Three Night Stand - Liebe ist simpel (Kapitel 16)   127

Romane/Serien · Romantisches

Von:    Ina Linger      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 12. November 2011
Bei Webstories eingestellt: 12. November 2011
Anzahl gesehen: 767
Seiten: 17

Diese Story ist Teil einer Reihe.

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   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


16







Es war schon erstaunlich, was alles innerhalb von wenigen Sekunden passieren konnte. Nette Frauen konnten sich in männermordende Vamps verwandeln, beste Freunde in dreckige Verräter und sonst recht ausgeglichene, verständnisvolle Personen in tickende Zeitbomben. Das alles hatte Nick schon am gestrigen Abend erahnt, als er nach einem verbalen Ausrutscher gegenüber Liam dessen ‚tolle‘ Party missgestimmt, viel zu früh und natürlich ohne Begleitung verlassen hatte, und hatte er nun schwarz auf weiß – oder besser gesagt bunt auf weißem Hintergrund – in Form einer Schlagzeile in den Internet-News vor sich.

‚Hat Liam Chandler eine Neue?‘ stand da in leuchtend roter Farbe und kleiner und schwarz darunter: ‚Wer ist die schöne Blondine, die am frühen Morgen seine Villa in Pasadena verließ?‘. Nick konnte diese Frage nach nur einem flüchtigen Blick auf das Foto unter der Schlagzeile (Es zeigte eine blonde Frau, die vor Liams Haus eiligst in ein Taxi stieg) ziemlich gut beantworten. Es war Lisa George, Bestsellerautorin aus Deutschland und es war erstaunlich schmerzhaft für ihn dies zu erkennen.



Nein, eigentlich war es nicht erstaunlich, schließlich handelte es sich hier um seinen besten Freund, der ganz genau wusste, dass zwischen Nick und ihr mehr war als nur Freundschaft. Es war ganz natürlich, dass Nick sich betrogen und verraten fühlte und (neben der kochenden Wut in seinem Inneren) zutiefst enttäuscht war, war es doch eines der ungeschriebenen Gesetze innerhalb ihrer langjährigen Freundschaft, dass keiner von ihnen die Frauen anrührte, mit denen der andere etwas hatte – ganz gleich ob es nur etwas Sexuelles oder eine ernsthafte Beziehung war. Dasselbe galt auch für alle Ex-Beziehungen und obwohl Liam ein ziemlicher Womanizer war, hatte er nie Probleme damit gehabt, sich an diese Regelung zwischen ihnen zu halten. Bis zu diesem Tag, diesem Moment – oder besser bis zur gestrigen Nacht, denn dann musste es ja geschehen sein… was auch immer…

Nick biss fest die Zähne zusammen, versuchte die rasende Wut, die ihm das Denken so erschwerte, wieder in den Griff zu bekommen und seinen Verstand einzuschalten. Das war nur die Klatschpresse und der durfte man eigentlich nie glauben. Als was war er schon alles in Bezug auf Liam betitelt worden: Bodyguard, Bruder, schwuler Freund, schlimmster Stalker… Er konnte ganze Seiten mit den Gerüchten füllen, die die Klatschpresse bereits über ihn und Liam verbreitet hatte.
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Und doch… Lisa war definitiv am Morgen mit ihrem Cocktailkleid und zerzausten Haaren aus Liams Haus gekommen. Das bewies das etwas unscharfe Foto. Sie hatte dort geschlafen und niemand wusste, was in der Nacht zwischen ihr und Nicks bestem Freund vorgefallen war – außer sie selbst und Liam natürlich. Er konnte Liam anrufen und ihn direkt fragen. Es würde ihm momentan allerdings schwerfallen ihn nicht sofort wüst zu beschimpfen oder gar zuzuschlagen und vorschnell die Freundschaft zu ihm zu beenden…



„Das hätte ich dem Mädchen gar nicht zugetraut“, wurde Nick von Jaspers heller Stimme daran erinnert, dass er nicht allein war und gar nicht sein eigenes Smartphone in den Händen hielt. Sein spezieller ‚Freund‘ war ihm breit grinsend entgegengekommen, als Nick das Studio betreten hatte und hatte ihm sofort unter die Nase gerieben, dass ihre gemeinsame Freundin Lisa wohl beschlossen hatte, hier in L.A. so richtig die Sau rauszulassen. Und dann hatte er ihm diese verfluchte Schlagzeile auf seinem Handy gezeigt.



„Ich meine, sie wirkt sonst eigentlich nicht so“, fuhr Jasper fort und sein dämliches Grinsen fraß jetzt schon fast seine Ohren. „Außer vielleicht bei der Vernissage, wo sie dich fast vor Publikum flachgelegt hat... Ist wohl ‘ne kleine Nymphomanin, wie man so hört.“



„Jasper“, stieß Nick drohend zwischen den Zähnen hervor und packte den Drehbuchautor am Kragen, ohne groß darüber nachzudenken, und zog ihn dicht an sich heran. Gott, tat das gut! „Wenn du auch nur irgendeine Bemerkung in der Richtung machst, wenn sie hier auftaucht, sorge ich dafür, dass alle Welt erfährt, dass du nur bei TFP eingestellt wurdest, weil du dich einigen mächtigen Menschen in der Filmbranche für diverse Zusatzleistungen angeboten hast.“



Jasper schnappte nach Luft. „Aber das ist eine unverfrorene Lüge!“



„Das weiß aber niemand“, knurrte Nick bedrohlich. Wäre er ein Raubtier, hätte er sogar die Zähne gefletscht. „Und du weißt – manche Gerüchte halten sich hartnäckig, wenn man sie nur immer wieder ordentlich schürt.
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Jasper presste die Lippen zusammen und als er schließlich nickte, ließ Nick ihn wieder los. Irgendwie fühlte er sich ein wenig besser, auch wenn er immer noch nicht wusste, wie er mit der Schlagzeile über Lisa und Liam umgehen, geschweige denn sich persönlich ihnen gegenüber verhalten sollte, wenn sie gleich hier auftauchten.



