Blutmond - Karms Reise -33-   61

Fantastisches · Romane/Serien

Von:    Tis-Anariel      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 22. Oktober 2012
Bei Webstories eingestellt: 22. Oktober 2012
Anzahl gesehen: 1077
Seiten: 9

Diese Story ist Teil einer Reihe.

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   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


Mit schnellen Schritten bewegte sich die Frau mit der schwarzen Halbmaske vor dem Gesicht tiefer in die Gewölbe unter dem schwarzem Turm hinab, dorthin, wo die Schlafgemächer der neun Meister lagen. Den Kerkermeister hatte sie wieder zurück zu dem Gefangen geschickt, mit der Anweisung den Kerl erst einmal in eine warme Decke zu hüllen. Zuerst wollte sie wissen, was der oberste Meister noch mit dem Jungen vorhatte, bevor sie ihre Heilkünste an einen womöglich bereits Todgeweihten vergeudete. Vor der schwarzen Tür, die zu den Räumen des obersten Meisters führte, hielt sie inne und lauschte kurz, dann jedoch klopfte sie ohne Umschweife. Als nach einigem Warten keine Antwort erklang, klopft sie erneut und horchte wieder. Diesmal kam eine Antwort aus dem inneren des Raumes und einige Momente später öffnete ihr der oberste Meister höchstpersönlich die Tür. Der Mann, diesmal ohne die obligatorische Maske, sah etwas verschlafen und müde aus. Ganz offensichtlich hatte sie ihn tatsächlich gerade aus dem Bett geholt. Sie schenkte ihm ein kurzes, schmales Lächeln. Erntete dafür aber nur hochgezogene Augenbrauen.

“Marelihs,” meinte er müde und sprach sie tatsächlich einmal mit ihrem Namen an, “gibt es einen bestimmten Grund, weswegen du mich weckst?”

“Entschuldige Kardric, “ antwortet sie, “aber es geht um dein neuestes Spielzeug. Der Kerkermeister hat mich gerade darüber informiert, dass er den Jungen mit hohem Fieber aufgefunden hat. Ich habe ihn erst einmal zurückgeschickt und veranlasst, dass er den Gefangen in eine warme Decke hüllt. Da ich aber nicht weiß, was du mit dem Kerl noch alles vor hast, wollte ich dir erst bescheid sagen und mich erkundigen, ob ich meine Heilkünste überhaupt auf ihn anwenden soll.”

Nun erntete sie einen überraschten und diesmal sehr viel wacheren Blick ihres Gegenübers. Er bedeutete ihr einzutreten und schloss die Tür hinter ihnen.

“Fieber, sagst du?”

Sie nickte nur. Er bedeutete ihr, sich bei der nahen Sitzgruppe niederzulassen und setzte sich ihr gegenüber an den kleinen Tisch. Kardrics Stirn hatte sich in Falten gelegt. Er schien nachzudenken.

Marelihs betrachtete den Mann aufmerksam. Er sah wirklich müde aus. Dunkle Kräften zehrten den Körper immer stärker aus, als lichte Macht und bei Kardric zeigte sich das nun so langsam.
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Gut er war einer der ältesten und mächtigesten von ihnen und hatte schon immer feine Fältchen um die Augen gehabt, aber in letzter Zeit sah er wirklich verhärmt und mager aus. Er hatte auch schon immer graue Strähnen im hellbraunen, kurzen Haar gehabt, aber auch diese schienen mehr geworden zu sein. Dunkle Schatten hatten sich um seine ebenfalls braunen Augen herum gebildet. Wenn man den obersten Meister so sah, ganz ohne die Maske und den roten Umhang, dann konnte man leicht den Fehler begehen und ihn für gewöhnlich halten. Ein Fehler, der einem das Leben kosten konnte, wenn man Glück hatte.

