Blutmond - Karms Reise -14-   61

Romane/Serien · Fantastisches

Von:    Tis-Anariel      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 6. Mai 2012
Bei Webstories eingestellt: 6. Mai 2012
Anzahl gesehen: 1175
Seiten: 9

Diese Story ist Teil einer Reihe.

Verfügbarkeit:    Die Einzelteile der Reihe werden nach und nach bei Webstories veröffentlicht.

   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


Karm steuerte das Boot vorsichtig näher ans Ufer heran, als ihm die schnellere Strömung des Flusses auffiel. Er streckte die Hand aus und weckte so sanft wie möglich Annabella. Verwirrt blinzelnd richtete sich das Kind auf und sah sich verwundert um. Erst einige Momente später realisierte das Mädchen wo es war, wie es dorthin gekommen war und warum sie überhaupt dort war. Sie schenkte Karm ein kleines Lächeln.

“Ich bin eingeschlafen.” stellte sie das Offensichtliche fest.

Der Wandler schenkte ihr ein Grinsen, dann machte er eine Geste zum Bug des Bootes.

Schnurr blickte auf.

“Karm?” Ihre Stimme klang fragend.

“Ich glaube wir kommen bald in Kleinfall an,“ antwortete der Wandelwolf, “die Strömung wird schneller.”

Sofort setzte sich das Kind gerader auf, streckte sich unter den Decken und blickte sich aufmerksam um. Tatsächlich wurde der Fluss hier schneller und Annabella war ein wenig aufgeregt, schließlich war sie selbst auch noch nicht in Kleinfall gewesen. Aber ihr Vater war oft hier gewesen und hatte ihr davon erzählt.

“Da müsste bald eine große Brücke kommen,” meinte das Mädchen, “dort überquert die Handelsstraße nämlich den Sarath. Man müsste sie schon von weitem sehen.”

Karm gab ein verstehendes Geräusch von sich.

“Dann ist es eigentlich egal, an welches Flussufer wir uns halten, oder?”

Das Kind nickte.

“Eigentlich schon, aber die Siedlung liegt auf der rechten Seite des Sarath und da hat es auch die meisten Anlegestellen.”

Karm nickte verstehend und lenkte ihr Boot vorsichtig auf die rechte Seite des Flusses. Aufmerksam lies er seinen Blick über die Ufer streichen. Bald schon wurde in der Ferne der schmale Bogen einer Brücke sichtbar, die sich noch als schwarze Silhouette über den Fluss spannte. Nur kurze Zeit später verwandelte sich dieses schmale Band zu einer mächtigen Brücke, die über den hier sehr breiten Sarath führte. Als sie unter dem Bogen hindurch fuhren, blickte das Kind und auch die Katze mit unschuldigem Staunen empor. Karm konnte diese Aussicht nicht teilen, denn er hatte genug damit zu tun, das Boot in der nun sehr kräftigen Strömung dahin zu steuern, wohin er es haben wollte. Schließlich gelang es ihm aber einen der Anlegestege anzusteuern und nach einigen Versuchen hatte er auch das Boot am Steg festgebunden.
Seite 1 von 9       
Er half Annabella beim Aussteigen, dann reichte er dem Kind ihre Rucksäcke hinaus und verließ selbst das Boot. Prompt versanken die beiden bis über die Knie im Schnee, der sich selbst auf dem Steg angehäuft hatte. Als Karm aufhorchte nahm der Wandler ein anhaltendes, donnerndes Geräusch wahr. Letzteres machte klar, das der Fluss hier einfach den direktesten Weg nahm, nämlich über die Bruchkante der Verwerfung etwa zehn Schritte hinab. Mit einem Blick zum Himmel schätzte er die Tageszeit ein und stellte erfreut fest, dass sie tatsächlich noch einige Stunden Tageslicht hatten. Der Fluss hatte sie viel schneller nach Kleinfall gebracht, als er angenommen hatte. Gerade wollte er sich abwenden, da maunzte Schnurr empört auf.

“Heda,” rief sie laut, “ihr habt mich vergessen!”

