Falaysia - Fremde Welt - Band1: Allgrizia; Kapitel 9   0

Spannendes · Romane/Serien

Von:    Ina Linger      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 14. Mai 2012
Bei Webstories eingestellt: 14. Mai 2012
Anzahl gesehen: 1237
Kapitel: 0, Seiten: 0

Diese Story ist die Beschreibung und Inhaltsverzeichnis einer Reihe.

Verfügbarkeit:    Die Einzelteile der Reihe werden nach und nach bei Webstories veröffentlicht.

Begegnungen







Ein Bett. Ein weiches, kuscheliges Bett, mit einer Daunendecke und einem Kissen. Das war alles, was sich Jenna momentan wünschte. Es musste nicht einmal ihr eigenes sein. Ihr war ganz gleich, welche Farbe es hatte und aus welchem Holz es geschnitten war. Hauptsache, es war ein Bett mit einer Art Matratze und sie hatte das Vergnügen, darin zu schlafen. Aber wo, um Himmels Willen, sollte es in dieser Gegend wohl ein Bett geben, geschweige denn etwas, was in irgendeiner Weise an ein Bett erinnerte? Hier gab es ja noch nicht einmal Häuser oder Hütten oder irgendetwas anderes, was an eine menschliche Zivilisation erinnerte, was ihr sagte, dass sie nicht völlig allein in dieser Welt waren. Überall, wo sie hinsah, gab es nur Bäume, Büsche und dichtes Unterholz. Der Weg war schmal, und die Zweige der Büsche und Bäume hingen oft so weit in den Weg hinein, dass sie sich ducken oder ihre Arme vor ihr Gesicht halten musste, damit ihr keine Zweige in die Augen schlugen.



Doch selbst wenn sie wieder aus dem Wald heraus kamen und vielleicht sogar auf ein kleines Dorf stießen, so gab es dort bestimmt keinen angenehmen Schlafplatz, ganz davon abgesehen, dass Leon nicht gerade den Eindruck machte, als wolle er irgendwann eine Pause einlegen.

Jenna fragte sich, wie es ihm gelang, die Strapazen dieser Flucht zu verkraften und dabei noch so frisch und munter auszusehen. Sie waren die ganze Nacht durch geritten, um möglichst schnell eine große Entfernung zur Stadt zu gewinnen, und nun dämmerte es schon wieder.

Jennas Hintern schmerzte entsetzlich, und sie hatte das Gefühl, dass sie mehr auf ihrem Pferd hing als saß. Das Pferd hatte daran natürlich keine Schuld. Leon hatte einen guten Geschmack bewiesen, was Pferde anging. Beide Tiere waren recht hübsch und relativ groß. Sie waren kräftig, aber nicht plump und schienen den langen Ritt gut zu verkraften. Und sie besaßen phantastisch weiche Gänge, jedenfalls das Pferd, auf dem Jenna saß. Deshalb war das Reiten für sie auch am Anfang gar kein Problem gewesen. Sie konnte reiten, sehr gut sogar. Nur hatten die Ausritte, die sie zu Hause immer gemacht hatte, nie länger als drei Stunden gedauert. Und selbst diese hatten schon zu einem schmerzenden Gesäß und Muskelkater geführt.



Mittlerweile fühlte Jenna ihren Körper kaum noch. Sie hing wie ein nasser Sack im Sattel und versuchte verzweifelt ihre Augen offen zu halten.
Seite 1 von 9       
Es war wirklich interessant, wie schnell sich Schlaf- und Wachphasen ablösen konnten. Gut, dass sie nicht am Steuer eines Autos saß – der Sekundenschlaf würde auf dem Pferderücken wohl kaum tödlich für sie enden. Was war sie nur für ein Weichei…

