Blutmond - Karms Reise -24-   59

Fantastisches · Romane/Serien

Von:    Tis-Anariel      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 22. Juli 2012
Bei Webstories eingestellt: 22. Juli 2012
Anzahl gesehen: 1067
Seiten: 12

Diese Story ist Teil einer Reihe.

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   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


Nach diesem sehr wohlschmeckenden Frühstück half Karm Edendar sich etwas anzuziehen. Bald trug der Mann seine Hose und das langärmlige Hemd, dass er unter dem Gambeson getragen hatte. Das Unterwams war noch nicht trocken und der Kettenpanzer im Moment auch schlicht zu schwer für den verletzen Albaelih. Stattdessen hatten sie im Lager der Unterschlupfhöhle eine dicke Wolltunika gefunden, die dem Krieger einigermaßen passte und einen neuen Umhang ebenso. Zusammen mit seinen eigenen, mittlerweile trockenen Strümpfen und Stiefeln, war der Albaelih also passend für die gefallenen Temperaturen gekleidet. Mittlerweile saß der Krieger auf einem, mit einer Decke abgedeckten Felsblock vor der Höhle und genoss sichtlich die Sonne, die sich langsam auf ihren höchsten Stand zu bewegte. Er hatte das Gesicht den warmen Strahlen zugewandt und die Augen geschlossen. Das tat ja so gut!

Ein feines Lächeln erhellte die Züge des Albaelih. Nachdem Karm ihm beim anziehen geholfen hatte, war der Wandler kurz nach draußen gegangen, kehrte aber nur wenige Augenblicke später zurück und verkündete, dass draußen die Sonne schien und ihnen allen etwas frische Luft und Sonnenschein sicher gut tun würde. Damit rannte der Wolf bei Annabella und Schnurr offenbar offenen Türen ein, aber auch Edendar gefiel die Aussicht. Das Lächeln auf den Zügen des Mannes wurde zu einem Grinsen. Er hatte zwar Karms stützenden Arm benötigt, aber er hatte es wirklich auf seinen eigenen zwei Beinen hier heraus geschafft.

Als Karm sich neben ihn setzte, öffnete er die Augen und wandte dem Wandler das Gesicht zu. Der dunkelhaarige Mann hatte einen schlichten Speer in der Hand und beobachtete gerade Annabella, die diesen unverhofften und sonnigen Ruhetag wirklich sehr genoss. Gerade baute sie aus Schnee eine Burg und kicherte über etwas, das die Katze, die daneben auf einem Steinpfeiler saß, von sich gegeben hatte. Karm schüttelte belustigt den Kopf, wandte dann das Gesicht dem Albaelih zu und bemerkte dessen fragenden Blick.

“Schnurr neckt das Mädchen,” erklärte er dem Krieger, “aber sie meint ihren Spott nicht böse.”

Er wandte den Blick wieder dem Kind zu, dann ließ er ihn über ihre Umgebung schweifen, schloss schließlich ebenfalls kurz die Augen und wandte das Gesicht der wärmenden Sonne zu.
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Edendar hingegen war dazu übergegangen nun Annabella bei ihrem Spiel zu beobachten. Dieser erzwungene Müßiggang fühlte sich seltsam und ungewohnt für den agilen Albaelih an. Einerseits tat es schlicht gut einfach mal gar nichts tun zu müssen, auf der anderen Seite jedoch erfüllte es ihn auch mit einer inneren Unruhe, die er sich nicht wirklich erklären konnte. Vielleicht lag es an der Bedrohung durch die Dschan, vielleicht war es auch nur die Tatsache, dass er sich das hier nicht selbst ausgesucht hatte und es ihm praktisch aufgezwungen worden war. Er wusste es nicht genau, aber vermutlich war es wohl irgendwie alles zusammen.

Schließlich brach er das Schweigen, dass sich zwischen ihm und dem Wandelwolf ausgebreitet hatte.

“Was hast du eigentlich mit dem Speer vor?”

Der Krieger klang neugierig und Karm schenkte ihm ein Grinsen.

“Da ich mal annehme,” antwortete er, “dass deine Freunde uns hier im Laufe des Tages finden werden, will ich versuchen unser Abendessen mit etwas Fisch zu bereichern. Die Felsen dort scheinen mir gut dafür geeignet zu sein.”