Sie saß nun auf den Decken im Boot und blitze den Wandelwolf verärgert an. Dieser jedoch lächelte sanft zu der Katze hinab. Mit einer kleinen Geste lenkte er den Blick der Katze zu seinen Beinen und der Tatsache das er bis zu den Knien im Schnee stand.

“Schnurr,” seine Stimme war nun ebenfalls sanft, “ich denke nicht, dass du in diesem tiefen Schnee eine große Hilfe bist. Das ist nicht böse gemeint, aber wer weiß, auf was wir hier treffen. Willst du nicht lieber noch ein wenig im Boot bleiben? Wir sehen uns ja nur mal um und kommen dann auch gleich wieder zurück zu dir.”

Schnurr schnaubte leise und brummelte dann etwas unglücklich vor sich hin. Natürlich hatte der Wandler recht, ihre Beine waren für diese Verhältnisse einfach zu kurz. Sie würde die zwei nur behindern. Schließlich gab sie murrend und grummelnd nach.

“Na gut,” schnappte sie, “dann pass ich eben auf das vermaledeite Boot auf. Aber beeilt euch gefälligst, nicht dass ich hier noch festfriere.”

Annabella schenkte dem Wesen ein breites Lächeln, dann sah sie Karm auffordernd an. Amüsiert stellte der schwarzhaarige Mann fest, dass in ihren Augen ein wenig Abenteuerlust glühte. Er zwinkerte dem Kind zu und ging über den Steg voran. Am Ende blieb er stehen und nahm den Anblick von Kleinfall in sich auf.

Um einen zentralen, runden Platz, auf dem sich neben einem Trinkwasserbrunnen ein Richtbaum befand, versammelten sich die wichtigsten Häuser der Ansiedlung.
Seite 2 von 9       
Neben einen Götterschrein im Süden gab es noch ein Bürgerversammlungshaus, sowie eine Schenke, zu der offenbar eine Herberge und ein großer Stall gehörte. Außerdem gab es ein großes Lagerhaus und einen Handelsposten. Um dieses Zentrum herum verteilten sich etwa fünfzehn große Gebäude, die weit auseinander standen. Ganz offensichtlich waren sie von großen Gärten umgeben, bei einigen schlossen sich sicher die Felder direkt an. Zudem befanden sich bei fast allen kleinere Ställe. Überall lag der Schnee hoch, zeigte aber auch die Spuren von Mensch und Tier. Karm musterte diese gründlich. Wind und Schneefall hatten sie unkenntlich gemacht und der Wandelwolf versuchte am Grad der Verwehung abzuschätzen, wie lange ihre Verursacher schon fort waren.

Schließlich mühte er sich durch den Schnee zu diesem Zentrum und Annabella folgte ihm dichtauf.

Als sie endlich den runden Platz erreicht hatten, sahen sich Kind sowie Wandler noch einmal aufmerksam um. Kleinfall war offensichtlich verlassen und leer. Nirgends regte sich etwas, in keinem der Häuser war Licht zu entdecken und aus keinem der Schornsteine quoll Rauch.

Alle Menschen hatten diesen Ort verlassen.

Eine halbe Stunde später wurde Karm klar, dass die Menschen nicht nur diesen Ort verlassen, sondern auch jedes Haus bis aufs äußerste verrammelt und verriegelt hatten. Erst nachdem er rohe Gewalt anwandte konnte er endlich in eines der Häuser eindringen. Doch viel gab es hier nicht zu sehen. Die Leute, die hier wohnten, hatten offenbar viel Zeit für ihre Flucht und alles mitgenommen, was ihnen nützlich war. In diesem Haus gab es nicht einmal mehr Feuerholz. Da die Schatten noch nicht merklich länger wurden, nahm sich der Wandelwolf die Zeit und drang noch in eines der anderen Häuser ein. Mit dem selben Erkenntnissen, denn selbst hier war alles mitgenommen worden.

Mit gerunzelter Stirn trat Karm wieder ins Freie und blickte auf, als Annabella nach ihm rief. Das Kind hatte sich auf der anderen Seite des runden Dorfplatzes durch den Schnee gemüht und stand nun neben dem Bürgerhaus. Offenbar hatte sie dahinter etwas entdeckt, denn sie blickte an dem Gebäude vorbei zu Boden. Neugierig beeilte sich der Wandler um zu dem Mädchen zu gelangen und folgte dort ihrem Blick.
Seite 3 von 9       
Erstaunt hob er die Augenbrauen.

