Falaysia - Fremde Welt - Band1: Allgrizia; Kapitel 8   388

Romane/Serien · Fantastisches

Von:    Ina Linger      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 7. Mai 2012
Bei Webstories eingestellt: 7. Mai 2012
Anzahl gesehen: 1257
Seiten: 5

Diese Story ist Teil einer Reihe.

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   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


Entscheidung









Leon war noch nie in seinem Leben so verwirrt und aufgelöst gewesen wie in dem Moment, als er die schmalen Gassen Xadreds entlang hetzte, auf der Suche nach einem einigermaßen günstigen Stall, in dem man ihm keine dummen Fragen stellte und ohne Weiteres ein paar Pferde verkaufte. Nun ja, vielleicht war das ein wenig übertrieben, aber so kam es ihm eben im Augenblick vor. Die unterschiedlichsten Gefühlsregungen tobten durch sein Gemüt. Wut, Irritation und Angst waren einige der dominantesten. Und Zweifel, Zweifel an dem, was er tat und bald tun würde, Zweifel an der merkwürdigen Geschichte dieser Frau, Zweifel an ihrer Loyalität ihm und Gideon gegenüber, und sogar Zweifel an Gideon selber. Und dafür schämte er sich.

Wie konnte er nur einem so guten Freund misstrauen? Wie konnte er nur im Entferntesten daran denken, dass dieser ihn hintergehen und gemeinsame Sache mit seinen Feinden machen könnte? War es das, was die Einsamkeit, die schlafraubende Ruhelosigkeit aus einem machte? Einen jedem misstrauenden, andere Menschen ablehnenden Eigenbrötler? War er das? Oh, nein, so wollte er auf keinen Fall sein! Er musste lernen gegen sich selbst zu kämpfen, bevor das passierte. Er musste lernen wieder anderen Menschen zu vertrauen. Und am besten war es wohl sofort damit anzufangen.



Er blieb heftig atmend an einer Hauswand stehen und lugte vorsichtig um die Ecke. Bis auf einen Trunkenbold, der langsam die Pflasterstraße hinunter taumelte, war niemand zu sehen. Also weiter!

Er musste sich mehr auf das konzentrieren, was er tat, sonst würden sie ihn noch heute erwischen, und den beiden anderen war damit nicht gerade geholfen. Doch irgendwie drehten sich seine Gedanken nur noch um eine Sache: Was hatte es mit dieser jungen Frau auf sich? Wer war sie? Wie und warum war sie hierhergekommen? Was sollte er mit ihr machen, wenn sie tatsächlich ein Opfer Demeons und der Hexe war, so wie er?

Ganz klar: Im Stich lassen würde er sie nicht, selbst wenn sie sich nicht sonderlich gut verstanden. Sie war nicht wie Sara, auch wenn sie die Erinnerungen an sie in ihm wieder aufgewühlt hatte. Es waren schmerzhafte Erinnerungen, Erinnerungen, die er sonst immer so gut zu verdrängen verstand, Erinnerungen, von denen er wusste, dass sie ihn ganz tief hinab in dieses schwarze, hohle Loch in seinem Inneren ziehen konnten, aus dem es immer so schwer war wieder herauszukommen.
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Und vielleicht war das der Grund, warum er dieser jungen Frau so abgeneigt war, warum ihr Erscheinen ihn so wütend gemacht, ihn so ausflippen hatte lassen. Er wollte weder an Sara noch daran erinnert werden, dass es außerhalb dieses Daseins ein andere, eine bessere Welt gab. Er wollte nicht daran erinnert werden, dass er ein ganz anderes Leben hätte führen können, mit seiner Familie, seinen Freunden dort drüben… und nicht in diesem Alptraum hier gefangen hätte sein müssen, diesem Alptraum, in dem er tagtäglich um sein Leben kämpfen musste – ein Leben, das es eigentlich gar nicht wert war, darum zu kämpfen.



Es war alles wiedergekommen, war mit Jennas Erscheinen ohne Vorwarnung in sein Bewusstsein gedrungen und wollte einfach nicht wieder verschwinden. Natürlich gab er ihr die Schuld an seinem Seelenleid. Es war nicht fair und doch konnte er nichts dagegen tun. Das Gefühl war einfach da. Und was noch schlimmer war: Er wusste ganz genau, dass sie Fragen haben würde, Fragen, die noch weiter in seine Erinnerungen drangen, die ihn dazu zwangen, sich mit diesem so furchtbaren Teil seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen. Er wollte das nicht, spürte, wie sich schon jetzt alles in ihm dagegen sträubte, über die Geschehnisse von damals zu sprechen, obwohl er wusste, dass es eigentlich unabwendbar war, wenn er Jenna tatsächlich mitnahm, sie nicht ihrem Schicksal hier in Falaysia überließ.

Für einen Augenblick kam ihm der Gedanke, einfach ohne sie zu verschwinden, sich ganz klammheimlich aus der Stadt zu stehlen und sie einfach zu vergessen. Immerhin war sie mit Melina verwand und hatte diese Frau nicht fast genau dasselbe mit ihm gemacht? Ihn einfach seinem Schicksal überlassen?

