Blutmond - Karms Reise -29-   68

Fantastisches · Romane/Serien

Von:    Tis-Anariel      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 18. August 2012
Bei Webstories eingestellt: 18. August 2012
Anzahl gesehen: 1125
Seiten: 10

Diese Story ist Teil einer Reihe.

Verfügbarkeit:    Die Einzelteile der Reihe werden nach und nach bei Webstories veröffentlicht.

   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


Auch dieser Teil und der folgende ebendso waren recht schwer für mich zu schreiben.

Ich hoffe es gefällt trozdem.







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Als hätte sie ihn gespürt, wandte sich die junge Dschan Sotan zu. Und erst jetzt wurde ihm bewusst, wie jung sie wirklich war. Verblüfft fragte er sich, wo sie eigentlich herkam. Es hatte nur eine einzige Königin den Transfer in diese Welt überlebt, Lahsahnes war ihr Name. Soweit er wusste, verweigerte sie seither eine Vereinigung. Wo also war diese junge Dschan hergekommen? Vielleicht hatte die Königin damals ja ein befruchtetes Königinnenei in sich, als sie in dieser Welt herübergerissen wurden. Das würde natürlich ihren Bruch mit den Meistern erklären. Wollte sie womöglich nur ihre ungeschlüpfte Tochter beschützen?

Konnte es sein, schwebte hier Lahsahnes jüngste Königinnentochter vor ihm?

Er hatte erst angenommen, dass vielleicht eine Sesial den Sprung zur Königin geschafft hatte. Das passierte gerne wenn es zu wenige Königinnen gab. Aber dafür war diese Dschan eindeutig zu jung. Sie musste hier in dieser Welt geschlüpft sein. Es gab eine zweite Möglichkeit, nämlich dass in einer Sesial ein Königinnenei gereift war. Auch dass geschah manchmal wenn es zu wenige Königinnen gab, oder die bestehende Königin sich nicht mehr fortpflanzte und es keine Nachfolgerin gab.

Aber dafür war diese hier zu weit entwickelt, zu stark und ihre Ausstrahlung zu mächtig. Diese junge Königin war eindeutig das Ergebnis einer starken, voll ausgereiften Königin und eines nicht minder starken Partners.

Vorsichtig näherte er sich dem unruhigen Wesen und schenkte ihr ein kleines Lächeln. Ganz unvermittelt erwiderte sie jenes und Sotan verspürte erneut ein heftiges Ziehen im Unterbauch. Es gab einfach nichts verführerischeres für einen Drohnei, als eine junge, fast reife Königin, besonders wenn sie so schön wie diese war. Ganz unerwartet suchte ihn ein seltsamer Gedanke heim.

Vielleicht sollte er sie verscheuchen, sie so erschrecken, dass sie bei der nächsten Gelegenheit das Weite suchte und nie wieder hier her kam. Wie konnte er nur versuchen, ein so wunderschönes Wesen zu etwas zu verführen, wovon sie womöglich nie wieder wegkam und das sie vielleicht verderben und verdrehen würde? Konnte er das wirklich?

Sein Lächeln verschwand und ernst sah er der Dschan entgegen, die nun zu ihm herunter kam und ihn neugierig musterte.
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“Warum so ernst,“ fragte sie ihn ,“ist dein Zweibeinmeister wütend auf dich?“

Er lächelte leicht und seufzte leise.

“Ja,“ gab er zu, “ich habe heute einige sehr dumme Fehler begannen, das hat ihn geärgert.“ Er hielt kurz inne. “Ich möchte euch bitten, wenn ihr die Umgangssprache beherrscht, dann nennt ihn nicht mehr so, das würde ihn auch sehr verärgern und ich möchte nicht, dass er euch böse ist.“

Ihr Gesicht zeigte erstaunen und sie legte den Kopf schräg. Es schien, als wolle sie etwas bestimmtes fragen, ließ es dann aber bleiben. Stattdessen schwebte sie wieder etwas höher und umrundete den Drohnei, wobei sie ihn von allen Seiten genau musterte. Sotan musste erneut lächeln. Ihr war das vielleicht nicht ganz klar, aber das war das Verhalten einer fast reifen Königin. Jeder männliche Dschan der einer Königin in diesem Zustand begegnete konnte mit dieser Behandlung rechnen. Das war nur natürlich, denn für eine Jungkönigin wurde in diesem Phase jeder männliche Dschan zu einem potenzialen Partner. Mit diesem Verhalten verschaffte sie sich nur einen Überblick und konnte so schon eine Auswahl treffen, noch bevor sie ihr Gegenüber richtig kennengelernt hatte.

