Blutmond - Karms Reise - 28 -   69

Fantastisches · Romane/Serien

Von:    Tis-Anariel      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 13. August 2012
Bei Webstories eingestellt: 13. August 2012
Anzahl gesehen: 1280
Seiten: 9

Diese Story ist Teil einer Reihe.

Verfügbarkeit:    Die Einzelteile der Reihe werden nach und nach bei Webstories veröffentlicht.

   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


So der neue Teil: Er ist etwas anders geworden, als ich zumindest dachte und war echt nicht so einfach zu schreiben.

Ich hoffe er gefällt euch.

Liebe Grüße

Anariel



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Der Meister grinste voller Freude. Eine junge, fast reife Dschankönigin, das war das beste was passieren konnte. Jetzt musste er die Kleine nur noch richtig einwickeln, damit sie auch hier blieb und sich ihm, ganz ähnlich wie Sotan, unterordnete.

Dschan fühlten sich im Schwarm einfach viel wohler und für die Sicherheit und Geborgenheit, die so ein Schwarm bot, taten sie so einiges. Selbst wenn ihnen das etwas unangenehm oder gegen ihre Instinkte ging. Dschan wurden zum gehorchen geboren und wenn jemand stark genug war und ihnen sagen konnte, wo es lang ging, dann folgten sie diesem jemanden. Aber nur einer starken Königin folgten sie beinahe bedingungslos. Viele der Nachttode, die er und die anderen Meister mithilfe des Rufes aus dem Schwarm der bisher einzigen Königin gelockten hatten, konnte sie nur deswegen herlocken, weil die alte Königin schwächer wurde und der Hunger auch an diesem Schwarm nagte. Jene Dschan, die in der Eishöhle gebannt worden waren, hatten sich alle dem erfahrenen, starken Sotan ungeordnet und waren denkbar froh gewesen, als es den Meistern endlich gelang, sie zu befreien. Da diese bereits mit der Königin gebrochen und anderen Meistern gefolgt waren, war es ein leichtes für die neuen Meister die dankbaren Kreaturen erneut in die Knechtschaft zu drängen. Bei Sotan und einigen anderen war das jedoch nicht so einfach gewesen. Dem große, kluge Dschan war es tatsächlich gelungen, in den starken Bannen, die sie in der Eishöhle gefangen hielten eine kleine Schwachstelle zu entdecken. Er und weitere dreißig seiner Artgenossen schafften es sich durch diese hindurchzuzwängen. Sie verwüsteten tatsächlich drei kleinere Ortschaften und hätten wohl so auch weitergemacht, wenn sie nicht von der Magiergilde erneut gebannt worden wären. Die Magier brachten die Dschan zurück in die Eishöhle und verschlossen die Schwachstelle mit neuen Bannen. Dennoch blieb dieses Schwachstelle bestehen und die neuen Meister konnten nun ein halbes Jahrhundert nach diesen Vorkommnissen genau diese Stelle nutzen um die Zauber auf dem Ort auszuhebeln und die Gefangene Wesen zu befreien.
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Das dauerte natürlich und bei ersten Versuch konnten sie die Banne nur kurz heben. Aber lang genug, dass einige der gefangenen Dschan heraus kamen. Unter ihnen Sotan, geschwächt, misstrauisch und wütend.

Es hatte ihn Monate gekostet den misstrauischen Dschan einzuwickeln und erst nachdem er Sotans Schwächen herausgefunden hatte, war es ihm möglich gewesen ihn zu manipulieren, zu brechen, zu biegen, zu beugen und am Ende so zu verdrehen, dass er dem Meister fast sklavisch ergeben war und ihm beinahe bedingungslos gehorchte. Insgesamt hatte der Magier über drei Jahre für dieses Kunststück gebraucht, aber diese Investition hatte sich gelohnt. Natürlich hatte er in der Zeit nicht nur an Sotan gearbeitet, sonder auch daran, die anderen Dschan aus ihrem Gefängnis zu holen. In dieser Zeit lernte der Meister aber auch viel von Sotan über die Nachttode. Wie sie dachten, wie sie lebten und fühlten. Auch das hatte den großen Dschan wertvoll werden lassen.

