Romane/Serien · Fantastisches

Von:    Tis-Anariel      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 2. Januar 2012
Bei Webstories eingestellt: 2. Januar 2012
Anzahl gesehen: 1430
Seiten: 10

Diese Story ist Teil einer Reihe.

Verfügbarkeit:    Die Einzelteile der Reihe werden nach und nach bei Webstories veröffentlicht.

   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


Das Kind dachte kurz darüber nach und fand es einleuchtend. Sie nickte verstehend.

“Na gut,” meinte Annabella, “dann mach ich weiter. Es gibt da dann auch noch die Albaelih, das sind die Nachkommen der Hochelfen und sehen auch so aus. Sie sind größer als Menschen und haben alle ganz spitze, lange Ohren. Sie sind schön, hat meine Mama gemeint, aber auch stolz und schlank und viel stärker, als sie aussehen. Vor ganz langer Zeit, vor der großen Verwüstung, da gab es helle Elfen und dunkle, die sich nicht so wirklich mochten. Aber als die große Verwüstung über die Welt kam, haben sich die Elfen zusammengeschlossen und sind so wieder zu einem Volk geworden. Genau darum, hat meine Mama gemeint, sind sie jetzt in der Haarfarbe und der Augenfarbe und der Hautfarbe genauso unterschiedlich wie wir Menschen. “ Das Kind lächelte den staunenden Wolf breit an. Karm fand es schon beeindruckend, wie das Mädchen sich das alles gemerkt hatte. Er lächelte zurück und Annabella machte weiter.

“Dann gibt es noch die Elbaeh, “fuhr sie fort, “die sehen ganz ähnlich wie die Albaelih aus und sind glaub ich auch mit ihnen verwandt. Die Elbaeh sind aber auch kleiner als sie, sie sind sogar etwas kleiner als ein normaler Mensch und dabei sehen sie fast zierlich aus, sind aber auch stärker, als sie aussehen. Ihre ebenso spitzen Ohren sind aber sogar noch länger als die der Albaelih, zudem haben sie kleine spitze Eckzähne, ganz ähnlich wie du jetzt, Karm. Zur Zeit der großen Verwüstung haben sich nicht nur die Elfen wieder zusammengeschlossen, sondern auch andere Wesen, wie die Zwergenstämme oder die Elbenclans. Die Elbaeh sind die Nachkommen der Elben. Meine Oma meinte, dass die Elbaeh eine ganz große Schwäche hätten, weil sie nämlich zu gerne Sachen klauen und so neugierig wären, wie Katzen.” Annabella sah nun Schnurr an und lächelte die Katze, die nur ein leicht empörtes Geräusch von sich gab, breit an. Erst als ihr die Katze ein amüsiertes Schmunzeln schenkte fuhr sie dann fort.

“Dann gibt es da noch die Halflinge, die Rasse ist sehr Naturverbunden und sehr alt, weil es sie schon vor der großen Verwüstung gab. Sie haben sich da nur nicht so oft gezeigt und sie zeigen sich auch jetzt nicht so gerne. Sie sind kleiner als Menschen und Elbaeh, sehen dabei aber Menschen ähnlicher als den andren.
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Meist haben sie braune, oder blonde Haare und braune oder blaue Augen.

Sie können sich sehr gut verstecken und sind recht freundlich, wenn auch ein wenig ängstlich und sie sind ziemlich klug.”

Das Mädchen blickte ihre beiden Gefährten nachdenklich an, dann jedoch fuhr sie sogleich in ihrer Aufzählung fort.

“Es gibt auch die Dunai. Das sind die Nachkommen der verschieden Zwergenstämme und sehen auch so aus. Klein, gedrungen, sehr kräftig, Männer haben immer Bart, Frauen ein rundes und freundliches Gesicht, sie sind so zäh wie Stein, sprechen gerne dem Bier zu und sind manchmal ziemlich mürrisch. Weil sich ganz viele verschiedenen Zwergenstämme nach der großen Verwüstung vermischt haben, gibt’s bei den Dunai auch ganz viele verschiedene Haar- und Augenfarben. Sie bearbeiten mit Vorliebe Stein und Metall und sind auch gefürchtete Krieger.”