Jasper rückte sein beiges Sakko wieder gerade und warf Nick dann einen unsicheren Blick zu. „Ich… gehe dann mal schon in den Vorführraum“, sagte er und machte sich dann sofort auf den Weg, so als habe er Angst Nick könne ihn sonst noch einmal packen und bedrohen oder gar Schlimmeres mit ihm tun. Doch Nick war schon längst wieder in seine Gedanken vertieft. Ihm fiel wieder ein, was Karen ihm am gestrigen Abend gesagt hatte, als sie ihn vor Liams Haus abgefangen hatte – kurz nachdem er seinen besten Freund tief beleidigt hatte. Und das passte so gar nicht mit dieser neuen Schlagzeile zusammen…



(Rückblick)

*„Nick!“ Die Stimme war ihm nicht wirklich vertraut und deswegen reagierte Nick auch nicht sofort auf sie. Er hatte jetzt nicht den Nerv mit irgendeiner flüchtigen Bekanntschaft belanglosen Smalltalk zu führen. Nicht nachdem der Abend so beschissen für ihn gelaufen war und er sich gegenüber Lisa und Liam kindischer verhalten hatte, als ein Dreizehnjähriger, der zum ersten Mal verliebt war und mit seinen eigenen Gefühlen nicht klarkam. Er hasste sich selbst und die ganze Welt um sich herum, eingeschlossen der aufdringlichen Person, die ihm hinterherlief und nun schon zum wiederholen Mal seinen Namen rief.

„Nun warte doch mal!“



Nick stieß ein entnervtes Seufzen aus, blieb nun doch stehen und wandte sich langsam um. Er war überrascht Lisas Freundin Karen auf sich zukommen zu sehen und runzelte sofort misstrauisch die Stirn. War sie gekommen, um ihm noch einmal klarzumachen, wie unreif er sich verhielt? Oder gar um ihm stellvertretend für Lisa eine Szene zu machen? Er wusste aus Erfahrung, dass so etwas durchaus passieren konnte. Doch Karen sah nicht wütend aus. Sie lächelte ihn sogar an, als sie etwas atemlos vor ihm stehen blieb.



„Ich weiß, dass mich das alles eigentlich nichts angeht und es schlauer ist, sich aus solchen Sachen herauszuhalten“, begann die junge Anwältin ohne große Vorreden.
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„Aber ich muss jetzt doch noch ein paar Worte loswerden, bevor du verschwindest und alles zu spät ist. Ich habe Lisa sehr gern und werde das Gefühl nicht los, dass hier ein paar Dinge total schief gehen, die nicht schief gehen sollten. Und deswegen... deswegen muss ich dich jetzt etwas fragen...“ Sie holte tief Luft. „Warum zur Hölle könnt ihr beide euch nicht eingestehen, dass ihr euch ineinander verknallt habt und die Zeit, die Lisa noch hier in den Staaten ist, miteinander genießen?“



Karens Worte ließen Nick fast ertappt zusammenzucken, doch er überspielte das schnell mit einem affektierten Lachen und schüttelte den Kopf. „Wer hat dir denn das erzählt?“



Sie grinste ihn breit an. „Du. Nicht mit Worten, aber mit deinen Augen, deiner Körperhaltung, deiner Gestik und Mimik, wenn du mit Lisa redest. Und versuch mir jetzt nicht zu erzählen, dass ich mich irre. Ich bin Anwältin und ein Grund, warum ich so erfolgreich bin, ist, dass ich andere Personen wahnsinnig gut lesen kann, während sie mir die größten Lügen auftischen. Ich durchschaue die Menschen, Nick. Nur wenige können mich täuschen und du und Lisa, ihr gehört bestimmt nicht dazu.“



„Also…“ Nick lachte wieder, doch es klang zu seinem Ärger furchtbar verunsichert. „Ich…“ Na, wunderbar – jetzt fehlten ihm auch noch die Worte. Er zuckte die Schultern – nicht cool, wie geplant, sondern eher hilflos.



„Ich glaube, Lisa hat Recht“, sagte Karen nun und ihr Grinsen wurde zu einem warmen, ihm sehr wohlgesonnenen Lächeln. „Du bist wirklich ein netter Kerl – und, glaube mir, das meine ich in einem sehr positiven Sinne. Die sind nämlich eine Rarität in dieser Welt. Und nicht nur das – ich glaube auch, dass ihr wirklich toll zusammenpasst. Auch wenn ich dich noch nicht so wirklich kenne. Wenn man euch zusammen sieht, fühlt man das einfach. Sonst wäre ich dir auch bestimmt nicht hinterhergelaufen. So was mache ich nämlich normalerweise nicht. Schon gar nicht in diesen Schuhen.“ Sie hob einen ihrer Füße und auf einmal verstand Nick, warum die junge Frau mit ihm beinahe auf Augenhöhe war – und das obwohl er schon zu den größeren Männern gehörte.
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Das waren keine Absätze mehr, das waren Waffen.