Schließlich gelang es den Meistern etwa fünf Jahre, nachdem sie die ersten Dschan befreit hatte, die Banne über der Eishöhle zu brechen und zu zerstören. Auch hierbei erwiesen sich Sotan und die anderen Dschan als praktisch, denn die neubefreiten Nachttode fassten so viel schneller Vertrauen zu den Meistern.



Der Meister grinste leicht, als er bemerkte wie sich Sotan gerade vorsichtig an ihm vorbeibewegte und sich auf eine behutsame Art der jungen Königin näherte, die er dem großen Dschan gar nicht zugetraut hätte. Ganz offenbar war er völlig fasziniert von der hübschen Neuangekommenen. Und schön, das war sie auf jeden Fall, selbst für die Augen des Meisters. Für den Dschan musste sie eine wahrhaftige Schönheit sein. Normalerweise mochte er es nicht, wenn Sotan ihm den Vortritt nahm, aber normalerweise achtete der große Dschan auch darauf. Im Moment jedoch schien nichts anderes mehr für ihn zu existieren, als die hübsche junge Dschankönigin, die nun Sotan interessiert musterte. Dann jedoch kehrte ihr Blick zu dem Meister zurück und der Mann grinste noch stärker.

Er trat einen halben Schritt nach vorne, streckte die linke Hand aus und jagte Sotan einen kleinen Stromstoß in den Rücken. Nichts dramatisches und auch nicht sehr schmerzhaft, aber heftig genug um den Dschan zusammenzucken zu lassen und ihm klar zu machen, dass sein Verhalten dem Meister missfiel.
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Unvermittelt hielt Sotan inne und schwebte regungslos auf der Stelle. Und er tat dabei etwas, was ihm vermutlich selber nicht wirklich klar war. Er nahm eine leichte Demutshaltung an in dem er sich etwas kleiner machte und niedriger schwebte als die junge Dschankönigin.

Der Meister musterte den Dschan amüsiert.

Dann jedoch lenkte er seine Aufmerksamkeit auf die junge Königin zurück und trat nun langsam, sowie bedächtig auf die Kleine zu. Etwas nervös schwebte sie ein wenig höher, plusterte sich ganz sacht auf und ihre Tentakel hoben sich leicht. Er lächelte sie freundlich an und hob beschwichtigend die Hände.

“Keine Angst,” meinte er freundlich, “meine Liebe, keine Sorge. Niemand hier will dir schaden oder dich verletzen. Du bist dem Klang gefolgt, nehme ich einmal an?”

Die Dschan schwebte noch etwas höher und spreizte nun aggressiv die Tentakel ab. Das feine Gespinst, das ihr statt Haupthaar wuchs, hob sich und wallte aufgeregt auf. Ihr kleiner, herzförmiger Mund öffnete sich zu einem beinahe lautlosen Fauchen und ihre Augen verengten sich gefährlich.

Verblüfft wich der Meister einen halben Schritt zurück, dann verengten sich seine Augen und er hob drohend die Rechte. Zwischen den Fingerspitzen knisterten bereits leichte elektrische Entladungen und er war bereit, dieses unverschämte Wesen in seine Schranken zu weisen, doch da mischte sich ganz überraschend Sotan ein.

“Meister,” wisperte der Dschan eindringlich, “bitte, Meister, wartet!”

Der Mann wandte sich unvermittelt dem Nachttod zu und als sein wütender Blick nun ihn traf, duckte sich Sotan ein wenig zusammen. Er hatte heute den Meister schon einige Male verärgert und wenn er nicht aufpasste, dann würde ihm der Magier heute noch einmal bestrafen. Trotzdem fuhr er unterwürfig fort.

