Blutmond - Karms Reise -30-   54

Fantastisches · Romane/Serien

Von:    Tis-Anariel      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 18. August 2012
Bei Webstories eingestellt: 18. August 2012
Anzahl gesehen: 982
Seiten: 9

Diese Story ist Teil einer Reihe.

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   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


Nejasasaniah verstand natürlich genau, was der Meister zu ihr gesagt hatte, aber sie hielt es für besser so zu tun, als würde sie ihn nicht verstehen. So konnte sie den Mann davon abhalten ihr zu nahe zu kommen und mehr um sie zu legen, als diesen leichten Zwang, der Momentan auf ihr lag und den sie wohl leicht wieder abstreifen konnte. Überraschenderweise hatte sich der große Drohnei für sie eingesetzt und sich so den Ärger seines Meisters zugezogen und wurde gescholten, durfte dann aber den Vermittler spielen.

Als er sich ihr wieder zuwandte, war er sehr zuvorkommend und freundlich zu ihr. Davon ließ sie sich aber nicht täuschen, denn offenbar diente dieser Drohnei wirklich diesem Meisterwesen. Dennoch beschloss sie in diesem Augenblick, dass sie seine Hilfe annehmen würde, solange sie an diesem Ort verweilte. Sicher würde es nicht schaden, wenn sie dem großen Dschan dabei ein wenige schöne Augen machte. Also bedachte sie ihn mit einem Blick, den sie sich von ihrer Mutter abgeschaut hatte und der bei den männlichen Dschan des Schwarms immer hervorragend gewirkt hatte. Offenbar wirkte dieser Blick nicht nur bei diesen, denn sie konnte sehen, wie dem Drohnei glatt die Luft wegblieb. Und da sie ja sowieso vorhatte einige Zeit hierzubleiben und sich an diesem Ort umzusehen gab sie seiner Bitte schließlich nach angemessenen Zögern nach. Schließlich fiel ihr der etwas ungeduldige Blick des Meisters auf, worauf sie dem großen Dschan einen etwas hochmütigen Blick zuwarf.

“Dein Zweibeinmeister,” stellte sie fest , “sieht etwas ungeduldig und ärgerlich aus.”

Der Drohnei schenkte ihr daraufhin ein kleines Schmunzeln, wurde dann aber wieder ernst, als er sich seinem Meister zuwandte.

Was dann aber geschah irritierte und erschreckte die junge Dschankönigin etwas. Zum Glück war sie besonnen genug um sich nichts anmerken zu lassen, sonst wäre vermutlich herausgekommen, dass sie diesen Rotgewandeten Mann sehr wohl verstand. Der Drohnei, Sotan nannte ihn dieser Meister, hatte nur einen kleinen Fehler gemacht und er wurde erneut gescholten und ihm wurden zudem Konsequenzen angedroht. Irgendwie tat ihr der große Dschan leid. So eine Behandlung hatte er sicher nicht verdient und schon gar nicht für so einen geringen Fehler. Dann jedoch warf dieser Meister ihr einen langen Blick zu, den sie furchtlos erwiderte.
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Plötzlich lächelte der Mann sie an, wandte sich wieder an Sotan und machte einen Vorschlag, bei dem sich innerlich alles sträubte. Sie sollte sich nähren und das von einem Lebewesen! Zum Glück war sie so erschrocken darüber, dass sie regelrecht erstarrte und sie fing sich schnell wieder, denn der große Dschan setzte sich erneut für sie ein.

Was dann allerdings passierte schockierte die junge Königin wirklich. Dieser Meister bedrohte den Dschan nicht mehr nur, sondern demütigte den Drohnei und fügte ihm gleichzeitig ziemliche Schmerzen zu. Dass sich der Dschan das alles so gefallen ließ, verstand sie nicht wirklich. Aber das er verängstig war, das konnte sie gut erkennen und riechen. Gerade noch rechtzeitig erkannte sie, dass sie sich mit ihrem erschrockenem Gesicht verraten würde. Also schwebte sie etwas höher und tat gelangweilt. Dabei jedoch belauschte sie mit ihrem scharfen Ohren weiterhin den Meister und den Dschan. So erfuhr sie schon einmal eine Menge, auch sie selber betreffend und ihr wurde klar, dass sie ein Problem hatte und sich vielleicht wirklich an einem Lebewesen nähren musste, damit dieser Meister nicht auf die Idee kam sie mit stärkeren Zaubern zu belegen. Das gefiel ihr so gar nicht.

