Blutmond - Karms Reise -32-   84

Fantastisches · Romane/Serien

Von:    Tis-Anariel      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 29. September 2012
Bei Webstories eingestellt: 29. September 2012
Anzahl gesehen: 1459
Seiten: 10

Diese Story ist Teil einer Reihe.

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   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


Rama starrte in den jungen Morgen hinaus. Als zukünftige Hohepriesterin würde sie auch die Aufgaben der Hüterin des Lichtkristalls übernehmen und genau deshalb sollte sie nun die Frau, die diese Ämter derzeit noch ausfüllte auf deren Reise in die Bruchlande begleiten. Sie seufzte leise.

Viel lieber wäre sie hiergeblieben und hätte weiter in den alten Schriften geforscht. Aber davon wollten die Ordensführer nichts wissen. Der Ruf war an alle Hüter gegangen und wo auch immer sie sich aufhielten, nun waren sie unterwegs um sich in Tiefentritt, der größten Stadt der Dunai zusammenzufinden und die Macht der heiligen Steine erneut in der Schicksalskrone zusammenzufügen. Zeitgleich wurden Sucher losgeschickt um das reinste aller Lichter zu finden. Aber da die derzeitige Hüterin des Lichtkristalls schon sehr, sehr alt war, sollte sie als deren Nachfolgerin nun mit auf diese gefahrvolle Reise gehen. Mal abgesehen von der Gefahr, war Rama auch nicht sonderlich davon begeistert die neue Hüterin zu werden. Allerdings hatte die junge Drachenfrau hierbei wenig Mitspracherecht erhalten, denn man wurde von den heiligen Steinen erwählt. Junge Dreganer wurden meist bereits zwischen dem zehntem und sechzehntem Lebensjahr auf ihre Fähigkeiten und Gaben geprüft. Diese bestimmten nicht selten den weiteren Lebensweg und so war es auch bei Rama gewesen. Da Lamarian Drega, die derzeitige Hohepriesterin bei diese Anlässen zugegeben war, hatte die alte, schon weißhaarige Drachenfrau sofort erkannt, das Rama über eine Affinität zum Kristall des Lichtes verfügte und damit war klar, dass sie die neue Hüterin des heiligen Steines werden würde außerdem war schon ihre Urgroßmutter Hohepriesterin gewesen und sie hatte wohl einiges von ihr geerbt. Bevor sich Rama versehen hatte, war schon beschlossen worden, dass sie in der Schwesternschaft zum Lichten Stein ihre Ausbildung zur Priesterin und Heilmagierin erhalten würde. Innerhalb von nur sieben Tagen hatte sich damals ihr ganzes Leben auf den Kopf gestellt. Sie musste ihre Sachen packen und nicht nur ihre Heimat und ihre Freunde, sondern auch ihre Familie verlassen und dabei war sie gerade einmal fünfzehn Jahre alt gewesen.



Rama seufzte erneut leise, während sie dem Sonnenaufgang zusah.

Am meisten hatte sie neben ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester ihren besten Freund von damals vermisst.
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Den abenteuerlustigen, schlauen Karell Teragen mit seinen dunkelgrünen Augen und den nur wenig helleren, grünen Schuppen. Nachdem sie in die Ordensburg der Schwesternschaft eingezogen war, hörte sie nie wieder von dem Jungen. Bis sie fünfzehn Jahre später in die große Ordensburg berufen wurde, wo sie ihre Vorbereitungen auf das Amt der Hohepriesterin vollendenden sollte. Denn da war Karell plötzlich wieder, nur war er nicht mehr der schlaksige, dünne Junge, als den sie ihn in Erinnerung hatte, sonder ein gutaussehender, muskulöser junger Mann. Er war zur Wache berufen worden und hatte somit den Lebensweg eines Soldaten eingeschlagen und er arbeitete schon seit einigen Jahren als Wächter und Beschützer der Ordenburg des ewigen Lichtes, als Rama dort eintraf. Sie hatte ihn erst gar nicht erkannt und war dann baff erstaunt, als sie begriff, warum ihr das Gesicht des Mannes, der ihr so zuvorkommend mit ihrem Gepäck geholfen hatte, so bekannt vorgekommen war.