Marelihs, die zur Hälfte von den Albaelih abstammte und nicht nur die spitzen Ohren, sondern auch die hübschen Gesichtzüge dieser Rasse geerbt hatte, war kaum älter als der oberste Meister. Mit ihrem langen, rabenschwarzen Haar, den scharfen Gesichtzügen und den dunklen, fast schwarzen Augen, sah sie ausnehmend gut aus. Zudem war sie sehr viel kurviger, als es bei Albaelih üblich war, was sie dem Erbe ihrer Mutter, einer Menschenfrau, zu verdanken hatte. Noch sah man ihr kaum an, dass sie sich der dunklen Seite der Magie hingegeben hatte. Ihre Lippen waren schmaler geworden und ihre Gesichtzüge wirkten härter, als noch vor einigen Jahre, aber mehr Zeichen gab es noch nicht. Marelihs bewunderte den Menschen Kardric, der es mithilfe seiner Magie geschafft hatte, schon so viel älter zu werden, als jeder andere Mensch. Vor allem bewunderte sie aber seine Hingabe zur schwarzen Seite, seine Begabung dafür und die große Macht, die er so leicht zu handhaben schien. Auf seine Weise war er ein Genie und zugleich ein Wahnsinniger. Er liebte es, anderen Schmerzen zu bereiten und noch mehr liebte er es, den Geist anderer vernunftbegabter Wesen zu zerbrechen und sie zu willigen Untergebenen und Sklaven umzuerziehen. Manchmal fragte sie sich, wie viele Wesen er zu Tode gequält hatte um all diese Techniken zu erlernen, die er dafür einsetzte. Er war wahrhaftig böse, zumindest empfand sie das so und genau das zog sie auch an. Etwa so wie eine Motte von der Flamme angezogen wurde.



“Marelihs?”

Die Frau blinzelte überrascht und bemerkte erst jetzt, dass sie mit ihren Gedanken abgeschweift war. Sie lächelte den obersten Meister kurz an.

“Entschuldige, ich war gerade ein wenig abgelenkt.
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Was hast du gesagt?”

Kardric schüttelte über sie den Kopf und zog die Augenbrauen hoch. Sein leicht belustigter Gesichtsausdruck beruhigte sie jedoch. Der oberste Meister war ihr offenbar nicht böse deswegen.

“Na das habe ich gemerkt,” meinte er leise lachend, “ich meinte gerade, dass ich diesen Gefangenen am Leben erhalten möchte. Erstens verbirgt sich noch einiges an Wissen in seinem Kopf und zweitens will ich versuchen ihn zu zerbrechen und umzuerziehen. Es wäre schade um die Fähigkeiten, die er als vollausgebildeter Albaelihkrieger hat. Hast du denn ein freies Bett für ihn in der Krankenstube?”

Die Frau nickte langsam. Das leuchtete ihr ein und es bot zudem noch weitere Möglichkeiten.

“Ja,” antwortete sie schließlich, “ich glaube ich habe was passendes mit den nötigen Fesseln und außerdem können wir ihn in der hinteren, kleinen Kammer unterbringen. Das Fenster dort ist zu klein um zu entkommen und die Tür lässt sich verschließen.”

“Gut, veranlasse bitte, dass der Gefangene dorthin gebracht wird,” befahl der oberste Meister mit ruhiger Stimme, “ich ziehe mir etwas über und komme dann direkt zur Krankenstube. Ich will ihn mir selber auch noch einmal ansehen.”

Marelihs nickte zustimmend.

“Ich werde alles nötige veranlassen.”

Sie verbeugte sich vor dem obersten Meister und verlies schnellen Schrittes seine Gemächer. Kardric sah ihr hinterher und lächelte über ihre schwingenden Hüften. Sie war schon sehr verführerisch und sie wusste natürlich auch genau, wie sie das einsetzen konnte. Was Marelihs aber so wertvoll machte, war die Tatsache, dass trotz ihrer Hingabe zu den finsteren Mächten ihre Heilkunst nicht darunter gelitten hatte. Soweit er wusste, war sie damit eine kleine Ausnahme und es bedeutete, dass sie immer noch Zugriff auf lichte Gaben hatte, diese aber zum Nutzen der Finsternis zu gebrauchen wusste.

