Fantastisches · Romane/Serien

Von:    Tis-Anariel      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 5. Juni 2012
Bei Webstories eingestellt: 5. Juni 2012
Anzahl gesehen: 1359
Seiten: 9

Diese Story ist Teil einer Reihe.

Verfügbarkeit:    Die Einzelteile der Reihe werden nach und nach bei Webstories veröffentlicht.

   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


Alaniah ließ ihren Blick suchend schweifen, aber bei diesem Schneetreiben, das vor kurzem eingesetzt hatte, war es wirklich schwierig den Weg zu erkennen. Man sah auch nicht wirklich weit, zudem wurde es langsam dämmrig. Die Albaelih schätzte dass sie vermutlich nur noch zwei bis drei Stunden Tageslicht haben würden. Erneut stellte sie sich in den Steigbügeln auf und versuchte Etwas von ihrer Umgebung zu erkennen. Die Pferde schnaubten und dampften von der Anstrengung, die es sie kostete durch den hohen Schnee zu pflügen. Und obwohl die großen Schlachtrösser gerade auf Kraft und Durchhaltevermögen gezüchtet wurden, machte sich die Kriegerin auch langsam Gedanken um die Vierbeiner. Alaniah fragte sich gerade, ob es wirklich eine gute Entscheidung war weiterzureiten anstatt umzukehren, da tauchte Edendar neben ihr auf. Er schenkte ihr ein kurzes Lächeln.

“Die Vorhut,” meinte er ,”hat eine Wegmarkierung gefunden, die klugerweise hoch an einem Baum befestigt wurde. Wir sind also noch auf dem richtigen Weg.”

Alaniah atmete erleichtert auf. Sie kannte den besagten Baum und wusste, dass sie bald wieder den Fluss Sarath erreichen würden und damit auch den Unterschlupf. Der Sarath fiel bei Kleinfall über die nur etwa zehn Schritt tiefe Bruchkante dort und floss dann sehr schnell Richtung Osten und kam dann in einer großen Biegung zurück. Es gab zwei Höhlen, die zum Unterschlupf ausgebaut waren. Die eine lag in östlicher Richtung am großen Steig und die andere lag direkt an der Bruchkante unter Kleinfall. Dorthin war es kürzer und auch wenn sie die Pferde nicht über den kleinen Steig dort hoch nach Kleinfall bringen konnten, so müsste doch ein geschickter Kletterer leicht den Bruch dort erklimmen und nachsehen können, wie es in Kleinfall aussah. Einzig die Brücke, die dort am Fuß des Bruches den Sarath überspannte, könnte zu einem Problem werden. Der Fluss wurde dort zum reißenden Strom, der alles mit sich riss, was hineingeriet. Wenn der Schnee die Brücke unpassierbar gemacht hatte, dann saßen sie auf dieser Seite des Flusses fest und hatten keine Möglichkeit zur Höhle auf der anderen Seite zu gelangen. Dann konnten sie eigentlich nur noch dem Strom folgen und dann die Brücke beim großen Steig nutzen, die wesentlich breiter und größer war und dort die sogenannte Jägerhöhle als Unterschlupf nutzen.
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Sie könnten sich natürlich auch gleich eher östlich wenden und sofort zum großen Steig reiten. Allerdings war dieser Weg ein gutes Stück weiter.

Alaniah war im Zwiespalt. Sollten sie und die Krieger, die sie begleiteten den kürzeren Weg nehmen und damit riskieren, dass die dort befindliche Brücke unpassierbar und somit der sichere Unterschlupf unerreichbar war, oder sollten sie den längeren Weg nehmen, damit auf jeden Fall einen sicheren Unterschlupf erreichen, aber dieses wohl erst nach Einbruch der Dunkelheit.

Bis sie jedoch den besagten Baum erreichten hatte die Kriegerin eine Entscheidung getroffen. Sie würden den kürzeren Weg nehmen und zum kleine Stieg reiten. Es ging schließlich nur darum sich Klarheit zu verschaffen und zu sehen, wie es in Kleinfall aussah. Außerdem mussten sie sich beeilen, schließlich würden jetzt, wo sich der Sturm gelegt hatte, die großen Flugschiffe ablegen können und dabei eine Menge Flüchtlinge mitnehmen. Allerdings lagen nur eine begrenzet Anzahl Flugschiffe im Hafen von Kliffstein und Gunther konnte nicht ewig auf sie und die Albaelih, die sie begleitet hatten, warten. Sie teilte ihre Entscheidung den anderen mit und stieß nur auf Zustimmung. So also wandte sich die Gruppe der Albaelihkrieger mehr Richtung Westen, direkt auf Kleinfall zu.



