Romane/Serien · Fantastisches

Von:    Tis-Anariel      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 30. Dezember 2011
Bei Webstories eingestellt: 30. Dezember 2011
Anzahl gesehen: 1213
Seiten: 11

Diese Story ist Teil einer Reihe.

Verfügbarkeit:    Die Einzelteile der Reihe werden nach und nach bei Webstories veröffentlicht.

   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


Es dauerte noch einige Minuten, bis Karm sicher genug auf den Beinen war, um über den Anlegesteg bis zum Boot zu gehen. Auf dem Weg dorthin schloss und öffnete er vorsichtig seine Rechte Hand. Die Wunde von dem Dorn, den er sich eingetreten hatte, befand sich nun in der Handfläche. Von daher fühlte sie sich etwas steif und wund an, zudem tat es immer noch etwas weh. Aber wenigstens konnte Karm nun den verletzten Bereich etwas schonen. Am Ende des Steges hatte sich Annabella hingekniet, ihren Rucksack abgenommen und kramte darin herum.

Karm lies sich vorsichtig neben ihr in die Hocke sinken.

“Alles in Ordnung, Annabella?“

Das Kind blickte auf und nickte.

“Ja alles in Ordnung, “ meinte sie, “gibst du mir deine Hand, damit ich Heilsalbe auf die Wunde machen und einen Verband darumwickeln kann?”

Die Hände des Kindes tauchten wieder aus dem Rucksack auf und hielten die entsprechenden Utensilien fest. Lächelnd überließ Karm dem Mädchen seine Hand und sah aufmerksam zu, wie sie die kleine, aber gemeine Wunde versorgte. Die Salbe half erstaunlich schnell und kühlte nicht nur die Wunde, sondern linderte auch den leichten Schmerz.

“Danke Annabella.”

Er lächelte das Kind an, erhob sich vorsichtig und reichte dem Mädchen die Linke um sie auf die Beine zu ziehen. Anschließend nahm er das Boot noch einmal genau in Augenschein.

Erst danach half er noch immer etwas ungeschickt zuerst Annabella dabei, in den Kahn zu klettern, dann reichte er ihr den Rucksack hinunter und anschließend die nicht sehr erfreute Schnurr. Erst dann stieg auch der Wandelwolf vorsichtig in das Boot und löste das Halteseil.

Die Strömung, die hier zwar ruhiger und nicht so schnell war, ergriff sofort das Boot und trieb es den Sarath hinunter. Karm brauchte einige Augenblicke um herauszufinden, wie es zu steuern war, dann jedoch gelang es ihm recht schnell, den Kahn davon abzuhalten sich um sich selbst zu drehen. Noch etwas später schaffte er es, das Ding in die Flussmitte zu bringen und dann den Kurs zu halten.

Bald herrschte Schweigen zwischen den drei Freunden.

Bald kam dann auch ein kalter Wind auf und ließ Karm erneut erschaudern. So ganz ohne seinen Pelz und mit der nur dürftigen Kleidung war es doch recht kühl. Jetzt nachdem der Mittag vorüber und jetzt auch noch dieser Wind aufkam, wurde es schnell kühler und hier auf dem Wasser fielen die Temperaturen noch schneller.
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Im Laufe des Nachmittages zog in den Senken ein leichter Nebel auf und machte klar, wie alt das Jahr schon war. Nebelmond nannte man diese Mondzeit und es war ein sehr bezeichnender Name.

Annabella zog sich bald auf dem Boot um, das heißt, sie entledigte sich des kurzärmligen Hemdes und schlüpfte stattdessen in das langärmlige. Karm jedoch plagte langsam ein stetiges, leichtes Zittern. Ihm wurde langsam wirklich kalt. Seine bloßen Zehen spürte er schon kaum mehr und auch die Finger scheinen sich langsam, aber sich er in Eiszapfen zu verwandeln.

So also saß er mit hochgezogenen Schultern und nicht mehr ganz so guter Laune im Heck des Bootes und hielt es auf Kurs. Zwischen durch schüttelte ihn immer wieder ein Zittern. Still war er geworden und in sich versunken, darauf konzentriert das Boot in der Flussmitte zu halten und die Kälte irgendwie auszublenden. So versunken nahm er auch nicht wirklich wahr, wie ihn Annabella eine Weile sehr aufmerksam musterte und sich dann an ihrem Rucksack zu schaffen machte.