Rama seufzte ein drittes Mal, diesmal tief und schwer.

Seither befand sie sich in einem emotionalen Zwist, denn die zarten Gefühle von damals waren wieder in ihr entflammt, nur dass sie nicht mehr ganz so harmlos und unschuldig waren. Schließlich war sie kein unschuldiges, junges Mädchen mehr, sondern mittlerweile eine erwachsene Frau und ihre Sehnsüchte und heimlichen Wünsche waren eben auch erwachsen geworden. Dummerweise passte der erwachse Karell genau in ihre Vorstellungen von einem begehrenswerten Mann. Na ja, bis auf die grünen Schuppen, aber darum hatte sich Rama bis vor Kurzem überhaupt keine Gedanken gemacht. Nun jedoch schon, denn schließlich wurde es lieber gesehen, wenn sich Liebesbeziehungen zwischen Dreaganern mit gleicher oder ähnlicher Schuppenfarbe entwickelten. Grün- und Braunschuppige Dreganer waren meiste eher praktisch veranlagt. Handwerkliche Dinge und Landwirtschaft lagen ihnen einfach, dagegen waren sie in magischen Dingen wesentlich weniger begabt, als zum Beispiel Dreganer mit roten oder blauen Schuppen. Aufgrund dieser Unterschiede hatte sich nach und nach auch ein gesellschaftlicher Unterschied entwickelt.

All das wusste Rama Saradi, zukünftige Hohepriesterin und angesehene Heilmagierin des Ordens des ewigen Lichtes. Allerdings änderte es rein gar nichts an ihren Gefühlen und Sehnsüchten.
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Schließlich war Karell der erste Junge gewesen, den sie geküsst hatte und an ihrer Zuneigung hatten auch die Jahre nicht wirklich viel ändern können. Das der Mann mit seinen scharfgeschnittenen Gesicht, den schönen, dunkelgrünen Augen und dem kinnlangen, schwarzen Haar, das im richtigen Licht einen metallischgrünen Schimmer offenbarte auch noch unverschämt gut aussah, machte das Ganze nicht unbedingt einfacher für Rama. Es war einfach gewesen nicht an in zu denken, solange er weit entfernt gelebt hatte. Aber nun, nun war ihre Jugendliebe nur einen Ruf weit entfernt und gleichzeitig weiter fort, als je zuvor. Schließlich war sie eine angehende Hohepriesterin und Magierin mit blauen Schuppen und Karell Teragen eben nur ein Krieger mit grünen Schuppen. Gesellschaftlich stand der Mann weit unter ihr.

Ein weiters tiefes Seufzen entrang sich ihrer Brust.

Sie wusste das alles und dennoch hoffte sie, dass der Soldat, der einst ihre Jugendliebe war, mit ihr und Lamarian, der alten Hohepriesterin und Hüterin auf diese gefahrvolle Reise gehen würde.



