Das Licht der Hajeps Band 2 Guerillas - Kapitel 13 u. 14 ENDE des 2. Bandes    123

Fantastisches · Romane/Serien

Von:    Palifin      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 2. Juli 2018
Bei Webstories eingestellt: 2. Juli 2018
Anzahl gesehen: 213
Seiten: 11

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Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


„Was hast du ihnen gegeben, damit ich bleiben darf?“, fragte Margrit George etwas später, als sie den Salon verlassen hatten und wieder alleine waren.

George grinste geheimnisvoll. „Vielleicht erinnerst du dich an das kleine Fläschchen, nach dem ich dich gestern gefragt habe?“

„Ach George, du hast mich nach so vielem gefragt, ich weiß es nicht mehr!“

„Vielleicht fällt es dir ein, wenn ich es weiblicher beschreibe. Es ähnelt ein wenig Nagellack!“, sagte er kokett und schwenkte dazu die Hüften.

„Mein Nagellackfläschchen?“ Sie krauste empört die Stirn. „Ich hatte es den Kindern weggenommen, zuletzt in einer Seitentasche meiner Weste verstaut und dann völlig vergessen! George, hast du etwa in meinem Zimmer gestöbert?“

„Erstens ist es gar kein Nagellack und zweitens nicht deiner“, fauchte er. „Du weißt, er gehört Robert.“

„Ach so, ja, stimmt, ich weiß!“ Sie senkte betroffen den Kopf. „Ich schäme mich!“

„Das musst du nicht!“ Er hob ihr Gesicht zu sich empor. „Und drittens habe nicht ich in deinem Zimmer gestöbert, sondern Gesine. Die hatte nämlich gerade dein Zimmer verlassen, als ich heute Morgen vorbeikam, und da sah ich das Fläschchen in ihrer Hand und erkannte es sofort wieder. Du glaubst ja gar nicht, wie es in meinem Herzen gejubelt hat.“

„Und da hat sie es dir gegeben?“

„Na ja, gegeben wäre vielleicht zuviel gesagt!“ Er zog feixend die Schultern hoch. „Ich habe ein bisschen nachgeholfen! Jedenfalls war ich daraufhin wie erlöst, weil ich wusste, wie ich dir hier deinen Platz erkaufen kann.“

„Aber George, wieso könnt ihr so etwas Merkwürdiges gebrauchen? Und das soll sogar besser als Danox sein? Ich meine, es ist doch so ein merkwürdiges Ding, bei welchem man nicht einmal weiß, wo eigentlich oben und wo unten ist!“

„In dieser Flasche befindet sich ein geheimnisvolles Serum, Margrit. Mein Cousin bekam dieses Mittel von den Jisken, den Erzfeinden der Hajeps. Alles, was Robert über die Hajeps erfährt, leitet er an die Jisken weiter. Er hat auch schon einiges für sie getan. Wenn du etwas von Attentaten auf die Hajeps gehört hast, dann kannst du dir sicher sein, dass nicht nur die Jisken, sondern auch mein Cousin dabei die Hände im Spiel hatte.
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„Oh Gott“, ächzte sie betroffen.

„Dennoch ist er nicht deren Sympathisant. Er ist auch nicht sonderlich mit den Loteken verbandelt, für die er manchmal etwas tut. Robert arbeitet in Wahrheit für die Menschen, für unsere Organisation!”

„Er ist also ein dreifacher Spion!“, keuchte Margrit entgeistert.

„Sehr richtig und ein Dieb! Er hatte auch das Dechiffriergerät Rekomp Nireneska gestohlen, nicht ich! Ich hatte es von Robert erhalten und sollte es unterwegs nutzen, den Trowes Danox abnehmen und dafür sorgen, dass diese ehemaligen Sklaven wohlbehalten zu Roberts Versteck gelangen können. Ich konnte die Trowes nicht direkt begleiten. Das wäre, falls man uns erwischt hätte, sehr schlecht für unsere Organisation gewesen. Es war mir nur möglich, die Trowes in großem Abstand zu begleiten. Das Dechiffriergerät sollte ich unterwegs benutzen, um die Nachrichten der Jisken, Hajeps und Loteken zu entschlüsseln und die Trowes gegebenenfalls mit vereinbarten Signalen zu warnen. Danach sollte ich dieses Gerät meiner Organisation bringen, denn auch Kalle braucht es dringend, um Nachrichten zu empfangen.“

„Oh Gott, und Paul hat es euch zertrümmert!“, entfuhr es Margrit betroffen.

