur Erde niederstürzt, feuern die fünfzehn Lais Staubnebel auf das Nichts, das inzwischen auch die langsam hinunter schwebenden Gepäckstücke unter Beschuss genommen hat. Ein unbekanntes Flugzeug kommt inmitten der Staubwolke zum Vorschein, das von den Türmen des Palastes aus sofort ebenfalls abgeschossen wird.
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He, und das ist nun schon für euch alle eine Sensation?“

„Es befand sich in Wahrheit ein ganz besonders Gepäck unter all diesen Kisten, Margrit. Die kleinste Kiste enthielt ...“

„Ich weiß, ich weiß“, Margrit wedelte genervt mit der Hand, „ihr meintet gestern noch, darin hätte sich Agol verborgen, der große König, das Gottwesen, der Herrscher, das Gehirn Pasuas.“ Sie kicherte in sich hinein.

„Und weiter?“, fragte er stirnrunzelnd.

„Und weiter geht’s so: Ihr meintet auch noch, das Luxusschiff in den ehemaligen Vereinigten Staaten wäre nur eine Attrappe gewesen. Das echte schwebe mit seiner gesamten Flotte noch völlig unbeschädigt irgendwo im All. Agol habe den Moment der Explosion seiner Luxusschiffattrappe für sich ausgenutzt, um seine Feinde – und die hat er anscheinend reichlich – von sich abzulenken und zur gleichen Zeit mitten in Scolo, dem Regie-rungssitz des hajeptischen Systems, zu landen. Was natürlich wegen dieses weiteren Attentats eine totale Unruhe in und um Zarakuma ausgelöst hätte! Außerdem hätte es wohl niemand von den außerirdischen Kerlen erwartet, dass er es schaffen würde, völlig unverletzt die Erde zu betreten! Das ist nun schon etwa vierzehn Tage her. Eberhardt war zu diesem Zeitpunkt in der Nähe von Zarakuma unterwegs gewesen und hat sogar Fotos davon machen können, die er uns gestern erst gezeigt hat. Er und die Nachrichten der Hajeps haben das also gestern noch einmal bestätigt!“

„Donnerwetter, du weißt ja alles!“ Georges Stimme klang nun doch ein wenig kleinlaut. „Und das findest du nun nicht weltbewegend?“, hielt er sich zum Trost einfach daran fest.

„Stimmt, denn das muss doch ein recht armseliges Oberhaupt sein, wenn es nur eng zusammengerollt in einer winzigen Kiste sein Volk besuchen kann. Das muss ja noch nicht einmal Paul!“, rief sie lachend aus. „Weißt du eigentlich, dass Paul schon so gut laufen kann, dass er es ganz alleine bis zum Arzt schafft? Und neulich, da hat Paul ...“ Margrit brach ab, denn George hielt sich bereits die Ohren zu.



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Wochen vergingen und schließlich war Paul so gesund, dass er Randersacker verlassen und kleinere Aufgaben für die Men-schen, die ihn gepflegt hatten, erledigen konnte. Da er nicht nur ein guter Mechaniker sondern auch ein sehr guter Fahrer war, der sogar LKW lenken konnte, brauchte man ihn auch für kleinere Fahrten in die Umgebung, wenn Erkan oder Wladislaw gerade mal keine Zeit hatten.
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Eines Tages kam er sehr verwirrt zurück und besonders Margrit gegenüber tat er geheimnisvoll, griente halb freudig, halb unsicher vor sich hin und war so nachdenklich, dass er sich beim spärlichen gemeinschaftlichen Abendbrot in der Kneipe aus-nahmsweise nicht das größte Stück nahm.

„Ich muss dir etwas sagen“, wisperte er schließlich, nachdem Martin, José, Faik, Zhan Shao, Rita und Jutta nacheinander den Tisch verlassen hatten und er sich nur noch allein mit Margrit in der Küche der alten Dorfkneipe befand.

„Oder nein!“, stammelte er. „Besser, ich sage nichts und gebe es dir einfach!“ Er stand auf, lief ein wenig schwankend um den Tisch, blieb vor Margrit stehen und holte dann mit feierlicher Miene etwas aus der Innentasche seiner Jacke hervor.

„Hier ist es!“ Er grinste über beide Backen, als er Margrit ein etwa handgroßes, rechteckiges, weißes Papier in die Hand drückte. „Behalte es von nun an immer bei dir!“

Sie lächelte ebenfalls, jedoch ziemlich verwundert. „Was ... was soll denn das, Paul?“, stotterte sie.

„Guck es dir doch an!“ Er wanderte wieder um den Tisch, zurück zu seinem Stuhl, auf den er sich zufrieden plumpsen ließ. „Warum schaust du denn gar nicht auf das Foto?“ Er faltete abwartend die Hände über seinen Bauch.

„Ein Foto – ach so!“ Sie wollte es umdrehen. Er hatte es ihr wohl absichtlich verkehrt in die Hand gelegt. Da stutzte sie, denn auf der Rückseite dieses Fotos stand etwas in einer ausgesprochen krakeligen Kinderhandschrift - eine Nachricht, nur zwei Worte und die auch noch quer und unterschiedlich groß geschrieben und dann war da noch eine Zeichnung oder so etwas Ähnliches. Margrit versuchte zu enträtseln, um was es bei dieser seltsamen, mit einem grünen, wohl abgebrochenen Buntstift gemalten, Zusammenballung von Karos ging. Daher drehte und wendete sie diese Rückseite für ein Weilchen kopfschüttelnd nach allen Richtungen und plötzlich erkannte sie, dass es eine Decke war, mit einer anscheinend fetten Katze darauf, dann ver-schwamm alles vor ihren Augen in einem Tränenschleier.

„Julchen!“, krächzte sie und mühte sich, den Nebel wegzuklimpern. „Ich erkenne jetzt auch diese Krakel!“ Sie räusperte sich, denn Ihre Stimme war nicht mehr ganz funktionstüchtig.
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„Sie ... sie hat erst kürzlich einige Worte schreiben gelernt! Ich ... woher hast du bloß dieses Foto?“

Er schwieg.

