Amüsantes/Satirisches · Kurzgeschichten

Von:    Mike Bradfort      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 14. Dezember 2015
Bei Webstories eingestellt: 14. Dezember 2015
Anzahl gesehen: 768
Seiten: 11

Eine der einträglichsten Möglichkeiten Geld für die Armen einzusammeln ist das organisieren einer Weihnachtslotterie.

In der Regel lässt man von der Pfarrdruckerei durchnummerierte Lose drucken, welche dann an die Gläubigen und/oder an Laufkundschaft verkauft werden.



Es begab sich, dass es Mitte November eines vergangenen Jahres mal wieder so weit war.

Vor dem damaligen Kirchgebäude hatten die Pfadfinder eine Losbude aufgebaut, aus der durch eine Verkaufsklappe heraus die Lose an Kirchbesucher und zufällig vorbeikommende Passanten verkauft wurden. Der Erlös der Verlosung sollte der Aktion "Viel Brot für Bedürftige mit wenig Geld" zugute kommen.



Um das ganze Vorhaben auf eine betriebswirtschaftlich solide Basis zu stellen, hatten wir sicherheitshalber eine Lotterieversicherung abgeschlossen. Diese trat für den Fall ein, dass bereits am Beginn der Losausgabe der Hauptgewinn gezogen wurde. Sollte dieses geschehen, war der Lotterieveranstalter gezwungen, dies direkt auch der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Ich glaube, es ist leicht verständlich, dass man ab diesem Zeitpunkt auf Aushängen nicht mehr mit dem Hauptgewinn werben konnte, da dieser ja bereits wissentlich vergeben war. Die Folge eines solchen Falles war, dass man den Rest der Lose wegwerfen konnte, weil dieser nicht mehr verkäuflich war. Auf Deutsch: Man handelte sich dadurch einen enormen finanziellen Verlust ein.

Als Hauptgewinn hatten wir in unserer Gemeinde eine 7-tägige Kreuzfahrt all-inklusive in einer Balkonkabine auf den Kanarischen Inseln ausgeschrieben.

Leider ereignete sich schon am Tag der Lotterieeröffnung der Worst Case.



Um ordentlich Werbung für unsere Verlosung zu machen, hatte sich der gesamte Gemeinderat inklusive meiner Person im Gemeindehaus versammelt, um im Blitzlichtgewitter der Pressefotografen symbolisch die ersten Lose zu kaufen. Die Lose wurden von uns medienwirksam jeweils aus der Lostrommel gezogen, kurz hochgehalten und dann, nachdem die Fotos geschossen waren, eingesteckt. Zum reinen Einstecken der gezogene Lose in die jeweilige Hosentasche, ohne diese vor laufenden Kameras zu öffnen, hatten wir uns entschieden um Schlagzeilen wie "Gemeinderat zieht Nieten" zu vermeiden. Wir gingen davon aus, dass dieses andernfalls geschäftsschädigende Auswirkungen auf den Verlauf der Lotterie haben könnte.
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Nachdem diese Veranstaltung beendet war, ging zunächst jeder erst einmal seines Weges.



Zu Hause im Pfarrhaus angekommen öffnete ich mein Los und wollte zunächst nicht glauben, was ich dort sah.

Auf dem Gewinnzettel stand tatsächlich: "Herzlichen Glückwunsch, Sie haben den Hauptgewinn gezogen. Bitte melden Sie sich beim Vorsitzenden des Gemeinderats Herr Peter Nietenbach Telefonnummer.....XY und nennen Sie diesen die Seriennummer 123999456 ."



Ich stürzte zum Telefon und wählte Nietenbachs Nummer.



Nietenbach: „Hallo! Apparat Peter Nietenbach."



Pauli (kleinlaut): „Ich bins der Pauli."



Nietenbach: „Ach Herr Pfarrer, was kann ich für Sie tun?"



Pauli: „Es ist etwas Entsetzliches geschehen."



Nietenbach: „Oh oh das hört sich nicht gut an, was ist denn vorgefallen?"