Und Leon? Leon saß kerzengerade auf seinem Pferd, beobachtete mit wachem Blick die Umgebung und sah sich ab und zu nach ihr um, mit einem etwas geringschätzigen Ausdruck in den Augen. Er gab sich nicht die Mühe, zu verheimlichen, dass sie ihm zur Last fiel. Doch Jenna besaß nicht die Kraft, sich darüber zu ärgern oder gar aufzuregen. Sie hatte schnell festgestellt, dass es momentan keinen Sinn machte, diesen unfreundlichen Kerl in ein Gespräch zu verwickeln. Sie hatte es ein paar Mal versucht, hatte ihn dazu anregen wollen, ihr zu erzählen, woher er ursprünglich gekommen, wie er in diese Welt geraten war. Sie hätte auch gern gewusst, wohin sie ritten, vor wem sie flohen und weshalb. Doch alles was sie zu hören bekommen hatte war, dass nun wirklich nicht der richtige Zeitpunkt war, um solche Dinge zu klären und er keine Lust und keine Kraft hatte, sich mit ihr länger zu unterhalten.

Sie war bei seiner letzten unhöflichen Reaktion ein wenig wütend geworden, hatte ihm gesagt, dass er sich unmöglich und ziemlich unfair verhielt, woraufhin er ihr mit einem furchtbar falschen Lächeln entgegnet hatte, dass sie keiner dazu zwang, mit ihm zu reiten und sie gern allein ihr Glück in diesem Land versuchen könne.



Unfair. Aber daran ließ sich nichts ändern. Leon war kein netter Mensch, doch sie war abhängig von ihm, musste sich zusammenreißen und sich seinem Willen fügen, solange sie nicht irgendeinen Wert für ihn besaß und er unbedingt wollte, dass sie ihn begleitete. Vielleicht würde er irgendwann ja wieder bessere Laune bekommen und sich dann dazu herablassen, sie über alle wichtigen Dinge aufzuklären, ihr zu erklären, was genau mit ihr passiert war und warum… Wenn er das überhaupt wusste.

Ihr Magen verkrampfte sich ein wenig bei diesem Gedanken und sie versuchte ihn schnell wieder abzuschütteln. Stattdessen versuchte sie an etwas Angenehmeres zu denken, an jemand Netteren wie… Gideon… an den viel zu kurzen Abschied von ihm, an die Besorgnis in seinen traurigen Augen. Was hatte er zuletzt gesagt? Sie solle niemals die Hoffnung verlieren. Ohne Hoffnung war man in dieser Welt verloren.
Seite 2 von 9       
Irgendwann würde doch wieder alles gut werden.



Jenna seufzte. Sie wollte dem Mann ja gerne glauben, aber das war in ihrer Situation nicht so einfach. Sie hatte ja noch nicht einmal die Tatsache richtig verkraftet, dass ihr etwas passiert war, das eigentlich gar nicht passieren konnte. Sie war in dieser Welt gelandet, ohne es gewollt, ja, ohne es überhaupt gemerkt zu haben. Und nun hatte sie auch noch der einzige Mensch verlassen, dem sie vertraute. Sie verstand natürlich, dass Gideon nicht mit ihnen gehen konnte. Er war schließlich verheiratet und hatte genug damit zu tun, sich und seiner Frau ein einigermaßen erträgliches Leben zu ermöglichen. Er konnte sich da nicht noch um die Probleme anderer Menschen kümmern und sein eigenes Leben in Gefahr bringen, ganz davon abgesehen, dass er zu alt war, um die Strapazen einer Flucht zu verkraften.

Nein, er hatte schon richtig gehandelt, aber das änderte nichts daran, dass Jenna ihn vermisste. Sie hatte ihn, trotz der kurzen Zeit, die sie ihn kannte, irgendwie ins Herz geschlossen. Bei ihm hatte sie sich irgendwie sicher gefühlt. Und nun hatte sie, gezwungenermaßen, seine angenehme Gesellschaft gegen die eines stoffeligen, griesgrämigen Fremden tauschen müssen. Es würde eine Weile dauern, bis sie diesen Verlust verschmerzt und sich an diesen Brummbär gewöhnt hatte. Allerdings bezweifelte sie, dass sie sich jemals an dessen Launen gewöhnen konnte. Der Mann war ja nie fröhlich oder freundlich. Stattdessen war er mürrisch und wortkarg und fühlte sich schon gestört, wenn sie sich mal räusperte. Wahrscheinlich würde alles damit enden, dass sie sich gegenseitig erwürgten.