Er zeigte den Flusslauf hinauf, dort wo einige Felsen vom Ufer bis ins Wasser hinein reichten. Edendar bedachte den Platz mit einem scharfen Blick und nickte dann leicht. Die Stelle sah tatsächlich gut aus. Er warf einen Blick auf den Speer und lächelte dann amüsiert.

“Da hast du aber nicht den richtigen Speer dafür.”

Karm lachte.

“Ich weiß.”

Er holte eine zweite Speerspitze hervor. Diese war deutlich länger und schmaler, außerdem bestand sie aus Horn oder Knochen. Der Söldner nickte beifällig. Karm hatte wirklich einen guten Blick, befand er und streckte dann die Hand nach dem Speer aus.

“Lass mich das machen.” Er lächelte Karm an. “Als Söldner muss man sich selber um seine Waffen kümmern und daher verstehe ich mich auch darauf, Speerspitzen zu wechseln.”

In den Augen des Wandelwolfes funkelte es belustigt, aber er reichte dem Krieger wortlos Speer sowie Knochenspitze und sah ihm dann aufmerksam zu, wie er mit geschickten Händen die Spitze wechselte.



Wenig später reichte er den Speer an Karm zurück, die lange, schmale Knochenspitze saß so fest, wie zuvor die andere aus Stahl.
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Karm nickte dankbar, bleib aber noch sitzen und sah Annabella zu. Edendar seufzte leise. Karm hatte nicht nur einen guten Blick, sondern insgesamt ein feines Gespür. Der Wandler wusste ganz genau, das dem Albaelih noch etwas auf dem Herzen lag.

“Karm,” Edendars Stimme war leise geworden, “warum hast du eigentlich auf das Schicksal meines Bruders so erzürnt reagiert?” Er sah den Wolf an. “Ist es einfach nur allgemeine Wut auf die Dschan oder steckt da etwas anderes dahinter?”

Karms Gesicht wurde schlagartig ernst und seine Miene verschloss sich etwas. Edendar berührte den Wandelwolf vorsichtig an der Schulter, besorgt, dass seine Frage ihre beginnende Freundschaft stören könnte.

“Ich bin nur neugierig, Karm.” Der Albaelih klag ein wenig erschrocken. “Wenn du nicht darüber reden willst, dann verstehe ich das. Es gibt auch einiges in meinem Leben, über das ich nicht gerne spreche.”

Karm sah den Krieger an, das Gesicht immer noch ernst. Schließlich seufzte schwer.

“Nein,” meinte er leise, “ist schon in Ordnung.” Er runzelte die Stirn. “Es fällt mir nur schwer darüber zu reden, weil es auch noch so frisch ist.” Er sah den Albaelih offen ins Gesicht. “Aber ich denke es ist richtig, wenn ich dir davon erzähle und darum will ich dir die Frage beantworten. Ich glaube aber, dafür muss ich dir erst einmal ein wenig über uns Wandelwölfe und unser Leben erzählen.”

Der Söldner nickte nur stumm und Karm sah wieder von ihm fort.

“Nun,” begann Karm, “du musst wissen, dass wir Wandelwölfe nicht ganz so oft nachwuchs zeugen, wie normale Wölfe. Aber wir kommen tatsächlich wie jeder normale Wolf auf die Welt. Blind und fast taub und sehr klein. Und wir werden wie jeder Wolf die ersten Wochen unseres Lebens von unser Mutter versorgt und gesäugt.” Ein kleines Lächeln erschien auf dem Gesicht des Wolfes. “Diese ersten Wochen entwickeln sich Wandelwölfe wie jeder andere Wolf auch, erst nachdem wir nicht mehr gesäugt werden, verläuft unsere Entwicklung dann langsamer.” Er sah Edendar an. “Verstehst du? Ein Wandelwolf braucht fast zehn Jahre um vollständig erwachsen zu werden, aber bereits mit sieben Jahren stellen sich die ersten Wandlungen ein. “ Der Wandler hielt kurz inne.

