Amüsantes/Satirisches · Kurzgeschichten

Von:    Mike Bradfort      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 24. Februar 2016
Bei Webstories eingestellt: 24. Februar 2016
Anzahl gesehen: 718
Seiten: 9

Ich erinnere mich noch gut an einen Beichtvorfall, der sich vor einiger Zeit im Kirchraum abspielte.

Ich hatte damals um 10 Uhr morgens pünktlich die schwere Eichentür der Kirche geöffnet, als mir auch schon beim Eintreten ein herzzerreißendes lautes Jammern, Weinen und Schluchzen entgegenschlug. Die Quelle dieser Seelenpein war anscheinend eine männliche Gestalt fortgeschrittenen Alters, mit schwarz rot goldener Krawatte gekleidet in edlem Zwirn, welche mittig in der ersten Reihe der Kirchbänke, direkt vor dem Altarkreuz, niederkniete und das verweinte Gesicht hinter beiden zitternden Händen verbarg. Es ist nicht übertrieben, wenn ich hier bestätige, dass sich unterhalb dieser Gestalt schon eine mittlere Überschwemmung, ausgelöst durch deren ungehemmten Tränenfluss, gebildet hatte. Dem Bachverlauf nach musste diese Person schon seit geraumer Zeit hier flehend aktiv gewesen sein, denn das abfließende Tränenwasser hatte schon fast den Beichtstuhl erreicht. Immer wieder rief die Gestalt laut “Herr, bitte hilf! Oh je oh je, was soll nur werden?” aus.

Selbstverständlich wird in einer solchen Situation von einem Geistlichen verlangt, dass er sich sofort dem Gebot der Nächstenliebe unterwirft und Kontakt mit dem offensichtlich Verzweifelten aufnimmt, um Trost zu spenden.

Ich kletterte in die erste Sitzbank, watete durch den Tränenfluss in seine Richtung und setzte mich mit nun nassen Schuhen neben ihn.

Der Mann merkte dies natürlich, nahm die Hände herunter und drehte mir sein verweintes Gesicht zu.

Ich erschrak ein wenig, da ich diesen Mann sofort erkannte. Es war kein weniger als der Stadtkämmerer unserer Stadt (Krambach an der Mole), Dr. Felix Knauser, bekannt aus Funk, Fernsehen und Presse, der da neben mir mit dem Schicksal haderte und in Amtskreisen den Spitznamen “Stingy” hatte.



Pauli: „Äh.....Entschuldigung, wenn ich Sie in Ihrer Andacht störe, aber ich habe das Gefühl, dass Sie Hilfe brauchen Herr Dr. Knauser.”



Stingy (sich kurz die Tränen mit der Rückseite der rechten Hand abwischend): „Sie kennen mich Pater?”



Pauli: „Na ja, Sie sind ein durchaus in der Öffentlichkei bekannter Mann, auch wenn ich Sie hier in der Kirche noch nie persönlich gesehen habe.”



Stingy: „Ähhh das tut mir leid, ich hatte bisher wenig Zeit für Kirchgänge.
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Pauli: „Tja so ist das. Solange man keine Probleme hat, spielt die Religion eine Nebenrolle. Hat es die Menschen aber kräftig erwischt, füllen sich in Rekordzeit die Kirchbänke. ....Ich glaube, Sie hat es richtig erwischt, was?”



Stingy (laut aufschluchzend): „Ja, das kann man wohl sagen. Noch nie war die Lage so verzweifelt wie heute.”



Pauli (um einen einfühlsamen leisen Tonfall bemüht): „Was ist denn los? Was bringt einen Mann wie Sie so in Verzweiflung, dass er den Weg ins Haus des Herrn wiederfindet?”



Stingy (mit frustriertem verzweifeltem Tonfall): „Es ist das Chaos! Das reine Chaos! Das macht mich völlig fertig.Die totale Haushaltsanarchie.....es ....es ...ist einfach unerträglich, was hier abläuft.”



