Three Night Stand - Liebe ist simpel (Kapitel 18)   128

Romane/Serien · Romantisches

Von:    Ina Linger      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 12. November 2011
Bei Webstories eingestellt: 12. November 2011
Anzahl gesehen: 859
Seiten: 13

Diese Story ist Teil einer Reihe.

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   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


18







Morgens nicht in seinem Bett aufzuwachen, war für Nick nichts Besonderes. Er schlief oft bei anderen – meistens bei Liam oder einer seiner Schwestern, wenn diese ihn irgendwie brauchten. Morgens davon aufzuwachen, dass sich ein Zehnjähriger ohne Vorwarnung auf ihn warf und ihm mit seinen spitzen Knochen einige blaue Flecke zufügte, während der Junge ihm, begleitet von Bonnies lautem Gekläffe, ins Ohr schrie, dass sein Vater wieder da war und Frühstück mitgebracht hatte – das war etwas, was nicht allzu oft passierte und von daher ziemlich gewöhnungsbedürftig war.



„Ich hab jetzt eine Cousiiiiiine“, jauchzte Jack und hüpfte dabei vor lauter Freude auf Nicks Bauch auf und ab. Nicks „Au“, „Au“, „Au“ bei jedem Hüpfer ignorierte er einfach und sprang erst von ihm herunter, als sein Stiefvater in der Tür erschien und ihm einen mahnenden Blick zukommen ließ.



„Ich hab’ dir doch gesagt, du sollst Onkel Nick noch schlafen lassen“, brummte Paul und schüttelte verärgert den Kopf. „Ich finde das nicht in Ordnung!“



Bonnie senkte schuldbewusst den Kopf und trollte sich aus dem Zimmer, während Jack seinen Vater nur breit angrinste.

„Aber er muss doch wissen, dass er jetzt endlich Doppel-Onkel ist!“ verteidigte er sein Handeln. „Und ich hab’ eine Cousiiiiiiiiiiiine!“



„Ja, das weiß jetzt wahrscheinlich ganz L.A.“, bemerkte Nick trocken, richtete sich ein wenig auf und streckte sich. „Und? Wie groß und wie schwer?“ wandte er sich an Paul, während die Freude über den neuen Familienzuwachs auch langsam ihn zu erfassen begann.



„2930 Gramm verteilt auf ganze dreiundfünfzig Zentimeter“, lächelte sein Schwager. „Sie kam um vier Uhr dreiundvierzig zur Welt.“



„Ist sie bei dem Namen Sharona geblieben?“ fragte Nick und stand nun endlich auf.



„Nein“, erwiderte Paul sanft. „Sie heißt jetzt Samantha Nicola Jordan, nach – ich zitiere – den einzigen beiden Männern in ihrem Leben, auf die Nat sich immer verlassen konnte.“



Nick wusste nicht, was er dazu sagen sollte. Es kam so überraschend, überfiel ihn so und wühlte ihn innerlich so auf, dass seine Kehle sich sofort verengte und seine Nase zu kribbeln begann.
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Samuel Jordan war der Name ihres Vaters gewesen, der sie alle vor nicht einmal einem Jahr viel zu früh verlassen hatte. Ihre Tochter nach diesem großherzigen, warmen Mann zu benennen war eine der rührendsten Gesten, die Nicks kleine Schwester jemals vollbracht hatte. Und dass Nicks eigener Name in dem zweiten Namen seiner Nichte zu finden war… das war schon fast zu viel für ihn.



„Wenn wir gefrühstückt haben, fahren wir ins Krankenhaus!“ teilte Jack ihm jetzt freudestrahlend mit.



„Am Nachmittag, Jack“, verbesserte ihn sein Vater mit einem milden Lächeln. „Nat muss sich erst einmal ein wenig ausruhen. Die Geburt war ziemlich anstrengend.“



„Und dann darf ich sie auf dem Arm halten“, fuhr der Junge einfach munter fort. „Und gaaanz viel mit ihr Knuddeln!“



„Vielleicht“, warf Paul ein und Jack zog ein wenig verärgert die Brauen zusammen.



„Ganz bestimmt!“ sagte er mit Nachdruck. „Wir essen jetzt Frühstück und dann gehen wir los!“ Er packte Paul an der Hand und zog ihn mit sich aus dem Gästezimmer heraus.