Der oberste Meister gestattete sich ein kurzes Grinsen, dann jedoch wandte er sich ab und griff nach seiner Kleidung und der Maske. Fieber war nicht gut bei jemanden, der gefoltert worden war. Noch bedrohlicher wurde es bei jemanden, der gerade eine geistige Sondierung durch einen Dschan überstanden hatte. Dann konnte das durchaus tödlich ausgehen.
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Die Krankenstube lag im Erdgeschoß des Turmes und zwar an der Außenmauer gegenüber des großen Eingangtores. Gleich rechts daneben gab es einen Lagerraum für Kräuter, eine kleine Kleiderkammer , einen weiteren Lagerraum für Salz und Gewürze und die große Küche, die einen eigenen Zugang von Außen hatte. Verließ man die Küche durch diese Tür, dann gelangte man hinter dem Turm ohne große Umwege zu dem dort befindlichen Lager und dem Stall. Links neben der Krankenstube befanden sich die Schlafräume der Turmeigenen Wachen.

Als der oberste Meister die Stube erreichte, befand sich der Gefangene schon dort und die Meisterin Marelihs beaufsichtigte gerade zwei Dienerinnen, die den jungen Mann mit feuchten Lappen grob säuberten. Bereits auf den ersten Blick erkannte der Meister, dass es um den Albaelih wirklich nicht gut stand. Schweiß perlte auf seiner Stirn, während er gleichzeitig zitterte, als wäre ihm kalt. Er bewegte sich schwach, aber unruhig und hin und wieder floh ihm ein leiser Laut über die aufgesprungen Lippen. Kardric nahm an, dass der junge Mann träumte und dem Ausdruck auf seinem Gesicht nach zu schließen, waren es keine schöne träume, die ihm das Fieber bescherte.

Nachdem der Gefangene einigermaßen sauber und mit breiten Ledergurten an das Bett gefesselt war, verschwanden die Dienerinnen aus dem Raum, ihre Schritte waren hastig und ihre Köpfe blieben gesenkt. Erst als die beiden Frauen aus dem Raum heraus waren trat der oberste Meister zu dem Kranken hin und musterte ihn gründlich. Währendessen untersuchte die Meisterin Marelihs den jungen Mann genau und tastete dabei auch Hals, Glieder und den Bauch des Gefangenen ab. Letzteres entlockte ihm ein lautes Söhnen und ließ ihn halbwegs erwachen. Am Schluss nahm sie auch die Fußsohlen, in denen noch immer die Nägel steckten unter die Lupe. Ein vorsichtiges Drücken neben einen dieser Spieße ließ leicht gelbliches Sekret aus der Wunde sickern. Außerdem zuckte der Gefangene zusammen und gab ein leises Wimmern von sich. Die Magierin beugte sich daraufhin über ihn und musterte seine halbgeöffneten Augen aufmerksam. So wirklich klar bei Bewusstsein war der junge Mann nicht, aber er verspürte in diesem Zustand Schmerzen.
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Es war also ganz gut, dass er bereits an das Bett gefesselt war. Kurz fragte sich die Meisterin, wie viel von dem, was um ihn herum geschah, er wirklich wahrnahm und wie vieles wohl in seinem fieberbedingten Träumen und Halluzinationen unterging. Schließlich nickte sie und wandte sich dem obersten Meister zu.

“Also, er hat eine allgemeine Infektion, vermutlich in den Atemwegen, aber dieser Fieberschub wurde davon nicht ausgelöst. Die foranischen Fußnägel haben sich offenbar bereits leicht entzündet, das könnte unter anderem für diese Krankheit verantwortlich sein. Womöglich hat er sich so eine leichte Blutvergiftung eingefangen. Aber er hat auch etwas am Magen, zumindest ist er dort druckempfindlich. Laut dem Kerkermeister hat er heute zum ersten Mal das Essen angerührt. Es kann sein dass er es nicht ganz vertragen hat. Es könnte sogar eine leichte Lebensmittelvergiftung sein. Womöglich hat er auch auf dem Stroh oder etwas anderem herumgekaut.”

Sie wandte ihren Blick wieder dem Gefangen zu und musterte ihn noch einmal kurz.