“Bitte Meister, vielleicht hatte sie einfach noch keine Gelegenheit eure Sprache zu erlernen. Sie reagiert nur drohend, weil sie euch womöglich nicht versteht und nicht begreift, warum ihr euch nähert. Ich glaube, sie will euch nur auf Abstand halten. Bitte, Meister, bitte lasst mich erst mit ihr sprechen ja, eure Worte in eine Sprache übersetzen, die sie versteht.
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Der oberste Meister musterte den großen Dschan immer noch wortlos und wütend. Das war heute schon das dritte Mal, dass sich dieser vermaledeite Nachttod etwas herausnahm, das ihm nicht zustand. Allerdings war sein Einwand sogar vernünftig und außerdem hatte es ihn davor bewahrt die junge Königin schon am ersten Tag zu verschrecken. Sie war stark diese kleine, zierliche Dschan und er bezweifelte, dass die leichten Zwangzauber, die er schon in den erste Augenblicken um das Wesen geworfen hatte, ausreichen würden um sie wirklich hier zu halten. Wenn die junge Dschankönigin wirklich wollte, dann würde sie diesen Ort trotz dieser leichten Banne verlassen können.

Er atmete tief durch und beruhigte sich.

“Sotan,” fauchte er leise, “das ist heute schon das dritte Mal, dass du dir meinen Ärger zuziehst.”

Der Dschan duckte sich noch etwas mehr zusammen.

“Ich weiß Meister,” antwortete er, “es tut mir leid, Meister.”

“Du hast Glück,” beschied ihm der Meister, ”dein Einwand ist vernünftig und ich habe nicht daran gedacht, dass sie mich womöglich nicht versteht. Du wirst mit ihr sprechen, Sotan und sorge dafür, dass sie hierbleibt! Verstanden?”

Die Stimme des Mannes war hart geworden und kalt, doch der Dschan beugte nur den Kopf.

“Ja Meister.”

Sotan klang kleinlaut und wandte sich auf ein Zeichen des Meisters zu der Dschan um und verbeugte sich ein wenig vor dem exotisch schönem Wesen.



“Der oberste Meister,” sprach er die junge Dschankönigin nun in ihrer eigenen Sprache an, “heißt euch willkommen. Er sagt, dass ihr euch nicht sorgen sollt und auch keine Angst haben braucht, denn niemand hier möchte euch schaden, junge Königin. Er hatte nicht erwarte, dass ihr ihn noch gar nicht verstehen könnt. Aber nun weiß er es und bis ihr diese Sprache versteht, werde ich euch seine Worte übersetzen.”

Er hob beschwichtigend die offenen Hände und wurde sich erst jetzt darüber bewusst, dass er ganz automatisch eine leichte Demutshaltung gegenüber der jungen Königin eingenommen hatte. Darüber wunderte sich Sotan nun doch ein wenig, schlimm jedoch fand er das nicht. Die junge Königin hingegen gab zwar die Drohhaltung auf, entspannte sich jedoch auch nicht.
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Mit einem skeptischen Blick verschränkte sie die Arme vor der Brust.

“Mir will hier keiner schaden,” fragte sie mit einem ironischen Unterton in derselben, leicht zischenden Sprache der Dschan, “bist du dir da sicher? Für mich sah es eher so aus, als wolle dieses Wesen, dass du Meister nennst, so etwas ähnliches wie Blitze auf mich werfen!”

Der große Dschan schenkte ihr ein kleines, kaum sichtbares Lächeln.

“Der Meister,” antwortete er leise, “ist ein sehr mächtiges Wesen und nicht gewohnt, dass ihm jemand droht. Er hat es nicht so gemeint.”

Innerlich wand sich der Dschan bei dieser Lüge, aber er fuhr fort.

