Blutmond - Karms Reise (Prolog)   47

Romane/Serien · Schauriges · Herbst/Halloween

Von:    Tis-Anariel      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 2. September 2010
Bei Webstories eingestellt: 2. September 2010
Anzahl gesehen: 1870
Seiten: 3

Diese Story ist Teil einer Reihe.

Verfügbarkeit:    Die Einzelteile der Reihe werden nach und nach bei Webstories veröffentlicht.

   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


Blutmond - Karms Reise



-Prolog-



Dunkel trieben sie dahin, hoben sich nur durch die tiefere Schwärze vom Nachthimmel ab und weil sie die Sterne Zeitweise verdeckten, ähnlich wie vorüber ziehende Gewitterwolken. Völlig lautlos trieben sie durch die Nacht und hinter ihnen blieb auch nur Stille zurück. Eine tote Stille war das, denn alles Leben hatten die Kreaturen genommen, selbst die Pflanzen fingen an zu verdorren.



Aramia schreckte bebend und am Rande eines Schreies aus ihren Alpträumen hoch.

Wieder hatte sie von ihnen geträumt, wie schon all die Jahre zuvor immer wieder. Doch seit kurzem wurden diese Alpträume wieder bildlicher, deutlicher und lebendiger. Dieser Umstand war es, der die alternde Frau so sehr erschreckte.

Sie war ein junges Mädchen gewesen, als diese Wesen das erste Mal am Nachthimmel auftauchten und bald Angst und Schrecken verbreiteten. Fünfzig Jahre war das nun schon her, doch die Erinnerungen an diese schreckliche Zeit hatten auch diese Jahre nicht trüben können. Anderen Überlebenden ging es da nicht anders als Aramia.



Seufzend erhob sie sich und streifte das verschwitze Nachthemd ab. Mit schnellen Schritten war sie bei der Waschschüssel um sich den Schweiß vom Körper zu waschen und während sie sich abtrocknete warf sie einen Blick nach draußen. Ein Schaudern suchte die Frau heim.

Der fast volle Mond wirkte aufgequollen und hing, kränklich gelb leuchtend, dicht über dem Horizont. Sein trübes Licht versilberte die Nebelschwaden, die sich in den Senken und unten am Bach gebildet hatten. Der Ausblick wirkte trostlos und hätte besser in den Herbst gepasst. Nur war der noch ein Stück weit entfernt.

Ein weiters Schaudern erinnerten Aramia daran, wie frisch es doch in den Nächten wurde und dass sie sich besser etwas überstreifen sollte. Noch während sie nach einem anderen, trockenen Nachthemd griff dachte sie über diesen seltsam kühlen Sommer nach.

Es war viel zu kühl und zu nass für den Kornmond. Eigentlich sollte am Tage die Luft vor Hitze flirren und die Nachtkühle herzlich willkommen sein. Doch dieses Jahr war es nicht so. Es wollte und wollte nicht so wirklich heiß werden und wenn es doch einmal ein zwei Tage so wurde, dann kamen heftigste Gewitter und kühlten sogleich alles wieder ab.
Seite 1 von 4       
Es regnete auch viel zu oft und die Temperaturen sanken des Nachts so tief, so dass man wirklich eine Weste brauchte, damit man nicht fror. Normal war das nicht und dennoch war es auch nicht unbekannt. Alle paar Jahre schien das Wetter solche seltsamen Kapriolen zu schlagen. Aramia war deswegen nicht sonderlich beunruhigt. Der gelbe, irgendwie kränklich wirkende Mond jedoch löste bei der alten Frau Sorge aus. Seit vier Monden war er schon so und es schien, als wolle er dass auch für die nächsten Monde so bleiben wollte.

Aramia fühlte sich unschön an die schlimmen Dinge erinnert, die vor fünfzig Jahren geschehen warn. Damals war der Mond ebenso gewesen. Gelb, kränklich und oftmals unnatürlich aufgequollen. Doch als es am schlimmsten wurde damals, da verfärbte sich der Mond erneut und wurde so rot wie Blut.