Schließlich entließ der erboste Meister den großen Drohnei endlich aus seinem Griff und er durfte sich von dem Mann entfernen.

Er näherte sich ihr erneut und betrachte sie eine ganze Zeitlang überraschend aufmerksam, sie fragte sich, ob er sie wohl durchschaut hatte und bewegte sich etwas nervös. Daraufhin lächelte er sie kurz an, riss seinen Blick von ihr und näherte sich etwas weiter. Unvermittelt schlug ihr sein Geruch entgegen und unter dem der Angst, die er eben ausgestanden hatte mischte sich ein ganz anderer, seltsam animalischer und auf seine Weise sehr aufregender Duft, den sie nicht so richtig einordnen konnte. Schnell lenkte sie ihre Aufmerksamkeit auf den Drohnei zurück und schwebte zu ihm hinunter.

“Warum so ernst,“ fragte sie ihn ,“ist dein Zweibeinmeister wütend auf dich?“

Er lächelte leicht und seufzte leise.

“Ja,“ gab er zu, “ich habe heute einige sehr dumme Fehler begannen, das hat ihn geärgert.“ Er hielt kurz inne. “Ich möchte euch bitten, wenn ihr die Umgangssprache beherrscht, dann nennt ihn nicht mehr so, das würde ihn auch sehr verärgern und ich möchte nicht, dass er euch böse ist.
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Daraufhin sah sie ihn sehr erstaunt an und wollte schon fragen, warum sie das interessieren sollte. Doch bevor sie dazukam, stieg ihr wieder sein Geruch in die Nase und bevor sie sich versah, war sie wieder etwas höher geschwebt und umrundete den Drohnei langsam, wob sie ihn ganz genau musterte. Er sah schon verflixt gut und das brachte irgendetwas in ihr zum klingen, von dem sie bisher nicht mal gewusst hatte, dass es da war. Und er roch so gut! Unvermittelt näherte sie sich ihm von hinten so weit, dass sie ihn fast berührte und nahm diesen faszinierenden Duft auf. Ein Schauer durchlief den Körper des Drohnei und als einer ihrer Tentakel ihn unabsichtlich streifte verstärkte sich dieser Geruch noch mehr.

Plötzlich jedoch holte er tief Luft und schwebte ihr einfach davon. Ein Stück weiter entfernt hielt er an, wandte ihr das Gesicht zu und lächelte sie freundlich an. Sie jedoch blinzelte verblüfft und auch ein wenig verwirrt. Was bei der großen Nacht war da grade über sie gekommen?

Schließlich fing sie sich wieder.

Anschließend versuchte er sie dazu zu überreden sich von einem Lebewesen zu nähren und jetzt konnte sie ihrem Erschrecken und ihrer Empörung darüber auch Ausdruck verleihen. Jedoch waren die Argumente des großen Dschan leider sehr stark und wahr. Sie erfuhr auch ein wenig über ihm, auch dass er wohl lange Zeit gehungert hatte, dort in der Höhle aus Eis. Allerdings konnte sie mit dem Begriff Hunger nicht viel anfangen, klar kannte sie seine Bedeutung, aber sie hatte nie etwas vergleichbares gespürt. Zudem plagte sie eine gewisse Unsicherheit, denn die schönen, kräftigen Tentakel die ihrem Rücken entsprangen hatte sie noch nie benutz um sich zu nähren.

Tatsächlich erriet der Drohnei schließlich, dass sie Lahsahnes Tochter war und das sie sich noch niemals genährt hatte. Daraufhin nahm er ganz sanft ihre Hand und zog sie ein wenig zu sich herab.