„Also“, fuhr sie fort, „ums kurz zu machen: Ganz gleich, was Lisa dir gerade erzählt hat – ich bin mir sicher, dass es etwas sehr Dummes war und dich gewiss verletzt hat – es war eine Lüge. Sie mag dich wirklich sehr. Sie kann es dir nur nicht sagen, weil sie furchtbare Angst hat. Nicht nur davor, wie du darauf reagieren könntest, sondern auch davor, ihre eigenen Gefühle zuzulassen und am Ende so verwirrt und emotional instabil auf andere zu wirken, dass sie von niemanden mehr ernstgenommen wird – insbesondere von ihren Verhandlungspartnern bei TFP. Dass ihre Strategie der Verleugnung ihrer eigenen Gefühle und des Wegstoßens deiner Person sie erst recht in diesen Zustand der Unzurechnungsfähigkeit treiben wird, ist ihr momentan noch nicht so wirklich klar. Nur aus diesem Grund habe ich beschlossen hier zu intervenieren und dich anzusprechen, obwohl sie mich dafür wahrscheinlich später umbringen wird. Ich hoffe, dass du vielleicht ein wenig zugänglicher und vernünftiger auf meine Worte reagieren und dir meine inständige Bitte zu Herzen nehmen wirst.“ Karen hob fragend die Brauen und brachte Nick doch tatsächlich dazu zu nicken, obwohl sein Stolz ihm das eigentlich nicht erlauben wollte.



„Sehr schön“, strahlte sie ihn an und holte noch einmal Luft. „Also – ich habe Verständnis dafür, dass du heute keine Lust mehr hast, dich mit meiner lieben, unvernünftigen Freundin auseinanderzusetzen und du hast auch jedes Recht darauf, ein wenig wütend auf sie zu sein und zu schmollen. Ich weiß, richtige Kerle schmollen nicht, aber wir beide wissen doch, dass das nicht stimmt. Morgen jedoch solltest du dich wieder an meine Worte erinnern und mit dem beschwingenden Gefühl aufwachen, dass Lisa eigentlich total in dich verknallt ist und du nur einen winzigen Schritt auf sie zumachen musst, um ihre Pappmaschee-Mauer zu durchbrechen und die restlichen Wochen in gemeinsamer Glückseligkeit zu verbringen. Klar, wird es weh tun, wenn sie dann irgendwann zurück nach Deutschland fliegen muss – und wir alle wissen auch, dass Fernbeziehungen nicht funktionieren – aber ich denke, die restlichen Wochen in Harmonie und Glück miteinander zu verbringen, ist besser als sich durch eine Zeit der unterdrückten Gefühle und durch sexuelle Spannung provozierten Streitereien zu quälen.
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Das wäre weder für eure Arbeit, noch für euch arme Seelchen gut, oder?“



Wieder diese drängenden Augenbrauen. Er würde nicht einfach nicken. Nicht ohne länger über ihre Worte nachzudenken, zu überlegen, ob sie Recht hatte… Sein Kopf bewegte sich rauf und runter, ohne das er ein Kommando dazu gegeben hatte – jedenfalls nicht mit seinem Verstand.

Karen strahlte ihn ein weiteres Mal an und dann umarmte sie in einfach, drückte ihn kurz an sich. Als sie wieder ein wenig Abstand zwischen sich und ihn brachte, meinte er ein leises Murmeln zu hören, dass so ähnlich klang wie „Nicht schlecht“. Aber das machte ja keinen Sinn…



„Ich hoffe, das nächste Mal, wenn wir uns sehen, hängt Lisa glücklich in deinen Armen“, grinste Karen nun und wandte sich um, um zurück zur Party zu gehen. Nick wartete schon auf das ‚sonst‘, das üblicherweise eine kleine Drohung einleitete, doch sie zwinkerte ihm nur zu und lief zurück zum Haus, ließ Nick einfach ein wenig verwirrt, aber doch erleichtert und mit deutlich besserer Laune stehen. * (Rückblick Ende)





‚Lisa ist total in dich verknallt‘. Das waren die Worte, die sich besonders in Nicks Erinnerung gebrannt hatten. Worte, die ihn – trotz seines wenig rühmlichen Abgangs von der Party – erstaunlich gut hatten schlafen lassen. Worte, an denen er momentan leider wieder zu zweifeln begann, obwohl Karen nicht die einzige gewesen war, die ihm versichert hatte, dass Lisa mehr für ihn empfand, als sie nach außen hin erkennen ließ. Nick hatte gestern Abend noch Hannah angerufen, um mit ihr über alles zu sprechen, was geschehen war, und seine Schwester hatte nicht nur bestätigt, dass alle Anzeichen – selbst Lisas schroffe Abfuhr – dafür sprachen, dass die Autorin in ihn verliebt war, sondern auch behauptet, dass Nick sich ebenfalls Hals über Kopf in Lisa verliebt hatte.



„Ganz ehrlich, Nick“, hatte sie gesagt. „Schon in dem Moment, als du mit Lisa bei mir aufgetaucht bist, wusste ich dass es dich erwischt hat. Und zwar ziemlich heftig. Andernfalls hättest du deine Gefühle nicht so lange, so vehement verleugnet und würdest es nicht immer noch tun.
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Natürlich hatte er sich ein weiteres Mal mit Händen und Füßen gegen diese Aussage gewehrt, hatte behauptet, dass Außenstehende oft sexuelle Anziehung zwischen anderen Personen als Verliebtheit interpretierten und hatte dabei ganz genau gespürt, dass er sich selbst belog. Da war nicht nur sexuelle Spannung zwischen ihm und Lisa. Er mochte sie. Sehr. Wie sonst war es zu erklären, dass ihn ihr Vorschlag, sich mit anderen Singles zu amüsieren, so tief getroffen, ihm wirklich wehgetan hatte. Wie sonst war es zu erklären, dass ihre Gespräche in letzter Zeit so oft in ihren Privatbereich abdrifteten, dass sie anfingen, sich Dinge aus ihrer Kindheit zu erzählen oder über Themen zu reden, die ihnen wichtig waren und über die sie erfuhren, wie viele Gemeinsamkeiten sie hatten und wo sich ihre Meinungen schieden. Sie hatten aus einem natürlichen Instinkt heraus angefangen auszutesten, ob sie zusammenpassten, hatten sich zielgerichtet auf eine Ebene zu bewegt, auf der man oft eine ernsthafte Beziehung startete. Und keiner von ihnen hatte das wirklich bewusst wahrgenommen.



