SOM (Supermarkt der Barmherzigkeit) - LESEPROBE -   65

Amüsantes/Satirisches · Kurzgeschichten

Von:    Mike Bradfort      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 8. November 2015
Bei Webstories eingestellt: 8. November 2015
Anzahl gesehen: 664
Seiten: 5

Vor über einem Jahrzehnt bat mich mein Bischof ein Konzept zu entwickeln, welches die vom Bistum betriebenen vier Supermärkte meiner damaligen Gemeinde endlich aus den roten Zahlen heraus holen sollte.



Man hatte diese Märkte einst aus sozialen Gründen unter dem Akronym SOM (Supermarket of mercy) u. a. deswegen eröffnet, damit auch Familien in Arbeitslosigkeit und Leichtlohngruppen die Vielseitigkeit unseres irdischen Nahrungsangebots, wie Schwarzbrot, Margarine oder roten Tee, endlich einmal zu sozial vertretbaren Preisen genießen konnten.



Nach einiger Zeit des Geschäftsbetriebes hatte der Bistumsrechnungshof damals erkannt, dass man Waren mindestens zu einem kostendeckenden Preis zum Verkauf anbieten muss, was bei sämtlichen SOM-Märkten zu jener Zeit nicht der Fall war.



Auch das ständige „Anschreiben“ lassen durch permanent klamme Kunden konnte auf Dauer nicht so weiter gehen, da in vielen Märkten anscheinend nur Ware raus geschleppt wurde, ohne dass die „offenen Deckel“ je von den Konsumenten beglichen wurden. Verschärft wurde die Situation noch dadurch, dass säumige Schuldner teure Einkaufswagen reihenweise mit nach Hause nahmen und nicht wieder zum SOM zurückbrachten. Ganz Dreiste riefen von zu Hause, mit unterdrückter Telefonnummernanzeige, das örtlichen Pfarramt an und fragten nach, ob ein Messdiener den Einkaufswagen nicht wieder bei ihnen abholen könnte, da diese keine Zeit hätten dies selbst zu erledigen.



Zusätzlich wurden die SOM-Märkte regelmäßig von Einbrechern heimgesucht, welche kistenweise teure Spirituosen und None Food Artikel des Nachts mitgehen ließen.

Ein weiteres Verlustgeschäft ergab sich aus dem ausufernden Pfandflaschenbetrug.

Irgendwelche Rabauken hatten es spitz bekommen, dass man die Pfand-Leerflaschen-Rücknahmeautomaten aufgrund eines Programmfehlers austricksen konnte, indem man um den Flaschenhals eine dünne Kordel band, die Flasche auf dem Transportschlitten bis zum Etikettenscanner einfahren ließ, um diese dann, nach der Scannung und Pfandgutbuchung, mit einem Ruck wieder aus dem Einführloch herauszuziehen um wenig später die gleiche Flasche erneut einzuführen. Manche Pfandflaschen wurden so vierzig Mal vom betroffenen SOM mit Rückpfand vergütet.
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Kurzum, diese ganze soziale und gut gemeinte Idee der SOM-Märkte entpuppte sich damals schnell als eine sentimentale unwirtschaftliche Seifenblase.



Man muss es an dieser Stelle einmal sehr deutlich sagen, dass der Barmherzigkeit und Großzügigkeit unserer diesbezüglichen SOM-Initiative irgendwo auch betriebswirtschaftliche Grenzen gesetzt waren.

Wir konnten unsere SOM-Märkte nicht auf der Basis übertriebener himmlischer Mildtätigkeit in den Bereich der Schwarzen Zahlen zurückbringen, sondern nur auf Grundlage eines knallharten Geschäftsmanagements. Schließlich standen wir mit den SOM in ständiger Konkurrenz zu Mitbewerbern, welche uns mit Frequenzbringerartikeln, welche von diesen zu Dumpingpreisen angeboten wurden, das Leben zusätzlich schwer machten.



Obwohl betriebswirtschaftliches Basiswissen meinerseits vorhanden war, beschloss ich sicherheitshalber eine Unternehmensberatung einzuschalten.



Die renommierte Unternehmensberatung Firma Galgenbaum & Partner, welche mir schon in der Vergangenheit gute Dienste geleistet hatte, empfahl mir, ihre Tochterfirma Nugget International S.a. diesbezüglich zu konsultieren, da diese sich auf die Probleme von Einzelhandelsgeschäften spezialisiert hatte. Diese beauftragte sogleich ihren Star-Advisor Dr. Felix Prate, welchen ich aus Gründen der Diskretion, wie üblich in solchen Dingen, im Beichtstuhl konspirativ empfing.