Die alte Frau seufzte leise und fragte sich, ob sie jemals diese untergründige Angst wieder loswerden würde. Sie bezweifelte es. Zu schrecklich waren ihre Erlebnisse vor fünfzig Jahren gewesen, die Dinge, die sie gesehen hatte, waren zu grauenhaft gewesen. Sie hatten sich unauslöschlich in ihr Gedächtnis gebrannt. Erneut seufzte Aramia und warf noch einen Blick hinaus.

Erschrocken erstarrte sie mitten in der Bewegung. Über den Mond hatten sich feinste Schlieren ausgebreitet, die so rot wie Blut waren. Schmerzhaft setzte ihr altes Herz einen Schlag aus, nur um dann schneller weiterzuschlagen. Ihre Augen waren ganz groß und rund geworden und erst jetzt begriff sie.

Eine unnatürliche Kälte breitete sich in ihrer Schlafkammer aus und sie wusste, dass sie nun nicht mehr alleine war. Der Schrecken, dem sie ihre Alpträume verdanke war zurückgekehrt und wollte sie nun auch endlich verschlingen. Obwohl sie voller Furcht war, drehte sie sich um. Sie wollte ihrem Tod entgegenblicken.



Ein schriller Schrei durchschnitt die Dunkelheit der Nacht und schreckte Karm auf. Er brauchte einige Momente um zu erkennen, das das durchdringende Gekreische aus einer menschlichen Kehle stammte und vermutlich zu einer Frau gehörte.

Eine leise Traurigkeit schlich in sein Herz, als er sich an diese alte Frau erinnerte und daran, wie freundlich sie zu ihm gewesen war. Vermutlich war es ihre Stimme, die diesen Schrei ausgestoßen hatte.
Seite 2 von 4       
Seine Nase und all seine anderen Sinne sagten ihm, dass die schwarzen, nebelartigen Wesenheiten wieder da waren. Es war nur eine Frage der Zeit gewesen, bis dass sie sich wiedererhoben und dies war nun geschehen. Im Gegensatz zu den Menschen wussten aber er und die Seinen wie sie den Sinnen dieser Kreaturen entgehen konnten und als ihm klar wurde, dass sie wohl über seinen derzeitigen Standort hinweg ziehen würden handelte er unverzüglich. Schon Stunden zuvor entdeckte er einen passenden Ort, einen verlassenen Tierbau, der tief in die Erde hinabführte. Dort hinein kroch Karm nun und verschloss den Tunnel hinauf zur Oberfläche fast vollständig.

Sicher war man vor diesen Wesen nur am Tag und tief unter der Erde, denn dort suchten sie niemals.



Vorsichtig lugte er durch den Spalt, den er freigelassen hatte nach draußen und sah sie im dichten Schwarm vorüberziehen. Schwerelos und ohne Laut flogen sie am Nachthimmel dahin, wie Nebelfetzen, dabei aber so schwarz wie Gewitterwolken. Ihre Form schien fließend, nicht wirklich bestimmt und nur ihre Augen stachen rot aus dem Schwarz hervor.

Die ganze Nacht erhoben sich immer mehr dieser Wesen und zogen am Himmel fort, hinab in die Tiefebenen und fort aus dem Bergland. Welches Lebewesen ihnen auch immer dabei in die Quere kam wurde regelrecht verschlungen, ja ausgesaugt, bis nur noch eine vertrocknete Mumie übrigblieb. Karm jedoch und auch andere Wesen, die sich wohlweislich unter der Erde verbargen bemerkten sie nicht.

Irgendwann zog er sich müde tiefer in den Bau zurück, dorthin wo er es warm und gemütlich hatte und legte sich dort nieder um zu schlafen.

Die folgenden Monde würden schwer werden und hart, da musste er ausgeruht und stark sein.



Außerhalb des tiefen, alten Dachsbaues hatte sich der Mond nun vollständig rot gefärbt. Blutmond nannten die Wissenden dieses Phänomen und die Dschan erhoben sich im Licht des roten Mondes erneut. In dichten Schwärmen zogen sie hinab in die Tiefebenen.





© Anariel 31.08.2010



_____________________________________________________





Bei Karms Reise handelt es sich wieder einmal um eine jener Geschichten, die plötzlich in meinen Gedanken auftauchen, mich regelrecht im Dunkel der Nacht anspringen und unbedingt aufs Papier, (bzw.
Seite 3 von 4       
in ne Datei) wollen.