„Ich liebe ihn auch deswegen nicht so besonders!“ George lachte sarkastisch.

„Hatte dein Cousin dieses Serum für die Menschen etwa auch gestohlen?“

„Nein, das haben die ihm freiwillig gegeben, für einige seiner Dienste – sozusagen als Lohn! Sie wollen den Hajeps nicht zu nahe kommen, wohl, weil noch nicht genügend von ihnen auf dieser Erde sind. Außerdem ist es ihre Art, in erster Linie mit krankheitserzeugenden Mitteln zu kämpfen.“

„Echt fies. Ich muss feststellen, ich mag die nicht!“

„Ach Margrit, wen mag man schon von diesen Außerirdischen. Kannst du mir einen nennen?

„Aber sie haben Zarakuma angegriffen? Das ist doch seltsam!“

„Es war niemand von ihnen in diesen Flugzeugen, Margrit, nur Iskune, also Roboter!“

„Sehr schlau! Und was wollte jetzt Robert mit diesem Serum?“

„Nun, um es einzusetzen, hätten die Jisken direkten Kontakt mit den Hajeps aufnehmen müssen und das wollen sie nicht.“

„Verständlicherweise.
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Und die Loteken auch nicht, richtig?“

„Sehr richtig, Margrit!“

„Und dafür sind ihnen die blöden Menschen gut genug?“

„Ebenfalls richtig. Sie denken, wir Menschen haben nichts mehr zu verlieren und damit haben sie Recht!“

„Oh Gott, und wer soll nun dieses Mittel nach Scolo bringen?“

„Darüber zerbrechen wir uns im Augenblick noch nicht den Kopf. Vorab müssen wir doch erst einmal wissen, wie man das Serum einsetzen muss und was es ist und vor allem ... wie bekommt man das Fläschchen überhaupt auf?“

„Darum hast du also deinen Cousin heute Morgen versucht zu erreichen?“

„Ich will nicht nur wegen dieses Serums Kontakt mit ihm. Wir sprechen uns so oft wie möglich!“

„Ach, und bei mir tat er so, als wärest du der reinste Kindskopf.“

„Das war ich früher mal, ja! Aber die Zeiten sind längst vorbei. Diese Familiengeschichte dient uns nun zur Tarnung. Jedem erzählt er etwas über seinen verrückten Cousin und wie er unter dem zu leiden hat. So können wir viel besser für unsere Organisation arbeiten.“

„So ein Lauselümmel, und ich bin ihm auch auf dem Leim gegangen!“ Margrit lachte prustend los. „Aber das ist sehr geschickt! Ich denke, dass Hajeps zwar recht intelligent sind, aber mit Psychologie nicht viel anfangen können!“

„Ja, Margrit, das ist unsere Chance! Darum bist du hier ganz richtig!“

„Du auch George, und ich finde, wir alle haben es ziemlich gut im Gegensatz zu deinem Cousin, denn wir sind viele. Er hat nur seine Familie oder sehe ich das falsch?“

„Das siehst du durchaus richtig.“ Schlagartig wurde George ernst. Er ließ sogar den Kopf hängen und tiefe Falten gruben sich in seine Stirn. „Schon seit einer Woche erreiche ich ihn nicht mehr“, murmelte er leise. „Das macht mir Sorgen.“ Er schwieg für einen Moment nachdenklich und seine Augen glänzten feucht. „Ach, hat keinen Zweck, sich deshalb den Kopf zu zermartern. Das hilft ja doch nicht.“ Er gab sich einen Ruck. „Wir sollten uns erst einmal darüber freuen, dass es dir gelungen ist, bei uns zu bleiben, Margrit!“ Er stand auf und beim Vorübergehen streichelte er sacht ihre Wange.

„Das hast doch du geschafft, George!“ Sie hielt seine Hand fest und barg ihr Gesicht darin.
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„Willst du dir von mir unser unterirdisches Netz zeigen lassen?”