„Am Nachmittag“, verbesserte Paul geduldig und wandte sich auf dem Flur dann noch einmal schnell zu Nick um. „Bitte lass mich nicht zu lange allein mit dem kleinen Monster!“ flehte er halb spaßig, wurde aber dann gnadenlos weitergezogen.



„Monster-Cousin! Wenn dann Monster-Cousin!“ hörte Nick seinen Neffen noch sagen. Er musste lachen. Er liebte den Jungen und es war wirklich ein gutes Gefühl zu wissen, dass es jetzt noch eine kleine Nervensäge mehr in ihrer Familie gab.





Jack hatte bereits damit begonnen einen Teller mit Cornflakes in sich hineinzuschaufeln, als Nick die Küche betrat, während Paul noch am Herd stand und die Pancakes für alle fertig briet. Nick ließ sich auf einen der freien Stühle nieder, vor dem auch schon eine dampfende Tasse Kaffee stand und beobachtete für eine gewisse Zeit amüsiert seinen Neffen. Der Junge strengte sich wirklich an, seine riesige Portion Cornflakes mit Milch – oder waren das eher Cornpops? – möglichst schnell herunterzubekommen.
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Doch so leicht war das nicht und er verschluckte sich ein paar Mal, so dass Paul ihm kurz auf den Rücken klopfen musste.



Nicks eigene Aufregung bezüglich der Geburt seiner Nichte hatte sich deutlich gelegt. Und so war es kein Wunder, dass seine Gedanken, nachdem die ersten Schlucke Kaffee seine Lebensgeister wiedererweckt hatte, zu dem anderen momentan sehr aufwühlenden Thema in seinem Leben abschweiften: Lisa und seine Gefühle für sie – oder aber viel eher die Frage danach, was sie beide jetzt daraus machen sollten – ob sie überhaupt etwas daraus machen sollten…

Sinnvoll war es wohl erst einmal darüber zu sprechen, was sie empfanden und festzustellen, ob der andere wirklich auch dasselbe fühlte. Eigentlich hatte er das gestern Abend machen wollen, nach dem gemeinsamen Essen mit Liam. Ihm hatte ein Strandspaziergang mit Lisa vorgeschwebt. Auch wenn das vielleicht ein wenig zu sehr in die romantische Richtung ging – er fühlte sich dort einfach immer so wohl und entspannt genug, um so ein sensibles und aufregendes Thema überhaupt anschneiden zu können. Doch leider hatte ihm das Schicksal einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht, ihn für den restlichen Tag nicht nur von Lisa getrennt, sondern ihn auch noch gegen seinen Willen zum Nachdenken angeregt. Und niemand konnte Nick so gut verunsichern wie er selbst.



Es gab einfach so vieles, was dagegen sprach, eine Art Beziehung mit Lisa anzufangen, mehr zwischen ihnen zuzulassen als nur Sex. Ganz vorne mit dabei war der Fakt, dass Lisa in absehbarer Zeit wieder zurück nach Deutschland fliegen würde und ganz gleich, was Hannah dazu gesagt hatte, Nick war sich einfach sicher, dass eine Fernbeziehung nicht funktionieren würde. Im Grunde wollte er so etwas auch gar nicht.

Dann war da noch die Tatsache, dass Nick sich erst vor ein paar Monaten von Patty getrennt hatte und er sich fragte, ob seine Gefühle für Lisa nicht stark dadurch beeinflusst wurden, dass seine Ex bald heiraten würde und er es nicht aushielt allein zu sein. Es war durchaus möglich, dass er sich das Gefühl des Verliebtseins einbildete, sich aus Verzweiflung in etwas hineinsteigerte, was gar nicht da war. Und wenn das so war, durfte er Lisa auf gar keinen Fall damit belasten, durfte ihr nicht wehtun, nur weil er selbst so konfus war, was seine Gefühle anging.
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Im Grunde war sein ganzes Leben momentan einfach zu chaotisch und instabil, um eine ernsthaftere Beziehung mit jemandem anzufangen. Er hatte nichts von den Zielen erreicht, die er sich vor ein paar Jahren gesetzt hatte, hatte seine Träume schleifen lassen, um sich den Menschen um sich herum anzupassen, ihnen zu helfen, sie zu unterstützen. Ob das nun sein kranker Vater gewesen war, seine Schwestern, Liam oder auch Patty… Er hatte sich immer angepasst, dafür gesorgt, dass es ihnen gut ging und hatte sich selbst dabei vergessen. Das war ihm gestern Nacht klargeworden, als er im Bett gelegen und nicht schlafen hatte können aus lauter Sorge um Nat. Und ihm war klar geworden, dass das aufhören musste, dass er wieder aktiver für sich selbst eintreten, versuchen musste seine alten Träume wieder aufzugreifen und sich diese zu erfüllen.