“Ihr seid sicher müde,” lenkte er nun von dem gefährlichen Thema ab, “der Weg war bestimmt weit und anstrengend. Bitte bleibt wenigstens einige Tage, erholt euch, ruht euch aus und seht euch in aller Ruhe hier um. Lernt den Ort und die Wesen hier kennen.”

Die junge Königin musterte den Drohnei weiterhin skeptisch, gab aber so langsam ihre angespannte Haltung auf und schließlich verdrehte sie die Augen ein wenig.

“Na gut,” gab sie endlich nach, “du hast Recht, ich bin müde und erschöpft. Ich werde also ein wenig hierbleiben und mir ein Bild von diesem Ort machen.”

Sie musterte den Dschan erneut intensiv.

“Aber natürlich brauche ich jemanden, der mir auch alles zeigt und mir alles erklärt.”

Sie bedachte Sotan mit einem Blick, bei dem diesem tatsächlich die Luft wegblieb. Er schluckte trocken und verspürte ein heftiges ziehen im Lendenbereich. Wie lange war es eigentlich her, dass er sich mit einer Dschan vereint hatte? Mühsam riss er sich zusammen und schenkte der jungen Königin ein weiteres leichtes Lächeln und neigte sacht den Kopf.

“Ich würde mich freuen, “ meinte er leise, “wenn ich euch alles zeigen dürfte.”

Sie musterte ihn erneut so intensiv, dann wanderte ihr Blick zu dem Meister, der abwartend und offensichtlich etwas ungeduldig in der Nähe stand und sie mit scharfen Blick beobachtete. Schließlich wandte sie sich dem großen Dschan mit einem etwas hochmütigen Blick zu.

“Dein Zweibeinmeister,” stellte sie fest , “sieht etwas ungeduldig und ärgerlich aus.
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Sotan schmunzelte sie kurz an, dann jedoch wurde er wieder ernst und wandte sich dem Meister zu, der wirklich ungeduldig aussah.

“Ich habe sie überredet,” meinte er unaufgefordert, “damit sie einige Zeit bleibt. Sie will sich erst alles ansehen und sich ein Bild von diesem Ort machen. Ich würde ihr gerne alles zeigen.”

Der Meister starrte Sotan wortlos an und dem Dschan wurde bei diesem Blick ein wenig anders. Was hatte er den jetzt schon wieder falsch gemacht?

Heute war aber auch wirklich nicht seine Nacht. Erst ließ er sich bei dem Gefangen wegen dem köstlichen Schmerz hinreißen und gehorchte seinem Meister nicht. Dann verweigerte er sich aufgrund einer alten Erinnerung, die ihn überkommen hatte. Gut das war rein instinktiv geschehen, aber eine Verweigerung war eine Verweigerung und so eine zog in den meisten Fällen den Tod oder eine empfindliche Strafe nach sich. Der Meister war gnädig gewesen und hatte sich mit einer deutlichen Drohung begnügt und mit Sotans Angst. Allein das alles hätte schon genügt für eine Nacht, aber nein er hatte sich ja beim Anblick dieser jungen Dschankönigin fasziniert vordrängen müssen und hatte dem Meister den Vortritt genommen, was ihm dieser mit dem kleinen Stromschlag wieder ins Gedächtnis gebracht hatte und dann war er so dumm gewesen und hatte den Meister tatsächlich aufgehalten um die junge Königin zu beschützen. Und jetzt hatte er schon wieder einen Fehler gemacht und der Rotgewandete Magier war mittlerweile so verärgert, dass auch kleinste Fehler Strafen nach sich ziehen würden. Unglücklich duckte sich der Dschan etwas zusammen.

“Meister?”

Sotans Stimme klang zaghaft und der Rotgewandete Mann verengte die Augen.

“Ah,” meinte er giftig, “du erinnerst dich also noch daran wer ich bin, Sotan. Ich hatte gerade den Eindruck du hättest es vergessen.”

