Blutmond - Karms Reise - 27-   57

Fantastisches · Romane/Serien

Von:    Tis-Anariel      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 3. August 2012
Bei Webstories eingestellt: 3. August 2012
Anzahl gesehen: 1095
Seiten: 11

Diese Story ist Teil einer Reihe.

Verfügbarkeit:    Die Einzelteile der Reihe werden nach und nach bei Webstories veröffentlicht.

   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


Als er diesmal zu sich kam, geschah das sehr langsam. Zäh und klebrig klammerte sich die Dunkelheit an seinen Geist, hielt ihn fest und wollte nicht von ihm lassen. Nur sehr langsam kamen die Sinneseindrücke zurück und das auch nur erst einmal ziemlich verschwommen, als würde er im dichten Nebel stehen. Selbst die ihm nun langsam bewusstwerdenden Schmerzen waren irgendwie gedämpft. Ein leises Stöhnen floh über seine Lippen und er bemerkte das diese aufgesprungen und rissig waren. Er versuchte zu schlucken, aber seine Mundhöhle war wie ausgedörrt. Seine Augen ließen sich im Moment auch noch nicht dazu bewegen sich zu öffnen. Irgendetwas stimmte nicht so ganz mit ihm oder waren es nur die Nachwirkungen von … ja von was eigentlich?

Irgendetwas war mit ihm passiert, irgendetwas schlimmes. Das wusste er, aber was genau es nun war, dass blieb momentan noch verborgen. Er hatte aber das Gefühl, das dieses Wissen irgendwo in seinen Erinnerungen vorhanden war und er im Augenblick nur einfach nicht an diese herankam. Vielleicht wollte ein Teil von ihm sich auch gar nicht erinnern. Erneut versuchte er seine Augen zu öffnen, scheiterte aber wieder. Ein weiteres heißeres Stöhnen entfuhr ihm und er spürte, wie sein Kopf zurückgezogen wurde. Saß er etwa? Das wäre aber eine eher ungewöhnliche Position zum schlafen. Etwas festes, kaltes presste sich an seine wunden Lippen und dann flossen ihm die ersten Tropfen Wasser in die ausgedörrte Kehle. Kühl und frisch und süß. Gierig begann er zu schlucken. Er hatte ja solchen Durst!

Zu bald schon wurde ihm die Quelle des köstlichen Nasses wieder entzogen. Er konnte eine Stimme hören, aber wie alles andere auch war auch diese nur gedämpft. Irgendwer hatte wohl in seiner Abwesenheit seinen Kopf mit Watte ausgestopft. Über diesen absurden Gedanken musste der junge Mann beinahe lächeln. Endlich bekam er zumindest die müden Augen auf und langsam klärte sich dann auch seine verschwommene Sicht. Als er begriff wo er war verging ihm die Heiterkeit schlagartig und genauso plötzlich stürmten die Erinnerungen auf ihn ein. Er wusste wieder wo er war, wie er hier her gekommen war und was ihm hier schon alles widerfahren war. Augenblicke später registrierte er, dass er tatsächlich noch immer in diesem schrecklichen Stuhl saß und noch immer an Armen und Beinen mit den breiten Lederriemen daran gefesselt war.
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Nur die Vorrichtung, die seinen Kopf ruhig gehalten hatte, war fortgenommen worden. Zittrig holte er Atem, als auch der Schmerz gänzlich in sein Bewusstsein drang und ihm einen leisen, wehklagenden Laut entlockte.

Bei den Göttern, sein Kopf fühlte sich an als wolle er zerspringen. Das war ja schlimmer als der allerschlimmste Kater, den er bisher hatte und er hatte davon so einige hinter sich. Gequält kniff er die Augen zusammen.