Schnurr kuschelte sich tiefer in den Rucksack und seufzte leise.

Nachdem Karm sie aus diesem verflixten Fluss gefischt hatte, hatte sie sich ohne Sinn oder Verstand einfach nur an den Wandelwolf geklammert und ihm dabei die Krallen tief in die Schulter gegraben. Es dauerte etwas, bis sie sich Annabellas sanfte Stimme und Hände bewusst wurde und dass das Mädchen sie dazu veranlassen wollte ihre Krallen aus Karms Schulter zu ziehen und den Wandler loszulassen. Etwa zur selben Zeit wurde der Katze klar, dass sie dem Fluss und seinem kaltem Wasser entkommen war und dass ihr Annabella eine kuschelige, weiche und trockene Decke anbot. Vage war sich das Katzenwesen bewusst, dass Annabella sie erst in die Decke gewickelt und dann einige Zeit mit sich herumgetragen hatte. Genau daran erinnern konnte sie sich aber nicht. Deutlich erinnerte sie sich nur an Karms Hand, die sich um sie schlang und wie sie dem armen Wandler die Krallen in die Schulter geschlagen hatte, weil er in dem Moment das einzig feste war.
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Was danach kam war der Katze verschwommen, einzig an Annabellas sanfte Stimme und Hände erinnerte sich Schnurr. Ganz zu sich kam die Katze erst, als Annabella sie an Karm weiterreichte. Zu diesen Zeitpunkt hatte Karm sich schon wieder angezogen und die zwei waren schon einige Zeit unterwegs. Offenbar war sie dem Kind einfach zu schwer geworden. Karm hingegen löste das Problem einfach, indem er die Verschnürung seines Rucksackes etwas lockerte, Katze samt Decke hineinbeförderte und dann die Klappe locker wieder schloss. So hatte es die Katze nicht nur warm und überraschend bequem, sie bekam auch genügend Luft und konnte bei Bedarf den Kopf durch die lockere Verschnürung stecken, die Klappe so etwas anheben und hinausschauen. Nicht dass sie das jetzt gerade tun wollte, aber die Tatsache dass es so war und dass sie so wohl sogar aus dem Rucksack herauskommen könnte, beruhigte sie doch sehr.

Dem Wesen steckte noch immer das unfreiwillige Bad im Fluss in den Knochen. Alleine beim Gedanken daran, begann Schnurr schon wieder zu zittern. Sofort sträubten sich ihr alle Haare.

Ganz bestimmt würde sie so schnell nicht wieder in ein Boot oder ähnliches steigen. Auf jeden Fall nicht freiwillig. Die Dinger waren ja die reinsten Todesfallen, zumindest für Katzen!

Ein Ruck, der durch den Rucksack ging, ließ das Wesen wieder aufblicken. Offenbar hatte der Wandler seine Last vom Rücken genommen und auf den Boden gestellt. Die Klappe öffnete sich und Karm blickte auf die Katze herab.

“Na Kätzchen,” fragte er leicht lächelnd, “hast du dich wieder erholt?”

Schnurr schenkte ihm ein kleines Katzenlächeln und reckte dann den Kopf um einen Blick aus dem Rucksack hinaus zu werfen. Nicht weit entfernt saß Annabella auf einem Stein, der aus dem Schnee herausragte und trank aus einer der Wasserflaschen. Das Kind sah ein wenig erschöpft aus und als die Katze Karm noch mal an sah, erkannte sie auch in seinem Gesicht die Zeichen leichter Erschöpfung. Nun aufmerksamer sah sie sich erneut um und bemerkte die tief stehende Sonne.

“Oh, Karm, das wird ja bald dunkel.”

Sie klang besorgt und der Wandler nickte nur ernst.

“Ja,” meinte er leise,” wir sind langsamer, als gedacht. Dieser Schnee ist wirklich sehr hinderlich.
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Aber nun müssen wir nur noch über diesen Steig hinunter. Das wollte ich dir vor allem sagen, denn nun kann es etwas holprig werden, nicht dass du Angst bekommst.”

Er sah sich kurz um, dann hob er die Katze vorsichtig aus dem Rucksack heraus. Diese reckte den Kopf und erhaschte so tatsächlich auf den Steig, der recht steil aussah.