„Lisa lebt in Deutschland“, hatte Nick irgendwann zu seiner Schwester gesagt. „Das heißt, selbst wenn ich in sie verliebt wäre, wäre eine Beziehung mit ihr von vornherein zum Scheitern verurteilt. Fernbeziehungen funktionieren nicht!“



„Ja – das sagt man so“, hatte Hannah erwidert. „Aber hast du es denn jemals selbst ausprobiert?“



Das hatte er natürlich nicht. Dennoch war er sich sicher, dass an dieser Theorie etwas dran war. Es lagen zirka 9290 km zwischen L.A. und Berlin. Er hatte das nachgesehen – einfach nur aus Interesse. Vierzehn Flugstunden. Und das war noch der kürzeste Weg. Unmöglich. Der Tod für eine Beziehung. Mit Sicherheit.



Selbstverständlich hatte sich Hannah nicht so einfach abwürgen lassen. „Wie dem auch sei, mein Lieber. Wir befinden uns im Hier und Jetzt und euer beider Verhalten und die Verleugnung der Tatsache, dass da mehr zwischen euch ist als nur Sex, tut euch beiden nicht gut. Wie ich das sehe, solltet ihr euch lieber euren Gefühlen und Bedürfnissen hingeben und später zusehen, was ihr aus dem machen könnt, was da zwischen euch entstanden ist. Ganz ehrlich: Ihr harmoniert ganz toll miteinander und mir tut es in der Seele weh, meine Bruder so leiden zu sehen, wo er doch eigentlich die Chance hätte, endlich mal wieder eine fantastische Zeit mit einer wirklich süßen, tollen Frau zu verbringen.
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“ Sie hatte ihn dabei mit diesem strengen, eindringlichen Blick angesehen, der keinen Widerspruch duldete und den nur ihre Mutter noch besser beherrschte, und Nick dazu veranlasst hatte ernsthaft über ihre Worte nachzudenken. Nicht nur in der Nacht, sondern auch noch am Morgen beim Frühstück mit Bonnie – die wohl mehr von seinen Eiern mit Speck verspeist hatte als er selbst (irgendeinen Lohn musste sie ja für ihr geduldiges Zuhören erhalten).



„Was immer Lisa dir auch gesagt hat, Nick“, hatte Hannah noch hinzugeführt. „Sie hat es nicht so gemeint. Ich denke, sie versucht sich nur selbst zu schützen. Du musst bedenken, dass sie hier nicht zuhause ist und sich genauso wie du von TFP ziemlich unter Druck gesetzt fühlen muss. An ihrer Stelle hätte ich auch Angst davor, mich in jemanden zu verlieben, der für diese Firma arbeitetet. Man weiß nie, was sich so rumspricht. Ganz davon abgesehen, dass der Zustand des Verliebtseins nachweislich einer Krankheit ziemlich nahe kommt. Und wer will schon krank und verwirrt sein, wenn er in wichtige Verhandlungen und Arbeiten verstrickt ist? Nimm dem Mädchen ihr Verhalten nicht übel. Sie mag dich sehr. Glaub mir. Sie weiß nur nicht, wie sie damit umgehen soll. Und wenn du dich schon nicht auf eine Liebesbeziehung mit ihr einlassen kannst – und ich hoffe wirklich du überlegst dir das noch mal – dann mach ihr die ganze Sache nicht noch schwerer, indem du sie kühl und abwesend behandelst oder gar beleidigt bist. Sei wenigstens weiterhin nett zu ihr.“



Natürlich hatte er sich genau das an diesem Morgen vorgenommen – nett zu Lisa zu sein, ihr zu verzeihen. Wenn er ehrlich war, hatte er ganz still für sich selbst beschlossen, sich selbst bei ihrem Auftauchen ganz genau zu beobachten, um festzustellen, ob sein Körper eindeutige Reaktionen zeigte, die darauf hinwiesen, dass er tatsächlich bereits in Lisa verliebt war. Wie Herzklopfen, schwitzige Hände, Nervosität und so weiter. Alles, was davor gewesen war, wollte er erst einmal außer Acht lassen – selbst so eindeutige Hinweise, wie seine Eifersuchtsattacken, wenn Lisa nach Liam fragte oder seine Tendenz, sie immerzu berühren zu wollen.
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Es kam nur auf das heute an – nur danach hatte er sich richten wollen.

Und jetzt? Jetzt war sein ganzer Plan hinüber, mit dieser blöden Schlagzeile und dem dazugehörigen Foto, das alles, aber auch nichts bedeuten konnte. Die brennende Wut und Enttäuschung in seinem Bauch machte es einfach unmöglich einen klaren Gedanken zu fassen und seine eigenen Reaktionen objektiv zu beurteilen. Wahrscheinlich würde er eh nur bissig und unfreundlich auf Lisa reagieren, wenn nicht irgendwer bald mehr Klarheit in diese Angelegenheit brachte. Irgendwer… wie zum Beispiel der große, blonde Mann mit der Sonnenbrille und dem dunklen, eleganten Mantel, der mit großen Schritten den Flur hinunterlief, direkt auf Nick zukam.



Liam war nicht allein. Neben ihm versuchte Cooper mit seinem Tempo mitzuhalten, um ihm irgendetwas zu erzählen. Es musste wohl etwas Lustiges sein, denn beide grinsten breit – zumindest bis Liam Nick entdeckte, denn genau in diesem Augenblick erstarb jeder Funken Freude auf seinem Gesicht. Nicks Magen machte eine unangenehme Umdrehung, weil er nicht genau wusste, wie er Liams Mimik interpretieren sollte. Schuldbewusstsein oder Schmollen, wegen der – zugegebenermaßen ziemlich ungerechtfertigten – Bemerkung, die Nick gestern ihm gegenüber hatte fallen lassen, bevor er die Party verlassen hatte.