„Muttchen und die Kinder müssen es damals also auf der Flucht verloren haben“, folgerte sie, suchte nach einem Taschentuch und schnäuzte sich die Nase.

„Nein, Julchen hat es mir heute persönlich gegeben!“, erklärte Paul knapp und um seine Mundwinkel zuckte es schon wieder.

„Wie?“, entfuhr es ihr eine Spur zu heftig. „Äh ... Paul ... also...“ Ein paar Falten gruben sich in ihre Stirn und dann holte sie tief Atem. „Kannst du bitte noch einmal wiederholen, was du eben gesagt hast?“

„Warum?“, fragte er scheinbar ahnungslos.

Sie versuchte in der gleichen ruhigen Tonlage zu sprechen wie er. „Weil … es könnte ja sein, dass du etwas ganz anderes gesagt hast, als ich eben zu hören gemeint habe?“ Sie schob sich ihre Brille auf der Nase zurecht.

„Nichts leichter als das!“ Paul konnte nur noch mit allergröß-ter Mühe sein frohes Lachen unterdrücken. „Julchen hat mir bestellt, dass sie allesamt, also einschließlich Mutsch, Tobi und Munk, noch am Leben wären und hat mir zum Beweis dieses alte Foto gegeben, auf dem du und ich mit deinen Kindern abgebildet sind, als sie noch kleiner waren. Mit den besten Wünschen, hat Julchen gesagt und ein dickes Küsschen für Mama!“ Er drehte das Foto in ihrer Hand herum, sodass das Bild zu sehen war.

„Sie sind am Leben, hast du es mitgekriegt Margrit?“ Und plötzlich konnte er nicht mehr an sich halten, sein typisches Reifenluftgelächter zischte lautstark aus ihm heraus und dabei kamen überraschenderweise auch Tränen, liefen verstohlen dem starken Mann über die hohen Wangenknochen. Seine breiten Pranken hatten viel zu tun, um ständig die schimmernden Bah-nen aus dem noch immer etwas blassen Gesicht zu fegen.

Margrit starrte Paul nur stumm an, immer noch ungläubig, denn sie konnte nicht fassen, was eben gesagt worden war. Sie hatte Angst, aus diesem Traum plötzlich zu erwachen, denn ganz sicher war es wieder nur so ein Traum ... oder?

Sie blinzelte vorsichtig, denn es irritierte Margrit sehr, dass ausgerechnet Paul lachen und weinen zugleich konnte. Wenn das die Wahrheit war, die sie gerade vor Augen hatte, dann schien er wohl den Schock über den brutalen Mord an seiner Freundin verwunden zu haben! Sie sprang von ihrem Stuhl auf, lief zu Paul hinüber und fiel in dessen ausgebreitete Arme.
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Eigentlich hatte sie ihn beruhigen wollen, aber - es war zu blödsinnig – auch ihr kamen nun die dummen Tränen und Margrits Körper bebte hilflos. Paul drückte Margrit ganz fest an sich und beider herzzerreißendes Schluchzen scholl ungebremst durch den Schankraum und schien niemanden zu stören.

Erst als sie sich einigermaßen beruhigt hatten, konnte Margrit stammeln: „Aber wie ... wie war das möglich? Verstehst du das, Paul? ”

Er schüttelte sein zerstruwweltes Haar.

„Sie fuhren doch mit dem Bus“, Margrit verstaute das nasse Taschentuch tief in ihrer Hose, „zum Stadtrand. Und dann habe ich die Trestine der Hajeps genau aus dieser Richtung gehört, die fast gleichzeitig dort gelandet waren. Jeder hat mir später erzählt, dass niemand das darauffolgende Massaker überlebt haben konnte! Wie … wie haben das dann ausgerechnet meine drei fertiggebracht? ”

„Es waren vier, Margrit!“, unterbrach Paul sie und hielt ihr mit seinen klobigen Fingern, die entsprechende Zahl entgegen. „Vergiss nicht das wichtigste Familienmitglied!“

„Munk?“ Margrit kicherte und schon lachte er mit. „Nun, Tiere lassen Hajeps immer am Leben, Paul!“

„Ach so! Stimmt ja! ” Er machte ein verlegendes Gesicht. „Bin ich sehr dumm?“

„Ach Quatsch! Aber, dass Menschen“, keuchte sie aufgeregt, „bei einer Massenhinrichtung durch Hajeps mit dem Leben davonkommen! Das ist wirklich äußerst ungewöhnlich!“

„Margrit, vielleicht waren sie gar nicht anwesend, als diese Exekutionen stattfanden?“, gab er zu bedenken. „Sie haben sich vielleicht zuvor versteckt.“

„Wo denn? Etwa im Bus? Die wurden doch angehalten und später angezündet, mein Lieber!“

„Oder sie haben sich tot gestellt.“ Er schluckte. „So wie ich damals.“

„Könnte sein“, murmelte sie angespannt, „aber gleich alle drei?“

Paul zuckte nur stumm mit den Schultern.

„Hat dir Julchen etwas davon erzählt? Hast du sie gefragt? ”

„Nein!“, schreckte er aus seinen Gedanken auf. „Komisch, mir ist gar nicht eingefallen, mich danach zu erkundigen! Habe mich nur still vor mich hingefreut! Tja, dein Paul ist vielleicht ein dummer Hund.
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Schlimm?“

„Aber nein!“, schniefte sie schon wieder und küsste ihn mitten auf die rote Nase. „Du bist nicht dumm, denn es ist ja wirk-lich das Wichtigste, dass sie leben!”

Ihre Tränen tropften schon wieder auf seine Jacke und daher nahm sie Abstand. „Hui“, keuchte sie und wischte sich mit dem Ärmel über die Augen. „Das war eine wirklich gewaltige Überraschung, die du mir heute bereitet hast!“

„Nicht wahr?“, schnurrte er zufrieden und lehnte sich in sei-nem Stuhl zurück.