Ein leises, dunkles Lachen ließ ihn wieder vorsichtig aufblicken und er erkannte, dass sein ganz persönlicher Peiniger ganz in der Nähe stand und ihn aufmerksam betrachtete. Aridian gab ein kleines unwilliges Geräusch von sich und drehte den Kopf weg. Sofort flammten die Kopfschmerzen erneut auf und dem jungen Mann blieb bei dem heftigen Stechen in seinen Schläfen kurzfristig die Luft weg. Ohne es zu wollen wimmerte er leise. Man das war echt gemein! Was hatte ihm dieser verdammte Nachttod nur angetan? Er versuchte sich zu erinnern. Dieser Dschan, Sotan nannte dieser Meister ihn, hatte sich an seinem Gesicht zu schaffen gemacht und ihm dann etwas oberhalb der Schläfen jeweils einen dieser Tentakel in den Kopf gebohrt. Das hatte zwar etwas wehgetan, war aber eigentlich nicht schlimm gewesen. Erst als das typische Kältegefühl einsetzte, war ihm ganz anders geworden und er konnte regelrecht spüren, wie der Geist des Dschan, kalt und fremd, in seine Gedanken drang, sie durchwühlte und dann … dann war nur noch der Schmerz da, wie eine Wand aus weißem Feuer.

Noch immer fühlte er sich zudem etwas benommen und begriff nun auch, dass dies wohl noch Auswirkungen der Droge war, die man ihm verabreicht hatte. Womöglich war das Zeug auch für seinen schrecklichen Durst verantwortlich, der ihn immer noch peinigte.

“Na,” meinte der Meister, “wieder anwesend?”

Der Rotgewandete stand plötzlich dicht neben Aridian und erschreckte so den Albaelih ein wenig. Grob griff er in die Haare des Gefangen und zog daran seinen Kopf zurück. Ein leises Stöhnen entfuhr dem jungen Mann und er kniff die Augen zusammen. Aufmerksam musterte der Meister den Gefangen aus verengten Augen und entließ ihn schließlich wieder aus seinem Griff.

“Wie heißt du?”

Seine Stimme war kalt und hart.
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Aridian hob mühsam den Blick und presste trotzig die Lippen zusammen. Er würde diesem *Sathik nichts freiwillig geben, noch nicht einmal seinen Namen. Der Rotgewandete lachte leise. Offenbar war er amüsiert. Mit einer kleinen Geste winkte er den großen Dschan, der in der Nähe schwebte, zu ihnen her. Aridians Herz begann erschrocken schneller zu schlagen. Nachdem was ihm dieser Dschan angetan hatte, fürchtete der Albaelih das Wesen ein wenig. Oder viel mehr fürchtet er sich vor dem, was ihm dieses Wesen antun konnte. Trotzdem versuchte er tapfer sich nichts anmerken zu lassen. Der Meister grinste nur wissend.

“Sotan,” bellte er, “erzähl mir etwas über diesen Gefangen hier.”

Der Dschan richtete sich ein wenig auf.

“Dieser da,” leierte er leise herunter, “trägt den Namen Aridian Ranadian, er entstammt einem sehr alten Clan und hat sieben Brüder und Schwestern. Einer davon nennt sich Edendar Ranadian und dient als Söldner in einer Stadt namens Rotkliff.”

Der Nachttod hielt inne, als ihm der Meister ein entsprechendes Signal gab. Aridians Augen hingegen hatten sich ungläubig geweitet. Woher wusste dieser Dschan das alles?

“Was? Woher?”

In seiner Verwirrung hatte er laut gesprochen und der Rotgewandete lachte laut auf. Noch immer irritiert riss der Albaelih seinen Blick von dem Dschan los und sah den lachenden Magier an. Er wirkte ehrlich verblüfft und der Rotgewandete lachte nur um so lauter. Schließlich beruhigte sich der Meister jedoch und ließ sich dazu herab, dem Albaelih seine unausgesprochenen Fragen zu beantworten.

“Er war in deinem Kopf,” meinte er beinahe freundlich, “und das sogar im wahrsten Sinn des Wortes, schließlich hatte Sotan seine Tentakel ja auch wirklich hier drin.” Der Mann tippte mit dem Finger leicht gegen Aridians Stirn. “Und,” fuhr er fort, “er war auch in deinem Geist, in deinen Gedanken und in deinen Erinnerungen. Er hat in dieser kurzen Zeit viel über dich herausgefunden, unter anderem auch die Botschaften, die du überbringen solltest.”

Aridians Augen weiteten sich. Er schüttelte den Kopf und der Meister begann breit zu grinsen.