Sotan hielt still und folgte der Bewegung der jungen Dschan nur mit dem Blick. Ihm war durchaus klar, dass er als Drohnei durchaus Chancen bei ihr hatte und sie ihn vielleicht sogar als Erstpartner in Erwägung zog. Als sie ihm plötzlich von hinten ganz nahe kam und er ihren Atem kurz im Nacken spürte, lief ein Schaudern durch seinen Körper. Offenbar gefiel ihr sein Aussehen, denn nun hatte sie seinen Geruch aufgenommen. Das war ein rein instinktives Vorgehen, das sie da zeigte und fiel ihr selber wohl nicht einmal wirklich auf. Auch ihn ihm meldeten sich nun die Instinkte mit Macht, aber Sotan hatte gelernt, sie ihn Zaum zu halten. Trotzdem schluckte er leicht und als einer ihrer langen Tentakel ihn unabsichtlich streifte, meldete sich das Ziehen im Lendenbereich deutlich zurück.

Sotan holte tief Luft, riss sich zusammen, schwebte etwas von der jungen Königin fort und wandte sich ihr nun freundlich lächelnd zu.
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Die Dschan wirkte einen langen Moment ziemlich verblüfft, da ihr Spiel so plötzlich unterbrochen worden war. Der große Drohnei jedoch nahm diese Verwirrung gerne in Kauf, war ihm doch gerade sehr deutlich klar geworden, wohin ein weiterführen dieses Spieles geführt hätte und dafür war diese Schönheit noch nicht ganz bereit.

Er wartete einige Augenblicke, damit sich die Jungkönigin wieder fangen konnte.

“Der Meister,” meinte er , “denkt, dass ihr einen weiten Weg hinter euch habt und lässt euch ausrichten, dass ihr euch gerne an seinem Gefangen nähren könnt, bevor ich euch diesen Ort zeige und eure Fragen beantworte, so weit ich sie beantworten kann.”

Sie sah ihn erstaunt an und dann reagierte sie so, wie er es befürchtet hatte. Sie stieg etwas entrüstet höher und plusterte sich erregt auf.

“Von einem Lebewesen,” fragte sie ungläubig, “ich soll mich tatsächlich von einem Lebewesen nähren?”

Sotan hob besänftigend die Hände und folgte ihr ein kleines Stück in die Höhe.

“Es gibt nichts anderes,“ meinte er leise, “und nähren müsst ihr euch früher oder später. Je früher ihr euch daran gewöhnt, das lebendige, pulsierende Licht, von dem wir leben, von Lebewesen zu nehmen, um so besser.“

Die Dschan starrte Sotan fragend an. Der große Dschan wirkte unglücklich und es tat ihm auch irgendwie leid, diese junge Königin dazu zu überreden, aber wenn sie überleben sollte, dann musste sie irgendwann so handeln. Mal ganz davon abgesehen, dass die meisten Dschan den Geschmack, den Angst und Schmerz dem Licht verliehen, als sehr angenehm empfanden. Er musste sie nur dazu bringen es wenigstens zu versuchen, alles andere würde sich dann hoffentlich von selbst ergeben.

“Versteht ihr,” fuhr er daher leise fort, “es gibt in dieser Welt keine andere Quelle dafür, aber wir sind darauf angewiesen. Also müssen wir es von Lebewesen nehmen, oder wir verhungern.” Er schwebte ein wenig auf die aufgebrachte Dschan zu und streckte ihr vorsichtig die Hände entgegen. “Ich weiß, dass Dschan sehr lange auch ohne Nahrung überleben können, aber wenn wir hungern werden wir stetig schwächer, bis wir irgendwann einmal nicht mehr sind.
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Außerdem ist Hunger nichts schönes. Ich weiß das, das könnt ihr mir glauben. Schließlich habe ich Jahrhunderte gehungert!”