„Ich sterbe schon vor Neugierde!“



#



Sie legte erst einmal ihre Gürteltasche in ihrem Zimmer ab, denn sie traute dem merkwürdigen kleinen Stäbchen nicht. Freilich hatte sie Sorge, dass sie schon wieder bestohlen werden konnte, denn sie hatte noch keinen Schlüssel zu ihrer Tür. Doch letztendlich war sie zufrieden mit ihrer Entscheidung.

Margrit war sehr überrascht, dass die Besichtigung der gesamten Anlage den ganzen Tag in Anspruch nehmen sollte. Auf diese Weise erfuhr sie, dass nicht nur die Maden, deren Geheimgänge Zarakuma am nächsten waren, sondern auch neun weitere Organisationen sich ringförmig um das riesige Wohngebiet verteilten. Zarakuma hatte eine Ausdehnung von 100 km in nordsüdlicher und 60 km in westöstlicher Richtung und beherbergte ca. fünfundzwanzig Millionen Einwohner. Die kleinen Organisationen der Menschen trugen alle die Namen von Insekten. Zum Beispiel gab es da die Asseln, die Ameisen, die Schaben, die Mistkäfer, die Schnecken usw.

„Warum habt ihr euch eigentlich solche Namen gegeben?“, fragte Margrit, während sie durch einen schön bemalten unterirdischen Tunnel schritten.

„Weil diese Tierarten die zähesten sind, die es auf diesem Planeten gibt.“

„Oh, da habt ihr wohl Recht!“ Margrit lachte.

Das Ganze hatte auch eine andere symbolische Bedeutung, denn man empfand die Hajeps zwar als Goliath, sich selbst hingegen nicht einmal als David.

Die meisten dieser kleinen Organisationen – sie bestanden nicht selten aus gerade einmal siebzig Leuten – kamen gut miteinander klar. Es gab aber auch bisweilen Streitereien, welche nicht einmal die ´Taranteln´ – so wurden die Oberhäupter der verschiedenen Organisationen genannt - zu schlichten in der Lage waren, so dass Günther Arendt und seine Berater anreisen und als Richter über die Probleme entscheiden mussten. Überall in der Welt gab es solche unterirdischen Netze und sie drapierten sich besonders dicht um strategisch wichtige Gebiete des außerirdischen Feindes.

Dieser schien bisher noch nichts von der Gefahr bemerkt zu haben. Zu sehr war er in Schwierigkeiten mit seiner eigenen Spezies und seinem Erzfeind und begnügte sich daher damit, die Menschheit oberhalb der Erde auszurotten, um endlich Ruhe vor ihnen zu haben.
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Jede kleine Untergrundorganisation war also Teil einer großen Gesamtheit, die sich für einen letzten, gewaltigen Krieg gegen die Hajeps rüstete. Besonderen Kontakt hatten die Menschen Europas dabei zu den ehemaligen USA, England und Russland, aber auch zu einigen asiatischen, arabischen und afrikanischen Ländern. So war es nicht verwunderlich, dass sich Afrikaner, Russen, Engländer, Araber und Amerikaner in den Organisationen aufhielten, besonders um Scolo herum. Noch immer konnte man sich auf der ganzen Welt in Englisch verständigen, an zweiter Stelle kam aber schon Chinesisch. Leider war es den Menschen noch immer nicht geglückt, zumindest einige Waffen des Feindes funktionstüchtig nachzubauen, da diese meist aus Quetgier, einem besonderen Biomaterial, bestanden und sich nach einiger Zeit in Humus auflösten.

Nachdem Margrit die unterirdischen Behausungen kennen gelernt und Georges Erklärungen dazu gehört hatte, fühlte sie sich so beruhigt und beschützt wie schon seit etlichen Jahren nicht mehr. Gern hätte sie der gesamten Menschheit eine solch sichere Unterkunft gewünscht, aber es war leider nicht genügend Platz vorhanden. In all diesen Tunneln und Gängen waren nur Auserwählte, die dort in Ruhe schlafen und sich verstecken konnten.

Margrit gefielen die Praktiken nicht, mit denen die Maden Nahrung beschafften. Sie tauschten zwar mit den Bauern, aber weit unter dem üblichen Preis, denn sie schüchterten die Menschen oft durch protziges Gehabe mit ihren Waffen ein und Margrit glaubte, wenn die Maden von ihren Beutezügen zurückkamen und stolz mit ihren geradezu märchenhaft preiswert erhandelten Gütern prahlten, dass dies nicht mit rechten Dingen zugehen konnte.

