Blutmond - Karms Reise -25-   61

Fantastisches · Romane/Serien

Von:    Tis-Anariel      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 27. Juli 2012
Bei Webstories eingestellt: 27. Juli 2012
Anzahl gesehen: 1067
Seiten: 11

Diese Story ist Teil einer Reihe.

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   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


Aridian schreckte hoch und stöhnte leise auf. Er war wohl tatsächlich am Gitter des fast bodentiefen, schmalen Gitterfensters seiner Zelle eingeschlafen. Verrückterweise kniete er noch immer dort und ihm tat alles weh. Gerade noch rechtzeitig erinnerte er sich an die Nägel in seinen Fußsohlen, denn sonst wäre er womöglich einfach aufgestanden um zu seinem dürftigen Strohlager zurück zu stolpern. Insofern war es wohl sogar ganz gut, dass seine Glieder von der kalten Luft steif geworden waren. Zitternd und steif kroch er also zu seinem Lager und wickelte sich frierend in die zweite zerlumpte Decke, die dort lag. Das war alles, was er in dieser Zelle hatte. Etwas Stroh, das aber wenigstens sauber war und die zwei löchrigen Decken. Gegen die Kälte, die durch die Gitteröffnung hereindrang half das nur leidlich. Ihm war klar, dass dies womöglich ein weitere Versuch war, der seine Entschlossenheit und seinen Willen schwächen sollten. Denn obwohl er hier also Tageslicht und frische Luft hatte, so war die Kälte unangenehm und gegen Abend und Nacht würde sie nur noch schlimmer werden. Außerdem hatte ihm noch niemand Wasser oder Nahrung gebracht. Aber das hatte der junge Krieger auch gar nicht erwartet. Sicher wollte man ihn nicht nur frieren sondern auch Hunger und vor allem Durst leiden lassen. Aridian rollte sich unglücklich und zittern unter den zwei zerschlissene Decken zusammen und versuchte die Schmerzen in seinen Gliedern zu ignorieren. Vielleicht würde er ja noch einmal ein wenig einschlafen, hoffte er.

Stunden später schreckte er erneut hoch, diesmal hatte ihn das Geräusch der sich öffnenden Kerkertür geweckt. Müde und verwirrt hob er den Kopf. Erst lange Augenblicke nachdem wurde ihm wieder bewusst wo er war und wie er hier gekommen war. Zu diesem Zeitpunkt war der Kerkermeister schon wieder aus der Zelle getreten und hatte einen Krug mit abgestandenen Wasser und eine Schale mit einem undefinierbaren, widerlichen Brei zurückgelassen. Den Brei schob der Albaelih weit von sich. Der Geruch des Zeugs verursachte ihm Übelkeit. Das Wasser hingegen stürzte er gierig herunter und störte sich dabei auch nicht an dem etwas brackigen Geschmack. Er hatte ja solchen Durst! Leider reichte der Innhalt des Kruges nicht um diesen schrecklichen Durst gänzlich zu stillen. Seine vom Schreien wunde Kehle schmerzte höllisch und er fragte sich, ob er überhaupt noch eine Stimme hatte.
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Ein heiseres Husten schüttelte ihn durch, danach schmerzte sein Hals noch mehr.

Immer noch müde rollte er sich erneut zusammen, den Blick auf das Gitterfenster gerichtet und beobachtete, wie dort draußen langsam das Sonnenlicht verblasste. Der Abend nahte und die untergehenden Sonne färbte das Licht, das nun durch die Öffnung in die Zelle drang, in ein seltsames Rot. Aridian schluckte und schloss verzweifelt die Augen. Sobald es ganz dunkel war würden sie ihn wahrscheinlich wieder holen kommen und was dann kam, daran wollte der junge Albaelih gar nicht denken. Nur zu bald hörte er, wie sich die Zellentür wieder öffnetet. Kalte Tentakel schlangen sich um seinen Körper und rein instinktiv begann sich der junge Krieger gegen den Griff zu wehren. Es nützte jedoch wenig, denn er wurde dennoch erbarmungslos nach hoben gerissen und als er weiter zappelte, schlang sich einer der Tentakel um die Kehle des jungen Mannes und drücke so lange zu, bis dieser zuckend das Bewusstsein verlor. Erst danach löste sich der Fortsatz des Dschans vom Hals des Gefangen und die Kreatur trug den Bewusstlosen tiefer in den Turm hinein, wo bereits die Folterknechte warteten. Der Meister rügte zwar den Dschan, aber als er sah, dass der Gefangene wirklich nur ohne Bewusstsein war, beließ er es bei der Rüge.