Schließlich erfuhr sie sogar seinen Namen und zwar nicht nur den, den ihm dieser Meister gegeben hatte, sondern seinen richtigen Namen. Sie fand es wirklich traurig, dass er diesen Namen abgelegt hatte und fragte sich, was Sotan widerfahren war.
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Am Ende ging sie soweit und verriet ihm sogar ihren Namen.



Und nun war sie also hier, direkt vor dem Gefangen und fühlte sich wirklich nicht wohl bei dem Gedanken, dass sie ihm gleich einen Teil seines lebendigen Lichtes praktisch stehlen würde. Die Furcht in den Augen des spitzohrigen Mannes machte ihr das auch nicht leichter. Sotan hingegen kümmerte sich so gar nicht um die Gefühle des Gefangenen und erklärte ihr alles ganz genau. Unter seinen Anleitungen erkundete sie zuerst nur mit ihren Tentakeln den Leib des Zweibeiners. Schließlich nahm der große Dschan ihren Platz ein, ließ nun seine Tentakel über die Haut des Gefangen gleiten, erklärte ihr noch einmal alles ganz genau und zeigte ihr die besten Stellen. Zur Demonstration und wohl auch damit sie sich vor der Reaktion des Opfers nicht erschreckte, trieb der große Dschan die Stachel zwei seiner Tentakel in den Köper des jungen Mannes und begann sich zu nähren. Der Gefangene bäumte sich unter Schmerzen auf, doch Sotan kümmerte sich auch dieses mal nicht darum. Tatsächlich sah der Drohnei irgendwie glücklich aus, während sein Opfer nun in Zuckungen verfiel.

Nejasasaniah wich eine Winzigkeit zurück, bevor sie sich besann und starrte den Dschan ein wenig entsetzt an. Schnell verbannte sie den Ausdruck von ihrem Gesicht und versuchte neugierig zu wirken. Sehr bald ließ Sotan auch schon weder von dem Mann ab, zog seine Tentakelstachel vorsichtig aus dem Körper und sah sie erwartungsvoll an. Nejasa schluckte, plötzlich war ihr gar nicht mehr wohl und irgendwie auch ein wenig flau. Jetzt sollte sie das tun?!

Vorsichtig näherte sie sich wieder dem Gefangen und ließ schließlich zaghaft ihrer Tentakel über seine Haut gleiten. Schließlich fand sie eine passende Stelle und nach einem weiterem Zögern stach sie doch zu. Das leise Geräusch, dass er dabei von sich gab, ließ sie das Gesicht kurz verziehen und fast hätte sie den Stachel einfach wieder herausgezogen. Dann jedoch riss sie sich zusammen, denn eines war klar, um weiterhin glaubhaft auf diesen Meister zu wirken, musste sie das jetzt durchziehen. Sie beschloss sich nur gerade lange genug an dem jungen Mann zu nähren, um den Meister und Sotan zufriedenzustellen.

Sie tat, was der Dschan ihr beigebracht hatte und ließ behutsam die Mittlerflüssigkeit in den Körper fließen.
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Diese Flüssigkeit war nicht schädlich, aber unbedingt notwendig, denn ohne sie gelang es nicht, dem festen Körper eines Lebewesens das Licht zu entziehen. Es war auch diese Flüssigkeit, die das typische Kältegefühl beim Opfer verursachte.

