Romane/Serien · Fantastisches · Herbst/Halloween

Von:    Tis-Anariel      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 10. Oktober 2010
Bei Webstories eingestellt: 10. Oktober 2010
Anzahl gesehen: 1682
Seiten: 5

Diese Story ist Teil einer Reihe.

Verfügbarkeit:    Die Einzelteile der Reihe werden nach und nach bei Webstories veröffentlicht.

   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


Anabella hatte keine Ahnung wie lange sie sich schon in dem Wurzelkeller aufhielt, aber sie traute sich nicht die Treppe hinauf. Als sie aber Hunger bekam, wagte sich das Mädchen zumindest aus seinen Winkel heraus. Sie frohlockte über die getrockneten Weintrauben und nachdem sie sich mehrere Handvoll in die Taschen gestopft hatte, entdeckte Anabella die Einmachgläser mit Früchten und Gemüse darin. Zwei davon schnappe sie sich und verzog sich mit ihrer Beute wieder in ihr Versteck hinter den großen Weingefäßen, wo sie sich über den Inhalt der Gläser, sowie über die Weinbeeren hermachte.

Nachdem sie so ihren Hunger gestillt hatte schlief Anabella erschöpft ein und erwachte erst, als die Holztreppe leise knarrte. Lange Augenblicke wusste das Kind nicht wo es war und wie es dorthin gekommen war, dann jedoch drängten die Erinnerungen mit Macht in ihr Bewusstsein. Ein weiteres Knarren, erschreckte das Mädchen und furchtsam blickte es zur Treppe und dem Eingang.

Lange Momente passierte nichts, dann ertönte ein leises Winseln und ein riesengroßer, schwarzer Wolf schlich über die Stufen herab. Anabellas Augen wurden riesengroß und ihre Lippen formten sich zu einem stummen Schrei. Es war ein Glück, dass ihr die Stimme versagte, denn sonst hätte das Mädchen tatsächlich geschrien. So jedoch drückte sie sich lautlos, stumm und von tiefster Angst erschüttert tierfer in ihren kleinen Winkel in dem Regal hinter den großen, tönernen Weingefäßen.

Das große schwarze Tier hielt am fuß der Treppe inne und blickte sich aufmerksam um. Interessiert legte der der Wolf den Kopf schräg, als er das Regal mit den Einmachgläsern musterte. Dann stellten sich seine Ohren auf, als er die Körbe fand und in jeden einzelnen die Nase hineinsteckte. Bei dem Korb, der Gelbwurz enthielt musste der Wolf leise niesen. Hätte Anabella nicht so große Angst gehabt, dann hätte sie sich sicher über das Verhalten des Tieres amüsiert. So aber saß sie nur starr mit großen Augen und betete lautlos zu den Göttern, dass der Wolf sie nicht finden würde.

Der Wolf hingegen inspizierte weiter den Keller und die Körbe. Schließlich entdeckte er die Schale mit den Weinbeeren und hielt zielstrebig darauf zu. Anabella erschrak, denn das Tier würde sicher ihren Geruch an dieser Schale wittern.
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Andererseits roch wohl alles hier unten ein wenig nach ihr. Trotzdem wartete das Mädchen angespannt ab. Doch der Wolf schien nicht an den Gerüchen an der Schale interessiert zu sein, sondern ausschließlich an deren Inhalt. Geräuschvoll schmatzend verschlang er die getrockneten Weinbeeren und das Kind staunte, trotz aller Angst, ein wenig. Schließlich hatte es noch nie gehört, dass Wölfe Weintrauben fraßen, doch dieser hier tat es. Das verwirrte sie ein wenig, doch die Angst blieb.

Zu bald auch hatte der Wolf auch schon die Schüssel geleert, zumindest hörte er auf zu fressen und sah sich wieder um. Plötzlich schnupperte er in der Luft und drehte dann Anabella den Kopf zu. Erst schien er seltsamerweise etwas verblüfft, dann jedoch legte das Tier den Kopf schräg. Als der Wolf allerdings sich wieder erhob und sich einen kleinen Schritt auf Anabella zu bewegte, bekam es das Mädchen richtig mit der Angst zu tun.

Einzig weil ihre Stimme ihr noch immer den Dienst versagte schrie das Mädchen nicht einfach laut los, sondern gab stattdessen ein seltsam erstickt klingendes Quietschen von sich, wobei es sich noch tiefer in das Regal hineindrückte. Ihr Herz raste so schnell dahin, so dass es sich für das Kind anfühlte, als hätte es einen Kolibri anstatt des Muskels in der Brust.