Ein Schwall kalten Wassers und mehrer harte Schläge ins Gesicht drohten ihn aus der tröstlichen Dunkelheit herauszureißen. Ein leises Stöhnen kam ihm über die Lippen und unwillig versuchte er den Kopf wegzudrehen. Ein zweiter, eiskalter Guss und weitere Ohrfeigen schüttelten ihn endgültig wach. Mit einem seltsamen Wimmern öffnete er die Augen und drehte den Kopf zur andren Seite weg. Unangenehm harte Finger fassten ihn am Kinn und zwangen sein Gesicht wieder nach vorne. Er hörte ein klicken, etwas hartes rastete neben seinem rechten Ohr ein, gleich darauf passierte das selbe auf der linken Seite und schließlich legte sich etwas hartes, kaltes über seine Kehle. Bis sich Aridians Blick und Geist geklärt hatte, konnte der junge Mann seinen Kopf nicht mehr zur Seite drehen. Endlich registrierte er, dass er auf einem fast Thronartigen Stuhl saß und seine Glieder allesamt durch breite Lederriemen an den Stuhl gefesselt waren. Beine und Arme wurden an jeweils zwei Stellen fixiert, die Beine an Oberschenkel und Fußknöchel, die Arme knapp oberhalb des Ellbogens und an den Handgelenken.
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So festgeschnallt konnte sich der junge Krieger kaum mehr bewegen. Seine Arme hatte man so festgeschnallt, so dass die verletzliche Innenseite seiner Unterarme nach oben zeigten. Die Armlehnen des Stuhles waren besonderst geformt. Sie waren sehr breit, fielen nach vorne etwas ab und die Ränder links, sowie rechts waren etwas nach oben gebogen. So bildeten sie ein Art Rinne, die vorne offen war. Das dunkle Lachen des Meister, das an seine Ohren drang, ließ den Albaelih schaudern. Was hatten sie denn jetzt nur wieder mit ihm vor.

Sein Blick irrte umher, bis er den Meister in seinem roten Kapuzenumhang fand. Die schwarze, schlichte Maske offenbarte wenig, doch diesmal fehlte der untere Teil, so dass das Kinn und Lippen des Mannes zu sehen waren. Auf jeden Fall war er kein Dschan, aber das wusste Aridian schon vorher und das wenige, das er von dem offenbar blassen Gesicht sah ließ nicht auf eine bestimmte Rasse schließen. Das heimtückische Glitzern in den Augen des Meisters ließ auf nichts gutes ahnen und außerdem hatte der Albaelih das Gefühl, dass es der selbe Mann war, der ihm am Tag zuvor die Nägel in die Sohlen getrieben hatte.

“Na,” schnarrte der Meister, “endlich wieder wach? Wir wollen doch noch ein wenig Spaß mit dir haben, da kannst du nicht einfach so schlafen, mein Junge.”

Aridian erkannte die Stimme wieder und sah sich in seiner Vermutung bestätigt. Es war wirklich der selbe Mann und er schien heute etwas verstimmt zu sein. Als der Albaelih keine Anstalten machte zu antworten oder sonst wie zu reagieren, lachte der Meister leise und böse. Auf ein kleines Zeichen von ihm trat ein weiterer Meister hinzu und brachte zwei glänzende Messingschalen, sowie eine Auswahl verschiedener Messer, die jedoch noch in Leder eingerollt waren. Beunruhigt sah der Albaelih zu, wie die zwei Schalen in eine entsprechende Halterung in den Armlehnen des Stuhls gestellt wurden und wie dann die lederne Rolle an den ersten Meister gereicht wurde. Von der anderen Seite war einer der Dschan herangekommen und hatte einen kleinen Tisch gebracht, auf dem der Rotgewandete nun das Leder entrollte und dabei eine Auswahl verschieden großer und verschieden geformter, offensichtlich sehr scharfe Messer zum Vorschein brachte.
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Aridian schluckte und versuchte keine Angst zu zeigen, konnte aber nichts gegen seinen beschleunigten Herzschlag tun. Der Meister lachte erneut dunkel und begutachtete sein scharfes Werkzeug, machte aber noch keine Anstalten sich mit einem davon dem Gefangenen zu nähern. Dem jungen Krieger war klar, das diese Warterei wohl eine weitere Taktik war um ihn zu zermürben. Nur wenig später jedoch kehrte der zweite Meister zurück, diesmal mit einem Tablett, auf dem sich neben einer Öllampe mit einem seltsamen Aufsatz, drei bauchige, dickwandige Weinkelche befanden. Außerdem gab es noch eine Karaffe, die wohl einen ziemlich guten Rotwein enthielt. Aridian konnte den Wein riechen und fragte sich, was das nun wieder sollte. Sie wollten ihn doch wohl nicht etwa betrunken machen? Allerdings wäre dazu nicht so ein guter Rotwein nötig. Verwirrt verfolgte er, wie das Tablett auf dem Tisch abgestellt wurde.