“Nun,” fuhr er schließlich fort, “worauf ich hinaus will ist, dass wir länger Welpen sind als normale Wölfe und von daher auch länger brauchen, bis wir selbstständig jagen können.
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Nun wird aber die Kraft der Mütter bei der Jagd gebraucht, also führen sie die Welpen, sobald sie laufen können und nicht mehr auf Milch angewiesen sind zur großen Mutterhöhle.” Erneut erschien auf Karms Gesicht ein Lächeln. “Dort, in der großen Mutterhöhle kümmern sich immer mehrere Wölfinnen um alle Kleinen des Rudels und sie wechseln sich dabei ab. So können auch die Mütter bei der Jagd helfen und wir anderen, wir helfen auf unsre Weise, indem wir einen Teil unserer ganz eignen beute zur Mutterhöhle tragen und dort niederlegen. Normalerweise bekommen wir ganz am Anfang die Kleinen gar nicht zu Gesicht. Tatsächlich lernen wir unsre kleinen Brüder und Schwestern meist erst kennen, da sind sie schon vier Monate auf dieser Welt, oder sogar schon länger.”

Karms Lächeln verblasste und er verfiel in ein länger werdendes Schweigen. Sein Blick ging ins Leere und er schien weit fort zu sein. Edendar wagte es nicht, den Wandler in diesem Augenblick anzusprechen, denn irgendetwas wühlte den Wolf sehr auf. Der Albaelih hatte aber ein sehr ungutes Gefühl, wohin sich diese Geschichte hinentwickeln würde. Schließlich fing sich Karm wieder, holte tief Atem und fuhr dann leise fort.

“Meine Eltern sind alt, Edendar, und ich war lange Zeit der Letztgeborene. Niemand dachte noch, dass sich bei ihnen noch einmal Nachwuchs einstellen würden und dann waren es ganz unverhofft gleich drei Kleine. Zwei kleine Brüder und eine kleine Schwester.”

Karms Lächeln kehrte zurück, diesmal aber war es sehr traurig. Seine Stimme wurde jedoch noch leiser.

“Sie hatte weiße Pfoten und einen silbrigen Fleck auf der Brust, der ein wenig wie ein Sichelmond aussah. Darum nannte Mutter sie Silberschön. Meine Brüder waren beide ganz schwarz, ebenso wie ich und Vater. Ich hatte sie gerade erst kennengelernt.”

Erneut verfiel der Wandler in Schweigen und Edendar drängte ihn auch nicht. Mit einem weiterem Seufzen riss sich Karm zusammen und erzählte weiter.

“Ein paar Tage danach gab es wohl irgendwo weiter nördlich ein Erdbeben. Man konnte es ganz leicht spüren.
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Wir haben uns dabei nichts gedacht, schließlich bebt die Erde öfter in den Bruchlanden. Zwei Tage später überredeten mich meine zwei älteren Brüder dazu sie auf eine längere Jagd zu begleiten. Sie brauchten noch unbedingt einen Sucher und obwohl ich gar nicht so wirklich wollte, kam ich schließlich doch mit.”

Der Wandler runzelte die Stirn und schluckte leicht.

“Eine Woche später, genau zwei Tage nach Schwarzmond kehrten wir sehr erfolgreich zurück. Froh und voller guter Dinge lief ich sofort zur Mutterhöhle … und noch bevor ich überhaupt die Lichtung dort erreichen konnte, fand ich die ersten beiden Toten. Zwei erwachsene Wölfinnen, die ganz offensichtlich gegen etwas gekämpft hatten. Sie waren ganz starr und seltsamer Weise trocken. Es gab kaum Geruch und ich nahm mir auch nicht die Zeit sie genauer zu untersuchen. Ich stürmte einfach weiter und wäre kurz vor der Lichtung beinnahe über eine weitere tote Wölfin gefallen.”

In Karms Gesicht zeichnete sich das damals erlebte Entsetzen deutlich ab und er warf Edendar einen kurzen, fast gehetzt wirkenden Blick zu, dann fuhr er auch schon fort.

“Mitten auf der Lichtung lag die vierte Wölfin und hinter ihr die Kleinen, wie die anderen auch mit verrenkten Gliedern, hochgezogenen Lefzen und die kleinen Zähne im Todeskampf entblößt. Zu diesem Zeitpunkt begann ich schon zu winseln und direkt vor der Höhle fand ich dann meine Tante und meine drei Geschwister. Wie alle anderen auch tot, mumifiziert und offensichtlich auf schreckliche Weise ums Leben gekommen.”

Karms Stimme drohte zu brechen und er verbarg kurz das Gesicht in den Händen. Schließlich fing er sich doch wieder und sah Edendar offen in die Augen, ließ den andren seinen tiefen Schmerz sehen.

“Es waren Siebenunddreißig Leben in dieser Höhle,” meinte der Wandler leise, “darunter fünf ausgewachsene Wölfinnen. Nur Sieben Kleine haben dieses Massaker überlebt!”