Ab diesem Augenblick brauchte Nejasasaniah die Anleitungen des Drohnei nicht mehr. Sie begann sacht zu saugen und riss dann erstaunt die Augen auf. Gleich darauf schloss sie genussvoll die Lieder, stöhnte verzückt und saugte immer weiter und weiter. Das war ja unglaublich! So köstlich und erfrischend! Etwas vergleichbares hatte die junge Dschan noch nie gekostete. Ein kribbeliges Gefühl rauschte durch ihren Körper und sie bemerkte die krampfhaften Bewegungen ihres Opfers nicht einmal. Stattdessen verfiel sie dem Rausch dem Lichtes so völlig, so dass sie den armen Kerl womöglich getötet hätte. Sotan hatte es ihr zwar genau erklärt und versucht sie auf diesen Zustand vorzubereiten, aber darauf konnte man niemand wirklich vorbereiten. Es war dann auch der große Drohnei, der sie sachte bei den Schultern ergriff und leicht schüttelte. Unwillig öffnete sie die Augen und erkannte wie nah der Dschan ihr gekommen war. Unvermittelt war sie wieder Herrin ihrer Sinne und Gedanken und wollte hastig das saugen einstellen. Der große Dschan entfernte sich sogleich wieder etwas und hob beschwichtigend beide Hände.

“Langsam,” mahnte sie der Drohnei sanft, “bedenkt, wir dürfen ihn nicht töten. Hört langsam auf, sonst erleidet er womöglich einen Schock und zieht auch die Tentakel vorsichtig aus seinem Körper.”

Nejasa hörte auf Sotan und tat, was er ihr gesagt hatte. Dabei zitterte sie am ganzen Körper und hoffte dabei, dass der Dschan und sein Meister dachten, dies geschähe aufgrund der Aufregung.

Tatsächlich aber war sie völlig schockiert von sich, ihrem Tun und darüber, wie sehr sie die Kontrolle verloren hatte. Endlich hatte sie sich von dem jungen Mann gelöst und erkannte erleichtert, dass dieser noch atmete und offenbar am Leben geblieben war. Schließlich sah sie Sotan mit großen Augen an.

“Wie bei der Nacht,” presste sie hervor, “gelingt es dir, dich dabei zu beherrschen?”

Sotan strahlte sie an und amüsierte sich ein wenig über ihre atemlose Stimme, dann jedoch wurde sein Lächeln sanfter und er näherte sich ihr wieder.
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“Dies war euer erstes Mal, Nejasasaniah,” meinte er freundlich, “da verliert sich selbst der stärkste Dschan im Rausch. Beim nächsten Mal wird es einfacher und bald schon hat man gelernt sich zu beherrschen.”

Sotan meinte es nett, das erkannte die junge Dschankönigin sofort, aber bei ihr hinterließen die Worte einen schalen Nachgeschmack. Unwillkürlich wandte sie das Gesicht von dem großen Drohnei ab und betrachtete besorgt den Gefangenen. Sie hätte den armen Kerl fast umgebracht und es war ihr noch nicht einmal aufgefallen, wie viel Leid und Schmerz sie ihm zugefügt hatte. Nein ein nächstes Mal wollte sie ganz gewiss nicht! Doch zumindest vor sich selber musste sie zugeben, dass ein Teil von ihr das doch wollte. Es war ein alter Teil ihres Wesens, ein Überbleibsel aus der Zeit, als die Dschan Jäger waren. Es war ein grausamer, dunkler und wilder Teil, und der wollte nicht nur ein nächstes Opfer, sonder auch den Tod desselben. Entschlossen drängte die junge Dschan diesen Teil wieder in die dunkle Ecke, aus der er gekrochen war und verbannte ihre zwiespältigen Gefühle sorgsam von ihren Zügen. Erst dann sah sie Sotan wieder in die Augen und schenkte dem großen Drohnei ein kleines Lächeln.

Sie bemerkte, wie ein Zweibeiner vorsichtig heran kam, den Dschan fragend anblickte und als dieser nickte, löste der Mann die Fesseln der Gefangen. Sotan näherte sich und schlang schließlich seine beiden Fangtentakel um den jungen Mann, damit dieser nicht einfach zu Boden sackte. Müde öffnete der Gefangene die Augen einen Spalt weit, war aber offensichtlich viel zu erschöpft um sich zu wehren. Apathisch ließ er sich von dem Dschan in die Höhe ziehen.