Pauli: „Ich habe den Hauptgewinn gezogen!"



Nietenbach: „Ähhh ich habe an sich keine Zeit für dumme Witze Herr Pauli."



Pauli: „Das ist kein Witz", die Seriennummer ist 123999456.



Nietenbach: „Moment ich prüfe das."



---Ich hörte, wie sich der Vorsitzende vom Telefon entfernte und anscheinend laut und hektisch in einem Ringbuchordner blätterte. Nachdem es einige Sekunden still war, kam Nietenbach an den Telefonhörer zurück ----



Nietenbach (völlig aufgebracht): „Das glaube ich doch wohl jetzt nicht. Die Nummer stimmt. Die ist geheim, und da sie mir diese genannt haben, müssen Sie tatsächlich die Kreuzfahrt gewonnen haben."



Pauli: „Und was jetzt?"



Nietenbach: „Das wird richtig Ärger geben, das ist ein Skandal. Niemand wird uns abnehmen, dass das Zufall war. Das darf auf keinen Fall an die Öffentlichkeit kommen und Herr Pauli, wissen Sie, was noch erschwerend hinzukommt?"



Pauli: „Nein!"



Nietenbach: „Die Lotterieausfallversicherung wird nichts zahlen.
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"



Pauli: „Wieso das denn?"



Nietenbach: „Da gibt es eine Vertragsklausel, welche besagt, dass nicht geleistet wird, wenn die Veranstalter der Lotterie selbst und deren direkte Angehörige den Ersten Preis selbst ziehen. ......Wissen Sie, was das bedeutet?"



Pauli: „Das wird ein finanzielles Fiasko. Wir bleiben auf den gesamten Kosten sitzen und haben uns noch in der Öffentlichkeit unsterblich blamiert."



Nietenbach: „Genau so ist es!"



--- Danach war es einige Zeit ruhig am Telefon, da jeder von uns nach einer Lösung suchte. Mann konnte nur an den schweren Atemgeräuschen des jeweilig anderen erkennen, dass „Holland in Not war" ---



Pauli (den Telefonhörer fest umklammert in der Hand haltend): „Herr Nietenbach, sind Sie noch dran? Haben Sie eine Idee?"



Nietenbach: „Wir müssen hier aufs Ganze gehen und die Sache durchziehen. Ich werde Ihnen nun sagen was wir machen und erwarte diesbezüglich Ihre absolute Diskretion!"



Pauli: „Ist doch klar! Ich stecke doch selber bis zum Hals mit drin. Was schlagen Sie vor?"



Nietenbach: „Sie müssen die Kreuzfahrt antreten Herr Pauli. Sie nehmen sich Urlaub, sagen keinem, wohin Sie fahren und ziehen die Sache sieben Tage lang durch."



Pauli (spöttisch): „Das ist aber eine ganz tolle Idee. Was sagen wir denn den Pressefritzen? Die wollen doch einen Namen hören."



Nietenbach: „Sobald die Lotterie beendet ist, warten wir die Meldefrist ab und geben dann bekannt, dass sich leider kein Gewinner gemeldet hat. Ganz einfach."



Pauli: „Ja aber ich muss im Reisebüro doch als Gewinner meine Reiseunterlagen abholen. Das fällt doch auf ."



Nietenbach: „Da fällt gar nichts auf, da wir das damals alles per Internet Online eingetütet haben. Es gibt da kein informiertes Reisebüro vor Ort, sondern nur den Reiseveranstalter irgendwo 700 km von uns entfernt mit seiner Homepage in einem Rechenzentrum. Der merkt überhaupt nichts, wenn Ihr Name in den Reiseunterlagen auftaucht. Das ist eine seelenlose Buchungsmaschine. Und das ist unser Glück!.
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....... Herr Pauli?"



Pauli: „Ja?"



Nietenbach: „Ich wünsche Ihnen eine angenehme Reise!"