Lisa hatte das auch geschafft. Ganz allein und Nick bewunderte sie insgeheim dafür, denn er war sich sicher, dass es auch für sie ganz bestimmt nicht einfach gewesen war. Auch sie hatte eine schmerzhafte Trennung verarbeiten müssen und sich dennoch ihren Traum Bestsellerautorin zu werden erfüllen können, hatte dafür gekämpft und es geschafft, obwohl sie, laut ihrer eigenen Aussage, eigentlich eher ein schüchterner Mensch war, dem es schwer fiel, sich durchzusetzen.

Ein erfolgreicher Autor zu werden, war auch schon immer Nicks Traum gewesen. Als sie noch jung gewesen waren, hatten Nick und Liam sich immer vorgestellt eine eigene Produktionsfirma zu gründen. Nick sollte, als erfolgreicher Bestsellerautor, seine Romane zu Drehbüchern umschreiben und Regie führen und Liam sollte das Casting und – natürlich – die jeweilige Hauptrolle übernehmen.



„Du schreibst mir irgendwann eine Rolle auf den Leib, für die ich meinen ersten Oscar bekomme – das machst du doch, oder Nick?“ hatte Liam immer gesagt und das todernst gemeint. Und was hatte Nick bisher veröffentlicht? Zwei Romane und drei Kurzgeschichten für Kinder und Jugendliche. Die hatten sich zwar gut verkauft und Jack liebte sie, aber es waren keine Werke, mit denen Nick den großen Durchbruch geschafft hatte. Damit hatte er auch nicht gerechnet.



An seinem ersten großen Roman für Erwachsene schrieb er schon seit seiner Studienzeit.
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Eine tragische Geschichte, die im Bürgerkrieg spielte und auf der Lebens- und Liebesgeschichte seiner Ur-Urgroßeltern basierte. Nick hatte sein ganzes Herzblut in diesen Roman gesteckt, ihn immer wieder verbessert, selbst als er schon fertig gewesen war, und sich jahrelang nicht getraut, sein Werk an einen Verlag zu schicken. Seine Angst abgelehnt zu werden war zu groß gewesen – mit Recht, wie er festgestellt hatte, als er es vor ein paar Monaten doch endlich einmal probiert hatte. Das war kurz nach der Trennung von Patty gewesen. Sie hatte ihn immer gezügelt, ihm gesagt, er solle lieber versuchen bei TFP weiter voranzukommen, als sich in die fixe Idee zu verlieben mit seinem Roman Erfolg zu haben. Sie hatte gesagt, dass sie einen richtigen Mann an ihrer Seite brauchen würde und keinen Träumer und war immer der Auffassung gewesen, dass Erfolg nur durch die richtigen Beziehungen zu erlangen war und Nick sich den Weg zu einem erfüllten Leben eigentlich nur durch (in seinen Augen) Arschkriecherei ebnen konnte.



Den Roman an die Verlage zu schicken war eine verspätete Trotzreaktion gewesen und hatte dazu geführt, dass Nick am Ende völlig resigniert war und sich auf diesen dummen Handel mit TFP bezüglich Lisa George eingelassen hatte. Und jetzt war es gerade diese Frau, die ihn wieder Mut schöpfen ließ, die ihm die Kraft gab, darüber nachzudenken, es doch weiter mit seinem Roman zu versuchen, hartnäckig zu bleiben und nicht so schnell aufzugeben. Auch wenn sie während der Arbeit oft deswegen aneinander geraten waren, es war bewundernswert mit welcher Kraft und welchem Kampfgeist dieses zarte Persönchen sich für ihre Romane einsetzte. Wenn sie dieses Auftreten auch weiterhin bezüglich ihrer Hilfsorganisation zeigte, würde sie auch mit dieser ganz weit kommen. Da war sich Nick sicher. Was für ein Gefühl musste es sein, es nachher ganz allein geschafft zu haben, aus eigenem Antrieb, eigener Kraft…



„Na, dann hau rein!“ vernahm Nick auf einmal Pauls Stimme neben sich und zuckte fast zusammen, soweit hatten ihn seine Gedanken davon getragen. Zwei köstlich aussehende Pancakes landeten auf seinem Teller und Jack stöhnte genervt auf.