Jenna hatte so langsam ihre Zweifel, dass es die richtige Entscheidung gewesen war, mit ihm zu gehen. Vielleicht hätte sie lieber bei Gideon und Tala bleiben sollen… und dann für den Rest ihres Lebens auf einer Wiese die Schafe hüten? Nein, das wäre bestimmt auch nicht die Lösung gewesen. Vielleicht ließ sich ja am Ende doch noch etwas aus der Bekanntschaft mit Leon gewinnen. Und vielleicht entwickelte er sich doch noch zu einem netten Kerl.

Irgendetwas weckte Jenna aus ihrem dämmerigen Zustand. Da war etwas mitten im Wald, das ihre Aufmerksamkeit in Anspruch nahm. Ein winziges Licht bewegte sich auf sie zu. Nein, nicht nur eines, es waren mehrere. Überall im Wald schwirrten kleine Lichter zwischen den Zweigen hindurch, tanzten umeinander und ließen sich vereinzelt auf die Blätter der Bäume und Büsche nieder.
Seite 3 von 9       
Jenna hatte sie vorher nicht bemerkt. Sie war zu sehr in Gedanken gewesen, aber wahrscheinlich waren diese Lichter auch erst mit Einsetzen der Dämmerung gekommen.

Sie spürte, dass Leon sie ansah und wandte sich ihm zu.



„Das sind Glühwürmchen“, erklärte sie, als ob er es nicht selber wusste. Doch zu ihrer Überraschung schüttelte er den Kopf.



„Nein?“ fragte sie erstaunt. „Was dann?“



Er lächelte, zum ersten Mal seit sie zusammen waren. Es war wirklich ein nettes Lächeln. „Fang’ dir eines, dann wirst du’s sehen.“



Jenna zögerte, doch als eines der Lichter genau auf sie zusteuerte, fing sie es aus der Luft. Sie fühlte, wie es in ihren Händen umherflog und sich schließlich setzte. Behutsam öffnete sie ihre Hände wieder. Der Anblick der sich ihr bot, war so bezaubernd, so wunderschön, dass sie für einen Moment den Atem anhielt.

Das Wesen, das sich in ihrer Hand befand, war nicht viel größer als ein Fingernagel, und es war keineswegs ein Insekt. Es besaß einen beinahe menschlichen Körper mit Armen und Beinen und einen kleinen runden Kopf mit zwei großen, schwarzen Augen. Die Nase war kaum vorhanden und auch der Mund war winzig und es besaß kleine, spitze Ohren und hauchdünnen zusammengefaltete Insektenflügel, die vor Aufregung leicht zitterten. Die Haut dieses Wesens war fast transparent, und das Leuchten, das Jenna erst auf es aufmerksam gemacht hatte, schien irgendwo von seinem Inneren zu kommen, leuchtete durch die Haut hindurch. Das kleine Wesen war vor Angst erstarrt. Nur dann und wann schlossen sich seine Lider über den seltsamen Augen.

Wahrscheinlich dachte es, Jenna würde so ihr Interesse an ihm verlieren, doch die starrte das winzige Wesen in ihrer Hand weiterhin fasziniert an. Wie sollte sie auch anders handeln, schließlich hatte sie noch nie in ihrem Leben etwas Derartiges gesehen.



„Sind… sind das Elfen?“ flüsterte Jenna fasziniert und konnte selbst kaum glauben, dass sie so etwas aussprach.