Sie sprang auf und ordnete ihre Kleidung, dann betrachtete sie kopfschüttelnd ihr verheultes Gesicht in einem kleinen Taschenspiegel. Paul hatte sich ebenfalls erhoben, schaute auch einmal hinein und lachte schallend, als er sein verheultes Gesicht sah.

Während Margrit sich das Haar bürstete, murmelte sie: „Weißt du, wir werden diese freudige Nachricht am besten gleich allen mitteilen.”

„Meinst du denn, die freuen sich tatsächlich darüber?“, bemerkte er skeptisch. „Schau!“ Er machte eine weitschweifende Handbewegung durch den Schankraum der Kneipe. „Niemand von diesen Leuten ist neugierig zu uns hereingetreten, obwohl wir doch laut genug gewesen sind.“

„Das stimmt!” Sie nickte mit einem Klos im Hals und gab die Bürste an ihn weiter. „Aber ich werde schon dafür sorgen! Ich bin zwar heute gemeinsam mit Li Ping mit dem Küchendienst dran. Doch das Geschirr kann mal warten!”

„Oh nein!“ Er packte sie plötzlich mit der freien Hand. „Was meinst du wohl, warum ich solange gewartet habe, bis alle vom Tisch aufgestanden sind?“

„Keine Ahnung!“, ächzte sie erstaunt. „Aber lass endlich mein Handgelenk los!“

„Ach so, ja! Tschuldige! Bin heute etwas durcheinander!“ Paul begann sich hastig zu bürsten.

Margrit verstaute schließlich alles in ihrer Jacke, während sie Paul stirnrunzelnd betrachtete. „Also, schieß los!“, knurrte sie. „Was gibt’s denn Bedenkliches?“

„Naja, am besten ist es wohl, wenn du dir noch einmal Julchens schriftliche Bemühungen vor Augen führst. Was stand dort geschrieben? Weißt du es noch? Oder musst du das Foto wieder hervorkramen?“

„Das brauche ich nicht! Dort stand: Wir spinnen! Wobei das Wort Spinnen vielleicht auch am Anfang ein großer Buchstabe hatte sein sollen. Bei Julchen weiß man es nie so genau!“

„Ich glaube, dass es ein großer Anfangsbuchstabe war, Margrit.
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Ich bin mir sogar dessen sicher!“ Er räusperte sich und zog sich die viel zu lockere Hose etwas höher. „Es war nämlich alles ganz merkwürdig! Wie du weißt, fuhr ich heute Heinz, Ümit, Zhan Shao und Renate mit einem großen Jambo zur Nahrungs-beschaffung, diesmal zum alten Wenzler Hof. Man brauchte mich nicht die ganze Zeit und da die Ricken¬walder Schenke in der Nähe lag und ich gern mal ein Bierchen trinke, spazierte ich einfach dort¬hin. Natürlich wusste ich, dass die Rickenwalder Schenke keine richtige Schenke mehr war, dazu ist ja alles viel zu kaputt, aber ich hoffte, dass ich so unter der Hand ... na ja, du weißt ja, was man in solch einem Falle immer so macht. Ich bekam auch tatsächlich mein Bier, war sündhaft teuer übrigens, und noch etwas ... einen Eindruck!“

„Einen Eindruck?“, echote Margrit erstaunt.

„Jawohl, einen Eindruck!“, bestätigte er energisch. „Nämlich, wie eine Untergrundorganisation funktioniert.“

„Eine Untergrundorganisation!“, stotterte Margrit und bekam heiße Ohren. „Öh ... aber wie kommst du denn darauf?“

„Meine liebe Margrit, mich halten hier zwar alle für ein biss-chen dämlich, vielleicht bin ich es auch, aber …“

„Nicht alle, Paul!“, fiel sie ihm ins Wort. „Es ist nur George, der … äh … der dich nicht sonderlich schätzt.“

„Mich hasst, wolltest du wohl eher sagen.“

„Aber Martin mag dich inzwischen!“, warf sie hastig ein. „Er ist sogar mit deinen Arbeiten sehr zufrieden!“

„Ja, das weiß ich!“, knurrte er. „Das hat er auch schon mehr-mals zum Ausdruck gebracht. Dennoch, Margrit, sage ich dir“, er zwirbelte an dem einen Ende seines etwas zu lang gewordenen Oberlippenbartes nervös herum, „ist hier etwas faul, oberfaul sogar!“

„Und was hast du entdeckt?“, fragte sie und versuchte mög-lichst arglos dreinzuschauen.

„In der Nähe des Wenzelhofes gibt es einen unterirdischen Tunnel! Ach, was sage ich, nicht nur einen, mehrere davon. Und weißt du, wer mich versehentlich zu diesen Tunneln gebracht hat?“

„Julchen?“, ächzte sie.

„Genau!“ Er strahlte. „Julchen half nämlich in dieser Rickenwalder Schenke, die ja etwas außerhalb von diesem Dorf liegt, ein wenig aus. Kaum, dass sie mich von weitem sah, wollte sie natürlich zu mir hin und mit mir sprechen, doch der Wirt, der gleichzeitig wohl auch ein Schwarzhändler ist, denn ohne Schwarzhandel kann ja heutzutage eine Kneipe nicht mehr existieren, hielt ihr plötzlich den Mund zu und schleppte sie in die Küche.
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„Du meine Güte!“, quietschte Margrit wirklich entsetzt. „Das arme Kind!“

„Ach!“ Paul machte eine abwertende Handbewegung. „Das war gar nicht so schlimm!“ Und er sah, dass sich Margrits Brustkorb mit einem leisen Seufzer wieder senkte, denn sie atmete erleichtert aus.

„Man wollte ihr nichts tun“, fuhr er beschwichtigend fort, „hatte lediglich Angst, dass sie plaudert! Julchen war aber pfiffig, manchmal glaube ich, dass sie tatsächlich Indianer werden wird“, bemerkte Paul grinsend.

„Oder Psychologin!“, fügte Margrit stolz hinzu.