“Ich könnte auch laufen, Karm,”

Der Wandelwolf setze die Katze wieder ab und lächelte auf dieses Angebot nur leicht.

“Ich denke, Kätzchen, wir werden schneller sein, wenn du dich weiterhin von mir tragen lässt.”

Schnurr seufzte leise.

“So hab ich mir das nicht vorgestellt,” gab sie zu, “auf keinen Fall wollte ich euch zur Last fallen, aber genau das tu ich jetzt, oder?”

Karm jedoch schüttelte schon den Kopf.

“Aber nicht doch Schnurr,” meinte er bestimmt, “du fällst uns nicht zur Last, du wiegst ja kaum was.” Er zwinkerte der Katze zu. “Außerdem bin ich mir sicher, dass wir früher oder später deine Klugheit und dein Wissen benötigen. Nur weil du im Moment unsere Hilfe benötigst, heißt das nicht, dass du uns zur Last fällst.” Nun klang der Wandler ernst und sah das Katzenwesen eindringlich an.

“Ja, aber du musstest meinetwegen in diesen kalten Fluss springen. Du hättest dein Leben dabei verlieren können, Karm!”

Der Wandler lächelte nur.



Nur wenig später waren die drei wieder unterwegs, wobei Schnurr wieder im Rucksack saß. Diesmal jedoch fand sie keine rechte Ruhe. Immer wieder ging ihr dieses Gespräch durch den Kopf. Vor allem Karms Lächeln am Schluss ließ sie nicht los. Der Wandelwolf wusste ganz genau, welches Risiko er eingegangen war, als er sie aus den Fluss gefischt hatte. Ihm war klar gewesen, dass er selber vielleicht dabei ertrinken oder über den Wasserfall in den Tod stürzen hätte können. Trotzdem hatte er es getan, war in diesen kalten Fluss gesprungen und hatte sie da rausgezogen. Wenn Karm schon für eine schlichte Katze wie sie so etwas tat, was würde der Wandelwolf dann für Annabella, die er wirklich schon tief in ins Herz geschlossen hatte, tun?

Ganz plötzlich machte sie sich große Sorgen um den Wandelwolf und das Mädchen. Was würde passieren, wenn die Familie der Kleinen doch nicht überlebt hatte, oder schlicht einfach nicht zu finden war? Würde sich das Kind einfach so von Karm trennen lassen? Und was wäre mit ihr selber? Würde sie als Mäusefängerin bei Annabella bleiben oder würde sie Karm begleiten? Wo wurde sie mehr gebraucht und wem würde sie im Falle einer Trennung das Herz brechen?

Auf einmal machte sich die Katze nicht nur sorgen um den Wolf und das Kind, sondern auch um sich selbst.
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Alaniah seufzte erleichtert auf, als sie an der Brücke unter Kleinfall ankamen und diese wirklich passierbar aussah. Etwas weiter westlich fiel der Sarath in einem recht beeindruckenden Wasserfall über die etwa zehn Schritt hohe Bruchkante, sammelte sich dort erst einmal in einem natürlichen Felsenbecken, aus dem er dann Richtung Osten mit hoher Geschwindigkeit abfloss. Die Brücke befand sich ein Stück weiter östlich und man musste sie überqueren um zu der ausgebauten Höhle zu gelangen. Etwas weiter westlich gab es auch eine Lagerstätte, sogar mit Herberge und unter normalen Umständen hätten sich die Krieger dort einquartiert, aber sie brauchten ja eine unterirdische Unterkunft.

Erneut betrachtet sie die Brücke kritisch. Das Bauwerk war relativ schmal und der Fluss darunter wies eine heftige, schnelle Strömung auf, die alles mit sich reißen würde, was dort hinein geriet. Alleine bei dem Gedanken schauerte die Albaelih.

Edendar tauchte neben der Kriegerin auf und musterte ebenfalls die Brücke.

“Es sieht so aus,” meinte er, “als wäre diese Brücke noch passierbar. Aber sie ist recht schmal, mehr als drei Reiter nebeneinander wird nicht gehen und bei den Verhältnissen sollten wir wohl lieber einzeln und hintereinander dieses Ding überqueren.”

Alaniah nickte langsam und nachdenklich. Irgendwie hatte sie ein schlechtes Gefühl hier und sie konnte nicht so genau benennen, von was es ausgelöst wurde. Irgendetwas schien hier nicht so wirklich zu stimmen. Irritiert schüttelte sie das seltsame Gefühl ab und wandte ihre Aufmerksamkeit Edendar zu, der geduldig wartete.