Die Jungkönigin wirkte noch immer eher unwillig, aber nun auch etwas verwirrt. Sie ließ sich etwas herabsinken, so dass sie Sotan wieder auf Augenhöhe begegnetet, nahm aber nicht die ihr dargebotenen Hände an, sondern blieb knapp außerhalb seiner Reichweite. Sie musterte ihn auf eine seltsame Art, bei der sich der große Dschan nicht ganz sicher war, was sie als nächstes tun würde.

“Hunger,” fragte sie schließlich, “was meinst du damit? Ich verstehe nicht so ganz.”

Nun wirkte auch Sotan etwas verwirrt. Wie konnte es sein, dass sie mit dem Gefühl von Hunger nichts anfangen konnte, es offenbar noch nicht einmal kannte?

Dann jedoch kam ihm ein ganz anderer Gedanke und seine Augen weiteten sich erstaunt. Wenn sie , wie er vermutete wirklich in dieser Welt geschlüpft war, dann konnte das erst passiert sein, nachdem er und die anderen Dschan in die Eishöhle gebannt wurden. Er wusste, dass dabei ein Teil der von diesen Dschan gespeicherten Energie auf die alte Königin, auf Lahsahnes übertragen wurde, die damit den ihr verbliebenen Schwarm offenbar die ganze Zeit ernährt hatte. Wenn er sich hier also wirklich ihrer Königinnentochter gegenübersah, dann war diese schöne Dschan zu einem Zeitpunkt geschlüpft, zu dem ihr Schwarm über nur sehr wenig Energie verfügte. Vermutlich hatte jedes einzelne Mitglied des königlichen Schwarms dazu beigetragen diese Jungkönigin zu füttern und sie großzuziehen. Und ganz bestimmt hatte die Energie, die sie dafür aufbringen konnten gerade soeben dafür gereicht. Das würde auch ihre zierliche Gestalt erklären. Es war nicht so, dass sie keinen Hunger kannte. Was sie nicht kannte, war das Gefühl satt zu sein! Sie hatte wahrscheinlich so lange sie denken konnte Hunger und zwar immer und weil das so war, dachte sie, es müsste sich so anfühlen. Dabei hatte sie sich an einen Zustand gewöhnt, den die meisten Dschan nach einer gewissen Zeit als immer unangenehmer und irgendwann als quälend empfanden.

Vermutlich hatte sie sich überhaupt noch nicht genährt.
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Normalerweise wurden junge Dschan schon viel früher an die Nahrungsquellen herangeführt, aber da sich Lahsahne weigerte sich von Lebewesen zu ernähren, war das wohl nicht geschehen.

Er schluckte und fragte sich, ob er dieser jungen Königin das wirklich antun wollte. Ihr das wundervolle Gefühl zeigen, das man hatte, wenn man tatsächlich satt war?

Das Gefühl würde vergehen und dann erkannte sie womöglich Hunger genauso wie alle anderen Dschan auch. Vielleicht war er dann für sie sogar noch schlimmer. Er zögerte kurz, doch dann wurde ihm klar, dass ihm gar nichts anderes überblieb. Der Meister wollte dass sie bewies, dass sie sich auch an einem Lebewesen nähren würde und wenn sie es nicht tat, dann würde ihr der Meister womöglich etwas antun. Sie musste es zumindest versuchen!



Vorsichtig streckte er der Jungkönigin erneut die Hand entgegen.

“Es ist gar nicht so schlimm,” Sotans Stimme wurde plötzlich sanft, “und man gewöhnt sich dran. Der Geschmack ist am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, aber er ist nicht schlecht.”

Verunsichert ließ sie zu, dass er nun ihre Hand ergriff. Sein Griff war vorsichtig und sanft.

“Ihr seit Lahsahnes jüngste Königinnentochter, nicht wahr?”

Die Stimme des Drohnei war noch immer sanft und leise, während er die schöne Dschan ein wenig zu sich herabzog.

“Und ihr habt euch auch noch nie genährt, oder?”

Sie seufzte leise.