Die Fangtentakel waren die beiden sehr langen und kräftigen Tentakel, die bei den Dschan im Hüftbereich entsprangen. Diese Fortsätze waren nicht dazu gedacht sich zu nähren, sondern waren einst dazu da, die Beute zu fangen und Bewegungsunfähig zu machen. Deswegen hatten sie auch diese langen Stachel am Ende, die sich nicht einziehen ließen. Anders als bei den Nährtentakeln, die ihnen aus dem Rücken wuchsen und die nicht nur feiner und schlanker waren, als die großen, sondern auch über einen einziehbaren Stachel verfügten.
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Auch nachdem die Dschan nicht mehr länger jagten blieben ihnen diese nützlichen Fortsätze erhalten. Meist nutzen sie die Fangtentakel nun dazu schwere Lasten zu schleppen, oder sie trugen ihre wenigen Kämpfe untereinander damit aus.

Nejasa begleitete Sotan, als dieser den Gefangen fort trug. Offenbar hatte der Dschan ein bestimmtes Ziel und die junge Dschankönigin nutzte die Gelegenheit um noch mehr des Turmes zu sehen. Bald jedoch fielen ihr die seltsamen Dinger auf, die dem Gefangen aus den Fußsohlen ragten und als sie Sotan deswegen fragte, erklärte ihr der Dschan gutgelaunt was es damit auf sich hatte. Er sprach dabei so emotionslos von dem Gefangenen, als sei dieser irgendein Objekt und nicht ein denkendes, fühlendes Lebewesen. Tatsächlich war er wohl in Sotans Augen auch kaum mehr als eine Nahrungsquelle. Das störte Nejasasaniah nun doch ein wenig. Es machte sie auch traurig, weil sie den großen Dschan nicht nur für attraktiv, sondern auch für nett hielt.

Irgendwie war es, als hätte sie es mit zwei verschiedenen Wesen zu tun, die sich einen Körper teilten. Da war zum einen der große Dschan, der so freundlich und zuvorkommend war und der sich ihr gegenüber genau so verhielt, wie man es von einem so mächtigen Drohnei erwartete. Aber dann war da zugleich auch der Nachttod, der seinen Dschannamen abgelegt hatte und das zugunsten eines Namens, dem ihn ein Zweibeiner verpasst hatte. Eine kalte, grausame Kreatur, die ihrem Meisterwesen sklavisch ergeben war. Sie hätte zu gerne gewusst, was mit Sotan passiert war, dass es ihn so seltsam verdreht hatte.

Schließlich erreichten sie den Ort, zu dem der Dschan wollte und nun verstand die junge Königin auch die Anspielung des Meisters, denn die Zellen hier oben wurden zwar durch Steinmauern getrennt, hatten aber zum Gang hin nur Gitter und Gittertüren. Das ließ sie wirklich ein wenig wie Käfige aussehen. Sotan lud den apathischen Gefangen in einer dieser Zellen ab und wartete bis ein weiteres Zweibein den jungen Mann angekettet hatte. Erst dann verließ er den kleinen, kahlen Raum und ließ zu, dass der Wächter den Gefangen einschloss. Sie betrachtete den armen Kerl kurz mitleidig, dann jedoch riss sie ihren Blick von ihm los und sah Sotan entgegen, der sich nun von dem jungen Mann abwandte und sie anlächelte.
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“Wollt ihr nun auch den Rest des Turmes sehen?” Er klang fast fröhlich. “Oben auf dem Dach gibt es sogar ein Gerät, mit dem die Meister den Himmel und die Sterne beobachten.”

Nejasa verbarg ihre Gefühle erneut hinter einem Lächeln und nickte leicht.

“Das hört sich interessant an.”





Der oberste Meister hingegen war etwas beiseite getreten und beobachtete aufmerksam die beiden Dschan. Innerlich jubilierte er, als die junge Dschankönigin tatsächlich begann sich zu nähren und tatsächlich wie jeder andere Dschan bisher auch reagierte. Gerne hätte er jetzt laut gelacht, aber er verbiss sich diese Regung. Aber das breite Grinsen auf seinem Gesicht, das konnte er nicht verhindern. Fasziniert beobachtete er die Dschan und staunte welch ein Hunger ganz offenbar in dem zierlichen Wesen steckte.