Karell Teragen blickte ebenfalls mit gemischten Gefühlen in den Morgen, denn am Abend hatten er , Tegal und noch einige Kameraden neue Befehle erhalten. Sie würden die Hüterin und ihre Reisegruppe begleiten und sollten sie beschützen. Auch ein Wettermagier sollte mitkommen, der hochmütig wie er sich gab in der Burg nicht wirklich beliebt war. Die Wachen konnten den blauschuppigen Kerl noch weniger leiden. Leider war er auch der Sohn von Lamarian Drega und hielt sich deswegen für etwas besseres. Antan Drega sah mit seinen scharf geschnittenen Gesichtzügen, den hellblonden Haaren, den hellblauen Augen und den kräftig blauen Schuppen auch noch sehr gut aus. Leider behandelte er jeden, der grüne oder braune Schuppen hatte, wie einen Untergebenen und Diener und das brachte ihm eben wenig Sympathien ein. Blöderweise hatte dieser Kerl ein Auge auf Rama geworfen und machte der schönen, blauschuppigen Drachenfrau beständig den Hof. Es war schwer für Karell einfach nur daneben zu stehen und die Miene nicht zu verziehen, obwohl er diesem arroganten Schnösel ganz gerne mal die Meinung gesagt hätte. Aber er war eben nur ein grünschuppiger Wächter und Soldat und hatte daher recht wenig zu melden, besonders gegenüber einem wie Antan Drega.
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Nicht zum ersten Mal verfluchte der attraktive Dreganer diese Klassenunterschiede, die sich da in die Gesellschaft der Drachenleute geschlichen hatten. Ein weiteres tiefes Seufzen dehnte seinen Brustkorb.

Über sich selber verärgert schüttelte der Krieger den Kopf und wandte sich der Tür zu um die Stube, die er sich mit Tegal und drei weiteren Kameraden teilte, zu verlassen. Seine Habseligkeiten hatte er bereits gepackt. Viel war es sowieso nicht, was er sein eignen nennen konnte. Doch noch bevor er seine Tasche von dem einfachen Bett heben und die Stube durch die Tür verlassen konnte, öffnete sich diese schwungvoll und Tegal Marane stand breit grinsend im Türrahmen. Tegal besaß ein ausdrucksvolles Gesicht, ein breites Lächeln, dunkelblonde, kinnlange Haare und hellbraune Augen, die gut zu seinen braunen Schuppen passten. Der Mann war nur wenig älter als Karell und besaß eine Lebenslust und Energie, um die ihn wohl so mancher beneidete. Nun jedoch funkelte in Tagals Augen vor allem die Abenteuerlust und Karell schüttelte lächelnd den Kopf über seinen Freund. Jener ließ sich dadurch nicht beirren und grinste den Kameraden nur noch breiter an.

“Na los, Karell,” rief der Soldat nun, “komm schon, oder willst du hier festwachsen! Wir müssen noch zum Morgenappell und erhalten unsre Befehle für die Reise. Wenn wir da nicht aufkreuzen können wir gleich hierbleiben und Strafexerzieren bis wir schwarz werden.”

Obwohl der Ton des Mannes locker und sein Lächeln breit war, erkannte man doch den Ernst in seinen Augen. Auch wenn er die Bemerkung gerade als Witz gebracht hatte, so war sie dennoch ernst zu nehmen. Den Morgenappell zu verpassen war ein Unding und daher beeilte sich Karell seinem bereits davon stiefelnden Kameraden zu folgen. Er schnappe sich seine Tasche, doch im Türrahmen blieb er doc noch einmal stehen und blickte zurück in den kleinen, schlichten Raum, der hier zu seinem zuhause geworden war. Ein letztes seufzen fand den Weg auf seine Lippen, dann wandte er sich endgültig ab und schritt hinter Tegal her, der bereits dem Hof zustrebte. Karell hatte dabei das Gefühl, das er womöglich nie wieder hier her zurückkehren würde.