“Wagenspuren,” stellte er fest, “nun das erklärt zumindest, warum in den Häusern außer dem Möbeln nichts mehr zu finden ist.”

Annabella nickte leicht, dann sah sie sich die Spuren genauer an.

“Karm, das sind glaub ich gar keine Wagenspuren. Ich glaub das sind Kufenspuren. Du weißt schon, wie von Pferdeschlitten und so.”

Karm nickte langsam. Das klang logisch, schließlich kam ein Schlitten bei tiefen Schnee besser von der Stelle, als ein Wagen. Dann jedoch blickte er irritiert auf.

“Und wie kommen sie damit über diese Verwerfung hinunter?”

“Naja,” meinte Annabella, “sie werden über die Handelsstraße zum großen Steig, im Osten ziehen. Man braucht etwa zwei Stunden zu Fuß dahin.” Sie sah den Wandelwolf aufmerksam an. “Der Bruch,” erklärte das Kind, “wird im Osten flacher und breiter. Er geht nicht mehr gerade in die tiefe, sondern eher schräg und darum gibt’s dort einen recht breiten, gewunden Pfad, den man den großen Steig nennt.” Ihre Augen wurden groß. “Du, Karm, weißt du was? Bei dem Steig gibt es nicht nur einen weiteren Handelsposten, sondern auch eine Unterschlupfhöhle. Jägerhöhle heißt die und der Tradition folgend gibt es in so einem Schlupf immer alles notwendige um einige Nächte sicher und warm zu verbringen. Das heißt Decken und eine feste Feuerstelle und oft auch Nahrungsvorräte und Feuerholz. Außerdem hat die Jägerhöhle einen befestigten Zugang, also eine Tür oder in diesem Fall wohl eher ein Tor.”

Annabella klang aufgeregt und Karm nickte verstehend. Sein Blick schweifte zur Brücke und verweilte dann in Richtung Osten.

“Das klingt gut,” meinte er leise, “hier gibt es noch nicht einmal mehr Feuerholz und ich bezweifle dass wir überhaupt in einen Keller gelangen, sofern es hier überhaupt welche gibt. Ich habe in den zwei Häusern, die ich aufgebrochen habe, keinen Hinweis auf unterirdische Räume gefunden.”

Das Mädchen zeigte auf das Lagerhaus und den Handelsposten.

“Wenn es hier einen Keller gibt, dann beim Gemeinschaftslager, sonst wird es hier keine Keller geben.” Sie machte eine kleine Geste in Richtung der Bruchkante.
Seite 4 von 9       
“Es liegt an der nahen Bruchkante, die macht den Untergrund weniger stabil. Hier Keller zu graben kann gefährlich werden.”

Karm nickte leicht, dann blickte er in den Himmel und schätzte erneut die Zeit ein. Schließlich wandte er sich dem Kind wieder zu.

“Ich glaube, wir gehen jetzt am besten zurück zum Boot, holen Schnurr, schnallen uns die Schneeschuhe an die Füße und versuchen diese Unterschlupfhöhle zu erreichen. Wir haben immerhin noch fast vier Stunden Tageslicht und je mehr Entfernung wir zwischen uns und die Dschan bringen können, um so besser.”

Annabella nickte nur. Was Karm da sagte klang vernünftig und sie vertraute dem Wandelwolf bedingungslos. Seltsam, dachte das Kind, wie tief ihr Vertrauen zu Karm doch geworden war, wo er doch eigentlich ein großer, pechschwarzer Wolf war und sie am Anfang solche Angst vor ihm gehabt hatte. Aber irgendwie wusste sie, dass sie Karm vertrauen konnte. Verblüfft stellte das Mädchen fest, dass sie ihn richtig liebgewonnen hatte. Sie sah zu ihm auf, wie er da so neben ihr stand in der Kleidung, die nicht die seine war, dem schwarzen, langen Haaren und den eckigen, markanten Gesichtzügen. So menschlich, dachte sie, und doch nicht menschlich. Karm schien ihren Blick zu spüren, sah zu ihr hinunter und schenkte ihr ein Lächeln. Jetzt grinste Annabella breit. Da war er, der Wolf, in Karms Lächeln konnte man ihn ganz eindeutig sehen.