Er nickte ergriffen. „Sie ließ nämlich vorher dieses Foto in einen leeren Papierkorb fallen, der neben der Theke stand. Selbst-verständlich tat ich so, als hätte ich von Julchens Verschleppung nichts bemerkt und nachdem man mich ausgiebig beobachtet hatte, beruhigte man sich allmählich. Wenig später ließ ich mein Taschentuch gleichfalls in den Papierkorb segeln, schaute nach einem Weilchen erstaunt drein, suchte in meinen Taschen, blickte in den Papierkorb, grinste, bückte mich und hob klammheimlich das Foto mitsamt Taschentuch auf.“

„Also, du warst wirklich großartig, Paul“, murmelte Margrit ehrlich gerührt, „wenn ich das mal so sagen darf!“

„Du darfst, du darfst!“, erwiderte er möglichst lässig. „Aber es kommt noch besser, meine liebe Margrit, viel besser sogar! We-nig später, als ich zum Gehöft zurückwollte, schlich ich kurz um die Rickenwalder Schenke herum und wen sah ich da?“

„Etwa Julchen?“, stieß Margrit wieder mit angehaltenem Atem hervor.

Paul sah Margrit nun so gebieterisch an wie ein stadtbekannter Detektiv und nickte auch mit entsprechender Würde. „Genau!“, brummte er. „Ich sah plötzlich Julchen um die Ecke des alten Kuhstalls huschen. Sie winkte mir zu. Natürlich folgte ich ihr nicht gleich, schaute mich nach allen Seiten um und dann schlich ich ihr hinterher. Zuerst umarmte sie mich, fragte nach dir und ich gab ihr Auskunft und dann, stell dir vor, zog sie mich am Arm zu sich hinunter und gab mir einen Kuss, mir, dem Paul! Und dann bestellte sie mir all das, was ich dir vorhin gesagt habe!“

„Ja, ja, Julchen kann manchmal auch nett sein!“, gab Margrit zufrieden zu.
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Er nickte ebenso glücklich. „Und stell dir vor, das Kind konn-te sich sogar kurz fassen und das war gut, denn plötzlich vernahm ich eine harte Frauenstimme, die sie rief.

„Du liebes bisschen, was wollte denn die?“ Margrit misstraute nämlich dieser eigenartigen Organisation, denn sie hatte noch nie von der gehört.

„Na ja, Gott sei Dank hat sie uns beide nicht mehr zusammen gesehen. Ich schob mich also an der Holzwand des Schuppens entlang und beobachtete die Frau, die mit Julchen zur rückwärti-gen Häuserfront der Kneipe ging. Sie liefen durch die Hintertür, die sie glücklicherweise nicht abgeschlossen hatten, denn ich folgte ihnen wenig später bis in den Keller, wo lauter Bier- und Weinfässer gelagert waren.“

„Lauter Bier- und Weinfässer?“, wiederholte Margrit mit großen Augen. „Und die waren alle voll?“

„Keine Ahnung! Jedenfalls blieben sie vor einem dieser Fäs-ser stehen und sagten – Moment, hier habe ich es aufgeschrieben.“ Paul kramte einen kleinen, zerknitterten Zettel hervor. „Spinnen kann man nicht entrinnen, da sie dichte Netze spinnen. Hübscher Spruch nicht? Und siehe da“, er verstaute den Zettel triumphierend, „der Deckel eines waagerecht gelagerten Fasses öffnete sich wie eine kleine Tür.“

„Wie eine Tür?“, wiederholte Margrit nun so arglos wie mög-lich und klimperte nervös mit ihren Augenlidern.

„Tja, ich weiß, dass man es kaum glauben kann, aber stell dir vor, dahinter war ein Gang!“

„Ach?“ Sie mühte sich, nicht rot zu werden.

„Ja, ja!“ Er lachte stolz. „Es ist ganz klar, dass dich eine sol-che Nachricht verwundern muss, weil du immer so arglos an Leute herangehst, aber auch wir Menschen sind listenreich, Margrit. Ich hatte mich auf der gegenüber liegenden Seite hinter einem der großen Fässer verborgen, und sah dann, dass die beiden eine Leiter hinabstiegen. Ich reckte mich noch ein bisschen empor und ...“

„Du hast dich sogar gereckt?“, unterbrach ihn Margrit.

„Hmm“, er warf sich in die Brust. „Musste ich doch, obwohl ich zugeben muss, dass das wirklich nicht ungefährlich war, denn der kleinste Laut, das leiseste Geräusch ...“

„... hätte dich verraten?“

„Genau!“ Er räusperte sich.
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„Und just dadurch sah ich den besagten Tunnel, der in weitere unterirdische Gewölbe führte und von dort liefen ihnen Menschen entgegen.“

Paul sah nun richtig kriegerisch drein. „Und nun kommt der Knalleffekt, meine Liebe! Ich behaupte nämlich, erlaube mir sozusagen die Frechheit zu sagen, dass auch unterhalb dieses Eibelstadt, zu welchem ich Erkan, Renate, Wladislaw und all die anderen die vielen Tage habe fahren müssen, genau die gleichen Gewölbe sind wie dort und als Versteck einer geheimen Organisation dienen. Und die Leute, meine liebe Margrit, die heute Abend wieder bei unserem freundlichen, guten Wirt mit uns gespeist haben, gehören dazu, wie noch viele andere! Und vor allem auch dein lieber George! Tja, das muss ich leider sagen!“

„Aach?“, krächzte sie und konnte dabei kaum ein Grinsen unterdrücken. „Und wie kommst du darauf?“

Er seufzte laut und vernehmlich. „Ganz einfach, dieser Geor-ge und all diese Männer hier benehmen sich danach! Du musst vorsichtiger sein, Margrit“, wisperte er ihr nun ins Ohr, „wesentlich vorsichtiger, denn hier ist einiges mysteriös!“

„Mysteriös? Warum?“

Er seufzte abermals. „Natürlich! Wenn nicht sogar …“, er stockte und seine Miene wurde sorgenvoll, „… gefährlich!“ Paul betrachtete Margrit nun so wie ein Vater sein hilfloses Kind.