Kurz darauf fuhr Karm überrascht zusammen, als das Mädchen plötzlich neben ihm stand und ihm etwas um die Schultern legte. Er brauchte einige Momente um zu begreifen, was dieses Etwas war und starrte daraufhin das Kind völlig überrascht an.

“Annabella?”

Der Wandelwolf klang verwirrt, aber das Mädchen sah ihm mit einem entschlossenen Ausdruck geradewegs ins Gesicht. Dann jedoch lächelte sie leicht.

“Ich seh doch, dass du frierst, Karm.” Sie klang so entschlossen, wie sie aussah. “Im Moment brauchst du ihn und mein Papa hätte es auch nicht anders gemacht. Der wär stolz drauf, dass du ihn jetzt trägst!”

Sie nickte bekräftigend und Karm, dem wirklich sehr fror, gab schnell nach. Er schenkte Annabella ein sanftes, dankbares Lächeln und zog den Umhang ihres Vaters fester um seine Schultern.

Sein Blick streifte Schnurr, die aufmerksam im Bug des Bootes saß. Die Katze zwinkerte ihm zu und schenkte ihm dann ein Katzengrinsen. Karm schüttelte nur den Kopf.

Er war wirklich froh um den Umhang, der die Temperaturen nun zumindest erträglich machte. Ihm war aber vor allem die Geste klar und die Bedeutung, die Annabella diesem Kleidungsstück sicher gab.
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Das sie ihm den Umhang dennoch überlassen hatte, sagte aus, wie sicher und geborgen sie sich in seiner Gegenwart fühlte. Dem Wandelwolf ging es da aber nicht anders, er fühlte sich sehr wohl in der Gegenwart des Mädchens und auch der Katze. Ein kleines Lächeln schlich sich auf sein Gesicht. Wer hätte das vor noch wenigen Tagen gedacht. Er zog den Umhang noch etwas enger um sich und da nun zwar die Temperaturen zwar erträglich waren, ihm aber immer noch nicht warm war, begann er mit Annabella ein Gespräch und hoffte, dass es ihn ein wenig ablenken würde.



“Sag mal Annabella,” meinte er leise, “du hast ja sehr schnell erkannt, was ich bin. Darf ich dich fragen woher du um die Wandelwölfe weißt?”

Das Kind lächelte ihn an.

“Meine Großma hat mir viel über die verschiedenen Rassen und Wesen erzählt und mein Papa auch.” Sei lächelte leicht, über etwas amüsiert, das nur sie wusste.

“Meine Mama fand das gar nicht so toll, aber mein Papa hat immer gesagt, dass ich diese Dinge wissen sollte. Und ich kann mir wirklich viel merken.”

Sie schenke dem Wandelwolf ein stolzes Lächeln.

“Deine Großmutter,” Karm klang besorgt, “lebte sie etwa auch in Blaustein?”

Annabella schüttelte den Kopf.

“Nein,” antwortete sie, “sie lebte außerhalb, auf einem kleine Hof. Aber vor zwei Jahren ist sie an der Wintergrippe gestorben.” Die Stimme des Kindes wurde leiser und ein wenig traurig.

“Das tut mir leid.” Karm klang mitfühlend, doch das Mädchen lächelte ihn tapfer an.

“Naja,” meinte sie ,” meine Großma war ja Neunzig Jahre auf der Welt, das war ein langes Leben. Ich glaube, das sie nicht böse darüber war, in die andre Welt zu gehen. Sie ist auch einfach eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht.” Das Kind schniefte etwas, lächelte aber tapfer weiter.

Schnurr, die sich gut auf Annabella eingestimmt hatte, erhob ich und umschmeichelte ihr die Knie.

“Das sind,” stellte die Katze sanft fest, “nicht die einzigen Mitglieder deiner Familie, die den Weg zur andren Welt beschritten haben, oder?”