„Maaann, dann dauert das ja noch länger, bis wir zu Nat fahren können!“ beschwerte er sich und schob seinen Teller frustriert in die Mitte des Tisches, sodass ein Teil der übrig gebliebenen Milch, über den Rand schwappte.
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„Jack!“ mahnte Paul ihn und zog verärgert die Brauen zusammen. „Wir fahren erst am Nachmittag und basta!“



„Aber Mum ist auch schon da!“ jammerte der Junge, verkreuzte bockig die Arme vor der Brust und zog einen Schmollmund.



„Ist sie bald nicht mehr“, erwiderte Paul. „Sie wollte zwischendurch herkommen und ein paar Stunden schlafen, bevor wir gemeinsam hinfahren!“



„Oh, nö!!“ Jack war jetzt fast den Tränen nahe und schlug mit der Faust auf den Tisch, sodass sowohl Paul als auch Nick sofort ein weiteres mahnendes „Jack!“ ausstießen. Der Junge sprang daraufhin auf und rannte aus dem Raum. Paul stieß ein tiefes Seufzen aus und den Kopf schüttelte.



„Soll ich mit ihm reden?“ fragte Nick vorsichtig. Er wusste, dass Paul seinen Stiefsohn wirklich liebte, doch er war manchmal immer noch ein wenig verunsichert im Umgang mit ihm – vor allem wenn es Konflikte gab. Meist ließ er ihm viel zu viel durchgehen. Und da Nick eine ganze Zeit lang so etwas wie ein Vaterersatz für Jack gewesen war und einen sehr guten Zugang zu seinem Neffen hatte, wandte sich Paul oft an ihn, wenn es Probleme gab.



Auch dieses Mal schenkte sein Schwager ihm ein erleichtertes Lächeln. „Würdest du? Aber iss erst mal auf. Der junge Mann kann auch für eine Weile auf seinem Zimmer schmollen.“





Nick brauchte nicht lange um seinen Teller zu leeren. Paul war ein ähnlich guter Koch wie Hannah und die Pancakes schmeckten hervorragend. Und er war eine angenehme Gesellschaft, erzählte Nick noch mehr von der Geburt, von seiner Geschäftsreise und schließlich auch von seinen Plänen für die nahe Zukunft. Er war ein wirklich netter Kerl und Nick stellte, wie viele Male zuvor fest, dass Hannah mit ihm ein wirkliches Schnäppchen gemacht hatte. Der Mann war erfolgreich, verdiente ziemlich gut, war kinder-und tierlieb und er liebte seine Frau und Jack abgöttisch und würde wirklich alles für das Glück seiner kleinen Familie tun. Aber was wohl am wichtigsten war, war die Tatsache, dass Hannah und er sich einfach wundervoll verstanden, miteinander harmonierten, wie kaum ein anderes Paar, das Nick kannte.
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Hannah hatte einmal gesagt, dass sie in Paul nicht nur einen fantastischen Ehemann sondern auch ihren besten Freund gefunden hatte. Und ganz tief in seinem Inneren, beneidete Nick sie darum. In keiner seiner bisherigen Beziehungen hatte er jemals dasselbe gefühlt wie seine Schwester. Dabei wünschte er es sich so sehr… Ups! Warum dachte er jetzt sofort an Lisa? Und warum erschreckte ihn das so?



„Wir dachten an Hawaii“, führte Paul gerade seine Ideen für den nächsten Familienurlaub aus. „Und wenn du Lust hast, kannst du gern mitkommen…“ Er stutzte, weil aus dem Flur plötzlich Musik zu hören war. „Ist das dein Handy?“



„Oh, ja!“ Nick sprang sofort auf und eilte in den Flur zu seiner Jacke, um das Handy mit viel zu hektisch klopfendem Herzen aus der Innentasche zu holen. ‚Unbekannte Rufnummer‘ klärte ihn das Display über seinen Irrtum Lisa würde anrufen auf. Er runzelte die Stirn und meldete sich mit einem knappen „Ja“.