“Ist alles in Ordnung, Annabella?”

Karm klang ein wenig verwirrt und besorgt und dem Mädchen wurde klar, dass sie den Wandler geraume Zeit einfach nur angesehen hatte. Sie lächelte breiter.

“Ja, alles klar, “meinte sie, ”lass uns zur Jägerhöhle gehen.”



Während sich Annabella und Karm in der verlassenen Siedlung umsahen, grummelte Schnurr im Boot noch etwas vor sich hin. Dann kletterte sie auf den ganzen Deckenberg, den Karm und das Mädchen zurückgelassen hatten und reckte den Kopf neugierig. Als sie so auch nicht viel sah, setzte sie sich missmutig mitten auf die Decken und fauchte frustriert. Natürlich war ihr klar, dass Karm Recht hatte und ihr einfach Unannehmlichkeiten ersparen wollte. Aber das änderte nichts daran, dass die Katze sich über diese Situation ärgerte.

Das Boot war auch nicht unbedingt ihr Lieblinsplatz.
Seite 5 von 9       
Wer hätte auch gedacht, das das blöde Ding so rumschaukeln und wanken würde. Und dann machte Karm auch noch so komische Manöver. Da konnte einem ja nur schlecht werden!

Nein sie war froh, wenn sie endlich von diesem Boot runterkam, das war mal klar. Und hoffentlich musste sie sobald auch auf keinem mitfahren. Erneut reckte sie den Hals, sah aber auch diesmal nicht mehr als zuvor. Dann jedoch horchte sie irritiert auf, denn das Boot gab ein seltsames Ächzen von sich. Das tat das dumme Ding schon die ganze Zeit, aber diesmal war es eindeutig lauter. Überhaupt lag es nicht ruhig am Steg, sondern die starke Strömung zerrte beständig daran. Die Katze fand das nicht unbedingt beruhigend. Wo blieben denn nur Karm und Annabella?

Ein erneutes Ächzen erklang und Schnurr sah sich irritiert um. Wo kam dieses Geräusch nun her?

Dann jedoch lenkten sie näherkommende Schritte ab.

Karm und Annabella kamen zurück.

Nur kurz darauf erschienen der Wandelwolf und das Mädchen am Steg. Als Karm sich zu dem Boot hinab beugte, reckte sich Schnurr erwartungsvoll.

“Und?”

Karm schenkte ihr ein kleines Lächeln.

“Die Siedlung ist verlassen,” meinte er , “aber gründlich leer geräumt. Hier ist niemand mehr, aber weil noch fast vier Stunden Tageslicht bleiben, werden wir zu einem anderen Unterschlupf weiterziehen. Ich denke das müssten wir schaffen.”

Die Katze nahm die Neuigkeit nachdenklich auf.

“Warum bleiben wir nicht hier, Karm?”

“Hier gibt es nur einen Keller, Schnurr und der ist verrammelt und verriegelt. Außerdem haben die Leute hier alles, aber auch wirklich alles nützliche mitgenommen. Es gibt noch nicht einmal mehr Feuerholz. Annabella hat mir von einem Unterschlupf erzählt, der sich Jägerhöhle nennt. Den müssten wir eigentlich noch vor Einbruch der Nacht erreichen können.”

Der Blick des Wandelwolfes war ernst und eindringlich. Schurr nickte nur leicht.

“Und wie kommen wir dahin?” Schnurr klang besorgt.

“Naja, Kätzchen, ich und Annabella werden diese Schneeschuhe benutzen und du, mein liebes Katzenwesen wirst es am bequemsten haben. Du wirst nämlich getragen werden.”

Mit diesen Worten wühlte er in den Decken und holte die erwähnten Schneeschuhe hervor.
Seite 6 von 9       
Noch während er sie Annabella reichte, ertönte erneut das seltsame Ächzen. Karm blickte irritiert auf.

“Was war das?”