“Was denkst du,” fragte die zweite Rotgewandete Gestalt den anderen Meister, “wie lange wird Sotan brauchen, bis er da ist?”

Überrascht erkannte Aridian an der Stimme, das diese Gestalt tatsächlich weiblich war. Also eine Meisterin. Er fragte sich erneut wie viele dieser Leute es eigentlich gab. Er hatte bisher nur eine Handvoll dieser Gestalten zu Gesicht bekommen.

Der Meister zeigte ein Schulterzucken.

"Ich weiß es nicht," meinte er, "aber lange kann es nicht mehr dauern. Sotan fliegt sehr schnell."

Schließlich wandte sich sein Peiniger ihm zu, in der Hand ein beinahe zierliches Messer mit kurzer, scharfer Klinge und einem bösen Lächeln auf den Lippen. Aridians Herzschlag beschleunigte sich erneut.

Der Meister strich ihm mit einem Finger sanft über die Innenseite des linken Unterarms, dann drückte er in der Armbeuge zu, so dass die Adern etwas hervortraten und öffnete mit drei sorgfältig platzierten Schnitten die Adern. Das selbe tat er dann auch noch auf der rechten Seite. Sofort quoll dunkelrotes Blut aus den Schnitten und nun wurde auch klar, weswegen die Armlehnen solch eine besondere Form hatten, denn so sammelte sich das Blut und floss langsam in die Messingschalen.

Überascht zuckte Aridian bei den Schnitten leicht zusammen, konnte aber seine Arme nicht wirklich bewegen und musste so hilflos mit ansehen, wie dieser schreckliche Mann ihn zur Ader ließ.
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Mal abgesehen davon, dass das alles nicht unbedingt bequem war, fragte sich der junge Mann, was das eigentlich sollte. Zudem waren die Schnitte gekonnt gesetzt und schlossen sich bald wieder, was den Blutstrom versiegen ließ. Dann jedoch grinste der Meister böse, entzündete das Öllicht, schöpfte mit einer Kelle etwas von dem frischen Blut aus den Schalen in zwei der Kelche und mischte es dort vorsichtig mit dem Wein, wobei er die Gläser mithilfe des Gestells an der Lampe sanft erhitzte.

Aridian biss die Zähne zusammen. Dieser Mistkerl bereitete sich tatsächlich mit seinem Blut den *Dahi varani , den Wein des Blutes, auch Blutwein genannt. Ein sehr festliches, ja rituelles Getränk, dass eigentlich nur zu richtig großen Anlässen und Festen getrunken wurde und das für gewöhnlich mit dem Blut eines Opfertieres versetzt wurde. Meistens war das Lamm. Jäger bereiteten sich diesen Wein auch nach einer sehr erfolgreichen Jagd, dann nahmen sie das Blut des erlegten Wildes. Für gewöhnlich wurde immer ein Teil des Blutes und auch des fertigen Blutweines für die Götter geopfert und auf fruchtbarer Erde vergossen. So ehrten sie das erlegte tier und die Götter. Befremdet und auch ein wenig entsetzt beobachtete Aridian wie der Meister einen der Kelche an die Rotgewandete Frau weiterreichte, mit dieser anstieß und dann sichtlich den Trank genoss. Nun begriff der Albaelih auch, weshalb diese Leute heute nur diese Dreiviertelmasken trugen. Er schluckte trocken und stellte etwas selbstironisch fest, das sein Blut offenbar schmackhaft war. Trotzdem wäre es ihm lieber gewesen, wenn es auch in seinen Adern geblieben wäre.