„Hey, Nick!“ begrüßte Cooper ihn strahlend. „Hast die Party ja auch überlebt!“



„Ja“, gab Nick einsilbig zurück und sah stattdessen nur weiterhin Liam an.



„Hi“, grüßte der ihn nun auch und Nick war über den kühlen Ton seines Freundes beinahe erleichtert. Kein Schuldbewusstsein. Das war gut – mehr als gut.



„Wo ist Lisa?“ fragte Cooper nun und sah sich suchend um, als gäbe es in dem schmalen, leeren Flur tatsächlich irgendeine Möglichkeit sich zu verstecken.



Nick zuckte die Schultern und nickte dann Liam zu. „Hast du keine Ahnung?“



Liam hob hinter seiner Sonnenbrille die Brauen. „Wieso? Nur weil sie bei mir geschlafen hat? Sie ist heute Morgen verschwunden, bevor ich wach war und auch nur ein Wort mit ihr wechseln konnte.“



„Na, ja, ich dachte, vielleicht steht ihr euch ab heute ja ein bisschen näher“, gab Nick etwas zu giftig zurück, ohne weiter darüber nachzudenken.
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Er hatte momentan einfach nicht die Nerven, um weiterhin Rücksicht auf die Gefühle der Menschen um sich herum zu nehmen. Irgendwann war das Maß voll.



Liam stieß ein verärgertes Lachen aus. „Ach, so, ja – ich verstehe. Ich bin nicht nur ein verlogenes Arschloch, das allen nur vorspielt nett zu sein, sondern ich bin auch noch der Typ Mensch, der versucht seinem besten Freund das Mädchen auszuspannen. Alles klar.“

„Was soll ich denn sonst davon halten, wenn Lisa morgens aus deinem Haus kommt und die Presse sie bereits als deine neue Affäre betitelt?“ verteidigte Nick sich, obwohl ihn längst tiefe Erleichterung durchströmte. Er kannte Liam schon so lange und wusste, dass sein Freund ihn nicht belog. Das lag nicht in seiner Natur.



„Sie hat bei mir geschlafen, weil ich sie darum gebeten habe!“ knurrte Liam. „Du kennst meine Paranoia, wenn ich betrunken bin! Ich kann dann nicht allein sein. Und sie war es mir schuldig!“



Nick zog verwirrt die Brauen zusammen. „Sie war es dir schuldig?“



Liam nickte und nahm nun endlich seine Sonnenbrille ab. Nick riss entsetzt die Augen auf. Liams linkes Auge war in den schönsten Blau- und Grüntönen angelaufen und ein wenig zugeschwollen.



„Lisa hat dir eine reingehauen?“ stieß Nick ungläubig aus und war beinahe versucht zu lachen. Liam verdrehte sofort die Augen – so gut wie er das momentan konnte.



„Nein – natürlich nicht!“ Sein Freund seufzte tief. „Das war Maverick. Aber Lisa war Schuld dran. Und natürlich war mir danach die Laune so verhagelt, dass ich die ganze Party aufgelöst und alle nach Hause geschickt habe. Ich kann froh sein, dass alle Nachdrehs beendet sind und mein nächstes Filmprojekt erst in drei Wochen startet. Bis dahin müsste das wieder weg sein und ich kann…“



„Warte!“ Nick stoppte Liams Redefluss, in dem er einfach eine Hand hob, die Augen kurz schloss und dann den Kopf schüttelte. „Ich komme da nicht so ganz mit. Lisa war schuld daran, dass Maverick dir eine reingehauen hat?“



„Ja, weil ich ihm eine reinhauen musste, weil er sie ganz übel angegraben und am Ende noch beleidigt hat, als sie in weggestoßen hat“, erklärte Liam rasch.
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„Du hast Maverick geschlagen?“



„Jup!“ Liam hob stolz das Kinn. „Voll eine auf die Zwölf. Niemand macht das Mädchen meines besten Freundes an – schon gar nicht so!“



„Lisa ist nicht mein…“ Nick brach ab, schüttelte ein weiteres Mal den Kopf. „Was meinst du mit ‚so‘?“



„Er hat sie begrabbelt, weil sie ein bisschen mit ihm geflirtet hat, und sie dann als ‚TFPs neue Studioschlampe‘ bezeichnet.“



Nick und Cooper schnappten gleichzeitig nach Luft. Großer Gott, wenn Nick dabei gewesen wäre, hätte Maverick aber keine Sonne mehr gesehen. Die Wut, die sofort in ihm hoch kochte, hatte es in sich und Nick biss so fest seine Zähne zusammen, dass sogar ein leises Knirschen ertönte.



„Wo sagtest du nochmal, wohnt der Kerl?“ fragte Cooper grimmig und da war endlich wieder das für Liam so typische breite Grinsen.



„Lass uns das nach der Vorführung besprechen“, meinte er und nach kurzem Überlegen stimmte Cooper ihm mit einem knappen Nicken zu.



„Gut“, sagte er und legte Liam und Nick jeweils eine Hand auf die Schulter. „Dann lass ich euch zwei Hübschen mal kurz allein, damit ihr euch aussprechen könnt.“ Er zwinkerte ihnen noch kurz zu und verschwand dann wie Jasper vor ihm im Vorführungsraum.