Annabella hielt inne und dachte scharf nach.

“Dann gibt es noch das Himmelsvolk,” fuhr sie fort, “aber von denen weiß ich nur, dass sie Flügel wie Vögel haben und ansonsten den Menschen sehr ähnlich sehen. Außerdem gibt es noch die Dreganer, die von den Drachen abstammen. Aber von denen weiß ich auch nicht viel. Sie sehen angeblich den Albaelih ähnlich, sind aber größer und haben einen sonderbaren, fast metallischen Schimmer auf der Haut. Die zehnte Rasse sind die Sorkah, aber von denen weiß eigentlich keiner wirklich was. Außer das sie wohl Wüste und Steppe aus Heimat bevorzugen und meist alleine leben. Sie sind groß, mit dunkler Haut und dunklen Haaren. Und zum Schluss hat mir meine Großma noch von den Zauberwesen erzählt und dass unter dem Begriff einfach alles andere zusammengefasst wird. Ob das nun Einhörner oder andere magische Tiere sind, oder Hexen, Feenwesen, Baumtöchter oder andere magische Wesen.”

Das Kind blickte die beiden Freunde fragend an und Karm nickte langsam.

“Du hast wirklich gut aufgepasst, als dir deine Familie dieses Wissen geschenkt hat.”

Er lächelte das Mädchen stolz an. Doch dann fuhr eine kalte Brise an ihnen vorbei und lies den Wandelwolf erschaudern. Während er Annabellas Ausführungen gelauscht hatte, war es noch kälter geworden und der Wind hatte aufgefrischt.
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Mittlerweile war das Gefühl aus seinen bloßen Füßen gewichen und seine Hände fühlten sich steif an. Ihm war klar, dass dies keine guten Zeichen waren und er sobald wie möglich aus der Kälte heraus musste.



Eine ganze Zeit lang fuhren sie nun schweigend den Fluss hinunter. Jeder in seine eigenen Gedanken vertieft. Dann endlich entdeckte Karm in der Ferne ein großes Gebäude am Fluss und beim näherkommen entdeckte er das große Wasserrad. Sie hatten die Mühle endlich erreicht!

Vorsichtig steuerte der Wandelwolf ihren Kahn zu der Anlegestelle ganz in der Nähe der Mühle. Der Abend nahte bereits und brachte dichte Wolken mit sich. Wenn sie Glück hatten, dann regnete es erneut und die Dschan verloren ganz ihre Spur. Karm brauchte zwei Anläufe um ihr Boot festzubinden, dann hob er zuerst die Katze Schnurr aus dem Boot und ließ dann Annabella aussteigen. Unsicher folgte er dem Mädchen. Seine von der Kälte gefühllosen Füße erleichterten das gehen auf zwei Beinen nicht wirklich. Aber irgendwie schaffte er es dann doch. Aber wirklich gut ging es ihm nicht mehr, die Kälte war ihn in die Knochen gekrochen und er zeigte langsam deutliche Anzeichen von einer Unterkühlung. Dem Wandelwolf war das durchaus klar. Er hatte nicht gedacht, dass es so eisigkalt werden würde. Dennoch riss er sich zusammen und tröstete sich mit dem Gedanken, dass sie ja bald einen Unterschlupf hatten. Dort würde ihm schon wieder irgendwie warm werden.



Annabella übernahm die Führung und zeigte ihren Freunden die ganz in der Nähe befindlichen Vorratskeller der Mühle. Karm und die Katze Schnurr inspizierten sie genau. Insgesamt waren es sechs große Keller und in allen gab es diese Leuchtsteine, so dass sie gut sehen konnten was sich darin befand. In einem lagerten große Maschinenteile und ein anderer war wohl ein Fleischkeller gewesen, der allerdings nun leer war. In diesem Keller war es sehr kalt. Zwei weitere Gewölbe waren fest verschlossen und erst die letzen beiden eigneten sich als sicherer Lagerplatz. Da der letzte Keller am tiefsten war entschieden sich die Freunde für diesen. Die hohe Decke würde ein Feuer zulassen, ohne dass sie der Rauch belästigen würde und die dicke Türe würde die ärgste Kälte draußen halten.
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Zur Sicherheit schob Annabella die ersten Lumpen, die sich finden ließen in den ohnehin sehr schmalen Schlitz an der Schwelle.