„Ach, ich hab’ ja dich!“, keuchte sie, denn das Lachen saß ihr jetzt wirklich sehr im Halse. „Aber wie kommst du darauf, dass in Eibelstadt etwas sein muss, das mit dieser Untergrundorganisation gleichzusetzen ist?“

Sein Blick wurde wieder sehr lehrmeisterlich. „Na hör mal! Es gibt dort nur wenige erhaltene Häuser und in die hinein laufen schier endlos viele Leute. Also, was meinst du wohl, wo diese Menschen alle so bleiben?“

„Keine Ahnung?“, stotterte sie, dabei hilflos mit den Achseln zuckend. „Weißt du’s?“

„In unterirdischen Tunneln natürlich, mein Schäfchen, wo sonst? Ich sage dir, dass ich auch bald herausgefunden haben werde, wo die diversen Eingänge liegen, denn diese Leute wissen ja nicht, dass ich weiß, was sie wissen und was ich nicht wissen soll!“

Da prusteten plötzlich beide los und lachten schier um die Wette.

Es braucht wohl nur am Rande erwähnt zu werden, dass Paul noch am selben Abend sehr zum Missfallen von George in die Gemeinschaft der Maden aufgenommen wurde.
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Kapitel 4



Leider stellte sich heraus, dass die Maden schon seit einiger Zeit mit den Spinnen regelrecht verfeindet waren.

Man besprach nur das, was wirklich unbedingt besprochen werden musste. Selbst die Parole war geändert worden. Schuld daran waren Streitigkeiten über Gebiete gewesen, in denen die Gruppen sich Nahrung beschaffen durften. Die Spinnen behaupteten, Maden wären in ihr Territorium eingedrungen und hätten Abgaben aus ihren Bauern gepresst, was Martin, Erkan, Süley-man, Zhan Shao, Renate, José und Wladislaw, welche für die Nahrungsbeschaffung zuständig waren, heftig abgestritten hatten. Margrit hatte trotz aller Proteste vor, die Spinnen zu besuchen.

Während der Hinfahrt verhandelte Margrit mit George, der sie als Einziger begleitete, weil die Spinnen nur noch mit ihm sprechen wollten, um einen Platz bei den Maden für ihre Familie. Entrüstet musste sie schon wieder feststellen, dass die Maden ganz und gar nicht kinderfreundlich waren, und für ältere Leute hatten sie erst recht nichts übrig. Hingegen waren Katzen ihnen sehr willkommen wegen der Ratten, die sich in den Tunneln einnisteten. George fand es daher gut, wenn Margrits Familie einfach bei den Spinnen blieb und Margrit diese nur ab und an besuchte.

„Bist du von allen guten Geistern verlassen?“, fauchte sie darum wütend, während er den Jambo in eine Kurve lenkte. „Du hast doch heute übers Telefon heraus bekommen, wie mies meine Familie von denen bisher behandelt worden ist. Sie haben sich nur zweimal in vier Wochen waschen dürfen und das nicht einmal mit Seife. Sie schlafen nur auf dünnen Decken auf dem kalten Boden. Meine Kinder müssen – da sie so klein sind – ei-nen schmalen Tunnel bis zu einer Halle graben, die in Zarakuma liegt und in der die Hajeps ihre Waffenbestände lagern, und meine Mutter muss trotz ihrer Gliederschmerzen mit einer Karre all die Erde wegschaffen, die meine Kinder hervorholen und noch dazu spät abends bei schlechtem Licht Kleider flicken. Sie bekommen dafür nur etwas Brot und einen Krug Wasser als Tagesration!“

„Ja und? Reicht doch!“, murrte George. „Sollen froh sein, dass sie noch am Leben sind!“

„Also gut!“, krächzte sie und schnürte sich dabei das Kopftuch enger, da ihr in diesem offenen Jambo bei dem Wind ständig die Haare ins Gesicht geweht wurden.
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„Wenn ihr meine Familie nicht haben wollt, dann gehe eben ich! Ich wechsle zu den Spinnen über, hörst du, George?“

Georges Lippen wurden zu einem schmalen, harten Strich. Er blinzelte in das grelle Sonnenlicht, während er den Wagen über die unzähligen Schlaglöcher der zerklüfteten Straße hüpfen ließ.

„Kannst du nicht antworten?“, knurrte sie nach einer Weile des Schweigens.

„Warum sollte ich das nicht können?“, gab er leise und ruhig zurück. „Aber mir liegen nun mal nicht Wiederholungen. Habe ich dir nicht bereits zigmal erklärt, dass Kinder keine Untergrundkämpfer sein können? Wir sind keine Herberge, die Menschen einen sicheren Unterschlupf bieten, sondern ein Geheimbund, dem du angehörst. Margrit, verwechsle das nicht! Notfalls musst du zur Waffe greifen. Vor allen Dingen darfst du unter keinen Umständen etwas verraten, und das ist nun mal bei Kindern nicht sicher. Auch wenn du mir weismachen willst, dass Julchen wie ein Indianer schweigen kann!“ Er lächelte nun doch.

„Aber die Spinnen ...“, stotterte Margrit, „… die sind doch auch ein solcher Geheimbund, gehören sogar eurer großen Bewegung ´Menschen gegen Hajeps` an und haben dennoch meine Mutter und die Kinder bei sich aufgenommen. Ja, sogar den Kater!”

Er lachte kurz und hart, während er den Jambo einfach über eine Wiese steuerte. „Die Spinnen spinnen eben wirklich!“, knurrte er. „Mike, die ´Tarantel` dieser Gruppe hat echt – entschuldige Margrit – eine Macke, denn damit gefährdet er uns alle! Früher war der nicht so! Ich weiß auch nicht, woran das liegt, dass er derart leichtsinnig geworden ist. Ich glaube kaum, dass diese Sache unserem Günther Arendt zu Ohren gekommen ist! Und das scheinen mir noch nicht einmal die einzigen Kinder zu sein, die er bei sich beherbergt.“

„Ja, für Kinderarbeit! Und“, sie schluckte, „was macht der hinterher mit denen, George, wenn diese Arbeiten erledigt sind?“

George warf einen schnellen Seitenblick auf Margrit und schüttelte den Kopf. „Nein, Margrit, ein solcher Unmensch ist er nun auch wieder nicht!“

„Und was ist, wenn die Hajeps meine Kinder bei den Grabungen erwischen?“

Da wurde er doch etwas nachdenklicher. „Ach, das werden sie schon nicht!“

„Ja, das sagst du so einfach!“, ächzte sie.