--- So kam es, dass ich mich ca. 4 Wochen später am Flughafen wiederfand, um eine Kanaren-Kreuzfahrt anzutreten. Zunächst hatten mich wochenlang Gewissensbisse geplagt, aber dann war ich immer mehr zur Überzeugung gekommen, dass unser Herr im Himmel für meinen Gewinn gesorgt hatte. Einen Gewinn, welchen ich mir nach vielen Jahren der nicht immer ungefährlichen Missionstätigkeit wohl verdient hatte ----



Zum Abflug in Richtung Kreuzfahrthafen Gran Canaria fand ich mich rechtzeitig 4 Stunden vor dem Abflug im Flughafen ein. Ich hatte die Einscheckzeit bewusst großzügig geplant, da man ja nie wusste, wer mal wieder so alles am Airport streikt oder den allgemeinen Reiseverkehr aufhält.



Im Wartebereich fiel mir sofort ein älterer Herr durch seine Geschwätzigkeit auf. Dieser stand breitbeinig vor einer anderen sitzenden Person und hielt eine laute Volksrede. Es war offensichtlich, das dieser zu Hause wohl wenig zu Wort kam und dies nun alles in der Urlaubszeit kompensieren musste. Dieser Herr, der anscheinend viel zu erzählen, aber wenig zu sagen hatte, ging mir nach 20 Minuten schon ordentlich auf den Geist. Lautstark kommentierte er sich quer durch die Tagespolitik und erzählte jedem, ob der es hören wollte oder nicht, wie der die Dinge des Lebens sieht. Ich hoffte inständig, dass dieser im Flugzeug nicht neben mir saß.

Ich hatte Glück und im Clipper blieb ich von diesem Herrn verschont.



Ca. eine Stunde nach dem Start wurde von den Stewardessen ein Snack serviert. Es war eine 5 cm * 10 cm große Waffel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum zum Glück noch nicht abgelaufen war. Dazu wurde man fürstlich mit einem 0,1-Liter-Mineralwasser, auf Wunsch auch Cola ohne Kohlensäure, bewirtet. Ich hoffte inständig, dass dieser hohe Bewirtungsstandard spätestens mit Betreten des Kreuzfahrtschiffes sein Ende fand.



Ca. 2 Stunden nach dem Start spürte ich meine eigenen Beine nicht mehr. Diese fühlten sich aufgrund des üppigen Sitzabstandes zum Vordermann irgendwie abgestorben an. Es war erstaunlich, wie die Fluggesellschaften es immer wieder schafften, möglichst viele Reisenden auf möglichst kleinem Raum horizontal hintereinander zu stapeln.
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Eine ähnliche räumliche Enge hatte ich vor einigen Jahren schon einmal bei der Segnung einer Hühnerfarm gesehen. Hier handelte es sich um eine durchaus lobenswerte logistische Meisterleistung, deren Glanz nur ab und zu von ein paar Trombose Fällen getrübt wurde. Aber warum auch, so sinnierte ich damals, sollte es uns besser als den Hühner gehen. Schließlich sind wir doch alle demütige Diener und Geschöpfe des Herrn.



---- Ankunft GRAN CANARIA . Liegeplatz des Kreuzfahrtschiffes am Pier:28°08.37`Nord und 15°25.29`West --



Vor dem Schiff angekommen erfüllte mich ein Gefühl, wie es das von Noah gewesen sein muss, als er das erste Mal seine Arche in voller Pracht sah. Der Unterschied war nur, dass auf diesem Kreuzfahrtschiff keine lebenden Tiere beherbergt wurden, sondern nur deren Bestandteile, welche auch noch Medium serviert wurden.



Bevor ich ins Schiff eincheckte, überprüfte ich noch einmal, was die Heilige Schrift eigentlich zu diesem Stahlkoloss zu sagen hatte. Ich fand eine passenden Schriftquelle bei 1 Mose 6.14:



"Baue dir einen Kasten aus Tannenholz und mache dir Kammern darin und versehe ihn mit Pech inwendig und auswendig. Und baue ihn so: 300 Ellen sei die Länge, 50 Ellen die Weite und 30 Ellen die Höhe."



