Romane/Serien · Fantastisches

Von:    Tis-Anariel      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 16. April 2012
Bei Webstories eingestellt: 16. April 2012
Anzahl gesehen: 1117
Seiten: 9

Diese Story ist Teil einer Reihe.

Verfügbarkeit:    Die Einzelteile der Reihe werden nach und nach bei Webstories veröffentlicht.

   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


Karm stemmte sich gegen das Ruder und änderte die Richtung des Kahnes um einem dicken Eisklotz zu umgehen. Das war jetzt schon das dritte mal, dass er das Boot um Hindernisse herumsteuern musste. Dies wiederum machte dem Wandler langsam Sorgen. Wenn der Fluss zufror, dann mussten sie sich irgendwie zu Fuß weiterkämpfen. Gut sie hatten zwar Schneeschuhe eingepackt, was sicher half, aber hart würde es dennoch werden. Außerdem befanden sich nun auch noch zwei kleinere Leuchtsteine und zwei Energiekristalle, die der Wolf aus der Säule herausgelöst hatte, in ihrem Gepäck.

Erneut musste Karm das Ruder herumreißen, diesmal um einem umgestürzten Baum, dessen Krone weit in den Fluss hinein ragte, auszuweichen. Zum Glück jedoch verbreiterte sich nun das Flussbett und der Wandelwolf atmete erleichtert auf. Er warf einen prüfenden Blick auf den Deckenhaufen, unter dem irgendwo Annabella und Schnurr stecken mussten und lächelte, als er den Blick von hellblauen Augen auffing, die ihn neugierig musterten. Irgendwo in dem Haufen kam Bewegung auf und gleich darauf erschien Schnurrs Köpfchen. Die Katze maunzte mitleiderregend und jammerte lauthals.

“ Wenn du solche Schlangenlinien machst,” beschwerte sie sich, “dann wird mir aber übel, Karm. Und da magst du ja lachen, aber nur solang, bis ich meinen Mageninhalt auf deine Füße verteilt habe.”

“Ach arme Schnurr!”

Annabella klang mitleidig und Schnurrs Kopf verschwand wieder unter den Decken. Das Kind jedoch manövrierte die Katze irgendwie auf ihren Schoß und begann das Wesen sogleich zu streicheln. Karm der die Katze nun zwar nicht mehr sehen, dafür aber um so besser schnurren hören konnte, grinste unter seinen eigenen Decken hervor und schüttelte ungläubig den Kopf. Kleines, samtpfotiges Biest, dachte er nur, vergrub sich nun aber selber wieder tiefer in seinen eigenen Decken und brachte ihren schwimmenden Untersatz in die Mitte des Flusses. Auch wenn der Wind etwas nachließ, so blies er dennoch noch immer heftig und sehr, sehr kalt. Die eisige Luft fing den Atem und ließ ihn in auf dem Deckenrand und den Haarspitzen zu weißem Reif gefrieren. Karm konnte es gar nicht fassen, dass es innerhalb von nur wenigen Tagen so eiskalt geworden war.

Die drei waren mit dem Morgengrau aufgebrochen, nachdem sie eine sehr bequeme Nacht vor dem Kamin verbracht hatten.
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Während Karm ihr Boot vom Schnee befreite, trug Annabella jede einzelne Decke, sie sich in der Mühle und der Herberge finden lies, zusammen. Da es so kalt war und auf dem Wasser noch kälter sein würde, wollten sie die Decken nutzen um sich auf dem Kahn wenigstens etwas warm zu halten und das funktionierte auch einigermaßen.

Karms scharfer Blick machte einen eisüberzogenen , hohen Fels aus und der Wandler steuerte vorsichtig um das Hindernis herum. Ein Schaudern lief ihm über den Rücken, denn obwohl die Decken einigermaßen die Wärme hielten, war es eben doch sehr kalt. Zudem verursachte ihm der große, seltsame Fels ein unbehagliches Gefühl. Das Ding war irgendwie unheimlich, fand der Wandelwolf. Außerdem lies nun zwar der Wind ein wenig nach, dafür begann es nun wieder zu schneien. Erneut erschauderte Karm und hoffte, dass es Annabella und Schnurr unter ihrem Deckenberg besser ging, aber die zwei hatten auch mehr davon und waren schließlich zu zweit.

“Das ist einer der Flusswächter,” lies sich das Kind leise vernehmen, “meine Mama hat mir Geschichten über sie erzählt.”