„Ja, hallo hier ist Anna DeMunier vom Hohmeister Verlag“, stellte sich eine helle Frauenstimme vor. „Spreche ich mit Nicolas Jordan?“



Nick blinzelte verwirrt, brachte aber dennoch ein weiteres, dieses Mal aber sehr zögerliches „Ja…“ heraus.



„Wunderbar!“ freute sich die Dame am anderen Ende der Leitung. „Ich bin die Lektorin von Lisa George. Lisa hat mir von Ihrem Roman erzählt und war so begeistert davon, dass ich mir dachte, ich rufe Sie jetzt einfach mal persönlich an, um Sie darum zu bitten, mir das Manuskript zuzuschicken.“



„Wie… Lisa hat Ihnen von meinem Roman erzählt?“ hakte Nick ungläubig nach und fühlte, wie sich sofort seine Gedärme verknoteten.



„Ja und sie hat mich furchtbar neugierig gemacht“, sprudelte es weiter aus Frau DeMunier heraus. „Ein tragischer Liebesroman, der zur Zeit des Bürgerkrieges in Amerika spielt und autobiografische Ursprünge hat – ich muss das einfach lesen. Und wenn es so gut ist, wie Lisa gesagt hat – und sie hat wirklich einen ausgezeichneten Geschmack – dann bin ich mir sicher, dass wir und unser Partner-Verlag in den USA das Buch drucken werden.“



„Es… es ist kein reiner Liebesroman.
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Es…“ Nick brach ab, versuchte gegen die Wut und den Ärger in seinem Inneren anzukämpfen, einfach das Positive an der ganzen Geschichte zu sehen. Doch es war so furchtbar schwer. Er hasste es so, wenn sich jemand anderes ohne zu fragen in seine Angelegenheiten einmischte – gerade weil ihm das schon viel zu oft passiert war. „Woher haben Sie überhaupt meine Nummer?“ hakte er viel zu brummig nach.



„Oh, ihr Freund Liam hat mich gestern angerufen – bei ihnen drüben muss das mitten in der Nacht gewesen sein – hat mir noch ein paar Dinge über den Roman erzählt und mir dann ihre Nummer durchgegeben“, erklärte Anna rasch. „Er meinte, Sie würden sich darüber freuen, wenn ich sie anrufen würde.“



Liam. Natürlich. Nur er und Lisa im Doppelpack konnten so etwas fabrizieren. Nick war sich sicher, dass sie es nur gut gemeint hatten, das änderte aber nichts daran, dass sie ihn mit ihrem Handeln bevormundet und hintergangen hatten.



„Lag er da falsch?“ fragte Anna nun etwas verunsichert nach.



Nick versuchte ruhig zu atmen, seine Wut nicht zu ihr durchdringen zu lassen und sie damit zu verärgern, denn sein Unterbewusstes sagte ihm, dass das tatsächlich eine Chance für ihn sein konnte, doch noch als Autor von richtigen Romanen bekannt zu werden.

„Nein… ich…“ ‚Ganz ruhig Nick und hör auf die Zähne aufeinander zu beißen. So versteht sie dich bestimmt nicht.‘ „Das kommt nur so überraschend.“



„Aber es ist doch sicherlich eine schöne Überraschung“, erwiderte Anna fröhlich.



„Natürlich“, gab Nick mit einem gekünstelten Lächeln zurück, obwohl sie das noch nicht einmal sehen konnte.



„Kann ich dann damit rechnen, dass Sie mir Ihr Manuskript so bald wie möglich zusenden?“



Noch ein tiefer Atemzug. Das half. „Das können Sie.“ Ging doch leichter als gedacht…



„Schön. Dann freue ich mich schon auf eine grandiose Lektüre. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag Mr. Jordan.“



„Ich Ihnen auch“, konnte Nick noch loswerden, dann brach die Verbindung ab. Nick schloss die Augen und zählte innerlich bis zehn, um das Gefühls-Tohuwabohu in seinem Inneren wieder in den Griff zu bekommen – vor allen Dingen diese Wut und Enttäuschung, die in ihm schwelte und es ihm so gut, wie unmöglich machten, das Positive an der ganzen Sache zu sehen.
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Doch es half nicht, denn irgendwie hatte er auf einmal das Gefühl, nicht mehr richtig Luft zu bekommen, fühlte sich so beengt und eingesperrt. Er musste raus, an die frische Luft. Sofort! Er setzte sich in Bewegung und stürmte durch das Wohnzimmer zur Terrassentür.