Er holte noch einmal tief Luft und spürte die Hand des Albaelih, die sich tröstend auf seine Schulter legte und leichten Druck ausübte. Er sah auf und sah das Verständnis in den Augen des Kriegers. Edendar nickte langsam und streckte Karm die rechte Hand zum Kriegergruß entgegen.
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Der Söldner wirkte sehr ernst.

“Du hast Recht, Karm,” meinte er bestimmt, “wir beide werden diesen Ort suchen, ihn finden und sie dann alle für ihre Taten büßen lassen!” Diesmal glühte in den grünen Augen des Albaelih eine kaum verhohlene Wut. Der Wandler nickte nun ebenfalls und erwiderte die Geste.

“Du sprichst wie ein Jagdbruder, Edendar!”

Der Albaelih schenkte ihm ein schmales Lächeln und Karm erkannte die Wahrheit in seinen Worten, noch während er sie aussprach. Seine Augen weiteten sich leicht und auch der Söldner spürte es. Plötzlich breitete sich ein wölfisches Grinsen im Gesicht des Wandlers aus und Edendar erwiderte es mit seinem eigenen, schrecklichen Kriegerlächeln. Sie hatten gerade eine weitere Übereinstimmung zwischen ihnen gefunden.



Karm löste als erster den Griff und wandte sich wieder ab.

“Nachdem ich den ersten Schock überwunden hatte, “meinte er schließlich, “wollte ich eigentlich am liebsten sofort losrennen und die Verantwortlichen für dieses schreckliche Tat töten. Aber meine Familie hat mich zurückgehalten, obwohl sie alle genauso wütend waren wie ich. Ich denke, Aramantha hat mich auch genau deswegen auf diese Suche, diese Reise geschickt, um zu verhindern, dass ich mich so voller Wut selber ins Verderben stürzte.”

Er seufzte tief und Edendar nickte langsam.

“Suche?”

Jetzt musste der Wandler doch glatt über diesen neugierigen Kerl lachen.

“Einst,” erklärte er bereitwillig, “als die Dschan zum ersten mal über diese Welt kamen und sie verheerten, wurden drei Wandelwölfe erwählt auf die Suche nach etwas zu gehen, das die Bedrohung durch diese Schattenwesen beenden könnte. Die Wissenden nannte dieses etwas das reinste, das hellste Licht. Die drei Wandelwölfe die aufbrachen waren Sternfänger, Mondsinger und die schöne Silberfell. Sie brachen gemeinsam auf, wurden dann aber getrennt. Es gibt viele Geschichten über die Abenteuer, die sie erlebt und die Freunde und Helfer, die sie gefunden haben. Schließlich fanden sie wieder zusammen und sie entdeckten auch dieses Licht. Der Mondsinger erkannte, dass es aber zerstört werden würden, wenn es so genutzt werden würde, wie es gedacht war und dass dabei wohl auch viele seiner neuen und alten Freunde den Tod finden würden, also warf er sein eigenes Leben in die Waagschale und veränderte alles.
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Er ließ sein Leben, aber dafür konnten alle seine Freunde ihres retten und tatsächlich verlor das Licht zwar seine Form, konnte aber bewahrt werden. Den Legenden nach bekam es eine neue Form und wurde dann, um es zu beschützen verborgen.”

Karm schenkte Edendar ein kurzes Lächeln.

“Nun ja,” fuhr er fort, “und jetzt wo die Dschan wieder über den Nachthimmel schweifen und der Blutmond scheint, wurden aus jedem der drei großen Rudeln jeweils zwei Wölfe losgeschickt um dieses Licht wiederzufinden. Drei Sucher und drei Sucherinnen und ich bin einer davon.”

Er betrachtete den Albaelih neben sich aufmerksam und musste dann über den etwas verblüfften Gesichtsausdruck des Mannes lächeln. Edendar war wirklich ein wenig verblüfft, immerhin hatte er gerade eine genaue Menge gelernt und das nicht nur über die Wandelwölfe, sondern auch über die Vergangenheit. Außerdem hatte er auch etwas über Karm erfahren, das ihn den Wandler besser verstehen ließ und auch näher brachte. Alle Götter, er wusste nicht was er in so einer Situation getan hätte! Und da hatte er sich tatsächlich gefragt, warum der Wandelwolf sich so um die kleine Annabella kümmerte. Er erwiderte das Lächeln des Wolfes.

