Romane/Serien · Fantastisches · Herbst/Halloween

Von:    Tis-Anariel      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 26. September 2010
Bei Webstories eingestellt: 26. September 2010
Anzahl gesehen: 1979
Seiten: 5

Diese Story ist Teil einer Reihe.

Verfügbarkeit:    Die Einzelteile der Reihe werden nach und nach bei Webstories veröffentlicht.

   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


-Blaustein-





Annabella hatte sich zusammengekauert und schluchzte lautlos vor sich hin. Das etwa zehn Jahre alte Kind mit den überschulterlangen blonden Locken war durch reines Glück in diesem Wurzelkeller gelandet. Nur so entging sie dem schwarzen Grauen, das in dieser Nacht die kleine Stadt Blaustein heimgesucht hatte. Der Ort lag am Fuße der Heralberge und dem Fluss Sarath, der hoch oben in eben diesen Bergen entsprang und bis er Blaustein erreichte einiges an seiner Wildheit einbüsste. Etwa eine Tagesreise weiter in die Berge hinein gab es mehrer tiefe Mienen, wo unter anderem der begehrte Blaue Himmelsstein abgebaut wurde, dem die Stadt auch ihren Namen zu verdanken hatte. Eine friedliche, kleine Stadt eben, die am Fuße der Heralberge zu ein wenig Wohlstand gekommen war und wo es sich angenehm leben ließ. Zumindest bis zu dieser Nacht.

Lange nach Sonnenuntergang kamen sie, diese Wesen, die nur aus Schwärze zu bestehen schienen und doch irgendwie körperlos dabei blieben. Als hätte man sie aus schwarzen Nebel gemacht. Am schrecklichsten aber waren die Augen, die rot aus dieser formbaren Masse hervorglühten. Lautlos kamen sie und so starben die ersten Menschen völlig überrascht auch beinnahe ohne Laut. Jedoch nicht alle und ihre schrecklichen Schreie weckten andere. Kurz darauf brach Panik aus, voller Angst und Schrecken flüchteten die Menschen in Richtung Kirche, wo sie sich wie verschrecktes Vieh zusammendrängten. Viele wurden dabei niedergetrampelt und Familien wurden auseinandergerissen.

Auch Annabella erlitt dieses Schicksal und geriet dann in diesen Wurzelkeller, wo sie sich voller Angst verbarg, nicht ahnend, dass genau dies ihr das Leben retten würde.

Im hintersten Winkel des unterirdischen Raumes kauerte sie sich zusammen und lauschte voller Furcht den Schreien, dem Lärm der in Panik geratenen Stadtbewohner. Nach und nach jedoch wurden die Geräusche weniger, bis dass sie schließlich alle erstarben und nur tiefe Stille zurückließen. Letztere war für das Mädchen wohl fast noch schlimmer, als all das Schreien und Wehklagen zuvor. Ein leises Wimmen entstieg ihrer Kehle. Viel lieber hätte Annabella laut losgeweint, doch das wagte sie nicht. Also litt sie beinahe stumm vor sich hin und wagte es nicht, ihr Versteck zu verlassen.

Verzweifelt flehte das Mädchen die Götter um ein Wunder an, doch entweder hörten die Götter nicht, oder selbst sie waren machtlos im Angesicht der Katastrophe, die über Blaustein gekommen war.
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Etwas später weinte Annabella nur noch stumm nach einem Freund, irgendeinem Freund, der ihr wenigstens ein wenig Geborgenheit und Trost geben könnte.

Diese Bitte hörten die Götter wohl.



Karm sah sich vorsichtig um. Sein Magen knurrte vernehmlich und es schien, als hätte sich ein tiefes Loch in seinen Eingeweiden gebildet. Er hatte gewaltigen Hunger! Seit Tagen schon war sein Magen leer, aber es gab ja auch nichts, was er erjagen hätte können. Welches Wesen auch immer den Vorüberzug der Dschan überlebte, das hielt sich nun verborgen. Und die Reste der Geschöpfe, die den grausamen, schattenhaften Kreaturen zum Opfer fielen, waren ungenießbar.

Von seinem erhöhten Standort, oben auf einem Felsfindling konnte Karm gut die kleine Stadt am Sarath sehen. Für gewöhnlich hielt er sich von Städten fern, immerhin waren die meisten Menschen nicht unbedingt freundlich zu seiner Art. Doch diesmal musste er wohl oder übel eines dieser für ihn so seltsamen Gebilde betreten. Der Hunger trieb ihn und in Städten fand man für gewöhnlich eigentlich immer irgendetwas.