Doch bevor einer reagieren konnte riss mit einem lautem Schnalzen das Tau, mit dem der Kahn an den Steg gebunden war. Sofort griff die Strömung nach dem Gefährt und zerrte es davon. Schnurr maunzte erschrocken und Karm, nicht weniger erschrocken sprang auf. Mit einem einzigen Blick erkannte er die Lage und ohne lang nachzudenken setzte sich der Wandelwolf in den Schnee und streifte die Stiefel samt den Strümpfen ab.

“Schnurr,” rief er dabei, “spring sofort da raus!”

Er sprang wieder auf die Beine und blickte wild dem davon treibenden Gefährt nach.

“Aber,” Schnurr klang verzagt, “aber Karm, da werde ich ja ganz nass. Das ist Wasser!”

Ihre Stimme verlor sich in einem lauten, klagenden Miauen. Ganz offensichtlich hatte die Katze Todesangst.

“Schnuuurrr…!”

Annabellas Stimme klang nicht weniger klagend als das Miauen der Katze und schnitt Karm mitten ins Herz. Schwer schluckte er, dann zerrte er sich in einer einzigen Bewegung die gesamte Oberbekleidung mitsamt dem Umhang vom Körper und lies selbige achtlos zu Boden fallen.

“Schnurr,” schrie er, “der Wasserfall, Kätzchen! Du willst doch nicht da runter fallen, oder? Also raus aus dem verdammten Boot! Ich komm dir entgegen!”

Schnurr blickte sich ängstlich um, lief von einer Seite des Bootes zur anderen und gab erneut diesen klagenden, langen Laut von sich. Sie hatte wirklich schreckliche Angst.

“Aber das ist Wasser, Karm! Eiskaltes noch dazu!”

“Komm schon, Kätzchen,” rief Karm, “spring! Ich hol dich da raus”!

Mit diesen Worten lies sich der Wandelwolf , der nur noch seine Hose trug in die eiskalten Fluten des Flusses hinein und stöhnte wegen der Kälte kurz auf.

“Schnuurrr!”

Erneut schnitt Annabellas Schrei durch die Stille und riss die Katze aus ihrer Panik. Erst jetzt erkannte sie was Karm vorhatte und was er bereit war für sie zu tun. Die Katze blickte auf und sah das Kind am Flussufer stehen, die Hände vor den Mund geschlagen und selbst einer Panik nahe. Tränen rannen ihr über die Wangen, aber sie bemerkte sie nicht mal.
Seite 7 von 9       
In diesem Augenblick wuchs die Katze über sich hinaus. Sie konnte weder diesen aufopfernden Wandelwolf, noch dieses einzigartige, wundervolle Kind alleine lassen. Und wenn das bedeutete, dass sie sich eisigen Wasserfluten stellen musste, dann würde sie es verdammt noch eines tun! Mit diesen Gedanken und weil sie sah, das Karm bereits mit kräftigen Zügen auf das Boot zu schwamm, sprang sie mit einem verzweifelten Schrei vom Boot in das kalte Wasser.

Kalt schlugen die Fluten des Sarath über Schnurr zusammen, zogen sie kurz in die Tiefe und ließen sie dann unvermittelt frei. Mit einem weiterem klagenden Laut durchbrach die Katze die Wasseroberfläche und folgte dann ihrem Instinkt. Verzweifelt begann die Katze gegen den Storm zu paddeln und bemerkte doch, wie sie der Sog unerbittlich mit sich tragen wollte. Ein weiteres Maunzen entstieg ihrer Kehle und ihr Herz schlug schrecklich schnell.

Ich sterbe hier, dachte die Katze, ich werde hier ganz jämmerlich ersaufen oder vom Wasserfall erschlagen werden. Die Panik drohte ihr die Luft abzuschnüren, ihre Brust wurde eng. Lange würde sie das nicht durchhalten, das wusste sie.