“Weißt du was,” meinte er ,”ich glaube du bist auf einer *Quest!”

Jetzt lachte Karm laut auf und schüttelte den Kopf:

“Edendar, ich bin doch kein Ritter, oder Held.”

Doch der Albaelih ließ nicht locker.

“Das,” meinte er ,”waren diese drei mutigen Wandelwölfe namens Mondsinger, Sternfänger und Silberfell bestimmt auch nicht. Aber jetzt sind sie Helden und haben Geschichten hinterlassen, die ihr eigenes Leben lange überdauert haben.”

Er lächelte und klopfte dem nun etwas verwirrten Wandelwolf auf die Schulter.

“Du bist auf einer Quest, Karm!”

Der Krieger klang bestimmt und Karm sah ihn skeptisch von der Seite aus an. Schließlich schüttelte der Wandler den Kopf, lachte und erhob sich.

“Nun wer weiß,” meinte er und reckte sich, “vielleicht bin ich das wirklich. Aber wenn wir heute Abend Fisch haben wollen, dann sollte ich wohl endlich mal welche fangen.
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Er grinste den Albaelih breit an, zwinkerte dem Mann zu, wandte sich dann ab und marschierte zum Fluss hinunter. Leise lachend sah im Edendar nach.

Dieser Karm! Überraschend, Pragmatisch, Hilfsbereit, immer zu einem Lachen aufgelegt und mit einem wahrem Kriegerherz in der Brust. Der Söldner fragte sich, ob alle Wandelwölfe diese Charaktereigenschaften aufwiesen. Er schüttelte den Kopf und spürte erst da den aufmerksamen Blick aus zwei wunderhübschen, himmelblauen Kinderaugen. Er wandte den Kopf und sah dem Kind freundlich in die Augen. Die Kleine grinste kurz.

“Ich hätte ja gerne gelauscht,” meinte sie, “aber Schnurr wollte das nicht. Sei meinte es wären ganz ernste Dinge, die ihr zwei besprechen müsst und da würde ich nur stören. Sag mal was ist eigentlich eine Quest?”

Edendar lachte hilflos auf.

“Wie viel hast du mitbekommen?”

Die grünen Augen des Mannes funkelten belustigt und das Kind verzog das Gesicht zu einer süßen Schnute.

“Nichts,” meinte sie schmollend, “ nur das Karm angeblich auf einer Quest ist und ich weiß nicht was das ist! Was ist eine Quest? Ist das sehr gefährlich?”

Der Söldner wollte schon antworten, doch dann stockte ihm die Stimme. In den Augen des Mädchens glitzerte es verdächtig und er erkannte erschrocken, dass die Kleine sich Sorgen machte. Sie hatte vermutlich Angst, das Karm sie vielleicht alleine lassen würde und er konnte diese Angst sogar gut verstehen. Zugleich war er sich sicher, dass Karm die Kleine nicht alleine zurücklassen würde. Erst wenn das Kind in Sicherheit und an einem Ort war, der ihr behagte, würde er sich wieder seiner Reise zuwenden. Er schenkte dem Kind ein Lächeln.

“Das ist eine Suche,” antwortete er endlich, “etwas ganz großes, was sonst nur Ritter und Helden tun. Es geht darum etwas ganz besonderes zu finden und auf dem Weg dahin muss man Schwierigkeiten überwinden, neue Freunde finden, Feinde besiegen, Abenteuer bestehen, aber auch seinen guten Charakter beweisen, dem Herz folgen und viele neue und manchmal auch ganz alte Dinge lernen. Und am Ende, da hat man nicht nur der Welt etwas Gutes getan, sondern man ist selber auch zu jemand besserem geworden.
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Er lächelte das Mädchen an, doch das seufzte nur leise.

“Dann wird er mich alleine lassen, nicht wahr?”

Sie sah den Albaelih mit großen Augen an, doch dieser schüttelte schon den Kopf.

“Nicht bevor du wirklich an einem Ort bist, an dem es dir gut geht, wo du dich wohl fühlst und sicher bist, Annabella. Und selbst wenn er dann weiterzieht, dann wird er wieder zurückkommen zu dir. Weißt du, Karm hat dich schon so fest in sein großes Herz geschlossen, er wird immer an deinem Leben Anteil haben wollen und darum wird er immer irgendwie für dich da sein. Er wird dich nie wirklich alleine lassen, verstehst du?”