“Nein,” gab sie zu, “ich habe mich noch niemals genährt und ja, ich bin Lahsahnes Tochter.”

Sie musterte ihn aufmerksam und betrachtete dann ein wenig verwirrt ihre Hand, die noch immer leicht in seiner lag.

“Aber mich von einem Lebewesen nähren, das erschreckt mich. Das fühlt sich so falsch an.”

Sie klang besorgt und Sotan verbarg alle seine zwiespältigen Gefühle hinter einem leichten Lächeln.

“Versucht es wenigstens,” meinte er, “ich erkläre euch ganz genau, was ihr tun müsst und ich zeige es euch auch. Es ist nicht sehr schwierig.”

Sie wirkte immer noch unsicher, doch Sotan ließ ihr die Zeit, die sie brauchte. Innerlich jedoch wand er sich. Sie war nicht der erste Dschan, den er dazu überreden musste und bisher war ihm das fast immer gelungen.
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Der schwierigste Schritt war es, sie überhaupt zuerst einmal dazu zu bringen, sich von einem Lebewesen zu nähren. Bisher hatte er sich keine großen Gedanken darüber gemacht, ob das richtig oder falsch war, schließlich gab es auf Dauer eben nur diese Möglichkeiten. Doch nun, im Angesicht dieser wunderschönen, jungen Dschankönigin, für die Hunger der Normalzustand war, fragte er sich zum ersten Mal seit sehr langer Zeit, ob das was er tat wirklich richtig war.

Entschlossen schob Sotan diese Gedanken beiseite. Der Meister würde sie womöglich zwingen das zu tun, oder er würde ihr schaden, wenn sie sich verweigerte. Also musste sie es ganz einfach tun.

Erneut verbarg er seine Gefühle hinter einem Lächeln.

“Es ist wirklich nicht schwierig,” wiederholte er nun leise, “und ich werde euch helfen. Habt keine Angst, es kann euch dabei nichts passieren. Außerdem würde sich dann auch der Meister wohler fühlen,” spielte er seinen letzten Trumpf aus, “er sorgt sich nämlich deswegen.”

Sotan sagte nicht dazu wegen was genau sich der Meister sorgte. Die junge Dschan war auch so schon nervös und unsicher genug. Ihr Blick schweifte zwischen dem Gefangen und dem Dschan hin und her. Sie wusste wirklich nicht so recht, was sie tun sollte. Schließlich seufzte sie leise.

“Nun,” meinte sie, “ich könnte es ja versuchen.”

Sotan atmete erleichtert auf und festigte sachte seinen Griff um ihre zarte Hand. Es wäre sicher schön ihren Namen zu kennen und er gab dem Impulsiven Gedanken nach und fragte sie.

“Darf ich euren Namen erfahren?”

Sie hielt inne und musterte ihn darauf mit einem intensiven Blick. Dann ganz plötzlich schenkte sie ihm ihr wunderschönes Lächeln, dass sich unversehens zu einem frechen Grinsen verbreiterte.

“Nur wenn ich deinen erfahre.”

Jetzt musste er selber wieder lächeln.

“Nennt mich Sotan.”

Die Stimme des Dschan war leise geworden und die junge Königin legte den Kopf erstaunt schräg.

“Das ist aber,” meinte sie überrascht, “kein Dschanname. Willst du mir diesen nicht verraten?”

Der große Drohnei blinzelte überrascht, dann jedoch lächelte er.
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Er trug diesen Namen jetzt schon mehrere Jahre und die Meister sahen es nicht so gerne, wenn die Dschan untereinander ihre eigenen Namen verwendeten, zumindest bei jenen nicht, denen sie selber Namen gegeben hatten. Er dachte kurz über die Frage der jungen Königin nach. Schließlich lächelte er wehmütig.

“Das stimmt,” meinte er leise, “das ist nicht mein Dschanname, aber nun ist es mein Name. Einst trug ich den Namen Sohsonekaneh, aber das ist schon lange her. Ich bin nicht mehr dieser Dschan. Ich bin nicht mehr Sohsonekahne, heute bin ich nur noch Sotan.”

Der große Dschan klang traurig und die junge Königin bemerkte das sofort, ging darauf aber nicht ein. Stattdessen wirkte sie nachdenklich. Schließlich nickte sie leicht.