Wayhe Skady, die einzige bekannte Nachfahrin eines schwarzschuppigen Drachengeschlechts blickte ebenfalls in den jungen Morgen.
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Nur war sie weder besorgt oder aufgeregt, sondern missmutig. Sie war wie alle Dreganer groß und schlank. Aber als einzige Dreganerin auf der ganzen Welt hatte Wayhe Skady dunkle, fast ebenholzfarbene Haut, die wie bei jedem Drachenabkömmling leicht zu schimmern schien. Ihre Schuppen, die sich über Nacken, Schultern und den Rücken hinab zogen waren schwarz wie Tinte. Wenn jedoch das Licht richtig darauf fiel, schimmerten sie wie eine Ölpfütze in allen Regenbogenfarben. Ihr Gesicht war etwas zu scharf geschnitten, die gerade Nase war etwas zu markant und ihre mandelförmigen, schwarzblauen Augen standen einen kleinen Tick zu schräg in ihrem schmalen Gesicht. Es waren diese kleinen Makel, die das Gesicht so interessant machten. Jedoch glühte einem aus ihren dunklen Augen auch immer ein gefährliches Feuer und ein stetiges Misstrauen entgegen. Um ihren Mund gab es einen strengen Zug, der offenbarte, das diese Drachenfrau wenig oder sogar gar nicht lachte. In ihrem hüftlangen, bläulich glänzenden, schwarzen Haar klapperten Muschelstücke, kleine Knochen und Federn aneinander. Diese Angewohnheit hatte die Frau von einigen Albaelih- und Elbaeclans übernommen, bei denen sich Krieger auch oft solche Dinge in die Haare flochten. Zudem verstärkte ihr Hang zu schwarzer und dunkler Kleidung ihre dunkle und gefährliche Ausstrahlung. Das Krummschwert und der silberne Dolch an ihrer Hüfte taten das ihre dazu um diesen Eindruck zu bestätigen.

Ja mit Wayhe Skady war nicht zu spaßen, schon gar nicht wenn sie wie jetzt verärgert war.

Unwillig runzelte die Dreganerin die Stirn. Sie sollte Lamarian Drega und Rama Saradi, also die jetzige und die zukünftige Hohepriesterin und Hüterin des Lichtkristalls auf diese verrückte Reise begleiten. Angeblich war auch Wayhe eine Hüterin, zumindest gab es entsprechende Anzeichen, nur wusste niemand so wirklich von was. Sie war keine Wissenshüterin und sie hatte aber auch keine Affinität zu einem der heiligen Steine. Dennoch verfügte sie über das schier unglaubliche Gedächtnis einer Wissenshüterin, sowie die magische Macht einer Steinhüterin.

Missmutig trat die Frau gegen einen der Pfosten ihres Balkons und hörte schadenfroh das Knirschen, mit dem das Holz sprang. Ihr passte die ganze Situation so gar nicht! Kaum war sie angekommen, sollte sie auch schon wieder abreisen.
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Aber tatsächlich war das eigentlich schon ihr ganzes Leben, das immerhin schon dreihundertvierundachtzig Jahre dauerte, schon so gewesen. Irgendwie konnte niemand auf den Inseln Dregenarth wirklich etwas mit ihr anfangen. Zudem war sie wohl den meisten Drachenleuten schlicht unheimlich. Schwarze und rote Drachen galten ja in der Urzeit als die “Bösen” unter den Drachen. Natürlich hing ihr, als Nachkommin eines schwarzen Drachens, dieser Ruf auch noch an und das obwohl sie schon mehr als einmal bewiesen hatte, dass sie den nicht verdient hatte. Nun wenigstens war sie auf diese Weise schon weit in der Welt herumgekommen.

Als ein etwas verschüchtert wirkender, braunschuppiger Diener an ihre offene Tür klopfte und sie leise daran erinnerte, dass sie fertig packen sollte, knurrte Skady gereizt und trat zornig noch einmal gegen den Pfosten, der daraufhin endlich splitterte. Sie wollte nicht schon wieder auf eine Reise gehen! Sie wollte mal einige Wochen Ruhe und Frieden genießen und sich ihrer selbst wieder etwas bewusster werden. Gereizt drehte sie sich um und bedachte den armen, jungen Kerl, der noch an der Tür wartete mit einem entsprechenden Blick. Erst als er etwas zurückwich erlöste sie ihn davon und zeigte auf die fertig gepackte Tasche auf dem Bett. Vorsichtig betrat der Diener ihr Zimmer, nah das Gepäckstück auf und forderte dann die schwarzschuppige Dreganerin auf ihm zu folgen. Die Frau ließ noch einmal ihren Blick durch das Zimmer schweifen, dann wandte sie sich ab und folgte dem Diener mit langen Schritten.