Das Mädchen blickte auf die Katze hinunter und streichelte sanft über deren Rücken.
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“Du hast recht, Schnurr.” Die Stimme des Kindes war seltsam gefasst. “Eigentlich hätte ich noch zwei ältere Schwestern und einen kleinen Bruder gehabt.” Sie blickte auf in Karms Gesicht und blinzelte die Tränen fort. “Meine älteste Schwester kannte ich gar nicht mehr, weil ich noch ein Baby war, als sie an einer Lungenentzündung gestorben ist. Von meiner zweiten Schwester weiß ich auch nicht viel, aber die hat so gerne gesungen, das weiß ich und ich fand das schön.” Annabella runzelte die Stirn. “Ich glaube eine Steinnatter hat sie gebissen, aber ich bin mir nicht sicher. Auf jeden Fall ist sie auch gestorben. Aber am traurigsten hat mich der Tot meines kleinen Bruders gemacht.” Sie sah wieder Schnurr an. “Er war noch ein Baby und viel zu klein. Meine Mama hat viel geweint. Aber dann ist mein kleiner Bruder doch eingeschlafen und nicht mehr wachgeworden. Genau wie ein Jahr danach meine Großma.”

Ein seltsam trauriges Lächeln spielte um Annabellas Lippen und ließ sie älter wirken.

“Ich glaube,” fuhr sie leise fort, “meine Großma war lange genug auf der Welt und mein Bruder noch nicht lange genug. Also war es den beiden leicht in die andre Welt zu gehen.”

Karm schwieg betroffen, aber auch verwundert. Schließlich war das Kind gerade einmal zehn Jahre alt, woher also nahm sie solche tiefgreifenden Weisheiten?

Das Mädchen schniefte noch ein wenig, fing sich dann aber schnell wieder und sah die Katze, sowie den Wolf in menschlicher Gestalt neugierig an. Irgendwie war es schon sehr seltsam für das Mädchen Karm jetzt so zu sehen. Denn sie dachte noch immer als Wolf von ihm und nicht als Mann.

“Und ihr,” fragte sie schließlich Schnurr und Karm, “habt ihr Familien?”

Schnurr lachte leise.

“Ich bin eine Katze, Kind. Als meine Mutter der Ansicht war, dass ich stark, groß und geschickt genug sei um alleine durchs Leben zu kommen, hat sie mich mit Tatzenhieben und Fauchen fortgejagt.” Schnurr klang amüsiert und milderte die hart klingenden Worte mit einem Kichern ab. Sie zwinkerte dem betroffen wirkendem Mädchen freundlich zu und begann es zu erklären.

“Nicht dass du jetzt denkst, das Katzenmütter schlechte Mütter wären.
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Im Gegenteil, sie sind sehr liebevoll, aufmerksam und zärtlich. Sie bringen uns alles bei, was wir wissen müssen, aber dann, wenn wir alt und stark genug sind, müssen sie uns wegjagen. Sonst würden wir nie richtig selbständig werden und uns immer und immer wieder auf unserer Mutter verlassen. Aber wenn sie einmal nicht mehr ist, was täten wir da? Außerdem wird sich die Mutter bald um neue Junge kümmern müssen. “ Schnurr kräuselte die kleine Schnauze zu einem Katzenlächeln. “Es geht dabei nicht einmal darum uns wirklich weit wegzujagen, oft bleiben wir danach noch länger in der selben Gegend wie unserer Mütter. Es geht eigentlich nur darum, dass wir begreifen, dass wir nun auf eigenen Beinen stehen und selbst für uns sorgen müssen.”

Sie blickte das Kind aufmerksam an und hoffte, das sie es so erklären hatte können, so dass es das Mädchen auch verstand. Es steckte nämlich noch viel mehr dahinter, aber das war Katzenwissen, das eigentlich nicht für die Ohren anderer Wesen bestimmt war. Sie war ehrlich froh, als Annabella, nachdem sie über die Worte der Katze nachgedacht hatte, langsam zu nicken begann.

“Ich glaube,” meinte sie schließlich, “ich verstehe es. Dann habt ihr Katzen also gar keine Familien?”

Die Katze grinste kurz.

“Nicht so,” antwortete sie, “wie ihr Menschen. Wenn wir ganz kleine sind, da haben wir Mutter und unsere Geschwister. Unserer Väter lernen wie eigentlich so gut wie nie kennen. Aber sobald wir unserer eigenen Wege beschreiten, verblassen die Familienbindungen zu unserer Mutter und unseren Geschwistern. Das hindert uns aber nicht daran in lockeren Gemeinschaften zu leben, oder uns mit anderen Wesen anzufreunden.”

Schnurr zwinkerte dem Kind verschwörerisch zu, was das Mädchen tatsächlich ein wenig zum kichern brachte. Dann jedoch wandte sie sich Karm zu, der ihr ein breites Grinsen schenkte.