“Ich denke,” fuhr sie fort, “das es wohl alles zusammen ist und das geistige eindringen Sotans oder der Blutwein oder vielleicht sogar beides zusammen hat ihm den Rest gegeben.”

Der oberste Meister nickte nachdenklich. Er vertraute in diesem Fall auf das Fachwissen der Frau.

“Das kann durchaus sein,” antwortete er ,”ich vertraue da deinem Wissen auf diesem Gebiet. Und, bekommst du ihn wieder auf die Beine?”

Die Meisterin nickte nun ebenfalls leicht.

“Ich denke schon,” meinte sie langsam, “vorausgesetzt ich bekomme ihn dazu, den Kräutertrank, den ich ihm bereiten werde, zu schlucken. Außerdem sollten wir noch einmal seine Wunden versorgen.”

Sie warf dem obersten Meister einen vorsichtigen Blick zu.

“Es wäre natürlich auch vorteilhaft, wenn du ihn von den Nägel befreien würdest, damit ich auch die beginnenden Entzündungen an seinen Füßen behandeln kann.”

Kardric gab ein nachdenkliches Geräusch von sich und musterte den Gefangen mit einem seltsamen Blick, dann jedoch nickte er wieder.

“Ich stimme dir zu.” Die Stimme des Meisters klang kühl und ernst. “Am besten rufst du zwei Wachen herein, die helfen ihn festzuhalten. Denn das wird weh tun und er wird sich trotz seines Zustandes bestimmt heftig wehren.
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Wenig später bäumte sich der junge Albaelih schreiend und wimmernd in den Gurten auf, die ihn auf dem Bett hielten und die beiden dazu gerufenen Wächter hatten alle Hände voll zu tun, ihn einigermaßen ruhig zu halten. Unter anderen Umständen hätte es der oberste Meister vielleicht genossen, jemanden solchen Schmerz zuzufügen, in dieser Situation jedoch war es eher ärgerlich.

In foranischen Fußnägeln gab es immer einen verborgenen Mechanismus, mit dem die Widerhacken an der Spitze praktischer Weise in den Nagel hineingeklappt werden konnten. So konnte man dann die Spieße bequem und ohne große Schaden anzurichten herausziehen. Bei vielen konnte man diesen Mechanismus mit einem kleinen, individuellen Schlüssel auslösen, bei andren Modellen jedoch durch einen bestimmten, ebenso individuellen magischen Spruch. Die Nägel, die er benutzte, wurden allesamt magisch ausgelöst. Das fand er nicht nur bequemer, sondern so konnte nur er, oder jene Magier, die den speziellen Spruch kannten, die Nägel auf diese Weise entfernen.

Auf den Foraneinseln wurden sie als Strafmaßnahme bei Verbrechern genutzt. Forane ging sowieso nicht freundlich mit Leuten um, die gegen das allgemeine Recht verstießen. Zugleich jedoch wurde sichergestellt, dass der Bestrafte nicht nur überlebte, sondern auch noch fähig war zu arbeiten, denn Verbrecher wurden auf dieser Inselkette zu Zwangsarbeit verurteilt. Einem Dieb zum Beispiel wurde also nicht gleich die ganze Hand abgehackt, sondern nur die beiden Mittelfinger. Das war auch ausgesprochen schmerzhaft und kennzeichnete denjenigen für sein Leben. Gleichzeitig jedoch konnte er nach dem abheilen der Wunden ohne Probleme eine Schaufel oder eine Hacke halten und benutzen. Allerdings wurden nur die schlimmsten Verbrechern, wie etwa Mörder, mit den Fußnägeln bestraft und damit meist lebenslang zu einem Dasein auf den Knien verurteilt. Selbst nachdem die Nägel entfernt wurden, war es schwierig für diese Menschen wieder zu einem normalen Leben zurückzukehren. Oft waren die Füße dauerhaft geschädigt. Es war eine sehr langwierige und schmerzhafte Art der Bestrafung. Da diese Spieße am Anfang immer wieder Entzündungen und Wundfieber hervorriefen, mussten sie in vielen Fällen mehrmals entfernt, die Wunden behandelt und anschließend wieder eingesetzt werden.
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Das alles wusste Kardric, aber er hatte gehofft, das der junge Krieger ein wenig länger durchhalten würde.