“Was meinst du, Annabella?” Karm klang verwirrt.

Aus den Decken schälte sich eine in einem dicken Handschuh steckenden Kinderhand und zeigte auf den Fels, an dem sie soeben vorbeigefahren waren.

“Diesen Fels,” meinte Annabella, “ein Stück weiter kommen noch mal zwei. Man nennt sie die drei Flusswächter und es gibt viele Geschichten und Legend über sie und wie sie in den Fluss gekommen sind.”

Karm gab ein verstehendes Geräusch von sich.

“Soll ich dir die Geschichten erzählen, Karm?”

Der Wolf lächelte das Mädchen an.

“Ich würde sie sehr gerne hören, Annabella.”

Doch nur einen Moment später sah der Mann alarmiert auf und zeigte dem Kind an, dass es still sein sollte. Irgendetwas war dort, im immer dichter werdendem Schneetreiben verborgen. Dschan konnten es keine sein, schließlich war noch Tag und der Wind war auch noch zu heftig für diese Wesen. Aber dafür schien etwas anderes, sehr gefährliches seinen Weg hierher gefunden zu haben.

“Annabella,” flüsterte er, “wir müssen jetzt ganz leise sein und uns ganz klein machen, verstehst du?”

Das Kind schien zu nicken und duckte sich wohl zusammen, denn der Deckenberg sackte ein wenig zusammen.
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Auch Karm machte sich kleiner, ließ jedoch seinen Blick weiterhin aufmerksam schweifen.

“Egal was du siehst oder was passiert, bleib unbedingt ganz ruhig und gib keinen Ton von dir, Annabella, dann wird uns nichts passieren.”

Unter den Decken blitzten ihn ein paar ängstlich dreinblickende blaue Augen an.

“Is gut.”

Die Antwort des Kindes war noch leiser als Karms Flüstern. Der Wandler schenkte ihr ein kleines Lächeln und entdeckte Schnurrs Augen, die sich nun auch zeigten und ihn aufmerksam, ja gespannt unter den Decken heraus musterten. Die Katze gab keinen Ton von sich und so lenkte Karm seine Aufmerksamkeit auf ihre Umgebung. Es war schwierig das Boot aus dieser geduckten Position zu lenken, aber der Wandelwolf wagte es nicht, sich aufzurichten. Er hatte gerade einen ganz schwachen Geruch von einem Wesen wahrgenommen, das so weit südlich eigentlich nicht sein sollte. Eigentlich kamen die Barok nur im hohen Norden vor. Hin und wieder begegneten die Wandelwölfen ganz am nördlichsten Rand ihrer Reviere auf diese Kreaturen und gingen ihnen aus dem Weg.

Ein Barok hatte vage Ähnlichkeit mit einem Bären, zumindest was den Körperbau und die Tatzen anging. Aber da waren dann auch die Ähnlichkeiten schon vorüber. So ein Wesen war nämlich fast zweimal so groß, wie ein großer Braunbär, hatte schmutzigweißes, zotteliges Fell, eine langgezogene Schnauze mit langen, scharfen Zähnen darin und gewundene, in sich gedrehte, helle Hörner auf dem Kopf. Sie waren gefährliche Räuber mit nicht ganz so guten Augen, dafür aber sehr gutem Gehör.

Karm hoffte, dass er sich irrte. Doch gerade als er sich entspannen wollte, schälte sich aus dem mittlerweile dichten Schneetreiben die große Gestalt eines Barok, der sich am Flussufer niederbeugte um zu trinken. Der Wandelwolf hielt unwillkürlich den Atem an. Das Tier war ein riesiger Bulle und Karm fragte sich verwirrt, wie die Kreatur überhaupt so weit jenseits der Heralberge gelangen konnte. Was machte dieser Barok hier?

Karm duckte sich vorsichtig noch etwas tiefer in den Kahn hinein und hoffte, dass die schlechten Augen des Wesens und die verschiedenen und somit verwirrenden Gerüche all der Decken, unter denen sie drei stecken, den Barok täuschen würden.
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Wenn sie Glück hatten, dann war das Boot für diese Kreatur im Moment nur ein seltsam riechendes Stück Holz, dass auf dem Wasser vorbei trieb. Zum Glück gab Annabella keinen einzigen Ton von sich und selbst Schnurr war still. Die Anspannung, die die kleine Gruppe ergriffen hatte, war fast zu greifen. Als sie dem Barok am nächsten waren, blickte das Wesen verwundert auf und brüllte, was aber eher fragend klang, als drohend. Es folgte mit dem Blick dem vorbei treibenden Boot, sprang jedoch nicht in den kalten Fluss oder tat sonst etwas bedrohliches. Karm nahm an, das die Kreatur wohl entweder sehr verwirrt oder satt war. Schlussendlich trieben sie unbehelligt an dem Wesen vorüber und weiter den Fluss hinunter.