Sotan blickte zu ihm herüber und neigte leicht den Kopf und der Meister gewährte ihm ein leichtes nicken. Er hatte seine Sache gut gemacht, das durfte er ruhig wissen. Jetzt musste er nur noch dafür sorgen, dass die kleine Königin den Gefangenen nicht tötete.

Er sah zu, wie sich Sotan der im Rausch befindlichen Königin näherte, sie vorsichtig an den Schultern ergriff und sachte schüttelte. Im ersten Augenblick schien es, als ginge der Dschan zu behutsam zu, doch dann öffnete sie die Augen und schien sich schlagartig wieder unter Kontrolle zu haben. Erstaunt weiteten sich seine Augen hinter der Maske. Das war bemerkenswert, denn bisher kannte er nur einen Dschan, der sich ähnlich schnell wieder beherrschen konnte und zwar war das Sotan.

Er drehte den Kopf, als er Schritte hörte und sah den beiden Rotgewandeten Gestalten, die da auf ihn zukamen entgegen. Schnell hatten die beiden Meister den Obersten Meister erreicht und sahen nun auch aufmerksam den beiden Dschan zu.

“Ist das wirklich,” fragte die eine Gestalt mit weiblicher Stimme, “eine junge Dschankönigin? Sie sieht so zierlich aus. Ich dachte immer die Königinnen dieser Kreaturen gehören zu den größten Dschan.”

Der zweite Meister nickte nur stumm und schien sich mit ähnlichen Fragen zu beschäftigen. Der oberste Meister gestattete sich ein kurzes Grinsen.
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“Ja, es ist unverkennbar,” antwortete er, “das dort ist eine junge, fast ausgereifte Dschankönigin. Dass sie so klein und zierlich ist, ist auch mir aufgefallen. Aber was wissen wir schon über diese Wesen. Vielleicht hängt ja die Größe mit der Reife zusammen und sie wächst noch.”

Er warf der Meisterin einen Blick zu. Es war die selbe Frau, die davor schon den Blutwein mit ihm genossen hatte. Ihre Lippen kräuselten sich zu einem schmalen Lächeln.

“Meinst du?”

Der oberste Meister lachte leise.

“Ich weiß es nicht. Ich vermute es nur.”

Er blickte wieder zu den beiden Dschan, die nun mit dem Gefangen davon schwebten. Er hoffte, dass der Junge wirklich überlebt hatte, aber was er sah sprach dafür. Sotan wäre zu ihm gekommen, wenn es anders gewesen wäre.

“Aber eines ist klar,” fuhr er fort, “das dort ist wirklich eine echte Dschankönigin! Die Augen, das lange Gespinst, ihre Ausstrahlung und sogar ihr Verhalten sind stimmig. Außerdem sprechen das Verhalten und die Ehrfurcht der anderen Dschan dafür.”

Die Meisterin an seiner Seite nickte nachdenklich.

“Aber warum,” mischte sich nun der andere Rotgewandete ein, “ist sie so zierlich? Hängt das womöglich mit den Genen zusammen? Würde sie es womöglich weitervererben?”

Der oberste Meister nickte langsam.

“Das sind sehr kluge Fragen.”

Er sah kurz zu dem anderen Mann hinüber.

“Lasst uns nach unten gehen und mit den andere darüber reden. Wir müssen nun auch überdenken, wie wir mit Sotan weiter verfahren. Wollen wir bei dem Programm bleiben, das wir mit ihm angefangen haben, oder unterbrechen es und gönnen ihm sich auf ganz natürlichen Weg fortzupflanzen. Er schien sehr interessiert an der Jungkönigin zu sein und sie war ihm offensichtlich auch nicht abgeneigt.”

Als die anderen nickten, wandte er sich ab und begann loszugehen. Die andern beiden folgten ihm ohne Umschweife.