Die Stimme des Söldners klang bestimmt und langsam nickte das Kind.

“Ich glaube ich versteh es.”

Sie musterte den Albaelih skeptisch. Dann jedoch verlagerte sich ihr Interesse.

“Edendar,” meinte sie fragend, “Schnurr hat mir erzählt, das solche wie du vieles erleben, erzählst du mir eines deiner Abenteuer, ja? Ich hab nämlich kalte Hände und das Burgenbauen klappt auch nicht so wirklich.”

Der Söldner lachte laut auf, doch bevor er noch überlegen konnte, welches seiner zahlreichen Abenteuer wohl der Kleinen gefallen würde, klang Karms ruhige Stimme vom Fluss herauf.

“Wir bekommen Besuch!”

Der Krieger hob den Kopf und ließ den Blick schweifen, doch noch bevor er die Reiter sah durchschnitt eine klare, weibliche und ihm gut bekannte Stimme das Rauschen des Flusses.

“Edendar,” rief sie, “oh bei allen Göttern, ich dachte ich sehe dich nie wieder!”

Die Augen des Söldners weiteten sich erfreut. Er antwortete mit nur einem Namen.

“Alaniah!”



Alaniah ließ zunehmend verzweifelter den Blick schweifen, denn mittlerweile hatte die Sonne bereits ihren Höchststand zur Mittagszeit erreicht und sie hatten noch immer keine weitere Spur von Edendar Ranadian gefunden. Wo war der Krieger nur?

Sie machte sich immer mehr Sorgen um den Freund und Kameraden, dem es sonst immer sehr gut gelang mit Geschick und List Gefahren zu entkommen. Alle Götter, er hatte schließlich so einige Angriffe von gefährlichen Wesen, zwei Feuersbrünste, die Schlacht um Weißklippe und sogar die Gnadenlosigkeit der *Sariah-dehli überlebt! Das hieß schon einiges!

Und jetzt? Konnte es sein, das der schlaue und tapfere Krieger wirklich einem Angriff von Schneebestien und einem blöden Fluss zum Opfer fiel? Das war doch nun wirklich kein Ende für jemanden wie Edendar Ranadian!

Fest presste sie die Lippen aufeinander , hielt wieder an und stellte sich erneut in den Steigbügeln auf um ihren Blick wieder und wieder über den Fluss und seine Ufer schweifen zu lassen.
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Ein gutes Stück voraus konnte sie bereits den Bogen der Steinbrücke des großen Steigs entdecken. Bisher zwar nur ein schmales Band, das sich über den Fluss wölbte, aber unverkennbar vorhanden.

Wie weit hatte dieser verdammte Fluss ihren Freund nur mitgerissen, oder war der Söldner vielleicht einfach ertrunken und hing irgendwo unterhalb der Wasseroberfläche fest, so dass sie unbemerkt an ihm vorübergeritten waren? Oder hatten ihm am Ende wirklich die Nachttode gefressen? Aber dann müsste doch irgendwo der mumifizierte Körper des Kriegers liegen, oder etwas nicht?

Der Kriegerin kam ein unangenehmer, erschreckender Gedanke, der sie schaudern ließ.

Was wenn die Dschan gar nicht alle ihre Opfer töteten, sondern auch einige davon verschleppten? Gerüchte davon gab es und selbst in den alten Legenden, gab es versteckte Andeutungen, die darauf schließen lassen konnten. Alaniah schluckte schwer. An diese Möglichkeit wollte sie gar nicht denken. Sie ließ sich in den Sattel zurücksinken und trieb ihr Pferd langsam weiter.

Bald waren sie der Brücke so nah, um das Bauwerk deutlich zu erkennen. Alaniahs scharfe Augen machten ein Bewegung aus und dann erkannte sie einen Mann im dunklen Umhang, der sich nahe der Brücke offenbar beim Speerfischen versuchte. Einen Augenblick schlug ihr das Herz höher, dann jedoch erkannte sie, dass die Statur des Mannes und auch seien Größe nicht zu Edendar passen konnte, außerdem hatte er schwarzes Haar. Einen Augenblick später richtete sich der Fremde ganz auf, hob den Kopf und fixierte die ankommenden Reiter mit seinem Blick. Das erstaunte die Kriegerin ein wenig, denn eigentlich waren sie noch zu weit weg, um von ihm gehört zu werden. Hätten die Pferde gewiehert, oder einer der Krieger gerufen, dann bestimmt, aber weder das eine noch das andere war geschehen.
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Einen Moment später war das überraschende Verhalten des Fremden vergessen, denn Alaniah hörte ein Lachen, das sie sehr gut kannte. Sie hatte befürchtet es nie wieder zu hören. Ein breites, erleichtertes Lächeln trat auf ihr Gesicht und während sie ihr Pferd schon zu einer schnelleren Gangart antrieb, rief sie den Namen des vermissten Freundes.