#



Margrit wurde wenig später gemeinsam mit George von einem bärtigen und etwas nach Schweiß stinkenden Guerillero zu ihrer Familie geführt.
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„Du Tobi, du Tobi, du–hu?“, rief Julchen ihrem Bruder zu und gab ihm einen Knuffi mit dem Ellenbogen, denn sie hatte Margrit und George als erste in der Türe der kleinen Kammer stehen sehen. „Du … da sind die … und der George is’ auch da! Na und sie … unsere Mams!“

„Ganz ohne Sch ...?“ Tobias verlor den Knopf, den er gerade hatte annähen wollen, denn immer, wenn die Hajeps gerade in der Lagerhalle beschäftigt waren, durften sie nicht graben und mussten stattdessen in den unterirdischen Behausungen ihrer Oma beim Ausbessern von Kleidung helfen.

Elfriede zitterte, kaum dass sie Margrit und George erkannt hatte. „Meine Tochter!“, krächzte sie mit belegter Stimme. „Und sie lebt, lebt wie wir. Welch ein Wunder!“

„Mamms?“, kreischte Tobias, dann nuckelte er mit nachdenklicher Miene an der Unterlippe, während er George musterte. „Und du bist ein ganz Lieber, stümms?“

George schaute verdutzt drein.

„Du magst Menschen scheißgern wie der Hajep!“

„Welcher Hajep?“, wiederholte George, immer noch nicht klüger geworden.

Er bekam keine Antwort. Muttchen wischte sich nur stumm die alten Augen, die Kleinen sprangen nacheinander auf und fielen Margrit und auch George in die Arme. Margrit war ent-setzt, wie unterernährt und krank Muttsch und die Kinder aussahen und sofort versprach sie ihnen: „Ich hole euch hier raus, alles klar?“

George schluckte, als die Kinder und Elfriede zu erzählen be-gannen, was inzwischen geschehen war und wie sehr sie in dieser Zeit gelitten hätten. Julchen und Elfriede ließen dabei auch nicht aus, dass sie geschlagen wurden, zum Beispiel, wenn die Kinder mit den Grabungen oder Muttsch mit den Näharbeiten nicht schnell genug vorankamen und Tobias musste schließlich seinen Rücken zeigen, obwohl ihm das sehr peinlich war, der grün und blau schimmerte und von blutigen, noch immer geschwollenen Striemen übersäht war. Aus dem Augenwinkel bemerkte Margrit, wie Georges Gesichtszüge dabei zu entgleisen drohten, aber er riss sich sehr schnell wieder zusammen.

Obwohl Margrit tief erschüttert war, konnte sie doch nicht umhin, ihre Familie danach zu fragen, wie sie dazu gekommen war, für die ´Spinnen´ arbeiten zu müssen.
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„Na, zunächst wollten wir nach Reichenberg!“, berichtete Muttchen.

„Ach und weshalb?“, fragte Margrit. „Andere Dörfer liegen doch viel näher?“

„Na, weil das ein Dorf ist, dass für die Hajeps arbeitet und daher höchst wahrscheinlich nie von ihnen angegriffen wird!“, erklärte Muttchen weiter.

„Oh Gott!“, entfuhr es Margrit entsetzt und auch George konnte nicht verhindern, nun doch ein bisschen verblüfft dreinzuschauen. „Wir dachten immer, die wären neutral?“, krächzte Margrit. „Woher wusstet ihr denn so genau, dass ...?“

„Von Diguindi!“

„Tjufat Diguindi?“, riefen George und Margrit fast zur gleichen Zeit.

„Richtig! Also, die Spinnen waren gerade mit einem Jambo zu ihnen unterwegs und ...“

„Also wussten die Spinnen zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht, dass die Bewohner von Reichenberg für die Hajeps arbeiten?“, fiel Margrit ihrer Mutter einfach ins Wort.

„Wieder richtig!“ Muttchen nickte. „Der Fahrer, er hieß Mike, hielt an. Wir waren darüber verwundert, denn er musterte uns drei so komisch und über den Kater, der uns die ganze Zeit folgte, lachte er schallend! Er fragte uns, wohin wir denn wollten. Na ja, und wir gaben ihm darüber Auskunft und erklärten, wie erschöpft wir inzwischen wären. Und dann lud er uns einfach ein, in seinem Jambo Platz zu nehmen. Er würde uns dorthin bringen, da er den gleichen Weg habe. Natürlich freuten wir uns und dann fragte er, genau wie ihr, weshalb wir denn ausgerechnet bis nach Reichenberg wollten. Und so erzählten wir ihm alles. Was soll ich sagen, plötzlich machte der kehrt. Er war wütend und verstört und erst wollte er uns rausschmeißen, aber da grinste er mit ei-nem Male wieder so komisch und fuhr uns dann zu unserer Überraschung einfach zu den Spinnen. Da würde es uns gut gehen, hatte er noch bemerkt. Tja und den Rest kennt ihr ja!“ Mutt-chen machte dabei ein trauriges Gesicht.

„Wir werden euch da rausholen!“, versicherte Margrit aber-mals und drückte dabei zärtlich und fest Muttschs abgearbeitete Hände.

„Ganz ohne Sch ... äh ... also in echt jetzt?“, fragte Tobias unsicher und nuckelte schon wieder an seiner Unterlippe.

„Ganz, ganz wirklich Tobias!“

„Wie kannst du nur etwas versprechen“, wisperte George wenig später Margrit ins Ohr, kaum dass Tobias vom Boden aufgestanden war, auf welchem sie gesessen hatten, um sich eine De-cke zu holen, „was du nicht einzuhalten vermagst?“

„Ich werde das einhalten, George!“, zischelte sie ihrerseits einfach zurück.
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„Ttzississ, wie denn?“ Er schüttelte verärgert den Kopf.