“Können wir,” meldete sich die Meisterin zu Wort, “nicht beides machen? Ich meine, wir brauchen nicht mehr viele Sitzungen mit Sotan, dann haben wir alles und da es noch etwas dauert, bis die Jungkönigin ganz ausgereift ist, können wir diese Zeit ja nutzen.
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Nur für alle Fälle, versteht ihr?”

Die beiden Männer reagierten mit leisem Lachen und zustimmenden Nicken.
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Punktestand der Geschichte:   54
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Kommentare zur Story:

  Huhu Jingizu,
auch hier gleich mal danke für die Anmerkung.
Ihc muss zugeben, ich bin selber ganz und gar nicht zufrieden mit diesem Teil, auch wegen dem rekapitulieren. Wenn ich die Geschichte überrarbeite werden daher sicher einige Stellen dran glauben.

Ja das Mitleid der jungen Dschankönigin hat schon seinen Grund. Ich habe ja noch so einiges vor mit ihr. ;-)  
   Tis-Anariel  -  04.10.12 18:43

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  Dass du hier anfangs die vorherigen Kapitel aus ihrer Sicht rekapitulierst hat mich zuerst etwas verwirrt. Ich dachte tatsächlich, ich hätte da etwas zwischen Kap. 29 und 30 verpasst.

Du nimmst dir wieder viel Zeit für das Kapitel, denn wie auch in den letzten beiden passiert nicht wirklich viel. Die Beschreibungen sind ausführlich und ganz darauf ausgelegt uns die Gedankenwelt der Dschan nher zu bringen.
Leicht stört es mich, dass die Königin ihrer neuen, leckeren Nahrungsquelle tatsächlich Mitleid entgegenbringt, aber das muss wohl bei den Guten so sein ;)  
   Jingizu  -  04.10.12 05:43

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  Hallo Gerald,

es freut mich, dass du auch diesen Teil kommentierst. Auch dir mal ein große Danke dafür.

Ja jetzt nochmal alles aus ihrer Perspektive, vor allem um auf ihre Gefühle noch etwas einzugehen.
Oh ja die Meister. Die führen Schlimmes im Schilde.

Liebe Grüße auch an dich...  
   Tis-Anariel  -  23.08.12 17:04

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  Jetzt nochmal alles aus dem Blickwinkel der Dschankönigin betrachtet. Der Schluss lässt mich aufhorchen. Gar nichts gutes haben die Meister vor.  
   Gerald W.  -  23.08.12 13:50

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  Huhu Petra,

auch dir jetzt mal hier danke für dein ausdauerndes Lesen und Kommentieren dieser Geschichte.
Nun eigentlich findet sie eher Gefallen an Sotan. Im Moment ist sie wohl hauptsächlich neugierig. Aber ob sie wohl noch die Kurve kriegt, oder wird sie am Ende eine der Bösen werden?

Liebe Grüße auch dir...  
   Tis-Anariel  -  22.08.12 03:17

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  Nejasasaniah findet wohl gefallen an den finsteren Machenschaften der Meister. Aber die haben wohl nichts gutes mit Sotan vor. Ich hoffe ja immer noch, dass sie doch erkennen wird, worum es hier geht.  
   Petra  -  21.08.12 21:03

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  Liebe Doska,

jetzt muss ich mich mal echt bedanken für dein ausdauerndes Kommentieren. Find ich toll.

Nun, so richtig verliebt ist sie wohl nicht. Aber es ist halt so, dass die Süße bald ausgereift ist und da kommen ihr nu die Hormone in die Quere.. ich werde versuchen das in den kpommenden Kapiteln noch deutlicher hervorzuheben.

Ja was haben die wohl mit Sotan vor? Schlimme Dinge.


Es kann jetzt übrigens ein wenig länger dauern, bis der nächste Teil fertig ist.Ich steck da grad an ner recht schwierigen Stelle fest.

Liebe Grüße dir...  
   Tis-Anariel  -  21.08.12 16:17

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  Was mögen die Meister mit dem armen Sotan vorhaben? Die kleine Dschankönigin scheint ja ziemlich verliebt in ihn zu sein.  
   doska  -  20.08.12 14:15

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