Karm hielt irritiert inne, als das Kind mit einem seltsamen Quietschen noch tiefer in den Winkel, in dem es sich verbarg, hineinkroch. Wenn es überhaupt noch möglich war, dann waren die Augen des Mädchens nun noch größer und der Geruch nach Angst noch stärker geworden.

Hilflos schenkte er dem kleinen Zweibeiner ein hechelndes Wolfslächeln und erreichte damit nur, das sich das Kind noch tiefer in das Regal zwängte. Erneut gab es dieses seltsame Quietschen von sich und Karm war eigentlich ganz froh, dass das Mädchen nicht gleich loskreischte. Schließlich wusste man ja nie, ob die Dschan nicht bei der Aussicht auf Beute ihren Widerwillen gegen unterirdische Räume überwinden könnten. Karm wollte da auf keinen Fall ein Risiko eingehen.

Der Wolf seufzte innerlich. Das wurde ja immer besser, dachte der Wolf missmutig und setzte sich wieder nieder. Weiterhin interessiert betrachtete er das Kind, das wieder einen dieser seltsamen Töne von sich gab und die Kleine tat ihm irgendwie Leid.
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Er wollte sie gewiss nicht fressen, auch wenn er noch solchen Hunger hatte. Aber Aramantha und die anderen Rudelältesten hatte alle, die losgeschickt wurden, eindringlich davor gewarnt sich an Menschenfleisch zu vergreifen. Karm nahm ich diese Warnung zu Herzen.

Er wollte aber auch nicht, dass die Kleine irgendwas unüberlegtes tat, zum Beispiel laut loszukreischen, oder aus dem Keller hinauszulaufen. Also sollte er sie wohl irgendwie beruhigen, aber wie?

Der Wandelwolf legte frustriert die Ohren an und gab ein entnervtes Grollen von sich. Wie zum Donnerwetter machten das nur die Hunde? Wie bekamen die es hin, dass sie in den Augen der Menschen harmlos aussahen?

Wenn doch wenigstens Schnurr hier gewesen wäre. Die Katze lebte schließlich bei den Menschen und hätte sicher gewusst, wie man das Kind hier beruhigen könnte. Möglicherweise war das Mädchen ja auch Schnurrs Menschenkind. Wenn man mit Menschen wenigsten vernünftig hätte reden können, aber die verstanden die Wandelwölfe und anderen Tiere so gut wie nie.

Schließlich gab er ein weiters Grollen von sich und erhob sich, was die Kleine dazu veranlasste noch tieferen ihren Winkel hineinzukriechen.

“Mein Name ist Karm,” meinte er ironisch zu ihr, “und ich habe nicht vor dich zu fressen. Wenn du aber versuchst von hier wegzulaufen, bevor die Nacht vorüber ist, dann beiße ich dich vielleicht.”

Frustriert wandte sich der Wolf ab und winselte leise, als er erneut unabsichtlich seinen rechten Lauf belastete und sich so den Dorn noch tiefer ins Fleisch trat. Blöder Dorn!

Karm fluchte innerlich. Aber er würde ganz gewiss nicht vor diesem Menschenkind eine Wandlung durchziehen. Es würde ihm vermutlich vor laute Schreck sterben, wenn er dies täte.

Mit einem weiterem Grummeln suchte er weiter nach Wasser, fand schließlich nahe der Treppe eine Schale, in der sich etwas Regenwasser gesammelt hatte und stillte dort seinen Durst. Immer wieder jedoch wurde sein Blick von dem Mädchen, das sich noch immer in sein Versteck presse, angezogen.

Wie seltsam, dachte der Wolf, dass er ausgerechnet den Keller erwischen musste, in dem die vermutlich einzige menschliche Überlebende von Blaustein Zuflucht gesucht hatte.
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War das womöglich ein Zeichen, oder erlaubten sich die Götter einen dummen Scherz?

Schließlich stöberte der Wolf noch ein wenig herum und entdeckte bald einige Lumpen, die ein gutes Stück weit weg von dem Mädchen an einer Wand lagen. Dort ließ sich Karm nieder und versucht erneut den hartnäckigen Dorn mit den Zähnen aus seinem Fleisch zu ziehen. Natürlich wieder erfolglos.

Ein weiteres Seufzen dehnte den mächtigen Brustkorb des Wolfes und er legte den Kopf auf die Pfoten, wobei er dem Mädchen noch einen Blick zuwarf. Zumindest schien sie sich jetzt doch ein klein wenig beruhigt zu haben, denn nun starrte sie ihn eher ungläubig an. Dennoch roch sie auch immer noch nach Furcht.