Nur wenig später waren das Schiff der Reisegesellschaft sowie die beiden Begleitschiffe fertig beladen und bereit zum Auslaufen. Es war ganz allgemein sehr schwierig mit den Flugschiffen über Meere oder Ozeane zu reisen, da die teilweise sehr starken und unberechenbaren Luftströmungen einen sicheren Überflug verhinderte. Kurze Strecken, wie von einer Insel zur nächsten innerhalb einer Inselkette waren zwar schon möglich, aber längere Strecken brachte man am besten in einem ganz normal schwimmenden Segelschiff hinter sich. Es war einfach sicherer. Von daher würde die Reise auch ein wenig länger dauern, aber in etwa zehn bis dreizehn Tagen würden sie wohl in der Silberklammbucht am Ufer der Bruchlande einlaufen.
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Wenn alles gut ging und das Wetter mitspielte, ansonsten konnte es auch um einiges länger dauern, bis die Schiffe ankamen. Zumindest würden sie aber auf dem Wasser einigermaßen sicher vor den Nachttoden sein. Aus irgendeinem Grund taten sich diese seltsamen Wesen sehr schwer damit dort zu schweben und vermieden es daher, weite und offene Wasserflächen zu überqueren. Sobald der letzte Reisende an Bord war, wurden auch schon Befehle gerufen und die Schiffe legten ab.





Karm fühlte sich nicht wohl. Das einzige, das ihn momentan tröstete war die Tatsache, dass sich das Pferd auch nicht so wirklich wohl zu fühlen schien. Zum Glück duldete ihn Edendars Stute aber auf ihrem Rücken. Der rothaarige Albaelih saß bei seiner Kameradin Liranah auf deren großen Wallach, vor allem, weil ihn Alaniah nicht alleine hatte reiten lassen. Sehr zum Verdruss des Kriegers, aber die Frau hatte in diesem Fall nicht nachgegeben. Überhaupt hatte die Kriegerin mit den Narben im Gesicht eine Ausstrahlung, der man sich schlecht entziehen konnte. In den Rudeln wurden manchmal ähnliche Fähen und Rüden geboren, die schon in jungen Jahre ein außerordentliches Talent zum anführen besaßen. Man nannte solche Wölfe geborene Alphas und sie wurden geschätzt und geachtet. Man sagte, dass die Mondgöttin selbst diese Wandler noch im Leib der Mutter berührt und für eine große Aufgabe erwählt hätte. Bestimmt, so dachte Karm, gab es solche nicht nur bei den Wandelwölfen. Er ließ den Blick schweifen und entdeckte die energische Albaelih wie immer ganz vorne an der Spitze der Schar. Dichtauf folgte ihr Kehrenu, vor dem Annabella auf dem Pferd saß. Gleich daneben ritt Liranah, die ihre Arme um Edendar geschlungen hatte. Karm runzelte die Stirn. Der Krieger saß ein wenig zusammengesunken im Sattel. Ganz offenbar tat ihm der anstrengende Ritt nicht gut. Wenn es überhaupt noch ging, war er noch blasser geworden und ein harter Zug um seinen Mund herum machte deutlich, dass der Mann wohl auch Schmerzen hatte.

Karm verzog das Gesicht und versuchte sich etwas bequemer zurechtzusetzen, nicht dass er damit viel Erfolg gehabt hätte. Zum Glück hatte Alaniah jedoch damit Recht, dass das Pferd seinen Kameraden folgen würde, denn wirklich lenken ließ sich die Stute von ihm nämlich nicht.
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Eines war ihm jetzt schon klar, Wölfe gehörten nicht auf Pferderücken, egal ob sie vier- oder zweibeinig waren und damit war er tatsächlich einer Meinung mit dem Tier, das ihn gerade trug. Allerdings musste er auch Alaniah Recht geben, denn selbst wenn er, wie er vorgeschlagen hatte, in seine Wolfsgestalt zurückgekehrt wäre, so hätte er niemals mit den großen Streitrössern Schritt halten können. Nicht bei dieser dicken Schneedecke, die sich in den letzten Tagen über das Land zwischen den Heralbergen und dem kleinen Bruch gelegt hatte. Also biss der Wandelwolf die Zähne zusammen hielt sich in der Mähne der Stute fest und hoffte, dass er nicht irgendwann einfach vom Pferd fallen würde.