Pauli (spöttisch): „Das hört sich ja schlimm an, aber das ist doch schon fast der normale Zustand seit Jahrzehnten in dieser No Go Kommune.Aber deswegen hat doch noch nie ein Kämmerer geweint. ...........Gut, ich gebe zu, dass in der Vergangenheit schon mal einer Ihrer Vorgänger mit der Stadtkasse ins Ausland durchgebrannt ist, aber damit ist dieser damals nicht weit gekommen, da die so gut wie leer war. .........Und ein anderer, ich gebe zu, hier handelt es sich um ein trauriges Einzelschicksal, hat sich vor über einem Jahrzehnt aus Verzweiflung vom hohen Rathausdach in den Tod gestürzt....”



-- Ich bemerkte sofort, dass ich das wohl besser nicht erwähnt hätte, denn Stingy fing sofort wieder an zu weinen, als er das hörte --



Stingy (mit verweinter Stimme): „So!....So soll es nicht enden! Das möchte ich nicht! Nein! So nicht!”



Pauli: „Ja, aber was ist denn nun genau los? Wo liegt es denn im Argen?



Stingy (verzweifelt mit leicht verklärtem Gesichtseindruck in Richtung Altarkreuz schauend): „Wo es klemmt? Na überall! ....Es gibt nicht einen Lichtblick am Haushaltshorizont! Nicht einen!”



Pauli: „Ich verstehe. Das Übliche halt. Sie haben mal wieder Finanzierungsprobleme. Es ist nicht genug Geld da. Aber das ist doch auch nichts Neues. War doch schon immer so.
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Was sagt den der neue Bürgermeister Herr Hannibal Crassus dazu? Ich dachte, seine Fortschrittspartei hätte so tolle Ideen. Damit haben die doch immer vor der Wahl laut rumgetönt.”



Stingy: „Der hat mir direkt nach seiner Wahl unter Vier Augen gesagt, ich hätte 14 Tage Zeit das Finanzierungsloch des Stadthaushalts zu stopfen, sonst könnte ich meine Koffer packen. Er hätte da noch eine schöne Stelle im Tiefkeller des Stadtarchivs, im dritten Untergeschoss unterhalb des Rathauses, für mich offen.”



Pauli: „Das war aber nicht die feine Art so zu kommunizieren.”



Stingy: „Von wegen! Das ist heut zutage die normale Art miteinander zu sprechen. Friss oder stirb lautet seit der Wahl die Devise.Es geht knochenhart zur Sache.”



Pauli: „Und wo sind nun die Baustellen im Stadthaushalt?”



Stingy (leise und eindringlich im verschwörerischen Tonfall redend): „Jahre lang haben wir es immer wieder geschafft, ein Kostenloch auszuheben und mit dem Aushub dieses Loches ein anderes Finanzierungsloch zu stopfen. So ging es Jahre lang. Bis die Atomkraftwerke stillgelegt wurden und man auch noch zusätzlich aus der konventionellen Kraftstromproduktion ausstieg.”



Pauli (ungläubig): „Was haben die AKW denn mit dem Kram zu tun?”



Stingy: „Das kann ich Ihnen gerne sagen. Wir besitzen als Stadt “Krambach an der Mole” ca. 24 Prozent der Aktien des regionalen Energieversorgers “United Power and Stream AG” , kurz UPS-Joint-Stock. Diese UPS-JS hat uns seit mindestens 20 Jahren regelmäßig jährlich eine Dividende in Höhe von 1 Euro je Aktie ausgezahlt. Durch deren Umstrukturierungen auf dem Kraftwerksmarkt haben diese einen Abschreibungsbedarf von 2.000.000.000 Euro angemeldet und kurzerhand die Dividendenauszahlung für die nächsten drei Jahre gestrichen......Allein dadurch fehlt unserer Stadt dieses Jahr ein Geldzugang in Höhe von 20.000.000 Euro. Und das mal drei in den nächsten drei Jahren.”



Pauli: „...Allein dadurch?....Was kommt den noch?”



Stingy: „Das neue Fußballstadion, unter uns im Vertrauen gesagt, ein üppiges Wahlgeschenk an die fußballgegeisterten Bürger von “Krambach an der Mole”, an die treuen Fans eines Fußballvereins auf Abstiegsplatz 22 der vierten Liga, offenbarte sich noch während des Baus als Groschengrab.
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Die Baukosten summierten sich schnell auf über 40.000.000 Euro und das Stadion des Erfolgsvereins, auch noch Eigentum der Stadt, verschlingt nun zusätzlich 500.000 Euro Betriebskosten im Jahr, welche nun die Stadt regelmäßig aufbringen muss.”