Die beiden Rotgewandeten unterhielten sich angeregt, doch plötzlich schien sich sein Peiniger an ihn zu erinnern und schenkte Aridian ein böses Grinsen. Dann bereitete er ganz sorgfältig einen dritten Kelch Blutwein zu und näherte sich damit dem Albaelih. Dieser gab Laute der Verweigerung von sich und versuchte den Kopf wegzubiegen, als ihm der Meister den Kelch an die Lippen hielt. Den Mund presste er dabei fest zusammen. Schließlich zischte der Meister ärgerlich und Aridian spürte den Dschan schon bevor sich die Hände des Wesens um seinen Kiefer und Stirn schlossen und seinen Mund aufzwangen. Prompt flößte ihn der Rotgewandete etwas von dem warmen Wein ein und dann wurden seine Kiefer so stark zusammengepresst, so dass er auch nicht ausspucken konnte.
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Als man ihm auch noch die Nase zuhielt blieb ihm nichts anderes mehr über und er schluckte. Unvermittelt wurde er losgelassen und sank hustend und würgend etwas vornüber.

Verflixt, er hatte Blutwein noch nie so wirklich gemocht, aber einen solchen zu trinken, der mit dem eigenen Blut bereitet war, das war wirklich schaurig und irgendwie auch ein wenig erschreckend. Bevor er sich auch nur annähernd gefangen hatte, wurde sein Kopf erneut nach hinten gerissen und erneut sein Kiefer auseinandergezwungen. Und erneut landete der Kelch an seinen Lippen und ein weitere großer Schluck von dem Wein in seinem Magen. Sein Kopf sackte nach vorne und ein leichter Schwindel überkam ihn. Offenbar war mehr in dem Getränk, als sein Blut und der Wein. Ein wenig benommen hob er den Kopf und schenkte seinem Peiniger einen vorwurfsvollen Blick, was diesen tatsächlich lachen ließ.

“Ach Junge,” kicherte der Meister, “schau nicht so vorwurfsvoll!”

Er kam an die Seite des Gefangenen und stützte sich mit den Armen auf die Rückenlehne, so konnte er dem jungen Mann bequem etwas zuflüstern.

“Diesmal,” kicherte er leise, “mach ich das nicht mal zu meinem eigenen Vergnügen, obwohl ich Blutwein sehr gerne trinke und es durchaus seinen Reiz hat deinen Körper und dein Blut auf diese Weise zu entweihen. Mal ganz abgesehen davon, dass ich es sehr genieße, wenn mir jemand so herrlich hilflos ausgeliefert ist, wie du gerade.” Er lachte wieder. “Weißt du wer Sotan ist? Das ist ein Dschan, ein sehr alter, sehr fähiger Dschan, der in der Hierarchie seines Schwarmes ziemlich weit oben stand, doch dann wurden sie in diese Welt geschleudert und er verlor seine Königin. Ich glaub, das hat ihn sehr wütend gemacht.” Der Meister hielt kurz inne, doch dann fuhr er unbeirrt fort. “Nun, auf was ich hinaus will ist, Sotan, das übrigens nicht sein richtiger Name, aber das Dschangezischel kann ja keiner aussprechen… nun worauf ich hinaus will: Sotan genießt es ganz genauso wie ich selber Schmerzen zuzufügen. Ich glaube sie schmecken ihm, na egal….. Was ist dass denn?” Der Rotgewandete hatte gerade bemerkt, dass Aridians Kopf trotz der Fessel über der Kehle nach vorne gesackt war.
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Der junge Albaelih, der ja noch gar nichts im Magen hatte spürte die Wirkung der Droge, die man ihm über den Blutwein verabreicht hatte, immer stärker. Kopfschüttelnd griff der Meister zu und zog den Kopf des Albaelih wieder zurück. Einige harte Schläge auf die Wange brachten den jungen Krieger wieder ein wenig zu Besinnung.

“Komm schon, Kleiner, “schnarrte der Meister belustigt, “versuch wenigstens noch ein wenig bei mir zu bleiben, ja?”