“Ja, da hast du Recht, Edendar.” Sie warf einen Blick zum Himmel. “Und wir sollten uns beeilen, es wird schon sehr bald dunkel.” Die Frau runzelte die Stirn. “Sag mal, Eden, spürst du das auch?”

Der Mann lächelte über den Spitznamen, den Alaniah benutzte.
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Das hatte sie schon lange nicht mehr getan. Dann jedoch wandte er seine Aufmerksamkeit von der Frau fort und auf ihre Umgebung. Schließlich nickte er langsam.

“Ja, ich verstehe was du meinst, Alaniah. Hier ist irgendwas im Busch, wir sollten gut aufpassen.”

Das Gesicht des Mannes war ernst geworden, genauso wie seine Stimme. Alaniah nickte, nun ebenso ernst. Sie gab den Kriegern ein Zeichen, damit sie den Fluss überquerten und als diese ihrer stummen Aufforderung nachkamen, ließ sie aufmerksam den Blick schweifen. Die Albaelih wirkten allesamt angespannt. Offenbar bemerkten auch die anderen die selbe, nicht wirklich zu fassenden Unstimmigkeit. Einzeln oder höchstens zu zweit überquerten die Albaelih die Brücke und hielten dabei aufmerksam die Augen offen.

Schließlich waren nur noch Alaniah, Edendar und eine weitere Albaelihkriegerin Namens Liranah auf der einen Seite des Flusses. Die Sonne stand nun wirklich sehr tief und würde innerhalb der nächsten Augenblicke untergehen. Doch zum Glück erwies sich die Höhle als passierbar und viel wichtiger, die Tore ließen sich auch schließen. Mittlerweile hatten die meisten Krieger bereits ihre Pferde und Habseligkeiten in dem unterirdischen Gewölbe untergebracht und kümmerten sich um ein vernünftiges Nachtlager. Drei der Söldner jedoch hielten aufmerksam Wache, während nun die verbliebenen Krieger sich daran machten die Brücke zu überquerte. Zuerst trieb Liranah ihre Stute an, dichtauf folgte dann Alaniah, während Edendar zurückblieb und die beiden Frauen auf der Brücke deckte. Sobald die beiden die Brücke zu zwei Drittel überquert hatten, nahm der Mann seinen Bogen herunter, verstaute ihn mit geübter Hand am Sattel und trieb nun ebenfalls sein Schlachtross an, damit es den anderen folgte. Doch weit kam der Krieger nicht.



Noch bevor er mit seinem Pferd auch nur die Brücke erreicht hatte, schossen aus dem Unterholz in der Nähe neun weißgraue, langgestreckte Gestalten auf vier Beinen. Mit ihren Schultern erreichten sie ohne Probleme die Hüfte eines ausgewachsenen, durchschnittlichen Menschenmannes. Der langgestreckte Kopf wirkte wolfsartig, doch die spitzen Ohren eher katzenhaft.
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In den schmalen, langen und schlitzförmigen Augen glühte animalische Wildheit und Gier, aber auch ein Funke von beunruhigender Intelligenz. Die vier Tatzen endeten in scharfen, langen Klauen, der gesamte Körper war drahtig, dünn und langgestreckt, ein löwenartiger Schweif, in dessen Spitze sich ein gemeiner Stachel verbarg, ließ die Wesen noch ungewöhnlicher aussehen. Kurzes, dichtes, weißlichgraues Fell bedeckte die Kreaturen vom Kopf bis zur Schwanzspitze. Scharfe, lange Fänge blitzen auf, als sich die Schneebestien fauchend und bellend auf den Albaelihkrieger und sein Pferd stürzten.

Mit Schneebestien war nicht zu spaßen. Die Tiere jagten in kleinen Rudeln mit bis zu zehn Tieren und konnten außerordentlich gefährlich werden. Allerdings griffen sie selten Menschen oder Angehörige der anderen Rassen an. Sie wurden nicht nur wegen ihrer seltsamen Fellfärbung Schneebestien genannt, sondern auch weil man sie eigentlich nur in der Schneereichen Jahreszeit zu Gesicht bekam, wenn überhaupt. Die Wesen waren hier relativ selten und kamen eigentlich nur weiter nördlich häufiger vor.