Nejasasaniah spürte wie alle anderen Dschan den beginnenden Tag, nur dass die Tagesmüdigkeit sie nicht so sehr heimsuchte, wie ihre Artgenossen. Selbst dem großen, mächtigen und etwas seltsamen Drohnei, der Sotan genannt wurde war die vorgerückte Tageszeit anzumerken. Seine Aufmerksamkeit litt genauso wie seine Konzentrationsfähigkeit. So ging es fast ausnahmslos jedem Dschan, nur eben ihr nicht. Klar war sie auch müde und verspürte eine angenehme Gliederschwere und eine leichte Mattigkeit, jedoch könnte sie in diesem Zustand ohne Probleme noch mehrere Stunden wach bleiben. Ihre Kameraden in diesem Turm jedoch nicht. Nicht einmal Sotan, der sie nun zu den Schlafplätzen geleitete. Sie bemerkte, dass die Meister wirklich an alles gedacht hatten, denn auf dieser Turmebene, recht weit oben in dem Bauwerk, befanden sich große Balken, die frei schwingend unter der Decke aufgehängt waren und so ideale Haltepunkte für die Dschan boten, die wie Fledermäuse mit den Kopf nach unten schliefen. Bedachtsam suchte sich die Jungkönigin einen Schlafplatz ganz in der Nähe von Sotan und versuchte sich, so gut es in der fremden Umgebung gelang, zu entspannen. Der Schlaf jedoch wollte auch dieses Mal nicht schnell zu ihr kommen. Immer wieder öffneten sich ihre Augen zu schmalen Schlitzen, aus denen sie ihre Umgebung unbemerkt musterte. Sie erkannte im Verlauf des Morgens, dass Meister wirklich sorge dafür getragen hatten, damit sich die Dschan hier wohlfühlten. Während der Tag weiter fortschritt wurde klar, dass das Innere des Turmes, dort wo die Dschan schiefen, vermutlich zu jeder Tageszeit angenehm schattig und kühl bleiben würde.
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Erneut schloss sie die Augen und versuchte in den Schlaf zu finden, doch ihr Geist fand und fand einfach keine Ruhe. Wieder öffneten sich ihre Augen etwas. Diesmal betrachtete sie ihre Kameraden, die um sie herum selig schliefen. Schließlich blieb ihr Blick an Sotan hängen, der gleich neben ihr hin und , die Tentakel und Arme fest um sich geschlungen, im tiefem Schlaf merkwürdig friedlich aussah. Sie stutzte bei diesem Anblick, bis ihr klar wurde warum er ihr so merkwürdig vorkam. Es fehlte etwas im Gesicht des großen Drohnei, das sie die ganze Zeit nicht gesehen hatte, weil es vermutlich immer da war. Die ganze Zeit hatte Sotan einen etwas harten, angespannten Zug im Gesicht gehabt, der nun, im Frieden des tiefen Schlafes schlicht fehlte. Und nun, da er fehlte konnte Najasasaniah dies erkennen. Erneut fragte sich die junge Dschan, was wohl dem großen Drohnei widerfahren war, dass es ihn so verändert und verdreht hatte.

Ihr Körper dehnte sich in einem lautlosen Seufzen.