Die harte Stimme ließ den Dschan zusammenzucken und dann gab er ein kleines, erschrockenes Geräusch von sich. Verflucht, nun wusste er, was los war. Er hatte die Anrede vergessen und in seinem derzeitigen Gemütszustand verzieh der Meister solche Fehler selten.

“Es tut mir leid Meister.”

Der große Dschan ließ den Kopf hängen und der Meister verzog den Mund zu einem dünnen Strich.
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“Du hast deinen Fehler erkannt, Sotan?”

Die Stimme hatte nichts von ihrer Härte verloren.

“Ja Meister.”

Sotan hätte sich gerne noch kleiner gemacht, aber das ging nicht. Der Meister, der das sah nickte langsam. Jetzt gestattete sich der Mann ein grimmiges Grinsen. Er beschlossen in diesem Augenblick, dass dem Dschan eine gehörige Lektion erteilt werden musste. Mit einem Blick auf die nun wieder etwas nervöse junge Königin verschob er dieses Vorhaben aber auf einen späteren Zeitpunkt. In einem hatte der Dschan nämlich Recht, es war sicher nicht klug diese junge Schönheit schon ganz am Anfang zu erschrecken. Schließlich nickte der Mann langsam und grimmig.

“Dir ist klar, Sotan, das dieses Verhalten Konsequenzen hat, oder?”

Seine Stimme war nun wieder ruhig, aber genau deswegen umso bedrohlicher für den Dschan der nun ziemlich unglücklich nickte.

“Ja Meister.”

Er klang ergeben und der Rotgewandete Magier gestattete sich ein kurzes Grinsen. Dann bedachte er die junge Dschankönigin mit einem langen Blick, den diese überraschend furchtlos erwiderte. Ja, dachte er, dieses Wesen war dazu geboren die Dschan zu führen und er musste sehr sorgfältig bei ihr vorgehen. Auf keinem Fall durfte sie merken, wie er sie immer mehr und mehr einwickelte und verdrehte, bis sie genau das tat, was er wollte und es für den eigenen Willen hielt. Bei Sotan war das schon schwierig gewesen, aber dem Meister war klar, dass es bei dieser zukünftigen Königin noch viel schwieriger werden würde. Ihm kam eine Idee, wie er jetzt sofort den Anfang machen konnte und lächelte das Wesen freundlich an.

“Sotan, frage sie, ob sie nicht Hunger hat? Sie könnte sich doch an diesem Gefangen hier nähren.”

Er zeigte nachlässig auf Aridian, der die Unterhaltung stumm, aber aufmerksam verfolgt hatte. Nun aber schluckte der junge Albaeli und seine Augen weiteten sich erschrocken. Er wollte ganz gewiss nicht als Zwischensnack für diese Dschan herhalten. So exotisch hübsch das Wesen auch aussah, es sah auch ziemlich gefährlich aus.

Auch der Dschan Sotan warf dem jungen Mann einen Blick zu, wandte sich dann aber sofort wieder an den Meister und seufzte innerlich. Er wollte bestimmt nicht schon wieder widersprechen, schließlich war der Magier auf ihn schon wütend genug, aber er sorgte sich, dass dieses Vorgehen die junge Königin vielleicht verschrecken würde und dann würde sie möglicherweise einfach wieder verschwinden.
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“Meister,” er klang ängstlich und der Mann warf ihm einen strengen Blick zu, “ist das nicht zu früh? Womöglich erschreckt sie dieser Vorschlag. Und soll sie sich wirklich an eurem Spielzeug nähren, Meister? Womöglich tötet sie das Spitzohr dabei, denn Übung wird sie sicher keine haben.”

Der Meister winke den Dschan zu sich und als die Kreatur zaghaft der stummen Aufforderung gefolgt war, ließ er seine Hand ganz sanft in den verletzlichen Nacken des Wesens gleiten. Der Meister zog den Kopf des Wesens zu sich heran. Erneut knisterten elektrische Entladungen über seine Hand und der Dschan spannte sich Schmerzerfüllt an, riss sich aber nicht los und ertrug die Züchtigung schweigend.