„Alles in Ordnung, Nick?“ hörte er Paul fragen, der stirnrunzelnd aus der Küche gekommen war.



„Ja, ja – ich muss nur kurz raus“, gab er zurück, riss die Tür auf, trat auf die Terrasse und sog tief die frische, klare Luft in seine Lunge. Er wiederholte die Prozedur ein paar Mal, bis der Druck in seiner Brust wenigstens etwas nachgelassen hatte, und sein Blutdruck ein wenig gesunken war.

Er würde Liam umbringen. Und Lisa… Sie hatte hier eine Grenze überschritten, obwohl er sie schon einmal zurechtgewiesen hatte; obwohl sie mittlerweile wissen musste, wie sensibel er in Bezug auf seinen Roman war. Wie hatte sie das tun können? Gerade sie, die mit ihren eigenen Romanen so sensibel war; sie, die wissen musste, wie verwundbar man mit seinem Romanerstling war. Machte er tatsächlich nach außen hin einen so hilflosen Eindruck, dass alle Welt glaubte, ihm helfend unter die Arme greifen und ihn bevormunden zu müssen. Wann hatte das angefangen? Lisa war doch selbst ein Mensch, der gern auf eigenen Füßen stand, sich nicht von anderen abhängig machen und Entscheidungen selber treffen wollte. Wie hatte sie ihm das antun können? Wie hatte sie hinter seinem Rücken über sein Buch und damit auch über seine Zukunft als Autor entscheiden können? Und das, obwohl sie noch nicht einmal richtig zusammen waren! Wie sollte das erst werden, wenn er sie wirklich nahe an sich heranließ?



Nick zuckte beinahe zusammen, als das Handy in seiner Hand wieder zu klingeln begann. ‚Jasper-Ratte‘ kündigte ihm sein Display an und er schloss kurz resignierte die Augen und stöhnte tief auf. Auch das noch! Eine weitere Sache, an die er überhaupt nicht mehr gedacht hatte und sich mehr als problematisch auf seine zukünftige Beziehung mit Lisa auswirken konnte.
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„Ja“, knurrte Nick missgestimmt ins Telefon, als er sich endlich dazu durchringen hatte könne, den Anruf anzunehmen.



„Oooh, da hat ja jemand ganz wundervolle Laune“, hörte er Jasper grinsen. „Hat die Klatschpresse dir mal wieder schon am Morgen den Tag verdorben?“



Nick runzelte die Stirn, kam aber nicht mehr dazu, weiter über diese Worte nachzudenken oder gar nachzuhaken, was er damit meinte, denn Jasper fuhr sogleich fort: „Deswegen rufe ich aber natürlich nicht an. Meggie und ein Anthony haben nachgefragt, wie es mit unserem Ersatz-Drehbuch läuft und ich habe natürlich behauptet, dass wir schon ganz wundervoll daran arbeiten, um unser beider Hals zu retten.“



Nicks Magen machte eine turbulente Umdrehung. Warum nur hatte er sich damals auf diesen miesen Handel eingelassen?



„Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass wir uns so schnell wie möglich zusammensetzen müssen, um die zweite Version des Drehbuchs noch fertig zu bekommen“, sprudelten die nächsten unangenehmen Worte aus Jasper heraus. „Am besten noch heute, denn die haben mitbekommen, dass Lisa gestern von dem Film ganz begeistert war und wollen ihre Euphorie nun zu ihren Gunsten nutzen. So wie ich Meggie verstanden habe, sollen die Verträge noch möglichst diese Woche unterschrieben werden. Das begrenzt unseren zeitlichen Rahmen erheblich. Ich weiß, dass wir beide nicht immer die besten Freunde waren und du irgendwie einen Narren an Lisa gefressen hast, aber eigentlich arbeitest du ja immer noch für TFP und sie scheint ja nun auch eher an Liam interessiert zu sein…“



„Das ist doch nur die Klatschpresse!“ entfuhr es Nick viel zu ungehalten, obwohl er gar nicht wusste, auf was Jasper da die ganze Zeit anspielte. Warum musste er immer nur so emotional reagieren, wenn es um Lisa ging?



„Naja, händchenhaltend und kuschelnd am Strand – das sagt schon ziemlich viel aus“, meinte Jasper nun und Nicks Magen machte eine weitere unangenehme Umdrehung.