Er lachte leise, als ihm der Gefangene tatsächlich die Augen zuwandte. Die geweitete Pupille sprach Bände über seinen Zustand, aber irgendwie gelang es Aridian dennoch den Erklärungen des Rotgewandeten zu folgen.

“Na gut,” meinte der Meister fast versöhnlich,” ich mach es kurz. Sotan kann sich in den Geist eines Lebewesens hineindrängen, leider geht das nicht alleine auf der mentalen Ebene, nein er muss sich auch physisch Zugang zu einigen, bestimmten Bereichen des Gehirns verschaffen.” Er grinste, als sich die Augen des Gefangen weiteten. Ganz offenbar hatte der junge Mann begriffen, was das bedeuten mochte. Dennoch fuhr der Meister fort. “Ja ich sehe es dir an, du begreifst was da heute noch auf dich zukommt. Stimmt, Sotan wird zwei seiner Tentakel über deinen Schläfen direkt durch den Knochen in dein Gehirn bohren und genau deswegen sitzt du auch in dieser netten Vorrichtung. Du sollst dich ja nicht zu sehr dabei bewegen, sonst schadest du dir womöglich noch selber.” Er kicherte gehässig und beobachtete schadenfroh wie sich Entsetzen in den Blick des Gefangene mischte. “Ja, er wird in deinen Kopf und in deinen Geist eindringen und dein kleines Geheimnis für mich da raus fischen. Weißt du, mein Hübscher, mir ist klar, dass ich dich womöglich Tage foltern muss, bis ich dich soweit habe, dass du mir erzählst, was ich wissen will.” Er schenkte dem Gefangenen ein träges Grinsen. “Nicht dass ich etwas dagegen hätte, aber ich bin mir leider ziemlich sicher, dass die Nachricht, die du überbringen solltest nicht nur wichtig, sondern auch eilig war. Weswegen sonst sollte der König einen Albaelih damit betrauen. Leider bedeutet das auch, wenn ich die Information auf dem herkömmlichen Wege aus dir herausgekitzelt habe, wird diese mir womöglich gar nicht mehr von Nutzen sein.”

Er löste sich von der Rückenlehne des Stuhls, umschritt den Gefangenen lauernd und nachdem dieser nichts erwiderte holte er achselzuckend das kleine Messer wieder hervor.
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Aridian zuckte leicht zusammen, als ihm der Mann auf beiden Unterarminnenseiten erneut drei frische Schnitte zufügte. Wieder quoll Blut in die Rinne, die die Armlehne bildete und tropfte in die Schalen darunter.

“Weißt du, “ meinte der Meister, während er einen neuen Kelch Blutwein bereitete, “dein Geist ist ziemlich stark. Sotan würde dir, wenn du voll bei Sinnen wärst, unweigerlich größten Schaden zufügen und genau deswegen gönnen wir dir heute diesen kleinen Rausch.” Er grinste den Albaelih an und tropfte nun ganz offensichtlich eine rötliche Flüssigkeit in das fertige Getränk und reichte den Kelch an einen der sie umschwebenden, schweigenden Dschan weiter. “Ich will mich noch ein wenig mit dir amüsieren,” fuhr er fort, “und das geht nicht, wenn dein Geist zerstört ist.” Er kicherte böse als die Dschan dem jungen Krieger den gesamten Inhalt des Kelches über die Lippen zwangen. Hustend und keuchend sackte der Albaelih erneut nach vorne, wurde dann aber wieder aufgerichtet. Nun spürte er die Droge mit Macht. Wie konnte das Zeug nur so schnell wirken?

“Du fragst dich sicher, wie die Droge so schnell wirken kann, nicht wahr?”

Die Frage klang wie eine Feststellung und bildete ein unheimliches Echo zu Aridians Gedanken. Mühsam hob er den Blick und sah, dass der Rotgewandete Peiniger noch immer grinste.

“Das ist der Grund,” erklärte der Mann, “warum ich ausgerechnet Blutwein gewählt habe, denn mit deinen Blut darin kann ich bereits bevor du die Droge im Körper hast eine magische Verbindung zwischen Droge und Blut schaffen. So gelangt sie dann um einiges schneller in deine Adern.”