„Zaishomas“, antwortete Leon immer noch lächelnd. „Sie sind wohl die friedlichsten Wesen, die es in Falaysia gibt. Es heißt, dass sie schon manchem Verirrten aus dem Wald geführt haben und, wenn man sich anstrengt, kann man sie sogar singen hören.
Seite 4 von 9       




Jenna schloss die Augen und lauschte. Zuerst hörte sie nur die Geräusche, die die Pferde von sich gaben und die Rufe eines Kauzes. Doch dann vernahm sie etwas, was sie noch nie zuvor gehört hatte, etwas, was weit weg und gleichzeitig sehr nah war, und es klang wunderschön, überirdisch schön. Jenna genoss die leise Melodie, die so lautlos durch den Wald klang, sog sie in sich auf, und nach einer Weile hatte sie das Gefühl, sie könne einzelne Worte verstehen, einen Text in einer Sprache, die sie nicht beherrschte. Alle anderen Geräusche waren plötzlich nebensächlich, kaum noch zu vernehmen. Da waren nur diese kleinen, zarten Stimmen der Elfenwesen.



„Hab keine Angst“, sagte plötzlich eine Stimme in ihrem Kopf.



Jenna zuckte leicht zusammen, ließ ihre Augen aber geschlossen. Es war nicht möglich, dass sie ein derart kleines Wesen verstehen konnte. Das war nur die Müdigkeit, die ihr einen Streich spielte.



„Du bist nicht allein“, fuhr die Stimme in ihrem Kopf fort. „Eine Skiar ist niemals allein…“



Jenna riss entsetzt die Augen auf und der Gesang verstummte augenblicklich. Auch die Stimme war nicht mehr zu vernehmen.



„Was ist?“ fragte Leon erstaunt.



Doch sie sah ihn nicht an, starrte nur in ihre Hand, in der immer noch die kleine Elfe saß. Sie war aus ihrer Starre erwacht, hatte das kleine Köpfchen schief gelegt und sah sie an. Die zarten Flügel bewegten sich schwirrend und plötzlich erhob sie sich und flog davon. Jenna sah ihr mit offenem Mund nach. Sie war äußerst verwirrt. Was hatte nun das schon wieder zu bedeuten?



Leon wurde ungeduldig. Er brachte sein Pferd näher an sie heran und berührte ihren Arm. „Jenna, ist alles in Ordnung?“



„Die… die Elfe hat mit mir geredet“, brachte Jenna stockend hervor.



Leon runzelte die Stirn. „Geredet?“ Er stieß ein belustigtes Grunzen aus. „Zaishomas können nicht sprechen. Es sind keine Menschen und selbst wenn sie es könnten… Meinst du wirklich, du könntest sie hören, so winzig wie die sind? So ein feines Gehör besitzt doch kein Mensch!“



„Ich weiß aber…“ Sie brach ab. Das hatte keinen Sinn. Leon würde ihr ohnehin nicht glauben.
Seite 5 von 9       
Sie konnte es ja selbst kaum glauben.

„Wahrscheinlich hab’ ich’s mir nur eingebildet“, sagte sie schnell.



Er nickte, doch so ganz zufrieden schien auch er mit dieser Antwort nicht zu sein. Es hatte ihn nachdenklich gestimmt.

Sie ritten eine Weile schweigend nebeneinander her. Dann lenkte Leon plötzlich sein Pferd vom Weg herunter, mitten in den Wald hinein. Jenna runzelte irritiert die Stirn und folgte ihm nur zögernd.



„Wo… wohin willst du?“ fragte sie verunsichert seinen Rücken.



„Ich kenne hier einen brauchbaren Platz zum Verschnaufen“, meinte er. „Ich glaube, wir sollten uns langsam mal ausruhen, sonst siehst du hier demnächst noch einen Drachen im Gebüsch hocken.“



Jenna ärgerte diese Bemerkung, doch sie ließ es sich nicht anmerken. Sie beschloss sich lieber darüber zu freuen, dass sie endlich eine Pause einlegten.