“Aber natürlich,” meinte er kichernd, “was hast du dir wohl gedacht, als du den Sturmturm zerstört und die dort ansässigen Magier mumifiziert vorgefunden hast? Sotan kann es dir vermutlich sagen.
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” Er lachte kurz auf. “So, so… die heiligen Steine werden also von ihren derzeitigen Standorten fortgebracht und der Feuerkristall soll nach Tiefentritt gebracht werden, zumindest soll die Hüterin des Steines da hin.” Er kicherte über den entsetzten Gesichtsausdruck des Gefangenen. “Und in der Silberklammbucht sollen also Gesandte ankommen. Was werden die wohl denken, wenn die statt auf Hilfe, auf uns und die Dschan treffen werden?”

Aridian wandte erschüttert den Blick ab und starrte ins Leere, während die Worte des Rotgewandeten in seine Gedanken sickerten. Das also war passiert. Der Dschan hatte sein Gedächtnis wirklich durchwühlt und durchsucht und zwar nach diesen Informationen. Sein Blick schnellte zu dem Magier zurück. Wenn dieser Dschan Edendars Namen erfahren hatte, dann womöglich auch die Namen seiner Eltern und Geschwister und damit waren sie jetzt alle in Gefahr.

“Ich sehe,” ließ sich der Meister mit hämischer Freude vernehmen, “du begreifst so langsam die gesamte Tragweite dieser Sache. Weißt du, dass freut mich, denn das lässt darauf schließen, dass dein Geist intakt geblieben ist und bei der Prozedur wenig Schaden genommen hat.”

Der erschütterte Albaelih hatte den Blick wieder nach vorne gewandt und starrte erneut ins Leere. Er sackte ein wenig zusammen. Er öffnete mehrmals den Mund und schloss ihn, ohne einen Ton von sich gegeben zu haben. Was sollte er auch sagen?

Der Meister umrundete den Albaelih lauernd und war dann ein wenig enttäuscht, als der doch nichts sagte ja noch nicht einmal einen Ton von sich gab. Er konnte regelrecht zusehen, wie ein Ruck durch die zusammengesackte Gestalt des Gefangen ging. Der Albaelih richtete sich wieder etwas auf und riss sich sichtlich zusammen. Schließlich blieb der Meister vor dem jungen Mann stehen und grinste böse. Ja der Junge war zäh, sehr zäh sogar und es würde darum um so amüsanter sein ihn zu zerbrechen. Er wandte den Blick etwas nach links, wo Sotan immer noch regnungslos schwebte und auf weitere Anweisungen wartete. Ein kaltes Lächeln erschien auf den Lippen des Meisters. Vielleicht sollte er dem großen Dschan erlauben sich noch ein wenig mit dem Gefangene zu beschäftigen. Doch plötzlich wirkte der Nachttod abgelenkt und das wispern der restlichen Dschan schwoll aufgeregt an.
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Sotan jedoch schwebte nun selbst etwas erregt höher und plusterte sich ein wenig auf. Sein Blick ging nun an dem Meister vorbei, der sich nun neugierig umdrehte. Was mochte die Dschan so erregen. Doch dann weiteten sich auch seine Augen aufgeregt und voller staunen. Dort vor ihm, im weitem Kreis von den aufgeregten Dschan umgeben, schwebte eine junge, beinahe reife Dschankönigin und musterte ihn neugierig.

Ein breites Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus.



Mühsam riss sich Aridian zusammen und begegnete dem Blick des Magiers, als dieser vor ihm stehen blieben. Das kalte Lächeln auf den Lippen des Mannes jagte ihm einen Schauer über den Rücken. Das würde noch richtig schlimm werden hier, das wurde ihm in diesem Augenblick klar. Dieser *Sathik wollte ihn nicht töten, sondern er wollte seinen Schmerz, seine Angst und er wollte ihn zerbrechen, das erkannte der junge Albaelih ganz klar.