„Was besprecht ihr gerade?“, erkundigte sich Muttchen arglos, da sie nicht besonders gute Ohren hatte.

„Ach, wir fragen uns nur, wie ihr es damals geschafft habt, den Hajeps zu entkommen“, log Margrit einfach und George machte deshalb eine erleichterte Miene.

„Wir sind ihnen nicht entkommen.“ Elfriede hatte plötzlich Tränen in den Augen. „Sie nahmen uns gefangen! Oh, das ganze war furchtbar! Es war schrecklich und ich kann mich darüber nicht näher äußern, weil Julchen dann wieder diese schrecklichen Albträume bekommt ... auch Tobias kann dann nicht ...“

„Aber ihr lebt doch!“, warf Margrit einfach ein. „Wie konnte das passieren, dass ihr ...?“

„Das war Diguindi!“, krächzte Tobias begeistert, der nun mit seiner Decke zurückgekommen war. Oh, was war diese Decke dreckig! Sie stank nach Schweiß und Urin. Dennoch drückte Tobias den durchlöcherten Lappen beinahe zärtlich an sein spitzes, graues Gesichtchen und seine Augen strahlten, einfach nur, weil wieder mal von Diguindi gesprochen wurde. „ Er ist ein guter Hajep, ganz ohne Scheiß ... öh ... tschuldigung, ganz in echt, meine ich!“

„Ja, da hat er Recht, der Tobi!“ Julchen klatschte begeistert in beide Händchen. „Und wenn ich groß bin und Indianer geworden bin, heirate ich vielleicht den … den Dikindi! Aber da muss er mir erst mal zeigen, wie er aussieht! Und wenn er hässlich is, der Dinkindi“, Julchen verzog nun doch ein bisschen das Gesicht, „dann heirate ich den Dikindi eben nich!“, sagte sie fest entschlossen.

„Aber er wird mein Freund!“, erklärte nun auch Tobias. „Auch wenn der vielleicht keine Nase hat oder“, Tobias schluckte bei diesem Gedanken, „vielleicht so einen Spünnenkopf mit vielen Beulen, wird der doch mein Freund!“

„Meiner auch, so!“ Julchen reckte sich tapfer in die Höhe und Tobias wickelte sich endlich in die ekelhafte Decke ein, denn ihn fror.

„Aber, was ist damals passiert?“, hakte Margrit trotzdem nach, denn sie war sehr neugierig geworden. Dabei wendete sie sich an Muttsch, denn die konnte, wenn auch sehr ausführlich, am besten erzählen.
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„Doch das Grauliche lass’ ich dabei aus, ja?“, behielt sich Muttchen vor und dann begann sie endlich. Alles nickte und so erfuhren Margrit und George zum ersten Male, dass es auch andere Hajeps gab. „Diguindi sagte uns dann, wohin wir uns wenden sollten“, endete Muttsch. „Er kann sehr gut Deutsch sprechen, wisst ihr? Und ich muss sagen, dass ein Wahnsinnsmut dazu gehört, trotz höchster Gefahr einfach sein Herz sprechen zu lassen. He, George? Willst du nicht weiter zuhören? Wohin gehst du?“

„Öh, ich will nur etwas mit Mike besprechen!“ Trotzdem blieb er mitten in der Tür mit gesenktem Kopf stehen

„Tja“, bemerkte er plötzlich und war sehr nachdenklich geworden. „Wisst ihr, dieser Diguindi hat mir wohl damals auch das Leben gerettet, alleine hätte ich das nie ...“

„Und?“, fiel ihm Muttchen ins Wort. „Sicher bist du ihm dankbar dafür, oder?“, krächzte Muttchen begeistert.

„Ja, so is er, der ... der Dikindi!“, jubelte auch Julchen.

„Siehst du, Mamms hat Recht. Es gibt auch gute Hajeps, ganz ohne Sch ...!“

„Habe ich nie abgestritten!“, verteidigte sich George. „Aber die meisten sind brutal und ...“

„George!“, gemahnte ihn Muttchen und blickte dabei besorgt auf die Kinder. „Fast jeden Tag erleben wir hier die reinste Hölle und das alles nur durch Menschen!“ Sie schluckte. „Es mag sich zwar seltsam für dich anhören, aber bei all diesem Elend hielt uns nur eines aufrecht, nämlich der Glaube daran, dass es wenigstens etwas Gutes auf dieser weiten Erde gibt“, sie kämpfte nun mit den Tränen und auch die Augen der Kinder schimmerten dabei feucht, „nämlich Diguindi“, schniefte sie, „ausgerechnet ein Hajep!“

Da wandte sich George um und lief fort.

Für etwa eine halbe Stunde unterhielten sie sich noch, denn mehr Besuchszeit war Margrit nicht eingeräumt worden, dann kam wieder ein tränenreicher Abschied.

„Was willst du mit dieser Decke!“, knurrte George wenig später Margrit an.

„Was sollte ich denn damit wollen, George?“ Sie legte den stinkigen, zusammengerollten Lappen hinter sich auf die Sitze des Jambos. „Denke mal ein bisschen darüber nach!“

„Ah, ich seh' schon“, murrte er. „Du hast deine schöne, gute Jacke einfach gegen diese dämliche Decke eingetauscht!“

„Die habe ich nicht eingetauscht, George, sondern nur zum Pfand dagelassen!“

„Als Pfand?“ Er lachte jetzt ziemlich hysterisch, wie Margrit fand.
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„Gegen diesen alten Lappen? Also ich finde, Mike wird immer unmöglicher!“ Er schüttelte verärgert den Kopf. „Lass mich das Ding mal anschauen, denn noch sind wir nicht losgefahren!“ Er griff mit einer recht fahrigen Bewegung nach hinten.

„Nicht George, wickele die Decke nicht auf!“

„Warum nicht?“, knurrte er, zornesrot im Gesicht.