Doch es war nur ein flüchtiger Gedanke, der schnell wieder verflog – nicht nur, weil er tief in seinem Herzen immer ein guter Kerl geblieben war, sondern auch, weil Jennas Erscheinen, neben all den negativen Wirkungen, ein weiteres Gefühl in ihm geweckt hatte, dass er schon lange nicht mehr verspürt hatte: Hoffnung.

Er wusste, dass das dumm war, dass diese Frau alles andere als den Eindruck erweckte seine Retterin zu sein, aber ganz tief in seinem Inneren regte sich der Gedanke, dass es ihm durch sie vielleicht zumindest wieder möglich sein könnte, Kontakt zur anderen Seite aufzunehmen.
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Und vielleicht – ganz vielleicht – konnte dies der erste Schritt sein, um doch irgendwann, in ferner Zukunft den Weg nach Hause zu finden.



Leon fühlte, dass sein eigener Schritt bei diesem Gedanken gleich sehr viel fester und schneller wurde, neue Energien durch seinen Körper zu strömen schienen.

Er würde Jenna mitnehmen und er würde versuchen netter zu ihr zu sein, sich besser zu beherrschen. Er musste ihr beibringen, mit der Welt klarzukommen, in die sie geraten war, bevor sie damit anfangen konnte, ihm zu helfen. Nur, wie sollte er das machen? Er wurde verfolgt. Man trachtete ihm nach dem Leben und gewiss auch jedem, der mit ihm zusammen war. Wenn sie langfristig bei ihm blieb, war sie in großer Gefahr – jedenfalls momentan, in diesen Zeiten der Unruhe. Aber wenn sie ganz allein durch Falaysia stolperte, war sie es auch. Wer würde sich schon in diesen Zeiten ihrer annehmen? Gideon war zu alt, um sie vor den Gefahren zu schützen, die überall lauerten, und als Sklavin, in den Händen eines barbarischen Kriegers wollte er sie bestimmt nicht sehen. Was sollte er also tun?

Es ging nicht anders, er musste sie wirklich erst einmal mit sich nehmen. Es gab keine andere Lösung. Und dann? Vielleicht war es das Beste, sie sogar mit nach Vaylacia zu nehmen. Vielleicht konnte sich sein Freund ihrer annehmen. Hübsch war sie ja, ein wenig breit in der Taille und von daher nicht wirklich weiblich, aber hübsch. Wenn Leon Glück hatte gefiel sie Cevon, und er war sein Problem vorerst los. Cevon wusste über Leons Vergangenheit Bescheid, er würde der jungen Frau alles Wissenswerte über Falaysia beibringen, und wenn sie sich geschickt genug anstellte, konnte sie später ebenfalls zu den Truppen stoßen. Dann konnte Leon sich selbst wieder um sie kümmern und mit ihr Pläne schmieden, wie sie wieder nach Hause zurück gelangen konnten.

Die Frage war nur, ob sie es überhaupt bis nach Vaylacia schafften. Marek war wie ein Bluthund. Wenn er erst einmal ihre Spur aufgenommen hatte, grenzte es fast an ein Wunder, wenn sie ihm wieder entkamen. Leon hoffte nur, dass er noch nicht in der Stadt war, und sie genug Zeit hatten, eine möglichst große Entfernung zwischen sich und diesen Mann zu bringen.
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Er bog um die nächste Ecke und prallte zurück. Ein Trupp Krieger kam direkt auf ihn zu. Schnell duckte er sich hinter eine Regentonne und wartete mit klopfendem Herzen, die Hand um den Knauf seines Schwertes gekrampft. Er hielt den Atem an, als die Krieger an ihm vorbei marschierten, und atmete erst wieder aus, als ihre Schritte auf der Straße verhallt waren. Zögernd stand er auf. Er konnte wirklich von Glück reden, dass sie ihn nicht entdeckt hatten. Es gab nichts Erniedrigenderes, als seinen Feinden direkt in die Arme zu laufen. Wahrscheinlich hätten sie ihn ausgelacht und dann einfach getötet… oder auch nicht. Marek wollte das bestimmt lieber selbst tun und hatte jedem seiner Männer befohlen, ihm kein Haar zu krümmen und zu ihm zu bringen. Er würde sich einen Spaß daraus machen, ihn selbst zu töten, langsam und qualvoll. Das passte so zu ihm.



Leon schüttelte sich bei dem Gedanken daran, straffte dann die Schultern und ging nun wesentlich verhaltener um die Ecke. Nun war die Straße wieder leer, und er konnte ungehindert seinen Weg fortsetzen. Bald hatte er gefunden, wonach er gesucht hatte: Den Goldfasan.