Doch plötzlich wirkte der Dschan, der von dem Rotgewandeten Sotan genant wurde, irgendwie abgelenkt und sogar ein wenig aufgeregt. Das Geflüster der Nachttode um sie herum schwoll plötzlich an. Eine Bewegung hinter dem Magier erregte Aridians Aufmerksamkeit und erstaunt entdeckte er dort eine weitere Dschan, die dort hoch aufgerichtet schwebte und ihre Umgebung, dann ihn und schließlich den sich umdrehenden Meister, neugierig musterte. Selbst dem Albaelih war sofort klar, dass dies keine normale Dschan sein konnte.

Zuerst fielen natürlich ihre großen, mandelförmigen Augen auf, die nicht rot waren, sondern tatsächlich violett. Sie wirkte im großen und ganzen schmaler und etwas zierlicher als die anderen Dschan, die Taille war sehr schmal und auch die Fangarme und Tentakel wirkten irgendwie schlanker und feiner. Die Tentakel jedoch waren dafür deutlich länger als bei den anderen Dschan und der Stachel am Ende der beiden großen, die zwischen den Fangarmen entsprangen war lang und scharf. Das feine Gespinst, das bei den weiblichen Dschan anstatt dem Haupthaar wuchs, reichte ihr bis fast zu den Schultern. Am meisten beeindruckte den Albaelih aber das ausdruckstarke Gesicht dieser Dschan. Sie besaß die selbe, beinnahe dreieckige Gesichtsform, wie die anderen, jedoch waren ihre Lippen voller und bildeten einen fast herzförmigen Mund.
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Ihre Nase war zwar ebenso schmal und gerade, war aber doch etwas schärfer geschnitten. Die Augen standen ein klein wenig zu weit auseinander und wirkten in dem schmalen Gesicht riesengroß. Waren die Gesichter der meisten Dschan arm an Ausdruck und nichtssagend, so würde man dieses Gesicht sicher wiedererkennen. Verblüfft musste Aridian feststellen, dass diese Dschan, so exotisch sie auch aussah, eigentlich ziemlich hübsch war.



Sie war in den frühen Abendstunden erfrischt erwacht. Eigentlich war sie schon immer, solange sie denken konnte vor allen anderen Dschan erwacht. Während die normalerweise erst so richtig mit Einbruch der Dunkelheit munter wurden, war sie schon längst herumgeschwirrt und hatte erstaunt so manchem majestätischen Sonnenuntergang zugesehen.

Sie reckte sich und streckte ihre Gestalt, erst dann löste sie sich von dem Balken, kehrte in die Aufrechte zurück und schwebte eine Zeitlang nur still auf der Stelle. Dabei streckte sie vorsichtig ihre mentalen Fühler aus und sondierte die Lage außerhalb des Schuppens. Als sie erkannte, dass es rund um das Gebäude ruhig blieb und sie offenbar wirklich nicht entdeckt worden war, begab sie sich zu einem nahen Spalt und spähte neugierig nach draußen. Rötliches Licht ergoss sich über die Landschaft und tauchte alles in ein seltsames Farbenspiel. Es gab hier Vegetation und sogar kleine Tiere, die schlau genug waren, sich nachts tief unter der Erde zu verstecken. Vorsichtig zwängte sich die junge Dschan durch einen Spalt ins Freie, bleib aber hinter dem Schuppen und beobachtete aus dieser Deckung heraus erneut den Turm. Überrascht bemerkte sie, dass es hier sogar Menschen und andere Zweibeiner gab. Einige davon waren wohl ganz freiwillig hier, aber an vielen nahm die Dschan ein dichtes Netz aus Zauberei wahr. Ganz offensichtlich stahlen die neuen Meister nicht nur dem königlichen Schwarm die Mitglieder, sondern lockten auch Zweibeiner in ihren Bann. Plötzlich bekamen die Rüstungen und Metallteile zwischen denen sie geschlafen hatte und die Pferde im Stahl eine ganz neue Bedeutung.

Doch bevor sie diese Erkenntnis vertiefen konnte, entdeckte die junge Dschan zwischen all den Menschen beim Turm eine Rotgewandete Gestalt. Das Zweibein, denn ein solches war es, trug eine schlichte, schwarze Maske, die es ein wenig wie einen Dschan aussehen ließ und war von einer starken Aura an Macht und Magie umgeben.
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Ihr wurde klar, dass sie soeben einen der Gründe für das Verschwinden so vieler Schwarmmitglieder sah. Sie erblickte einen der neuen Meister!