Der Mann klang amüsiert und die Frau, die die ganze Zeit danebengestanden und still gelauscht hatte lachte nun laut auf. Der Albaelih versuchte den beiden irgendetwas Beleidigendes entgegenzuschleudern, aber seine Lippen und seine Stimme gehorchten ihm schon nicht mehr. Hilflos sah er zu, wie dieser Mistkerl mit seinem Blut auch für die Frau und für sich selbst einen weiteren Kelch bereitete. Sein Kopf wurde schwer und sackte wieder nach vorne, seine Augen schlossen sich ohne sein Zutun. Dichter Nebel umflorte seinen Geist und wirbelte jeden Gedanken fort.
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Etwas später wurde er wieder aufgerichtet und ein Schwall eiskalten Wassers holte seine abgedrifteten Gedanken schlagartig zurück. Erschrocken öffnete er die Augen. Sein Zeitgefühl ließ ihm in Stich, denn er wusste nicht wie viel Zeit nun wirklich vergangen war. Jedoch war der Blutfluss aus den kleine Schnitten, die ihm zugefügt worden war, bereits wieder versiegt. Tatsächlich hatte ihm jemand die Unterarme sogar verbunden.

Wann war das denn passiert? Und warum hatte er davon nichts gemerkt?

Der Meister stand in der Nähe und grinste ihn erheitert an. Neben ihm schwebte ein Dschan, der irgendwie größer wirkte. Aridian runzelte die Stirn und versuchte den Nebel in seinem Kopf, der ihm das Nachdenken so erschwerte, zu durchdringen. Allerdings blieb er erfolglos.

Sein Blick irrte wieder zu dem Dschan, dieser hier war offenbar männlicher Natur. Eigentlich sahen die Nachttode, zumindest in seinen Augen, allesamt irgendwie gleich aus.

Sie hatten durchaus Ähnlichkeit mit Menschen oder Albaelih, zumindest was Kopf, Schultern und Oberkörper anging. Sie hatten kein Haupthaar, tatsächlich hatten sie nirgends Haare oder ähnliches und ihre Schultern waren schmal, die Arme lang und schlank, genauso wie die schmalen, langgliedrigen Hände mit den drei Fingern und dem langen Daumen. Der Oberkörper wies keine wirklichen Geschlechtsmerkmale auf, obwohl der Brustkorb bei den männlichen Dschan offenbar etwas breiter war. Das Gesicht der Nachtode wirkte irgendwie ein wenig unfertig. Sie hatten allesamt eine breite Stirn und ein schmales Kinn, der Mund war klein und mit so schmalen Lippen, so dass es teilweise so aussah, als hätten sie keine. Die Nase war schmal und klein. Nur die Augen waren ausgeprägt, groß und schräg stehend. Die Iris der Augen war so groß, so dass sie die gesamte sichtbare Fläche des Augapfels einnahm, die Pupille hingegen war wie bei Reptilien geformt. Die kleinen, spitzen Ohren schmiegten sich an den Schädel und waren so kaum zu bemerken. Bei den weiblichen Nachtoden wuchs auf dem Kopf anstelle von Haaren ein feines, netzartiges Gespinst, dass sich je nach Laune und Stimmung an das Haupt schmiegte oder aufwallte. Zwischen den Armen und dem Körper spannte sich etwas, das große Ähnlichkeit mit einer Flughaut hatte, welche offenbar sehr dehnbar war und sich anlegen oder spannen ließ, gerade wie es den Dschan beliebte.
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Richtig fremdartig wurde die Gestalt der Nachttode ab der Hüfte, denn dort entsprangen nicht etwa Beine, sondern mehrere, lange und biegsame Fangarme. Insgesamt waren es sechs dicke und zwei sehr dünne, aber auch sehr starke, die noch länger als die anderen mit einem Stachel an der Spitze bewehrt waren. Die Dschan nutzen diese zwei meistens um Dinge, oder hier auch Gefangene durch die Gegend zu schleppen. Auf dem Rücken, zwischen den Schulterblättern entsprangen die Tentakel, auch hier sechs an der Zahl und alle mit einem Stachel am Ende. Diese waren dünn und sehr biegsam und es waren diese Tentakel, mit denen die Dschan ihre Opfer aussaugten. Die Haut der Wesen war nicht nur schwarz und schimmerte matt, sondern die war auch kalt und glatt und wirkte relativ dünn. Das seltsame an den Dschan war jedoch nicht ihr fremdartiges Aussehen, sondern die Tatsache, dass siem wenn sie entspannt waren zwar so aussahen, als hätten sie Knochen, aber offensichtlich nicht wirklich welche hatten. Diese Wesen konnten ihre Gestalt aufplustern und vergrößern, oder sich ganz klein machen. Ihre Fangarme und Tentakel konnten sich willkürlich verlängern oder verkürzen, gerade so, wie es eben nötig war. Und wenn sie angegriffen wurden oder jagten wirkten sie oft regelrecht substanzlos, so dass Schläge und ähnliches scheinbar direkt durch sie hindurchging.