Dann unvermittelt schlang sich eine starke Hand um ihren Leib und Karm zog das Katzenwesen an seinen Körper. Weil er das einzig feste war in diesem Augenblick nahm Schnurr keine Rücksicht darauf, dass er im Moment keinen dicken Pelz hatte, der ihn schützte und grub ihm verängstigt die Krallen tief in die bloße Schulter. Karm gab ein kleines Knurren von sich, ließ sich aber sonst nichts anmerken. Stattdessen wandte er sich um und begann trotz seiner von der Kälte steifer werdenden Glieder kraftvoll gegen den Strom zu schwimmen. Die verängstige Katze, die sich an ihn klammerte und das Mädchen, das nicht weniger ängstlich am Ufer wartete, spornten ihn an. Nur einige Minuten später zog sich der Wandelwolf erschöpft ans Ufer. Fast sofort begann ihn ein heftiges Zittern zu schütteln. Müde versuchte Karm Schnurr von seiner Schulter zu lösen, scheiterte dann aber an der Panik der Katze. Erschöpft und zittern sank er auf die Knie und blickte etwas verwirrt auf, als sich warmer Stoff um seine Schultern legte. Aber es war nur Annabella, die ihm besorgt eine der wenigen Decken, die sie zuvor aus dem Boot genommen hatten, um die Schultern schlang. Vorsichtig versuchte sie die völlig verängstigte Katze von seiner Schulter zu lösen.
Seite 8 von 9       
Und obwohl ihr noch immer Tränen über die Wangen liefen, klang ihre Stimme ruhig und bestimmt.

“Komm schon Schnurr, lass Karm los. Ist doch alles vorbei jetzt. Ist schon gut.”

Mit der sanften Stimme und einer weiteren warmen Decke gelang es dem Kind die völlig verängstigte Katze von Karms Schulter zu lösen. Schließlich kuschelte sich Schnurr leise maunzend und jammernd in die Decke hinein. Sie bebte und zitterte am ganzen Körper und nur zum Teil hing das mit den Temperaturen zusammen. Annabella streichelte das Wesen besänftigend und reichte dann geistesgegenwärtig dem nun auch zitterndem Karm eine weitere Decke.

“H..hab..en wir ni..nicht eine Er..ersatz..hose für m…m..mich ein..gepackt ?” Der Wandelwolf schaffte es kaum die Worte durch seine klappernde Zähne zu zwingen. Nachdem das Mädchen die Bedeutung der zerstückelten Worte erfasst hatte, nickte sie und wühlte in den Rucksäcken. Bald darauf hatte sie besagte Ersatzhose herausgesucht und reicht sie dem Wandelwolf. Noch während dieser sich der nassen entledigte und seine trockene Hose anzog, suchte Annabella seine restlichen Sachen zusammen und trug sie zu ihm. In der ganzen Zeit lies sie Schnurr nicht los, sonder trug sie mich sich herum.
Seite 9 von 9       
Punktestand der Geschichte:   61
Dir hat die Geschichte gefallen? Unterstütze diese Story auf Webstories:      Wozu?
  Weitere Optionen stehen dir hier als angemeldeter Benutzer zur Verfügung.
Ich möchte diese Geschichte auf anderen Netzwerken bekannt machen (Social Bookmark's):
      Was ist das alles?

Kommentare zur Story:

  Hallo Ingrid,

freut mich, dass auch du noch immer Gefallen an dieser Geschichte findest. Schön, dass ich die Angst der katze gut rüberbringen konnte. Ab jetzt wird es spannender und auch wieder unheimlicher.

Liebe Grüße  
   Tis-Anariel  -  13.05.12 13:56

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  ein verlassener ort im schnee, eine grummelige schnurr, ein gerissenes tau... sehr spannend am schluss, und die angst der katze kann man förmlich fühlen... ;-)  
   Ingrid Alias I  -  12.05.12 08:19

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  Huhu Petra,
oh solch Begeisterung, das freut mich natürlich. Ja die drei müssen ja zusammenhalten.

Hallo doska,
ja lang geht das auch nimmer gut, schließlich ist der Sturm vorbei.
Freut mich, dass es auch dir noch immer gefällt.  
   Tis-Anariel  -  09.05.12 00:04

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  Ich bin auch in Sorge um die drei, denn das kann nicht lange gut gehen, bei den Gefahren die auf sie lauern.  
   doska  -  08.05.12 15:51

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  Juchhu, es geht weiter gleich mit Karm. Er rettet Schnurr und alle helfen einander. Gut, dass ihnen bisher noch nicht allzu Schlimmes passiert ist.  
   Petra  -  08.05.12 15:47