Ich erkannte schnell, dass es hier interessante Übereinstimmungen gab, wenn man diese Daten mal grob in unsere heutige Zeit überträgt. Also der Kreuzfahrtriese war geschätzt mindestens 300 Meter lang, gefühlte 50 Meter breit und mindestens 30 Meter hoch. Ich hoffte nur, dass ich bei einer solchen Häufung an Übereinstimmungen, nicht auch noch mit einer neuen Sintflut auf der Reise rechnen musste.



Das Einchecken ins Schiff verlief problemlos.

Die Koffer konnte man gleich im Transferbus lassen, da diese automatisch vom bienenfleißigen asiatischen Personal zur Kabine transportiert wurden. Man erhielt eine Bordscheckkarte, welche auch als Bordkreditkarte diente. Auch ein digitales Foto wurde von jedem Kreuzfahrer gemacht, damit die Schiffs Security diesen beim Ein-und Aussteigen einwandfrei optisch identifizieren konnte.

Ich konnte also gleich zu meiner Balkonkabine stiefeln, da diese schon bezugsfertig war.
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Die Kabine war sehr geräumig und an diese war eine Nasszelle angeschlossen, welche aus einem Mikro Klo mit einer kleinen Dusche bestand. Das gesamte Interiör dürfte alle denen ohnehin bekannt sein, welche gerne Urlaub im Caravan Anhänger machen.

Das Zimmer hatte einen großen Flachbildschirm über den man sein aktuelles Bordguthaben, das Fernsehprogramm, die Position des Schiffes und den üppigen Speiseplan der Restaurants abrufen konnte. Der Balkon war sehr groß und hatte sogar einen Aschenbecher auf dem Kunststofftisch, von dem die an Bord versammelte Raucherschaft reichlich Gebrauch machten. Wollte ein fanatischer Nichtraucher und Gesundheitsapostel auf seinem Balkon frische Seeluft schnappen, so konnte dieser durchaus auch Zeiten finden, an dem kein Tabakrauch seiner Nachbarn seine verwöhnte Nase belästigte. Gut, er musste schon ein wenig Geduld und Glück mitbringen. Aber alles in allem ging es.

Mehrere Male am Tag klopfte der Kabinenservice an der Tür, brachte neue Hand-und Badetücher und fragte, ob man noch einen Wunsch hätte.



Die kulinarische Versorgung der Reisenden war von sündhafter Vielfalt und gleichwohl einwandfrei.



So gab es zum Beispiel ein Fischspezialitäten Restaurant wo man Kirmesbratfisch mit Meereswürmern.....ähhh...ich meine natürlich Garnelen in Knoblauchsoße essen konnte. Dies alles und andere Speisen wurde liebevoll und geradezu köstlich vom Personal zubereitet und auch dann und wann zeitnah serviert.



In einem Buffet Restaurant gab es eine Eistheke mit 12 verschiedenen Eissorten, welche man sich individuell nach eigenem Geschmack zusammenstellen konnte. Das Ganze konnte man mit Sahne aus dem Automaten schmücken, wenn dieser nicht wieder einmal kaputt oder leer gegessen war. Auch hier galt "der frühe Vogel fängt den Wurm", was nichts anderes bedeutet, dass man schon täglich selbst sehen musste, frühzeitig einen Sitzplatz in den verschiedenen Restaurants zu bekommen. Täglich war es auch wichtig den eigenen Sitzplatz im Buffet Restaurant als "bereits besetzt" deutlich kenntlich zu machen. Ganz Schlaue legten in alter Strandsitte einfach ein Handtuch über den Stuhl.
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Ich hatte diesbezüglich wenig Erfahrung, sodass es an einem Abend geschah, dass ein paar Gäste aus dem süddeutschen Raum einfach meinen Teller und mein Besteck beiseite räumten und es sich am Achtertisch bequem machten, als ich mich von meinem Sitzplatz kurz entfernt hatte, um noch etwas vom Buffet nachzuholen. Hier zeigte sich einmal mehr, dass der allein reisende Kreuzfahrer auch dann und wann ein Einzelkämpfer sein muss, wenn er nicht Gefahr laufen möchte, von dreisten Reisegruppen vom Esstisch jederzeit ausquartiert zu werden.