“Ich bin ein Wolf, Süße,” meinte er leise lachend, “ich hab mehr als nur eine Familie. Ich habe ein ganzes Rudel!”

Er lächelte das Kind an und als dieses den Kopf neugierig schräg legte, fuhr er fort.

“Nun, du kannst dir so ein Rudel in etwas wie eine Familie vorstellen, allerdings ein ganzes Stück größer und nicht alle sind verwandt. Unsere Alphatiere kannst du dir als Familienoberhäupter vorstellen.
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Wir alle haben unseren Platz und unsere Aufgabe im Rudel, nur so können wir wirklich überleben.” Er sah das Kind aufmerksam an. “Da gibt es auch natürlich Rauferein und Streit und manchmal müssen wir uns auch einen neuen Platz erkämpfen, aber auch das gehört dazu.” Er lächelte Annabella an, als diese die Stirn runzelte. “Nun Annabella, du hast dich doch sicher auch ab und zu mit deinen Brüdern gestritten und die haben sicher auch untereinander gerauft, oder?” Als das Mädchen langsam nickte, lächelte der Wandelwolf wieder und fuhr fort. “Siehst du, so ähnlich ist es auch manchmal in einem Wolfsrudel. Aber wir passen schon auf, das wir uns einander nicht wirklich weh tun. Aber wenn es keine Spannungen gibt, dann spielen und balgen wir auch miteinander. Wir singen miteinander und in sehr kalten Nächten, liegen wir alle in einem Haufen über- und untereinander zusammengekuschelt.”

Karms Stimme nahm einen seltsamen Ton an, sein Blick verlor sich in der Ferne und auf seinem Gesicht konnte das Kind deutlich Sehnsucht lesen. Der Wolf in menschlicher Gestalt schüttelte den Kopf, sah das Kind an und lächelte das Mädchen dann offen an. Doch in seinen klaren, bernsteingelben Augen saß noch immer ein klein wenig der Sehnsucht, die eben noch auf seinem Gesicht zu sehen war. Anabella lächelte zurück.

“Du vermisst dein Rudel, nicht wahr?”

Karm nickte leicht.

“Ja natürlich,” antwortete er, “genau so, wie du deine Familie vermisst, Annabella.”

Jetzt erwiderte das Kind sein Lächeln und nickte. Karm hingegen legte den Kopf schräg und musterte das Mädchen erneut eingehend.

“Nun,” meinte er plötzlich mit betont munterer Stimme, “du erkennst also einen Wandelwolf und deine Großmutter und dein Vater haben dir erzählt, welche anderen Rassen es gibt. Haben sie dir auch erzählt, wie du diese erkennen kannst?”

Annabellas Augen blitzten auf.

“Natürlich haben sie mir das beigebracht,” antwortete sie, “und noch viel mehr. Soll ich es etwa beweisen?”

Karm antwortete nur mit einem herausforderndem Grinsen, was das Mädchen prompt erwiderte. Während das Kind anfing zu sprechen, streifte sein Blick die Katze Schnurr, die ihm ein beifälliges Schmunzeln schenkte, bevor sie ihre Aufmerksamkeit dem Kind widmete.
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Auch der Wandelwolf konzentrierte sich nun auf Annabella.



“Also,” begann die Kleine, “es gibt insgesamt zehn große Rassen, die nach der großen Verwüstung diese Welt erneut besiedelten und nicht alle davon sind Zweibeinig.” Sie lächelte Karm und die Katze an und fuhr fort. “Zu diesen gehören die Wandelwesen und damit auch die Wandelwölfe, die ja die größte Gruppe an Wandelwesen sind. Man erkennt sie normalerweise daran, das sie etwas größer und kräftiger sind, als andere Tiere der selben Art und ihr Fell oder ihre Federn sind oft etwas anders. Wandelwölfe, hat mein Papa gesagt, sind oft sehr dunkel gefärbt und bei anderen Wandelwesen sollen die Farbe von Fell oder Federn auch oft abweichen. Meine Großmama hat mir erzählt, dass obwohl alle Wandelwesen fähig sind eine menschenähnliche Gestalt anzunehmen, sie ihre Tiergestalt lieber mögen.”

Sie sah Karm ein wenig fragend an und dieser nickte zustimmend.