In einer Ecke ganz hinten in diesem Gewölbe machten die drei es sich dann bequem. Mit einigen Decken und Lumpen, die sie fanden bauten sie sich ein warmes Nest. Zudem gab es ein zerbrochenes Regal und einige Holzkisten, die recht gutes Brennholz abgaben. Mit Hilfe von ihrer Zunderbox hatte Annabella recht schnell ein kleines Feuer entfacht und kuschelte sich zu Karm in das Deckennest. Sie machte sich etwas Sorgen, da der Mann zitterte und sein Gesichtsausdruck Schmerz verriet.

“Karm, ist alles in Ordnung?”

Der Wandelwolf schenkte ihr ein gequältes Lächeln.

“Meine Füße,” meinte er leise, “sie werden langsam wieder warm, aber das ist im Moment gar nicht angenehm, sonder fühlt sich eher an, als wäre ich in einen Igel getreten. Es sticht ganz gemein.”

Sofort tat er Annabella leid. Doch bald hörte zumindest sein zittern auf und sie war zuversichtlich, dass es ihm am nächsten Tag wieder gut gehen würde.



Draußen jedoch brach nun die Nacht über die Mühle herein. Der Wind frischte noch mehr auf, wurde zu einem heftigen Sturm, der die Dschan am fliegen hinderte und gegen Mitternacht fielen dann die ersten dicken Schneeflocken vom dunklen Himmel. Bald toste ein heftiger Schneesturm um die Mühle. Im Kellergewölbe erwachte Karm und lauschte aufmerksam. Das Licht der Leuchtsteine war zu einem schwachen Glühen herabgesunken. Der Wandelwolf schälte sich vorsichtig aus den Decken und legte etwas Holz in die herab gebrannte Glut ihres Feuerchens. Schnell loderte an dem trockenem Material neue Flammen auf. Karm lächelte leicht, schließlich war ihm endlich wieder warm. Zudem war das Gefühl in seine Füße zurückgekehrt und das Stechen und Brennen, das damit einherging, war nun auch gewichen. Vorsichtig vergrub er sich wieder in den Decken und freute sich, dass er dabei Annabella nicht weckte. Schnurr jedoch erwachte, setzte sich auf und betrachtete Karm neugierig. Dieser jedoch lauschte wieder aufmerksam in die Nacht. Er hatte dennoch bemerkt, dass die Katze nun wach war.

“Da draußen,” flüsterte er, “ tobt ein ganz schön heftiger Schneesturm.” Er sah die Katze an.
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“Ich glaube wir können wirklich froh sein, dass wir das Boot genommen haben. Zu Fuß hätten wir es vielleicht nicht bis hier her geschafft.”

Schnurr stimmte ihm leise zu.

“Da hast du Recht. Wer weiß ob wir morgen überhaupt hinaus können.” Sie musterte den Wandelwolf erneut aufmerksam. “Dir hat die Kälte ganz schön zugesetzt, nicht? Ist wirklich alles in Ordnung?”

Karm lächelte sie an.

“Ja, ich hatte nicht gedacht, dass es so eiskalt werden würde. Aber du musst dir keine Sorgen machen, mir geht’s schon wieder gut und morgen hab ich dann meine Wolfsgestalt wieder.”

Er zwinkerte der Katze freundlich zu, gähnte und kuschelte sich tiefer in die Decken hinein. Annabella seufzte leise im Schlaf, bewegte sich etwas und drückte sich dann enger an den Mann. Auf Karms Gesicht erschien ein friedliches Lächeln und er legte vorsichtig einen Arm um das Mädchen. Er mochte sie wirklich gerne. Bald schlief er wieder ein und bemerkte nicht, das Schnurr es ihm nicht gleichtat. Die Katze sah auf die beiden schlafenden hinab und lächelte ein kleines Katzenlächeln. Das Mädchen hatte Karms Herz im Sturm erobert. Schnurr hatte sie ja ebenso ins Herz geschlossen. Die Kleine war wirklich etwas Besonderes!