Die erste Schneebestie sprang das Schlachtross im vollen Lauf an, doch Edendar hatte schnell reagiert und die Stute herumgerissen. Nun stieg das Pferd mit einem schrillem Wiehern, das einem Kampschrei überraschend ähnlich war. Die kräftigen Vorderbeine schlugen aus und die scharfen Hufe erwischten die Bestie am Kopf. Das Knacken verriet dem Albaelih, das sein treues Schlachtross dem Wesen den Schädel gebrochen hatte. Mit übernatürlicher Ruhe hatte er zudem sein Schwert gezogen, mit dem er die zweite der angreifenden Kreatur tötete und sich die dritte erst einmal vom Leib hielt.

Die Wesen waren klug vorgegangen, hatten beobachtet und gewartet, bis nur noch ein Reiter auf dieser Seite des Flusses verblieben war. Erst dann griffen sie an, wohl in der Meinung nun eine leichtere Beute vor sich zu haben.

Ein Pfeil zischte an Edendar vorbei und tötete eine weitere der Kreaturen. Erst jetzt wurden dem Krieger die erschrockenen und aufgeregten Rufe seiner Kameraden bewusst. Ein schneller Blick zeigte ihm, dass Kerehnu, der beste Bogenschütze in der Gruppe, den Pfeil abgeschossen hatte und bereits auf eine weitere Kreatur zielte. Edendar wandte seine Aufmerksamkeit wieder seinen Angreifern zu.
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Eine weitere Bestie sprang auf sein Pferd zu, hielt dann aber inne, duckte sich unter den ausschlagenden Hufen hindurch und schnappte dann an der anderen Seite nach dem Mann. Mit einem Fluch stach er nach dem Wesen, das aber klug genug war außer Reichweite seiner Klinge zuspringen. Ein weiters Zischen und das folgende laute, schrille Jaulen sagte ihm, dass auch Kerehnus zweiter Pfeil sein Ziel gefunden hatte. Aber Edendar bekam nun dennoch Probleme, denn nun wurde er von beiden Seiten von Schneebestien attackiert und vor dem Pferd lauerten auch noch zwei. Grade als er sich fragte wo eigentlich die neunte der Bestien abgeblieben war, da sprang ihn das Wesen auch schon von hinten an. Er duckte sich seitlich und konnte das Wesen mit einem Schwinger seines Schwertes abwehren, doch dafür wagten sich beiden an den Seiten näher. Außerdem erwischten ihn die Krallen der Bestie am Rücken und auch wenn der dicke Umhang, die feste Kleidung und das Kettenhemd, das er trug einen Großteil der Wucht absorbierten, so drang zumindest eine der Krallen hindurch und ritze ihm die Haut an. Dem Krieger wurde klar, dass er auf dem Pferderücken ein zu leichtes Ziel war. Außerdem behinderte er nicht nur seine Stute, sondern sich selber auch.

Die Geräusche, die er über dem aufgebrachten Pferd und den Lauten der Bestien hinweg hörte, sagten ihm, dass seine Kameraden unterwegs waren um ihm zu helfen. Erneut wehrte er eines der Raubtiere ab und musste dann schnell auch auf die auf der anderen Seite einstechen. Er saß in der Zwickmühle und er wusste es. Wann immer er eine der Bestien abwehrte, nutzte die andre dies aus um anzugreifen. So würde er schnell ermüden und das war auch das Ziel der Wesen.

Die Tiere mussten verzweifelt sein, da sie ein so großes Tier wie ein Schlachtross angriffen. Für gewöhnlich hielten sich Schneebestien von Menschen, Albaelih und den anderen Rassen fern und griffen diese nur an, wenn sie sich bedroht fühlten. Ansonsten waren sie eher scheu und zurückhaltend. In einigen Gegenden konnten sie jedoch zu einem Ärgernis werden, wenn sie sich an den Viehherden vergriffen.