Anabella hatte das Gefühl vor Angst sterben zu müssen, als der große Wolf sich erst wieder setze und dann wieder erhob, wobei er diesmal irgendwie genervt aussah. Anabelle hatte keine Ahnung ob dem wirklich so war, aber der Eindruck entstand. Ein tiefes Grollen kam aus der Brust des Wolfes und dann meinte er ironisch:

“Meine Name ist Karm und ich habe nicht vor dich zu fressen. Wenn du aber versuchst von hier wegzulaufen, bevor die Nacht vorüber ist, dann beiße ich dich vielleicht.”

Dann wandte er sich ab, winselte und durchsuchte einfach weiter den Keller.

Anabella hingegen erstarrte völlig überrascht und blinzelte ungläubig. Hatte der Wolf gerade mit ihr gesprochen?

Das konnte doch nicht sein, oder? Wölfe konnten nicht sprechen!

Einen Moment später wurde dem Kind klar, das der Wolf auch nicht wie ein Mensch zu ihr gesprochen hatte. Dennoch hatte sie ganz genau gewusst, was das Tier gemeint hatte. Sogar die Ironie war ihr nicht entgangen. Völlig verwirrt fragte sie sich, was denn nun wieder vor sich ging.

Der Wolf hingegen schlabberte nahe der Treppe Wasser, stöberte noch etwas herum und fand schließlich einige Lumpen, auf denen er sich niederließ und versuchte etwas aus seiner Pfote zu ziehen. Das Mädchen hatte dieses Verhalten schon bei einem alten Hofhund in der Nähe ihres Zuhauses gesehen, als sich dieser etwas in die Pfote getreten hatte.

Offensichtlich war dem Wolf wohl ähnliches widerfahren, doch scheinbar bekam er den Gegenstand nicht aus seiner Pfote heraus.

Schließlich gab er es auf, legte seinen Kopf auf die Vorderpfoten und blickte sie unergründlich an.
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Anabella hingegen konnte es einfach nicht glauben, das sie den Wolf verstanden hatte.

Sie runzelte die Stirn und machte es sich langsam bequem, denn offenbar wollte der Wolf ihr wirklich nichts tun. Im Gegenteil, mittlerweile hatte er die Augen geschlossen und schien langsam einzuschlafen. Er wirkte irgendwie erschöpft auf das Mädchen, das nun auch langsam müde wurde. Trotzdem behielt sie ihn solange im Blick, bis dass auch ihr die Augen erschöpft zufielen.
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Punktestand der Geschichte:   91
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Kommentare zur Story:

  Huhu Petra,

nu hätt ich fast übersehen dir zu antworten.
Es freut mich sehr, dass auch dir Teil drei so gut gefällt und auch, dass dir mein Wandelwolf so sympatisch ist.

Liebe Grüße  
   Tis-Anariel  -  17.10.10 18:48

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  Dein Wandelwolf ist mir einfach sympathisch. Einfühlsam und süß hast du beschrieben, wie das Mädchen seine Furcht beiseite schiebt und sogar einschlafen kann.  
   Petra  -  15.10.10 18:33

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  Hallo Doska,

wie schön, das auch dir dieser Teil gut gefällt.
Es freut mich, dass ich die Angst, die das Mädchen empfindet schön rüberbringen konnte.

Liebe Grüße  
   Tis-Anariel  -  13.10.10 03:17

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  War ja direkt unheimlich, wie sich der riesige schwarze Wolf dem Mädchen nähert. Ich hätte auch Angst gehabt. Schön beschrieben, wie sich beide langsam aneinander gewöhnen. Aber wie geht`s weiter?  
   doska  -  12.10.10 21:02

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  Huhu Jingizu,
es freut mich sehr, dass dir auch der dritte Teil gefällt. Der nächste wird wohl auch noch etwas sanfter bleiben, aber dann wirds auch schon wieder richtig schön schaurig.

Liebe Grüße  
   Tis-Anariel  -  12.10.10 03:23

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  Ein schönes Kapitel um den Wanderwolf und das Mädchen, dass die lauernde Bedrohung draußen fast vergessen lässt.

Schön geschrieben.  
   Jingizu  -  11.10.10 13:51

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  Huhu Heartless,

oh, Hunde die bellen, beißen sehr wohl....;)
Freut mich, dass dir diese Geschichte gefällt.

Liebe Grüße  
   Tis-Anariel  -  11.10.10 00:57

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  hunde die bellen beißen nicht^^ gilt das auch für wölfe xP tolle geschichte  
   Heartless Heart  -  10.10.10 11:34

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Interessante Kommentare

Kommentar von "Aya" zu "Zirkuslöwenleben"

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