„Was?“ fragte er viel zu scharf nach.



„Du musst mal auf Hot News gehen, dann siehst du unsere beiden Turteltäubchen in mehreren Kameraeinstellungen, wie sie einander in den Armen halten.
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Und wer kann es Lisa verdenken? Liam ist ein Superstar und du nur ein Drehbuchautor, Nick. Die stehen nur gut da, wenn sie mal einen Oskar gewinnen…“



Nick biss fest die Zähne aufeinander und schloss die Augen, versuchte das Ziehen und die wachsende Hitze in seiner Brust zu ignorieren. Er würde später nicht auf diese verfluchte Seite gehen und sich die Bilder ansehen. Das war nur die Klatschpresse… nur die Klatschpresse… Liam tat ihm das nicht an. Und Lisa war nicht in Liam verliebt. Das wusste er einfach. Sie würden ihn nicht hintergehen… So etwas tat sie nicht – außer vielleicht bezüglich seines Romans. Aber das war ja etwas völlig anderes und nur gut gemeint gewesen…



„Deswegen sollten wir auch zusammenhalten, Nick“, redete Jasper weiter auf ihn ein, sich nicht bewusst, wie aufgebracht, wie wütend Nick mittlerweile war. „Riskier nicht deinen Job für ein Mädchen, auf das du dich nicht verlassen kannst und das ohnehin bald wieder weg ist. Du weißt doch, dass…“



„Okay“, unterbrach Nick ihn unwirsch, einfach nur um ihm nicht noch weiter zuhören zu müssen, sich nicht noch weiter aufwühlen und gegen seine Freunde aufwiegeln zu lassen. „Sag mir wo und wann.“



Jasper war für einen Augenblick still. Er hatte wohl nicht damit gerechnet, dass Nick so schnell einwilligte, sich mit ihm zusammenzusetzen. Nick war ja selbst überrascht.



Jasper räusperte sich kurz. „Gut. Also, dann würde ich sagen so um zwei im Studio?“



„Ich werde da sein“, erwiderte Nick knapp und legte dann einfach auf. Er hatte nicht mehr den Nerv noch weitere Worte mit Jasper zu wechseln. Seine ganzen Innereien hatten sich zu einem einzigen harten Klumpen verknotet, während in ihm sein schlechtes Gewissen Lisa gegenüber mit seiner eigenen Enttäuschung und Wut über ihr eigenmächtiges Handeln und die neuerlichen Schlagzeilen um sie und Liam um die Dominanz fochten. Natürlich hinterging und betrog er sie, wenn er jetzt ein weiteres Mal an dem mit ihr umgeschriebenen Drehbuch arbeitete, es nach den Wünschen von TFP veränderte. Aber das war von Anfang an der Plan gewesen und damit sein Job – den er verlieren würde, wenn er es nicht tat. Und hatte Lisa ihn nicht soeben auch betrogen und hintergangen – vielleicht sogar schon zweimal?



‚Das ist nicht fair, Nick‘, sagte ihm eine kleine Stimme in seinem Kopf.
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‚Das, was du tun wirst, ist viel schlimmer und unverzeihlicher. Das ist wahrer Betrug und du bist voll involviert. Du wirst ihr das Herz brechen damit.‘



Wieder zog sich Nicks Magen zusammen, schmerzhaft und sein schlechtes Gewissen begann alle anderen Gefühle in seinem Inneren zu übertönen.



„Nick?“ Die Stimme Pauls an der Terrassentür ließ ihn zusammenzucken und sich sofort zu ihm umdrehen. Sein Schwager sah besorgt aus. „Ist wirklich alles in Ordnung?“



Nick atmete tief ein und aus, kniff dann die Lippen zusammen und nickte. Keine besonders überzeugende Vorstellung und natürlich kam Paul jetzt auf ihn zu, musterte ihn mit einem ähnlich nachdenklichen, sorgenvollen Blick, wie er sonst nur Hannah zu eigen war. „So siehst du aber nicht aus.“



Nick senkte den Blick, betrachtete Pauls große Füße, die in einem Paar Badelatschen steckten. „Nur ein bisschen Stress im Job“, murmelte er.