Schnurr erhob sich vorsichtig, trippelte in das Zwielicht des Keller hinein und schließlich die Treppe hinauf. Vor der Tür setzte sich die Katze und lauschte nun selbst aufmerksam. Karm hatte Recht, der Sturm war nicht ohne. Aber es war noch etwas darin, als der heftige Wind. Da war ein heulen von alten, von uralten Stimmen im Wind. Die Katze kannte diese Stimmen gut. Sie warnten vor Unheil und Leid!

Besorgt wandte sich die Katze wieder dem Keller zu und dem kleinen Feuerchen, wo Karm und Annabella friedlich aneinander gekuschelt schliefen. Sie hoffte, dass die Warnung des Sturmliedes sich nicht auf die zwei bezog. Beunruhigt kehrte die Katze zu den Freunden zurück und schmiegte sich ebenfalls in das Nest aus Decken.







Die Stadt Kliffstein lag am kleinen Kliff, einer von zwei Bruchkanten, die etwa sechshundert Schritte Höhe hatte und sich über viele Tagesritte hinzog. Das kleine Kliff war die kleinere der beiden, das große Kliff, das sich noch weiterem Landesinneren fand, war fast doppelt so groß.
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Die Kliffs entstanden zur Zeit der großen Verwüstung, als die Welt komplett aus den Fugen geriet und Chaos überall ausbrach. Tektonische Verschiebungen und vulkanische Aktivitäten formten damals diese Bruchkanten. Während sich ein Teil der Erde anhob, sackte sie an anderer Stelle einfach ab. Überall fand man solche Verwerfungen, doch die beiden Kliffs waren die größten davon und bestimmten natürlich auch das Landschaftsbild sehr stark. Außerdem beeinflusste es auch die Menschen und die Standorte diverser Städte. Aufgrund ihrer Beschaffenheit eigneten sich die Kliffs natürlich ausgezeichnet für die großen, fliegenden Schiffe als Anlegeplätze. So musste der Energiefluss, der die blauen Himmelssteine und damit auch die Schiffe zum schweben brachte, nicht unterbrochen werden und man konnte die Schiffe dennoch gut be- und entladen.

Um die Kliffs zu überwinden gab es mehrere Möglichkeiten. Man konnte natürlich eines der kleineren Flugboote nutzen, die gegen Bezahlung Passagiere das Kliff hinunter und auch wieder hinauf brachte. Es gab auch große Aufzüge, hölzerne Plattformen, mit Geländer, die über ein ausgeklügeltes System von Rollen, Seilen und einer großen Kurbel am Kliff hinauf und hinab bewegt wurde. Die große Kurbel musste mit Muskelkraft bedient werden und es bedurfte mehrerer Männer, um die schweren Plattformen zu bewegen. Für gewöhnlich wurden verurteilte Straftäter zu dieser körperlich schweren Arbeit verdonnert. Auch wer die Aufzüge nutzen wollte musste etwas bezahlen, aber sie waren günstiger, als die kleinen Flugboote. Zwei besonders große Plattformen beförderten ausschließlich Waren und Handelsgüter.

Dann gab es noch die Möglichkeit zu Fuß zu gehen, denn in die steilen Wände der Kliffs waren an vielen Stellen von den Dunai schmale, teilweise recht steile Wege und Stufen in den harten, fast senkrecht abfallenden Fels gehauen worden. Diese Wege waren eine langwierige und anstrengende Art, die Kliffs hinunter oder hinauf zu kommen. Außerdem waren sie auch gefährliche, diese Pfade, da sie teilweise sehr schmal und steil wurden. Immer wieder gab es Menschen, die an diesen Stellen in den Tod stürzten. Da aber die Benutzung nichts kostete, wurden sie oft von jenen genutzt, die sich weder die Flugboote noch den Aufzug leisten konnten.
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Viele kleine Händler beförderten dort ihre Waren auf dem Rücken von Eseln oder Maultieren.

Die Städte direkt an den Kliffs teilten sich meist in eine Obere Stadt, die oben auf dem Kliff stand und in eine untere Stadt, die sich am Fuß des Kliffs befand. So auch diese.

Kliffstein war die Stadt auf dem Kliff, ihr zweiter teil am Fuße des Kliffs hieß Unterkliff.