Nick bedachte Liam mit einem Stirnrunzeln. „Du hast dich bei ihm ausgesprochen?“

Liam nickte. „Na, ja, mein Kreis an engen Freunden, denen ich vertraue, ist nicht sehr groß, wie du weißt…“



Nick nickte nachdenklich und versuchte sich noch einmal daran zu erinnern, wie es zu seinem verbalen Ausrutscher gegenüber Liam gekommen war. Kein schwieriger Akt, musste er feststellen…



(Rückblick)

*Es war nicht gut weiter auf einer Party auszuharren, wenn einem die Laune derart verhagelt worden war, dass man eigentlich jeden dummen Gaffer nur anschreien und alle Leute, die einem im Weg standen, grob wegschubsen und -treten wollte. Nick hatte zwar großschnäuzig vor Lisa behauptet, er würde sich nach anderen Singelfrauen umsehen und den Spaß seines Lebens mit diesen haben, aber momentan verspürte er so viel Lust darauf wie auf Schokotorte mit Senf-Lasur.
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Also hatte er, getrieben von seiner Vernunft, beschlossen, einfach nach Hause zu gehen, sich vor den Fernseher zu setzen und seinen Frust mit einer riesigen Tüte Chips und ein paar Bier zu bekämpfen. Sorgen darüber, dass Lisa tatsächlich einen anderen Kerl aufreißen und sich mit diesem vergnügen würde, machte er sich nicht. Auch wenn sie attraktiv und bildhübsch war – sie war einfach nicht der Typ für so etwas. Das wusste er mittlerweile und es beruhigte ihn wenigstens ein kleines bisschen.



Irgendwo vor sich entdeckte Nick nun endlich Liam, der in ein angeregtes Gespräch mit Lisas Freundin Karen vertieft zu sein und wirklich Spaß zu haben schien. Sie lachten gemeinsam über irgendetwas und irgendwie schürte das noch weiter Nicks schlechte Laune, sodass er, als er die beiden endlich erreicht hatte, ziemlich unfreundlich brummte: „Ich hau’ jetzt ab. Muss morgen früh raus.“



Er wollte sich eigentlich mit diesen Worten schon wieder abwenden, doch Liam packte ihn am Arm und zwang ihn so dazu, sich ihm wieder zuzuwenden. „Und? Habt ihr zwei alles klären können?“ fragte er mit diesem Gesichtsausdruck, der eigentlich nur eine positive Beantwortung seiner Frage erlaubte.



„Ja, aber natürlich!“ gab Nick übertrieben freudig zurück und bemerkte, dass Karen sofort misstrauisch die Stirn runzelte. „Lisa und ich sind uns völlig einig über alles und die ganze Welt sieht gleich viel bunter und fröhlicher aus!“ Nick machte sich mit einem schrecklich aufgesetzten Lächeln von Liams Griff los.



Sein Freund blinzelte irritiert. „Was hat sie denn gesagt?“



„Nicht viel. Aber dank ihr ich weiß jetzt endlich wieder, dass ich ein freier Mann bin und mein Leben als Single genießen sollte – mit möglichst vielen wechselnden Partnern.“



Karen schloss die Augen und schüttelte den Kopf, während Liam immer noch ein ziemlich dummes Gesicht machte. „Das hat sie gesagt?“ fragte er ungläubig.



„Nicht wortwörtlich, aber so in etwa.
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Und wahrscheinlich hat sie Recht. Und du müsstest dich doch eigentlich darüber freuen. Stell dir vor: In jedem von uns schlummert ein kleiner Liam, der nur darauf wartet herausgelassen zu werden! Hurra! Vielleicht sollte ich meinen auch endlich mal wach kitzeln.“



„Nick, das ist doch Blödsinn“, meinte Liam nun beschwichtigend. „So hat sie das bestimmt nicht gemeint…“



„Ganz bestimmt nicht“, setzte Karen sofort hinzu. „Und soo übel ist dein Freund hier gar nicht. Ich denke sogar, es steckt ein echt netter Kerl in ihm, der…“



Nick unterbrach sie mit einem Lachen. „Liam ist Schauspieler, Karen. Der kann dir alles vormachen“, platzte es aus ihm heraus und er wusste ganz genau, dass er damit eine Grenze überschritt und Liam wirklich verletzte. Sein Freund zuckte innerlich zusammen, als hätte Nick ihn geschlagen und starrte ihn für ein paar Sekunden nur fassungslos an. Dann schüttelte er kurz den Kopf, schob sich wortlos an ihm vorbei und verschwand in der Menge.



„Scheiße!“ stieß Nick aus, weil ihn sofort eine Welle von Reue erfasste und er schüttelte über sich selbst den Kopf. Es war selten so, aber gerade heute hatte es Liam nicht verdient auf diese Weise von ihm verletzt zu werden. Und normalerweise war es auch so gar nicht Nicks Art sich an anderen abzureagieren.



„Das war schon ein bisschen unter der Gürtellinie“, musste Karen nun auch noch mit einem mitfühlenden Gesichtsausdruck sagen. Als ob er das nicht selbst wusste!



Er schloss kurz die Augen. „Ich… ich verschwinde jetzt wohl besser, bevor ich noch platze und die Bude hier auseinandernehme“, seufzte er und wandte sich einfach ab, obwohl Karen schon Luft holte, um etwas zu erwidern. „Versuch… irgendwie Spaß zu haben“, rief er ihr noch über die Schulter zu. „Du wirst sehen, die Stimmung wird sich sofort heben, sobald ich durch die Tür bin!“ * (Rückblick Ende)





„Außerdem war Cooper eher die Nachhut“, riss Liam Nick wieder aus seiner Erinnerung. „Den Hauptseelentröster hat Lisa gestern Abend noch gegeben – soweit ich mich daran erinnern kann.“



Nick hob erstaunt die Brauen und kämpfte erfolgreich, die nächste Welle von Eifersucht wieder.
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„Du hast dich bei Lisa ausgesprochen?“



Liam nickte und Nicks Magen verkrampfte sich. Na, toll! Jetzt wusste auch sie, wie beschissen er sich benommen hatte.



„Wir hatten ein sehr, sehr langes Gespräch“, fuhr Liam erklärend fort. „Nicht nur über dich – auch über andere Dinge… Aber ja, doch schon hauptsächlich über dich. Und soll ich dir mal was sagen?“



„Du wirst es ohnehin nicht für dich behalten, wenn ich es nicht hören wollte“, brummte Nick.