“Das einzige,” flüsterte der Meister erbost, “das dich heute vor dem Tod und Schlimmeren bewahrt, ist die Tatsache, dass alle deine Einwände wohl bedacht und klug waren, Sotan. Trotzdem denke ich du brauchst mal wieder eine echte Lektion in Sachen Demut.” Endlich ließ er die schmerzhaften Energien in seiner Hand verschwinden und Sotan, der bereits ein wenig zu zittern angefangen hatte, atmete ein wenig erleichtert auf. Er wagte es aber nicht, sich zu bewegen, solange ihn der Meister immer noch im Nacken gepackt hielt. Der Magier war noch nicht ganz fertig mit ihm.

“Du wirst,” fuhr der Mann kalt fort, “heute, wenn du alle deine anderen Aufgaben erledigt hast zu mir kommen und zwar hinunter in die Kammer. Du weißt schon welche und wage es ja nicht, nicht zu erscheinen. Verstanden?”

“Ja, Meister.”

Die Stimme des Dschan war so leise geworden, so dass man sie kaum mehr verstehen konnte. Sotan hoffte, dass ihn der Magier bald loslassen würde, damit er sich von dem aufgebrachten Mann entfernen konnte. Im Moment fühlte er nämlich weder Zuneigung zu dem Meister, noch Wut, Verletzung oder Erschrecken. Tatsächlich hatte der große Dschan in diesem Moment einfach nur noch Angst vor seinem Meister. Doch der Rotgewandete ließ ihn nicht los, sondern zog seinen Kopf noch näher zu sich heran. So nahe, dass der verängstigte Sotan den Atem des Meisters am Nacken spüren konnte.
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Ein Schaudern durchlief den Körper des Wesens und der Meister gestattete sich ein kurzes, gemeines Grinsen.

“Ja es könnte sie erschrecken,” meinte er leise, “aber sie ist eine fast reife Königin. Ich will jetzt wissen ob sie Teil dieses Schwarmes werden kann oder nicht. Denn wenn sie sich weigert sich an einem Lebewesen zu nähren, dann passt sie nicht hier her und ich muss etwas tun.” Erneut knisterte Energie über die Hand des Meisters und ließ Sotan zusammenzucken. “Wenn ich das erst in ein paar Tagen feststelle, dann könnte das aber diesen Schwarm zerreißen und das wollen wir doch nicht, oder Sotan?”

“Nein , Meister.”

Die Stimme des Dschan klang angespannt vor Schmerz, doch der Meister dachte nicht daran den Energiezauber von seiner Hand zu nehmen.

“Du wirst,” fuhr er unbeirrt fort, “also all deine Überredungskunst nutzen um sie dazu zu überreden es wenigstens zu probieren, nicht wahr?”

“Ja, Meister.”

Langsam schlich sich ein kleines Wimmern in die Stimme des Dschan und der Meister grinste nun wieder böse. Er beugte sich etwas nach vorne und drückte seine Lippen sanft auf die Schläfe des Dschan. Das Wesen erschauerte unter der Berührung.

“Und Sotan,” flüsterte der Mann, “du bist doch ein guter Lehrer, nicht wahr? Wenn sie den Gefangen dabei tötet, dann mache ich dich dafür verantwortlich. Verstanden?”

“Ja, Meister.”

Mittlerweile winselte der Dschan leise und wand sich etwas unter dem schmerzhaften Griff im Nacken. Aber er wagte es nicht, sich loszureißen, obwohl er das Gefühl hatte, die Haut dort würde in Flammen stehen. Mit jedem Augenblick, der verstrich, wurde dieses Brennen schlimmer und breitete sich langsam über Kopf, Schultern und Rücken aus.