Der Goldfasan war eine Spelunke übelster Art. Hier gingen die schlimmsten Verbrecher, wildesten Krieger und gemeinsten Betrüger ein und aus. Aber es war auch eine Spelunke, die sich weigerte Bakitarer zu beherbergen, und das war für Leon mehr als günstig. Außerdem verkaufte der Wirt auf dem Hinterhof prächtige Pferde und er und seine Knechte stellten keine dummen Fragen. Das war genau das, was Leon brauchte.

Die Leute erzählten, dass der Wirt die Tiere einfing, wenn ihre Besitzer, bei denen es sich meist um Krieger handelte, im Kampf gefallen waren, um sie dann schnell und gewinnbringend zu verscherbeln. Doch das war Leon egal. Selbst wenn der Mann die vorherigen Besitzer eigenhändig gemeuchelt hätte, es wäre ihm egal gewesen. Er brauchte diese Pferde. Sein eigenes konnte er nicht mehr holen. Dorthin zurückzugehen, wo nach ihm gesucht wurde, würde einem Selbstmord gleichkommen.



Leon betrat den Hinterhof durch einen Nebeneingang. Zu seiner Freude brannte noch Licht im Stall, also musste jemand da sein, der ihm helfen konnte. Er sah sich kurz um und eilte dann über den dunklen Hof.
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Vor der morschen Tür des Stalls, durch deren Ritzen das gedämpfte Licht schien, blieb er stehen. Er atmete einmal tief durch, um sich zu sammeln und klopfte dann vorsichtig an.

Der Mann, der ihm öffnete war alt und mager. Er stützte sich schwer atmend auf einen Stock und musterte Leon kurz, bevor sein Blick den seinen suchte. Wache, listige Augen blickten ihm entgegen und sagten Leon, dass das Äußere des Mannes täuschte. Das war ganz gewiss kein schwächlicher, nachgiebiger Verhandlungspartner und es würde bestimmt kein leichter Handel werden.



„Ihr seht müde aus“, stellte der Alte mit einem schiefen Grinsen fest und entblößte dabei ein paar Goldzähne. Anscheinend liefen die Geschäfte für ihn momentan ziemlich gut.



„Ihr seid wohl einmal zu oft zu Fuß gereist!“ setzte er hinzu und lachte meckernd. „Ich wüsste schon, womit ich euch helfen könnte.“



„Zwei“, sagte Leon knapp. „Robust, umgänglich und nicht zu teuer.“



Der Alte sah kurz nach rechts und links über Leons Schultern und trat dann ein wenig zur Seite, den Blick auf den dunklen Innenhof freilegend. „Kommt herein“, sagte er. „Ich glaube, ich hab’ da was für euch!“



Leon atmete erneut tief durch. „Auf in den Kampf“, murmelte er und kam der Aufforderung des Alten nach. Er hoffte nur, dass er noch genug Kraft besaß, um diesen Handel durchzustehen, ohne allzu viel seines spärlichen Vermögens zu verlieren.
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Punktestand der Geschichte:   388
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Kommentare zur Story:

  Ich hatte dne Text schon vor einer Weile gelesen, komme aber erst jetzt zum Kommentieren, da ich mir das Ganze noch einmal durchlesen wollte, da der Text nicht so ganz zum restlichen Schreibstil oder Erzählstil passt... ich weiß auch grad nicht was ich so genau meine ^^
Schon der erste Satz ist viel zu lang und verschachtelt und man könnte der Verständlichkeit halber gut und gerne zwei oder gar drei draus machen.
Dann überwältigen Leon haufenweise Gefühle und Gedanken und Zweifel, aber gleich im nächsten Satz denkt er jedoch nur an Jenna und ihre Verstrickungen in diese Welt?
Danach folgen immer wieder so lange Schachtelsätze und Wortkonstellationen, die nichts mit deinem sonst so starken Ausdruck gemein haben und das Lesen ungeheuer erschweren.

Das alles hat mich dazu veranlasst den Text noch einmal zu lesen, bevor ich ihn kommentiere.

Inhaltlich bringt uns das Kapitel nur ein Stückweit voran, dafür offanbahrt es dem Leser jedoch wieder einen Teil von Leons Gedankenwelt. Er ist kein strahlender Retter in der Not, sondern sieht Jenna als möglichen Weg aus der Misere und ist nur aus diesem Eigennutz heraus bereit ihr überhaupt zu helfen.
Desweiteren erfahren wir, dass er klug genug ist jeder offenen Konfrontation aus dem Weg zu gehen und dass ihm die dreckigsten und übelsten Spelunken gar nicht so unbekannt sind.

Es sieht jetzt also so aus, als wären ihre beiden Schicksale eine Weile lang aneinander gebunden - mal abwarten, was daraus wird.  
   Jingizu  -  11.05.12 05:01

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  Freut mich, dass Leon, trotz seines anfänglichen Protestes, anderen Sinnes geworden ist. So würde ich an seiner Stelle auch handeln. Denn vielleicht ist ja Jenna auch eine Chance für ihn, endlich wieder aus dieser Welt hinauszukommen. Bleibt weiterhin spannend.  
   doska  -  07.05.12 17:24

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

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