Er blickte auf den Albaelih hinab, der mittlerweile wieder das Bewusstsein verloren hatte. Irgendetwas war seltsam an der Sache, befand der Meister und zog mit einem Ruck den letzten Nagel aus dem Fuß des Gefangene. Prüfend begutachtete er die Wunden, die sich tatsächlich infiziert hatten, aber bei weitem noch nicht so stark, um so ein Fieber zu verursachen. Irritiert runzelte er die Stirn.

“Irgendetwas stimmt da nicht,” meinte er halblaut. Dennoch hörte ihn Marelihs und sah auf.

“Was stimmt nicht?”

Der oberste Meister zeigte auf die Fußsohlen des Gefangen.

“Du hattest Recht, einige der Nägel haben bereits eine leichte Entzündung hervorgerufen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das so eine heftige Reaktion hervorgerufen hat.”

Die Magierin untersuchte die nun offen zugänglichen Wunden und kam zu dem gleichen Ergebnis. Zwar bedurften sie bereits einer Behandlung, aber die Infektion war im Anfangsstadium. Es war unwahrscheinlich, dass sie dieses hohe Fieber verursacht hatten.

“Du hast Recht,” stimmte sie dem obersten Meister zu, “das reicht nicht, um so einen Anfall hervorzurufen.” Ihre Augen verengten sich nachdenklich. “Ich bin immer mehr der Meinung, dass es an etwas liegt, das er zu sich genommen hat. Vielleicht der mit Schwarzmohnessenz versetzt Blutwein, oder womöglich auch etwas im Essen, dass er nicht vertragen hat.”

Der oberste Meister nickte nachdenklich und unterdrückte dann ein kleines Gähnen.

“Mag sein,” sprach er, “aber seltsam bleibt es. Behältst du das im Auge? Ich denke ich bin hier Überflüssig und werde mich nun etwas ausruhen.”

“Natürlich behalte ich das im Blick,” antwortete die Meisterin, “und ich stimme dir zu, seltsam ist das auf jeden Fall. Ruh dich gut aus.”

Noch während sich Kardric, der oberste Meister, abwandte war die Frau schon damit beschäftigt in einer Schale mit warmen Wasser Kampferpulver aufzulösen. Nur wenige Augenblicke darauf scheuchte sei einen der Wächter hinaus, damit ihr dieser wenigstens eine der beiden Dienerinnen zurückholte.
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Kardric lächelte leicht über die energische Magierin und schüttelte belustigt den Kopf während er zurück in seine Gemächer ging. Doch das Lächeln machte bald einem nachdenklichen Ausdruck Platz. Irgendetwas stimmte an diesem Fieber nicht, aber was?

Ein Gähnen, das er diesmal nicht mehr unterdrücken konnte, zwang ihm die Kiefer auseinander. Er war wirklich müde. Vielleicht sah er ja auch nur Gespenster wo keine waren.

In seinen Gemächern angekommen nahm Kardric seine Maske ab und blickt in einen seiner Spiegel. Er war nicht nur müde, er sah auch so aus. Sein blasses Gesicht wirkte ausgezerrt und die dunklen Schatten unter den Augen verstärkten diesen Eindruck zudem. Er musste sich wirklich vorsehen, sonst verschlang ihn die dunkle Macht, über die er Dank des Schattenskristalls gebot mit Haut und Haar. Schwarze Magie verbrauchte aus irgendeinem Grund einfach mehr Energie und zerrte daher den Körper eines jeden, der sich damit einließ stärker aus, als lichte Magie. Es war ganz egal ob man Frau war oder Mann, jung oder alt, irgendwann erkannte man Schwarzmagier schon an ihrem Aussehen. Dagegen konnte man nicht viel machen, außer sehr gesund und reichlich zu essen und immer genügend zu schlafen. Letzteres hatte er in den vorangegangen Tagen bestimmt nicht. Einerseits fehlte ihm der Appetit, außerdem war er so beschäftigt mit verschiedenen Projekten, dass ihm manchmal schlicht die Zeit fehlte um ausreichend zu schlafen. Und da waren natürlich noch die anderen Dinge, die ihm den Schlaf raubten, das Flüstern in den Schatten und seine Erinnerungen. Ein leises Seufzen fand den Weg über seine schmalen Lippen.