Anfangs hatte sie sich deshalb geweigert, etwas von diesen Nahrungsmitteln anzunehmen, später jedoch war der Hunger zu groß gewesen und sie hatte nachgegeben. Waffen und Munition waren das Allerwichtigtste! Dafür wurde gearbeitet, gehandelt, gestritten! In einer Welt, in der es keine Polizei mehr gab, war jeder, der eine Waffe hatte, ein kleiner König. Waffen sicherten nicht nur die Position innerhalb der Rangordnung der Menschen, sondern auch die Nahrung, das Dach über dem Kopf und noch vieles mehr.
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Dass Menschen in den wenigen erhaltenen Häusern Eibelstadts lebten und manchmal jemand sie besuchte, schien die Hajeps, wenn sie mit ihren Trestinen darüber flogen, nicht sonderlich zu stören. Sie hatten ihr Augenmerk vor allen Dingen in die Ferne gerichtet, die Nähe interessierte sie schon lange nicht mehr. Die paar Menschen, welche ihre altertümlichen Waffen trugen, wurden wohl eher als selbstverständlich angesehen.

Die Maden waren aber mit den besten Hajep-Geräten, die sie sich gestohlen hatten, und besonderen Apparaten ausgerüstet. Es gab Räume mit Strom erzeugenden Aggregaten, komplizierte Sendegeräte, manche von ihnen hajeptischer Herkunft, Computern und überall Sicht¬geräte mit Periskopen, mit denen man, ähnlich wie bei U-Booten, sehen konnte, was oberhalb der Erde geschah. Richtige Zimmer gab es unterhalb Eibelstadts, mit Betten, Tischen, Schreibtischen und Stühlen für die Mächtigen. Die unteren Mitglieder und neu Hinzugekommenen mussten sich mit Strohsäcken, Matten und Decken auf dem Boden begnügen. Meist hatten sich fünf bis sechs Leute einen Raum zu teilen. Die Arbeit war hart, jeder hatte seine Aufgabe innerhalb seiner Gruppe und die lief nach ganz bestimmten Richtlinien ab.

Margrit arbeitete wegen ihrer guten Deutschkenntnisse zum einen als Wladislaws Sekretärin, zum anderen, wegen ihrer guten Ohren, als Analysator von Geräuschen bei George mit, vor allem, um die Hajeps in Zarakuma zu belauschen. Margrits psychologisches Gespür wurde dabei gerne genutzt.



#



Die erste Woche bei den Maden verging schnell und war sehr anstrengend, da Margrit sich außer mit den Arbeiten, die sie zu tun hatte, noch damit abmühte, möglichst schnell die hajeptische Sprache zu lernen und zudem immer wieder eine Stunde oder mehr für die Suche nach ihren Familienmitgliedern oberhalb der Erde verwendete, vor allem in der Nähe von Würzburg. George sah das nicht gerne. Er fand Margrits Unternehmungen gefährlich, weil die Hajeps oft noch nach der Eroberung einer Stadt auf Beutezügen unterwegs waren und er folgte ihr deshalb nicht selten heimlich, was sie sehr ärgerte.

„Meinst du denn, ich bin ein Baby?“, fauchte sie ihn eines Tages an. „Und könnte nicht auf mich selbst aufpassen? Guck, hier ist der Patronengürtel, da die zwei Pistolen.
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Ich habe sogar eine Handgranate und ein Messer dabei! Bist du nun mit mir zufrieden?“

Er lachte verlegen. „Immerhin bekommst du heraus, wer dir folgt!“

„Tja, und das trotz dieses schlechten Brillenglases, das man mir verpasst hat, nur weil das alte diesen winzig kleinen Sprung gehabt hatte.“

„Ach Margrit, der war gar nicht winzig klein und du sahst außerdem damit richtig bescheuert aus. Entschuldige!“

„Ist mir doch Wurst, wie ich ausschaue! Hauptsache, ich kann gucken! Das hier sind nicht die richtigen Diopt¬rien, die ich brauche!“

„Meckere nicht, ungefähr haut’s doch hin. Ich habe gestaunt, wie gut du trotzdem schießen kannst. Erstaunlich, meine kleine Pazifistin, du bist ein Talent! Ich will dir auch gar nicht ausreden, nach deiner Familie zu suchen.“

„Na endlich, wenigstens das!“, seufzte sie erleichtert.