Dr. Prate (nachdem er auf dem Büßerstuhl Platz genommen hatte): „Guten Tag Herr Paulus, schön haben Sie es hier in Ihrer Kirche. Alles sehr geschmackvoll gestaltet und dekoriert.“



Paulus: „Nun, man tut was man kann Herr Dr. Prate. Haben Sie gut hierher gefunden?“



Dr. Prate: „Ich habe nur 60 Minuten im Stau gestanden. Da kann man nicht meckern. Man hat mir gesagt, dass Sie Hilfe bei einigen SOM-Märkten benötigen. Wo drückt der Schuh?“



Paulus: „Der Schuh drückt nicht nur, der quetscht mittlerweile schmerzhaft die Zehen ein und die Schuhsohlen sind auch schon abgelaufen. Kurzum wir haben echte Probleme die SOM-Märkte noch am Leben zu halten und da haben wir uns gedacht, dass Sie uns vielleicht helfen könnten.
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Dr. Prate: „Helfen ist unser Geschäft Herr Paulus. Ich habe mich natürlich im Vorfeld schon etwas in die Materie eingelesen und recherchiert. Dabei habe ich festgestellt, dass in unmittelbarer Nähe Ihrer SOM Geschäfte zahlreiche Mitbewerber ansässig sind, was die Sanierungsproblematik nicht gerade erleichtert. …....... Wussten Sie zum Beispiel, dass zwei Ihrer Konkurrenten Ihre Verkaufsfilialen auf Grundstücken gebaut haben, welche denen von Ihrer Kirche vor Jahrzehnten zur Pacht angeboten wurden?“



Paulus (erstaunt): „Nein, das ist mir neu! Wollen Sie damit sagen, dass wir die Nattern, welche SOM aktuell bedrohen selbst eingeladen haben?“



Dr. Prate: „Eine Recherche meinerseits im Internet auf der Homepage des örtlich für diese, wie Sie sagen „Nattern“, zuständigen Gerichts hat ergeben, dass die Märkte zweier Konkurrenten auf Grundstücken stehen, welche laut Grundbuch Eigentum der Kirche sind. ….........Wenn wir mal davon ausgehen, dass so ein Pachtvertrag mit denen für vielleicht über eine Laufzeit von 10 bis 20 Jahren abgeschlossen wurde, dann müsste dieser eigentlich zurzeit zur Verlängerung anstehen. …..Und davon wurden Sie von Ihren Vorgesetzten nicht informiert?“



Paulus: „Nun, die Informationspolitik meiner vorgesetzten Stellen war für mich schon immer oft nicht nachvollziehbar. …..Diesen müsste doch schon längst ein Antrag auf Verlängerung der Pachtverträge vorliegen. …..Hmmmmm, es ist mir völlig unverständlich, warum ich über diese wichtige Tatsache nicht informiert wurde, Herr Dr. Prate.“



Dr. Prate (in verschwörerischen Tonfall): „Solche Kommunikationsrätsel haben unserer Erfahrung nach oft leicht nachvollziehbare Gründe, welche ich Ihnen gerne erläutere, wenn Sie mir Ihre diesbezügliche Verschwiegenheit gegenüber Ihren Vorgesetzten zusichern. …...Ich bitte hier um Verständnis für meinen Diskretionswunsch, da meine Arbeit ja eigentlich von Ihren Vorgesetzten im Endeffekt bezahlt wird.“



Paulus: „Selbstverständlich bleibt alles das, was wir hier im Beichtstuhl besprechen unter uns. Sozusagen garantiert durch das Beichtgeheimnis.“



Dr. Prate: „Gut Herr Pfarrer. Haben Sie sich schon einmal überlegt, was geschieht, wenn wir mit unseren Sanierungsbemühungen bezüglich der SOM Filialen scheitern?“



Paulus: „Na klar, dann können wir die Läden dichtmachen.
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Dr. Prate: „Das wissen Ihre Vorgesetzten auch und dadurch liegt es auf der Hand, dass diese sich ein zweites Eisen im Feuer halten.“



Paulus: „Und das wäre?“



Dr. Prate: „Wenn es für diese kein Geld mehr aus SOM gibt, dann gibt es alternativ aber noch Erträge aus der Verlängerung der Verpachtung der Grundstücke an die Mitbewerber.“



Paulus: „Das würde ja bedeuten, dass die mir nicht hundert prozentig zutrauen, dass ich diesen Sanierungsfall auch geregelt bekomme?“



Dr. Prate: „Ich glaube, so könnte man es ausdrücken. …..Aber machen Sie sich mal keine Sorge Herr Paulus, dass bekommen wir alles schon geregelt!“