Die Automaten in den Speisebereichen waren immer wieder für eine Überraschung gut. Wenn man diese verwenden wollte, kamen Getränke heraus oder auch nicht. Einmal beobachtete ich, wie eine mitreisende Dame mittleren Alters verzweifelt versuchte aus 5 Zapfventilen etwas trinkbares herauszuholen. Leider schlug der Versuch fehl, da aus allen Ventilen eine eklige grünliche Brühe drang, welche aussah, als hätte der Leibhaftige sich hier persönlich übergeben.

Natürlich eilten sofort zwei asiatische Servicekräfte herbei, welche sich wild gestikulierend auf den Automaten stürzten. Einer öffnete den Unterschrank unter der Zapfstation und kroch so tief in das dortige Gewirr an Kabeln und Schläuchen, dass nur noch seine zappelnde Beine herauslugten. Es sah wie ein Kampf um Leben und Tod aus.



Da die Reise in der Weihnachtszeit stattfand, war das Schiff festlich geschmückt worden. Überall standen Kunststofftannenbäume herum, welche unter der Last ihrer Kugelpracht zusammenzubrechen schienen. Frech grinsten einen vielerorts mannshohe Weihnachtsmänner an und in den Essbereichen waren zahlreiche große Jumboknusperhäuser aufgestellt worden. Vor diesen stand meistens ein Warnschild, welches darauf hinwies, dass das Knusperhäuschen nicht zum Verzehr geeignet wäre. Eine solche Warnung hatte durchaus ihren Sinn, da der durchschnittliche Kreuzfahrer, ähnlich wie die afrikanische Wanderheuschrecke, alles kahl frisst, was ihm so vor seinen Gaumen kommt. Dabei ist es vielen egal wie es aussieht. Es muss nur annähernd essbar aussehen. Schon die Heilige Schrift macht hier unter 2 Mose 10 deutlich :



".......so will ich morgen Heuschrecken kommen lassen an allen Orten, dass sie das Land bedecken" und bei Psalm 105.
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34 geht es weiter "....da kamen Heuschrecken und Käfer ohne Zahl. Und sie fraßen alles Gras in ihrem Lande und fraßen die Früchte..."



Überhaupt sind einige Kreuzfahrer seltene Vögel.



So wurde mir erzählt, dass bei Atlantiküberquerungen stets unzählige Reisende Serienfotos an der Stelle knipsen, an der die TITANIC versunken ist. Auf den Fotos kann man dann zwar nur Wellen sehen, aber wichtig ist es wahrscheinlich, dass man weis, dass das Schiff ca. 4 km tiefer am Meeresboden liegt.



---- Pier Marokko Agadir GPS: 30°25.75´Nord und 09° 38.72` West ---



In Marokko ankerten wir am Pier von Agadir.

Hier konnte ich leider wegen einer gesundheitlichen Unpässlichkeit nicht vom Schiff. Wahrscheinlich war dies eine kleine Nickeligkeit unseres Herrn, um sich für meinen Hauptgewinn zu rächen. Ich suchte deswegen eine Stelle im Schiff auf, welche einen großartigen Panoramablick über den Containerhafen bot, denn nichts ist schöner für einen Kreuzfahrer als andere bei der Arbeit zu beobachten, während man selbst eine Pina Colada schlürft. Dies ist auch keine Sünde, solange man sich dabei immer vor Augen hält, dass es vielen Menschen auf der Welt "im Moment" schlechter geht.