Es dauerte nicht lange und sie kamen an eine Lichtung, in deren Mitte sich ein großer Teich befand, durch den ein kleiner Bach zu fließen schien. Der Mond spiegelte sich in dem klaren Wasser und über die Oberfläche tanzten kleine Lichter, die Jenna nun als Zaishomas identifizieren konnte.

Völlig übermüdet rutschte Jenna aus dem Sattel und landete schließlich mit weichen Beinen auf dem bemoosten Waldboden. Sie wollte ihr Gepäck vom Sattel schnallen, doch Leon, der längst locker vom Pferd gesprungen war, kam ihr zuvor.



„Lass’ nur, ich mach’ das schon“, sagte er ungewohnt sanft und schob sie zur Seite. „Setz’ dich irgendwo hin und ruh’ dich aus, solange ich das Lager herrichte.“



Jenna sah ihn etwas erstaunt an. Solche Freundlichkeit war sie gar nicht von ihm gewohnt. Was hatte ihn denn plötzlich so verändert? Sie beschloss nicht weiter darüber nachzudenken und seinen Vorschlag anzunehmen, bevor er es sich anders überlegte, und schlenderte zum Teich. Dort ließ sie sich ins weiche Gras fallen. Gott, tat das gut, nach der langen Zeit im Sattel!

Sie legte sich auf den Bauch und beobachtete fasziniert den Tanz der kleinen Elfen auf dem Wasser. Erst jetzt spürte sie, wie müde sie wirklich war. Ihre Augen brannten, und je länger sie lag, desto schwerer wurden ihre Lider. Nein, sie durfte jetzt nicht einschlafen. Nicht bevor das Lager aufgebaut war.
Seite 6 von 9       
Leon hielt sie eh schon für einen Schwächling. Sie wollte seine negative Haltung ihr gegenüber nicht noch schüren. Eines war jedoch sicher, wenn sie noch weiter geritten wären, wäre sie vor Müdigkeit vom Pferd gefallen und hätte das noch nicht einmal bemerkt.



Nach einer Weile dösigem in die Luft Starrens fühlte sich Jenna plötzlich beobachtet. Sie hob ihren Kopf und sah sich kurz nach Leon um. Doch der war immer noch damit beschäftigt, das Lager zu errichten und sah noch nicht einmal in ihre Richtung. Sie sah sich weiter um und… erstarrte. Zwei gelbe Augen mit stecknadelgroßen grünen Pupillen sahen sie aus nicht allzu großer Entfernung ausdruckslos an. Doch das, was Jenna so erschreckte, waren nicht diese Augen, sondern die scharfen, langen Zähne, die, wenige Zentimeter darunter, aus einem ziemlich großen, behaarten Maul ragten. Jenna hatte noch nie in ihrem Leben ein solches Tier gesehen. Ungefähr hüfthoch, grobes dunkelbraunes Fell… Es sah aus wie eine Mischung aus Affe und Wolf und saß ganz still in einem Busch auf der anderen Seite des Teiches und fixierte sie.

Jenna hatte keine Ahnung, ob es sie als Beute ansah, oder sie nur interessiert betrachtete. Doch sie wollte das auch nicht herausfinden. Ganz langsam und ohne dieses Wesen aus den Augen zu lassen richtete Jenna sich auf. Sogar ihren Atem hielt sie an, bis sie auf den Beinen stand. Dann warf sie sich herum und sprintete zu Leon.



„Leon!“ rief sie, und ihre Stimme war nur wenige Oktaven von einem Kreischen entfernt.



Leon schien sofort zu merken, dass irgendetwas nicht stimmte, denn er zog blitzschnell sein Schwert, während Jenna schnell hinter ihm Deckung suchte. Angespannt starrte er in die Richtung, aus der sie gekommen war. Doch als nichts geschah, ließ er sein Schwert wieder sinken und wandte sich stirnrunzelnd zu ihr um.