Paulus: „Wie sieht Ihr Konzept aus?“



Dr. Prate: „Also als Erstes ist klar, dass die Pachtverträge der Konkurrenten nicht verlängert werden dürfen. Sollte dies doch geschehen, brauchen wir uns hier nicht weiter zu unterhalten, da diese örtlichen Mitbewerber Filialen riesiger Handelsketten sind, welche durch ihre enorme Nachfragemacht Preise bei den Zulieferern durchsetzen können, die für unsere SOM Märkte nicht erreichbar sind. Es ist eben ein Unterschied, ob ich bei einem Zulieferer pro Tag 100 Margarinepackungen anfordere oder 10.000. Die haben Einkaufspreise von denen SOM nur träumen kann. Und durch diese geringen Beschaffungskosten können die natürlich auch wesentlich höhere Gewinnspannen realisieren. .........zusätzlich kommt hinzu, dass diese hohen Gewinnspannen zur Quersubventionierung von Frequenzbringerartikeln verwendet werden.“



Paulus: „Frequenzbringer? Was ist das denn?“



Dr. Prate: „Das ist das, was ihre SOM Märkte nicht haben. Und warum haben diese so etwas nicht? Weil sich die einzelne SOM Filiale diese nicht leisten kann, da die Gewinnspannen der anderen Artikel im SOM zur Quersubventionierung nicht reichen. ….Es ist ein Teufelskreis. Aber zurück zu ihrer Frage. Frequenzbringer sind Artikel wie z. B. Bananen. Diese Artikel werden unterhalb des Selbstkostenpreises oft nur deswegen zum Verkauf angeboten, damit Kunden dadurch angelockt werden.
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Man geht davon aus, dass derjenige welcher sich dort Bananen kauft, gleich, eventuell auch spontan, andere Artikel aus den Regalen greift, die der Mitbewerber in seiner Preisgestaltung dann mit Gewinn an den Konsumenten verkaufen kann. Ich habe mir mal zwei SOM Filialen angesehen Herr Paulus und dabei festgestellt, dass solche Frequenzbringer bei Ihnen gar nicht vorhanden sind.

Das geht nicht! Daran müssen wir sofort etwas ändern! Mit dem Angebot von eisernen Kruzifixen mit kleinen Weihwasserbehältern aus Glas unter dem Kreuz kommen wir nicht weit. Das würde vielleicht in Wallfahrtsort Lourdes funktionieren, aber nicht an den Standorten der SOM.“



Paulus (kopfschüttelnd): „Frequenzbringer hin, Frequenzbringer her. Wir können als kirchliche Verkaufsinstitution bei den SOM nicht völlig auf unseren missionarischen Auftrag und auf ein damit verbundenes Warenangebot verzichten! Diese Dinge müssen weiter im Programm bleiben. Dazu verpflichtet uns schon die Solidarität mit den vielen Behindertenwerkstätten, welche uns diese Devotionalien liefern!“



Dr. Prate (im beschwichtigenden Tonfall): „Die können ja weiter im Angebot bleiben, aber wir müssen das Gesamtangebot inklusive sämtlicher Aspekte, welche heutzutage in dieser Branche verkaufsentscheidend sind, überprüfen und notfalls neu gestalten. Dies gilt auch für die Innenarchitektur und die gesamte innere und äußere Verkaufsatmosphäre, in der sich der Konsument im SOM befindet. Erst wenn wir es schaffen dort ein Einkaufsklima zu generieren, was dazu führt, dass der Käufer im SOM Dinge kauft, welche er gar nicht benötigt, sind wir wieder auf der Erfolgsspur. Denn Herr Paulus, ein Kunde, welcher nur das kauft, was er unbedingt zum Leben gerade braucht, ist ein Kunde, an dem wir nicht ausreichend viel verdienen können. Das bedeutet, dass wir durch gezielte Maßnahmen z. B. so viele Frauen mit Kindern wie möglich in die Läden locken müssen, da wir vom Konsumverhalten alleinstehender Junggesellen keinen profitablen Geschäftsbetrieb erhalten. Oder um es knallhart auszudrücken. Derjenige der nur das Notwendigste kauft ist für uns zukünftig uninteressant. …....Wussten Sie eigentlich, dass Frauen dreifach so viel Zeit im Supermarkt verbringen, wenn diese nicht von einer männlichen Verkaufsbremse begleitet werden? Und das gilt nicht nur für Supermärkte! Nicht umsonst stellen viele Modehäuser und Bekleidungsgeschäfte bequeme Ledersessel in den Frauenabteilungen auf, damit die Frauen dort ihre nervigen Männer parken können.
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