„Sie ist eine wirklich tolle Frau! Und sie mag dich wirklich und versteht und durchschaut dich besser, als du vielleicht denkst.“ Liam strahlte ihn mit einer Begeisterung an, die Nick so gar nicht teilen konnte. Er hasste es, wenn hinter seinem Rücken über ihn geredet wurde. Und… Lisa durchschaute ihn? Wie weit? Was hatte sie über ihn gesagt?



„Ich glaube, sie ist dir ganz schön ähnlich“, fuhr Liam fort und schien seinen Groll gegen ihn völlig vergessen zu haben. Aber vielleicht war ihm etwas anderes momentan einfach wichtiger… wie zum Beispiel Lisa und ihn wieder miteinander auszusöhnen. So sah es jedenfalls momentan aus. „Und sie hat ähnliches Pech mit ihren letzten Beziehungen gehabt wie du. Ihr letzter Freund hat sie auch betrogen, so wie Tara dich…“



Nick wurde hellhörig, runzelte nachdenklich die Stirn.



„Und er war auch noch ein ziemliches Arschloch…“



Ganz dunkel meinte Nick sich daran zu erinnern, dass Lisa ihm ebenfalls davon erzählt hatte. Damals in ihrer ersten gemeinsamen Nacht. Doch er hatte nicht mehr die Zeit, weiter darüber nachzugrübeln, denn als sich die Eingangstür des Studios öffnete, kam natürlich genau die Person durch die Tür, über die sie gerade sprachen.



„Weißt du, dass der ihr gesagt hat, dass sie zu dick sei?“ brachte Liam noch heraus, bevor er Nicks rasches Kopfschütteln und seinen drängenden Blick verstand. Doch Lisa war noch zu weit weg, um das gehört zu haben, denn sie schenkte Nick ein verunsichertes Lächeln, als sie auf ihn und Liam zukam.

Sie hatte sich umgezogen, trug eine schlichte Jeans und eine dieser eng anliegenden Blusen, die ihre schmale Taille und ihre runden Brüste immer so wundervoll betonten, und ihr blondes Haar fiel in weichen Wellen über ihre Schultern.
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Nicks Puls begann sich mit jedem Schritt, den sie näher kam, zu beschleunigen und natürlich wurden seine Hände schwitzig und er wusste plötzlich nicht mehr wohin damit. Am besten ganz cool in die Hosentaschen stecken. So wie Liam, der auf einmal so still neben ihm war.



Lisa blieb vor ihnen beiden stehen versuchte so liebenswürdig wie möglich zu lächeln und strahlte doch so viel Unsicherheit und Befangenheit aus, dass Nick sie einfach nur in die Arme ziehen, sie fest an sich drücken und ihr versprechen wollte, dass alles gut werden würde. Doch er tat es nicht. Stattdessen stand er nur da und kämpfte mit ihr um den ersten Platz des Wettbewerbes ‚Verkrampftestes Lächeln des Jahrhunderts‘.



„Hi“, brachte sie kaum hörbar heraus und ihr Blick suchte den seinen. Nick stutzte. Irgendetwas hatte sich verändert. Da war auf einmal so viel offenkundige Zuneigung in ihren Augen und… Reue, wenn er sich nicht irrte. Reue in Bezug auf das, was sie gestern zu ihm gesagt hatte? Sein Herz machte zu seiner Überraschung einen kleinen Sprung und Hoffnung keimte in ihm auf. Hoffnung? Worauf? Begann er schon wieder durchzudrehen?



„Ich…“ Sie hielt inne, musste lachen und errötete ein wenig. „Ich glaube, wir… wir sollten noch einmal über… Heilige Scheiße!“ Leider war Lisas Blick kurz zu Liam gewandert und sie hatte sofort die schöne Gravur von Mavericks Faust um sein Auge herum entdeckt. Sie hielt sich entsetzt eine Hand vor den Mund.



„Oh, Gott, das tut mir so leid!“ nuschelte sie und verzog das Gesicht. „Das sieht ja jetzt noch viel schlimmer aus als gestern. Und das, obwohl wir das so gut gekühlt haben.“



„Hab ihr das, ja?“ entwischte es Nick, obwohl Liam ihm eigentlich längst klargemacht hatte, dass es keinen Grund für ihn gab, eifersüchtig zu sein. Oh, Gott, er war wirklich eifersüchtig.



Lisa sah ihn verunsichert an. „Ja, ich… Liam…“ Sie kam nicht dazu, ihre Erklärung weiter auszuführen, denn eine größere Gruppe der Filmcrew kam nun fröhlich schwatzend den Flur hinunter und im nächsten Moment begrüßten sich alle freudig und es wurde schwer, sein eigenes Wort zu verstehen.
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Lisa wollte es wohl dennoch nicht ganz aufgeben, denn sie trat so dicht wie möglich an Nick heran und erhob sich ein wenig auf die Zehenspitzen, um näher an sein Ohr heranzukommen. Dass sie sich dabei an seinem Oberarm festhielt, machte es ihm schwer, cool und gelassen zu bleiben. Irgendwie fühlte sich jeder Körperkontakt mit ihr einfach zu gut an.