„Ja?“ Der Zweifel war überdeutlich aus Pauls Stimme herauszuhören. „Dann geht es nicht um die hübsche Autorin, mit der du in den letzten Wochen zusammengearbeitet hast?“



Nicks Blick flog wieder zu ihm hoch und er zog sofort etwas verärgert die Brauen zusammen. Warum konnte Hannah nie die Klappe halten?!



„Ich weiß, es ist nicht die schlauste Idee sich auch noch in die ganze Sache einzumischen“, fuhr Paul vorsichtig fort. „Aber du kennst ja Hannah – manche Sachen kann sie einfach nicht für sich behalten…“



Nick gab einen missbilligenden Laut von sich und wich dem Blick seines Schwagers erneut aus, betrachtete stattdessen ausgiebig die Bäume und Büsche im Garten.



„Glaub mir, ich kann gut verstehen, dass du momentan ziemlich verwirrt bist und nicht immer die Zeit hast, lange darüber nachzudenken, was du tust“, fuhr Paul leise fort. „Aber soweit ich das verstanden habe, verstehst du dich mit dem Mädchen normalerweise außerordentlich gut und ihr habt euch immer nur gestritten, wenn ihr nicht über das gesprochen habt, was in euch vorgeht, wenn es Missverständnisse zwischen euch gab.
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Ich weiß zwar nicht genau, was sie getan hat, oder ob sie überhaupt etwas getan hat, aber ich denke, dass ihr erst einmal darüber reden solltet, bevor du etwas tust, was du später zutiefst bereuen könntest.“



Nick biss fest die Zähne zusammen und vermied einfach weiterhin den Blickkontakt mit Paul. Natürlich hatte er Recht, aber er kannte ja nicht die ganze Wahrheit. Die kannte noch nicht einmal Hannah. Er hatte nicht gewollt, dass auch nur irgendjemand wusste, auf was für einen Handel er sich da mit TFP eingelassen hatte. Und er konnte auf keinen Fall mit Lisa darüber reden, nicht nur weil er sie dann sofort verlor, sondern auch, weil sie dann den Deal mit TFP platzen lassen und er selbst von der Firma verklagt werden würde. Aus der Sache kam er einfach nicht mehr heraus. Wie hatte er das nur so verdrängen können? Gefühle… seine Gefühle für Lisa waren an allem Schuld…



Er hörte, wie Paul noch einmal tief Luft holte. „Manche Frauen sind es einfach Wert, dass man unangenehme Situation durchsteht, dass man um sie kämpft“, sagte er leise. „Manchmal auch gegen sich selbst.“



„Ja“, gab Nick viel zu schnell und viel zu scharf zurück. „Nur geht es hier nicht um Frauen, sondern tatsächlich um meinen Job. Und ich muss jetzt auch los.“



Er schob sich einfach an Paul vorbei und schlüpfte durch die Terrassentür. Nur weg hier! Er konnte jetzt nicht mehr hier bleiben, brauchte einen stillen Ort, um nachzudenken, sich zu überlegen, ob es überhaupt noch einen Weg für ihn gab, aus dem ganzen Schlamassel herauszukommen; einen Weg, der es ihm möglich machte, Lisa nicht so sehr weh zu tun, sie nicht zu verlieren und dennoch sich selbst nicht in Schwierigkeiten zu bringen. Doch irgendwie hatte er das dumpfe Gefühl, dass es sehr schwierig werden würde, diesen Weg zu finden…
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Kommentare zur Story:

  Leider hat Lisa doppeltes Pech. Die Sorge um sein Erstlingswerk kann man bei Nick ja noch verstehen aber er wird doch hoffentlich nichts auf Zeitungsberichte und Fotos geben?  
   doska  -  16.11.11 17:20

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  Wieder ein hochspannendes Kapitel von Euch. Da ist mal wieder dieser Jasper ins Spiel gekommen, dem der Neid förmlich ins Gesicht geschrieben stand.
Liam hatte zwar Nick den Weg für ein eventuelles Erscheinen seines Romans geebnet - freuen konnte er sich aber darüber wirklich nicht, weil die Zukunft mit Lisa noch zu sehr in den Sternen steht.
Das unverhoffte Angebot dieses Verlages hat Nick so richtig entzweit und zudem noch das Gefühlschaos in ihm derart in Wallung gebracht, dass er sich fragt:
"Wie komme ich endlich wieder raus, aus dieser Misere!"
LG. Michael  
   Michael Brushwood  -  14.11.11 18:22

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