Obwohl der Abend schon nahte und der Wind eisig pfiff, stand Graf Gunther von Kliffstein auf der Mauer seiner Burg und blickte besorgt auf die Stadt hinab. Der stetig anwachsenden Strom von Flüchtlingen machte ihm echte Sorgen. Sie stammten alle aus den nördlichen und nordwestlichen Bergen. Besonders beunruhigend fand der Graf, dass sich der stetige Menschenstrom mittlerweile nicht nur aus Bauern, Jäger und Fallensteller zusammensetze, sondern auch Stadtbürger und sogar Soldaten darunter waren. Soweit er beurteilen konnten stammten letztere Hauptsächlich aus Rundstein und Blaustein, beides Städte am Fuße der Heralberge, die eine lag am Fluss Sarath, die andre an der großen Wisper. Der Mann oben auf den Zinnen seufzte, denn es bedeutet nicht nur, dass die Bedrohung weiter in das Land eindrang, sondern auch dass die Abbaugebiete des blauen Himmelsstein offenbar zu den Zielen der Eindringlinge gehörten. Aber wenn der Himmelsstein versiegte, dann würden früher oder später die großen Flugschiffe vom Himmel fallen.

Doch dem Mann plagte auch Angst, als er die Flüchtlinge beobachtet, von denen viele völlig mittellos waren. Diese Menschen mussten aus dem Schlaf gerissen und in höchster Not nur mit dem was sie am Leib hatten geflohen sein. Vor allem erschreckte ihn die Tatsache, dass keiner dieser Menschen sich noch einmal zurück in sein Heim gewagt hatte, um zumindest das notwendigste mitzunehmen. Und dann die Berichte der Überlebenden, die Geschichten von grausigen, nebelartigen Nachtwesen mit rotglühenden Augen und die Angst der Menschen.

Bei den Göttern, das hörte sich stellenweise so an, als seien die Nachttode aus den alten Geschichten zum Leben erwacht. Womöglich war es auch genau das. Dem Grafen war durchaus klar, das in den Geschichten wohl etwas Wahrheit steckte.

Er seufzte erneut. Was kam da nur auf sie zu?

Einige Minuten später drehte sich Gunther um und wandte sich der Kriegerin zu, die hinter ihm stand.
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Sie war eigentlich immer in seiner Nähe und er war froh darum.



Hochgewachsen und schlank war die Frau, ihr Körper durchtrainiert und drahtig. Das lange, weißblonde Haar hatte sie hinten am Kopf zusammengebunden und dann zu einem dicken, festen Zopf geflochten, der ihr dennoch bis zur Hüfte hinabreichte. Sie steckte in einer schlichten Lederkluft und ihr Oberkörper wurde von einem Metallbeschlagenen Lederharnisch geschützt. Auf dem Rücken hatte sie einen Langbogen und an ihrem Gürtel baumelte ein schlichtes, scharfes Krummschwert, dessen Griff mit schwarzen Leder umwickelt war, sowie ein langer, gerader Dolch mit einem geschwärzten Horngriff. Ein dunkelgrauer Umhang bauschte sich hinter ihr im Wind.

Diese Frau war schon so auffallend genug, aber noch mehr hob sie sich durch ihre Abstammung von der Masse ab. Sie war eine Albaelih, den Nachkommen der stolzen Hochelfen.

Am meisten stachen natürlich sofort ihre langen, spitzen Ohren hervor. Ihre Gesichtszüge waren fein geschnitten, wirkten jedoch auch markant und scharfkantig. Die schräg stehenden , mandelförmigen Augen funkelten in einem eisigen Blau. Eigentlich war sie sehr schön, doch zerschnitten vier parallel verlaufende Narben ihre rechte Gesichtshälfte.

Eine Schlammbestie hatte der Kriegerin die Narben verpasst und beinnahe hätte sie auch ein Auge dabei verloren. Die oberste Narbe begann über dem Nasenrücken an der linken Augenbraue und zog sich schräg über die Stirn bis über die rechte Schläfe. Die zweite begann auf dem Nasenrücken und verlief quer über das Auge bis zum Ohr. Die dritte begann knapp über der Mitte der Oberlippe und endete ebenfalls beim Ohr und die letzte begann unter der Lippe und endete unter dem rechten Ohr.