Erschrocken duckte sie sich hinter dem Gebäude zusammen, den der Blick der Gestalt war in ihre Richtung gewandert. Angespannt lauschte sie, aber offenbar hatte das Wesen sie nicht entdeckt.

Nach einiger Zeit wagte die junge Dschan es, wieder hinter ihrer Deckung hervor zu blicken. Als sie erkannte, dass die unmittelbare Gefahr vorüber war, wandte sie dem schwarzen Turm den Rücken zu und verschwand rasch und lautlos in der nahegelegenen, höher wachsenden Vegetation. Bäume nannte man diese Gewächse und wenn so viele beieinanderstanden dann hieß das Wald. Diese Information entnahm die junge Dschan dem kollektiven Schwarmgedächtnis und auch wenn sie etwas noch nie mit eigenen Augen gesehen hatte, so war sie so dennoch in der Lage Dinge richtig zu benennen. Sie lernte sogar gleich mit, dass Bäume zwar auch Lebewesen waren, aber Pflanzen… ganz ähnlich wie die großen, blühenden Gewächse in der Heimatwelt der Dschan. Sie fand es etwas schade, dass sie diese selbst noch nie gesehen hatte, sondern nur durch die gesammelten Erinnerung der anderen Dschan kannte.



Dschan lebten im Schwarm und hatten daher auch ein Schwarmbewusstsein. Dennoch blieb jeder einzelne Dschan auch ein Individuum und das Mitwirken in der Gemeinschaft des Schwarms beruhte daher auch auf Freiwilligkeit. Ein Dschanschwarm war für gewöhnlich klar strukturiert und die Fähigkeiten, die man zeigte bestimmten den Platz im Schwarm. Es gab Sucher, die gute Nahrungsgründe und Bauplätze und ähnliches fanden. Es gab Sammler, die besonders viel lebendiges Licht aufnehmen konnten. Es gab Bauer, die am besten wussten wie und wo man etwas baute. Es gab Helfer, die sich um alles im Inneren der Burg kümmerten, vom füttern der Larven bis zum säubern der Versammlungsorte oder dem einlagern von nützlichen Materialien. Und dann gab es noch die Beschützer, die weiblichen nannte man Sesial und diese scharten sich um die Königin und beschützen sie. Die männlichen Beschützer nannte man Drohnei, sie waren neben der Königin die größten Dschan und beschützten die Burg und den Schwarm.
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Einige Drohnei nahmen eine Sonderstellung ein, sie durften sich mit der Königin vereinigen und wurden zu Gefährten. Und dann gab es natürlich noch die zukünftigen Königinnen, von denen es immer nur wenige gab. Eine Königin konnte zwar leicht über tausend Eier legen, aber nur höchstens zehn oder zwölf davon waren Königinneneier. Normalerweise verließen fast alle im Schwarm geborene Drohnei mit der Geschlechtsreife den Schwarm und auch etwa zweidrittel der anderen, männlichen Dschan taten das auch. Während diese sich anderen Schwärmen anschlossen, verblieben die weiblichen Dschan alle in ihrem Heimatschwarm. So wurde Vielfalt und gesunder Nachwuchs gewahrt. Seine Königin zu verlieren war das Schlimmste was einem Schwarm geschehen konnte. Noch schlimmer wog das, wenn keine Jungkönigin oder die Larve einer solchen vorhanden war. Entwurzelt zerfiel dann der Schwarm und wurde von anderen Schwärmen geschluckt oder starb. In wenigen Fällen entwickelten einige der Sesial spontan königliche Fähigkeiten, wobei es zu heftigen Kämpfen kam, bis sich eine als stärkste erwies und sich die anderen unterordneten. In ganz seltenen Fällen war es sogar schon vorgekommen, dass ein langjähriger Gefährte zeitweise den Schwarm führte, bis sich eine neue Königin fand.