“Ich glaube ich verstehe,” antwortete sie, “und ich finde das sehr traurig. Aber ich finde es nett, dass du mir deinen Dschannamen genannt hast. Mein Name ist Nejasasaniah.”

Sotan lächelte sie an.

“Was für ein schöner Name,” bemerkte er, “und so passend. Weißt du was er bedeutet?”

Nejasasaniah nickte.

“Ja,” antwortet sie, “Wind im Gras, das bedeutet er. Und Sohsonekahne bedeutet: Der Schatten unter den Bäumen. Das ist auch ein schöner Name, finde ich.”

Der große Drohnei lächelte etwas traurig und streckte ihr dann die Hand entgegen, die sie vorsichtig ergriff. Sie seufzte erneut, ließ sich dann aber von ihm hinab und auf den Gefangen zu ziehen. Sie wirkte immer noch sehr zögerlich auf Sotan und schien sich noch immer nicht besonders wohlzufühlen, bei dem Gedanken sich von einem Lebewesen zu nähren, aber zumindest kam sie mit ihm.



Der Meister, der neben dem Gefangen stehen geblieben war, beobachtete aufmerksam die beiden Dschan und konnte sich ein kleines, böses Lächeln nicht verkneifen. Es war ganz offensichtlich, dass Sotan großen Gefallen an der jungen Königin gefunden hatte und sie schien dem großen Dschan auch nicht abgeneigt zu sein. Offenbar zierte sie sich etwas bei dem Gedanken sich von einem Lebewesen zu nähren, aber er vertraute da auf Sotan. Sie wäre nicht die erste, die der fähige Dschan zu diesem Schritt überreden konnte. Und tatsächlich ließ sie sich bald von ihm bei der Hand nehmen.
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Der oberste Meister lachte leise und dunkel, dann trat er neben den Stuhl, in dem Aridian noch immer gefesselt saß und das Geschehen mit gemischten Gefühlen beobachtete. Nun aber lenkte die Bewegung des Meisters seine Aufmerksamkeit auf den Rotgewandeten Mann zurück. Er zuckte zurück als der Mann die Hand hob, doch er tat nichts weiter, als ihm einen seiner Zöpfe aus dem Gesicht zu streichen. Diese Berührung von gerade dieser Person war so widersinnig sanft, dass sich der Albaelih unwillkürlich fragte, was dieser schreckliche Mann denn nun wieder mit ihm im Sinn hatte.

Einen Moment später bewahrheitete sich die Befürchtung des jungen Kriegers, denn der Magier packte ihm hart am Kinn und zwang seinen Kopf in den Nacken. Bevor er sich versah lag die Hand des Meisters auf seiner so entblößten Kehle und der Mann sprach eine kurze Formel. Ein heftiges Stechen fuhr dem Albaelih daraufhin durch Hals und Kiefer und er sackte ein wenig zusammen, nachdem ihn der Magier wieder losgelassen hatte. So schnell und plötzlich dieser Schmerz gekommen war, so schnell verschwand er auch wieder. Aber noch bevor er sich wieder gefangen hatte, griff der Magier nach seiner rechten Hand und brach ihn einfach so mit einer kurzen Bewegung den kleinen Finger. Aridians Augen weiteten sich. Erschrocken und Schmerzerfüllt schrie er auf, oder besser gesagt er wollte aufschreien, nur dass aus seinem Mund kein Ton kam. Der Meister lachte leise über den Gesichtausdruck des Gefangen. Dann jedoch ließ er sich dazu herab dem erschrockenen jungen Mann zu erklären, warum er nun stumm war.

“Das da,” meinte er und deutet kurz zu der neuangekommenen Dschan hinauf, “ist eine junge, fast reife Königin. Kleiner weißt du eigentlich was für ein Glück du hast so etwas überhaupt zu Gesicht zu kriegen? Wenn Sotan sie dazu überreden kann, dann wird sich die Kleine noch heute an dir nähren.” Der Meister kicherte leise. “Das Problem dabei ist, dass die meisten Nachttode, wenn sie sich das erste Mal nähren, nicht unbedingt geschickt dabei sind. Es wird mit Sicherheit ganz schön weh tun und du wirst schreien. Das würde sie vermutlich erschrecken und weil ich das nicht will, habe ich dir nun für einige Stunden die Stimme genommen.”