Pauli: „Warum hat der Verein denn das Stadion nicht finanziert?”



Stingy: „Ja warum wohl Herr Pauli? Weil der Verein ständig kurz vor der Pleite steht. Der kann doch noch nicht einmal seinen Kostenanteil für die jährlichen Unterhaltungskosten aus den Spieleinnahmen selber decken. Der ist so pleite wie die Stadt selbst.Vierte Liga! Mehr brauche ich doch wohl nicht zu sagen!”



Pauli: „Ich entnehme Ihrem Tonfall, dass es noch mehr Probleme gibt.”



Stingy: „Das kann man wohl sagen. Da heben wir noch einen Verlust aus Darlehensgeschäften bzw. Wechselkursgeschäften der Stadt mit Schweizer Franken in Höhe von ca. 100.000.000 Euro.”



Pauli: „Auch das noch!”



Stingy: „Ja, auch das noch!”



Pauli: „Was kommt denn noch?”



Stingy: „50 Prozent unseres städtischen Straßennetzes ist nutzungsbedingt und witterungsbedingt beschädigt. Seit Jahren wird nur noch notdürftig geflickt und nicht mehr grundsaniert. Die geschätzten Investitionskosten betragen ca. 10.000.000 Euro je Jahr. Darin sind die maroden Brücken noch nicht enthalten. Die Kosten kommen auch noch hinzu.”



Pauli (schluckt laut): „Das ist ja entsetzlich!”



Stingy: „Ja, in der Tat, und es ist noch lange nicht Schluss. Da haben wir noch die neue Philharmonie.”



Pauli (ungläubig): „Nicht auch noch die Krambach-Elphi!?”



Stingy (mit engagierten Tonfall): „Doch! Da bauen wir jetzt schon seit fast 10 Jahren dran. Dieses bescheidene Gebäude sollte ursprünglich ca. 100.000.000 Euro kosten und der tatsächliche Bedarf liegt nach neuesten Schätzungen bei ca. 500.000.000 Euro. Diese Mehrkosten müssen wir auch irgendwo herholen und stemmen...Nur wo?...Ich weis es wirklich nicht.
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Zusätzlich hat sich nun noch der städtische Theaterverein bei uns gemeldet. Nebenbei, der zuständige Intendant ist der Schwager von Bürgermeister Hannibal Crassus persönlich. ......Noch irgendwelche Fragen Herr Pauli???......Na, dämmert es Ihnen hier schon?....Aber ich habe nichts gesagt!...Ja richtig, der will auch Geld von uns. Für notwendige Innenrenovierungen des VIP-Bereichs soll die Stadt einen Zuschuss von 500.000 Euro ausspucken. Täten wir das nicht, so wurde uns mitgeteilt, könnte der geordnete Spielbetrieb nicht mehr aufrechterhalten werden.....Ich fasse es ncht!....Ich fasse es wirklich nicht mehr!.... 500.000 Euro damit die städtische High Society, das Geldestablishment von “Krambach an der Mole” nach dem Genuss von etwas Revolutionsromantik a la “Les Misérables” angemessene Pausenräume findet, wo man seinen Champanger unter seines gleichen zu sich nehmen kann. .........Hier sei auch noch angemerkt, Herr Pauli, dass die VIP-Kunden einen um 50 Prozent reduzierten Eintrittspreis bezahlen, wenn die überhaupt mal was bezahlen. Kann natürlich auch sein, dass die Freikarten haben, die der Vorgänger von Crassus für kleine kommunale Gefälligkeiten im Bereich der städtischen Entsorgungsbetriebe zahlreich nach Gutdünken an diese verteilt hat. Und wissen Sie, wer der Manager der Entsorgungsbetriebe ist?”



Pauli: „Nee! Ich kümmere mich nicht um Müll. Das macht meine Haushälterin.”



Stingy: „Der dortige Manager ist der Neffe von Crassus.”