Zögerlich tat er einen Schritt und zuckte sogleich winselnd zusammen. Zwei Tage zuvor hatte er sich nur mit Mühe einem Schwarm der Dschan entziehen können. Bei seiner überstürzten Flucht kam ihm allerdings ein Dornendickicht in die Quere, wobei er sich einen ziemlich gemeinen Dorn eingefangen hatte. Das blöde Ding steckte so tief in seiner rechten Vorderpfote, so dass er es einfach nicht herausbekam. Es tat ziemlich weh, selbst wenn er den Lauf schonte.

Zugleich allerdings stellte sich das Dornendickicht auch als Glücksfall heraus, denn darin verborgen befand sich der Eingang zu einem glücklicherweise verlassenen Dachsbau und so entging er den Dschan noch einmal.

Karm seufzte innerlich. Fluch oder Segen, das war hier die Frage. Aber wenn er den Dorn nicht bald aus seiner Pfote herausbekam, dann musste er wohl oder übel in die Wandlung, was seiner ohnehin angegriffenen Konstitution noch mehr zusetzen würde. Als Wandelwolf hatte er die Fähigkeit jederzeit eine menschliche Gestalt anzunehmen.
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Es forderte allerdings viel Energie und Kraft. Zudem war er dann einen ganzen verdammten Tag ein Mensch, denn eine Rückverwandlung zum Wolf war erst vierundzwanzig Stunden danach wieder möglich. Außerdem war er dann auch mit all der Hilflosigkeit und all den Unzulänglichkeiten dieser seltsamen Kreaturen geschlagen. Nun gut, seine scharfen Sinne würden ihm bleiben, aber der Pelz wäre weg, was die ganze Sache bestimmt zu einer sehr kühlen Angelegenheit machen würde, denn Menschenkleidung besaß Karm nicht.

Sein blick schweifte erneut über die Stadt unter ihm und die Stille und Reglosigkeit, die dort herrschten sagten ihm deutlich, dass die Dschan schon dort gewesen waren. Vermutlich waren sie schon wieder weitergezogen, doch sicher konnte man sich da auch nicht sein. Aber Nahrung würde er dort auch sicher finden, ebenso wie einen Unterschlupf. Es gab sicher Keller in der Stadt.

Unsicher blickte sich der Wolf um.



Warum auch hatte Aramantha, die Älteste des Mondsingerrudels, ausgerechnet ihn als Sucher bestimmt.

Insgesamt waren aus den drei größten Rudeln jeweils zwei Wölfe zu Suchern benannt und losgeschickt worden um das reinste aller Lichter zu finden. Denn nur dieses war fähig die Dschan nicht nur aufzuhalten, sondern konnte sie wohl sogar vernichten.

Außer Karm war aus seinem Rudel noch die etwa gleichaltrige Wölfin Tarim entsandt worden. Das Silberfellrudel hatte die beiden etwas älteren Wölfinnen Laurem und Rough und das Sternfängerrudel die beiden Rüden Rasgar und Kirtam losgeschickt. Die Namen der drei Rudel gingen auf die ersten Alphawölfe, also die Begründer, der jeweiligen Rudel zurück. Demnach hatte einst der große, pechschwarze Mondsinger Karms Rudel begründet. Mondsinger, Silberfell und Sternfängern waren die großen Helden der Wandelwölfe. Diesen Dreien, so hieß es in den Legenden, sei es zu verdanken, dass die Wandelwölfe frei und unbehelligt in den nördlichen Ländern jenseits der Heralberge leben konnten.

Karm musste lächeln bei der Erinnerung daran, wie er als junger Welpe fasziniert zu Aramantha aufsah, während diese die alten Legenden so spannend und lebendig erzählte, als wären diese Geschehnisse nicht schon Generationen zuvor passiert.
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Auch die Dschan und der Blutmond wurden in den Legenden erwähnt, doch leider nur wie man sich diesen Wesenheiten entziehen konnte und das der Mondsinger, auf die Suche nach dem reinsten Licht gegangen war, dieses auch gefunden und damit die Dschan für viele Jahrhunderte vertrieben hatte. Dabei aber verlor der mutigste aller Wandelwölfe auch sein Leben. Leider sagten die Legenden nicht mehr, auch nicht wie dieses reinste aller Lichter denn aussah oder ob es überhaupt eine bestimmte Gestalt hatte. Aber sie warnten vor dem Blutmond und vor den Dschan.

Und jetzt, nachdem der Blutmond innerhalb von nicht mal einem Jahrhundert gleich zweimal am Himmel erschien und die Dschan sich wieder erhoben, war es erneut an den Wandelwölfen nach dem reinsten aller Lichter zu suchen. So wie damals Mondsinger, Sternfänger und die schöne Silberfell.

Das alles begriff der junge Wandelwolf ohne weiteres. Was ihm nicht in den Kopf wollte war die Tatsache, dass das Rudel ausgerechnet ihn losgeschickt hatte. Karm sah sich nicht als Heldenhaft, noch nicht einmal als sonderlich großartigen Jäger. In seinen Augen war er ganz und gar gewöhnlich und jung und unerfahren obendrein. Aber damit war er nicht allein, auch Tarim und die anderen vier Wölfe waren so jung wie er und damit noch genauso unerfahren. Das begriff Karm nicht.