Er lachte wieder leise, doch dann wandte er sich ab und sah den beiden Dschan zu, die sich wohl annäherten.
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Schließlich ließ sich die junge Königin erneut von Sotan bei der Hand nehmen und sich auf den Gefangenen zuziehen. Aufmerksam betrachtete der Meister die beiden Nachttode und Sotan nickte ihm kaum merklich zu. Die Lippen des Meisters verzogen sich daraufhin zu einem breiten Lächeln. Er hatte es geschafft, die junge Dschan würde sich noch heute nähren.

Aridian hingegen sah dem ganzen weniger enthusiastisch entgegen, schließlich war er es, der als Zwischenmahlzeit herhalten sollte und blöderweise glaubte er dem Rotgewandeten Peiniger, wenn der ihm sagte, etwas würde weh tun. Von dem gebrochene Finger strahlte pulsierender Schmerz bis ins Handgelenk aus, aber das war das kleinste Problem. Er hatte Angst und auch wenn er versuchte sich diese nicht anmerken zu lassen, so war sie eben dennoch da. Er biss die Zähne zusammen und wandte seinen Blick von dem Magier ab und nach vorne, wo sich ihm nun die beiden Dschan langsam näherten.

Die weibliche Dschan musterte ihn auf eine seltsame intensive Weise.

Aridian erwiderte diesen Blick ziemlich unglücklich und schluckte stumm. Er wusste nicht was schlimmer war. Zu wissen, dass sich in wenigen Augenblicken gleich zwei Nachttode an ihm zu schaffen machen würden, oder dass er diesmal nicht einmal dabei schreien konnte. Aus der Nähe kam die exotische Schönheit dieser jungen Dschankönigin sogar noch besser zur Geltung. Aber das war dem Albaelih nun auch egal, denn das Wesen hatte begonnen mit seinen Tentakeln seinen Körper sacht abzutasten. Sie tat das wohl unter Anleitung des männlichen Dschan, der mit ihr in ihrer eigenen, leicht zischenden Sprache sprach. Schließlich wich sie zurück und machte dem großen Dschan Sotan Platz, der ließ nun ebenfalls seine Tentakel über Aridians Haut gleiten und sprach dabei weiterhin in dieser seltsamen Sprache mit der jungen Königin. Er schien ihr offenbar die besten Stellen zu zeigen, wo sie die Stachel ihrer Tentakel versenken konnte.

Für Aridian war die ganze Sache nicht wirklich angenehm, zwar geschah ihm körperlich noch nichts, doch seelisch waren diese Berührungen, die gegen seinen Willen geschahen nur schwer zu ertragen. Er zuckte immer wieder zusammen und sein Atem ging nun langsam heftiger. Es war ganz offensichtlich das der junge Mann Angst hatte.
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Schließlich ging der Nachttod so weit, dass er die Stachel zwei seiner Tentakel in Aridians Fleisch versenkte, den ersten jagte er dem Albaelih dabei schnell durch die Haut, was den jungen Krieger zusammenzucken ließ. Den zweiten Stachel aber drückte der Dschan dem jungen Krieger langsam in den Körper. Aridans Kehle entrang sich daraufhin ein atemloses Ächzen, zu mehr war er im Moment nicht fähig. Sotan ließ sich davon nicht beirren und erklärte der jungen Königin ganz genau was er tat und auch wie er es tat. Als sich das typische Kältegefühl unter Aridians Haut ausbreitete, reagierte er mit einem Wimmern und dann bäumte er sich unter Schmerzen auf, als der Nachttod begann ihm das Leben auszusaugen. Lang jedoch nährte sich Sotan nicht an dem jungen Mann. Behutsam löste er sich von Aridian und überließ der jungen Dschankönigin seinen Platz.