Neben dem Schwarmbewusstsein verfügten die Dschan zudem noch über ein kollektives Gedächtnis. Je fähiger man war, um so höher stand man in der Hierarchie und um so mehr des kollektiven Gedächtnisses standen einem offen. Aber nur Königinnen und einige sehr starke Drohnei und Sesial konnten darin bis in die Zeiten zurückgehen, in denen die Dschan Jäger und keine Sammler gewesen waren.



So also stand der jungen Dschan aufgrund diesem Kollektivgedächtnisses ein riesengroßer Wissensspeicher offen, aus dem sie sich nur bedienen musste, wenn sie es selber nicht oder noch nicht wusste. Genau das tat sie nun auch und zwar durchforschte sie die Erinnerungen nach der meistgesprochenen Sprache der Zweibeiner und lernte so ganz nebenbei die gängige Umgangsprache der Bruchlande. Während sie das tat umkreiste sie im Schutze des Waldes im weitem Bogen den schwarzen Turm und sah sich die Umgebung ganz genau an. Schließlich wagte sie sich aus einer anderen Richtung wieder etwas näher an den Turm heran und versteckte sich in einem dichtbewachsenen, dornigen Busch.
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Da sie unter die Äste kroch, kümmerten sie die Dornen wenig. Von dort aus hatte sie einen ziemlich guten Blick auf die Bauwerke und konnte beobachten, dass die Zweibeiner mit zunehmender Dunkelheit immer mehr zurückzogen und schließlich ganz von Dschan ersetzt wurden. Überrascht erkannte sie auch an einigen davon die Reste von Zwangzauber. Das war eine Fähigkeit, die außer ihr noch kein Dschan gezeigt hatte. Sie konnte Magie nicht nur einfach erspüren und wahrnehmen, sie konnte sie tatsächlich sehen. Nicht einmal ihre Mutter konnte das und die hatte ihr auch eingeschärft diese Fähigkeit fürs erste geheim zu halten.

Die Zwangzauber, die einige der Dschan bei dem Turm umhüllten, war eine große Entdeckung, denn erklärten sie doch, warum überhaupt keiner der Fortgeflogenen zurückgekommen war und es machte deutlich, dass wohl einige sehr gerne wieder von hier verschwunden wären. Das war doch schon mal nützlich. Aber wirklich viel, war das eben noch nicht und ihr wurde immer klarer, dass wenn sie wirklich mehr über die Meister und ihr Tun erfahren wollte, sie in diesen Turm hinein musste und zwar am besten ganz offensichtlich. Natürlich würden die anderen Dschan in ihr sofort eine zukünftige Königin erkennen. Sie würde einfach auf neugierig und hungrig machen, so wie eine Dschan, die eben diesem verlockende Flüstern bis hier her gefolgt war, wie so viele anderen eben auch. Sie konnte nur hoffen, dass diese Meister nicht sofort versuchten sie zu bannen oder mit einem starken Zwangzauber zu belegen. Einem einfachen Zwang konnte sie sicher widerstehen und sicher würde ein Meister sie vor allem am Anfang nicht verschrecken wollen und deswegen nichts allzu starkes anwenden. Zumindest hoffte sie das sehr.

Gerade wollte sie sich unter dem Gestrüpp hervorzwängen, als mehrer Dschan am Turm ankamen, darunter ein recht großer, ein Drohnei, den sie als einen jener erkannte, die in der Eishöhle gebannt worden waren. Sie duckte sich etwas tiefer in den Schatten. Der konnte ihr gefährlich werden!



Etwa zwei Stunden später stand ihr Entschluss fest. Sie musste da einfach rein!

Und dem großen Dschan, den sie davor gesehen hatte, würde sie bei Bedarf eben schöne Augen machen.
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Außerdem dachte sie nicht, dass ein Drohnei einer zukünftigen Königin wirklich Schaden zufügen würde. So verließ sie also das Gestrüpp vorsichtig und tauchte erneut in dem Wald unter um sich dann von einer anderen Stelle aus, ganz offen und augenscheinlich neugierig dem Turm zu nähern.

Etwas später setzte sie diese vorhaben in die Tat um und war erstaunt wie leicht ihr doch Zutritt gewährt wurde. Die ersten Dschan, auf die sei traf versanken bei ihren Anblick tatsächlich in eine leichte Demutshaltung, indem sie sich kleiner machten als sie. Schließlich wurde eine Sesial auf sie aufmerksam, umschwirrte aufgeregt die junge Königin und geleitete sie schließlich in den schwarzen Turm hinein.