Annabella zitterte unter den Decken, ihr Herzschlag schien sich gar nicht mehr beruhigen zu wollen. Der Katze, die sich an sie drückte, erging es wohl nicht besser, denn auch sie zitterte heftig. Mit großen, schreckgeweiteten Augen sah das Kind Karm an, der diesen Blick ruhig erwiderte. Vorsichtig legte er einen Finger auf die Lippen und bedeutete so dem Mädchen, dass es weiterhin still sein sollte. Annabella holte zittrig Atem, biss sich auf die Unterlippe und verkniff sich tapfer jeden noch so kleinen Laut. Karm schenkte dem verängstigtem Kind ein kleines, stolzes Lächeln.

Erst einige Minuten später wagte es der Wandler sich wieder etwas aufzurichten und zurückzublicken, wo der Barok jedoch bereits wieder im immer dichter werdenden Schneefall verschwunden war. Einen langen Augenblick konnte sich Karm vormachen, dass er sich diese Begegnung gerade nur eingebildet hatte, dann aber trieb der Wind den Geruch des Wesens zu ihm. Erneut fragte sich der Wandelwolf was bitte schön ein Barok, noch dazu so ein großer Bulle, diesseits der Heralberge zu suchen hatte. Wie war das Wesen hier her gekommen und vor allem warum war es gekommen?

Erst als er sich sicher war, das der Geruch verschwand und sich das Wesen wirklich entfernte, wandte er sich wieder Annabella zu und sah erschrocken die Tränen, die der Kleinen über die Wangen liefen. Besorgt befreite sich der Wandler soweit von den Decken, so dass er die Hand ausstrecken und dem Kind die Tränen von der Wange wischen konnte. Er schenkte dem Kind ein sanftes Lächeln.
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“Ach Annabella,” meinte er leise, “so tapfer und mutig in der Gefahr und erst wenn die vorüber ist, zeigst du Schwäche. Du hast was von einer kleinen Wölfin in dir, weißt du dass?”

Das Mädchen blinzelte ihn überrascht an.

“Wirklich?”

Das Kind flüsterte ebenfalls.

“Ja wirklich,” Karm lächelte breiter, “und ich muss es schließlich doch wissen, oder?”

Annabella schniefte, doch dann brachte sie auch ein kleines Lächeln zuwege.

“Ich hatte ganz schön Angst, “ meinte sie, “was war denn das für ein Wesen?”

Karm nickte leicht.

“Das glaube ich dir.” Er blickt zurück, dann wandte er sich wieder dem Kind zu. “Das war ein Barok, so nennt man diese Kreaturen. Sie sind Raubtiere, Bären nicht unähnlich, aber wie du gesehen hast viel größer.” Karm runzelte die Stirn. “Normalerweise gibt es sie nur im hohen Norden, also weit weg von hier. Ich frage mich, was diesen hier soweit südlich getrieben hat.”

Der Wandelwolf war ernst geworden und das Mädchen nickte verständig. Sie hatte immer noch etwas Angst und langsam fror sie auch ein wenig. Der dichte Schneefall legte sich auf die Decken, schmolz dort und machte so den Stoff langsam aber sicher feucht.

“Sind wir,” fragte Annabella leise, “denn jetzt sicher vor dem Barok?”

Karm nickte leicht.

“Ich denke schon. Auf jeden Fall ist er uns nicht gefolgt, wahrscheinlich hat er uns gar nicht richtig bemerkt. Sie sehen schlecht und jede dieser Decken riecht ein wenig anders, das müsste unseren Geruch gut genug verschleiert haben. Außerdem geben sich diese Kreaturen selten mit so kleiner Beute, wie wir es wären, ab. Dafür hätte er wirklich sehr hungrig sein müssen, aber das war er offenbar nicht.”

Der Wandelwolf klang immer noch sehr ernst.

“Glaubst du, er kommt wieder?”

Jetzt klang das Mädchen wieder ängstlich und Karm schüttelte den Kopf.