Zaghaft ließ sie erneut ihre Fortsätze über die Haut des Albaelih gleiten. Schließlich fand sie eine passende Stelle und stach dann nach einem weiterem Zögern zu. Das leise Geräusch, dass der junge Mann dabei von sich gab, ließ sie ganz kurz das Gesicht verziehen. Ihr tat der Gefangene immer noch ein wenig leid. Doch dann begann sie zu saugen, der junge Mann warf gepeinigt den Kopf zurück und verfiel in Zuckungen.
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Kommentare zur Story:

  Huhu Jingizu...
vielen Dank für die Anmerkung, das ist mir selber gar nicht aufgefallen, aber du hast Recht.

Na mal sehen, vielleicht kreig ich dne Fiesling von Meister ja noch von seinem Überbösewichtrolle runter. Versprechen kann ich da aber nichts.

Jaaa und mit den Dschan, also da hab ich mir wirklich sehr komplizierte Wesen eingefangen. Es is gar nicht so einfach die zu schreiben.
Auh hie rdanke für die Anmerkung...weil so romatisch wollte ich die eigentlich nicht haben.  
   Tis-Anariel  -  04.10.12 18:34

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  Gleider der zweite Satz "Und sie war wirklich jung, wurde ihm jetzt erst bewusst." klingt wirklich schrecklich ^^
Ein "Und wie jung sie war, wurde ihm jetzt erst bewusst." (oder so ähnlich) passt vom Ausdruck her besser als dieses Konstrukt.
Die Dschan, vor allem jetzt, da du sie immer weiter vermenschlichst, bekommen langsam diese morbide-romantischen Vampirzüge ich bin jetzt mal gespannt wie Konsequent du ihre Raubtier-Insekten-hafte Natur weiter durchziehst, wenn sie auf den Rest deiner Leute treffen.

Der Meister ist mir zwar noch immer etwas zu übertrieben böse, so als ob er in jedem Satz und jeder Bewegung unbedingt den Leser vermitteln muss, dass er von Grundauf schlecht ist, aber das ist nunmal dein Ding mit ihm und es ist ja auch nichts Schlechtes daran.  
   Jingizu  -  04.10.12 05:33

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  Huhu Gerald,

wie schön, dass auch du noch weiterliest.
Ja da hat sie sich doch glatt überreden lassen. Wollen wirmal das beste für sie hoffen.

És freut mich, dass dir meine Darstellung dieser seltsamen Wesen so gut gefällt. Ist nämlich gar nicht so einfach.  
   Tis-Anariel  -  23.08.12 17:01

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  Oh, da hatte ich mir Chancen für Aridian errechnet, dass er nicht drankommen würde, aber sie hat doch nachgegeben. Da kann ich nur hoffen, dass die Meister nicht noch eine weitere Sklavin in der jungen Dschankönigin bekommen haben. Schön geschrieben und toll wie du diese merkwürdigen Gestalten darstellst.  
   Gerald W.  -  23.08.12 13:46

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  Hallo Petra,

na das freut mich ja, dass man das nicht merkt.
Schön dass ich dir überraschen konnte und ja, jetzt hat sich die Kleine doch glatt überreden lassen. Was das wohl noch wird?

Liebe Grüße dir  
   Tis-Anariel  -  22.08.12 03:11

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  Man merkt gar nicht, dass dir dieser Teil schwer gefallen ist. Er kommt so locker und leicht daher als wäre er dir nur so aus der Feder geflossen, beziehungsweise in die Tastatur geflitzt. Spannend wie immer und überraschend, denn ich hätte nicht gedacht, dass die Dschanprinzessin tatsächlich auf Sotan hören würde.  
   Petra  -  21.08.12 21:00

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  Huhu Doska,
wie schön, dass du noch liest, trotzt der momentanen Hitze.
Herzlichen Dank für deinen Kommentar.

Ja da hat sie sich wohl doch überreden lassen. Ob sie sich damit nicht mal gehörig in Schwierigkeiten gebracht hat.

Liebe Grüße dir...  
   Tis-Anariel  -  21.08.12 16:11

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  Schade, also hat sich die junge Dschankönigin doch von Sotan überreden lassen, den armen Aridian zu quälen, um sich von ihm zu ernähren. Ein trauriges Kapitel aber auch spannend. Da bangt man ja richtig mit, dass der arme Aridian endlich befreit wird.  
   doska  -  20.08.12 14:04

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