All das half Edendar im Moment wenig. Die Schneebestien waren ganz offensichtlich schrecklich hungrig, verzweifelt und am Ende. Und sie hatten sich sein Pferd und damit auch ihn als Beute auserkoren. Er hatte nicht vor sich fressen zu lassen und erkannt, dass er auf dem Pferdrücken zu unbeweglich war.
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Edendars Entschluss stand fest und er klopfte seinem Pferd auf eine bestimmte Stelle am Hals. Die kluge Stute erkannte selbst durch ihre Angst hindurch das vertraute Zeichen und begriff, dass ihr Reiter ihren Rücken verlassen würde. Sie schnaubte leise und hielt ganz kurz still. Im nächsten Moment hatte der agile Albaelih die Beine emporgeschwungen, kam auf dem Sattel in die Hocke und stieß sich dann in einem kraftvollen Sprung ab. Das verrückte Manöver überraschte die Schneebestien und verwirrte sie kurz. Zudem begann das Schlachtross sobald das Gewicht des Reiters verschwunden war, heftig an buckeln und mit allen Vieren auszutreten. So verletzte die Stute noch zwei weitere Bestien. Ein weitere Pfeil erledigte noch eine der Kreaturen und Edendar erstach eine weitere mit dem Schwert, verlor aber dabei selbiges.

Während sich seine Stute gegen die zwei verletzten Tiere behauptete, schlich sich die letzte Schneebestie an Edendar heran, der seinen langen Dolch zog und in geduckter Kampstellung auf den Angriff wartete. Er konnte seine Freunde auf der Brücke hören, aber sie würden nicht rechtzeitig da sein, das war dem Krieger nur zu bewusst. Tatsächlich hatte der ganze Kampf bisher noch keine fünf Minuten gedauert, obwohl es dem Krieger länger vorkam.

Das Tier vor ihm schien das größte des Rudels zu sein und war wohl der Anführer. Groß, schnell, stark und schlau. Knurrend griff das Wesen den Krieger an. Dieser duckte sich kurz vor dem Zusammenprall noch etwas tiefer zusammen, rammte dann der Kreatur die Schulter gegen die Kehle und während er sich gegen die Wucht des Angreifers stemmte, versenkte er den langen Dolch mit mehreren Stichen tief in der Brust und der Seite des Tieres.

Die schnappenden Kiefer der Schneebestie verfehlten ihn, doch die Wucht selbst war zu groß und trieb den Albaelih mehrere Schritte weit nach hinten. Zu weit nach hinten!

Plötzlich hatte Edendar nur noch steil abfallenden, von Gischt, Schnee und Eis glitschigen Fels unter den Füßen. Erschrocken schrie der Krieger auf, als er den Halt verlor und mit der sterbenden Schneebestie rückwärts in den reißenden Fluss stürzte.
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Punktestand der Geschichte:   79
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Kommentare zur Story:

  Hallo Petra, huhu Gerald,
wie schön, dass auch euch diese Fortsetzung gefällt. Ja diese Bestien sind nicht ohne. Und Edendar....nun nur soviel, sterben wird er erstmal nicht, aber Sorgen darf man sich schon um ihn machen. Wo wird er wohl landen?

liebe Grüße euch  
   Tis-Anariel  -  07.06.12 20:44

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  Schneebestien, aber sie kämpfen tapfer. Nur Edengar hat es leider erwischt. Werden sie ihn aus dem Fluss wieder rausziehen können oder wird er einfach weitertreiben? Wohin wird er dann kommen? Dagegen haben es ja noch Annabella, Karm und nicht zuletzt auch Schnurr richtig gut. Hat sich wieder sehr schön gelesen.  
   Gerald W.  -  07.06.12 12:52

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  Die Kriegerin und der Krieger gefallen mir immer sehr. Schade, dass sie nun durch diesen Unfall auseinander gerissen werden. Ich hoffe Edendar ist nicht tot? Schreckliche Bestien, die sogar einen Stachel am Ende ihres Schweifs haben. Gottseidank ist niemand von den Kriegern gefressen worden. Und toll auch, dass diese Viecher (noch) nicht dem Wandelwolf und seinen Freunden begegnet sind.  
   Petra  -  06.06.12 17:32

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  Hallo doska,
freut mich, dass dir auch diese Fortsetzung gefällt. Ja diese Schneebestien sind auch unheimliche Wesen, freut mich, dass ich ihre Beschreibung offenbar gut hinbekommen habe.
Und um Edendar darf man sich auch Sorgen machen. Dem armen Kerl werd ich noch so einiges antun ;-)  
   Tis-Anariel  -  06.06.12 15:48

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  Ein Glück, Karm, Annabella und Schnurr können unbeschadet ihre Reise fortsetzen, aber Alaniah, Edendar und ihre Krieger haben nun große Schwierigkeiten. Sehr schön unheimlich sind deine Schneebestien beschrieben und um Edengar mache ich mir nun Sorgen. Wird er den Sturz überleben? Spannend!  
   doska  -  05.06.12 19:30

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