“Edendar,” rief sie, “oh bei allen Göttern, ich dachte ich sehe dich nie wieder!”

Als sie ihren Namen hörte wusste sie sicher, dass sie ihren Freund wiedergefunden hatte und zwar lebendig. Sie trieb ihr Pferd zu einen kurzen Galopp, brachte es neben der Höhle zum stehen und sprang aus dem Sattel. Mit einigen schnellen Schritten war sie bei dem sitzenden Krieger, der in der schlichten Kleidung etwas gewöhnungsbedürftig aussah und schlang ihm fest die Arme um die Schultern. Edendar lachte leise und erwiderte die Geste. Dann jedoch ächzte der Mann leise und die Kriegerin ließ erschrocken von ihm ab.

“Du bist verletzt!”

Erst jetzt sah sie sich den Albaelih genauer an und bemerkte den Kopfverband sowie das blasse, müde Gesicht des Kriegers. Besorgt strich sie ihm vorsichtig die einen seiner Zöpfe aus der Stirn und musterte ihn eindringlich. Auch das ehrliche Lächeln auf Edendars Gesicht konnte den besorgten Ausdruck der Frau nicht fortwischen.

“Was ist mit dir geschehen?”

Sie klang so besorgt wie sie aussah. Edendar schüttelte über sie den Kopf, grinste aber.

“Karm,” sprach er den Wandler an, der sich genähert hatte, “darf ich dir meine gute Freundin und Kameradin Alaniah Leyoghion vorstellen. Ohne sie hätte ich schon mehr als einmal den Tod gefunden oder wäre womöglich in irgendeinem Kerker verschwunden.”

Alaniah wirbelte herum und sah sich unversehens dem anderen Mann, der eben noch am Fluss stand gegenüber. Groß war er und gutaussehend obendrein, mit scharfen, markanten Gesichtszügen und ganz seltsamen, bernsteingelben Augen, in denen sich etwas wildes zu verbergen schien. Sie blinzelte überrascht, als er sie an lächelte und kleine, scharfe Eckzähne dabei offenbarte. Seien Ohren liefen spitz zu, auch das war überraschend. Edendar hingegen grinste vor sich hin.

“Alaniah, das ist mein neuer Freund Karm Jäger, er kam über die Heralberge und hat seine kleine Halbnichte Annabella aus Blaustein gerettet.
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Nun sind die zwei auf der Flucht vor den Dschan und waren so freundlich mir das Leben zu retten.”

Er lachte, als Schnurr lauthals auf sich aufmerksam machte und neben ihn auf den Stein sprang.

“Das Kätzchen hier,” meinte er lachend, “heißt übrigens Schnurr und begleitet seit Blaustein Karm und Annabella auf ihrer Reise.”





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*Sariah-dehli - wörtlich hohe Herrin - Titel für die Kriegerkönigin der Albaelih



Sariah - wörtlich Herrin - Bezeichnung für eine Anführerin





**Das Wort Quest (deutsch „Suche, Suchmission“) bezeichnet in der Artusepik die Heldenreise oder Âventiure eines Ritters oder Helden, in deren Verlauf er verschiedene Aufgaben löst, Abenteuer besteht, Feinde besiegt, Objekte findet, Schwierigkeiten überwindet und dadurch Ruhm und Erfahrung erntet oder sein angestrebtes Ziel erreicht (zum Beispiel den heiligen Gral). Sinn der Quest ist zumeist die Erfüllung ritterlicher Pflichten, aber auch die innere Reifung und Reinigung des Helden
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Kommentare zur Story:

  stimmt...an Karms Geschichte muss ich noch etwas arbeiten...aber das is ja auch alles noch rohform. Damit beschäftige ichmich in der Überarbeitung.  
   Tis-Anariel  -  18.08.12 20:25

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  Ah gut, hier klären sich dann doch schon einige Fragen, die sich im vorherigen Kapitel aufgetan haben. Auch dieses ist wieder ein herrrliches Kapitel, das teilweise so unfreiwillig komisch ist, dass ich lachen musste. Besonders die offen emotionale, fast schon gefühlsduselige Unterhaltung zwischen Edendar und Karm ist so herrlich weiblich, wie sie nur von einer Frau geschrieben werden konnte.