„Es geht dir dabei wohl so wie mir“, sagte er nachdenklich. „Ich kann und will mich nicht damit abfinden, dass mein Cousin, mein Onkel, meine Tante, meine beste Freundin, von den Hajeps ...“, er brach ab, senkte den Kopf, konnte plötzlich nicht mehr weiter, wischte sich mit dem Handrücken über die Nase.

„Oh George?“, rief sie leise und erschrocken, dann nahm sie ihn in die Arme. „Meinst du wirklich, dass ...“

Er nickte und seine Augen wurden dabei trüb.

„Aber es muss doch nicht stimmen!“ Sie streichelte ihm die Schulter.

Sein Mund zuckte mehrmals unbeholfen, ehe er die Worte formen konnte. „Doch! Alle sagen es!“ Und er legte den Kopf schwer, sehr schwer plötzlich auf ihre Schulter.

„Ja und?“, knurrte sie kriegerisch. „Du musst das nicht glauben!“ Und sie drückte ihn fest an sich.

„Ach Margrit“, krächzte er heiser, „es soll doch Beweise geben, die ... die vier waren meine Familie, weißt du? Ich ... ich bin bei ihnen aufgewachsen! Verdammt, ich hasse Nireneska!“, zischelte er zwischen den Zähnen hervor und plötzlich fing er hilflos an zu weinen. „Sie sind tot. Ich weiß es. Er hat mir alles genommen, was ich habe! Und darum will ich dich nicht auch noch an Nireneska, diese Bestie verlieren, verstehst du?“

Sie strich ihm tröstend über das dichte, schwarze Haar und seine mächtigen Schultern zuckten und bebten, während er laut und verzweifelt all seinen Schmerz aus sich hinaus schluchzte.
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„Oh Gott!“, keuchte er schließlich. „Ich bin vielleicht ein Guerillero! Das ganze ist mir ja so peinlich!“

„Warum?“ Sie sah ihm ebenso verweint ins Gesicht. „Auf diese Weise hast du doch endlich dafür gesorgt, dass ich dich mit meinem Pazifismus nicht mehr nerven werde!“ Sie wischte ihm die letzte Träne aus dem Augenwinkel.

„Weißt du, Margrit, was ich jetzt tun werde?“

Sie schüttelte den Kopf und wischte dann auch an ihren Augen herum.

„Ich werde meinen Eid brechen!“

„Welchen ... was? He, ich brauche dich George! Du musst dir etwas einfallen lassen, damit mich der blöde Nireneska beim Suchen nicht stören kann!“

„Ja, ich werde meinen Eid brechen!“, keuchte er trotzdem weiter und seine Stimme klang sehr aufgeregt. „Nur dieses einzige Mal, denn ich sehe einfach nicht ein, weitere Menschen, die mir wichtig sind, wegen dieser Organisation elendig sterben zu lassen.“ Er schnäuzte seine Nase jetzt recht energisch in einem seiner blütenweißen Taschentücher aus.

„Ich verstehe zwar immer noch nicht, was du meinst, George“, sagte sie nervös, „aber du wirst schon Recht haben!“

„Habe ich auch! Warum sollte es nur mir, bekannten Politikern und anderen wenigen Privilegierten gegeben sein, in der Nähe Zarakumas die Verstecke vor unserem Feind zu nutzen? Ich werde dir sämtliche Möglichkeiten zeigen, rasch zu verschwinden, die du aber nur bei höchster Gefahr nutzen darfst! Du musst mir versprechen, diese an niemanden zu verraten! Wirst du schweigen können, Margrit? Sonst“, er schluckte, „bin ich dran!“

Und wieder stellte sie sich auf die Zehenspitzen und schlang ihre Arme fest um ihn.