“Ich weiß es nicht,” meinte er ehrlich, “aber ich hoffe, wir begegnen ihm nicht noch einmal.”



Etwas später fuhren sie an den beiden anderen großen Felsen mitten im Fluss, den sogenannten Flusswächtern vorbei.
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Karm erinnerte sich daran, dass ihm Annabella eigentlich die Geschichten erzählen wollte, kurz bevor ihnen der Barok in die Quere gekommen war. Doch der Wandelwolf erwähnte es nicht, erkannte er doch, dass das Kind wohl von der Angst erschöpft eingenickt war. Also steuerte er das Boot weiter und hielt wachsam die Augen offen, doch kein Barok lies sich mehr sehen und auch nicht andres Gefährliches. Bald entspannte sich auch Karm ein wenig. Noch immer fragte er sich, wie und vor allem warum dieser Barok die Berge überwunden hatte. War er womöglich mit dem Sturm gekommen?

Nach den Flusswächtern blieb der Fluss breit und in der Mitte Eisfrei. Die Strömung war schnell aber gleichbleibend ruhig und der Wolf bemerkte, wie auch seine Aufmerksamkeit nachließ. Bald wurden nun auch ihm die Lieder schwer.

Erschrocken zuckte Karm zusammen, hob den Kopf und riss die Augen weit auf. Das Boot machte einen heftigen Schlenker, bevor er es wieder auf Kurs bringen konnte. Einen langen Augenblick war er tatsächlich weggedämmert. Karm Herz klopfte laut und heftig in seiner Brust und er schüttelte heftig den Kopf, um diesen wieder klar zu bekommen. Sein Blich schweifte über die Ufer, die kaum im immer dichter werdenden Schneetreiben zu erkennen waren. Dann suchten seine Augen Annabella unter ihrem Deckenhaufen und schließlich beugte er sich besorgt zu dem Kind hinüber. Die kleine war nicht einmal bei dem Schlenker, dem er dem Boot zugemutet hatte, wach geworden. Besorgt runzelte er die Stirn, dann jedoch wischte ein kleines Lächeln den Ausdruck von seinem Gesicht. Unter den Decken auf Annabellas Schoß entstand Bewegung und eine missgelauntes Katzengesicht schob sich durch die Stofflagen.

“Jetzt macht du schon wieder so komische Manöver,” meckerte Schnurr, “ich mein es ernst, Karm, mir wird wirklich schlecht dabei.”

Die Katze musterte den Wandelwolf aufmerksam und etwas verärgert. Dann jedoch veränderte sich ihr Blick und wurde ein wenig besorgt.

“Karm,” meinte sie leise, “du siehst aus wie ein Kater, der gerade noch so eben seinen Schweif aus der Reichweite des wütenden Hundes ziehen konnte. Also um es anders zu sagen, als hätte dich was gehörig erschreckt. Was ist grade passiert?”

Karm kicherte unwillkürlich bei dem bildlichem Vergleich der Katze, dann jedoch seufzte er und gab zu: “Ich bin grade fast eingeschlafen.
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Schnurrs Augen wurden rund.

“Oh,” meinte sie leise, “das ist aber nicht gut. Kann ich dir irgendwie helfen?”

Karm lächelte das Wesen freundlich an.

“Unterhalte dich einfach mit mir. Erzähl mir etwas.” Er grinste nun breit. “Du könntest mir ja von dem Kater erzählen, der seinen Schwanz in Sicherheit bringen musste.”

Schnurr schenkte ihm ein kätzisches Kichern.

“Warum nimmst du an, ich wüsste so eine Geschichte?”

Sie blinzelte unschuldig zu Karm auf, der leise lachte.

“Nun ich denke der Vergleich vorhin kam nicht von ungefähr.”

Er zwinkerte der Katze zu, die nun ihrerseits breit grinste.

“Nun,” begann Schnurr, “du hast tatsächlich Recht. Es gab so einen Kater, der war recht tollkühn und frech und ärgerte zu gerne die Hofhunde. Nur einmal hat einer davon ihm fast die Schwanzspitze gekürzt. Sein Name war Tomi, also der des Katers, und er war schwarzweiß. Willst du die Geschichte wirklich hören, Karm? Sei kratzt nämlich gehörig am männlichem Stolz.”

Der Wandelwolf grinste.

“Nur zu gerne Kätzchen.”