Alaniah Leyoghion war ihr Name und Graf Gunther kannte sie schon sein halbes Leben lang.

Tatsächlich hatte sich die Kriegerin die Narben nur eingehandelt, weil sie ihn vor der Schlammbestie, die er unabsichtlich aufgeschreckt hatte, verteidigte. Anstatt ihn anzufallen, war das Biest dann auf Alaniah losgegangen und ihr ins Gesicht gesprungen.

Die Albaelih, stolz wie sie war, akzeptierte nur, dass die Heiler ihr Auge rettete. Sie lehnte allerdings ab, dass einer der Heiler ihre Narben zum verschwinden brachte und das lag nicht daran, dass es sehr teuer wäre.
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Schließlich wäre Gunther dafür aufgekommen. Nein die Kriegerin trug die Narben mit Stolz, zudem verliehen sie ihr ein gefährliches Aussehen, das sie sehr begrüßte.

Waren auch einst die Albaelih, die Nachkommen der Hochelfen, ebenso wie jene schöne, mächtige und von allen verehrte Wesen, so verdingten sich in diesen harten Zeiten die meisten von ihnen als Krieger und Söldner. Ihre Kultur hatte sich der neuen kriegerischen Neigung angepasst.



Graf Gunther von Kliffstein musterte seine kriegerische Freundin wie immer wohlwollend. Er fragte sich manchmal, was er ohne sie wohl tun würde. Alaniah war nicht nur gut mit ihren Waffen, sondern auch sehr klug und scharfsinnig. Mehr als einmal hatte ihr Rat ihn weitergebracht.

Nun stand sie hoch aufgerichtet da und blickte mit zusammengezogenen Augenbrauen in den Abendhimmel. Sie beobachtete die Wolkenformationen genau. Schließlich wandte sie sich dem Grafen zu. In ihren Augen stand eine leise Sorge.

“Graf Gunther,” meinte sie ernst ,”ich denke heute Nacht wird einer der ersten Stürme von den Bergen herabziehen. Es riecht nach Schnee.”

Der Graf nickte leicht. Er hatte gelernt, dass die Wettervorhersagen der Frau meistens zutrafen. Also winkte er einen nahen Mauerwächter herbei und befahl dem Mann den Hauptmann eine Sturmwarnung zu überbringen. Während der Wächter unverzüglich loslief, blickte Gunther wieder über die Mauer zur Stadt hinab und zu dem nicht versiegenden Strom an Flüchtlingen. Er machte sich Sorgen um die Menschen. Es gab nicht genügend Unterkünfte um all diese Leute vor einem Schneesturm zu beschützen. Unter sich konnte er nun Aktivitäten wahrnehmen, als man begann die Burg sturmfest zu machen. Kurz darauf erklang das Hornzeichen, das einen Sturm ankündigte und auch in der Stadt nahm daraufhin die Aktivität zu, als die Menschen dort ihre Häuser und Geschäfte auf den Sturm vorbereiteten.

Der Graf seufzte leise und wandte sich dem nun zu ihnen tretenden Hauptmann zu. Der Mann salutierte vor Gunther. Dieser nickte dem alterndem Soldaten freundlich zu.

“Walter,” meinte er, “wir müssen versuchen irgendwie diese Flüchtlinge unterzubringen, damit sie nicht im Sturm zu Grunde gehen.
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Der Hauptmann nickte nachdenklich.

“Wir könnten viele davon in den westlichen Stallungen unterbringen, mein Graf, denn dort steht einiges leer und den Rest verteilen wir auf die Garnison, und wo sich sonst noch Platz finden lässt. Es wird wohl ein wenig eng werden, aber es müsste machbar sein. Einen Teil davon können wir noch mit den Aufzügen das Kliff hinab befördern. In Unterkliff dürften sie sicher vor dem Sturm sein.”

Der Graf nickte langsam.

“In Ordnung, Walter, leite das in die Wege.”

Gunther wirkte etwas abwesend, aber das nahm ihm der Hauptmann nicht übel. Er salutierte.

“Sehr wohl, mein Graf.”