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  Hallo Gerald,

Annabellas Alter kommt bereits nach dem prolog, ganz am Anfang des ersten Kapitels vor. Da wird auch ihr Aussehen beschrieben. Das Kind ist etwa zehn Jahre alt, von daher sind keine romantischen Gefühle zu erwarten.
Wenn das dennoch so rüberkommt, muss ich was ändern, denn so ist das nicht gewollt.
Karms Alter wird nicht erwähnt, aber er ist ein ausgewachsener, aber dennoch noch junger Wolf, also dürfte er in seiner menschlichen Erscheinung etwa wie Ende Zwanzig, Anfang Dreißig wirken.  
   Tis-Anariel  -  06.05.12 22:16

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  Die arme Schnurrkatze wäre beinahe ertrunken, wenn nicht Karm gewesen wäre. Das Mädchen findet Karm hübsch. Nun weiß ich nicht wie allt Annabella ist. Habe ich das vielleicht überlesen und wie alt ist er? Nun ja die beiden haben wohl viel zu sehr mit der wilden Natur und allen anderen Übeln deiner gefährlichen Welt zu kämpfen, um wirklich füreinander so ein bisschen schwärmen zu können.  
   Gerald W.  -  06.05.12 21:55

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  Ja das kenn ich. Ich benutz webstories auch oft, um Fehler in dem Text zu korrigieren.  
   Jingizu  -  06.05.12 18:48

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  Jingizu, das liegt daran, dass ich diesen Teil erste gestern nacht noch fertig geschrieben hatte und zu müde war um ihn nochmal durchzukorrigieren, das mach ich dafür jetzt. Wenn man sehr müde ist, mach man manchmal seltsame Sachen, ;-)  
   Tis-Anariel  -  06.05.12 17:42

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  Karm, Anna und Schnurr stoßen also erneut auf Schwierigkeiten bei ihrer Flussreise.
Die Rettungsaktion am Schluss gefällt mir, aber mir fällt auch auf, dass dieser Text ungewöhnlich viele Schreibfehler enthält, wie man sie sonst nicht so häufig in deinen Texten findet.  
   Jingizu  -  06.05.12 15:45

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

Stories finden

   Hörbücher  

   Stichworte suchen:

Freunde Online

Leider noch in Arbeit.

Hier siehst du demnächst, wenn Freunde von dir Online sind.

Interessante Kommentare

Kommentar von "Lorenz M." zu "Freiheit ,lieben , leben - und das Tor dazwischen"

jaa... sehr schön und dass nicht deutlich wird, was du sagen willst, find ich gar nicht - da muss man wohl selbst die situation kennen oder gedacht und gefühlt haben, was du schreibst, um di ...

Zur Story  

Aktuell gelesen

  In Arbeit

Funktion zur Zeit noch inaktiv. Über ein Konzept zur sicheren und möglichst Bandbreite schonenden Speicherung von aktuell gelesenen Geschichten und Bewertungen, etc. machen die Entwickler sich zur Zeit noch Gedanken.

Tag Cloud

  In Arbeit

Funktion zur Zeit noch inaktiv. In der Tag Cloud wollen wir verschiedene Suchbegriffe, Kategorien und ähnliches vereinen, die euch dann direkt auf eine Geschichte Rubrik, etc. von Webstories weiterleiten.

Dein Webstories

Noch nicht registriert?

Jetzt Registrieren  

Webstories zu Gast

Du kannst unsere Profile bei Google+ und Facebook bewerten:

Letzte Kommentare

Kommentar von "Irmgard Blech" zu "Autoscooter, Hotdog und die erste Liebe"

Ich hab`deine Story, nachdem ich sie hier gelesen habe, auch auf Youtube angeklickt. Du hast eine schöne Stimme und liest den Text deutlich. Eine sehr gelungene Erinnerungs-geschichte. Nur eines ...

Zur Story  

Letzte Forenbeiträge

Beitrag von "Redaktion", erstellte den neuen Thread: ???

Hallo ihr Lieben alle zusammen! Leider muss die Winterrubrik nun wieder verschwinden, denn rein meteorologisch besehen ist der Winter am 28.Februar vorbei und der Frühling muss anrücken. Er ...

Zum Beitrag