Es ist schon einmal interessant zu sehen, wie lange man dort teilweise benötigte, um einen simplen Seecontainer mit einem verrosteten Schwerlastkran vom Kai auf ein Schiff zu hieven. Häufig sah man einheimische Hafenarbeiter auf irgendwelchen Containerstapeln in schwindelerregender Höhe herumturnen. Falls der Kranführer einen Container mangels eigener Sicht einmal nicht richtig auf einem Schiff positionieren konnte, stieg einer der Arbeiter auf den Greifarm des Krans und ließ sich unangeschnallt Stuntman gleich mit dem Container durch die Luft zum Containerschiff transportieren. Über dem Schiff schwebend, in manchmal über 10 Meter Höhe angekommen, gab dieser dann dem Kranführer irgendwelche hektischen Zeichen.Es dürfte klar sein, dass man nach Arbeitssicherheit hier nicht weiter fragen musste.



--- Pier Lanzarote Arrecife GPS: 28°58.01`Nord und 13°31.95`West ----



---- „....Saufen, Fressen und dergleichen, ….
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..und sage noch zuvor, dass, die solches tun, werden das Reich Gottes nicht erben. Galater 6.21 ----



Hier kam es zu einem tragischen Unglücksfall.



Während des Abendessens meldete sich der Kapitän von der Brücke über die Bordlautsprecher und fragte nach, ob ein Priester an Bord sei. Natürlich eilte ich gleich zum nächsten Telefon und nahm Kontakt mit der Brücke auf. Ich wurde in eines der Buffet Restaurants gebeten, wo ein voluminöser Alleinreisender urplötzlich verstorben war. Man teilte mir mit, dass es sich um einen Stammgast handeln würde, welcher vom Personal respektlos den Spitznamen Porky bekommen hätte. Diese ca. 160 cm große, gefühlt 130 cm breite und ca. 160 kg schwere Person hatte anscheinend einen Herzinfarkt erlitten. Porky hatte sich, so wurde mir vor Ort berichtet, wohl gerade von den Schüsseln mit den fetten Hühnchenbollen zum Eisstand begeben, wo er sich 10 große Kugeln Eis bestellt hatte. Bei seinem Versuch, mit der Schöpfkelle auf das Eis zusätzlich noch eine gewaltige Portion Sahne zu schaufeln, hätte er noch einmal laut aufgegrunzt (ich zitiere hier wörtlich!) und sei dann vor der Eisbar zusammengebrochen.

Während ich die Letzte Ölung vornahm konnte ich deutlich erkennen, dass aus dem Mund des Verstorbenen noch der Endknochen eines Hühnchenbollen herausragte. Selbst während des Todeskampfes hielt er die Sahneschöpfkelle fest in der krampfhaft verschlossenen Hand.

Natürlich setzte ich mich mit seiner Frau in Deutschland sofort telefonisch in Verbindung. Diese, anscheinend eine dieser lebenden Gefrierschränke mit Parfümgeruch, reagierte wenig verwundert auf die Nachricht über den Tod ihres Ehegatten und kommentierte dies nur mit den Worten: „Das musste ja so kommen." Danach bat diese mich inständig ihren Ehemann im Rahmen einer Seebestattung noch auf hoher See zu beerdigen. Nur die Totenbescheinigung des Schiffsarztes sollte ich ihr bitte mit drei beglaubigten Kopien per Post zusenden. Mehr benötige sie nicht, denn es wäre ihr schon „alles peinlich genug und wie üblich blieb sämtlicher Schriftkram mal wieder an ihr hängen."

In Absprache mit der Schiffsleitung, welcher dieser Vorgang auch irgendwie unangenehm war, sollte Porky irgendwo zwischen Lanzarote und Teneriffa im offenen Meer seine letzte feuchte Ruhestätte finden.
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Aus Gründen der Diskretion hatten wir 2 Uhr nachts als Zeitpunkt der Beerdigung vorgesehen.

Ich will hier nicht übertreiben, aber 6 kräftige Matrosen waren notwendig um Porky, nach einer kurzen Andachtsfeier, über die Reling ins Meer zu hieven.