Alaniah blickte zurück und drehte so das Gesicht aus dem Wind. Besorgt registrierte sie den stärker werdenden Schneefall. Ihr Blick schweifte über die Albaelihkrieger, die mit ihr und Edendar hier draußen waren. Seit sieben Stunden kämpften sie sich auf ihren Schlachtrössern durch den tiefen Schnee. Zwei Wetterzauberer und eine Windpfeiferin taten alles ihnen mögliche um den Wind und den Schnee einigermaßen in Schach zu halten. Die Windpfeiferin nutze ihre Gabe vor allem, um mit den Windböen die Straße wenigstens soweit von Schnee zu befreien, dass ihnen Fuhrwerke folgen konnten, die die hier festsitzenden Menschen aufsammeln sollten. Die Krieger mit ihren Pferden hatten zuwenig Platz um viel mitzuführen, aber aufmunternde Worte, starke Hände und warme Decken konnten sie zu den armen Leuten bringen. Alaniah hatte aufgehört zu zählen, wie viele Menschen sie heute schon aus dem tiefen Schnee befreit hatten. Zum Glück waren die meisten Menschen aus den Bergen und auch wenn sie nur dürftig ausgerüstet geflohen waren, so wussten diese Leute, wie sie sich bei einem Schneesturm verhalten und eingraben mussten, um diesen zu überleben.
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Alleine deswegen hatte es nur wenige Tote gegeben.

Die Albaelihkriegerin sah sich erneut um. Normalerweise war die Siedlung Kleinfall nur einen knappen Tagesritt von Kliffstein entfernt, aber bei diesem Wetter und diesen Schneemassen würden sie die Siedlung wohl kaum vor Einbruch der Nacht erreichen. Ihr suchender Blick fand endlich Edendar, der gerade einer älteren Frau half. Als hätte der Krieger ihren blick gespürt hob er die Augen und sah sie an. Mit einer winzigen Geste signalisierte sie dem Söldner, dass sie mit ihm reden wolle. Und noch bevor sie ganz von ihrem Pferd gestiegen war, stand der Krieger schon neben ihr. Sie schenkte ihm ein kurzes, angespanntes Lächeln, das er erwiderte. Beide erinnerten sich in diesem Moment an ähnliche Stürme, die sie gemeinsam durchstanden und an Schlachten, die sie Seite an Seite überlebt hatten. Albaelih lebten eben doch mehrere Jahrhunderte und in folge dessen erlebten sie auch eine Menge, besonders wenn sie sich für ein Leben als Krieger und Söldner entschieden. Alaniah schüttelte als erste die Erinnerungen wieder ab.

“Wir schaffen es nicht bis nach Kleinfall,” meinte sie in einem besorgten Tonfall, “zumindest nicht vor Einbruch der Nacht.” sie runzelte die Stirn. “Ich weiß aber, dass es von hier aus, etwa auf halben Weg nach Kleinfall eine Höhle gibt, die zum Unterschlupf ausgebaut wurde. Sie ist auf jeden Fall unterirdisch, hat dicht schließende Tore und der Eingang, sowie die Höhle sind groß genug, dass wir Reiter mitsamt unseren Pferden darin Platz finden würden.”

“Und wie lang brauche wir dahin?” Edendars Stimme klang ein wenig angespannt und Alaniah lächelte unwillkürlich wieder. Der Mann erriet ihre Gedanken und wollte jetzt nur eine Bestätigung seiner Vermutung.

“Nun bei diesem Wetter,” antwortete die Kriegerin, “brauchen wir bestimmt noch drei oder vier Stunden dahin. Das heißt, sollten sich die Höhlen als unzugänglich erweisen sitzen wir die Nach tim Freiem fest.” Alaniah ließ ihren blick schweifen. “Wir könnten natürlich auch jetzt umkehren, dann müssten wir kurz nach Einbruch der Nacht wieder in Kliffstein ankommen.”

Edendar nickte verständig, als er das Dilemma begriff, in dem sich Alaniah als Anführerin gerade befand.
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“Nun,” meinte er bedächtig, “selbst wenn die Höhle unzugänglich ist, können wir dann immer noch umkehren. Denn bei dem Wetter ist es eigentlich egal, wo auf dem Weg wir festsitzen, wenn wir die Nacht draußen verbringen müssen.” Nun ließ auch der Krieger seine Blick über die Reiter schweifen, schätzte die Männer und Frauen, die er so gut kannte ein und befand, dass auf jeden fall noch Kraftreserven da waren. Innerlich beglückwünschte er Alaniah für ihre Klugheit. Immerhin kannte er die Krieger am besten und indem sie ihn um rat fragte, macht sie sich sein Wissen zunutze. Er unterdrückte ein impulsives grinsen.