Ohne ihr Wollen kehrten nun ihre Gedanken zu dem jungen Mann, an dem sie sich genährt hatte, zurück. Sie konnte es immer noch nicht fassen, dass sie sich wirklich an einem Lebewesen genährt hatte und erst recht nicht, wie unglaublich gut sich dies angefühlt hatten. Es war falsch, aber wie konnte sich etwas, dass so falsch war, so gut anfühlen. Aufgewühlt plusterte sie sich etwas auf. Sie hatte dem armen Kerl schreckliche Schmerzen zugefügt und ihn fast umgebracht und sie hatte es nicht einmal bemerkt! Vor allem das ließ ihr keine Ruhe. Sie hatte ein Lebewesen, das genauso denken und fühlen konnte wie sie selbst beinnahe getötet und es nicht einmal gemerkt!

Entnervt öffnete die Daschan erneut die violetten Augen und schüttelte sich leicht. Ihr blick schweifte wieder herum, bleib an den schlafenden Dschan und schließlich an den durch den Raum wandernden, schmalen Streifen Tageslicht hängen. Erneut dehnte sich ihr Körper in einem Seufzen sacht aus und sackte wieder in sich zusammen. Zuhause im Eisschloss ihrer Mutter würde sie sich nun einfach von ihrem Schlafplatz lösen und noch ein wenig durch die Gegen schweben. Sie würde über das Tageslicht und sein Farbspiel staunen, würde die seltsame Wärme auf dem Gesicht genießen und wohl nach einer, oder zwei Stunden müde genug sein, um schön einschlafen zu können.
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Hier jedoch war das wohl nicht angebracht, zumindest nicht, wenn sie sich nicht verraten wollte.

Erneut schlossen sich ihre violetten Augen und diesmal fand sie tatsächlich in einen leichten und unruhigen Schlaf.





Aridian warf sich herum, schreckliche Träum plagten den jungen Krieger. Träume in denen er wieder und wieder durchlebte, wie er den zerstörten Sturmturm fand. Sein Entsetzen, als er die mumifizierten Leichen der Zauber fand holte ihn genauso ein, wie die Angst, als ihn die Nachttode jagten und ihn schließlich auch erwischten. Ein leises, heißeres Stöhnen drang ihm über die Lippen und er wurde einige wenige, kostbare Momente wach. Gewahrte in diesen Augenblicken, dass er Fieber hatte und träumte. Doch diese Pausen währten nie lange, schon zu bald drifte sein Geist wieder in die Finsternis und die Qual der Fieberträume hinab.

Er wusste in diesen wenigen, fast klaren Momenten, dass es schlimm um ihn stand. Doch wie schlimm es wirklich um ihn stand, das begriff er nicht. Auf seiner Stirn perlte kalter Schweiß, doch sein Körper glühte bereits und seine Temperatur erhöhte sich immer weiter. Zu bald schon erreichte sie kritische Werte und die wenigen klaren Momente, in denen der junge Mann zu sich kam wurden immer seltener.

Gegen Mittag entdeckte der Kerkermeister den Albaelih in einem Zustand, der wahrlich Lebensbedrohlich erschien. Zum Glück erkannte der vierschrötige, grobe Mann dies und tat das einzig Richtige, indem er sich hinab in die Gefilde der Meister wagte und dort auch gleich auf eine wache Meisterin traf. Unterwürfig berichtete er der rotgewandeten Frau von der Krankheit des neuen Gefangen und die Dame reagierte umgehend indem sie den obersten Meister weckte.





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Anmerkung meiner Wenigkeit:



Bitte nicht über Verschreiber wundern, sondern angeben wo sie sich verstecken. Dieser Teil ist wohl eher eine Überleitung und hat sich wahnsinnig gesträubt. Ich hoffe er gefällt euch trotzdem.