“Ich führe euch,” meinte die Sesial in der zischenden Sprache der Dschan, “und am besten bringe ich euch gleich zum obersten aller Meister. Er wird sich freuen euch zu sehen, zukünftige Königin. Er wird sich sicher freuen!”

Sie antwortete nicht, sondern nickte nur und folgte der aufgeregten Artgenossin tiefer in den Turm hinein. Auf dem Weg sah sie sich aufmerksam und neugierig um. Sie musste hier die Neugierde auch gar nicht vortäuschen und niemand machte ihr einen Vorwurf. Tatsächlich begegneten ihr ausnahmslos alle Dschan, auf die sie trafen mit tiefer Ehrfurcht und verhaltender Freude. Das war auch interessant. Endlich erreichten sie und ihrer Führerin offenbar den Ort, an dem sich dieser oberste Meister momentan wohl aufhielt, denn die Führerin bog von dem Spiralförmigen Gang ab und führte sie nun durch einen großen Saal mit hoher Decke. Ein weiches, selbst für die Dschan angenehmes Licht wurde durch zahlreiche Leuchtsteine verbreitet. Als sie sich umsah, entdecke sie eine Vielzahl seltsamer Gerätschaften, deren Zweck ihr in vielen Fällen verborgen blieb.

Schließlich erreichten sie eine hochgewachsene, schlanke Gestalt in einem roten Kapuzenmantel und ihre Führerin verbeugte sich kurz vor ihr, bevor sie in der Menge der Dschan verschwand. Sie hatten ganz offenbar den obersten Meister erreicht. Selbst ohne die Geste der Sesial hätte sie das erkannt, war ja die Aura an Macht, die den Mann umgab doch unverkennbar. Etwas besorgt erkannte sie, dass der große Dschan von vorhin sich nahe des Meisters hielt.
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Während das aufgeregte und ehrfürchtige Geflüster der anderen um sie herum anschwoll, bemerkte auch dieser Drohnei sie und sah sie erst überrascht und dann fasziniert an.

Sie erkannte, dass der Meister wohl offenbar einen Gefangenen hatte, der in einer Art Stuhl saß, die Arme und Beine festgeschnallt. Noch während sich der Meister umdrehte, starrte auch der Gefangene sie etwas verblüfft an. Sie erkannte das er wohl eines dieser Spitzohren war und er roch männlich. Tatsächlich stank er auch nach Schmerz und Angst und nach Blut. Zwei feine Blutrinnsale, die ihm von den Schläfen über das Gesicht liefen offenbarten, was ihm vermutlich angetan worden war. Sie hatte schon davon gehört, dass manche Dschan die Fähigkeit hatten, sich Zugang zu dem Geist und Gedanken eines anderen zu verschaffen. Irgendwie tat ihr der junge Mann ein wenig leid.

Sie riss ihre Aufmerksamkeit von dem Gefangen los und wandte sie wieder dem Meister zu, der sich nun ganz umgedreht hatte und sie musterte. Seinen Gesichtausdruck konnte sie nicht deuten, denn er trug eine schlichte, schwarze Maske, die bis auf die Kinnpartie und die Lippen alles verbarg. Aber sie erkannte das breite Lächeln, dass sich nun auf dem Gesicht des Meisters ausbreitete.







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Anmerkung meiner Wenigkeit:

Habe diesen Teil gerade fertig geschrieben, also bitte nicht über diverse Verschreiber wundern. Wenn ihr welche findet, bitte sagen wo.



Liebe Grüße
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Punktestand der Geschichte:   57
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Kommentare zur Story:

  Hallo Jingizu,

ich freu mich ser über deinen Kommentar.
Schön, dass ich die Atmosphäre gut hinbekommen habe.
Ja ich weiß, manchmal werd ich in Beschreibungen etwas sachlich, jedoch liegen heir auch die informationenan erter Stelle und die Infos, die ich gebe sind meist recht wichtig um sich den Rest gut vorstellen zu können.Ich persönlich empfinde diese Gratwanderung immer ein wenig schwierig, da ICH ja die Gestalten allesamt sehr bildlich im Kopf habe.