“Ich denke wir sollten versuchen zumindest die nächste Ansiedlung zu erreichen, dann können wir uns auch eine Überblick verschaffen, ob noch Menschen nachkommen, oder nicht. Ich glaube wir sollten auf jeden fall versuchen Kleinfall zu erreichen und wenn das heute nicht mehr möglich ist, dann eben im Laufe des nächsten Tages.”

Alaniah nickte langsam.

“Ich denke du hast recht, Edendar, aber du kennst deine Leute am besten. Wenn du meinst wir sollten lieber umkehren, dann machen wir das. Aber ich denke auch, das wir zumindest bis nach Kleinfall vorstoßen sollten.”

Edendar schenkte ihr ein breites, abenteuerliche Grinsen.

“Gut, dann sag ich ihnen bescheid, dass es noch ein Stück weitergeht und wir uns auf eine etwas kühlere Nacht vorbereiten sollten.”

Und noch bevor die Frau etwas erwidern konnte war der Krieger tatendurstig davon gewirbelt. Alaniah lacht hilflos auf, dann jedoch verstummte sie. Noch während sie dem Söldner hinterher blickte spielte ein bittersüßes Lächeln um ihre Lippen. Irgendwie entkam sie ihrer Vergangenheit nicht so wirklich. Zumindest nicht, wenn sie es mit Angehörigen ihres eigenen Volkes zu tun hatte. Ein tiefes Seufzen dehnte den Brustkorb der Kriegerin. Selbst Edendar akzeptiere sie ohne Zweifel als Anführerin und das obwohl er sie so gut kannte und so ein Freigeist war. Sie fragte sich, ob sie ihrem Erbe jemals wirklich entkommen konnte. Einen Augenblick später schüttelte sie diese Gedanken wieder ab, denn Edendar kam breit grinsend zu ihr zurückgeritten. Sie schenkte dem Krieger ein ebenso abenteuerliches Grinsen und stieg selbst wieder in den Sattel.
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“Nun denn,” meinte sie aufgeregt, “lasst uns sehen, wie weit wir heute noch kommen!”
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Punktestand der Geschichte:   78
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Kommentare zur Story:

  Hallo Ingrid,
wie schön, dass es auch dir noch gefällt.
Oh ja, die arme Schnurr, die wird schon im nächsten Teil ihr ganz eigenes Abenteuer mit dem Fluss bestehen müssen. ;-)
Lach, ja die Geschichte des Katers wird auf jeden Fall nochmal auftauchen, immer wieder.
Zu Alaniah sag ich nun wenig. Um sie ranken sich eigene Geheimnisse und Geschichten, die erst im Laufe dieser enthüllt werden. Ich will nicht zu weit vorgreifen.  
   Tis-Anariel  -  22.04.12 00:04

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  die arme schnurr ist flusskrank.... ist ja auch eine gefährliche und elende reise. hm, es wäre nicht schlecht, wenn die geschichte von dem kater tomi und seinem schwanz irgendwann weiterginge, übergangslos und einfach so... ;-)
schöner teil, auch das mit edendar und alaniah. die kriegerin scheint irgendwie müde zu sein, aber das kann ich mir auch nur einbilden.  
   Ingrid Alias I  -  21.04.12 20:05

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  Huhu Doska,
nun, es freut mich, dass diese Bootsfahrt offenbar viel mehr Ausdruck hat, als ich selber dachte. Es freut mich außerdem, dass dir der Barok gefällt. Ich kann dir versichern, diese Wesen kommen wieder vor. Hab schon so einige Ideen für sie.
Schön, dass du auch den zweiten Teil als spannend empfindest. Wer weiß, was sich da noch entwickelt.