Momentan steckt dieser Anfang in meinem Ideenfundus und ist dort erst mal abgelegt.

Ich weiß nicht ob ich sie jemals weiterschreiben werden, aber wer weiß schon was die Musen noch mit mir anstellen werden.



Mit lieben Grüßen

Anariel
Seite 4 von 4       
Punktestand der Geschichte:   47
Dir hat die Geschichte gefallen? Unterstütze diese Story auf Webstories:      Wozu?
  Weitere Optionen stehen dir hier als angemeldeter Benutzer zur Verfügung.
Ich möchte diese Geschichte auf anderen Netzwerken bekannt machen (Social Bookmark's):
      Was ist das alles?

Kommentare zur Story:

  Huhu Jingizu,

wie schön, dass es dir so gut geällt.
Es freut mich, dass ich das grausen gut einfangen konnte.
Nun ja, die Musen drängeln sich derzeit ein wenig, aber ich hab schon einige Ideen dazu.

Liebe Petra,
es freut mich, dass es auch dein Gefallen gefunden hat. Schön, dass ich es schaurig hinbekommen habe.
Nun ich weiß noch nicht so wirklich, wie es nun weitergeht, habe aber dazu schon einige Ideen.
Man darf also gespannt sein.

Liebe Nachtgrüße  
   Tis-Anariel  -  09.09.10 04:43

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  Huh, das passt echt zum Herbst. Schauerlicher Prolog. Gut gelungen. Und wie geht`s weiter?  
   Petra  -  07.09.10 22:33

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  Grausig und mit dem dir eigenen düsteren Touch versehen bannt dieser Prolog den Leser in eine Welt in welcher dunkle Mächte über die wehrlosen Lande ziehen und... tja... und was dann noch kommt dürfen wir wohl bald gespannt erwarten  
   Jingizu  -  04.09.10 16:09

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  Huhu Doska,

es freut mich, dass dir auch dieser Anfang gefällt.
Hmm...ja meine Musen, die sind schon eigen.
Ich bin auch gespannt,was sie mir zu dieser Geschichte noch alles einflüstern ;-)

Liebe Grüße an dich  
   Tis-Anariel  -  04.09.10 04:28

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  Ein interessanter Anfang. Kein Wunder, dass dich die Musen nicht in Ruhe lassen wollten. So etwas gehört in`s Internet. Bin gespannt was noch so alles kommen wird.  
   doska  -  03.09.10 18:00

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

Stories finden

   Hörbücher  

   Stichworte suchen:

Freunde Online

Leider noch in Arbeit.

Hier siehst du demnächst, wenn Freunde von dir Online sind.

Interessante Kommentare

Kommentar von "Meerschweinchen" zu "endstation der träume [textfetzen]"

total cool. Gefällt mir gut. Du hast stil. 5 Punkte! ;) mehr geht ja LEIDER nicht

Zur Story  

Aktuell gelesen

  In Arbeit

Funktion zur Zeit noch inaktiv. Über ein Konzept zur sicheren und möglichst Bandbreite schonenden Speicherung von aktuell gelesenen Geschichten und Bewertungen, etc. machen die Entwickler sich zur Zeit noch Gedanken.

Tag Cloud

  In Arbeit

Funktion zur Zeit noch inaktiv. In der Tag Cloud wollen wir verschiedene Suchbegriffe, Kategorien und ähnliches vereinen, die euch dann direkt auf eine Geschichte Rubrik, etc. von Webstories weiterleiten.

Dein Webstories

Noch nicht registriert?

Jetzt Registrieren  

Webstories zu Gast

Du kannst unsere Profile bei Google+ und Facebook bewerten:

Letzte Kommentare

Kommentar von "Michael Brushwood" zu "Noch mal: Es war einmal ..."

Tarnungen sichern halt die Existenz im Leben. Wie toll, dass du die Leser darauf aufmerksam gemacht hast! LG. Michael

Zur Story  

Letzte Forenbeiträge

Beitrag von "Homo Faber", erstellte den neuen Thread: ???

Graf von Heidel, Ritter Norman M. und Burgfräulein Müller lesen am 04.03.2018 um 15:00 Uhr im Café zur Burg in Altena. Es werden Texte rund um Ritter, Burgen, Drachen und Mittel ...

Zum Beitrag