“Ja,” meinte er, “die meisten Wandelwesen sind dunkler oder sogar anders gefärbt, als damit vergleichbare Tiere und wir fühlen uns in unserer Tiergestalt wohler, als in der menschlichen.”

Das Mädchen runzelte die Stirn und sah den Wandelwolf noch fragender an.

“Warum eigentlich?”

Karm seufzte lautlos und die Katze kicherte leise vor sich hin.

“Nun ja,” meinte er schließlich, “das ist nicht so wirklich leicht zu erklären. Aber im Endeffekt sind wir eben doch Tiere, die eine menschenähnliche Gestalt annehmen können und eben nicht umgekehrt. Annabella, ein Wandelwolf, wird als Wolf geboren und nicht als Mensch und ich denke darum ist uns unsere Tiergestalt viel vertrauter. Ich denke darum fühlen wir uns darin auch viel wohler.”

Er betrachtete das Mädchen aufmerksam, während es über seine Worte nachdachte und dann schließlich langsam nickte.

“Ich glaub das versteh ich.”

Schnurr kicherte noch immer leise vor sich hin. Der Wolf hatte einen guten Mittelweg gefundenem dem Kind seine Frage verständlich zu beantworten. Tatsächlich steckte aber noch viel mehr dahinter, doch jenes würde wohl kein Mensch je wirklich verstehen.
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Neben den sogenannten Tierwesenheiten, die viele auch nur unter dem Namen Tierwesen kannten, waren auch die Wandelwesen Tiere mit einen erweitertem Bewusstsein. Dieses Dasein war schwer zu beschreiben. Solche Wesen vereinten in sich die scharfe Logik und Intelligenz eines hochentwickelten, zweibeinigen Wesens mit der animalischen, intuitiven Klugheit eines Tieres. Dazu kamen dann noch scharfe Sinne, ein ausgeprägter Instinkt und ein perfekt ausbalancierter, starker Körper. Aber wie sollte man so etwas einem gerade einmal zehn Jahre altem Kind erklären? Selbst so ein besonderes und kluges Kind, wie Annabella würde sich wohl schwer tun die tieferen Zusammenhänge zu begreifen.

Karm hatte das ganz gut gelöst, fand sie und schenkte dem Wolf ein anerkennendes Augenzwinkern. Sie bemerkte, das der Wandelwolf wohl noch immer etwas fror und machte sich dann schon etwas Sorgen um ihn. Schließlich würde es ja noch kälter werden. Karm nickte ihr ganz leicht zu und sie wandte ihre Aufmerksamkeit wieder Annabella zu.

“Und,” meinte die Katze ,” was weißt du über die andren Rassen, Annabella?”

Das Kind strahlte Schnurr an und man merkte ihr an, welche Freude es ihr bereitete ihr Wissen zu beweisen. Das Gesicht der Katze verzog sich zu einem kleinen Schmunzeln.



“Nun,” sprach das Mädchen, “außer den Wandelwesen gibt es dann auch noch die Tierwesen, meine Großma hat sie auch Tierwesenheiten genannt.”

Schnurr blinzelte das Kind kurz etwas verblüfft an, erkannte dann aber, dass das Mädchen nicht etwa ihre Gedanken gelesen hatte, sondern in ihrer Aufzählung wohl der Reihenfolge folgte, in der ihr die Namen und Merkmale der verschiedenen Rassen beigebracht worden war. Aber auch das war seltsam, denn normalerweise begannen die entsprechenden Rassen mit denjenigen Rassen, die ihnen selbst am nächsten und ähnlichsten waren. Die Katze zog nachdenklich die Augen zu Schlitzen zusammen. Wer hatte ihr es in dieser, für einen Menschen so seltsamen Reihenfolge beigebracht?

Mit einem kleinen, lautlosen Seufzen verschob sie diese Gedanken auf einen späteren Zeitpunkt und lenkte ihre Aufmerksamkeit auf das Kind zurück. Was jetzt kommen würde, war wichtig und das nicht nur für sie selbst, sonder auch für Annabella.

“Sie sind schwer zu erkennen,” fuhr das Kind derweil fort, “weil sie wohl wie ganz normale Tiere aussehen und sich meisten auch so verhalten.
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Es heißt aber, dass sie klüger sind, als anderer Tiere und auch ein wenig magisch. Meine Großma meinte immer. dass nur ganz bestimmte Leute solche Tierwesen erkennen konnten. Nur solche, sagte sie, die mit dem Herzen hören und mit der Seele sehen können.”