Drei Mal lies der Kapitän die Schiffshupe "zum letzten Geleit" noch in den frühen Morgenstunden erklingen, dann verschwand Porky auch schon mit einem lauten Platscher in den Fluten. An seiner Eintauchstelle wurde noch eine Warnboje installiert, damit zukünftig kein Schiff durch dieses neue menschliche Riff auf Grund lief. Die Boje erhielt, zur Mahnung und Warnung an alle Fressbesessenen das Hinweisschild PORKYS GRAVE.



Wobei wir bei der Frage angekommen wären, warum ich das alles erzähle.



Es geht hier um eine Todsünde! Und zwar um Völlerei!



Und die Strafen des Herrn sind diesbezüglich heftig. Porky hatte es am eigenen Leib erfahren müssen.

Es ist doch nicht normal, dass bei Kreuzfahrten Menschen, welche noch beim Antritt der Reise völlig gesund gewesen waren, am Ende der Reise einen Bauchrollator benötigen um ohne fremde Hilfe das Schiff überhaupt noch verlassen zu können.

Ich selbst versuchte diesem dionysisch lukullischen Prinzip zu entgehen, indem ich im Verlauf der Reise eine Teilverzichsdiät durchführte. Die tägliche Faustformel dafür war: 30 Prozent ordentliches Essen und 70 Prozent Dessert.



Doch zurück zu Lanzarote.



Die ganze Insel ähnelte einer Mondlandschaft. Zahlreiche erloschene Vulkane bildeten die Bergwelt der Insel. In La Geria wurde auf kargem Vulkangestein köstlichster Wein aus genügsamen Reben hergestellt. Neben kulinarischen Genüssen waren aber auch die optischen nicht zu verachten. Hierzu zählten die Höhlen Jameos del Agua und der Nationalpark Timanfaya.



---Teneriffa, Santa Cruz de Tenerife. Pier GPS:28°28.51`Nord und 16°14.36`West ----



Angekommen in Teneriffa warteten vielfältige Ausflugsmöglichkeiten auf die Kreuzfahrer.

So zum Beispiel der höchste Berg Spaniens, der Pico del Teide. Dieser ist sagenumwoben und auch in esoterischen Kreisen gut bekannt.
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Mit der Seilbahn kam man leider nicht ganz auf den Gipfel. Doch schon auf Höhe der obersten Bergstation riecht es schwefelig von den Gasen, welche dort vielerorts aus dem Berg entweichen, emporgestiegen aus dem Vulkanschlund, dem Höllenkamin des Satans.



---Gomera, San Sebastian da la Gomera. Pier GPS:28°04.96`Nord und 17°06.60`West ----



Während eines Ausflugs in die Stadt San Sebastian nahm ich an einer touristischen Straßenvorführung der Sprache EL SILBO teil. Diese Pfeifsprache ist uralt und wurde lange Zeit auf Gomera verwendet, damit sich die Bauern von Bergzipfel zu Bergzipfel anspruchsvoll unterhalten konnten. Eine junge Guanchin war in der Lage sämtliche Wörter, welche man ihr zurief, simultan in diese schrille Pfeifsprache zu übersetzen. Es ertönten Geräusche, welche ich in der Heimat bisher nur von Baugerüsten herunter gehört hatte, wenn unten eine gut aussehende Frau vorbeilief. Nun das bewies mir mal wieder, dass sich das kulturelle Niveau seit Jahrhunderten in den Köpfen vieler Menschen nicht geändert hat. San Sebastian wird von den Einheimischen auch deswegen hochgeschätzt, weil hier 1492 n.Chr. Columbus persönlich geankert haben soll. Sehr zu empfehlen ist hier auch ein Besuch des Garajonay Nationalparks.



In der Nacht ging es dann zurück nach Gran Canaria und von dort mit dem Flugzeug zurück nach Hause.

Eins hatte ich mir fest versprochen.

Im nächsten Jahr werde ich wieder ein Los kaufen. Dann aber erst zum zeitlichen Ende der Lotterie und dann auch nur über einen Strohmann, wenn bis zum Kauftag des Loses der Hauptgewinn noch nicht gezogen wurde.



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