Warum hatten die Rudelältesten nicht erfahrene Jäger auf diese Mission geschickt?



Ein weiteres lautloses Seufzen dehnte seinen Brustkorb.

So oder so, nun war er also auf der Suche nach einem Licht, von dem er nicht einmal wusste wie es aussah und wo er es denn ungefähr finden sollte. Er hatte einen Dorn in der Pfote, war allein, müde und verdammt hungrig.

Er tat einen weitern Schritt und winselte erneut. Schließlich setzte er sich nieder und versuchte erneut den hartnäckigen Fremdkörper aus seiner Pfote zu ziehen. Wieder ohne jeglichen Erfolg, also fand sich Karm damit ab wohl einen Tag als Mensch verbringen zu müssen. Auch das sprach dafür dieser Stadt einen Besuch abzustatten, denn dort ließ sich sicher Kleidung finden.

Ein weiteres Rumpeln in seinem Magen machte ihm die Entscheidung leicht und er verließ seinen Aussichtspunkt.



Minuten später hinkte der große, schwarze Wandelwolf staubig, zerzaust, müde und hungrig in Richtung Blaustein, der kleinen Stadt am Fuße der Heralberge, nahe des Flusses Sarath.
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Er ahnte nicht, dass er dort etwas finden würde, dass den Lauf der Welt beeinflussen, ja sogar nachhaltig verändern könnte. Nein als Karm sich langsam hinkend über die Hänge quälte ahnte er nicht, dass er etwas finden würde, dass auch seine Welt für immer verändern würde.
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Punktestand der Geschichte:   75
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Kommentare zur Story:

  Hallo Doska,

es freut mich, dass dir auch die Fortsetzung gefällt. Schön das ich die Atmospähre gut hinbekommen habe.

Liebe Grüße  
   Tis-Anariel  -  06.10.10 00:15

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  Schön atmosphärisch und spannungsgeladen. Diese schrecklichen Wesen, das verängstigte Mädchen und dann dieser Wolf, das alles hat mir sehr gefallen.  
   doska  -  05.10.10 21:23

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  Hallo Petra,

wie schön, dass auch dir die Fortsetzung gefällt.
Hmm... da musst du nich tlange warten. Schon im nächsten Teil ist es soweit.

Liebe Grüße  
   Tis-Anariel  -  30.09.10 03:27

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  Ich freue mich schon auf den Moment wo der große schwarze Wandelwolf dem Menschenmädchen mit den langen blonden Locken begegnen wird. Einfach toll geschrieben.  
   Petra  -  29.09.10 21:26

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  Huhu Lilly,
ja is nervig so ne Verknotung.
Bei mir is tdas oft gerade dann so wenn sich sehr viele Ideen und Gedanken in meinem Gehirn drängeln und alle gleichzeitig rauswollen. Das ist dann in etwa so wie Stau aufm Autobahnkreuz...Nix geht mehr! ;)

Huhu Jingizu,
wie schön, dass ich auch hiermit wieder deinen Geschmack getroffen habe.
Nun wie gesagt, so ne Hirnverknotung ist als Stau zu betrachtenund ich hoffe selbst sehr, dass meine derzeitige sich nun endgültig aufgelöst hat. Die Zeichen sprechen jedenfalls dafür.

Liebe Grüße  
   Tis-Anariel  -  28.09.10 00:19

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  Auch hier triffst du wieder meinen Geschmack mit deiner Geschichte. Dann hoffe ich mal das du von deiner Hirnverknotung verschont bleibst bis Karm am Ende seiner Reise angekommen ist.  
   Jingizu  -  27.09.10 16:23

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  Oh das kenne ich, hatte ich auch schon mehrmals und manchmal auch, während ich an einer Geschichte schrieb. Dann musste ich diese beiseite legen. Manchmal, nach schon 1-2 Jahren, gings dann weiter. Das ist manchmal sooo komisch. Nicht wahr?  
   Lilly  -  27.09.10 12:32

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  Hallo Lilly,
es freut mich, dass es dir gefällt und ich es geschafft habe dich neugierig zu machen.
Ja es wird eine Fortsetzung geben.
Offenbar habe ich meine derzeitige akute Hirnverknotung endlich hinter mir und das schreibsen klappt wiederbesser.

Liebe Grüße an dich  
   Tis-Anariel  -  27.09.10 00:21

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  Oh, jetzt bin ich aber neugierig. Super geschrieben!!!! Bitte schnell weiter!!!  
   Lilly  -  26.09.10 18:46

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Interessante Kommentare

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