Das Kind blickte die Katze fragend an. Schnurr erwiderte unverwandt diesen Blick. Auf keinen Fall durfte sie jetzt etwas durch eine unbedachte Geste verraten. Das Kind war besonders, vielleicht sogar einzigartig auf dieser Welt, aber manche Dinge durften selbst solchen besonderen Wesen nicht vorgesagt werden. Sie mussten selbst darauf kommen.

Am Rand ihrer Wahrnehmung erkannte sie, dass auch Karm das Mädchen nun intensiv und still musterte. Auch als sich das Kind hilfesuchend zu dem Wandelwolf umwandte änderte sich wenig an seiner Haltung. Annabella blickte verwirrt und auch etwas verunsichert zwischen dem Wolf in menschlicher Gestalt und der Katze hin und her.

“Karm, Schnurr?” Sie klang fruchtbar verwirrt.

Der Wandelwolf lächelte sanft.

“Annabella,” meinte er beruhigend, “auf manche Dinge muss man ganz alleine kommen. Manches muss man ganz alleine erkennen, ohne das es einem jemand vorsagt oder beibringt. Wenn man es nicht selbst erkennt, dann ist manches Wissen vielleicht gar nicht für einen bestimmt. Wenn du eine bestimmte Vermutung jetzt hast, Liebes, dann kannst du sie ruhig sagen. Wir werden dich sicher nicht auslachen.”

Er lächelte immer noch und sah froh, das die Verunsicherung langsam aus dem Gesicht des Kindes verschwand. Tief holte es Luft, schien sich ein Herz zu fassen und sah dann wieder die noch immer schweigende Katze an.

“Schnurr, du bist so ein Tierwesen, nicht wahr?”

Die Katze schenkte ihr ein breites Katzengrinsen, erhob sich und rieb schnurrend ihren Kopf am Knie des Mädchens.

“Ja,” antwortete Schnurr, “ich bin ein sogenanntes Tierwesen. Um genau zu sein eine Katzenwesenheit oder auch Katzenwesen genannt.”

Die Katze blickte hoch in Karms Gesicht, der ihr ein wissendes Augenzwinkern schenkte. Also hatte es der Wolf schon längst erkannt, stellte sie amüsiert fest, und nichts gesagt, dieser Lump. Erneut lenkte sie ihre Aufmerksamkeit zu dem Mädchen zurück, das die Stirn nachdenklich gerunzelt hatte.
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“Ich glaube,” meinte sie plötzlich , “ meine Großma meinte die Herzsprache, als sie mir erzählt hat, das man mit dem Herzen hören können muss um die Tierwesen zu erkenne. Aber was sie mit dem anderen gemeint hat, das weiß ich nicht. Wie kann man denn mit der Seele sehen?”

Sei blickte ratlos zu der Katze hinab, die ihr erneut ein Katzenlächeln schenkte.

“Damit ist der tiefe Blick gemeint, Annabella.” Die Katze klang nun genauso sanft wie Karm zuvor. “Und du hast recht, sie meinte mit dem anderen die Herzsprache.”

“Wer mit dem Herzen hören kann,” erklärte nun auch Karm, “der spricht die Herzsprache. Wer mit der Seele sehen kann, dem ist der tiefe Blick gegeben und du hast beides Annabella. Erinnerst du dich an unsere Begegnung im Keller, bevor du mir da vertraut hast, da hast du etwas besonderes gemacht und danach wusstest du plötzlich, dass du mir trauen kannst.”

Das Kind nickte zaghaft.

“Das ist der tiefe Blick?”

Sie sah den Wandelwolf fragend an und dieser nickte.

“Ja, Annabella, das ist der tiefe Blick und ich glaube, du hast ihn von deiner Großmutter geerbt.”

“Glaubst du wirklich?”

Das Mädchen klang seltsam bewegt. Karm nickte ernst und feierlich.

“Ja, das glaube ich wirklich!”