Hallo Gerald,
na das freut mich jetzt aber sehr, dass ich dennoch die Stimmung zaubern kann. Wie gesagt, es ist wirklich nicht so einfach derzeit grad über Schnee und Eis zu schreiben.
Schön, dass auch du Gefallen an den Barok gefunden hast. Und die Gefahr lässt auch nicht mehr lange auf sich warten.  
   Tis-Anariel  -  21.04.12 01:45

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  Ja es ist schon komisch, jetzt im Frühling soviel Winterliches zu lesen. Aber du schaffst es den Leser in die richtige Stimmung zu bringen. Mir haben die Baroks auch gut gefallen.
Der zweite Teil ist nicht minder spannend. Alaniah und ihr treuer Freund Edendar scheinen sehr entschlossen zu sein, der Gefahr ins Auge zu schauen.  
   Gerald W.  -  20.04.12 22:25

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  Ich finde die Szene mit dem Boot romantisch, verträumt und auch unheimlich. Ein Wandelwolf in Decken gehüllt und ein Kind, das ihm vertraut. Deine Untiere am Ufer des Flusses konnte ich mir auch so richtig vorstellen. Ich hoffe sie kommen später noch in der Geschichte vor, denn sie haben so etwas ruhiges, überlegtes in ihrem Wesen.
Die Kriegerin im zweiten Teil des Textes und der ihr treu ergebene Söldner versprechen auch etwas abenteuerliches Romantisches. Na, da wollen wir doch mal sehen, wie es weitergeht.  
   doska  -  20.04.12 15:11

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  Huhu Petra,
freut mich, dass du auch an diesem Teil Gefallen gfunden hast.
Hmm..nun die Fahrt auf dem Fluss sollte eher ermüdend und langweilig, als gemütlich rüberkommen. Der Barok ist eine dieser Kreaturen, die mir Schreiberin am Wegesrand auflauern und mit wollen. Ganz ehrlich, ich hab mich nicht getraut ihn einfach da zurückzulassen. Ich hatte Angst, er könnte mir sonst einfach nachlaufen ;-).
Schön, dass dir auch meine anderen Protas gefallen. Hmm..ja um Alaniah rankt sich ein eigenes Geheimnis, das sich auch im Laufe der Geschichte offenbaren und hoffentlich auch überraschen wird.

Ganz nebenbei bemerkt, es ist gar nicht so einfach bei all diesem derzeitigen "Frühling-nun- erwachen-Feeling" etwas und vor allem glaubwürdig über kalte Wintertage und Schneestürme zu schreiben.

Liebe Grüße  
   Tis-Anariel  -  18.04.12 19:41

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  Ah, hier kommt endlich mal wieder mein Karm vor. Irgendwie war die Fahrt im Boot gemütlich für mich. Draußen kalt, aber kuschelige warme Decken. Allerdings waren die Baroks ziemlich unheimlich. An Land gehen möchte ich da also nicht. Ich mag deine drei Helden Karm, Annabella und Schnurr. Auch die anderen zwei sind mir sehr sympathisch. Sie müssen wohl auch auf ihrem Wege so einige Gefahren überstehen. Die stolze Alaniah ist die Anführerin. Früher mal waren sie wohl miteinander fester verbunden. Ob sich das wohl wieder anbahnt?  
   Petra  -  18.04.12 16:48

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  Halllo Jingizu,

lach. Nun ich hoffe, du bist denoch gut in den Tag hineingekommen.
Danke für den Hinweis, ist mir gar nicht aufgefallen. Naja ist ja schnell behoben.

Es freut mich, dass dir auch dieser Teil gefällt. So kleine Infos am Rande des Textes felchte ich immer wieder gerne ein, ich denke sie machen fantastische Welten plastischer und realistischer.
Dass ich Karm offenbar so eine schöne Ausstrahlung verleihen kann, freut mich auch.

Es wird nicht mehr ganz so lange so ruhig weitergehen. Schließlich legt sich ja jetzt der Sturm....  
   Tis-Anariel  -  17.04.12 16:17

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  Oh man... es ist viel zu früh für so einen langen Text *gähn*...

Gleich im ersten Absatz stemmt sich Karm ziemlich oft gegen Ruder ^^, vielleicht könnte er auch einfach mal gegensteuern oder das Ruder herumreißen oder was auch immer. Das folgende Gespräch ist wieder sehr heimelich. Du schaffst es in Karms Nähe immer eine beruhigende Stimmung zu erschaffen. Flusswächter, Barok - die kleinen Infos am Rande stehen dem Text ganz gut.

Der Abschnitt umd Alaniah und Edendar ist dann wieder etwas bedrohlicher, obwohl sie nicht schwerer mit ihrer Reiseroute zu kämpfen haben als die anderen drei. Das gefällt mir gut.  
   Jingizu  -  17.04.12 05:03

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