Nun ich bin ja mal gespannt, was du vom Rest hältst.  
   Tis-Anariel  -  05.09.12 17:39

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  Dieser Teil gehört atmosphärisch zu den Besten des ganzen Romans bisher. Besonders der Absatz um Aridian tut sich hier heraus.
Ab dem Teil um die Dschann wird es dann wieder etwas zurückgezogen sachlicher und man lernt zwar wieder etwas über diese seltsame Rasse, kann aber noch nicht die Brücke von der Königin, der es Leid tut einen Mann im Stuhl zu sehen bis hin zum schrecklichen "Nachttod" schlagen... mal sehen wie das passt.  
   Jingizu  -  05.09.12 12:20

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  Hallo Petra,

wie schön, dass auch du noch an der Geschichte gefallen findest.
Ja der Arme, der muss jetzt leider noch ein wenig weiter leiden. Wie viel wird er wohl noch ertragen können? Es sieht wirklich grade ziemlich düster und aussichtslos aus für ihn und für alle, die von dieser Botschaft betroffen sind. Aber jetzt hat sich ja die junge Dschankönigin gezeigt.

Liebe Grüße auch dir...  
   Tis-Anariel  -  05.08.12 14:52

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  Oweh, immer noch muss Aridian schrecklich leiden. Seine Tapferkeit ist wohl ganz umsonst gewesen, denn der Meister konnte an sein Wissen heran kommen. Immer mehr wissen wir nun, worum sich hier alles dreht. Die Abgesandten sollen in eine Falle laufen und gewarnt kann nun auch niemand mehr werden und Hilfe auch nicht mehr geholt werden. Ich war ganz erleichtert, dass nun die kleine Dschankönigin in Erscheinung getreten ist. Vielleicht kann sie ja den Meister irgendwie überlisten indem sie ihm Demut vorheuchelt. Ich bin gespannt, was sie machen wird.  
   Petra  -  04.08.12 22:18

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  Hallo Doska,

freut mich, dass dir auch dieser Teil gefällt und dass er spannend geworden ist.
Ja der Arme Aridian, ich stell mir das auch ganz schrecklcih vor, aber is halt schon ganz schön zäh.
Mutig ist sie wirklich, die Dschankönigstochter, aber wo wird ihr Mut sie hinbringen?
Gründe für dieses Wagniss hat sie auf jedne Fall, shcließlich will sie ja unbedingt rausfinden, was die Meister mit den Dschan anstellen.

Liebe Grüße auch dir...  
   Tis-Anariel  -  04.08.12 14:52

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  Der arme Aridian muss erfahren, dass der Meister nun doch alles über "seinen" Sotan in Erfahrung bringen konnte. So etwas muss schrecklich sein. Aber Aridian ist unwahrscheinlich tapfer. Da kommt die Dschankönigstocher noch gerade im richtigen Moment, denn wer weiß was dieser schreckliche Meister sonst noch mit dem armen Jungen angestellt hätte. Ich kann auch nur sagen, dass die junge Dschan unwahrscheinlich mutig ist. Ich glaube an ihrer Stelle , hätte ich das nicht gewagt. Aber ich bin ja keine Dschan und die wird schon ihre Gründe dafür gehabt haben. Ja, es ist echt spannend.  
   doska  -  03.08.12 22:13

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  Huhu Gerald,

freut mich, dass es dir gefällt.
Ja zumindest an dieser Stelle spitzt sich einges zu. Die gesammte Geschichte wird schon noch um einiges länger.
Ja mutig ist sie, diese Prinzessin. Aber wird ihr Mut ihr auch helfen und überhaupt, wird sie da wieder raus kommen?

Liebe Grüße dir  
   Tis-Anariel  -  03.08.12 17:30

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  Sehr spannend. Nein es sind kaum Fehler drin. Die Story spitzt sich zu. Ich habe das Gefühl es kommt bald zum großen Countdown. Eine mutige Dschankönigin. Welch ein Cliffhanger! *gg*  
   Gerald W.  -  03.08.12 11:55

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

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