Dann jedoch schüttelte er entschlossen den Kopf und drängte die aufsteigende Erinnerung zurück. Ruckartig wandte er sich von dem Spiegel ab und betrat seine eigentlichen Gemächer. Drei Zimmer, eines davon ein Wohnzimmer mit einer bequemen Sitzgruppen, ein Arbeitszimmer mit Schreibtisch und Bücherregal und das dritte war sein Schlafzimmer mit dem großen Bett und einem weiterem kleinen Ofen. Ein weiteres Gähnen machte ihm die Entscheidung leicht in welches Zimmer er sich begeben wollte. Schweren Schrittes schlurfte er in sein Schlafzimmer, entledigte sich seiner Kleidung und schlüpfte umständlich in sein Nachtgewand.
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Nur wenig Minuten später schlief der Magier tief und fest.



Aridian bekam gar nicht so richtig mit, als ihn der Kerkermeister aus der Zelle geholt und nach unten in die Krankenstube getragen hatte. Als man ihn wusch wurde er zweitweise kurz wach, war aber so benebelt, dass er gar nicht wirklich begriff, was mit ihm geschah. Erst als ihn die Magierin untersuchte und dabei Druck auf seinen Magen ausübte, entlockte ihn der Schmerz, der daraufhin in seinen Eingeweiden aufflammte ein lautes Stöhnen und er wurde etwas klarer. Benommen registrierte der junge Mann, dass er sich nicht mehr in seiner Zelle befand , offenbar an ein Bett gefesselt war und von zwei der rot gewandeten Magiern gemustert wurde. Er hörte die beiden mit einander sprechen, konnte sich aber nicht genügend konzentrieren um dem Gespräch zu folgen. Stattdessen irrte sein Blick in dem fremden Zimmer herum und dann zurück zu den Magiern. Wie war er nur hier her gekommen? Und was hatten sie denn jetzt wieder mit ihm vor? Ihm ging es nicht gut, er war ganz offensichtlich sehr krank und wenn sie ihn jetzt nochmals foltern wollten, dann würde er wohl dabei zugrunde gehen. Er hatte Angst und im Einfluss des hohen Fiebers war er nicht fähig diese zu verbergen.

Nur etwas später bäumte er sich schreiend in den Gurten auf, die ihn auf das Bett fesselten. Der Mann im roten Umhang, sein Peiniger, hatte sich zu seinen Füßen hinab begeben und dann etwas mit diesen Nägeln in seinen Sohlen gemacht. Schrecklicher Schmerz schoss ihm daraufhin durch die Beine und er konnte nicht anders, als gequält aufzuschreien. Was danach kam war schlimm, nicht so schlimm wie manches andere, das ihm hier schon widerfahren waren, aber in seinem derzeitigen Zustand war es schrecklich. Der Meister zog ihm diese Nägel aus den Sohlen und Aridian kämpfte gegen die Gurte und gegen die Männer die ihn festhielten. Er schrie, er wimmerte, er bettelte und am Schluss kapitulierte sein Geist. Er verlor das Bewusstsein. Tröstliche Schwärze umhüllte ihn.
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Punktestand der Geschichte:   61
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Kommentare zur Story:

  Huhu Jingizu,

ja die sind ja auch nur Meschen oder zumindest was ähnliches, diese Bösewichte. Freut mich dass du weiterliest.
Ja das sind schon viele Charatere und es werden noch ein paar mehr, aber ich kann dir jetzt schon sagen, alle werden es nicht bist zum Schluß schaffen.
Ja du nimmst richtig an... diese Geschichte wird noch ein ganzes Stück länger werden. ;-)  
   Tis-Anariel  -  27.10.12 20:10