„Was ist denn passiert?“



Jenna schluckte den Kloß in ihrem Hals hinunter. „Da… da war so ein komisches Tier.“



„Was für ein Tier?“ fragte er. „Wie sah es aus?“



„Es… es war ganz haarig und… es hatte große gelbe Augen, “ erklärte sie mit großem Unbehagen. „Und es hatte ein furchtbar großes, scharfes Gebiss.“



„Wie groß?“



„Ungefähr so…“ Sie hob ihre Hand auf Hüfthöhe.
Seite 7 von 9       
„Es sah ein bisschen wie ein Affe aus… Wie ein sehr gefährlicher Affe…“

Meine Güte, klang das albern!



Leon kratzte sich nachdenklich an der Stirn. „Das könnte ein Unak gewesen sein. Normalerweise kommen die in diesem Gebiet nicht vor. Die mögen keine Elfen. Aber vielleicht hat sich ja eines hierher verirrt.“



„Sind die… gefährlich?“ erkundigte sich Jenna ängstlich.



Leon zuckte die Schultern. „Eigentlich nicht.“



„Was heißt eigentlich?“ hakte Jenna misstrauisch nach.



„Ich werd’ einfach mal nachsehen gehen“, wich Leon ihrer Frage aus. „Wo hast du es gesehen?“



Jenna seufzte. „Ich zeig’s dir.“



Sie ging ihm mit wackeligen Knien voraus. Immer wieder sah sie sich nach ihm um, ob er ihr auch tatsächlich folgte. Sie wollte auf keinen Fall noch einmal allein mit diesem… Ding sein. Sie fürchtete sich normalerweise nicht so schnell vor ihr fremden Tieren, aber das hier war etwas anderes. Sie war in einer völlig anderen Welt, an die sie sich erst gewöhnen musste und sie glaubte einfach nicht, dass dieses Wesen ungefährlich war. Sie hatte sein Maul gesehen und das reichte schon.

Am Teich blieb sie schließlich stehen. Natürlich war es nicht mehr da. Es hatte sich bestimmt versteckt und lauerte irgendwo auf sie. Selbst die Elfen tanzten nicht mehr auf dem Wasser. Sie hatten bestimmt die Gefahr gespürt.



„Wo genau war es jetzt?“ erkundigte sich Leon.

„Dort drüben hat es gesessen.“ Sie wies auf das gegenüber liegende Ufer. „Es hat da gesessen und mich angestarrt.“



„Hm, es scheint nicht mehr da zu sein“, stellte Leon ohne jeden Spott in seiner Stimme fest. „Es hat bestimmt Angst bekommen und ist davon gelaufen, wie du.“



„Ich… ich hatte keine Angst“, erwiderte Jenna, etwas in ihrem Stolz gekränkt. „Jedenfalls nicht richtig. Ich bin nur ein sehr vorsichtiger Mensch.“



Leon lächelte sie an. „Ich auch, und deswegen werden wir heute doch ein kleines Feuer machen. So schnell werden uns unsere Verfolger schon nicht einholen.“



Jenna sah ihn dankbar an. Es war nett von ihm, dass er sie nicht wie ein Feigling dastehen ließ.
Seite 8 von 9       
Ein gutes Zeichen. Vielleicht gewöhnte er sich ja langsam an ihre Gegenwart und wurde insgesamt netter und vor allem ansprechbarer. Sie sehnte sich doch so nach Antworten auf ihre vielen Fragen.



„Und morgen sehe ich mir die Sache noch einmal an“, fügte er noch hinzu. „Dieses Tier muss ja ein paar Spuren hinterlassen haben, und dann wissen wir, mit wem wir es zu tun haben.“



Jenna nickte zufrieden und gemeinsam gingen sie zu ihrer Schlafstelle für diese Nacht zurück.
Seite 9 von 9       
Punktestand der Geschichte:   0
Dir hat die Geschichte gefallen? Unterstütze diese Story auf Webstories:      Wozu?
  Weitere Optionen stehen dir hier als angemeldeter Benutzer zur Verfügung.
Ich möchte diese Geschichte auf anderen Netzwerken bekannt machen (Social Bookmark's):
      Was ist das alles?