“Gut,” schnurrte der Meister, “ich habe es mir überlegt, Sotan, du musst heute nicht mehr zu mir in die Kammer hinunter kommen. Kümmere dich um die junge Königin. Zur Demonstration darfst du dich auch noch geringfügig an dem Gefangenen nähren. Wenn ihr fertig seid mit ihm, dann sorgst du dafür, dass er wieder sicher in seinem Käfig verwahrt wird. Verstanden?”

“Ja, Meister. Danke, Meister.”

Sotans Stimme zitterte mittlerweile deutlich und endlich erlöste ihn der Meister von dem Griff.
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Erleichtert sackte der große Dschan etwas zusammen, richtete sich dann aber sogleich wieder auf und versuchte sich nichts anmerken zu lassen. Schließlich sollte sich die junge Königin nicht erschrecken. Doch er hätte sich keine Sorgen machen müssen. Offenbar gelangweilt hatte sich die schöne Dschan abgewandt, war höher geschwebt und nahm ihre Umgebung neugierig in Augenschein. Sotan atmete auf, plusterte sich kurz auf um die Anspannung loszuwerden und näherte sich der jungen Königin erneut vorsichtig.
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Punktestand der Geschichte:   69
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Kommentare zur Story:

  Man merkt sofort, wie du mit der Königin sympathisierst. Diesmal ist es ein ganzes Kapitel nur für die Dschan, die vorher meist nur abstrakte, allesverschlingende Wesen der Finsternis waren und jetzt doch sehr menschliche Züge bekommen.
Ich weiß immer noch nicht, ob du die Geschichte gerade erst aufbaust, oder schon zum Ende hin steuerst - beides wäre möglich, aber ich hab ja erst einmal noch 3 Kapitel vor mir.  
   Jingizu  -  04.10.12 05:18

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  Hallo Gerald,

wie schön, dass auch du weiterliest.
Das vorhaben der jungen Dschankönigin hast du gut erkannt, das freut mich.
Nun die anderen Meister werden demnächst wieder auftauchen, aber sie werden die meiste Zeit wohl mehr eine Hintergrundrolle spielen.

Liebe Grüße  
   Tis-Anariel  -  17.08.12 16:34

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  Na ich denke, die junge Dschankönigin tut nur so, als würde sie dem Meister gehorchen. Sie will sehen, was hier so alles passiert. Bei Sotan bin ich mir unsicher, ob er wirklich so absolut dem Meister gehorcht. Wo sind übrigens die anderen Meister inzwischen geblieben? Und der arme Aridian soll nochmal leiden. Sehr spannend das Ganze.  
   Gerald W.  -  16.08.12 21:49

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  Hallo Doska,

herzlichen Dank auch für deinen Kommentar.
Es freut mich, dass du auch an diesem Teil Gefallen findest.
Ja, das ist wohl schade. Und du hast recht, er ist sehr intelligent. Aber ob er wohl der jungen Dschankönigin helfen wird?  
   Tis-Anariel  -  16.08.12 01:25

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  Schade, dass der Dschan Sotan seinem Meister derart gehorcht. Aber er scheint recht intelligent zu sein. Vielleicht lässt er sich etwas einfallen, um der kleinen Dschanprinzessin zu helfen? Da wird man richtig neugierig auf das nächste Kapitel.  
   doska  -  15.08.12 21:38

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  Hallo Petra,
wie schön, dass du auh diesen teil kommentierst.
Ja sie sind schon unheimlich, die Dschan.
Es freut mich, dass ich wohl offenbar den Meister so richtig schön fies hinbekomme.
Tja, was wird sie wohl tun? Lässt sie sich überreden?  
   Tis-Anariel  -  15.08.12 16:36

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  Sie sind schon unheimliche Wesen, die Dschan. Aber noch schlimmer ist der Meister. Nun bin ich mal gespannt, ob die junge Dschankönigin sich wirklich vom Meister mit der Unterstützung von Sotan überreden lässt.  
   Petra  -  14.08.12 22:45

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