„Du bist ein wunderbarer Mensch, George. Aber, was denkst du von mir?“, wisperte sie ihm ins Ohr. „Meinst du denn, ich werde dich in eine solche Gefahr bringen? Ich werde so geschwätzig sein wie ein Stein!“ Sie küsste ihn auf die Wange, wandte sich von ihm ab, lief einige Schritte von ihm fort und winkte ihm zu. „Na, los! Worauf wartest du? Fang endlich damit an!“



Kapitel 14



„Kor wan ango rina?“, fragte George.
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„Mo rina wan Margrit Schramm“, erwiderte sie. „Dandu kor wan ango rina?“

„George de Mesá. Dandu nor kos to?“

„Noi kal a lumanti. Dandu nor kos to?“

„Noi kal a hajep!“

Margrit prustete los. „Nein George, damit kannst du mich nun wirklich nicht mehr anschmieren. Aber was heißt eigentlich Lumanti ganz genau übersetzt?“

„Was soll's schon heißen? Mensch natürlich oder Erdling oder weiß ich was? Als solche werden wir jedenfalls immer bezeichnet, wenn die Hajeps über uns reden.“

„Aber guck mal, die größte Stadt in Zarakuma heißt zum Beispiel ‚Jink ba rina‘. Und das kann man sehr gut übersetzen mit jink gleich Stadt, ba gleich ohne und rina gleich Name. Also: Stadt ohne Namen!“

„Ja und?“ Er zuckte mit den Schultern. „Es muss doch nicht immer alles irgendeine besondere Bedeutung haben. Bei uns heißen die Leute doch auch bloß Fritz oder Susanne und so weiter. Ganz ohne einen besonderen Grund.“

„Aber lumant heißt auch Licht, George!“

„Licht?“ Er schaute verdutzt drein.

„Suki wona lumant! Machen wir Licht! Und ... tes lumant tai Hajeps!“, sagte sie stolz.

„Das Licht der Hajeps!“, krächzte er amüsiert. „So ein Quatsch!“ Er wollte sich ausschütten vor Lachen. „Woher hast du denn das?“

„Aus unserem neuesten Chesbulak!“

„Du musst dich verhört haben, Margrit, denn die Sprache ist nicht so einfach, da wir nichts Schriftliches haben und viele Worte einfach zusammengezogen werden.“

Er machte eine kleine Pause und sagte dann: „Da wir schon mal dabei sind. Du musst genau genommen eigentlich alles so aussprechen: Kor wanangorina? Und … morinawan George dandunor kosto? Noikala Lumanti! Außerdem ist es vielleicht nicht ganz unwichtig, dass die Hajeps weder ein 'ü' noch ein ' ä' noch 'ö' aussprechen können. Woran das liegt, wissen wir nicht. Und du musst immer daran denken, die Umlaute, wenn sie am Ende stehen und mit keinem weiteren Wort zusammengezogen werden können, schärfer zu betonen. Das klingt dann etwa so: „Kor wanangoriná? Noikalá Lumantí. Dandunor kostó?“

„Noikalaé Lumanti!“, sagte Margrit und tippte sich dabei an die Brust.
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„Sehr gut, Margrit!“ Georges Funktelefon klingelte und so wurde die kleine Nachhilfestunde unterbrochen. „Aber Renate, was hast du denn erwartet!“, schimpfte er, nachdem er für ein Weilchen zugehört hatte. „Das habe ich dir doch gleich gesagt. Du kannst mit denen nicht verhandeln. Die wollen immer alles vom Lebendigen. Verdammt, die Fahrt bis dort hin hättest du dir wirklich sparen können. Nimm den ganzen Kram wieder mit und versuche ihn woanders einzutauschen. Selbst Pomadenmaxe ist nicht so. Mutiger Kerl übrigens, denn der hält es noch immer in der Stadt aus. Wie? Ja, hast Recht! Ich schäme mich manchmal wirklich, dass ausge-rechnet diese Leute zu unserer Organisation gehört ha …“

George machte nun ein missmutiges Gesicht, weil Margrit ihn am Ärmel zupfte. Sie war sehr aufgeregt.

„He, George“, plapperte sie einfach dazwischen, „ich habe eben die neuesten Nachrichten der Hajeps abgehört und“, sie nahm die Kopfhörer von den Ohren, „das musst du dir unbedingt anhören.“

„Warte mal einen Moment, Renate“, knurrte George, immer noch verdrießlich, in das Funktelefon. „Margrit, ich glaube nicht, dass gerade du mit deinen geringen Kenntnissen ...“

„Darum sollst du es dir ja gerade anhören, George! Es ist immer wieder dasselbe Wort, was die Hajeps gebrau¬chen und sie sind dabei sehr aufgeregt. Eben sagte einer zum Beispiel: ‚Cronn mink ta agol!‘ Oder heißt das eher ‚Cronn minktaagol‘?“