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  Sehr schön.
Desmaskierte Bösewichte, die verschlafen aussehen, mit Aridian geht es auch voran und ein weiterer Charakter wird beleuchtet. Puh, das sind mittlerweile aber ´ne ganze Menge.
Da du selbst jetzt noch immer neue Charaktere einführst, nehm ich an, dass uns diese Geschichte noch eine ganze Weile lang erhalten bleiben wird.  
   Jingizu  -  27.10.12 03:56

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  Hallo Petra,

wie schön, dass auch du dranbleibst.
Tja die ist leider böse, die Heilerin. ;-)
Nun und mit Aridian hab ich noch so einiges vor. Mal sehen ob ich euch da nicht überraschen kann.  
   Tis-Anariel  -  26.10.12 02:10

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  Schade, irgendwie gefil mir die Heilerin. Aber sie hat sich ja den schwarzen Mächten verschrieben und da gibt es wohl kein Entrinnen. Aridian hat vielleicht inzwischen ein Chance...mal sehen!  
   Petra  -  25.10.12 22:19

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  Hallo Gerald,

es freut mich sehr, dass du auch diese Gesichte noch immer weiterverfolgst.
Na da ist nicht nur dir etwas bange, mir schon auch, zudem weil bald nochmal mindestens drei Personen und damit auch noch zwei weitere Erzählstränge dazukommen. Aber ich hab da schon paar Ideen dazu. ;-)

Liebe Grüße dir  
   Tis-Anariel  -  25.10.12 18:56

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  Schön, dass du wieder eine Fortsetzung deines tollen fantastischen Romans geliefert hast. Mir gefallen deine vielen unterschiedlichen Protagonisten. Ein bisschen bange ist mir allerdings, wie du die alle schließlich unter einen Hut bringen willst. Bin gespannt wie du das alles ausgehen lässt. Aber im Moment bange ich noch um Aridian und die Bösen kriegen hoffentlich mal endlich ihr Fett weg.  
   Gerald W.  -  24.10.12 22:42

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  Huhu darky,

oh das freut mich aber, dass dich der roman interessiert und du ihn lesen willst.
Danke auch für dein liebes Lob.

Grüße dir  
   Tis-Anariel  -  24.10.12 19:07

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  Liebe Riel,

ich habe nun mal nur quer durchgelesen, aber was ich gelesen habe, gefällt mir gut.
Ich muss mir jetzt mal echt Zeit für die Seite nehmen. Dein Roman ist schon der dritte hier, den ich lesen will.-lacht-
Ganz ehrlich ich bewundere Leute wie dich, die aus einer einzigen Idee, so etwas zaubern können.
Laß dich nicht unterkriegen und bleib da dran, auch wenns grad nicht einfach ist!

Grüße
darky  
   darkwitch  -  24.10.12 05:50

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  Hallo Doska,

na das freut mich, dass es dir noch immer gefällt. Ja der arme Aridian, ob er es wohl schafft, von dort zu entkommen?
Hihi...schön das du das dem Meister gönnst. Er hatt es aber auch verdient, nicht?

Die nächsten Kaptitel werden dann auch wieder etwas spannender, schauriger und temporeicher.


Liebe Grüße Dir  
   Tis-Anariel  -  24.10.12 02:09

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  Immerhin geht es dem großen Meister auch nicht gerade gut. Das gönne ich ihm. Die schwarze Magie verschlingt ihn mehr und mehr. Dennoch scheint er keine Angst davor zu haben, schneller zu vergehen als andere Menschen. Die Heilerin ist auch nicht viel anders, schwärmt sogar für diesen Meister. Aber Aridian wird endlich geholfen, wenn es auch nur seine Feinde sind, die ihn retten wollen. Gutes haben sie nicht mit ihm vor, aber vielleicht, wenn er erstmal zu Kräften kommt, kann er sich befreien? Ich finde es schön, dass es weitergeht und mag deine Geschichte mit den vielen Fantasiegestalten. Toll, was du dir alles hast einfallen lassen. Kürzen kann man die Story später immer, wenn man sie ernsthaft veröffentlichen will.  
   doska  -  23.10.12 22:59

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