Pauli: „Also der übliche Filz! Und da meckern die alle über Griechenland.”



Stingy: „Ja! Das habe ich auch nie verstanden.”



Pauli: „Wie sieht es denn mit den Refugees-Kosten aus?”



Stingy: „Das ist die absolute Kosten Katastrophe für unsere Stadt! Mit allen hatten wir gerechnet, aber nicht mit dieser urplötzlichen zusätzlichen Kostenbelastung. Das können wir ohne Großzuschüsse vom Bund nicht stemmen. .....Das ist einfach zu viel.........”



-- An dieser Stelle brach es wieder aus dem Kämmerer schluchzend heraus. Die Tränen flossen wieder so sehr in Strömen, dass ich ein Papiertaschentuch aus meiner Soutane fischte und es ihm überreichte --



Pauli (voller Barmherzigkeit und Mitgefühl in der Stimme): „Ähhh.
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...tut mir leid, da habe ich wohl einen wunden Punkt angesprochen Dr. Knauser.”



Stingy (sich die Tränen mit dem Tuch abwischend): „Ist schon gut. Tut mir leid, dass ich immer wieder in Tränen ausbreche, aber vielleicht haben Sie ja eine Idee, wie wir an Steuereinnahmen rankommen?”



Pauli (nachdenkend den Kopf in den Nacken zurücklegend und im leisen verschwörerischen Tonfall): „Nun ja, also eins ist klar. Geld muss her. Die Frage ist nur wie und woher. ........Wie sieht es denn mit diesen CUM-EX-Trade Geschäften aus?



Stingy: „Dividendenstripping? Leerverkäufe?”



Pauli: „Ja. Aktien kurz vor dem Auszahlungstermin der Dividende schnell verkaufen und sofort nach der Dividendenausschüttung wieder zurückkaufen, oder so ähnlich. Soll bezüglich der Kapitalertragssteuer Erstattungen interessant sein.”



Stingy (ungläubig): „Und so etwas rät mir ein Geistlicher!? Geht absolut nicht mehr! Das ist juristisch mittlerweile höchst bedenklich, wenn nicht sogar illegal.”



Pauli: „Ich habe es ja nur gut gemeint....Hmm.....Dann hätten wir da noch Rückmietverkauf-Geschäfte, Cross-Border-Leasing, Sale-Lease-Back Verträge... Wäre das was?”



Stingy: „Solche Geschäfte sind aufgrund der labilen Mehrheitsverhältnisse politisch im Rat der Stadt nicht mehr realisierbar. Da kommt sofort das Protestschild der Opposition in der Presse hoch: UNSERE ABWASSERKANÄLE GEHÖREN UNS! KEIN VERKAUF VON TAFELSILBER!......Das können wir auch vergessen.”



Pauli: „Man könnte das Rathaus verkleinern. Wenn man statt 2-Personen-Büros 8-Personen Bürozimmer macht, könnte man die Gesamtnutzfläche verkleinern und was an den Raumkosten sparen.”



Stingy (laut auflachend): „Soll ich Ihnen mal dazu was erzählen, ganz unabhängig von der Allmacht des Personalrats, der sich sofort dagegen aussprechen würde und der Tatsache, dass die Ersparnis Peanuts wäre gegenüber dem Ausgang der nächsten Tarifrunde des öffentlichen Dienstes?”



Pauli: „Ja, legen Sie mal los.
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Stingy: „Kurz nach der Wahl von Crassus habe ich diesen “in flagranti” eines Morgens in meinem Büro erwischt. Ich kam zur Tür rein und sah den Bürgermeister höchstpersönlich mit einem Zollstock auf allen Vieren über den Fußboden meines Büros kriechen. Der hatte nämlich entdeckt, dass sein Bürgermeisterbüro 2 Quadratmeter kleiner als das Büro des Stadtkämmerers war. Und das ging nach seinen Aussagen überhaupt nicht. Ich habe diesem dann angeboten die Büros einfach zu tauschen. Dieses Angebot hat er sofort abgelehnt, da mein Büro eine schlechtere Aussicht auf die Innenstadt von “Krambach an der Mole” hätte. ......Das Ende vom Lied war, dass ein Innenarchitekt, welcher ein Cousin von Crassus ist, sein Bürgermeisterbüro für 25.000 Euro um 4 Quadratmeter erweiterte. ......Noch irgendwelche Fragen?....Also ich habe diesbezüglich keine mehr!”