„Hat Liam schon mit dir über das gesprochen, was gestern passiert ist?“ fragte Lisa leise und als er sie ansah, war ihr Gesicht so nah, dass sich ihre Nasen fast berührten und er ihren Atem auf seinen Lippen fühlen konnte. „Ich meine, das mit seinem Auge und dass ich bei ihm geschlafen habe, weil er… Er hatte irgendwie Angst davor, in seinem betrunkenen Zustand allein zu sein. Er meinte, er hätte mal ein schlimmes Erlebnis gehabt, bei dem er fast sein Leben verloren hatte und dass seitdem sonst du immer bei ihm geblieben bist…“



Okay, Nick, jetzt nicken. Starr ihr nicht so in die Augen und schon gar nicht auf die Lippen. Da sind noch ein paar andere Leute um euch herum. Und es ist wirklich wichtig, dass ihr das klärt. Den Kopf rauf und runter… So ist es gut. „Ja… er… er neigt diesbezüglich zu ziemlichen Panikattacken“, gab Nick ebenso leise wie sie zurück und ärgerte sich über die leichte Heiserkeit in seiner Stimme.



„Also… ich bin nur deswegen da geblieben… weil ich ein schlechtes Gewissen hatte“, setzte Lisa hinzu und ein unsicheres, fast entschuldigendes Lächeln zuckte um ihre Mundwinkel herum. „Ich hab auf der Couch geschlafen… Allein.“



„Wollen wir alle reingehen?“ fragte Richie laut und Nick riss sich widerwillig von Lisas Augen los. Er nickte rein aus Reflex und setzte sich dann gemeinsam mit ihr in Bewegung, um mit den anderen den Vorführraum zu betreten.



Er fühlte, dass Lisa ihn von der Seite ansah und als ihre Augen sich fanden, hatte sich auch auf seine Lippen ein Lächeln geschlichen. „Ich auch“, setzte er ihren letzten Worten hinzu. „Ich bin vorm Fernseher eingeschlafen. Im Sitzen.“



Sie lachte und tiefe Erleichterung sprach aus ihren Augen, sorgte für ein warmes, freudiges Glühen in seiner Brust.
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Karen und Hannah hatten Recht gehabt. Lisas Worten vom gestrigen Abend war kein Glauben zu schenken. Sie bereute sie bereits wieder, hatte sich aus irgendeinem Grund die ganze Sache anders überlegt. Nicks Herz begann schneller zu klopfen.



„Hast du wenigstens einigermaßen gut schlafen können?“ fragte Nick, während er sich mit Lisa zusammen auf die hinterste Sitzreihe des kleinen Kinosaals zubewegte, in der schon Cooper und Jasper saßen und auf die auch Liam zusteuerte.



Lisa verzog das Gesicht. „Naja, es ging so“, meinte sie. „Ich hab ohnehin immer Probleme woanders zu schlafen. Und ich…“ Sie hielt inne, biss sich verstohlen auf die Unterlippe. „Ich hab ein paar Mal mit dem Gedanken gespielt zu dir hinüber zu gehen. Ich… ich wollte noch mal mit dir reden, weil ich mich… Ich hab mich gestern einfach bescheuert verhalten und ein paar Dinge gesagt, die… die ich nicht so gemeint habe, wie sie vielleicht geklungen haben. Ich schulde es dir zumindest, zu erklären, warum ich das gesagt habe.“



„Ich… ich denke, ich hab mich gestern auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert“, gab Nick leise zurück. „Wir waren wohl beide nicht in Bestform.“



Lisa lachte wieder und machte eine Bewegung auf ihn zu, die aussah, als wolle sie ihn umarmen, doch sie stoppte in der Mitte ab und strich sich nur mit einem weiteren, dieses Mal etwas beschämten, Lachen das Haar aus dem Gesicht, bevor sie sich auf dem erstbesten Sitz niederließ.

Nick blieb noch einen Augenblick unschlüssig stehen, dann setzte er sich einfach neben sie. Sollen die anderen doch denken, was sie wollten –Lisa zumindest schien sich darüber zu freuen, denn sie schenkte ihm ein Strahlen, dass es ein weiteres Mal ganz warm in seinem Inneren werden ließ. Ein angenehmes Prickeln gesellte sich dazu, als Lisa sich erneut zu ihm hinüberbeugte, ihre Lippen dicht an sein Ohr brachte. „Hast du vielleicht nach der Vorführung noch ein wenig Zeit?“ raunte sie ihm zu. „Wir könnten spazieren gehen und vielleicht ein bisschen reden?“



Er sah sie an, während das Licht um sie herum langsam erlosch, die Konturen ihres Gesichtes noch weicher und lieblicher erscheinen ließ, bis sie kaum noch zu erkennen waren.

Er musste sich kurz räuspern, um ihr antworten zu können.
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„Daran habe ich auch schon gedacht“, flüsterte er. Das hatte er tatsächlich, bevor Jasper ihn mit der Schlagzeile so durcheinander gebracht hatte.



Ein zarter Schauer rann seinen Rücken hinunter als ihre Hand die seine ergriff und sie kurz drückte, ihm damit zeigte, wie froh sie über seine Antwort war. So schnell konnten Ärger und Wut verschwinden. Eigentlich gab es nur ein Zustand, der so etwas möglich machte und Nick schüttelte innerlich über sich selbst den Kopf. Ob es in dieser Welt wohl noch mehr solcher Idioten wie ihn gab, die es fertig brachten, sich wirklich und wahrhaftig in ihren One-Night-Stand zu verlieben?
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Kommentare zur Story:

  Auch mir hat es sehr gefallen, dass Nick und Lisa wieder zueinander gefunden haben. Nun bin ich sehr gespannt, wie es mit dem Trio weitergeht.
LG. Michael  
   Michael Brushwood  -  14.11.11 16:40

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  Nick und Lisa scheinen doch etwas einsichtiger zu werden. aber man weiß nie, wie lange dieser Frieden hält. Schließlich haben beide das gleiche Temperament. Liam gefällt mir immer besser. Wie immer flüssig und humorvoll geschrieben. Es lohnt sich einfach diese Story zu lesen.  
   doska  -  12.11.11 22:35

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Kommentar von "Juria" zu "Cáriallá - Kapitel 6"

Sehr tolle Geschichte, ich bin gespannt, wies weitergeht. :>

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