Liebe Grüße an euch

Anariel
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Punktestand der Geschichte:   84
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Kommentare zur Story:

  lach Jingizu...vielleicht solltest du nochmal ein wenig weiter hinten lesen...die Dreganer stammen zwar von Drachen (Echsen) ab...sind aber keine. Sie sehen recht menschlich aus... Ich hab sie ja schon mal recht schön beschrieben.... ;-)  
   Tis-Anariel  -  24.10.12 01:05

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  Dieses Kapitel ist dir wieder viel besser gelungen. Es steckt voller Information und Emotion - das einzig sehr wunderlich hier ist, dass deine Echsen tatsächlich Haare haben.  
   Jingizu  -  24.10.12 00:54

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  Huhu Petra,

freut mich, dass auch du dranbleibst.
Ja das mit den zwei Drachenwesen wird noch schön romantisch, aber auch dramatisch werden.
Hmm...ob du dich da mal nicht in der kleinen Dschan täuscht ;-) Ich hab noch so einiges mit ihr, aber auch mit Sotan und natürlich auch Aridian vor.

Liebe Grüße dir..  
   Tis-Anariel  -  04.10.12 03:28

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  War wieder spannend wie sich nun auch die guten Mächte in deinem Roman zusammenrotten. Ich bin ja ein Fan von von den beiden Drachenwesen. Wo sich der einfache (grünschuppige)Krieger in die für ihn unerreichbare (blauschuppige)Priesterin verliebt hat. Immerhin kann er nun mit auf die Reise. Ein Fan der Dschankönigin bin ich nicht, obwohl die sich eigentlich auch nur verliebt hat. Natürlich hoffe ich auch, dass Aridian endlich gerettet wird.  
   Petra  -  03.10.12 15:52

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  Huhu Jingizu,

lach, du Armer. ;-)
Na da freu ich mich schon mal.
Aber du hast Recht, es sind wirklich viele neue Leute da.

Liebe Grüße auch an dich...  
   Tis-Anariel  -  02.10.12 20:25

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  Oh Gott, so viele Texte, so viele neue Autoren und dann noch so viele Kapitel von Karm ^^ ich komm ja gar nicht mehr mit.

Ich werd mich in der Nacht mal den Kapiteln von Blutmond widmen, die ich bisher verpasst habe. Versprochen ^^  
   Jingizu  -  02.10.12 19:51

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  Hallo Gerald,

wie schön, dass du auch noch weiterliest.
Ja, so böse ist sie ja gar nicht. Und Aridian...na mal sehen ob euch gefällt, was ich noch mit dem armen Kerl vorhabe.

Liebe Grüße auch an dich  
   Tis-Anariel  -  01.10.12 20:39

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  Soso, die Dschankönigin macht sich unbewusst doch Vorwürfe sich an Aridian gütlich getan zu haben. Dem geht es nun schlecht. Man hofft, dass er endlich gerettet wird. Mit recht, denn immer mehr Völker verbinden sich, wollen nach dem reinen Licht suchen. Spannend.  
   Gerald W.  -  01.10.12 19:17

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  Huhu Doska,

wie schön, dass du dranbleibst.
Freut mich, dass ich es immer noch spannend hinbekomme und es dir gefällt.
Ja nun brauen sich an allen Ecken und Enden die verschiedensten Dinge zusammen. Ja Nejasasaniah (freut mich das dir der Name gefällt) hat auch noch ihren Weg vor sich und der wird womöglich überraschend für euch sein. Auf jeden Fall wird er nicht leicht und bald auch etwas gefährlich werden.

Liebe Grüße an dich  
   Tis-Anariel  -  01.10.12 05:05

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  Es braut sich nicht nur schlechtes auch sehr viel gutes zusammen. Rama zum Beispiel soll die neue Hüterin des Lichtes werden und mit der alten Priesterin auf die Reise gehen. Die Steine des Lichtes sollen erneut zu einer Schicksalskrone zusammenzufügt werden. Und auch Nejasasaniah (toller Name) scheint mehr gute Anteile in ihrem Charakter zu haben als sie es von sich selbst selbst dachte. Nun bin ich gespannt wie die Meisterin auf Aridians Schwächeanfall reagieren wird.  
   doska  -  30.09.12 15:43

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