Der bestimmte Tonfall und das ernste Gesicht des Wandelwolfes zauberten nun das Lächeln auf Annabellas Gesicht zurück. Karm erwiderte es, froh darüber, dass das Kind nach all dem, was ihm widerfahren war, immer noch so offen und ehrlich lächeln konnte. Das sprach sehr für den Charakter des Mädchens und auch führ ihre innere Stärke. Dem Wolf war klar, das sie genau diese innere Stärke auf ihren weiteren Weg sicher noch brauchen würde.



Er überspielte ein neuerliches Erschaudern mit einem breitem Grinsen. Ganz nebenbei wechselte er die Hand, mit er das Ruder umfasst hatte und damit das Boot davon abhielt am Ufer aufzulaufen, oder an den wenigen Felsen, die aus dem Wasser ragten, zu zerschellen.

“Und, “meinte er herausfordernd,” war das schon alles? Was weißt du überdies anderen Rassen, Annabella?”

Das Kind lächelte nun auch breit.
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“Natürlich weiß ich auch wie ich die andren Rassen erkennen kann.”

Sie klang stolz und Karm nickte ihr aufmunternd zu. Es interessierte ihn wirklich, wie viel Annabella von ihrer Familie über die verschiedenen Rassen gelernt hatte. Aber zudem hoffte der Wandelwolf, das es ihn auch von der zunehmenden Kälte ablenken würde. Schnurr betrachtete den Mann besorgt. Ihr war klar, das er fror und er sich nicht wirklich wohl fühlte. Sie sorgte sich und hoffte, das er durchhalten würde, bis sie bei dieser Mühle waren.

Sie blickte Annabella an und nickte dem Kind aufmerksam zu. Diese jedoch sah es nicht, blickte sie doch ihrerseits immer noch Karm an und sah dabei ähnlich besorgt aus, wie gerade noch Schnurr.

“Karm,” meinte das Mädchen scharfsinnig, “dir ist immer noch kalt, oder?”

Der Wandelwolf lächelte sie kläglich an.

“Ist es so offensichtlich?”

Das Kind nickte nur.

“Mach dir keine Sorgen um mich Annabella,” meinte er leise, “ich halte schon durch und morgen um diese Zeit hab ich schon wieder mein Fell und muss dann nicht mehr frieren.” Er zwinkerte dem Mädchen zu. “Allerdings fände ich es toll, wenn wir in den Kellern dieser Mühle eine Möglichkeit finden würden, ein kleines Feuer zu entzünden.”

Annabella lächelte ihn an und legte dann den Kopf schräg.

“Willst du wirklich wissen, was ich noch über die andren Rassen weiß?”

Der Wolf nickte nachdrücklich.

“Es interessiert mich wirklich! Außerdem ist es auch wichtig, denn ich denke wir werden den Vertreten der einen oder anderen Rasse sicher bald begegnen. Ich fühle mich wohler dabei, wenn ich weiß, dass du sie sicher erkennen kannst.”
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Punktestand der Geschichte:   61
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Kommentare zur Story:

  Huhu Petra,

wie schön, dass dir auch dieser Teil gefällt.
Dein Lob freut mich sehr, es ist nämlich gar nicht so leicht aus drei so verschiedenen Blickwinkeln zu schreiben. Aber offenbar bekomm ich das ja hin.
Nun wie ich einen Teil weiter schon sagte, werden meine drei Helden es nach und nach mit allen Rassen zu tun bekommen...;-)

Liebe Grüße an dich  
   Tis-Anariel  -  08.01.12 00:10

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  Mir hat das Kapitel auch sehr gut gefallen. Es ist süß wie die drei so unterschiedlichen Wesen miteinander umgehen. Und wenn die verschiedenen Rassen wichtig sind, ist es gut, dass du sie näher beschreibst.  
   Petra  -  04.01.12 22:27

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  Hallo Doska,
es freut mich, dass dir die drei ans Herz wachsen. Das sollen sie schließlich auch.
Im nächsten Teil werden dann die anderen Rassen beschrieben.
Dieser Teil und der nächste waren recht schwierig zu schreiben, von daher freut es mich natürlich noch mehr, dass es wohl gefällt.

Liebe Grüße  
   Tis-Anariel  -  01.01.12 14:12

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  Und ich will auch noch mehr über die anderen Rassen deiner geheimnisvollen Wesen wissen. Ganz entzückend sind deine drei Freunde. Wachsen mir richtig ans Herz. Aber ob sie sich wohl gegen alle Bösewichte werden behaupten können?  
   doska  -  31.12.11 15:44

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