„Tobias hat doch darin ein Geschenk für mich eingewickelt und das ist bestimmt winzig klein. Wenn das dabei zu Boden fällt, finde ich es bestimmt in diesem riesengroßen Jambo nicht mehr wieder, verstehst du? Und dann würde er gewiss noch trauriger werden als er ohnehin schon ist!“

„Okay, okay!“, knurrte er und fuhr dabei so heftig an, dass Margrit nach hinten in ihren Sitz fiel. „Du allein musst letztendlich wissen, was du da machst!“

Sie fuhren wieder über eine sehr schlechte Straße und daher wurde Margrit gründlich durchgerüttelt, während sie sich das Kopftuch umlegte. „Willst du wissen, was er mir geschenkt hat?“ Sie machte ein angeekeltes Gesicht.

„Nein!“

„Ach komm, in Wahrheit bist du neugierig. Also, er hat mir den Flutschi mitgegeben!“ Sie kicherte verwirrt. „Na ja, zuerst wusste ich nicht, was das ist! Ich habe ihn gefragt, doch er tat sehr geheimnisvoll und hat es mir nicht verraten und ich durfte auch nicht dabei zuschauen, während er es in diese Decke einwickelte. Er sagte nur: Bei dir ist er am sichersten, Mamms, und ich will, dass er auch mal umher fliegen darf. Wir sind gefangen, aber er soll frei sein! Sag’s niemandem weiter ...“

„… ganz ohne Scheiß, Mamms!“, vollendete George einfach Margrits Satz und lachte dabei leise in sich hinein. „Richtig? Das hat er doch sicher auch noch hinzu gesetzt!“

„Sehr richtig, George! Aber dieser Flutschi kann bestimmt nicht mehr fliegen, weil er schon lange … naja, es ist nicht gerade etwas sehr Appetitliches, was er mir da mitgegeben hat, George!“

„So? Hört sich ja mächtig spannend an!“

„Kinder sammeln ja manchmal die verrücktesten Dinge, weißt du?“

„Entschuldige ihn nicht immer wieder. Was ist es?“

„Na, eigentlich ... also, ich darf es mir erst anschauen, wenn ich zu Hause bin.
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Aber ich weiß jetzt schon, dass es ein alter, verfaulter Käfer ist, den er schon sehr lange mit sich herumschleppt! Muttsch hat’s mir nämlich verraten, als die Kinder miteinander beschäftigt waren. Sie hat mich vereidigt, dass ich diesen Flutschi auf keinen Fall wegschmeißen soll. Die Kinder würden das alte Ding sehr ernst nehmen und jeden Tag darüber sprechen.“ Sie kicherte nun auch. „Stell dir vor, Julchen behauptet, der würde sogar seine“, Margrit musste sich nun doch bei diesem Gedanken ein kleines bisschen würgen, „langen, haarigen Beine ausstrecken, wenn man ihn hinter den Ohren“, sie lachte nun lauthals los, „oder am Bauch kraulen würde!“

„So ein kleines, winziges Ding kraulen?“, krächzte George und lachte dann auch. Doch dann wurde er wieder ernst, sehr ernst sogar. „Weißt du, Margrit, was wir jetzt tun werden?“, sagte er fest entschlossen. „Wir fahren nach Randersacker.“

„Na schön, aber warum?“

„Um drei Strohmatratzen zu holen, natürlich!“

„Ah, bekommen wir Gäste?“

„Nein, darauf wird später eine alte Dame mit ihren Enkeln schlafen und natürlich ein ausgesprochen fetter Kater! Sollte mal abspecken, das Tier!“

„George?“, kreischte Margrit. „Hast du etwa deine Meinung geändert?“ Sie wollte ihm um den Hals fallen.

„He he, ich fahre hier einen Jambo“, protestierte er. „Willst du das wohl lassen, du kleine Hexe?“

„Deswegen also wolltest du so dringend mit Mike sprechen. Du hast mit ihm verhandelt, richtig?“

Er nickte schmunzelnd.

„Und, was hat der gesagt?“

„Hat natürlich Schwierigkeiten gemacht. Das sind gute Arbeitskräfte, die ich dann verliere, hat der frech behauptet. Als ob kleine Kinder und alte Menschen zu solch einer Arbeit benutzt werden dürften!“ George machte ein finsteres Gesicht.

„Und dann?“

„Nun, schließlich konnte ich doch mit ihm verhandeln, diesem brutalen Ausbeuter!“ George knirschte dabei mit den Zähnen. „Ich sagte, dass wir ihm dafür etwas bezahlen würden und da räumte er plötzlich ein, dass er noch einmal darüber nachdenken würde. Wir sollen in zwei Tagen wiederkommen.“

„Das ist gut, dann kann ich ja auch Tobi die frisch gewaschene Decke zurückbringen!“ Sie hielt nachdenklich inne und sagte dann: „George, wie soll ich mich nur für deinen großen Einsatz bedanken?“

„Das brauchst du nicht! Bedanke dich einfach im Stillen bei Diguindi.
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Als deine Mutter diese Geschichte von ihm erzählte, wurde mir klar, dass man sich auch einen Außerirdischen zum Vorbild nehmen könnte, selbst wenn es“, er schluckte, denn leider musste er dabei wieder mal an Robert, den Onkel und seine treue Freundin denken, die er alle durch die Hajeps verloren hatte und dann räusperte er sich fest entschlossen, „also, selbst, wenn das Gute mitten im Bösen sitzt!“

Tränen liefen nun beiden übers Gesicht.

„Wird Mike viel für meine Familie verlangen?“, krächzte Margrit schließlich.

„Pah, die Welt wird’s schon nicht sein!“ George wischte sich mit dem Handrücken über die Nase und dann blinzelte er tapfer in das Sonnenlicht hinein.



Fortsetzung folgt:
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Kommentare zur Story:

  Arme Kinder, denn der Netteste scheint Mike nicht gerade zu sein.  
   Marco Polo  -  06.08.18 14:27

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  So, nun habe ich auch diese beiden Kapitel durch und frage mich nun neugierig, wie es wohl weitergeht?  
   Evi Apfel  -  05.08.18 22:16

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