Sie schloss nachdenklich die Augen und warf den Kopf zurück in den Nacken, während sich George die Kopfhö¬rer umlegte und lauschte. „Bei den zwei ersten Worten bin ich mir nicht sicher, aber ich meine, das letzte ganz deutlich als Agol verstanden zu haben!“, sagte sie. „Was könnte dieses Agol nur bedeuten, George?“

„Schscht!“, machte er. „Sei ruhig, sonst kann ich gar nichts verstehen. Ja, Renate, so warte doch noch einen Augenblick!“, schimpfte er in Richtung Funktelefon. Schließlich zuckte George die Schultern. „Keine Ahnung, was die Hajeps plötzlich haben. Vielleicht ist das ein riesiger Computer, ein zentrales Supergehirn sozusagen, oder ein wichtiger Stoff, den sie brauchen.“ Er gab Margrit die Kopfhörer zurück. „Ein Nahrungsmittel vielleicht oder .
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..”

Er kam mit seiner Aufzählung nicht zu Ende, da plötzlich hinter ihm die angelehnte Tür aufgerissen wurde. Das Stoppelgesicht dahinter wirkte völlig aufgelöst. „He, ihr beiden, ich hab' jetzt was für euch, das euch vom Hocker hauen wird!“

„Ja Kalle, ich weiß, es ist Mittagszeit und wir können endlich Schluss machen!“, murrte George, während er sich wieder seinem Funktelefon zuwendete. „Renate, weißt du was, ich glaube, du kannst das Zeug vielleicht an die Motten verhökern. Die haben womöglich solche Sachen noch nicht. Du fährst nur eine viertel Stunde und ... was? Wen haben Erkan und Wladislaw gerade gefunden?“

„Der ... der ignoriert mich einfach!“, empörte sich Karl bei Margrit.

„Hat ein wichtiges Gespräch, Karlchen. Du kannst mir ja mitteilen, was du zu sagen hast. He, lass mich raten! Du hast erfahren, dass die Hajeps in Wahrheit Echsen sind und zwar feuerspeiende, richtig?“

Karlchen grinste und schüttelte den Kopf.

„Na dann sind's eben Insekten!“, feixte Margrit weiter.

Wieder ein Kopfschütteln.

„Oder anderes blutsaugendes Getier! Endlich wissen wir's!”

„Ja und?“, empörte sich George indessen. „Aber Renate, selbst wenn dieser Kerl einer der letzten Überlebenden ist, schleppt den mir hier nicht an, Fieber hin, Fieber her!“ George wurde immer ärgerlicher, während er Renates Wortschwall lauschte. „Du brauchst ihn mir nicht zu beschreiben, Renate“, fauchte er. Dabei bemerkte Margrit, dass er nicht nur blass im Gesicht geworden war, sondern dass er auch einen ziemlich schuldbewussten Ausdruck angenommen hatte. „Mich interessiert der Kerl nicht!“, schimpfte er, trotzdem hörte er merkwürdigerweise weiter zu. „Ganz erhebliche Verletzungen? Was heißt hier, er tut euch Leid?“, keuchte er und wich dabei Margrits Blicken aus. „Ja und? Warum helfen? Lasst den Kerl liegen wo er ist. Sind wir denn Samariter?“

„He, George?“ Margrit zupfte ihn am Ärmel, doch er versuchte sie abzuschütteln. „Wen haben Renate, Erkan und Wladimir doch gleich gefunden? Wie heißt er?“



Ende

des zweiten Bandes
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Kommentare zur Story:

  Ich danke euch Evi und Marco für eure Zähigkeit. Ja, da bin ich wieder. Ich hatte zuviel um die Ohren, um noch weiter hier etwas zu veröffentlichen. Aber nun geht`s endlich weiter.  
   Palifin  -  15.07.18 15:26

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  immer noch sehr schön flüssig und spannend geschrieben. Ich bleibe dran.  
   Marco Polo  -  03.07.18 08:05

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  Aha, damit also konnte George dafür sorgen, dass Margrit von den Guerillas aufgenommen wurde. Gut, dass sie nun endlich auch von ihm so einiges mehr erfährt.  
   Evi Apfel  -  03.07.18 07:45

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Kommentar von "rosmarin" zu "lalalaisieren"

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