Kommentare zur Story:

  Die Elfen sind entzückend. Ich hoffe, sie kommen später noch Mal zu Wort.
lg  
   holdriander  -  11.10.12 10:21

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  So jetzt komme ich auch mal weiter zum Lesen.

Ich musst schmunzeln, als ich zu der Passage kam, die besagt, dass Leon einen guten Geschmack bei der Auswahl der Tiere getroffen hatte - und die erste Begründung dafür war, dass sie hübsch sind.
Das Jenna im Zustand körperlicher Erschöpfung, Schlafmangel und dem Wissen vielleicht von den Kriegern gejagt zu werden die Begegnung mit dem affengleichen Wolf einfach so abschüttelt, zeugt erneut von einer fast kaltblütigen Abgebrühtheit, die schon an so manch anderen Stellen durchschien.
Genau diese Gegensätze, das mädchenhafte Beurteilen guter Pferde nach ihrem Aussehen und ihre Fähigkeit beinahe emotionslos unter großem Stress in feindseliger Umgebung einfach so einschlafen zu können, machen diesen Charakter recht interessant.  
   Jingizu  -  31.05.12 00:08

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  Die Welt Falaysias hat auch ihre guten Seiten. Deine winzigen Elfen haben mir sehr gefallen. Was mit dem "Untier" ist, wissen wir noch nicht. Aber ich nehme an, dass Leon das schon noch herausfinden wird. Große Angst scheint er vor dem "Viech" jedenfalls nicht zu haben. Ich könnte nicht einschlafen. Hoffentlich ist die Schlafstätte sicher. Leon geht ziemlich mürrisch mit Jenna um, aber ich hoffe für sie, dass sich das mal ändern wird. Sehr schön flüssig und amüsant zu lesen.  
   doska  -  15.05.12 15:38

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

Stories finden

   Hörbücher  

   Stichworte suchen:

Freunde Online

Leider noch in Arbeit.

Hier siehst du demnächst, wenn Freunde von dir Online sind.

Interessante Kommentare

Kommentar von "Lorenz M." zu "Freiheit ,lieben , leben - und das Tor dazwischen"

jaa... sehr schön und dass nicht deutlich wird, was du sagen willst, find ich gar nicht - da muss man wohl selbst die situation kennen oder gedacht und gefühlt haben, was du schreibst, um di ...

Zur Story  

Aktuell gelesen

  In Arbeit

Funktion zur Zeit noch inaktiv. Über ein Konzept zur sicheren und möglichst Bandbreite schonenden Speicherung von aktuell gelesenen Geschichten und Bewertungen, etc. machen die Entwickler sich zur Zeit noch Gedanken.

Tag Cloud

  In Arbeit

Funktion zur Zeit noch inaktiv. In der Tag Cloud wollen wir verschiedene Suchbegriffe, Kategorien und ähnliches vereinen, die euch dann direkt auf eine Geschichte Rubrik, etc. von Webstories weiterleiten.

Dein Webstories

Noch nicht registriert?

Jetzt Registrieren  

Webstories zu Gast

Du kannst unsere Profile bei Google+ und Facebook bewerten:

Letzte Kommentare

Kommentar von "doska" zu "Im Supermarkt meines Vertrauens ..."

Hallo Ingrid, eine gelungene humoristische Geschichte und leider auch sehr ernst. Inzwischen bekommen ja die Läden endlich mehr Nachschub. Aber wird das Hamstern deshalb aufhören? Wir wissen ...

Zur Story  

Letzte Forenbeiträge

Beitrag von "Homo Faber", erstellte den neuen Thread: ???

Das Krokodil ist wieder aus dem Zoo ausgebrochen und hat erneut für allerlei Unheil gesorgt… Seit einiger Zeit passieren in der Stadt wieder Mordfälle und seltsame Verbrechen. Das ...

Zum Beitrag