Pauli: „Könnte man nicht die unzähligen Vereine, wie Karnevalsverein, Fußballvereine, Schützenverein und so weiter für ihre Aufmärsche und Veranstaltungen mehr zur Kasse bitten? Was ist mit der flächendeckenden Überwachung der Straßen durch mehr Radaranlagen? Auch eine Null-Toleranz-Strategie für Verkehrssünder wäre doch möglich und ohnehin längst überfällig. Mehr Knöllchen bringen doch mehr Geld. Was ist mit höheren Abgaben für Spielhöllen, Schausteller, Flohmarktbetreiber, dem horizontalen Lastergewerbe, Erhöhung der Abfallbeseitigungsgebühren, Niederschlagswassergebühren und Schmutzwassergebühren?"



Stingy (zustimmend nickend): „Also bei den Knöllchen im ruhendem Verkehr könnten wir unsere Einnahmen auf über 4.000.000 Euro jährlich locker steigern, wenn wir mehr Politessen einstellen. Das haben wir schon mal ausgerechnet und entspricht auch dem Willen von Crassus. Bei den Radarfallen haben wir das Problem des Vandalismus. Da fallen ständig Reparaturkosten an. Mehr Radarfallen führen zudem leicht zur Verärgerung des Wählers. Da müssen wir vorsichtig sein, da wir sonst bei der nächsten Wahl einen Denkzettel bekommen. Die müssen immer im Einzelnen verkehrspädagogisch begründet sein und nach außen hin der Verkehrserziehung dienen.
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Andernfalls würde das vom “einfachen Mann von der Straße” als Raubrittertum angesehen.........Wobei mir eine lustige Geschichte einfällt, was Vandalismus betrifft.....Im U-Bahn Bereich hatten wir mal einen Blindenplan, wo blinde Mitmenschen den Fahrplan an der Wand über eine Art Wandtapete in Blindenschrift ertasten konnten. ...Diese Tasttapete wurde so häufig mit Graffitis verschmiert, dass es der Stadt irgendwann kostenmäßig reichte. Die haben dann vor die Tasttapete eine Schutzglasscheibe angebracht....Eine plane Scheibe, das muss man sich mal vorstellen.Wie soll ein Blinder da noch was ertasten können?...Völlig bescheuert!! Tja, so läuft das hier ab!.......Aber um zurückzukommen, das mit den Vereinen vergessen Sie mal schnell wieder. Viele Vorsitzende von denen sind stadtpolitisch vernetzt. Da kennt einer den anderen und eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Weiterhin wird uns dann vorgeworfen, wir würden das gesunde Volksbrauchtum bekämpfen. Das wäre politisch zu brisant. Nebenbei, was würde der Schützenverein Ihrer Pfarre dazu sagen? Könnte sein, dass die Ehrengarde schnell gegen Pater Pauli den Säbel selbst zieht. Und bei Ihren anderen Vorschlägen müsste untersucht werden, ob der zusätzliche Verwaltungsaufwand nicht die Erträge sprengt. Nebenbei, nicht alle zusätzlichen Einnahmen landen auch direkt im Geldsack der Stadt. Bei der Besteuerung des horizontalen Gewerbes würden wir, wenn wir Steuerticketautomaten u.a. am Straßenstrich aufstellen, auf zusätzliche Einnahmen in Höhe von 30.000 Euro kommen, wenn die Dienstleisterinnen ehrlich sind. Wenn! Ob sich das unter Berücksichtigung der zusätzlichen Wartungskosten rechnet, ist fraglich.



Pauli: „Dann gehen wir eben an die Grundsteuer, den Bodenzins ran! Höherer Hebesatz für alle Eigentümer. Eigentum verpflichtet!”