Nachdem sich der Soldat wieder entfernt hatte, wandte sich Gunther erneut seiner kriegerischen Freundin zu. Er wirkte ernst und besorgt.

“Alaniah,” fragte er leise ,”hast du eine Ahnung, was hier vor sich geht?”

Die Kriegerin machte ein grimmiges Gesicht.

“Ja,” antwortete sie ,” leider habe ich die! Gunther, ich glaube die Dschan sind zurückgekehrt! Dein Volk nennt sie in den alten Schauergeschichten Nachttode.”

Der Graf schluckte schwer seine Stimme klang belegt.

“Wie vieles der Geschichten ist denn wahr?”

Die Albaelih seufzte leise und ihre Antwort lies den Grafen schaudern.

“Beinnahe alles, Gunther.”
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Punktestand der Geschichte:   96
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Kommentare zur Story:

  graf gunter gefällt mir gut, auch seine kriegerische freundin, die albaelih. ich hab’s noch mal nachgelesen: sie stammt von den hochelfen ab.
aber auch karm, annabella und schnurr bereiten mir viel freude, sie harmonieren so wunderbar zusammen. ich hoffe, dass die drei alles in den griff kriegen...  
   Ingrid Alias I  -  03.03.12 15:45

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  Hallo Holiander,

schön, das auch dir diese Geschichte zu gefallen scheint.

liebe Grüße  
   Tis-Anariel  -  17.01.12 00:39

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  Supi. Werde mir demnächst alle Teile abspeichern und in Ruhe lesen. Sympathische Typen!
lg  
   holdriander  -  16.01.12 01:06

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  Liebe Petra,
es freut mich, dass auch dieser Teil dein Gefallen findet. Wie schön, das dir die zwei neune Protas auch gefallen und ja mit dennen wird es demnächst sicher abenteuerlich.

Huhu Gerald,
wie schön, das auch du hellhörig geworden bist.
Es fretu mich, dass es dir gefällt.

Liebe Grüße an euch  
   Tis-Anariel  -  08.01.12 00:13

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  Ein sehr schöner Teil. Lässt auch mich aufhorchen.  
   Gerald W.  -  05.01.12 14:54

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  Habe mich gleich an den nächsten Teil herangemacht. Er ist noch schöner geschrieben als der vorherige. Und deine neuen Protas gefallen mir ganz besonders gut. Freue mich schon auf Abenteuer mit ihnen.  
   Petra  -  04.01.12 22:31

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  Huhu Doska,
wie schön, dass dir auch dieser Teil gefällt. Ja so langsam wirds spannend.
Schön, dass ich den Teil in der Mühle wohl so gemühtlich rüberbringen konnte, wie ich es wollte.

Hallo Ingrid,
freut mich, dass es auch dir gefällt.
Hmm...ja die vielen Rassen haben schon alle ihren Sinn. Denn nach und nach werden meine drei Helden nämlich jeder einzelnen Rasse auf die eine oder andrere Weise begegnen.. ;-)
Ob diese Begegnungen jedoch hilfreich sein werden?

Liebe Grüße  
   Tis-Anariel  -  04.01.12 19:53

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  ein toller teil! der arme karm, die kälte setzt ihm wohl sehr zu. tja, als wolf hat man es besser... sehr anschauliche schilderung der stadt klippstein, die plattformen finde ich zum beispiel faszinierend und sehe förmlich vor mir, wie sie von menschenhand bewegt werden. der graf mit seiner kriegerischen freundin, die stolz auf ihre narben ist. die invasion der nachttode...
aber die rassen, die kann ich mir nicht alle merken und würde sie an deiner stelle etwas reduzieren, es sei denn, sie hätten einen speziellen sinn. ;-)  
   Ingrid Alias I  -  04.01.12 14:20

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  Richtig kuschelig und gemütlich fand ich die Beschreibung im Inneren der Mühle, als sich die drei Helden dort schlafen legen und der Schneesturm draußen tobt. Und wie lernen zwei weitere Protas deiner Story kennen: Graf Gunther von Kliffstein und seine kriegerische Freundin Alaniah. Ich finde die Story wird immer spannender und gleichzeitig auch romantischer.  
   doska  -  03.01.12 22:11

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