Aridian blinzelte und versuchte verwirrt den Kopf zu schütteln. Seine Gedanken waren wieder abgedriftet und nun waren ihm unbemerkt der Meister mitsamt dem großen Dschan unangenehm nahe gekommen. Der Rotgewandete lachte dunkel.

“Darf ich dir Sotan vorstellen?”

Der Meister grinste böse und wandte sich an den Dschan.

“Das ist dein heutiges Opfer, Sotan. Ich habe dir bereits mitgeteilt was ich wissen will, du wirst es mir beschaffen. Dabei darfst du ihm so weh tun, wie du willst und du darfst dich auch an ihm nähren. Töten darfst du ihn jedoch nicht und versuche bitte den Schaden so gering wie möglich zu halten, denn schließlich will ich selber noch meinen Spaß mit diesem hier haben. Hast du verstanden?”

Die Stimme des Meisters war zwar herrisch, aber offenbar war dieser Nachttod der Liebling des Mannes, denn auch eine leichte Zuneigung war aus dem Tonfall herauszuhören.
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Der Dschan beugte willig den Kopf.

“Natürlich, Meister,” antwortete das Wesen ,”ich werde euch die Informationen aus seinem Kopf holen und ich werde ihn dabei nicht zerstören. Sein Geist ist benommen, es wird nicht schwer sein.”

Der Meister streckte die Hand aus und der Dschan schmiegte seinen Kopf an die dargebotene Handfläche und genoss scheinbar die Liebkosung, die ihm gewährt wurde. Als der Mann von ihm abließ, wandte sich der Nachttod dem Gefangen zu.

Während das Wesen mit zwei seiner Tentakel über sein Gesicht tastete, wurde dem Albaelih der Sinn des Gestells, in dem sein Kopf stecke erst richtig klar. Unmöglich den Kopf richtig zur Seite zu drehen musste er sich die seltsame Berührung gefallen lassen. Er zuckte trotz der Droge in seinem Blut zusammen. Als das Wesen dann aber die Stacheln seiner Tentakel etwas oberhalb der Schläfen erst durch Haut und Gewebe und dann sogar durch den Knochen trieb, tat das schon weh, war aber eher unangenehm als wirklich schmerzhaft. Verwirrt blinzelte der junge Krieger. Doch als dann das typische Kältegefühl einsetze riss der junge Albaelih entsetzt die Augen auf. Wenige Augenblicke später spürte er, wie die Kreatur rücksichtslos in seinen Geist drang und begann zu schreien. Die geistige Berührung des Dschan war schrecklich und schmerzhaft zudem.

Die Entsetzensschreie des jungen Mannes schraubten sich schrill in die Höhe. Sein Körper bäumte sich in den Lederriemen auf und verfiel bald in unkontrollierte Zuckungen. Schließlich verdrehte der Albaelih die Augen nach oben und seine Stimme versagte, dennoch schüttelten ihn immer noch Zuckungen.

Aridian Ranadians Welt versank einmal mehr im weißen Feuer!





*Dahi varani - Blutwein
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Punktestand der Geschichte:   61
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Kommentare zur Story:

  Hast du gerade meine Geschichte mit einem Comic und diesen Conanfilmen verglichen?!  
   Tis-Anariel  -  18.08.12 20:30

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  "Den Brei schob der Albaelih weit von sich." - so etwas kann nur jemand denken, der nie selber wirklich Hunger verspürt hat.Du kannst dir nicht vorstellen, was man sich alles in den Rachen schiebt, nur um irgendetwas im Magen zu haben - erst recht nach einer langen, körperlich auslaugenden Folter.

"...die verletzliche Innenseite seiner Unterarme..." - ist die Haut oberhalb seiner Unterarme also unverwundbar? Das Wort, was du suchtest, war wohl eher "sensibel" oder "empfindlich".