Stingy: „Also eine höhere Gewerbesteuer geht nicht. Sonst wandern uns die Betriebe ab. Die Erhöhung der Grundsteuer B auf einen neuen Hebesatz von 800 % wäre durchführbar. Würde aber ordentlichen Ärger geben, das kann ich Ihnen flüstern. Und 800 % brauchen wir, damit wir halbwegs klarkommen und die Kommunalaufsicht zufrieden ist. Wobei “halbwegs klar kommen” nicht bedeutet, dass wir dann einen kostendeckenden Haushalt haben.
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Wir könnten dann nur genauso viel neue Schulden wie bereits geplant machen, ohne von gleich ganz oben Ärger zu bekommen.”



Pauli: „Okay! Höhere Grundsteuern haben wir schon mal. Was ist denn mit einer Citymaut oder Stadtmaut? Davon habe ich mal in London, Singapur und Oslo gehört. Jeder der in die Innenstadt fährt, muss einmal am Tag eine Gebühr dafür bezahlen.”



Stingy (plötzlich sehr interessiert): „Road-Pricing? Das wäre was. ...Das...das hat zudem den Vorteil, dass wir die ökologisch interessierte Opposition auf unserer Seite hätten. Da hätten wir eine klare Mehrheit bei der Abstimmung. Wir könnten zur elektronischen Erhebung der Innenstadtgebühr auch gleich das Cityführungssystem verwenden, welches bereits auf unzähligen Masten in der Stadt fertig installiert ist, aber seit 10 Jahren trotz hoher Kosten nur sinnlos verwaltet und gewartet wird, weil man damals Datenschutzbedenken hatte. Sollte das auch heute noch Probleme bereiten, dann geben wir einfach Stadtvignetten aus. Können die Leute sich dann an der Tankstelle kaufen oder alternativ zu Fuß laufen.”



Pauli: „Wie sieht es denn mit der zeitlich begrenzten Ausschaltung von Ampelanlagen und Fahrbahn- bzw. Straßenbeleuchtung in der Nacht aus? Das würde Strom sparen.”



Stingy (hat plötzlich wieder Farbe im Gesicht): „Pater Pauli, wir müssen immer auch die Schutzfunktion diesbezüglich im Auge behalten. Also viele Ampeln sind in der Nacht schon abgeschaltet. Bei der Abschaltung von Straßenbeleuchtung müssen wir die Verbrechensverhinderung im Auge behalten. Dunkle Straßen ziehen immer auch dunkle Gestalten an....Aber, Sie haben mir da tolle Vorschläge gemacht, die ich vielleicht realisieren kann. Ich weis gar nicht, wie ich Ihnen für dieses Gespräch danken kann.”



Pauli: „Ich wüsste da was.”



Stingy: „Und das wäre?”



Pauli: „So ein kleiner Zuschuss der Stadt für die Sanierung unseres Glockenturmes wäre echt toll. Wir haben da nämlich den Holzwurm im Gebälk. Der muss da raus.”



-- Ich merkte sofort, dass ich irgendetwas Falsches gesagt hatte, da Stingy mich mit großen ungläubigen Augen und halb offenen Mund fast 30 Sekunden wortlos anstarrte --



Stingy: „Ist das jetzt Ihr Ernst? Wollen auch Sie die Stadt anbetteln?”



Pauli: „Sie hatten doch was von Dank gesagt!?”



Stingy (schon wieder war deutlich zu sehen, dass ihm die Tränen der Verzweiflung in die Augen schossen): „Ähhhh.
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...hallo....wir haben kein Geld!! Auch nicht für die Kirche. Wir sind pleite! Pli pla pleite! Ich fasse es jetzt nicht. Da rede ich mir eine Stunde lang die Seele aus dem Leib, mit dem Erfolg, dass mich der Nächste anpumpt. Und dann noch mitten in der Kirche. Ich......ich.....gehe jetzt! Das ist zu viel! Einfach zu viel!”



-- Der Kämmerer rutschte daraufhin unter ständigem Kopfschütteln aus der Kirchenbank und verschwand durch die Kirchentür nach draußen, welche danach wieder mit dumpfen Klang ins Schloss fiel. Ich blieb noch ein paar Minuten vor dem Altarkreuz sitzen und verstand beim besten Willen nicht, was ich nun wieder falsch gemacht hatte. Diese Kämmerer sind schon komische Typen! --
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