Das Wort "Wölfin" hingegen klingt in meinen Ohren ähnlich deplatziert wie "Menschin". (Das ist vielleicht aber auch nur eine sehr subjektive Wahrnehmung)
"Fähe" wäre hier und da eine gute Alternative, oder vielleicht haben ja die Wandler auch eine eigene Bezeichnung für ihr Volk, die nicht so konstruiert und distanziert klingt. Denn Karms Geschichte wirkt (für mich) besonders dadurch, dass die "Wölfinnen" keine Namen oder zumindest emotionalere Bezeichnungen (Wächterin, Jägerin, Brutmutter, Mondruferin,...) bekommen haben, doch etwas zu kalt und eben distanziert, um mitzufiebern.

Ich hatte zwar erwartet, dass Alaniah ihren eigenen Zweig der Geschichte noch etwas länger behält, aber so oder so scheint es ja jetzt langsam loszugehen. Alle sind in den Startlöchern - also mal schaun was kommt.  
   Jingizu  -  18.08.12 09:43

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  Hallo Petra,

ich freut mich über deinen Kommentar.
Nun ja, Talent mag er schon haben,aber das meiste hat er halt schlicht gelernt.
Ja auch in Karms Vergangenheit gibt es Schmerzhaftes, das macht auch seine Reaktion auf Aridians Gefangenschaft plausibler und lässt den Leser mitfühlen. Bevor Edendars jüngerer Bruder da aber rauskommt, muss der Arme noch ein wenig leiden und wie gesagt, ich denke ich werde euch da noch überraschen.

Liebe Grüße auch dir...  
   Tis-Anariel  -  26.07.12 18:13

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  Karm hat viele nützliche Talente. Er kann sogar den Albaelih gut mit Essen versorgen. Das Leben des Wandelwolfes ist leidgeprüft und ich denke mal, dass er später alles daran setzen wird, den Bruder von Edendar zu befreien. Aber noch wissen sie ja gar nicht mal, wo genau er gefangen gehalten wird. Da ist es nur gut, dass noch Alaniah hinzu gekommen ist.  
   Petra  -  26.07.12 11:52

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  Huhu Gerald,

wie schön, dass dir die Story noch immer gefällt. Ja Alaniah hat ihn endlich wieder gefunden, ihren Freund. Und stimmt, Karm uns Edendar haben so einiges gemeinsam was sie verbindet. So nach und nach wird auch die Vergangenheiten der anderen ein wenig beleuchtet werden und ich hab noch so einige Überraschungen geplant.

Liebe Grüße dir....  
   Tis-Anariel  -  25.07.12 22:59

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  Karm hat also auch einige böse Erlebnisse, die er kaum vergessen kann. Das verbindet Edendar mit ihm umso mehr. Die zwei scheinen fest Freunde zu werden. Nun weiß man auch weshalb Karm diese lange Reise angetreten ist. Spannend ist natürlich auch das Geheimnis um das Licht. Alaniah und Edendar haben sich endlich wieder. Schöne Story, die man gerne weiterliest.  
   Gerald W.  -  25.07.12 22:29

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  Huhu Doska,

wie schön, dass dir auch dieser Teil gefällt.
Ja, jetzt beanworten sich mal wieder einige Fragen, man erfährt einiges über Karm und dem Grund seiner Reise. Und Alaniah findet Edendar wieder.
Tja, dieses Licht, was mag es wohl sein und wo sich verstecken? Aber auf die Antwort zu dieser Frage wird der werte Leser noch einige Zeit warten müssen und dann hoffenblich überrascht sein.

Liebe Grüße dir...  
   Tis-Anariel  -  23.07.12 22:22

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  Karm und Edendar freunden sich immer mehr an. Jetzt erfährt man auch, den Grund von Karms Reise. Es wird vieles klarer. Na, da bin ich ja mal gespannt, wer oder was das Licht ist. Schön ist auch, dass Alaniah ihren Edendar endlich wiedergefunden hat.  
   doska  -  23.07.12 15:41

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