"Neben ihm schwebte ein Dschan, der irgendwie größer wirkte." - größer als was?Er sieht ja wohl zum ersten Mal die Dschan und kann daher schlecht Vergleiche ziehen.

Dein Text erhält jetzt mit jedem Kapitel mehr und mehr comichafte Züge. Auf der einen Seite die mit unterschiedlichen Kräften ausgestatteten Superhelden - auf der anderen die Bösewichte, die irgendwie nichts anderes zu tun haben, als sich in ihrer offensichtlichen Bosheit zu suhlen und in alter James-Bond-Manier dem Gefangenen mehr über sich und den Plan verraten, als der im Gegenzug zu sagen hat. So ein bisschen kommt somit das Flair von Conan der Zerstörer oder Red Sonja auf. Es ist manchmal so ungeheuer ernst, manchmal dann wieder so überzeichnet, dass es eine Fantasy-Parodie sein könnte.

Aber auch hier in diesem Kapitel bist du wieder sehr detailverliebt und sparst nicht an Beschreibungen, was dem Text wieder mehr Echtheit und Edendars Bruder mehr Tiefe verleiht.  
   Jingizu  -  18.08.12 15:29

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  Hallo Gerald,

wie schön, dass es für dich immer noch spannend ist. Das freut mich.
Es freut mich ebenso, dass auch dir Aridians Schicksal nahe geht.
Stimmt, die Dschanprinzessin ist in der Nähe, nur was wird sie tun?

Liebe Grüße auch dir...  
   Tis-Anariel  -  29.07.12 22:27

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  Ich hoffe sehr, dass der arme Aridian noch rechtzeitig befreit wird, denn lange kann er das bestimmt nicht durchhalten. Mir geht es wie Petra, immerhin ist die Tochter der Dschankönigin in der Nähe. Aber auch sie könnte in große Gefahr kommen. Immernoch sehr spannend.  
   Gerald W.  -  29.07.12 21:53

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  Hallo Petra,

ich freue mich, dass du so mit dem armen Aridian mitfühlen kannst und ihm am liebsten selber helfen möchtest. Das wollte ich erreichen.
Ja im Moment sieht es echt hoffnungslos aus für den jungen Krieger und lange wird er das wohl nimmer aushalten.
Sotan ist wirklich ein grausames, schreckliches Wesen. Schön, dass ich auch ihn richtig rüberbringen konnte.
Tja diese Nachricht, was mag sie wohl beinhalten?

Liebe Grüße dir...  
   Tis-Anariel  -  28.07.12 23:01

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  Grässlich, der arme Aridian. Am liebsten wäre ich in deine Story gesprungen und hätte ihn befreit und den Meister hätte ich am liebsten verdroschen. Aber hier kann wohl erstmal keiner helfen. Dass Aridian das so lange aushält, das hätte ich nicht gepackt. Da interessiert einen das wirklich sehr, was das für eine wahnsinnig wichtige Nachricht ist, die sie da aus ihm herauspressen wollen. Dieser Sotan ist ja widerlich. Ich hoffe ja auf die junge Dschanprinzessin.  
   Petra  -  28.07.12 22:28

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  Huhu Doska,

danke dir für den schnellen Kommentar.
Ja die Meister sind Gnadenlos und ohne Erbarmen. Nun der Arme, der hat noch einiges zu leiden.
Ob er sein Geheimnis preisgibt? Oder wird es ihm womöglich auch einfach so entrissen? Und warum scheint es so wichtig für die Meister?

Nun das wird sich wohl demnächst zeigen. ;-)

Liebe Grüße dir...  
   Tis-Anariel  -  28.07.12 04:09

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  Das ist ja wirklich schrecklich, was der arme Aridian während seiner Gefangenschaft durchmachen muss. Der Meister scheint kein Erbarmen mit ihm zu haben. Ob Aridian, unter dem Einfluss der Droge und dazu noch gepeinigt von diesem Sotan, nun vielleicht doch die Nachricht vom König verrät? Man fragt sich weshalb diese Nachricht so wichtig ist für die Meister und die Dschan.  
   doska  -  27.07.12 21:40

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Interessante Kommentare

Kommentar von "Tintenkleckschen" zu "Bitte bitte"

Ja, gefällt mir ganz gut. P.S.: Relaxen schreibt man mit a.

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